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der Grohbeutschen Partei -um Anlaß für ihre Ablehnung genommen worden. 3n der Erklärung, die von ihr heute nachmittag an Dr. Dollfuß ge­richtet wurde, heißt es u. a., daß die Abgeord­neten der Partei mit gröhtemDefremden von dem Inhalt des Schreibens Kenntnis genommen hätten, welches die mit den Geschäften betraute Regierung Duresch an den Völkerbund gerichtet habe, ohne der Parteivorher de n In ha l t m i tz u tei­len. Die in diesem Schreiben angeführten Absich­ten müßten in außenpolitischer Hinsicht in allen nationalen Kreisen der österreichischen Bevölkerung ernste Besorgnis erregen. Oberster Partei- grundsah sei Wahrung der bedingungs­losen Sch i ck f a l s g e m e i n s ch a f t mit Deutschland. Es sei unmöglich für sie, von dieser Linie abzugehen. Da nun Dr. Dollfuß als Mitglied der bisherigen Regierung dieses Schrei­ben gebilligt hat und auch als künftiger Bun­deskanzler dazu hält, da ferner sein Arbeitspro­gramm nach Ansicht der Partei die kritische wirt­schaftliche und finanzielle Situation Oesterreichs nicht mit Erfolg bekämpfen könne, sei die Groh- deutsche Bolkspartei gezwungen, ihre Beteiligung an einer Regierung unter Führung Dr. Dollfuß' abzulehnen.

Rachdem also die Bemühungen Dr. Dollfuß' aus Bildung einer Konzentrationsregierung aller bürgerlichen Parteien gescheitert sind, hat der Bundespräsident Dr. Dollfuß jetzt erneut mit der Regierungsbildung beauf- tragt. In später Rachtstunde wird in einer amt­lichen Verlautbarung über den Auftrag mitgeteilt, es solle ein Kabinett aus Persönlichkeiten i n u n d außerhalb der Parteien gebildet werden, dessen Zusammensetzung die Ergebnisse der bisher von Dr. Dollfuß geführten Verhandlungen in sach­licher und persönlicher Hinsicht nach Möglichkeit berücksichtige.

Oie Regierungskrisis in Belgien.

Der Einfluß der Blarnen wächst.

Brüssel, 17.Mai. (TU.) Die belgische Regie­rungskrise stellt den Beginn einer Entwicklung dar, die noch nicht zu übersehen ist. Während in den Kreisen der frankophilen Liberalen, der maß­gebenden Brüsseler Politiker und in der Wallonei eine beträchtliche Bestürzung herrscht, fühlen sich die Vlamen auf der ganzen Linie als Sieger. Der vlämische Flügel der katholischen Partei mußte diesen Vorstoß gegen den Brüsseler Zentralismus ausführen unter dem wachsen­den Druck der olämischen Nationa- l i st e n. DerStandaard" als Organ der Gruppe van Cauwelaert-Sap veröffentlicht einen Kommen­tar, der an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Es wird darin zum Ausdruck gebracht, daß es nunmehr um die letzte radikale Verwirk­lichung der olämischen Sprachwünsche geht. Es handle sich nicht nur um die Sprache an den Schulen, sondern gleichzeitig um die r e st l o s e Anerkennung des V l ä mischen in der Rechtspflege.

Damit sind die letzten Zweifel über die Absichten der olämischen Katholiken beseitigt. Sie haben d i e Krise gewollt, um den U m b a u des bel­gischen Staates einzuleiten. Der Weg zur heu­tigen Lage begann mit der Einführung der vlämi- schen Sprache inderArmeeundinderVer- waltung. Er ging über die Vlamisierung der Genter Universität, um jetzt beim E l e- mentar - und Mittelschulunterricht und bei der Rechtspflege anzulangen. Er führt, wenn nicht alles täuscht, zum Föderalismus. Was bis jetzt Jahre der Entwicklung beanspruchte, wird sich nunmehr in Monaten vollziehen.

