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m. N5 Erster Blatt

182. Jahrgang

Donnerstag, 19. Mai 1952

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

und Verlag: vrühl'sche UniverfilStr-vach. unö Steinöniderei H. tarnte in Stehen. $d?rf*tleitung unö Seschäftrftelle: SchuNtrahe 7.

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Ckeiredaitteur

Dr. Fnedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.fj.lbnno«; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich >n Gießen

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Deutsche Kulturarbeit in Spanien

Don unserem v. Oss.-Berichtcrstatter.

Rachdrutt, auch mit Quellenangabe, verboten!

Madrid, Mai 1932.

Die spanische Regierung hat vor wenigen Wochen dem Parlament denncuenStaatS- haushalt voraelcgt und seine Verabschiedung ohne wesentliche Abänderungen durchsehen können. Dieses Budget zeichnet sich durch einen energischen Sparsamkeitswillen aus, von dem kein Ressort verschont geblieben ist. Rur eine Ausnahme hat man gemacht 3m Etat des Kultusministers. Die Tatsache, daß diesem Minister nicht nur keine Abstriche gemacht, sondern sogar eine bedeutende Erhöhung zugestan­den wurde, ist ein Beweis für den ernsten Willen der Regierung, das kulturelle Leben des Landes zu heben und zu fördern So zeigt auch die Schaf- rung zahlreicher neuer Schulen und die Bemühun­gen um die Festigung der Verbindung mit der in­ternationalen Wissenschaft, deren Auswirkung sich jetzt schon spürbar macht, das außerordent- lid'c Interesse sür kulturelle Angelegenheiten.

luch dem internationalen Austausch von Stu­denten wurde erhöhte Ausmerksamkeit geschenkt. In einem besonderenPatronate" sind alle sich darauf erstreckenden Bestrebungen zusammenge^aßt worden, wobei die Tatsache besonders erfreulich ist, daß bereits in diesem Jahre wieder spa­nische Studenten nach Deutschland g c f ch i ck t werden konnten. Auch eine von der spanischen Forschungsgemeinschaft herausgegebene Statistik läßt erkennen, daß diese an der Entsen- düng spanischer Studenten ins Ausland besonders interessierte Stelle in steigendem Maße Deutsch­land berücksichtigt

Die Steigerung der spanischen Aktivität auf kul­turellem Gebiet ist nun ohne Zweifel in jeder Hinsicht auch der allgemeinen Förderung der deutsch-spanischen Kulturbeziehungen zugute ge­kommen. Während früher Frankreich mit großem Abstand gegenüber anderen führend war, ist cs im Lause der letzten Jahre den ernsten und zähen Bemühungen der hierfür in Betracht kom­menden deutschen Organe in Spanien im Verein mit dem Verständnis, das diesen 'Bestrebungen in der Heimat größtenteils zuteil geworden ist, gelungen, diesen Vorsprung wesentlich zu ver­kleinern.

ES hat heute den Anschein, als ob Frankreich, das mit allen Mitteln und ohne jede Rücksicht auf die Unkosten sich eine Art Monopolstellung auf der Halbinsel schassen wollte, dieses deutsche Aufholen auf kulturellem Gebiet in Spanien be­reits mit einer gewissen Besorgnis betrachtete. So ist der erst vor kurzem vom französischen Par­lament bewilligte Zuschuß von vier Mil­lionen Francs sür die französische Schule in Madrid ein Beweis dafür, mit wie wachsamen Augen man in Paris den immer stärker werdenden deutschen Kulturwillen in Spa­nien verfolgt. Eine weitere Abwehrmaßnahme bildet die schon vor Jahren erfolgte Uebernahmc der wichtigeren französischen Schulen in Spanien auf die Etats der Universitäten Toulouse und Bordeaux, wodurch eine stärkere finan­zielle Ausstattung der Schulen auf spani­schem Boden ermöglicht wird, ohne daß diese Aus­gabeposten im Staatshaushalt offiziell in Erschei- nung treten. Berücksichtigt man diese finanzielle Ueberlegcnheit und V *ht man die Tatsache in Betracht, daß die deutschen Schulen aus Grund der allgemeinen Rotlage gezwungen sind, we­sentlich höhere Schulgelder zu fordern als irgendeine andere ausländische Schule, so muß die steigende Auswärtsbewegung der deutschen Schulen in Spanien besondere Genugtuung er- wecken. Die Schülerzahl hat in den letzten acht Jahren um rund 50 Prozent zugenommen Von dcn rund 2300 Schülern, die die deutschen Schulen besuchen, sind über die Hälstc Richt- deutsche, darunter ein großer Prozentsatz Spa­nier. An der Spitze stehen die beiden großen An­stalten in Madrid und Barcelona, in denen allein je 750 Schüler unterrichtet werden. Aber auch in derProvinz arbeiten deutsche Schulen, so in Bilbao. Cadi-u Cartagena. Ma- laga, Sevilla, San Sebastian, Balencia. Vigo und in Zaragoza.

