Aus der Provinzialhauplfiadl
Oberhessen
Die Hebung des U-Boofcs „Promethee" unmöglich.
Gin französischer Ingenieur, der Spezialist für die Hebung gesunkener H-C&Dotc ist, bestätigte dem französischen Marineminister, daß die Hebung des vor Cherbourg gesunkenen Tl-Dootes »Prornethöe" wegen der Lage in 75 Meter Tiefe und infolge der an dieser Stelle herrschenden Strömungen sehr schwierig und kostspielig wäre und daß es unmöglich sei. einen Erfolg des Hebeversuches zu garantieren.
Schwere Unwetterschäden in Südserbien.
Gewitter von unerhörter Heftigkeit, die von schweren Platzregen begleitet waren, haben im oberen Vardartale, besonders in den Weinbergen, bedeutende Verwüstungen angerichtet. Das Wasser drang in mehr als 500 Häuser ein, von denen mehrere ein- stürzten. Eine Reihe von Einwohnern wurde unter den Trümmern begraben.
Acht Jahre Zuchthaus für eine junge Brandstifterin.
Dor dem Schwurgericht in Passau hatte sich die erst 20jährige Pächterstochter Frieda W inte r st e i g e r von Schwendreut bei Herzogsreut
klären würde. Der Verkehr im Dubliner Hafen war heute sehr flau.
Das Inkrafttreten der neuen englischen Zölle auf Lieferungen aus dem irischen Freistaat hat heute verursacht, daß keinerlei Diehsen- dungen in Liverpool eingetroffen sind. _ Während des Wochenendes sind lediglich 6 Stück Vieh und 936 Schafe eingeführt worden, während der bisherige Wochendurchschnitt 900 Stück Großvieh und 2000 Schafe «betrug. Der Bedarf des Marktes war jedoch durch eine kanadische Viehsendung gedeckt, und die Preise zeigten nach den jüngsten Steigerungen der letzten Woche keine erheblichen Erhöhungen.
mit anderen Verbänden, ferner an Sitz und Stimm« im Ausschuß für technisches Schulwesen, sowie die Vertretung imSchulausschuß des Reichsbundes Deutscher Technik. Erwähnenswert seien auch die persönlichen Konferenzen bei den zuständigen Reichsministe. rien, wobei z. B. die Abänoerungsanträge des VIA. zur Architektenoerordnung weitgehende Beachtung fanden. Der VIA. besitze nach einem Jahr bereits 21 Bezirksverbände: u. a. bestehen Ortsgruppen in Alsfeld - Lauterbach, Frankfurt a. M., Friedberg, Gietzen-Wetzlar, Hanau, Limburg und Mainz-Wiesbaden.
**EhemaligehesfischeLeibdragoner in Langensalza. Der Verein ehemaliger hessischer Leibdragoner des Kreises Gießen schreibt uns: Die guten Beziehungen des Vereins ehemaliger hessischer Leibdragoner des Kreises Gießen zu der Tra- ditionseskadron des grünweißen Regiments, der 6. (hessischen) Eskadron Reiter-Regiment 16 waren die äußere Veranlassung zu einem Besuch in Langensalza. Der Kavallerie-Verein Marburg schloß sich der Besuchsreise an, außerdem nahmen n.ch der Bezirks- Jugendleiter Donhardt von der Kriegerkameradschaft „Hussia" und der Bezirksschießleiter Albin Klein (Gießen) teil. Während des dreitägigen Aufenthalts in der schönen Garnison haben die hessischen Leibdragoner die herzlichste Gastfreundschaft der dortigen Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften genossen. Die Stunden wahrhafter Kameradschaft dürften den teilnehmenden Kameraden unvergeßlich bleiben. In Kassel wurden die alten Leibdragoner durch eine Abordnung der Eskadron Zu einer Autobusfahrt nach Langensalza empfangen. Rach fröhlicher Fahrt traf man in Langensalze ein. Die Ekadron war mit ihren bespannten und motorisierten Teilen auf dem Exerzierplatz angetreten. Die ehemaligen Leibdragoner, die die Uniformmütze ihres alten Regiments trugen, wurden durch die Parade- post, von der Standortkapelle gespielt, festlich empfangen. Sodann folgte das Abschreiten der Front, wobei die alten Soldaten einen Ueberblick über die Art und Verwendung der motorisierten und bespannten