MMrpräsideni Zraun spricht in Franksmi.
Sie Zerschmgsarbeit der SottlvsenbewWng.
Schützt unsere Schuljugend vor den Gefahren sittlicher Verwahrlosung!
Zusammenarbeiten zwischen Wohlfahrts- und Arbeitsämtern seien unerläßlich. Es gehe nicht an, die Lasten der Arbeitslosenfürsorge immer mehr vom Reich auf die Gemeinden abzuwälzen. Für die Uebergangszeit müsse der bisherige Reichs- Zuschuß ohne jede Kürzung oder Stockung fort- gezahlt und der ständig anschwellende Zufluß der Arbeitslosen in die kommunale Erwerbslosenfürsorge abgestoppt werden.
die Verhältnisse im Vorkriegs-Preu- ß e n entgegen, wo das Dreiklassenwahlrecht und das Parteibuch-Beamtentum der Konservativen geherrscht habe.
Der Haß der nationalen Front richte sich gegen das neue Regime auch deshalb, weil es mit dem alten Kastengeist aufgeräumt habe. Die Behauptung, daß im neuen Deutschland und Preußen alles in Grund und Boden gewirtschaftet worden sei, stehe mit den Tatsachen in Widerspruch. Das arme Preußen der Nachkriegszeit habe in kultureller und fürsorgerischer Hinsicht mehr getan als das reiche Preußen vor dem Krieg. „Ich bleibe", so erklärte Braun wörtlich, „auf meinem Posten, mit dem Bewußtsein, auf diesen wichtigen Gebieten — Kultur und Volkswohlfahrt — keinen Pfennig weiter obzubauen, als es die äußerste Notwendigkeit erheischt." Die inneren Wirtschaftsprobleme müßten jetzt mit viel größerer Energie als bisher angefaßt werden. Es sei auf die Dauer ein unhaltbarer Zustand, auf der einen Seite Menschen 8 bis 9 Stunden arbeiten zu lassen und 6 Mil- lionen zur Arbeitslosigkeit zu verdammen.
hauptung, daß eine weitere Kürzung der Beamtengchalter bereits zum 1. INai 1 932 beschlossen sei und daß die entsprechenden Verordnungen und Erlasse zur Unterschrift fertig im Schreibtisch des Reichssinanzministers lägen, von Anfang bis Ende falsch sind. Es wird ausdrücklich daraus hingewiesen, daß sowohl der Herr Reichskanzler als auch der Herr Reichsminister der Finanzen wiederholt erklärt hoben, daß eine weitere Kürzung der Veamten- gehälter nicht beabsichtigt sei. Es handelt sich also um eine reine Wahllüge.
Oer Lungdeutsche Orden zum Hindenburgbrief.
Allgemeine Lolksdienstpfttcht das beste Gegenmittel gegen Oie Polin,icrung der Jugend.
Berlin, 18. April. (TU.) Aus den Kreisen des Jungdeutschen Ordens wird mitgeteilt, daß man dort die vom Reichspräsidenten in seinem Briefe an Groener angeordnete Prüfung der Verbände durch das Reichsinnenministerium sehr begrüße. Hindenburg habe damit jeden Vorwurf der Einseitigkeit wegen des SA.-Verbots entkräftet, wie es von den Jungdeutschen von dem Gerechtigkeitsgefühl des Reichspräsidenten von vornherein erwartet worden sei. Der Jungdeutsche Orden sei stolz darauf, daß er mit dem Einsatz Zehntausender von Wahlhelfern und von mehreren hundert Lastwagen-Werbekolonnen mit jungdeutscher Besatzung an der Wahlarbeit für Hindenburg besonders aktiv habe teilnehmen können. Der Jungdeutsche Orden sei keine einseitige Kampforganisation irgend- einer Partei, brauche aber auch keine Prüfung zu scheuen. Die jungdeutsche Bewegung habe ihrer Ju- gend und ihren Erwerbslosen seit einem Jahre i n demKampffürArbeitsdienstundSied- lung ein positives Kampfziel gegeben. Etwa hundert jungdeutsche Freikorps der Arbeit seien im freiwilligen Arbeitsdienst eingesetzt. Aus den Ergebnissen sei zu schließen, daß es bei dem Kampfe gegen die parteipolitische Verhetzung der deutschen Jugend nur auf positive Gegenmaßnahmen ankomme: durch Der- bote sei eine solche positive Gegenwirkung nicht z u e r r e i ch e n. Die Reichsregierung müsse deshalb' das Wirken des freiwilligen Arbeits- d i e n st e s , der bereits 33 000 Menschen erfaßt habe, in ganzanderer Weiseunter st ützen als bisher und möglichst bald daraus die allgemeine Volksdien st pflicht der jungen Jahrgänge entstehen lassen, um ihnen einen Pol der Gemeinschaftsarbeit für die Gesa m t h e i t zu geben. Die große Aufgabe der Volksdienstpflicht sei eine mächtige Ostsiedlung als entscheidendes nationales Wiederaufbauwerk.
