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Aus aller Welt.

Die Frühjahrsübungen der deutschen Flotte.

Die Frühjahrsübungen der deutschen Flotte in der Ostsee haben mit Qkginn dieser Woche ihren Höhepunkt erreicht. Die drei Linienschiffe Hessen",Schleswig-Holstein" und Schlesien" standen unter dem Oberbefehl von Kontreadmiral Förster. Don den Öluf- klärungsstreitkräften nehmen die Kreuzer .,K ö nigsberg" und »Emde n" und die zwei Tor­pedobootsflottillen unter dem Kommando von Kontreadmirol Albrecht teil. Den Oberbefehl über beide Verbände übernahm Vizeadmiral Glabisch. Kleinere Manöver wechselten mit Marschübungen der Llusklärungsstreitkräfte und Tagangriffen der Torpedoboote auf die Linien­schiffe, wobei die verschiedensten Angriffsarten durchgeführt wurden. Eine anschließende Nacht­übung der Torpedoboote stellt die Flot­tille vor die Aufgabe, an drei durch andere Streitkräfte gesicherten Linienschiffen Fühlung zu gewinnen und sie anzuareifen. Mit abgeblcndeten Lichtern begann das Heranpirschckl an den un­sichtbaren Feind, der durch häufigen Kurswechsel die Suche erschwerte. Dann, nach plötzlichem Hervorbrechen zu schneidiger Attacke deckten Ver­nebelungen den Rückzug. Die Manöver vollzogen sich im großen Raum der Pommerschen Ducht und der Rügenschen Gewässer.

Großer Bergrutsch bei Cochem.

Der schon seit Jahren drohende große Berg­rutsch bei Cochem ist in den Abendstunden des Dienstags eingetreten. Schon während des gan­zen Rachmittags befand sich das Beramassiv in ständiger Unruhe. Gegen 23 Uhr ist die Hauptmasse des in Bewegung befindlichen Berges etwa 10 COO Kubikmeter Erd- und Fels­masse unter großem Getöse abgestürzt. Die benachbarten Mo se l o r te wurden in mäch­tige Staubwolken eingehüllt. Eine vor dem Haupteinbruch des Felsmassids befind­liche Schreinerei wurde vollständig hinweggcfegt. Die zentnerschweren Steinblöcke liegen meter­hoch auf der Provinziallandstraße. Große Teile der Gesteinsmassen find in die Mosel gestürzt. Eine große Menschenmenge umlagert die Einfturz- stelle. Die Fernleitungen sind zum großen Teil durchschlagen, so daß die nahen Moselorte ohne Licht sind. Von der Cochemer Seite her versuchte man, mit Scheinwerfern das völlig im Dunklen liegende Gelände zu erhellen. Heber die Höhe des angerichteten Sachschadens ist noch jeder Ucberblick unmöglich. Die anliegenden Wein­berge sind völlig zerstört.

Der Bilderfälscher wacker zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

Der Kunsthändler Otto W a ck e r ist vom Schöf­fengericht Berlin-Mitte unter der Beschuldigung, 30 Bilder, die das Zeichen des holländischen Mei­sters van Gogh trugen, als echte van Goghs in den Verkehr gebracht zu haben, we­gen fortgesetzten Betruges zum Teil in Tateinheit mit fortgesetzter Urkundenfälschung zu einem Fahr Gefängnis verurteilt worden. 3n der Begründung zu dem Urteil befaßte sich der Vorsitzende u. a. ausführlich anit der Frage der Echtheit der von Wacker in den Handel ge­brachten van-Gogh-Dilder. Die Hauptverhand­lung habe ergeben, daß elf Bilder ohne je­den Zweifel Fälschungen sind. Zwischen den Kunstkritikern und Händlern, zwischen den Kunsthistorikern und Malern habe in diesem Punkte völlige Einmütigkeit geherrscht. Infolge der kunstkritischen Ausführungen der Sachverstän­