Teile erhielten. Anschließend zog die Eskadron in Parade an den Leibdragonern vorüber. Die Gäste waren, wie sie es wünschten, in Mannschafts, stuben untergebracht. Am Abend fand sich alt und jung im Unteroffizierkasino zusammen. Dem Ehren- Mitglied des Vereins und Führer der Eskadron, Rittmeister Buch, sowie dem Oberwachtmeister Bärwolf wurden Ehrensäbel überreicht. Oberleutnant v. Jarotzky und der 1. Vorsitzende des Kavallerievereins Marburg, Seipp, wurden zu Ehrenmitglieder des Vereins ehem. Hess. Leibdrago- ner ernannt. AmSonntagfrüh wurde nach alterSol- datensittegeweckt. Man wohnte einem Feldgottesdienst bei, bei dem Superintendent Seitz die Ansprache hielt. Dem Gottesdienst folgte eine Reitstunde, in der die alten Dragoner beweisen konnten, daß sie noch auf dem Pferderücken wie zu Hause sind. Weiter führte ein Unterwachtmeister seinen aus Füchsen zusammengesetzten Sechserzug vor. Die Remonteabtei- lung löste viel Freude aus. Zur Ehrung der gefallenen Kameraden legte der Vorsitzende der Leibdragoner, Kamerad E i d m a n n, einen Kranz am Ulanendenkmal nieder. Der Nachmittag wurde durch einen Ausflug nach der Thiemsburg ausgefüllt. Den Abschluß bildeten Gefechtsbewegungen der jungen - Dragoner auf dem Exerxierplatz. Die alten Leib- Dragoner schieden mit dem Bewußtsein, fröhliche und von kameradschaftlichem Geist erfüllte Stunden verlebt zu haben.
** Sie Höhere Priv atschule Gießen empfiehlt sich im heutigen Anzeigenteil zum Unterricht für Schüler und Schülerinnen bei individueller Behandlung in kleinen Klassen, bei täglichen Arbeitsstunden und gründlicher Vorbereitung für alle Schulprüfungen. Räheres ist aus der Anzeige ersichtlich.
unter der schweren Anklage zu verantworten, vierBrändegelegtund eine Brandstiftung versucht zu haben. Seit dem 10. Januar d. I. brannte es im genannten Orte wiederholt, und es entstand fast immer ein sehr großer Schaden. Die Angeklagte, das jüngste Kind von 11 Geschwistern, wurde von der Mutter verzärtelt, während sie mit dem Vater, der sie zur Arbeit anhalten wollte, ständig in Streit kam. Sie zündete dann die Anwesen von Schwendreut — der Zanze Ort besteht nur aus 6 Anwesen, die alle dem Forstareal gehören und verpachtet sind — an. Sogar die Scheune der Eltern setzte die Angeklagte in Brand. Als Motiv hatte sie bei ihrer Vernehmung angegeben, sie müsse ganz Schwendreut nieder brennen, damit sie fortkomme. Bis auf den ersten Brand gestand die Angeklagte die ihr zur Last gelegten Verbrechen auch zu. Der Staatsanwalt beantragte zehn Jahre Zuchthaus. Das Urteil lautete auf acht Jahre Zuchthaus, zehn Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht.
Tätlicher Angriff gegen einen Gendarmeriebeamten.
* Lich, 18. Juli. In der verflossenen Macht kam es hier auf der Straße zwischen jungen Leuten, die verschiedenen politischen Richtungen angehören, zu Auseinandersetzungen. Hin dem Streit ein Ende zu machen, forderte Gendarmeriemeister Schalter die jungen Leute zum Auseinandergehen und zur Ruhe auf. Darauf griff ein junger Mann denDe- amten an, der sich schließlich gezwungen sah, vom Gummiknüppel Gebrauch zu machen. Run- mehr gingen einige weitere junge Leute tätlich gegen denDeamten vor, der im Verlaufe des Kampfes zu Boden geworfen, mißhandelt und u. a. mit Füßen in den Rücken getreten wurde. Es gelang dem Beamten jedoch, bald wieder auszuspringen, worauf die Tätep schleunigst die Flucht ergriffen. Heute vormittag wurden sie vorläufig fest genommen und heute nachmittag dem Amtsgericht zur' Vernehmung vorgeführt. Rach der richterlichen Der- nehrnung wurden sie einstweilen wieder a u f freien Fuß gesetzt. Das Verfahren nimmt seinen Fortgang.