Oer Ruin
der Gemeindefinanzen.
Die Forderung auf Reform der Arbeitslosenhilfe.
Berlin, 16. April. (ERB.) In der letzten Dor- standssitzung «des Deutschen Städtetags wurde von allen Seiten auf die weitere Verschlechterung der Lage hingewiesen. Das Steueraufkommen unterschreite die niedrigsten Schätzungen. Die Zahl der Wohlfahrts erwerbslosen sei in den letzten sechs Monaten um mehr als 60 v. h. gediegen. Noch immer stehe die Reform der Arbeitslosenhilfe aus. In vielen deutschen Ländern seien die Staatsetats durch Aende- rung des Finanz- und Lastenaus- gleichs zu Ungunsten der Gemeinden ausgeglichen worden. Die Gemeinden und Gemeindeverbände müßten für 1932 mit einem Defizit von mindestens 750 Millionen RM. rechnen, nach- dem schon das Rechnungsjahr 1931 mit einem Fehlbetrag von wenigstens 350 Millionen RM. abschließe. In zahlreichen Industriestädten deckten die gesamten Steuereinnahmen nur noch öie
Hälfte der Wohlfahrtslasten. Von einem Haushaltsausgleich sei deshalb in den meisten Städten nicht mehr die Rede. Endlich müsse die Reform der Arbeitslosenfürsorge verwirklicht werden. Eine einheitliche Finanzierung durch Zusammenfassung der verschiedenen Deckungsguellen der Arbeitslosenhilfe zu einer einheitlichen besonderen Zweck- steuer und eine Garantie für das zweckmäßige
Frankfurt, 18. April. (Lpd.) In einer Versammlung der Sozialdemokratischen Partei sprach am Montagabend in der Frankfurter Festhalle der preußische Ministerpräsident D r. Braun. Die Präsidentschaftswahlen, so führte er aus, hatten gezeigt, daß der größte Teil des deutschen Volkes dem Wahnsinn der Nationalsozialismus noch nicht verfallen sei. Hitler sei schon bescheidener geworden, denn er spreche heute davon, der Kampf würde noch 10 Jahre andauern. Es frage sich nur, ob Hitlers Anhänger noch so lange zu ihm hielten und die trüben Geldguellen noch so lange für die Nationalsozialisten fließen würden. Wenn von der nationalen Front die Korruption s e r s ch e i n u n g e n der letzten Jahre als das Ergebnis einer marxistischen Wirtschaft hin- gestellt würden, so verweise er darauf, daß es sich hier um die übelsten Sumpfblüten der privatkapitalistischen Wirtschaft handele. Unter dem Schlagwort „gegen das System" könne sich jeder vorstellen was er wolle. Dieses System aber habe aus den Trümmern des Weltkrieges den neuen demokratischen Dolksstaat errichtet. Dem Ruf „Preu- ßen muß wieder preußisch werden" setzte der Redner
Berlin, 18. April. (CAB.) Der Ministerial- direktor im Reichsinnenministerium Dr.Hänh- s ch e l sprach auf der Deutschen Welle über das Thema: .Was tut der Staat zum Schuhe der Religionsgesellschaften?" Der Redner führte u. a. aus:
