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Verdoppelung des Butterzolles.

Gchuh der deutschen Milchwirtschaft gegen die Auswirkungen der Krisis auf dem internationalen Buttermarkt.

Berlin, 19.Januar. (MTB.) Amtlich. Die

Reichsregierung hat den autonomen Butler- 3 o U von 50 R 21L auf 100 R 2H. für den Doppelzentner erhöht. Auf die Einfuhr aus Landern, deren Wahrung unter die Gold­parität gesunken ist. wurde gemäß der Ver­ordnung des Reichspräsidenten über außerordentliche Zollmahnahmen vom 18. D. 21L ein Zuschlag von 15 v.h. des Wertes der Butter oder von 36 R21L je Doppelzentner eingeführt. Der dieser Berechnung des Zollzuschlags zugrundegelegte Wert der Butler ist unter Berücksichtigung des Preises der Ware vor Sinken der Währungen unter die Goldparität auf 240 R2U. je Doppelzentner ange- seht worden. Der Butterzoll für die Länder, mit denen das Deutsche Reich nicht in einem han­delsvertraglichen v e r h ä l t n i s fleht, wurde auf 17 0 R'Rl. je Doppelzentner festgesetzt. Der autonome Zoll für Quark aus Magermilch, Wolkeneiweih, wurde auf 17 RW. je Doppelzentner erhöht.

Dazu wird von der Regierung erklärt: Der wichtigste -Zweig der bäuerlichen Veredelungs- Wirtschaft, die deutsche Milchwirtschaft, stand in den letzten Wochen in zunehmendem Maße unter dem unerhörten Druck des völligen Zusammenbruchs am internationa­len Duttermarkt. Dieser wurde, abgesehen von der sich in den letzten Jahren ständig st e i - gernden Duttererzeugung in der Welt, vor allem verursacht durch die Entwertung verschiedenermaßgeblicherWährun- gen und die sich mehr und mehr verrin­gernde Aufnahmefähigkeit des eng­lischen Duttermarktes. In ununterbro­chener Folge sanken aus diesen Gründen die für den Weltbuttermarkt entscheidenden Preise in Kopenhagen seit Mitte September 1931 von 118 Mark ju Zentner auf gegenwärtig 75 Mark je Zentner, d. h. um 43 Mark je Zentner ab.

Bei der bisherigen Abhängigkeit des deutschen Buttermarktes vom Weltbuttermarkt drohte sich dieser Preissturz in vollem Umfange auch auf die deutschen Butterpreise zu übertra­gen. Unter diesen Umständen wurden die Verhält­nisse für die deutsche Milchwirtschaft, die mit einem P r o du kt i o n s w e r t von rund vier Mil- liarden RM. in normalen Zeiten neben der Fleischerzeugung mit an der Spitze aller Produktionszweige stand, völlig unerträg­

lich. Die Berliner Butternotierung ging auf 97 RM. je Zentner oder bei einem Friedenspreis von 131 RM. je Zentner im Januar 1913 auf74v. H. des Friedenspreises zurück. Demgegenüber be­laufen sich die P r o d u k t i o n s k o st e n der Land­wirtschaft auf etwa 12 0 v.H. des Friedens­wertes. Die sich aus dieser Situation für die Milchwirtschaft ergebenden Verluste müßten täglich auf Millionen oder jährlich auf Milliarden Verluste veranschlagt werden.

Angesichts der verzweifelten Lage der bäuer­lichen Betriebe und im Hinblick auf die Un­möglichkeit, durch staatliche Maßnahmen zum Ausgleich eine angemessenere Gestal- tung der Viehpreise herbeizuführen, da deren Tiefstand fast ausschließlich eine Folge der durch starken Import an Futtergetreide und Rekordsuttermittelernten der letzten -Jahre über­höhten Viehbestände ist. gab es für die Reichsregierung unter sorgfältiger Abwägung und Berücksichtigung der deutschen Aussuhrinteressen keine andere Möglichkeit, die deutsche Landwirt­schaft und damit den wichtigsten Faktor des deutschen Binnenmarktes vor der Vernichtung zu bewahren, als die Milch- und Dutter­erzeugung g g n die verheerenden Auswirkun­gen der internationalen Dutterkrise zu schützen. Sozialdemokratischer Protest.