Landkreis Gictzen.
X Rüddingshausen, 18. Juli. Hier fanden gestern zwei Demonstrationszüge statt. Der erste Zug um 12.30 Uhr wurde von den Mitgliedern der SA. der RSDAP. unseres Dorfes und der Umgegend veranstaltet. Dabei wurde am Denkmal der Gefallenen ein Kranz niedergelegt. Anschließend hielt Herr Bartholomäus (Gießen) im Hofe des Pachtgutes Engel eine Ansprache. — Die zweite Veranstaltung um 15 Uhr ging von der S P D. u n d K P D. unseres Ortes aus. Es beteiligten sich daran auch Mitglieder der beiden Parteien aus den umliegenden Ortschaften: sie endete bei der Wirtschaft Müssig, wo Ansprachen gehalten wurden von Frau Ien - (Gießen) und Herrn Glenz (Büdingen). Beide Kundgebungen verliefen ohne jeden Zwischenfall.
* Hungen, 18. Juli. Am gestrigen Sonntag zwischen 13 und 14 Uhr wurde ein 14 Jahre altes Mädchen aus Nonnenroth, das sich mit dem Fahrrad unterwegs im Walde zwischen Hungen und Nonnenroth befand, von einem Handwerksbur- scheu vom Rad heruntergerissen und mit Gemalt in den Wald geschleift, wo sich der Kerl an dem Mädchen vergehen wollte. Die lauten Hilferufe des Mädchens und ein zufällig herankommendes Auto veranlaßten den Täter, von seinem schändlichen Vorhaben abzusehen und sch l e u - nigst die Flucht zu ergreifen, so daß das Kind zum Glück keinen Schaden erlitt. Das Mädchen radelte schnell nach Hause und machte dort Mitteilung von dem Vorfall, wobei es den Täter genau beschrieb. Die sofort aufgenommene Verfolgung hatte das Ergebnis, daß der Attentäter von der Gendar
merie in Utphe fe st genommen und dem Amtsgerichtsgefängnis in Hungen zugeführt werden konnte. Der Täter ist der 30 Jahre alte, auf Wanderschaft befindliche Arbeiter Karl N i e m i tz aus Neu-Oderberg (Tschechoslowakei).
* Bettenhau[en-r 18. Juli. Im Kloster Arnsburg hielt der OGV. Bettenhausen der NSDAP, (urf gestrigen Sonntag eine Massenkundgebung ab, zu der trotz trübem Wetter über 1000 Besucher erschienen waren. Vor Ankunft der SA.-Stckrme 15 und 18, Hungen, die einen Propagapdamarsch mit klingendem Spiel ihres Spielmannszuges durch die Orte der Umgegend mochten und überall beyeifterte Ovationen erhielten, traf die Hitler-Schulfugend auf Dorf-Gill mit wehendem Hakenkreuz-Wimpel ein. Es war eine Freude, /triefe junge Schar zu sehen, wie sie in peinlichster Ordnung jedes Kommando ihres Führers genau befolgte. Inzwischen trafen die SA. und die Redner des Tages ein,-die von der Menge begeistert empfangen wurden. OGVL. B a l s e r konnte um 15.30 Uhr die Kundgebung eröffnen. Nach kurzem Gedenken an die gefallenen Kameraden sprach dann Dr. Blank (Gießen) über „Dolkswille und Reichs- tagswahl". Er führte u. a. aus, es fei die größte Lüge, wenn SPD.-Zeitungen schreiben, die NSDAP, toleriere die Regierung Papen-Gayl und Hitler sei an der Kürzung der Rente und sozialen Abzüge schuld. Hierauf sprach Herr Barreis (Auerbach) zu der Menge und zeigte die Mißwirtschaft der letzten 13 bis 14 Jahre. Ferner wandte er sich gegen den Mordterror in den Straßen und erklärte: „Gebt uns 24 Stunden die Macht und jeglicher Mordterror und Bürgerkrieg wird ein Ende haben." Seine Ausführungen endete er mit den Worten: „Gebt Deutsch, land den Deutschen!" Als letzter Redner sprach der bekannte Landjugendbundführer Rob. Schmidt (Steinheim). Er wandte sich besonders gegen die Sozialdemokratie und gegen die Eiserne Front. Die Ausführungen sämtlicher Redner, wie auch die von SA.-Mann '21 u g u ft i n (Hungen) vorgetragenen Gedichte fanden lebhaften Beifall. Um 18.35 Uhr schloß OGV.-Lester Bauunternehmer Balser mit einem Appell an Jungvolk, Frauen und Männer, sich der nationalsozialistischen Bewegung anzuschließen und am 31. Juli Adolf Hitler, dem Führer der deutschen Freiheitsbewegung, die Stimme zu geben, die Kundgebung. Nach dem Gesang des Horst-Wessel- Liedes und einem dreifachen Heil auf den Führer und Deutschlands Zukunft zogen die Zuhörer, die 1 bis 2 Stunden weit zu Fuß gekommen waren, wieder heimwärts.