Der Kampf gegen die Kirche ist zum Bestandteil des politischen Kampses geworden. Weil man auf kirchlicher und sittlicher Grundlage beruhende Glaubens- und Weltanschauungsgemeinschaften als Hindernis für die Entfaltung des Bolschewismus ansieht, deshalb sollen sie vernichtet werden. Um müheloser das äußere Staatsgefüge zerbrechen zu können, soll zuvor der innere auf gemeinsamer geistiger und sittlicher Heberzeugung beruhende Zusammenhalt der Ration erschüttert werden. Dann meint man, sei auch bei uns die Bahn frei für das bolschewistische Staatsexperiment. Der General st ab der Gottlosenarmee befindet sich außerhalb Deutschlands. Die deutschen Kommunisten sind nur willenlose, den ausländischen Drahtziehern geistig untergeordnete Werkzeuge Moskaus. Die Zentrale ist die sogenannte „Internationale proletarischer Freidenker". Die Stammutter der internationalen Gottlosenbewegung ist der im Jahre 1925 gegründete russische „Verband kämpfenderGottlose r". Er zählt in Rußland heute über 5 Millionen erwachsener und rund 2 Millionen jugendlicher Gottloser.
Die deutsche Sektion der kommunistischen Freidenkerinternationale ist der „Verband proletarischer Freidenker Deutschlands". Mit Hilse dieses von Moskau aus geführten Verbandes fofl jetzt in Deutschland die geistige Zersetzung und Wühlarbeit gegen Gott, Kirche und Religion in die Tat umgesetzt werden. Mit großem Kostenaufwand wird eine ungeheure Propaganda durchSchrif- ten, Film und Rundfunk entwickelt, wie sie sich auf die Dauer kein Staat gefallen lassen kann. Mit im Auslande gedruckten, in deutscher
Sprache erscheinenden Schriften, wie zum Beispiel der in Charkow erscheinenden Halbmonatsschrift „R e u l a n d", wird revolutionärer Atheismus nach Deutschland hineingeschmuggelt.
Die vom Moskauer Gewerkschafts- s e n d e r in deutscher Sprache verbreiteten Rundfunksendungen aus der antireligiösen Universität und dem antireligiösen Museum dienen dem gleichen Zweck. Eine Rundfunffendung „Spaziergang durch das antireligiöse Museum" wurde ausgerechnet zu Weihnachten zu uns in deutscher Sprache herübergefunkt. Hand in Hand damit ging eine vom „Verband proletarischer Freidenker Deuffchlands" veranstaltete A n t i - Weihnachtskundgebung. Ein proletarischer Schallpkattenverlag gibt sogenannte kommuni st ische Weihnachtslieder wie „Der neue Stern", „Gottlosenlied" heraus. Darin werden Einrichtungen und Gebräuche dcr christlichen Kirche beschimpft. In den Arbeitervierteln der Industriestädte werden Aufklärungsabende mit Lichtbildervorträgen veranstaltet mit Themen wie „Kampf gegen die Pfaffen in der Sowjetunion", „Pfaffenhetze einst und jetzt" oder „Braucht das arbeitende Volk Religion?" Kommunistische Dühnendarsteller werden in sogenannten Agitproptruppen zusammengefaßt und bringen religionsfeindliche Stücke und rote Revuen zur Aufführung.
Ein besonders trauriges Kapitel ist die antireligiöse Propaganda unter den schulpflichtigen Kindern. Die Sechs- bis Zehnjährigen werden in „Roten Jungscharen", die Aelteren in den „Roten Schulvorposten" und den „Roten Jungpionieren" zusammengefaßt. Die „Int er- nationaleArbeiterhilf e", die „Kamp f- ge meinschaft für rote S p or t a r b e i t", die „Interessengemeinschaft für Arbeiterkultur" und die „Rote Hilfe", alles Hilfsorganisationen der Kommunisten, haben sich Kindergruppen angegliedert. Es find jetzt nicht weniger als 26 000 deutsche Kinder in solchen Iugendgruppen erfaßt. Ein Blick auf die Schulaufsähe der so
beeinflußten Kinder zeigt, daß hier eine f i tt* liche Verwahrlosung der Jugend sh« stematisch organisiert wird.