Jetzt beginnt der Kampf um ein neues Kabinett. Der König drängt mit Rücksicht auf die bevorstehende Konferenz in Lausanne auf rasche Lösung. Wie diese auch ausfällt: in jedem kommenden Kabinett wird der vlämische Einfluß stärker sein als in dem zurückgetretenen. Es ist die Frage, ob die neue Regierung nicht von vornherein unter v l ä- mische Führung gerät. Man nennt dafür den Antwerpener Bürgermeister van Cauwelaert- Sap als Chef, der auch zur Uebernahme der Mi­nisterpräsidentschaft bereit sein soll, sobald der König ihn ruft.

Prof. Graf zu Dohna aus der OVP. ausgetreten.

Bonn, 18. Mai. (TU.) Prof. Dr. Graf zu Dohna, der bekannte Bonner Strafrcchts- lehrer, hat seinen Austritt aus der Deutschen Bolkspartei erklärt. Graf zu Dohna, der der DBP. seit ihrer Gründung angehort und sie als Abgeordneter in der Weimarer Rationalver­sammlung vertrat, hat nicht die Absicht, sich irgendeiner anderen Partei anzuschließen. In einem Schreiben an den Parteiführer Dingeldey macht Graf zu Dohna der DBP. zum Borwurf, daß siev o n d e m W e g der unter Stresemann mit so großem Erfolg betriebenen Mitarbeit am Wiederaufbau des Staates ab­gewichen sei und sich z u einer Regie­rung in Opposition gestellt habe, die gewiß ihre Fehler habe, für deren Ersah durch eine arbeitsfähige und erfolgreiche Regie­rung indessen die Boraussehung einst- weilen nicht gegeben sei". Weiter betont Graf Dohna im Schreiben, daß ihm der Entschluß zum Austritt nicht leicht gefallen sei. Er habe diese schon lange erwogene Erklärung bisher auch deshalb hinausgeschoben, weil ihn noch ein persönliches Gefühl der Treue zu seinem alten und verehrten Parteifreund Wilhelm Kahl bei der Partei gehalten hätte. Run sei aber auch dieses Band zerrissen.

Der^eichsbund der Höheren Beamten an den Kanzler.

Berlin, 18. Mai. (TU.) Der Reichsbund der Höheren Beamten hat an den Kanzler folgendes Telegramm gerichtet: Die Beamtenschaft beobachtet mit steigender Sorge die B e ft r e b u n = gen einflußreicher Interessenten­gruppen, auf die künftigen Beratungen durch informiert erscheinende Pressenotizen Einfluß zu ge­winnen und die Reichsregierung auf den Weg einer neuen besonderen Belastung der Beamten zu drängen. Die scharfen Dementis, die die Reichsregierung vor den Wahlen gegen jede Nachricht von bevorstehenden Gehaltskürzungen rich­tete, sind von der Beamtenschaft nicht vergessen worden. Die Staatsautorität müßte einen empfindlichen Schlag erleiden, wenn trotz dieser wiederholten Zusicherungen eine neue irgend- w i e geartete Belastung der durch vier Ge­haltskürzungen schwer betroffenen Beamtenschaft zur Tatsache würde."

Nie ersten Silber von dem Vombenaiieniai in Schanghai.

MH.

W

Während einer großen japanischen Truppenparade im Hongkew-Park in Schanghai schleuderte ein Koreaner eine Bombe gegen die große Tribüne, auf der eine große Anzahl hervorragender japanischer Persönlichkeiten versammelt war. Die Explosion hatte eine furchtbare Wirkung. Verschiedene hohe Würden­träger wurden schwer verwundet, der Generalkonsul M u r a i starb an den erlittenen Verletzungen. Unser Bild zeigt links, wie Generalkonsul Murai, der früher japanischer Konsul in Berlin war, von einem Matrosen weggetragen wird, rechts die Verhaftung des Attentäters.

Scharfer Zusammenstoß auf der Abrüstungs-Konferenz.

Deutschlands Antrag aus Abschaffung der Militärluftfahrt abgelehnt. Französisch-belgische Einheitsfront gegen Deutschlands Forderung auf Gleichberechtigung.