Kreis Büdingen.
~/Hibba, 18. Juli. Unsere Stadt hatte am gestrigen Sonntag einen Aufmarsch d - rSA. der RSDAP. zu verzeichnen, bei den SA.- Gruppen aus der weiteren älmgegend (z. B. Mer- kenfrih, Hirzenhain, Glashütten usw.) hier versammelt waren. Von den Führern der SA. wurde auf dem Marktplatz der stramme Vorbeimarsch der trotz vorheriger weiter Marschleistungen noch sehr
Weg nach Gießen) zu -scheuen begann. Es wäre interessant zu wissen, ob der Meteor auch noch von anderer Seite beobachtet wurde.
** Der Bezirkslehrerverein Gießen« Land hielt am Samstag unter Leitung seines Vorsitzenden, Lehrer Hofmann (Lang-Göns), im Restaurant Kobel eine Versammlung ab. Rektor Kauf- mann (Gießen), der zweite Vorsitzende des Hessischen Landeslehrervereins, erstattete Bericht über Die Vertreteroersammlung des Deutschen Lehreroereins, die in Rostock stattgefunden hatte, schilderte ferner bie Ziele des Deutschen Lehrervereins und beantwortete die Frage: „Was können wir Hessen aus Rostock lernen?" Im zweiten Teil seines Vortrages sprach er über die schulpolitische Lage in Hessen und behandelte im besonderen die Probleme der Junglehrer- not und Junglehrerhilfe, Der Vorsitzende des Kreislehrervereins Gießen, Lehrer Sommer (Großen- Linden), ergänzte die Ausführungen des Vortragenden.
** Ingenieur- und A r ch i t e k t e n - V e r . fammlung. Dom Bezirksverband Gießen-Wetz- lar des Verbandes der Ingenieure und Architekten Deutschlands und Oesterreichs wird uns geschrieben: Der Bezirksverband Gießen.Wetzlar hielt dieser Tage eine gut besuchte Werbeoersammlung im Cas6 Ebel ab. Der Vorsitzende eröffnete die Versammlung mit einem Rückblick auf das einjährige Bestehen des VIA. Arn 20. Juli 1931 wurde, so führte der Redner aus, in Würzburg der VIA. gegründet, der es sich zur Aufgabe gemacht habe, die weitaus größte Gruppe von Ingenieuren und Architekten (Abfolven- ten Deutscher Techniken, Ingenieurschulen und Poly- technikeni zu gemeinsamer Standesvertretung zusam- menzufassen und wieder das Fähigkeits- und Tüch- tigkeitsprinzip in den technischen Berufen zur Gel- tung zu bringen. Engste Zusammenarbeit mit gleich- gerichteten Verbänden in gemeinsamer Kampffront gegen die fortschreitende Entrechtung der Mittelschulingenieure, sei Zweck und Ziel des VIA. Er (Redner) erinnere an die Maßnahmen der sog. staatlichen Anerkennung, sowie an das im Entwurf vorliegende Jngenieurtitelschutzgesetz. Im Kampf gegen diese Maßnahmen laute die Forderung: Aufhebung der Reichsliste, sowie Abschaffung der veralteten Nürnberger Richtlinien. Wenn man auf das einjährige Bestehen des DIA. zurückblicke, so könne man beachtliche Erfolge innerhalb der Organisation fest- stellen. Er erinnerte weiter an die Zusammenarbeit
Aus der Klinik entlassen. Der Handlungsgehilfe Fritz Fischer, der seinerzeit bei den Unruhen am Kirchenplah durch einen Schuß verletzt wurde und in die Chirurgische Klinik eingeliefert werden mußte, konnte inzwischen von dort wieder entlassen werden. Dein Zustand gibt zu keinerlei Bedenken mehr Anlaß.