Berlin, 19. Jan. (ERD.) Die sozialdemokra­tische Reichstagsfraltion hat beim Reichskanzler Dr. Brüning Vorstellungen gegen die Er­höhung des Dutterzolles erhoben. Die Fraktion ist der Ansicht, daß die Dutterzollerhöhung keine wirksame Hilfe für die bäuerliche Veredelungswirtschast bringen könne. Der Rück­gang des Butterpreises sei im wesentlichen durch die rasch sinkende Kaufkraft der städtischen Bevölkerung hervorge­rufen worden. Eine Preiserhöhung würde also nur eine vermehrte Abwanderung zum Margarinekonsum bedeuten. Außerdem würde über die Verteuerung eines so wichtigen Rahrungsmittels in stärkstem Widerspruch zu der Preissenkungsaktion der Reichsregierung ste­hen- Auch bedrohe die Erhöhung des Butterzolles den deutschen Export. Eine große Reihe wich­tiger Abnehmer der deutschen Judustrieprodukte würde in der jetzigen Situation auf Gegen­maßnahmen nicht verzichten, die neue Arbeitslosigkeit infolge Einschränkung des deut­schen Exports bewirken würden.

Die Strasanlräge im Melker Tuberkulose-Prozeß.

Lübeck. 19. Jan. (WTB.) In der heutigen Verhandlung sprach Staatsanwalt v. Beust über die Krankenschwester Anna Schütze. Die Staats­anwaltschaft nimmt als Ursache des Llnglücks eine Verwechselung an und als Zeitpunkt den Monat November 1929. Wie eine solche Ver­wechselung erfolgt ist, ist schwer zu sagen. Eine Möglichkeit ist folgende: Die Schwester hat in ihrer Vernehmung gesagt, dah man zur Her­stellung der Emulsion eine Platinöse be­nutze, die man auch im täglichen Gebrauch ver­wendete. Für die Herstellung der Kulturen und der Abimpfungen aus dem flüchtigen BCG. ist aber eine andere Oese benutzt worden. Das ist eigenartig. Ob diese Verwechselung wahr­scheinlich ist, kann man nicht sagen, aber auch wenn dadurch das Unglück entstanden wäre, so würde das die Folge der mangelhaften Organisation sein, die Professor Deycke zur Last zu legen ist. Es ist wahrscheinlich, daß ein Versehen passiert ist, wem, kann man nicht sagen. Ein Verschulden der Schwester läßt sich nicht nachweisen und demgemäß wird der Ober­staatsanwalt seine Anträge stellen.

Oberstaatsarwult Dr. Lien au plädierte dann gegen Professor Klotz. Er wies darauf hin, daß ihm nach seiner Dienstanweisung die Fürsorge über sämtliche Kinder im Kinderhospital oblag. Aus der auffälligen Häufung der Einlie­ferung im Jahre 1929 hätte der Angeklagte stutzig werden müssen. Professor Klotz wurde von den Eltern der Gedanke nahegelegt, die Erkran­kungen könnten auf die tterung zurück- zu führ en sein. Frau Dr. Küsel habe gesagt,

schon wieder ein Calmette-Kind. Am 17. April 1929 hätte Professor Klotz Zweifel an der Unschädlichkeit des BCG. bekommen müssen. Trotz aller Bedenken habe er aber noch vier Tage Urlaub genommen. Wenn also Fahrlässigkeit vom 17. April an schon gegeben sei. so falle Professor Klotz die Schuld an einem Todesfall und an der Erkrankung von 12 Kindern zu. Sollte das Gericht aber glauben, dah diese Fahrlässigkeit erst am 23. April eingetreten sei. so falle ihm die Schuld an der Erkrankung meh­rerer Kinder zu. Es liegt also fahrlässige Kör­perverletzung vor.