Die Organisation der deutschen Gottlosenbewegung war ein wesentlicher Anlaß zum Erlaß der Ersten Verordnung des Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen im März vorigen Jahres. Durch eine weitere Verordnung wurde in das Lichtspielgesetz die Bestimmung ausgenommen, daß ein Film verboten werden kann, wenn er lebenswichtige Interessen des Staates verletzt. Auch dabei war nicht zuletzt an die alle sittlichen Fundamente des Staates untergrabende Gottlosenbewegung gedacht. Diese wenigen gesetzlichen Bestimmungen haben bereits den Erfolg gehabt, die Bewegung wesentlich einzudämmen. Die „Rote Fahne" gestand am 1. Januar ein, daß z. B. die komm uni st ischen Theater - und Revuetruppen vor der Märzverordnungzu- rückgewichen und fast völlig aus der proletarischen Öffentlichkeit verschwunden seien. Von den vor einem Jahr die Oef- fentlichkeit noch lebhaft bewegenden G o t t l o - senverfammlungen ist es still geworden. Trotzdem bleibt noch viel zu tun üb- rig. Besonders erschreckend ist die Propaganda unter den schulpflichtigen Kindern. Man wird dagegen nicht nur mit polizeilichen, sondern ebenso sehr auch mit den geistigen Mitteln der QTuf-k-lärung zu arbeiten haben. Dies wird in erster Linie Aufgabe von Schule und Kirche fein. Kirche und Schule haben die drohenden Gefahren rechtzeitig erkannt und alles darangesetzt, um ihnen zu begegnen.
Maffeneinbürgerungen im Memelgebiet.
Die Kownoer Regierung sorgt auf das Nachdrücklichste für eine Stärkung des litauischen Elements im Memelgebiet. Sie will unter allen Umständen erreichen, daß diesmal eine stattliche Anzahl großlitauischer Abgeordneter in den neu zu wählenden Landtag einzieht. Aus diesem Grunde hat sie das ganze Wahlgesetz über den Raufen geworfen, so daß jetzt schon ein paar hundert Stimmen genügen, um unter besonderen Umständen einem Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Diese Maßnahmen kommen selbstverständlich nur den Litauern zugute. Dann wird aber bereits seit langem für eine systematische Einwanderung aus Litauen in das Memelgebiet gesorgt. Man hat herausgerechnet, daß in den letzten drei Wochen elftausend Litauer die msmelländische Staatsbürgerschaft und damit auch das memelländische Wahlrecht erworben haben. Es kann aber nicht ausbleiben, daß in den neuen Landtag eine recht stattliche Gruppe litauischer Abgeordneter einziehen wird. Was aber geschieht zur Verhinderung derartiger Wahlfälschungen? Nichts! Wir haben protestiert und wieder protestiert, so gut wie gar nichts ist von den Signatarmächten in die Wege geleitet worden. Daß sie den Haager Gerichtshof angerufen haben, wollen wir nicht übersehen. Aber welchen Nutzen hat ein erst in drei Monaten zu erwartet- des Urteil, wenn in der Zwischenzeit das Memelgebiet mit Gewalt in eine litauische Kolonie umgewandelt wird?
Amerika und dasRußlandgeschäsl.
Eine amerikanische Maschinenfirma bricht die Beziehungen zur Sowjetunion ab.
Detroit, 18. April. (WTB.) Die Maschinen- und Konstruktionsfirma Albert Kahn I n c., eine der hauptsächlichsten Förderer des Fünfjahresplanes in Rußland, gibt bekannt, daß sie ihre Beziehungen zu der Sowjetunion abgebrochen hat. Den Anlaß bildete die Währungsfraae, erklärte Moritz Kahn. Die Sowjetregierung habe Mangel an Gold und wäre bereit gewesen, in russischen Rubeln zu zahlen, die aber für die Firma wertlos seien. Nach dem früheren Kontrakt, der Ende März ablief, waren die Zahlungen in Dollars erfolgt. Die
Oer Wellensittich Otto.