** E i n Meteor beobachtet! Heute morgen gegen 3.45 Uhr wurde, wie uns ein Geschäftsmann aus Lich mitteilt, in west-südwestlicher Richtung ein Meteor beobachtet, der stell zur Erde fiel. Der Meteor, der in hellstem weißen Lichte strahlte und leicht grünlich schimmerte, hatte auch verschiedene Trabanten im Gefolge, die in Hellem Rot erglühten. Der Meteor müsse, so berichtet uns der Beobachter, in allernächster Nähe gefallen fein, er will sogar ein lebhaftes zischendes Geräusch gehört haben, während sein Pferd (er war mit dem Fuhrwerk auf dem
Gießen, den 19. Juli 1932.
Lind nun gehis los ....
Paulchen und Grelelchen werden photographiert.
„Ja, er wird im August vier Jahre alt... Faß die Lampe nicht an, Paulchen!... Das ist Herrn Linsemanns Lampe... Du solst überhaupt nichts anrühren, Liebling, sonst holt Herr Linsemann einen Schutzmann!... Nicht wahr, Herr Linsemann! . . . Sage Herrn Linsemann, wie alt Du trift, Gretelchen! . . . Sprich lauter, sonst kann Herr Linsemann nichts verstehen! . . . Nimm sofort den Finger aus dem Mund, Gretelchen !... Sie ist sieben, Herr Linsemann!... Sie geht schon ein Jahr in die Schule... Das ist eine Kamera auf Rollen, Paulchen... Laß sie los, Paulchen!... Sonst zeigt Dir Herr Linsemann nicht die Vögelchen, die dadrinnen sitzen!... Gretelchen!... Du darfst Dicht nicht an den Springbrunnen lehnen, der fällt sonst um!... Ja, ich weiß... Aber wenn Du ihn zerbrichst, holt Herr Linsemann einen Schutzmann... Nun sitze aber still auf der Bank, wie ein braves, liebes Mädeichen! ... Komm, Paulchen und laß Mutti Dein Haar in Ordnung machen!... Wie siehst Du denn schon wieder aus!... Was würde Tante Anni von Dir denken, wenn sie ein Bild von Dir sieht, auf dem Du solche Haare hast!... Haben Sie Kamm und Bürste, Herr Linsemann?... Ach, bas ist gut!... So, nun halte still, Paulchen!... Wie sollen die beiden sich jetzt hinstellen, Herr Linse- mann?... Ich dachte, daß Gretelchen vielleicht sitzt und Paulchen neben Gretelchen steht und Gretelchens Hand hält ... Willst Du sofort den Kanarienvogel in Ruhe lassen, Paulchen! ... Ja, nun kann Paulchen aber nicht so lange ruhig stehen, Herr Linsemann! ... Wie lange wird es wohl dauern, Herr Linsemann? ... O, bann denle ich, daß es doch besser ist, wenn Paulchen sich an den Tisch lehnt .... Paulchen, komm sofort hierher und laß Dir Deine Nase putzen! ... So, darf ich auch einmal hineinsehen, damit ich weiß, wie es aussieht, Herr Linsemann? ... Schaut mal, Kinderchen! Mutti versteckt sich unter dem schwarzen Tuch! ... Aber die stehen ja auf dem Kops, Herr Linsemann! ... Ach, soo! ... Ich fürchtete schon, daß Sie den Apparat verkehrt herum ausgestellt hätten! ... Steh ruhig, Paulchen, oder soll ich Herrn Linsemann die Schokolade schenken, die Paulchen haben sollte, wenn es mein liebes Paulchen ist? ... Herr Linsemann, Sie essen doch die Schokolade, wenn Paulchen nicht ruhig ist und stille steht! ... Horst Du, Paulchen, wie gern Herr Linsemann Schokolade ist! ... So, nun tut so, wie ich sagte und paßt auf den kleinen bunten Vogel auf, der jetzt auf Herrn Linsemanns Kasten fliegt! ... O, ist das Vöglein schon bunt! ... Nun lacht doch etwas, Kinderchen! ... Können Sie die Kinderchen nicht zum Lachen bringen, Herr Linse» mann? ... Hahaha ha haha! ... Ist Herr Linsemann mal ein luftiger Herr! ... Nun hört doch auf Herrn Linsemann, Kinderchen. Paßt