Der Oberstaatsanwalt betonte, daß der Ange­klagte Dr. A l t st a e d t außerordentlich fahr­lässig gehandelt habe. Aber gerade das mache die Entscheidung überaus schwer, dah auf der An­klagebank Männer sitzen, die mit ganzer Liebe der Gesundheit und dem Wohle der Menschheit dienten. Prof. Deycke sei ein Mann von hoher ethischer Lebensauffas­sung und Dr. Altstaedt habe sich von dem Ge­danken leiten lassen, die Lübecker Kinder von dieser furchtbaren Krankheit zu retten, nachdem er vorher seine Gattin durch Tuber­kulose verloren hatte. Aber wir haben dem Gesetz zu folgen. Der Oberstaatsanwalt bean­tragte dann auf Grund des § 222 Abs. 2 des Strafgesetzbuches (fahrlässige Tötung) gegen Prof. Deycke und Obermedizinalrat Dr. A l t st a e d t eine Gefängnis st rafevondreiIahren, gegen Prof. Dr. Klotz ein Jahr Gefäng- nts und Freisprechung der Schwester Anna Schütze.

ganzen Tributshstems auch international bescheini­gen zu lassen. Rach Ansicht der .Rachtausgabe" würde ein Verzicht auf die Lausanner Konferenz bedeuten, dah die Regierung ihre beabsichtigte Ankündigung der Zahlun-'su^igkcit D utlch- lands offiziell überhaupt nicht Vor­bringen Lnne. es sei denn, der Reichskanzler entschlösse sich, die kürzlich in vertraulichen Be- sprechui3gen mit den Botschaftern abgegebene Er­klärung durch eine offizielle Rote den Gläubigerregierungen gegenüber zu w ederholen.

England schwankt.

Die Angst

vor einem deutschen W ederausstreg.

London, 20. Jan. (WTB. Funkspruch.) Die Blätter schildern heute die völlige Verwirrung, die wegen der -geplanten Reparationskonferenz herrscht, drücken aber die Hoffnung aus, daß die interessierten Mächte sich in irgendeiner Weife einigen werden. Sie stellen fest, dah Deutschland mit einer blohen Verlängerung des Moratoriums nicht einverstanden ist, und auf einen Zusammen­tritt der Konferenz beharrt, dah aber anderseits vor Abschluß der französischen Kam­merdebatte eine Klärung der Lage unmöglich sei. Die Blätter halten es für aus­gemacht, daß mit oder ohne Konferenz in Lau­sanne ein Aufschub der Hauptfragen erfolgt.

.Daily Mail" undDaily Expreß" lehnen eine Beseitigung der deutschen Reparationsverpflich­tungen entschieden ab.Times" betont, daß weder einegemeinsame Front" von Gläubigern gegenüber Deutschland, noch einegemeinsame Front" von Schuldnern gegen Amerika gebildet worden sei. Die britische Regierung wünsche dringend eine freie Vereinbarung zwi­schen Gläubigern und Schuldnern.Daily Tele­graph" betont, dah Lavals gestrige Erklärung die Dinge auf den toten Punkt bringe. 2n erster Linie sei eine vernünftige Haltung Deutsch­lands und Frankreichs notwendig, denn irgend- w i e mühten die europäischen Mächte es fertig* bringen, an die Arbeit zu gehen.Morning Post führt aus, dah eine endgültige Repara­tionsvereinbarung Die Besorgnisse berücksichtigen müsse, dah Deutschland durch Strei- chungseinerDerpflichtungenzumäch- tig werden könnte. Andererseits müsse England aber auch angesichts seiner großen Darlehen an Deutschland an die verhängnisvollen Folgen eines deutschen Zusammenbruches denken.Rews Chronicle" erklärt, die einzige Rechtfertigung für eine Vertagung der Konferenz wäre der vorherige Abschluß einer grundsätzlichen, allgemeinen Ver­einbarung, über deren Einzelheiten später ver­handelt werden könnte.