Genf, 18. Mai. ($11.) Die Arbeiten der Ab­rüstungskonferenz sind am Mittwoch in vollem Umfange wieder ausgenommen worden. Sie tragen jedoch, wie seit Wochen, einen rein tech­nischen Charakter. Die zahlreichen Ausschüsse der Abrüstungskonferenz beschäftigen sich gegen­wärtig noch immer mit der Frage der Be - griffsbestimmung der Angriffswaf- f e n. Diese Derhandlungen sind bisher wenig erfolgreich verlaufen, da auf französischer Seite gerade die schweren Angriffswaffen als Berteidigungsmittel hingestellt werden und damit der englisch-amerikanische Ber- such, zu einem allgemeinen Verbot der Angriffswaffen zu gelangen, planmäßig sa­botiert wird. Der neugebildete Ausschuß für die Gas- und chemischen Waffen trat am Mittwoch zum ersten Male zusammen und wählte den belgischen Senator de Brouckere zum Vorsitzenden.

Obwohl sämtliche Regierungen sich auf der Ab­rüstungskonferenz für die Abschaffung der Gas- und chemischen Waffen ausgesprochen haben, sind auch in dieser Frage neue S chwierigkeiten aufgetaucht, da man sich nicht einig werden kann, welche Gas- und chemischen Waffen als ausgesprochene Angriffswaffen anzusehen sind.

Im Luftfahrtsausschuß kam es am Mittwoch völlig unerwartet zu einer großen politischen Aussprache über die Ent- wassnungsbestimmungen des Versailler Vertrages. Die Aussprache wurde hcrvorgerufen durch eine ungewöhnlich scharfe, rein den französischen Stand­punkt vertretende Erklärung des belgischen Se­nators de Brouckere, der jetzt übrigens von französischer Seite als Rachfolger Albert Thomas' auf den Direktorposten des Inter­nationalen Arbeitsamtes genannt wird. d e Brouckere lehnte scharf den Vorschlag des deutschen Vertreters ab, die völ­lige Abschaffung der Militärluft­fahrt als Verhandlungsgrundlage zu nehmen.

Ministerialdirektor Brandenburg Halle u. a. daraus verwiesen, daß Deutschland mangels jeglicher Luftabwehr die Luftwaffe in jeder Form a l s eine äußerst gefähr­liche Angriffswaffe betrachte und daher die gänzliche Beseitigung der Mili­tärluftfahrt fordern müsse.

Der deutsche Vertreter hatte zur Bekräftigung seines Vorschlags auf die Luftabrüstungs- beftimmungen des Versailler Ver­trages aufmerksam gemacht. Der belgische Ver­treter erklärte, der deutsche Vorschlag werfe die Frage der Gleichberechtigung und der Gleich- st e l l u n g d. er Rüstungen auf, die als eine rein politische Frage im Ausschuß nicht behandelt werden könne.

Nach der Erklärung Brouckeres erhob sich sofort der französische Luftfahrtminister D u m e s n i l und erklärte, daß die französische ''Abordnung s i ch völlig auf den von Brouckere vertrete-, non Standpunkt stelle. Die Entwaffnungs-' bestimmungen des Versailler Vertrages seien eine rein politische Frage, die vom Luftfahrt­ausschuß nicht behandelt werden mrfc.

Ministerialdirektor Brandenburg verwahrte sich in deutscher Sprache in einer scharfen Erklärung dagegen, daß politische Fragen, insbesondere. die Frage der Gleichberechtigung, von deutscher Seite in diesem Ausschuß aufgeworfen worden seien und die Verhandlungen von feiten der deutschen Ab­ordnung einen politischen Charakter erhalten hätten.

Der deutsche Vertreter verlas sodann ö i e Prä­ambel ; u m Teil V des Versailler Vertrags, in der bekanntlich d i e Ent- waffnung Deutschlands als der erste Schritt zur allgemeinen A b - r ü ff u n g erklärt wird, und betonte, daß der AngrlffscharakterderMilitärlnfl- fahrt deutlich aus der Antwortnote der alliier­ten und associierlen Mächte an die deutsche Re­gierung vom 16. Juni 1919 hervorgehe, in der dieAbschaffungderdeutschenMili- tärluftfahrtdamitbe gründet wurde, daß hierdurch alle kriegerischen A n - griffsmöglichkeiten unmöglich ge­macht werden sollten.