mal auf! Er hat auch einen ganz großen Bären in feinem schwarzen Kasten! ... Und der kommt sofort heraus und frißt Paulchen und Gretelchen auf, wenn Ihr nicht liebe Kinderchen seid und lacht! ... O, warten Sie, Herr Linsemann!... Jetzt fängt Paulchen an zu meinen! ... Sei doch kein Dummchen, Paulchen! ... Der Bär kommt ja nicht! ... Mutti hat doch nur Spaß gemacht! ... Sagen Sie es ihm doch selbst, Herr Linsemann! ... Nicht wahr. Sie haben doch gar keinen großen Bären in Ihrem Kasten! ... Nein, Liebling, Herr Linsemann hat aber einen ganzen großen Teller voller Schlagsahne in seinem luftigen, schwarzen Kasten! ... Nicht wahr, Herr Linsemann!... So, Paulchen ißt doch so gerne Schlagsahne! ... Und Herr Linsemann mag gar keine Schlagsahne! ... Und Schokolade mag Herr Linsemann auch nicht! ... Das ist alles für Paulchen und Gretelchen! ... So, so, jetzt ganz schnell, Herr Linsemann! ... Jetzt sind Paulchen und Gretelchen liebe Kinderchen! ... Ach, schon fertig, Herr Linsemann? ... Das ging ja viel schneller, als ich gedacht hatte. Puck.
Taten für Dienstag, 19. Jul,.
1810: Königin Luise von Preußen in Hohenzieritz gestorben: — 1819: der Dichter Gottfried Keller in Zürich geboren; — 1870: Kriegserklärung Frankreichs an Preußen; — 1917: Friedensresolution des Deutschen Reichstags.
Bornotizen.
— Tageskalender für Dienstag. NSDAP. 20.30 Uhr, Eafä Leib, öffentliche Kundgebung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Eein Lied, ein Kuß, ein Mädel".
Aus aller Welt.
Eingreifen der Technischen Rothilfe bei Naturkatastrophen.
Die in den letzten Tagen an zahlreichen Stellen des Reiches und vornehmlich in Mitteldeutschland niedergegangenen Wolkenbrüche und Regenmassen haben zum Teil s ch w e r st e n Schaden und Zerstörung hervorgerufen. Wie stets bei solchen Anlässen hat auch diesmal wieder der Katastrophenhilfedienst der Technischen Rothilfe rettend eingegriffen. Durch den Rundfunk alarmiert, hat die Technische Rothilfe sofort nach Dekanntwerden der schweren Verwüstungen in der Oberlausitz ihre Helfer aufgeboten und in Tag- und zum Teil Nachtarbeit, auch im Verein mit anderen Verbänden, eingesetzt.
Jtcues Unwetter in Mittel- und Rordschwaben.
In den letzten Tagen wurden Mittel- und Rordschwaben von einem furchtbaren Unwetter heimgesucht. Seit Jahrzehnten wälzten Flüsse und Bäche nicht mehr derartige Fluten. In einer Höhe von über einem Meter stürzten nach einem vierstündigen Wolkenbruch die Wassermassen durch die Straßen der Dörfer. Alles, was den reihenden Fluten nicht Widerstand leisten konnte, wurde fortgerissen. Besonders betroffen wurden die Ortschaften Glött, Holzheim. Weisingen und Altenmünster. In Holzheim staute sich das Wasser am Kirchhof, durchbrach die Kirchhofsmauer und unterspülte die Gräber, so daß die Särge aus der Erde herausgespült wurden. Der angerichtete Schaden läßt sich zur Zeit noch nicht übersehen.
Schwere Unwetter über Italien. '
Wolkenbruchartiger Regen, Hagelsch 1 ag und Gewitter haben in vielen Gegenden Italiens schweren Schaden angerichtet. Bei Pisa haben die Regengüsse die Dämme mehrerer Eisenbahnlinien unterspült, so daß der Verkehr unterbrochen werden mußte. Die Flüsse führen Hochwasser. Bei Trient sind zwei Brücken fortgerissen worden. In den Abruzzen und den Marken hat ein schwerer Hagelschlag in den Obst-, Wein- und Ge- treibebeftänben großen Schaden angerichtet.