Amerika bleibt fest.

Vergebliche Londieruugen Lavals in Washington.

Wash i n g t o n, 19. Jan. (WTB.) Der fran­zösische Ministerpräsident hat in Washington die Haltung der amerikanischen Regierung in der Schuldenfrage sondieren lassen. Laval erklärte dem amerikanischen Botschafter in Paris, er könnte schwerlich die Vertagung und die Hinausschiebung der Schuldenzahlungen vor dem Parlament an­regen, ohne vorher über die Haltung der Ver­einigten Staaten unterrichtet zu sein. Frankreich habe in einer Rote verlangt, dah die p o l i ti­sch en S ch u l d e n und Reparationen die P r i o - rität vor den Privatschulden genießen sollten, falls Deutschland nach Beendigung des Moratoriums nicht alle Schulden zahlen könnte. Laval wünschte zu wissen, ob eine Möglichkeit be­stünde, dah der Kongreh seinen Wider­st and gegen jede Herabsetzung oder Aufhebung der Kriegsschulden a u f g e E> e.

Das Staatsdepartement beobachtet indessen noch immer Stillschweigen über eine Verlängerung des Hoover-Moratoriums. DemNewyork Herald" dagegen wird aus Washington berichtet, daß das Staatsdepartement Botschafter Edge beauftragt habe, Laval davon zu unterrichten, daß die amerika­nische Regierung sich nicht entschließen könne, ein neues Moratorium z u ver- sprechen und daß die Parteiführer im Kongreß das Weiße Haus vor jeder Ausdehnung des Hoover-Moratoriums gewarnt hätten. Nach demFigaro" soll die Antwort Washingtons ferner hervorheben, daß die Ansicht der amerikanischen Regierung dahin gehe, die euro­päischen Staaten könnten ihre Schulden bezahlen, wenn sie untereinander das Vertrauen wieder Herstellen und ihre Rüstungskosten herabsetzen würden.

Oie Arbeit des preiskommiffars.

Berlin, 19. Jan. (CNB.) Wie amtlich mitgeteill wird, hat der P r e i s k o m m i s s a r auf Grund seiner Verhandlungen mit den Brauereien angeord­net, daß der Bierpreis ab 1. Februar um zwei -Rark je Hektoliter Vollbier gesenkt wird, also von 49,85 auf 47,85 Reichsmark. Der Ausschankpreis soll eine entsprechende Senkung erfahren.

Die Seifenindu str i e hat für die wichtigsten Sorten ihre Preise gegenüber dem Stande vom 30. Juni 1931 auch bei den nichtpreisgebundenen Waren imDurchschnitt um mindestens 10 Prozent gesenkt. Soweit eine solche Preissenkung bisher nicht vorgenommen wurde, ist sie, abgesehen von Schmierseife, im Laufe des Mo­nats Januar durchzuführen.

Durch Verordnung sind Preisauszeich­nungen auch für Sch uhreparaturen angeordnet worden. Ferner sind die Schorn­steinfegertaxen gegenüber den Sähen vom 1. Dezember 1931 um 15 v.H. gesenkt worden.

Oer Nationalsozialismus und das Handwerk.