digen Iusti, Thormälen und Ruhemann, sowie den wissenschaftlichen Untersuchungen der anderen Sachverständigen habe das Ge­richt vier weitere Bilder, die von den holländischen Sachverständigen als echt erklärt wurden, für Fälschungen angesehen. Selbst wenn ober auch noch das eine oder andere Bild echt sei, so sei doch die übergroße Mehrzahl unbestritten falsch. Der Vorsitzende führte weiter aus, an den großen Unbekannten könne das Gericht nicht glauben. Wie anders hätte Wacker vor Gericht gestanden, wenn sein An­walt, der von Amts wegen zur Verschwiegenheit verpflichtet gewesen sei, als Zeuge hätte sagen können, daß er den Dorbesiher der Bil -

r kenne, aber nicht nennen dürfe. Wacker könne nicht erwarten, dah das Gericht seinen fadenscheinigen Erklärungen glaube. Strafmil­dernd sei für ihn gewesen, daß ihm seine Taten dadurch erleichtert wurden, daß das große Pu­blikum den Experten alles glaubte, dem künst­lerischen Wert aber nur geringe Bedeutung bei- mah.

Zweiter internationaler Auto-Straßenkongreh.

Ter vom -Internationalen Autostrahenamt in Genf einberufene zweite internationale Auto- straßen-Kongreß nahm in Mailand seine Ar­beiten auf. Gin Vertreter des Internationalen Arbeitsamts verlas eine Mitteilung Albert Tho­mas , in der auf die Rotwendigkeit um­fangreicher Arbeitsbeschaffung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit hingewiesen und der Bau eines europäischen Auto- strahennehes empfohlen wird, das in 50 fahren mit einem Kostenaufwand von vier Mil­liarden Goldfranken geschaffen werden sollte. Der Präsident des Organisationsausschusses des Kon­gresses, Dr. Ruffeier (Bern), dankte Italien für die Bereitstellung seiner Erfahrungen und Fach­leute an alle übrigen Länder. Der Kongreß be­schäftigte sich sodann mit der Beratung tonischer Fragen.

hohe Zuchthausstrafen für Brandstifter.

Das Schwurgericht Dortmund verurteilte den 30jährigen Mechaniker G la d e zu drei Jahren Zucht. Haus, den 24iäl)rigcn Schlachter Frigge zu zwei Jahren Zuchthaus und den 26 Jahre allen Klempner F r i g g e zu drei Jahren sechs Monaten Zuchthaus. Glade, der in Hamm eine Fahrradhandlung betrieb, befand sich in Zahlungsschwierigkeiten Mit seinen Vettern, den Brüdern Frigge, kam er überein, dieWerkstattinBrandzusetzen, um sich dann durch die Versicherungssumme von allen Geldsorgen zu befreien. In der Nacht zum 16. No- vember v. I. legten die Brüder Frigge auf Geheiß Glades den Brand an. Durch das Feuer gerieten drei Leute, die in dem Gebäude schliefen, in h ö ch st e Lebensgefahr.

Riesiges Feuer

in der Hauptstadt von Britisch-Honduras.

In Belize, der etwas über 10 000 Einwohner zählenden Hauptstadt der britischen Kolonie Hon­duras in Mittelamerika, brach ein Feuer aus, durch das drei Häuserviertel zerstört wurden. Der Schaden wird auf eine Million Mark geschätzt. Menschenleben sind nicht zu beklagen, doch sind 4 00 Einwohner obdachlos geworden. Die zerstör­ten Gebäude waren größtenteils Geschäftshäuser. Die Gaste von zwei großen Hotels konnten rechtzeitig gewarnt werden. Wie erinnerlich, war die Stadl im eeptember v. I. von einem Wirbelsturm heim­gesucht worden, dem 1000 Menschenleben zum Opfer fielen.

9er britische StaalshaushMvoranschlag we Reparalions- und Kriegsschuldenrahlungen.

Neville Chamberlains Budgelrede im Unterhaus.