Außer den Schulen »erfügen wir hier aber noch über einen weiteren wichtigen Stützpunkt zur Fruchtbarmachung der kulturellen Wechselbezie­hungen Die Deutsch - spanische wissen­schaftliche Arbeitsstelle (Centro de In­tercambio Gcrmano-Espanol) in Madrid und die wissenschaftliche Vermittlungs st el'.e in Barcelona, die beide von Jahr zu Jahr weiter ausgebaut werden konnten. Bibliotheken, Kurse, Auskünfte, Vorträge sind cm Teil der fried­lichen Waffen, die diesen Stellen zur Verfügung stehen. Die Leiter dieser Einrichtungen haben es glücklicherweise peinlichst vermieden, sich in die innerpolitischen spanischen Verhältnisse zu mischen, so daß auch nach dem politischen Umsturz die rei­bungslose Fortsetzung ihrer Arbeit gewährleistet war. So erhielten denn auch die neuen Führer der spanischen Geschicke, die selbst zum großen Teil in Deutschland studiert haben, bei ihren Reform arbeiten nicht nur theoretisch, sondern auch prak­tisch zahlreiche Anregungen auf kulturellem Ge­biet. _ ,

Auf spanischer 6c tc verdienen die Bestrebungen des ersten Botschafters der spanischen Republik in Berlin, des Universitätsprofessors Castro, um die Engergestaltung der deutsch-spanischen Kulturbeziehungen besonders hervoraehoben zu werden Die Arbeitsmethoden desCentro" aber haben insofern eine erfreuliche Modernisierung er­fahren als man den Schwerpunkt von der aus­gesprochen fachwissenschaftlichen Seite auf dte all-

Vorerst keine Llmbilöung des Reichskabinetts.

Oer Arbeitsplan des Reichskanzlers. Erst Abschluß der sachlichen Ausgaben, dann Lösung der Personalsragen.

Eine Mitteilung derReichskanzlei

Berlin, 18.2Hai. (ERB ) Zu Öen zahlreichen Erörterungen unö Kombinationen in öen Blättern über öie ftabinetlsbcralungcn unö öie Besetzung der freien Ministerien, sowie öie Besprechungen, öie öer Kanzler gehabt Hal, roirö von amtlicher Stelle her­auf hingewiesen, haß Reichskanzler Brüning öie feste Absicht Hal, erst hie anstehenöcn sach­lichen Aufgaben zu lösen unö ö a n n erst öie Ergänzung ö e s Kabinetts oorzuneh- mcn. vor allem muh Öer Etat erledig! unö öle verschiedenen dringenden sozialpolitischen Fragen, wie Arbeitslosensrage, Sied­lung- unö Arbeit-Ölen st frage abgeschlos­sen werden.

Menn in der presse an den gestrigen (Empfang des Generals v. Schleicher und des Leipziger Oberbürgermeister» Dr. Goerdeier beim Reichs- kanzler Schlußfolgerungen über die Befehung der freien Ministerien gezogen worden find, so wird demgegenüber von amtlicher Seite betont, daß gestern nicht mit einem Wort von einem wechsel gesprochen worden ist. 3m übrigen dürste es wohl selbstverständlich sein, daß der Reichskanzler auch mit dem Lhcs des Minister- amls im Rcichswehrministerium Fühlung nimmt Den gestrigen Besprechungen des Kanzlers werden auherdem in den nächsten lagen noch eine