Die Geschichte einer (§he von Magda Amann.
Ich muh die Leser zunächst mit Otto näher bekannt machen. Er wurde am 16. Dezember 1930 in München als zweiter von fünf Geschwistern geboren.
Seine Großeltern waren von Charleville m Australien über Hamburg eingewandert. Hier werden die Leser schon behaupten, daß das eine lügenhafte Geschichte sei, indem sie aus der jüngst erlebten Weltgeschichte zu wissen glauben, daß Charleville in den Ardennen liegt und das deutsche Hauptquartier während des Krieges beherbergt habe. Ottos Urheimat, Charleville, aber liegt am Warragafluß, der aus Queensland kommt und sich durch Reu-Süd-Wales schlängelt, um bann im Großen OzeaN, ewig sich erneuernd, zu versinken.
Ottos Groß-Eltern hatten die 45 Tqge lange Reise von Sidney nach Hamburg gut überstanden: waren durch ein Schicksal, auf das sie selbst keinen Eünfluh hatten, nach München verschlagen worden, hatten für ihre Aelteste einen wackeren Schwiegersohn gefunden, und als vorläufiger Abschluß dieser Familienreihe war Otto zur Welt gekommen. Seine Geschwister wurden durch die Zeitumstände in verschiedene Städte zerstreut, so daß er keine Verbindung mit ihnen mehr aufrecht hielt. Er hatte sie, wie es seine Sippe vielleicht von den Menschen gelernt haben mag, auch bald vergeffen. Otto kam mit drei anderen seiner Art als Dauergast zu mir.
Bei der Auswahl der Herrschaften hatten wir darauf gesehen, daß zwei Damen und zwei Herren einzogen. Zweifellos war Otto der schönste und munterste von ihnen. Die Pracht seines grünen Gefieders, seine im zitronengelben Gesicht regelmäßig verstreuten hochblauen Flecke, sein kosendes Gezwitscher, seine ebenmäßigen Bewegungen beim Fluge, fein gewandtes Klettern, — das alles kam ihm wohl zustatten, besonders angenehm aufzufallen.
Es ist notwendig, die ihnen zugewiesene Wohnung zu beschreiben: Im Stil sachlicher Reubauzimmer handelt es sich um ein Rechteck von 80 Zentimeter Länge, 50 Zentimeter Höhe und 40 Zentimeter Tiefe. In der Erwartung des in solchen Fällen üblichen Familienzuwachses wurden links und rechts Heine Anbauten in Gestalt von zwei Ristkästen angebracht, die eine kreisförmige Türe von 3 Zentimeter Breite hatten.
Wie man es auch bei menschlichen Gesellschaften, bei Tanztees und andern Veranstaltungen fcmeritÄ laim. fanden sich noch kurz« Zeit in«
Pärchen bald zusammen. Otto vertiefte feine Be- I geisterung für ein gewisses Fräulein Chlotilde, I während auf der andern Seite sich Emil und Hermine zusammenfanden, die im Rahmen dieser Ehegeschichte gleichfalls eine Rolle spielen werden. ilnd zwar eine in gewissem Sinne unangenehme Rolle.
Es handelt sich bei diesen beiden nämlich um ein Paar, das geziert, unnatürlich, oberflächlich war und keinen Sinn für ein geordnetes Hauswesen hatte. Wan merkte ihnen an, daß sie schon mancherlei schwer nachzuprüfende Erlebnisse hinter sich hatten, denn eines Morgens lag ganz unvermittelt ein Ei in ihrem Nistkasten, nachdem sie mit einem ungeheuren Aufwand von Geschrei und Gezwitscher, von schuhplattlerähnlichen Tänzen und nimmermüdem Girren eine von vornherein unbeständig scheinende Ehe geschlossen hatten. Der Erfolg war auch am nächsten Morgen schon zu sehen: Hermine hatte das Ei aus dem Rest geworfen und Emil zeigte sich roh genug, es anzupicken und zu zerstören.