Der Frankfurter Handwerkerrat hatte zu einer Versammlung des Frankfurter Handwerks im Dolksbildungsheim eingeladen in

der Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung der RSDAP.. Dr.Wagne.r (München), einen Vortrag über Rationalsozialismus und Handwerk und Gewerbe hielt. In längerer Rede umriß Dr Wagner das wirtschaftspolitische Programm der RSDAP. Die Behauptung, dah die Rational- sozialsten das Eigentum enteignen wollten, sei eine ßüge; im Gegenteil wollten sie d e m E i g e n- tum wieder freies V e r s ü g u n g s r e ch t geben. Sie würden nicht den Staat zum Opfer der Wirtschaft machen, sondern sie würden die

Wirtschaft aus den Fesseln desStaa- t e s lösen. Auch die Behauptung, die RSDAP. wolle eine neue Inflation, sei Unsinn. Die Partei werde vielmehr dafür sorgen, daß jede inflato­rische Arbeit verhindert werde und die Wäh­rung wieder stabil wird. Die Stühe der Währung sei nicht das Gold, sondern die Autori­tät des Staates und das Vertrauen, das der Staat genieße. Die RSDAP. wolle eine völ­lige Trennung von Wirtschaft und Staatsverwaltung durchführen. Sie schlage die Durchführung einer berufs ständischen Gliederung vor. Die gesamte Wirtschaft müsse in fünf Stände eingeteilt werden, und zwar In­dustrie, Landwirtschaft, Handwerk und Gewerbe, Handel und freie Berufe. Es müsse dann eine Wirtschaftskammer gebildet werden, die wiederum aus fünf S n d e k a m m e r n be­steht. Diese fünf Ständekammern seien in Fach­gruppen zu gliedern. In diesen Fachgruppen dürsten nur diejenigen Kreise vertreten sein, die zum Stande gehörten. Die Lehrlinge Dürften keine Vertretung bekommen! sie müßten erzogen werden und die Verantwortung für die Erziehung müsse wieder beim Meister liegen. Es dürfe keiner selb­ständig werden, ohne nicht vorher Lehrling und Geselle gewesen zu fein. Die Fortbildungs­schulen müßten durch den Stand geleitet wer­den. In die Versicherungen müßten Siche­rungen eingeschaltet werden, damit die Kassen nicht ausgenutzt werden konnten. Die Stände mühten die Oberäussicht über die Kassen haben, bis jeder Stand seine eigene Krankenkasse hat. Sn der Arbeitslosenfrage vertrete die RSDAP. den Gedanken der A r b e i t s d i e n st p f l i ch t. Es müsse eine Rücksiedlung aufs Land vorgenommen werden, und dazu werde die Ar­beitsdienstpflicht die Möglichkeit geben. In der Steuerfrage stehe die RSDAP. auf dem Stand* Jun. öaft es nur zweiSteuern geben dürfe, die Einkommensteuer und die V e r - b r a u ch s - oder Luxus st euer, die davon ausgehe, daß das, was lebensnotwendig ist, nicht

besteuert wird. Was darüber hinausgeht, müsse steuerlich ersaht werden. Das Geld - und Kre­ditwesen müsse wieder in den Dienst Der Wirtschaft gestellt werden. Es dürfe keine Privatbanken mehr geben, sondern nur Staatsbanken, in denen auch die Vertreter der Stände ein Wort mitzusprechen hätten. Zum Schluß beschäftigte sich der Redner mit Den ver­schiedenen Maßnahmen, die die RSDAP. zur Wiederingangsehung der Wirtschaft vorschlagt. Die bisherige kapitalistische Wirtschaft habe den großen Fehler begangen, daß sie immer von dem Gedanken der Produktion ausgegangen sei und auf die Kaufkraft überhaupt nicht Rücksicht genommen habe. Wenn eine Wirtschaft wieder zu gesunden Verhältnissen kommen solle, so könne es nur eine nationale Wirtschaft fein.

Gründung der Hessischen Landvolkpartei.