<^2.) Unter grobem ffAbgeordneten und bei überfüllten ?.Fr^n<?RbCflaRn b,eute der Schahsekretär R e - a? ^ine mit Ungeduld er- ?Ä ?UbfleLr-eb/- Er erklärte zunächst, daß die neuen Einfuhrzölle bisher einen ©rtrafl Don 2 Millionen Pfund Sterling gebracht hätten. Durch Sparmaßnahmen und neue Sleu- ern «eien letzt die Voranschläge des September die em Defizit von 74 Millionen ergaben mit

J!clnen Überschuh von 346 000 Pfund ver- w'rklicht worden Die letzten Monate hatten

Belebung des Handels und der Arbeits- beschaftigung gebracht, die zu der Hoffnung An­laß gebe, daß das Schlimmste über stan- d e n sei.

Das gegenwärtige Budget enthalte keine Vorkehrungen für den Empfang von Reparationen und alliierten Kriegsschulden oder für die Zah- lungen der eigenen Kriegsschulden Englands. Ls behandele diese Angelegenheit als schwebend. Die zukünftige Lage hänge von dem Ergebnis der Lausanner Konferenz ab. Seiner Ansicht nach sei es am besten, sich im gegenwärtigen Augenblick vonallenRepa. rationsangeleg^nheiten freizu- halten. Dieses Vorgehen bedeute nicht, daß die englische Politik in dieser delikaten Frage irgendeine neue Entscheidung getroffen habe. Er glaube, der Zustimmung des Hauses gewiß zu sein, daß eine Diskussion im gegenwärtigen Augenblick unzweckmäßig wäre.

Den gesamten Ausgabenvoranschlag bezifferte Chamberlain auf der Basis der be­stehenden Besteuerung mit 766 Mill., die Ge­samteinnahmen mit 764,3 Millionen, so dah sich ern Defizit von 1,7 Millionen ergibt. ®in Devisenausgleichskonto würde ge­schaffen werden, für das er um Ermächtigung ersuchen würde, bis zum Höchstbetragc von 150 Millionen zu borgen. Es sei keine Gelegen­heit, dem Einkommen st euerzahler in diesem Jahre Erleichterungen zu gewäh­ren. Wenn man wertlose Währungsschwankungen vermeiden wolle, sei es notwendig, angemes­sene Gold- und Devisenreserven zu unterhalten. Er beantrage deshalb, den alten Devisenfonds aufzulösen und die Aktiven daraus als Kern eines neuen Fonds des bereits erwähn­ten sogenannten Devisenausgleichskontos zu ver­wenden. Diese neuen Ermächtigungen, vereint

mit den Befugnissen, die die Bank von England bereits besitzt, würden es ermöglichen, viel wirk»

-"IIr als bisher entweder einen uner­wünschten Kapitalzusluh oder das Gegenteil zu verhindern.

Unfreundliches Echo in Amerika.

<4c«en ein neues Nloratorium.

Washington. 19. April. (WTB. Funk- soruch.) Dte Ankündigung des britischen Schatzkanzlers im ilntcr&aufe, daß keine Zahlungen an Amerika in das neue

u ög«t eingestellt seien, erregte im Dun- oealcnat Ueberraschung und Unwillen. Senator Reed sagte, er bezweifle, daß Eng- land seine Verpflichtungen an Amerika nicht Irlich zu regeln bereit fei; für Amerika komme jedenfalls ein neue« Moratorium nicht in Frage.

Senator Bor ah erklärte, das Hoover-Mora- torlum sei nicht im Interesse Englands, s o nb ern Deutschlands proklamiert Horden und Amerika sehe keine Veranlassung, den delegierten entgegenzukommen, solange fienidjt ihre Rüstungen herabsehten. die Rcparat-.onsfrage lösten und den Versail­ler Vertrag revidierten. Weitere Opfer zu Lasten Amerikas seien nutzlos, solange die gegenwärtige politische Konstellation nicht geän­dert werde. Die europäischen Rationen seien sehr wohl in der Lage, ihre Schulden zu zahlen.Kein Dollar Schuldenzah­lung', hob Borah mit Rachdruck hervor, kommt vom ausländischen Steuer­zahler. Deutschland zahlt für alle. Die Steuerzahler Englands. Frankreichs und Ita­liens zahlen für Rüstungen. Solange für Armee und Marine Riesensummen ausgegeben werden, kann eine Herabsetzung der Kriegsschul­den unmöglich die Rückkehr zur Prosperität brin­gen."