berichtet dieVossische Zeitung" ergän­zend. daß das Kabinett jetzt übercingekommcn lei, jede Zusammenlegung der einzelnen Fursorgcartcn für die Arbeitslosen vorläu­fig z u vermeiden, zumal die dadurch zu erwartenden Ersparnisse im Reichsarbeitsmini, ftcrium als verhältnismäßig gering veranschlagt würden. Ferner sei es eine Tatsache, daß trotz größter Anstrengungen des Kabinetts die Be- ratungen über die entscheidenden Fragen deS ReichshauShaltes und der Arbeitslosenhilfe noch an dem Punkte stünden, wo sie seit Wochen gestanden haben, lieber dieDurch- fübrung der Siedlung führen das Oft- kommissariat (Schlange-Schöningen« und das Reichsarbeitsrninistcrium «Stegcrwald« einen heftigen Resfortkricg. ohne daß cs ge­lungen sei, die Frage der Zuständigkeit befrie­digend zu klären, geschweige denn zu einer ver­nünftigen Gesetzesvorlage zu kommen Reuerdings scheinen sich auch bei der Prämienan­leihe neue Schwierigkeiten ergeben zu haben.

Wie dagegen dieDAZ." aus der Reichs- rcgicrung nahestehenden Kreisen erfährt, soll es bei den Kabinettsverhandlungen am Mittwoch gelungen fein, über d i e Finanzierung, die bisher unlösbare Schwierigkeiten bereitet hatte, eine grundsätzliche Einigung her­beizuführen. Es werde allerdings zugegeben, daß einige Dissorenzpunkte noch offen seien, die in den nächsten Tagen bereinigt werden

sollen. Der überraschende Fortschritt vom Mitt­woch werde vor allem auf zwei Ehefbesprechungen Aurüdgclübrt, die Mittwochnachmittag stattgcfun- den haben. Worin die erzielte Einigung bestehe, werde natürlich von den amtlichen Stellen vor­läufig nicht gesagt Cs liege aber nahe, sie auf der Linie zu suchen, die bereits durch d i e'V o r s ch l ä g c der Gewerkschaften bekannt geworden sei Ausdehnung der Krisen Neuer und Beibehaltung der Bürger st euer DaS würde im wesentlichen eine Hilfe für die Gemeinden bedeuten, denen dafür vermutlich die Tierpflichtung auf- crlegt werden dürfte, für künftige reibungs­lose Abwickelung ihrer Anleihevcr- p f 1 i ch t u n g c n au sorgen. Die Restortarbeiten ur Llusführung Der im Kabinett vereinbarten Grundsätze würden noch eine Reihe von Tagen in Anspruch nehmen Rach anderen Informatio­nen ist. wie die ..DAZ." weiter berichtet, die am Mittwoch erzielte Einigung überhaupt nur auf einen Teil der zur Debatte stehenden Fragen beschränkt geblieben, lieber die anderen Fragen werde weiter verhandelt. Der Fortschritt vorn Mittwoch bat danach nur den Charakter eine- grundsätzliche nK o rn p r o in I s s e s. von dem aus man zu einer Lösung der Gefarnt- fragen zu gelangen hoffe. Dem Vernehmen nach feien auch Besprechungen Dr Brünings mit Ver­tretern der Arbeitgeber und des Hand­werks vorgesehen.

ganze Reihe weiterer Empfänge folgen.

Rach Abschluß der sachlichen Arbeiten im Rclchs- kabinctt roirö Reichskanzler Brüning ö c m Reichs- präsiöenlen Bericht erstatten unö bei öicser Gelegenheit aber auch erst öann naturgemäß auch ö i e personalfrage er­örtern. Reichspräsident v. Hindenburg roirö aller Voraussicht nach noch bis EnÖe des

Keine Aussichten für einen Kurswechsel in Frankreich. Herriot beim Präsidenten derRepuble. - TardicuS Außenpolitik wird fortgeführt

Monats in Reudeck bleiben. Ein Besuch öee Reichskanzlers roirö zweifellos : ch t flatlfin- öen, ee ist aber Denkbar. Daß Staatsse.celär Meiß­ner inzwischen Öen üblichen bureaumäfjigcn Vor­trag beim ReichspräsiÖenten halten roirö.

OieArbeitdesReichskabineits Tic Finanzierung des -libeitsbeschaffungs» Programms.

Berlin. 18. Mai. (ERB.) Das Reichskabi - n'c 11 hat sich in feiner heutigen Sitzung vor allem mit Der Frage öer Arbeitsbeschaffung be­saht. Wie wir hören, ist Dabei Die finanzielle Seite Des Problems im großen unD ganzen geklärt roorhen. Für Den AbenD ist noch eine Ehefbesprechung vorgesehen.