Die Vertreter von Sowjetrußland, Holland und Ungarn schlossen sich den Ausführungen des deut­schen Vertreters gn. Der Vorsitzende des Luftfahrt­

ausschusses, der spanische Botschafter Madariaga, gab hierauf eine Erklärung ab, in der er sich der französischenAuffassunganschloß, daß der Luftfahrtausschuß sich keineswegs darum küm­mern könne, ob in Versailles bestimmte Waffen den besiegten Ländern als Angriffswaffen verboten wor­den feien.

Der Antrag der deutschen Abord­nung auf ein völliges verbot der gesamten militärischen Luftfahrt wurde mit 22 gegen 7 Stimmen abgelehnt. Für den deutschen Antrag flimmlett- außer den Antragstellern Oesterreich, Ungarn, Bulgarien, Sowjetruhland, die Türkei und China.

Oer Eindruck in Genf.

Geringe Aussicht auf eine veberbrückung der Gegensätze.

Die Verhandlungen im Luftfahrtausschuß haben durch den französisch-belgischen Vorstoß eine rein politische Richtung genommen und die Un­überbrückbarkeit der Gegensätze in sämtlichen Abrüstungsfragen gezeigt. Zum ersten Male ist jetzt offen von französischer und belgi­scher Seite die deutsche Forderung nach Gleichberechtigung in schroffer Weise ab- gelehnt worden. Die auch von deutscher Seite teilweise gehegte Hoffnung, daß ein gewisses Verständnis für den grundsätzlichen deutschen Standpunkt in der Abrüstungsfrage vorhanden sei, hat sich damit als völlig unbegründet erwiesen. Die Vertreter Frankreichs und Bel­giens haben sich offen auf den Standpunkt ge­stellt, daß Deutschland im Versailler Vertrag nicht nur die Angriffswaffen, sondern auch die Verteidigungsmittel genommen wor­den sind und haben somit die deutsche Auffassung, die Frage der Angriffswaffen sei durch den Ver­sailler Vertrag bereits entschieden, vollständig abgelehnt. Unter diesen Umständen erscheint es äußerst fraglich, wieweit noch auf der Ab­rüstungskonferenz eine Durchsetzung des deutschen Standpunktes möglich sein wird. Die energische und ruhige Haltung des deutschen Vertreters, Ministerialdirektor Brandenburg, in der schwierigen politischen Aussprache des Luftfahrt­ausschusses hat in allen neutralen Kreisen einen nachhaltigen Eindruck gemacht. Die Vor­gänge im Luftfahrtausschuß sind außerordentlich bezeichnend für den gesamten Gang der Ab­rüstungsverhandlungen.

Oie angelsächsischen Mächte an öer Seite Frankreichs.

Theorie und Praxis in Genf.

Berlin, 18. Mai. (CNB.) DieDAZ." schreibt zu den Verhandlungen im Luftfahrtsausschuß der Genfer Abrüstungskonferenz: Wir stehen nicht an, dieses Ergebnis als eines d e r rn i ß l i ch st e n der bisherigen Abrüstungsarbeiten zu bezeichnen, ein­mal, weil es zeigte, daß die deutsche Abordnung i n unerschütterlicher Festigkeit den als richtig erkannten Standpunktvertrat, zweitens, weil es bewies, wie wenig wir unter den gegebenen Umständen und auf Grund unserer bisherigen Taktik auf das Verständnis die­ser Konferenz zu rechnen hoben. Beson- ders bezeichnend aber ist es, so fährt das Blatt fort, daß kurz nach der Sitzung derselbe Herr de Broucköre, diesmal wieder als internationaler Pazifist, den Vorsitz über eine Veranstaltung des Abrüstungsausschusses des Weltverbandes der Völkerbundsligen führte, in der Lord Ro- bert Cecil eine sehr schöne Rede zugunsten der Abrüstung hielt, wobei er die Tätigkeit der Sach­verständigen in den technischen Ausschüssen lebhaft kritisierte. Zweifellos wird man der Erklärung Lord Cecils gern zustimmen, aber dabei nicht vergessen, daß er als Privatmann sprach, daß er nicht der englischen Abordnung angehört, daß er, als er England im Vorbereitungsausschuß vertrat, eine ganz andere Sprache führte, und vor allem aber, daß der englische amtliche Vertre­ter im Luftfahrtsausschuß heute genau wie übrigens der amerikanische Delegierte, gegen den deutschen Antrag gestimmt hat.