Im Staatsdepartement erklärte man. r>on der britischen Regierung keine Benach­richtigung erhalten zu haben, daß sie keine weiteren Zahlungen an Amerika leisten wolle. Mcm legt Chamberlains Erklärung feine erheb­liche Bedeutung bei, sondern nimmt an. daß die britische Regierung nur das Ergebnis der Lausanner Konferenz abwarten will, bevor-sie diesen Posten im Budget anführt

Aus der Provinzialhauptstadt.

Dießen, den 20. April 1932.

Sein oder Nichtsein?

Der zweite Vortrag von Prof. Dr. H o r n e f - le r im Rahmen seines Vortragszyklus, der auf Veranlassung der Mittelstandsvereinigung Gießen geboten wird, fand am Montagabend im Cafö ^etb wieder vor zahlreichen Zuhörern statt. Der Redner sprach diesmal über das Thema: »Der Geist des neuen Staates". Rachdem er mit kurzen Worten die geistige Brücke von dem ersten Vortrage zu dem Thema des Abends her- gestellt hatte, betonte er u. a., daß er den Ra­tionalismus als Angelegenheit der Rasse ab- lehne. Das Wesen eines Volkes offenbare sich in seiner geistig-sittlichen Veranlagung. Alles komme darauf an, ob wir aus der Geschichte des deutschen Geistes Werte zu gewinnen wüßten, die wir auf die Sache selbst ausstrahlen . lassen konnten. Der Redner wies bann. auf Kant hin, dessen grundlegende philosophische Erkennt­nisse und Bekenntnisse er in den Mittelpunkt feine« geistreichen Gedanlenbauwcrles stellte. Er rühmte am deutschen Volke die hervorragende Zähigkeit zur Ausprägung individueller Kräfte, bedauerte aber, daß es dem deutschen Volke gerade infolge seiner Vielseitigkeit immer noch niept gelungen sei, einen einheitlichen deutschen Geist zu schaffen. Zwar sei in unserem Volke die aus dem Rordosten auf das ganze deutsche Volk ausgebreitete preußische Disziplin lebendig. Aber die wahre Erziehung sei die Selbstüberwindung; auf diesem Wege sei das deutsche Volk das disziplinierteste der Geschichte geworden, es habe dieses hohe Gut durch seinen Abbruch mit der deutschen Geschichte aber wieder von sich ge­worfen. Der reine, nackte Rationalismus, der von anderen Völkerschicksalen vollkommen absehe, werde niemals das deutsche Wesen stärken können. Selbsterkenntnis durch Vergleiche mit den anderen Wesen sei uns nötig; nur die ganze Weite der Weltgeschichte könne uns das deutsche Wesen und damit auch den Sinn des deutschen Volkstums und der deutschen Geschichte erkennen lassen. DerRedncr erinnerte dann an die Geschichte Griechenlands und Roms, stellte das Machtstreben der römi- scheu Kirche in früheren Jahrhunderten und das Wirken der Reformation, ferner die westeuropäi­schen Geistesrichtungen in den Kreis seiner Be> trachtung, um erneut auf Kant hinzuweisen, dessen Lehre von Gesetz und Freiheit (die wahre Frei­heit ist das Gesetz und das Gesetz ist die wahre Freiheit") heute mehr als je Beachtung ver­diene. Er erinnerte weiter an die Lehr- und Denkfreiheit in dem Preußen Friedrichs des Gro­ßen, an das Werk des Freiherm vom Stein und das Wirken Bismarcks, und bemerkte, dah dieser große und wundervolle Staat wieder zer­fallen sei, liege an den Epigonen, die diesen Staat nicht verstanden hätten. Rotwendig für unser Dolk sei die Erziehung auc freiwilligen Disziplin die Wiederherstellung der Autorität, die Der- wirklichung der Gesetzlichkeit Kants. Wahre Di­sziplin sei nicht die Unterwerfung unter eine Dik­tatur, sondern sei die freiwillige Unterordnung unter die Sachkunde, unter die Erfahrung; Ziel­punkt des Strebens sei der auf diesen Grundlagen aufgebaute freie Bürgerstaat. Dom Masse-Staat sich in die Diktatur fluchten, sei Selbstpreisgabe des Bürgertums. Es müsse die Anknüpfung an die deutsche Geschichte wiedergefunden werden; die Diktatur sei aber keine deutsche Geschichte, sondern sie bringe etwas Fremdes, etwas Welsches in Deutschland hinein. Das Ideal sei der von sach­kundigen und bewährten Männern geleitete freie Bürgerstaat. Rur auf diesem Wege könne Deutschland aus der Rotzeit wieder heraus­kommen. (Lebhafter Beifall.)