3m Anschluß an Die kabinettssitzung empfing Der Reichskanzler im Beisein Der zustänDigen Ressort­minister Vertreter Der Gewerkschaften zu einer längeren Aussprache.

Zu den Beratungen des Rcichskabinctts. an Denen heute außer dem Oberbürgermeister Dr. Gocrdelcr auch General v. Schleicher ieilnahrn.

Paris, 18. Mai. lWTB ) Präsident Lebrun hat heute nachmittag Hcrriot empfangen. Die Unterredung, die der Präsident der Republik mit dem Führer der radikalen Partei hatte, galt nach dem ..Echo de Paris" mch dcn außen- politischen, als Den inncrpoUlischen Fragen, in erster Linie der Abrüstungskonferenz und dem Rcparationsproblem. Was die innerpolitischc Frage der Bildung des neuen Kabinetts anlange, so beurteile Herriot öie Möglichkeit einer Beteiligung der Sozialisten skeptisch, habe aber dem Prä­sidenten der Republik noch keine bindende Ant­wort geben können. In der kommenden Woche werde Lebrun mit Herriot eine neue viel­leicht entscheidende Besprechung haben Der Präsident der Republik hat den Wunsch, angesichts der gegenwärtigen außen­politischen Lage das Regierungsinter­regnummöglichst abzukürzen.

Daily Herold" veröffentlicht eine Unterredung mit Herriot. in der dieser erklärte, daß eine Herabsetzung der deu tf chen Tribut- zahlungen unmöglich sei, wenn sich die Vereinigten Staa ten und England nicht zu entsprechenden Herabsetzun­

gen der Kriegsschulden bereit erklären Die Radikalsozialistische Partei beurteilt die Abrü - ft u n g als eine Frage der internationalen Si­cherheit. Sic glaubt, daß die Begrenzung oder Herabsetzung der Rustuiigen nur unter der Obhut des Völkerbundes möglich ist. Diese Herabsetzung kann nurschrittweife im Verhältnis zur Gntwick 1 ung der Si- cherhcit durchgesührt werden. Sie befürworte die Organisation einer international be - wassncten Macht, die Internationalisierung der Tanks, schweren Artillerie, strategischen Eisen­bahnen- und Dampfschissahrtslinien. die für die Mobilisierung von Truppen verwendet werden können.

Daily Hcrald" kommentiert diese Erklärungen Herriots dahin, daß Herriot. nachdem er die Wahlen mit Hilfe der Sozialdemokraten gewonnen habe, nunmehr seine Verbündeten über Bord werfe, und seine Regierung unter Einschluß der Tardieu-Par- t e i c n bilden wolle, gegen die sich feine ganze Propaganda bei dcn Wahlen gerichtet habe Kurz gesagt habe Herriot die Politik Tardieus in der Frage der Tribute und der Abrüstung t n jeder Beziehung übernommen.

gemeine kulturelle Tätigkeit verlegt hat. was schon aus der Aendcrung des Programms der Vortragstätigkeit ersichtlich ist. Diese Richtungs- änöerung aber hot außerdem das Erfassen wei­terer Kreise möglich gemocht, wodurch wiederum die Ersolgsousstchtcn gesteigert wurden. Richt zu- letzt aber sind die Erfolge dieser kulturellen Tätig­keit auch Darauf zurückzuführen, daß es die ver­antwortlichen deutschen Stellen in hervorragendem Maße verstanden hoben, den gerade in diesem Lande so überaus notwendigen Takt bei jeder Ge­legenheit zu wahren und es fo peinlich vermieden haben, in den leider recht häufigen Fehler zu verfallen, etwa als Lehrmeister Der Spanier auf­treten zu wollen. Den Spanier auf diesem Ge­biete als glcichgeorDnetcn und ebenbürtigen Part­ner zu adten, ist aber nicht nur eine Taktfrage, sondern eine Forderung der Gerechtigkeit. So wird glücklicherweise stets Wert Darauf gelegt. Die Linie des immer cntgegenlommenDcn, hilfsberei­ten Freundes einzuhalten und man scheut sich nicht, auch die kulturellen Leistungen des Gastlandes an- zuerkennen. Im Gegenteil, die deutschen Stellen werden immer bereit sein, spanische Anregungen zu empfangen und aufzunehmen, die für die deutsche Kultur wesentlich sein können.