Die Strafkammer des Landgerichts Kattowih verurteilte den deutschen Polizethauptmann Rocny, der der Spionage z u g u n st e n Deutschlands angeklagt ist, zu acht I a h » ren Zuchthaus: der Staatsanwalt hatte 15 Iahre Zuchthaus beantragt

Meine politische Nachrichten.

Die kommunistische Reichstagsfrak» Hon hatte beantragt, den Reichstag zur Erledigung der noch ausstehenden Abstimmungen, insbesondere über die Mihtrauensan- träge gegen einzelne Minister, für Don­nerstag, den 19. Mai, einzuberufen. Dom Reichstagsbureau ist der Fraktion mitgeteilt worden, daß nicht das für die Einberufung des Reichstages in einer Sessionspause erforderliche Drittel aller Abgeordneten unter diesem An­trag stehe, so daß der Antrag als abge- leynt gelten müsse.

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Für Dienstag, 24. Mai, ist der Auswärtig« Ausschuß des Reichstags von seinem Vor­sitzenden Dr. Frick (Natsoz^) einberufen worden. Auf der Tagesordnung stehtBericht des Reichskanzlers und Reichsaußenministers über die Genfer Verhand­lungen, Tribute, ausländische Schulden, Abrüstung, Memelland, Danzig". *

Die Reichsleitung derNationalsozia- listischen Deutschen Arbeiterpartei hat sämtliche Dienststellen der Partei angewiesen, keine Eintrittserklärungen fürd-t L.Z1 S D A P. mehronzunehmen. Diese Maßnahme wird mit der sehr großen Zahl von Neuanmeldungen für die Partei begründet. Die Mitgliedersperre, die am 25. Mai beginnt, soll vorläufig bis zum 15. Juli 1932 dauern.

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Der am Samstag wegen gemeinschaftlicher ein­facher Körperverletzung an dem Reichstagsabgeord­neten Wels und dem Kölner Polizeipräsidenten B a u k n e ch t zu drei Monaten Gefängnis verur­teilte nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Dr. Ley hat gegen dos Urteil Berufung einge­legt. Gleichzeitig beauftragte Dr. Ley seinen Rechts­vertreter, gegen den Kölner Polizeipräsidenten Bau­knecht Meineidsanzeige einzureichen.

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Auf der Tagung desDeutschenForschungs- instituts für Agrar, und Siedlungs­wesen in Güstrow wurde bekanntgegeben, daß die Philosophische Fakultät der Universität Berlin den Staatssekretär des Reichsarbeitsministeriums, Dr. G e i b , zu ihrem Ehrendoktor promoviert habe.

Aus aller Welt.

Oie deutsche Lehrertagung in Rostock.

Der Vertreterversammlung des Deutschen Leh­rervereins ging aus Paris ein Degrüßungs- delegramm zu, in dem das Bureau der Interna­tionalen Bereinigung der Lehrerverbände den deutschen Kollegen die herzlichsten Gefühle der Verbundenheit im Kampf gegen die Wirtschafts­krise aussprach. Der Dorsihende des DLD., Georg Wolff, sprach dann über das Thema:Schule. Lehrerschaft und Deutscher Lehrerverein in der Gegenwart". Die deutsche Lehrerschaft sehe mit schmerzlichem Bedauern, daß die Welt des G e i st i g e n und damit die Bedeutung von Schule und Erziehung in der Wertschätzung des Dolkes gesunken sei. Sie fordere aufs neue die einheitliche deutsche Volksschule auf der Grundlage des deutschen Dolkstums, die die Lehrerschichten und Anschauungen in sich ver­einige. Der Deutsche Lehrerverein bitte alle Kreise um Schuh der Iugend, um Erhaltung und Ausbau der Schule, um das Höchstmaß erzieh­licher Fürsorge für das junge Geschlecht. Er warne vor einer vorzeitigen Po­litisierung des jungen Geschlechts und vor der Hineinziehung der Kinder in politische Tageskämpfe.