Nationalsozialistische Versammlung.

Die RSDAP. hielt am Montagabend in der Turnhalle am Oswaldsgarten eine öffentliche Versammlung ab. Als erster Redner sprach Abg. Graf Solms. Er beschäftigte sich zunächst mit der Wiederwahl Hindenburgs und seiner Botschaft an seine Wähler sowie mit dem Verbot der SA Dieses Verbot sei eine schwer zu verstehende Maß­nahme. Die SA. bejahe den Staat unb die Staatsautorität. sie diene dem Vaterland, der Ra­tion. Es gebe in Deutschland Organisationen, die das Rationale leugneten und nicht verboten wür­den. Jeder andere Staatsmann hätte übrigens verstanden, die SA. im Dienste des Vaterlandes au verwenden. Der Redner beschäftigte sich so­dann mit der Person des Reichskanzlers. Die RSDAP. glaube nicht an ihn, sie könne ihm ihr Vertrauen nicht schenken, seine Deflationspolitik sei verhängnisvoll für die deutsche Wirtschaft ge- worden, das Heer der Arbeitslosen habe sich ver­größert. Deutschland habe im Auslande an An­sehen verloren, Brüning könne sich von den kom­menden Verhandlungen nichts versprechen. Ge-

Frankreich werde nichts zu erreichen sein. Die ffen- und Wirtschallsgewalt auf der Seite

Frankreichs sei au groß. Die RSDAP. sei gegen Brüning, bewußt für Hitler. Hitler wolle das Ehaos abwenden und einen geordneten Staat schaffen. Der Staat sei aber nicht Selbstzweck. Ein scheinbarer Staat müsse durch einen wirklichen Staat abgelöst werden. Die Auflösung der SA. sei eine große Unklugheit gewesen. Der Er'o g der Verbotsaktion werde sich in das Gegenteil ver­kehren und sich werbend für die RSDAP. auswir­ken. Man habe aber und das sei wohl der tiefere Sinn der Aktion die SA zur Illegali­tät bringen wollen. Der Plan sei an der Diszi­plin der SA. gescheitert. Abschließend sprach der Redner von Hitler, von der Bedeutung des Füh­rers, seiner Persönlichkeit, seiner geistigen ileber- legenheit und von seinem umfangreichen Wissen, Hitler sei der Führer aus der Rot unserer Tage, es sei an der Zeit, sich zu ihm zu bekennen. (Leb­hafter Beifall.)

Sodann sprach Edler von Graeve. Er erörterte zunächst die gegenwärtige Situation zwischen Hindenburg und Groener und die Vor­gänge der letzten Tage. In Deutschland herrsche eine Ruhe, die krampfhaft gesichert werde. Der Weg werde in das Chaos führen, wenn sich die Verhältnisse weiter so entwickelten wie bisher. Ernsthaft bereite sich eine Revolution vor, die eine Epoche abschließen werde. Es handle sich um eine geistige Auseinandersetzung mit den Kräften, die bisher dem Volke systematisch das Selbstvertrauen geraubt hätten. Dor der Ent­scheidung liege immer lange Dorbereitung. Die jetzt fich vorbereitende Revolufion sei schon lange vor dem Kriege latent in der Entwicklung ge­wesen, zu einer Zeit, da man auf den Geist des Westens hörte, der dem Deutschen volksfremd sei. Man habe geradezu nach dem Westen ge­starrt und den deutschen Osten dabei vergessen. Erst der Weltkrieg habe wieder eine Verbindung