WSR. Darmstadt, 16. Jan. Die Abgeord­neten Glaser und Fenchel (seither Land­bund) haben einen Aufruf zur Gründung der Hessischen Landvolkpartei erlassen, in Dem es u. a. heißt: Der H e s s i s ch e L a n d b u n d hat sich für politisch neutral erklärt. Damit fehlt Der Sammelpunkt für Die Vertretung der Sache des Landvolks in den politischen Körperschaften. Mehr denn je braucht heute unser Landvolk neben seiner wirtschaftlichen und berufsständischen Organisa­tion eine Vertretung in Politik und Parlament. Die fogenantenWeltanschau­ungsparteien" haben unser Landvolk in der Ver­gangenheit im Stiche gelassen und das wird auch in Zukunft nicht anders werden. Qlerger denn je ist Der Dauer vom Sozialismus aller Richtungen bedroht. Die Krisis in Wirt­schaft und Politik drängt auf nahe Entscheidung. Es gilt, die Grundlagen des Bauerntums zu retten:Freie Scholle, freies Eigentum", selbst­verantwortliche Wirtschaftsführung. Cs gilt im Landvolk, Dom und Jungquell Der Aanon zu

erhalten. Diese Ziele sind nur zu erreichen, wenn sich das Landvolk zusammenschließt in einer un­abhängigen, selbständigen, politi­schen Organisation auf berufsständischer, christlicher, nationaler, konservativer Grundlage.

Kleine politische Nachrichten.

Unter dem Vorsitz des Herrn Reichspräsi­denten von Hindenburg trat das Kura­torium der 1927 von ihm gegründeten Stiftung ..H i n d e n b u r g s p e n d e" zusammen. Dem Ge­schäftsbericht i? ; entnehmen, daß die Stiftung bisher im- - amt nahezu 5 Mil­lionen M aV ..' in rund 27 000 ©in^elfällen vorzugsweise an 'Kriegsbeschädigte, Kriegshinter­bliebene und Veteranen verausgabt hat. Im Jahre 1931 wurden 999 000 Mark an Unter­stützungen ausgezahlt.

Der Vorsitzende der nationalsozialistischen Reichstagssraktion, Dr. Frick, der vor seiner Er­nennung zum thüringischen Innenminister bayeri­scher Staatsbeamter war, kehrt jetzt wieder i n den bayerischen Staatsdienst zurück, und zwar als Regierungsrat erster Klasse bei der Regierung von Oberbayern und Mitglied des Oberversicherungsamtes.

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Der Danziger Völkerbundskommissar Äraf G r a Dina hat zum Schutze der Danziger Staats­angehörigen im polnischen Eisenbahn- Dienst entschieden, daß künftighin Danziger Bür­ger, die zum Betriebspersonal der Danziger Eisen­bahnen gehören, nicht mehr ohne ihre Zustimmung nach Polen oersetzt oder in Polen beschäftigt werden dürfen. Polen Darf nur eng umrissene Gruppen höherer Beamter mit polnischen Staatsangehörigen besetzen, aber das gesamte Büropersonal bei der Danziger Eisenbahndirektion und den Danziger Eisenbahnämtern einschließlich der Amtsoorsteher und das gesamte Außenpersonal ist mit Danziger Staatsangehörigen zu besetzen.

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Der von der spanischen Regierung eingesetzt» Juristen-Ausschuh zur Prüfung der Frage der verfassungsrechtlichen Zulässigkeit der Auflö­sung des Jesuitenordens hat diese Frage bejaht. Voraussichtlich wird nun demnächst eine Verordnung des Justizministers über die Auf­lösung des Jesuitenklosters in Spanien erscheinen.

Aus aller Welt.

Tragischer Ausgang eintr Verbrecherjagd.