Dieser Vorgang muß nun in Chlotilde ernstes Rachdenken wachgerufen haben. Sie zog sich in ihren Anbau zurück, um zu beweisen, daß Oberflächlichkeit niemals ein dauerndes Familienglück zu gründen vermag.
Ihre Tage vergingen jetzt in einer verewigten Zärtlichkeit zu Otto, dessen Herz machtvoll entzündet wurde, so daß er mit Gurren, Krächzen, Zwitschern und Schwätzen vollauf beschäftigt war und manchmal sogar Töne fand, die Chlotilde wohl als Gesang empfinden mochte.
Hier zeigte sich nun der wahre Charakter Her- minens: Sie versuchte nicht nur, bei jeder Gelegenheit in Chlotildens Ristkasten einzudringen, sondern zeigte sich als ein ränkevolles, zanksüchtiges Weib, das ohne jeden Anlaß tätlich gegen Chlotilde vorging und sich in nicht miß- zuverstehender Art an Otto heranmachte. Das aber gab Emil wieder Anlaß, sich auf Otto zu stürzen. Otto setzte sich zur Wehr, Hermine pickte herausfordernd an Chlotildens Nistkasten und es war ein Unfriede wie in einem menschlichen Wohnblock.
Otto aber verdoppelte seine Zärtlichkeit Chlotilde gegenüber, denn sie war des Trostes wahrlich bedürfttg. Hermine hatte ihr im Kampf ein paar schöne Schwanzfedern ausgerissen. Sie sah nun etwas kümmerlich aus, und weil die Liebe des Mannes so viel von Aeußerlichkeiten abhängt, war unter Umständen mit einem Scheitern dieser Ehe zu rechnen. Otto aber verkörperte die männliche Treue und er hielt zu Chlotilde selbst bann noch, als sie wie ein gerupfter Spatz aussah.
Linker diesen Llmständen mußt» ich
densrichter wirken und die Parteien trennen. Ich zog durch die Mitte des Käfigs ein dünnes Drahtgitter. Von diesem Zeitpunkt ab war der Segen des Friedens zu spüren, denn nach vier Tagen schon lagen in Chlotildens Nest vier schöne, weißliche, rundliche Eier. Sie selber kam jetzt nur noch einmal am Tage, morgens, zum Vorschein, um dringlichsten Bedürfnissen nachzugehen.
Das war vor vierzehn Tagen. In zwei bis sechs Tagen wird sich das kleine Wunder vollziehen und Chlotilde wird Mutter werden in einem lustigen Kinderzirnrner. Wir aber müssen uns jetzt wieder der Hauptperson dieser Geschichte, dem werdenden Vater Otto zuwenden. Mit rührender Ausdauer sitzt er den ganzen Tag vor dem Nesteingang und unterhält Chlotilde. Alle Stunde holt er Futter, zerkaut es, fliegt wieder hinauf, klopft an die Wand, worauf Dhll>ttlde kurz erscheint, ihren von mütterlichen Sorgen beschwerten Kopf vor die Tür hält und sich von Otto atzen läßt. Sie seht sich dann sofort wieder auf die Eier. Otto, heiter und liebenswürdig wie immer, kürzt ihr die Zeit erneut durch Töne, die er vielleicht Gesang nennt und würdigt die an der Trennungswand immer auf ihn wartende Hermine keines Blickes.