mit Blut und Boden geschaffen. Aber nur bei denen, die im Felde waren. In der Heimat seien andere Strömungen vorherrschend gewesen, die zu den verhängnisvollen Rovembertagen 1918 geführt hätten und das heutige System in das Leben riesen. Run sei es Hitler, der dem Geist !^s Westens enfgegcntretc. Der Kampf werde ihm schwer gemacht. Man werde aber in Zu­kunft mit all den Mitteln kämpfen, mit denen man bisher der RSDAP. entgegengetreten sei. Das Verbot der SA. sei ein Akt der Verzweif­lung. Die Revolution der Gegenwart werde den Sieg davontragen, wenn nicht zuvor die Ver­zweiflung im Volke ihn unmöglich mache. Man spreche zu viel von Krise und lähme dadurch die Widerstandskrall des Volkes. Das gegen­wärtige Svstem unseres gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens wanke, weil die Grund­lage zerstört sei. Mit einem Aufruf, sich dem Füh­rer Hitler an-uschließen, beendete der Red. er seine ebenfalls beifäl.ig aufgenommenen 2Iu' rungen.

Bornotizcrr.

TageskalenderfürMittwoch. Stabt- theater: 19.30 bis gegen 22.15 Uhr,Liebelet , vorher Der verwandelte Komödiant". Einhornfaal, 11 bi» 19 Uhr, Hessische Hygiene-Ausstellung. Olympischer Sport-Club: 20.30 Uhr, Reichsbahn-Turn- unb Sporthalle, Generalversammlung. Hausfrauen- Beratung: 20 Uhr, Hotel Hindenburg, Ausstellung und Kursus für kunstgewerbliche Verarbeitung von Seidenkrepp. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Der Sieger".

Aus dem Stadttheaterbureau Wird uns geschrieben: Heute. 19.30 älhr, ..Lie­belei". Schauspiel von Arthur Schnitzler. Eines der bekanntesten und beliebtesten Kammerspiele Schnitzlers. Spielleitung Karl Heyser Vorher Der verwandelte Komödiant", ein Spiel aus dem deutschen Rokoko von Stefan Zweig. In der Titelrolle Karl Bruck. Ende der Doppel­vorstellung gegen 22.15 Uhr. 27. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement. Freitag, 22. April, 20 Uhr,Morgen geht's uns gut!" Die be­jubelte Schlageroperette von Hans Müller, mit der Musik von Ralph Benatzky. Spielleitung und Hauptrolle Heinrich Hub. Musikalische Lei» tung Walter Moehl. Tänze Ewald Bäulke.

Der Schlußvortrag von Professor Horneffer im Rahmen seines von der Mittel­standsvereinigung Gießen veranstalteten Vortrags­zyklus findet morgen, Donnerstag, abend im Saale des Caf6 Leib statt. Jrn Anschluß an den Bortrag soll eine freie Aussprache für alle Parteien vor sich gehen, zu der bereits eine Anzahl Wortmeldungen vorliegen. Die auf hoher geistiger Warte stehenden Darlegungen des Gelehrten, wie auch die Aussprache über die Gesamtheit der Vorträge lassen für morgen wieder einen geistig sehr anregenden Abend erhoffen. (Siehe heutige Änzeiae.)

Lehr, und Ünterhaltunasvorfüh- rung in der Alice-Schule. Man schreibt uns: Morgen, Donnerstag findet in der Alice-Schule, Steinstraße 10, um 16 und 20 Uhr je eine Lehr- und Unterhaltungsvarführung über neuzeitliche Selbst- herstellung^vn Kleidung statt. Neue Wege der Eigen, schneiderei unb Wäscheherstellung werden aufgezeigt werden. Das Herstellen der Büste in Form des eigenen Körpers zum Abstecken und Anproben der Kleidungsstücke, der Werdegang vom Stoff zum ferti­gen Kleid wird vorgearbeitet, Wäschestücke unb Schnitte gezeigt werden. Siehe Anzeige vom Samstag.