Wenn man weiß, daß die kulturellen Bezie­hungen eine außerordentlich wichtige Unterstüt­zung auch auf politifchcm Gebiet bilden können und Frankreich ist für diese Behauptung ein glänzender Beweis dann wird man dielen un­bedingten Fortschritt, den wir in Span en zu verzeichnen haben, ohne Zweifel richtig ein- schätzen und würdigen.

Oer Fall pleß kommt vor den Haager Gerichtshof.

Genf. 18. Mai kWTD.l Der Volker- bundsrat hat davon Kenntnis genommen, daß die deutfche Regierung wegen der Klage des Fürsten Pleß ftch an den HaagerGenchts-

h o s gewandt hat Der Fall des Fürsten Pleß. Der a l s Führer der deutschen Min­derheit IN p I n t 1 d) C b c r ' d) 1 c 1 c r feit Jahren von den polnischen Behörden auf alle mögliche Art. insbesondere durch völlig unberechtigte SteucrforDerungen. wirtschaftlich geschädigt wird, hat den Völkerbundsrat schon wiederholt beschäftigt Die polnische Regierung hat sich einer gütlichen Re­gelung dieser Angelegenheit stets entzogen, so daß der deutschen Regierung nichts übrig blieb als nunmehr Polen wegen Verletzung des Minderheitcnvertrages vor Dem Haa­ger Gerichtshof zu verklagen. Die Frage ist von grundsätzlicher Bedeutung, da cs f.ch hier nicht wie sällchl chcrweife von Polen behauptet wird um eine private Steuerangelegenheit des Fürsten Pleß handelt, sondern um eine Frage des Minderheitenschutzes.

Was toirö in Memel?

Ter Prozctz Meyer-Vetters verichoben.

K o w n o . 18. Mai. <TU.) Der Prozeß gegen Schulrat Meyer und den Rcichsdeut- schenBeckers. Der bekanntlich auf Den 24. Mai festgesetzt war. ist am Mittwoch durch einen Gc- schäftsordnungsbefchluß des Kriegsgerichts aus unbestimmte Zeit verschoben worden Der Beschluß geht auf einen Antrag des Staatsanwalts beim Kriegsgericht Ge­neral Wicmer. zurück, der von vornherein der Auffassung gewesen fein soll, daß das Ma­terial gegen Meyer und Vetters nicht ausreiche und völlig unzulänglich lei. Dieses Material ist dem Untersuchungsrichter Roviyki. der auch Die erste Voruntersuchung führte, zurüttgereicht toorDen. Es ist zu hoffen. Daf) d e nachträgliche Untersuchung nun zu einer Freilassung der Angeklagten über­haupt führt.

Noch feine Ernennung eines neuen Gouverneurs für das Memelgebiet.

Kowno. 18. Mai. (ERB ) Die Ernennung deS neuen Gouverneurs für das Memelgebiet verzögert 11 d) abermals. Da feine Stellung zur Kownoer Regierung einer Rcuregelung un­terzogen tocrDen soll. Der neue Gouverneur wird in jeder Hinficht Kowno unterwor­fen sein und nicht mehr dcn Rang eines Mini­sters und Kabincttsinitgliedes erhalten. Die Kan­didatur G y k i s. die gestern noch an zuständiger Stelle als völlig sicher galt, scheint wieder in Den Hintergrund getreten zu fein. Da roicDcr Die Ra men Ran Lozoraitls. dem litauischen Geschäftsträger beim Vatikan, und E a r n c ck i S. Dem litauischen Gesandten beim Cutrinal genannt werden

Oie Regierungskrisis in Oesterreich.

Tie Bildung eines bürgerlichen Äonzentralionskabinetis gescheitert.

Wien. 18. Mai lERB.l Dic Besprechungen über die Bildung einer neuen österreichischen Re­gierung, als Deren Kanzler Minister Dr Doll- f u ß ausersehen war. sind gleich nach Pfingsten wieder aufgenommen worden und haben heute - wenn auch in negativem Sinne zu einer Klä­rung geführt: Die Grvßdeutsche Volks- Partei wird sich an einer Regierung DoNfuß nicht beteiligen. Damit ist die Mission des neuen Kanzlers vorläufig gescheitert. Bundes- fataler Dr. Bu resch. Der mit feinem Kabinett während Der jetzigen Krise alsgeschaftsfüh- rendes Ministerium weiter amtiert, hat am 9 Mai an denGeneralsekretär Des Völkerbundes einen dringenden Appell um Hilfe gerichtet. Sein Schreiben vor allem ist von