In diesem Sinne nahm der Deutsche Lehrerverein nach einer ausgedehnten Debatte eine Entschließung an, in der alle Kreise eindringlichst zum Schutze der Jugend, insbesondere auch gegen deren poli­tische Verhetzung aufgefordert werden, ferner der Ausbau der Schule sowie das Höchstmaß von erzieherischer Fürsorge für das Heranwachsende Ge­schlecht gefordert wird. Es sei Pflicht des Staates, alle erziehungsfördernden Kräfte zu wecken und zu stärken. Der DLV. bekenne sich zu dem auf der Gleichberechtigung und der staatsbür­gerlichen Mündigkeit aller Volksgenossen beruhenden Volksstaat. Zur 'Junglehrerfrage wurde nach dem Vortrag eines Vertreters der Junglehrerschast eine Entschließung einstimmig angenommen, in der erneut gefordert wird, die für die Schuljugend unse­res Volkes notwendigen und wertvollen Kräfte des Junglehrergeschlechts nicht länger brach lie­ge n 3U lassen. Im Jahre 1933 wird die Vertreter­versammlung des Deutschen Lehrervereins zugleich mit der Tagung der Deutschen Lehrerschaft in Magdeburg stattfinden.

Schweres Dauunglück aus der Transandenbahn.

Auf der Transandischen Dahn ereignete sich nahe der chilenisch - argentinischen Grenze ein furchtbares ilnglüd, dessen Folgen vorläufig noch nicht abzusehen sind. In der Rühe der Grenze bei LasRaicas wird ein neuer Tunnel gebaut. Ein Teil des Baues ist ein- g e stürzt. Rähere Rachrichten über den Her­gang und die Ttrsache dieser Katastrophe fehlen noch. Fest steht nur, daß 42 Arbeiter, die an der Einsturzstelle beschäftigt waren, unter den Trümmern begraben liegen. Ihnen Hilfe zu bringen, ist nur von einer Seite möglich gewesen, das Unglück wollte es aber, daß sich dort, gleich nach­dem die Rettungsarbeiten begonnen hatten, c i n zweiterEin stürz ereignete. Dadurch wurde die S a u e r st o f f l e i t u n g, die der Hilfsmannschaft die nötige Luft zuführte, zerstört, und alle Ar­beiter, welche an der Rettung der Eingeschlossenen tätig waren, mußten unverzüglich ihr Werk ab­brechen und flüchten. Es besteht keineHoffnung mehr, die 42 Verunglückten zu retten.

Ein fiflenfofer Prophet.

Vor dem Großen Schöffengericht Deggendorf (Bayern) hatte sich dieser Tage der Landwirt An- gcrer, ein sog.Prophet" der Bibelfor­scher im Bayerischen Wald, wegen Kindesentfüh­rung zu verantworten. Er wurde zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt Der Staatsanwalt be­zeichnete Sittenlosigkeit als Motiv der Glaubenslehre des Angeklagten. Dem Prozeß lag folgender Tat­bestand zugrunde: Ein jetzt 18jähriges Mädchen zog sich bei den oft tagelang andauernden Versammlun­gen der Bibelforscher, die sich an einsamen Bauern- Höfen abspielten, infolge Erkältung eine schwere Nierenentzündung zu. Die Mutter des Mädchens holte aber nicht den Arzt, sondern den Propheten". Dieser kam bei Nacht und Nebel, packte die Kranke auf einen Schlitten und fuhr sie in sein eigenes Haus, wo feine Frau ihr Fichtennadelbäüer machen sollte. Der Vater des Mädchens wurde nicht verständigt. Später stellte sich heraus, daß derProphet" dem Mädchen dtß