In Schwerin wurde ein von auswärts stam­mender Mann in mittleren Jahren von der Kri­minalpolizei wegen eines Fahrraddieb­stahl s v e r f o I g t. In der Elisabethstrahe ge­lang es einem Schuhmann, den Flüchtigen zu hal­ten. Im selben Augenblick zog der Fahrraddieb einen Revolver, riß sich von seinem Ver­folger los und lief davon. Durch mehrere Stra­ße nbis zum Kreuzgang am Dom ging die wilde Jagd. Plötzlich hörte man vom Kreuzgang her zwei Schüsse. Der Flüchtige hatte Dort Den Arbeiter Franz Swientkowiak aus Hamborn, Der sich ihm entgegengestellt hatte, Durch einen Re- volverschuh niederge st reckt und unmittel­bar Darauf Selbstmord begangen. Der Zu­stand des Swientkowiak ist hoffnungslos.

Riesige Heringsschwärme vor der Elbmündung.

Cuxhavener Fischer, die mit großen Herings­fängen eintrafen, berichten über riesige Herings- schwärme, die seit Ende vergangener Woche vor der Elbe stehen. Aach der Schilderung Der Fischer sind die Schwärme teilweise so stark gewesen, daß es unmöglich war, mit den Retzen hindurch- zukommen.

Natriumexplosion in Norwegen.

Infolge von lieberschwemmungen bei Dergen drang das Wasser in ein Ratriumlager einer Fabrik ein. Es entstand eine Explo­sion. Die herumschwimmenden brennenden Ra­triumbehälter setzten noch verschiedene kleinere Lagerschuppen und das Holzlager der Fabrik in Drand, das vollständig eingeäschert wurde.

Schweres Aukobusunglück bei Batavia.

Bei Batavia wurde ein Autobus, der sich auf der Fahrt von Bantam nach Batavia befand, an einem Cisenbahnübergang von einem Zuge ersaßt und etwa 500 Meter weit mitgeschleift. Auf einer Drücke stürzte der vordere Teil des Autobusses über das Brückengeländer i n einen Fluß, während der Hintere Teil zwischen Zug und Geländer eingeklemmt wurde. Bon den Insassen deS Autobusses wurden sieben ge­tötet und zwölf verletzt.

Wirbelsturmkatastrophe in Alabama.

Der Staat Alabama wurde von einem Wirbelsturm heimgesucht, dessen Opfer auf 11 Tote und 150 Verletzte geschätzt werden. Auch der Material­schaden und die Verluste an Vieh sind außerordentlich groß.

Bei einem Zimmerbrand erstickt.

In Stetten am Kalten Markt (Amt Meßkivch in Baden) ist bei einem Zirninerbrand Der im an­stoßenden Schlafzimmer liegende 72jährige Vater des Besitzers, noch ehe Der Brand entdeckt worden war, erstickt.

Drei Kinder erstickt.

Sechs ftnaben, die in einer verlassenen Sand» fteingrube bei Neapel spielten, wurden, als die Grube plötzlich einstürzte, unter den Er d m a f - s e n begraben. Die Feuerwehr befreite mit größter Mühe die Verschütteten. Drei Kinder waren jedoch bereits erftidt.

Dec völkerbundsausfchuß für Kunst und Literatur tagt im Goethejahr in Frankfurt a. M.

Der Dölkerbundsausschuß für Kunst und Lite­ratur hatte auf seiner letzten Tagung beschlossen, seine nächstjährige Tagung anläßlich der Goethe- Jahrhundertfeier in Frankfurt a. M abzuhalten. Die Verlegung der Tagung nach Frankfurt a. M. war jedoch in der letzten Zeit fraglich, weil der Völkerbund entsprechend dem allgemeinen Sparprogramm auch den Etat für geistige Zusammenarbeit stark be­schnitten und sich gegen die Verlegung von Tagungen außerhalb Genfs ausgesprochen hatte. Runmehr ist eS gelungen, diese Schwierigkeiten zu beheben. Der Ausschuß, dem namhafte Persön­lichkeiten des geistigen und künstlerischen Schaffens der verschiedenen Länder angehören, aus Deutsch­land u. a. Thomas Mann und Geheimrat Wäholdt, wird infolgedessen vom 12. bis 14. Mai in der Goethe-Stadt seine Tagung ab­halten.