Manchmal versucht er, in das Gemach seiner Frau zu äugen. Aber das duldet Chlotilde nicht. Sie wird abweisend und unfreundlich, und Otto bezieht wieder seine Stange und redet ihr gut zu und bittet um schönes Wetter. Heute morgen aber geschah es, daß ich an Otto irre wurde und annehmen mußte, daß auch sein Charakter durch den Umgang mit Menschen gelitten haben muß: Er hatte Chlotilde gerade das zweite Frühstück verabreicht, als er in einem plötzlichen Uobermut an das Trennungsgitter flog und mit der wartenden Hermine durch die Maschen des Drahtnetzes schnäbelte. Emils Wutgeschrei, vielleicht auch das feine Gefühl der Frau veranlaßten Chlotilde, einen Blick aus ihrer Türe auf den Durchgänger zu werfen. Sie flog nun nicht wutentbrannt auf den treulosen Gatten zu, sondern rief mit eisiger Sachlichkeit ihren Otto herbei, der mit der in solchen Fällen üblichen Geschwindigkeit gehorchte, erregt seinen Platz vor der Türe einnahm und seiner Chlotllde nun ein Alibi vorzwi sicherte. Man weih ja, welche Meister der Ueberredungskunst Männer in solchen Fällen sind.
Vermutlich hat er Chlotilde erzählt, daß er sich bei der weit erfahreneren Hermine Ratschläge geholt habe für die kommenden schweren Tage. Otto aber hat mir wieder einmal gezeigt, , Hotz Hum selbst his Neuesten Männer vor Del-
suchungen bewahren muß. Wir wollen aber ein abschließendes Urteil über ihn noch nicht fällen, ehe wir ihn als Vater tennengelernt haben, wo er Gelegenheit nehmen wird, seinen übereilten Seitenflug wieder gutzumachen.
Tolle Welten in England.
Beim Rennen von Newmarket waren die Pferde gerade beim Start, als ein Mr. Panton sich zu dem Besitzer eines der Pferde wandte und sagte: „Ich wette 1000 Guineen, daß Ihr Pferd weder als erstes noch als letztes ankommt." Die Wette wurde angenommen, und der Besitzer hatte gerade noch Zeit, dem Jockei zu befehlen, daß er. wenn er nicht gewinnen könne, der Letzte sein müsse. Das Pferd lies auch tatsächlich als letztes durchs Ziel, aber Panton wollte nun nicht zahlen, weil er erklärte, die Wette sei durch die Anweisung an den Jockei ungültig geworden. Der Jockeiklub aber bestimmte, daß der tolle Wetter die 1000 Guineen entrichten müsse. Der Spruch erregte großes Aufsehen, und man stritt sich viel über die Gründe der Wette, die dock nur darin bestehen konnten daß Panton der Ansicyt war, das Pferd sei nicht schnell genug, zu gewinnen, ober doch zu gut, um Letzter zu werden. Vor einigen Jahren setzte der Besitzer eines Pferdes namens Theodor 100 Pfund gegen einen Spazierstock, daß das Pferd beim Rennen von Doncaster nicht gewinnen würde, aber das Pferd gewann, und er mußte zahlen. Bei einem andern Rennen von Doncaster trug ein Mann einem anderen folgende Wette an: Er setze 10 Pfund, daß der Besitzer, wenn sein Pferd das Rennen gewinne, nicht imstande sein werde, zu pfeifen. Das Pferd gewann, aber der Eigentümer war so aufgeregt, daß er trotz aller Anstrengungen nicht pfeifen konnte und die 10 Pfund erlegen mußte. An tollen Wetten ist auch außerhalb des Turfs in England nie Mangel gewesen, und wie vorsichtig man sein muß. wenn solche seltsamen Angebote gemacht werden, beweisen zwei Fälle. Einmal wettete ein Lord, er werde eine bestimmte, sehr belebte Strecke im Westen Londons entlang gehen — ganz ohne jede Bekleidung. Und er tat es auch: er mietete einen Wagen, aus dem er einen Teil des Bodens heraus- nehmen ließ, sagte dem Kutscher daß er ganz langsam fahren solle und ging dann in dem Wagen, nachdem er sich in ihm ousgezogen hatte, vollkommen geschützt, die verabredete Strecke, ohne daß es bemerkt wurde. Ein Mr. Sopwith wettete 1912, er werde in der Mitte von Piccadilly, also in belebtester Gegend Lon dons. sich 10 Minuten auf die Erde legen. Er wann die Wette, denn er legte sich neben seine» Kraftwagen, als ob er daran etwas reparieren müßte.
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