** Vom Feldschükendienst. Die Bürger­meisterei macht im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß der Dersorgungsanwärter Heinrich Schmidt von hier als Feldschütze für die Gemarkung Gießen verpflichtet wurde.

** D i e Vertilg um g der Raupennester mufj van den Garten, unb Feldbesitzern an ihren Bäumen, Sträuchern unb Hecken bis zum I.Juni vorgenommen werden. Wer dieser Verpflichtung nicht nachkommt, hat Bestrafung zu gewärtigen. In. tereffenten mögen die heutige Bekanntmachung der Bürgermeisterei beachten.

Entfesseltes Afrika. Unter diesem Titel lief am Sonntagvormittag im Lichtspielhaus Bahnhofstraße wieder ein Kulturfilm, der aber in mancher Hinsicht die Ansprüche nicht ganz er­füllte, die man an einen Kulturfilm stellen darf. Wohl sah man interessante Tieraufnahmen, einen spannenden Kampf zwischen einem Löwen und einer Hyäne, Bilder von einem Steppcnbrand, einige sehr gute Aufnahmen von Flußpferden und Krokodilen, von den scheuen Kudus und von schö­nen Impalla-Antilopen, dies alles war aber nicht mit jener Sorgfalt und nicht mit jenem technischen Geschick gestaltet, das man zum Beispiel in dem FilmRango" zu bewundern Gelegenheit hatte. Interessant, wenn auch nicht mehr neu, waren die Szenen aus den Kraals der Eingeborenen und die Aufnahmen von den ekstatischen kultischen Tän­zen. Dezeicknend für die Einstellung der Amerika­ner war übrigens die Form, in der sie mit den Siegern Geschäfte machten, und was sie als Tauschmittel. mit . sich führten. Sympathisch be­rührte die Tatsache, daß die Expedition auszog, weniger um Tiere zu schießen, als zu dem Zwecke, ür einen zoologischen Garten Tiere lebend zu fangen. Unter diesen Umständen wurde vom Ge­wehr wenig Gebrauch aemacht. Den Höhepunkt des Filmes bildete der Kampf zweier Löwen ge­gen eine Rinderherde innerhalb einer Hürde und der Fang eines Löwen im Retz. Zum Schluß des Filmes sah man eine etwas rührselige Wieder­sehensszene, die man nicht vermißt hatte.

Wettervoraussage.

Die Jslandstorung hat sich südöstlich verlagert, so daß ber Kern jetzt über Sdjottlanb liegt. Ihre Warm, lüft ist babei bereits über Frankreich unb Norbwest- beutschlanb oorgebrungen. Im Bereich ber Sübwest- lüft schreitet die Erwärmung auch über unser Gebiet weg. wobei bas Nieberschlagsseld über Englanb bei einer Weiterbewegung bis in unseren Bezirk vor- greifen bürste. Jeboch steht eine stärkere und längere Beeinflussung der Wetterlage durch die Druckstörung nicht in Aussicht.

Aussichten für Donnerstag: Dunstig unb neblig-wolkig, sortschreitenbe Erwärmung, etwas Regen, später wechselnb wolkig mit Reigung zur Auf. heiwrung, südwestliche Winde.

Lufttemperaturen am 19. April: mittags 9,5 Grad Celsius, abenbs 4,9 Grab; am 20. April: morgens 1,5 Grab. Maximum 9,7 Grab, Minimum 1 Grad. » Grbtemperaturen in 10 cm liefe am 19. Avril: abenbs 8,6 Grab; am 20. April: morg ns 4,6 Grad gelfius. Sonnenscheinbauer 6 Stunden.

Schöne weiße Zähne

schon nach einmaligem Putzen mit ber herrlich erfrischend schmeckendenChlorodonl-Zahnpaste", schreibt uns ein Raucher. Tube 50 Pf. unb 80 Ps. Versuch überzeugt.