Drei Personen beim Laden ertrunken.
Dor den Augen zahlreicher Badenden ereignete sich in Prag ein Unglück, das drei Menschenleben forderte. Die 23 Jahre alte Gattin eines ®e- schäftsführersging beim Baden in der Elbe plötzlich unter. Ihr Gatte eilte ihr zu Hilfe, ging aber gleichfalls unter und versank. Ein dritter, dem Ehepaar zu Hilfe kommender Mann ertrank ebenfalls. Erst nach längerer Zeit wurden die drei Leichen geborgen.
Zwei Hochtouristen löblich abgestürzt.
Nach einer Meldung aus Reichenhall sind zwei Nürnberger Kaufleute bei einer Besteigung der schwierigen Nordwand des Hochkalter von der Schär- tenspitze ab gestürzt. Sie waren sofort to t. Eine Bergungsexpedition ist abgegangen.
Drei Fischer ertrunken.
Drei Fischer aus Rowe (Kreis Stolp) wurden von einer plötzlich aufkommenden Gewitterboe überrascht. Ihr Boot schlug um, und die Insassen, die Fischer August Paick, Herbert Wegner und Fritz Kirk, fanden den Tod in den Wellen.
Zwei Knaben beim Paddeln ertrunken.
In einer Gewitterboe kenterte vor Travemünde ein mit drei Brüdern besetztes Paddelboot. Von den dreien konnte sich nur der 15jähriae Aelteste retten, die beiden anderen, 11 und 9 Jahre alt, ertranken.
Marga von Lhdorf in Berlin gelandet.
Die Ostasienfliegerin Marga v. Etzdorf traf, von Wien Über Prag und Dresden kommend, auf dem Berliner Flugplatz ein. Fünf Sportmaschinen waren ihr zur Begrüßung entgegengeflogen. Die Fliegerin wurde nach ihrer Landung mit Hochrufen stürmisch begrüßt. Zum Empfang war die Großmutter der Fliegerin erschienen, weiter Ozeanflieger v. K ö h l, Vertreter der Behörden, der Luftfahrtverbände und viele Freunde und Bekannte.
Auslralienflieger Bertram in Perth eingetroffeu.
„Times" meldet aus Perth (Westaustralien), daß der deutsche Flieger Hans Bertram, der mit seinem Gefährten Klaußmann wochenlang verschollen war und schließlich im australischen Busch gesunden wurde, auf dem Luftwege aus Wyndham in Perth eingetroffen ist. Er wurde von Beamten des Westaustralischen Aeroklubs und dem deutschen Konsul M e r s i) a g e n begrüßt. Als Vertreter der australischen Bundesregierung war der Lordmayor anwesend. Der Gesundheitszustand Klaußmanns bessert sich.
Flugzeug mit neun Personen vermißt.
Wie aus Santiago de Chile gemeldet wird, wird ein Verkehrsflugzeug der Panamerikanischen Airways, das mit 9 Personen, darunter 6 Fahrgästen, von Santiago abgeflogen ist, vermißt. Die Maschine ist beim ersten Landeplatz in Mendeza (Argen- tinien) nicht eingetroffen. Das Flugzeug wurde zuletzt in der Nähe von Rio Bianco gesehen, wo es wegen eines Sturmes sehr niedrig flog.
Zwei Tote durch Gasvergiftung.
Dieser Tage waren bei den Stickstoffwerken Scholven in Gelsenkirchen durch llndichtwerden eines Riederdruckrohrs in erheblichen Mengen Ammoniakgase ausgeströmt, wodurch sich vier Arbeiter Gasvergiftungen zuzogen. Zwei von ihnen sind jetzt im Krankenhause gestorben.
Schwere Explosion. — Vier Personen verletzt.
In einem chemischen Laboratorium in Zürich ereignete sich eine heftige Explosion mit nachfolgendem Brande. Drei Angestellte der Firma wurden in schwerverletztem Zustande ins Krankenhaus gebracht. Ein Postbote, der im Augenblick der Explosion mit seinem Fahrrad voruberfuhr, wurde durch den Luftdruck zu Boden geschleudert und erlitt ebenfalls schwere Verletzungen.


