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• * gor ft perfonalte. Auf Grund des Alters- grenzegefetzes wurde der Dberforftmeifter Dr. Emil Schüz zu Gießen vom 1. Dezember 1932 ab in den Ruhestand versetzt.
ee Der E-traßenbahnbetrieb am Xotenfonntafl. Anläßlich deS Totensonntags beginnt dec Strahenbahnbetrieb zum Neuen Friedhof am Samsiaz, 19. November, bereits um 9 Uhr. am Sonntag, 20. November, um 10 Uhr. An diesen beiden Tagen verkehren die Wagen zum Neuen Friedhof bis zum Eintritt ber Dunke h: t
• • Neubau in der Alicenstraße. 3m Laufe der letzten Monate ist in der 2llicenstrahe, an der Gabelung des ehemaligen Lampengähchens. ein dreigescho'siges Wohnhaus errichtet worden, das in den ..ächsten Tagen bezogen werden soll. Durch dieses Gebäude, das in modernen Daufor- men gehalten ist, hat die nordöstliche Straßenhälfte. die am Wiesecluser aufhört, einen Abschluß erhalten, der das bisher bestehende Straßenbild wesentlich verbessert hat.
Nicolaus entnehmen, daß über die Wiederaufnahme des Straßenbahnbetriebes durch die Bahnhofstraße bereits Beschluß gefaßt wurde. Wir begrüßen diese Entscheidung der Stadtverwaltung und der zuständigen Stellen deS Stadtrats. die damit einer Notwendigkeit in gebührender Weise Rechnung tragen.
Hör notigen.
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Als 7. Vorstellung im Freitag-Abonnement geht heute 20 Uhr ein Stück, das noch gemacht werden soll, die Komödie„Sechs Personen suchen einen Autor", von Luigi Piran- dello unter der Spielleitung von Peter F a s s o t t in Szene . Ende 22 Uhr. Gewöhnliche Preise. — Am Honntag, 20. November, findet die nächste Erstaufführung dieser Spielzeit statt. 3n Anbetracht des Totenfestes sieht der Spielplan für diesen Abend eine Aufführung des Schauspieles .Heber die Kraft" von Djörnson vor unter der szenischen Leitung von Wolfgang Kühne.
Aus ter provinzialhaupistadi.
Gießen, den 18.November 1932.
Oie verwandelten Zwetschenbäunie.
Im Jahre 18... wurden wieder einmal die Obstbäume gezählt — wie auch gegenwärtig in allen hessischen Gemeinden.
Der Bürgermeifter von Schlauhausen machte sich, sprechend einer kreisamtlichen Auflage, mit dem steldschüycn auf, und beide begannen zu zählen — oon früh bis spät. Endlich waren sie fertig.
mf.ffig lächelte der Bürgermeister und verfaßte [einen Bericht an das Amt, in dem zu lesen stand, in der Gemarkung Schlauhausen im Vogelsberg ,u finden seien: Dreihundertzwanzig Appelbäume, siebenhunderteinundsechzig Birnbäume, sechs Nußbäume, neunzehn Dogelkirschbäume.
Acht Tage daraus kam der Kreisrat ins Dorf, gr meinte: Herr Bürgoermeister, Sie haben ja hier einen geradezu vorbildlichen Obstbau. Siebenhun- berteinundsechzig Birnbäume — da können Sie hier ober Birnenmus kochen, daß die ganze Gegend danach duftet.
Ach, Herr Kreisrat, meinte etwas verlegen das Dorsoberhaupt, eigentlich sein das ja kei Birnbäum Mt, eigentlich sein das Quetschebäum — aber der Irüsel schreib das Du.-- 3- ®-
Straßenbahnverkehr durch die Bahnhofstraße.
Sie Eingabe des Vereins der Anwohner der Bahnhofstraße an die Stadtverwaltung Mir Wiederau । nähme des Straßenbahnbeirfebs durch die Bahnhofstraße und die Unterstützung, die dieser Schritt in der Oeffentlichkeit fand, haben den er- treulichen Erfolg gehabt, daß der Straßen- bahstverkehr durch die Dahnhof- zraße mit der Inbetriebnahme der Linie nach Wies eck wieder aufgenommen werden soll. Von der Stadtverwaltung find ^hingehende Erklärungen bereits erfolgt, und in ter gestrigen Sitzung des Stadtrats konnte man ni« einem Zwischenruf des Etadtratsmitgliedes
Sitzung des Gießener Siadirais.
* Gießen. 17. Nov. 1932.
Die heutige Sitzung des Stadtrats nach mehr» -wnatigcr Pause brachte nur wenige besonders be- nerkenswerte Entscheidungen. In der Hauptsache handelte es sich um die Aufräumung der in den letzten Monaten auSgearbeiteten Vorlagen und im einige Arbeitsvergebungen und Kreditbewilli- <ungen für dringend notwendige Erneuerungen. Besondere Beachtung verdient ein dringlicher Aufruf des Stadtrats in itgliedsLoe- ler an alle Kreise der Bürgerschaft zur Unter- «ftung des selbständigen Mittelstandes und zur ithilfe bei der wirtschaftlichen Wiederbelebung unseres schwer leidenden Handwerks. Starkes In- tcresie aller Bürgerkreise gebührt auch der Dor- Iige über den ersten Bauabschnitt des Lahndurchstiches, bei dem es sich um ein großzügiges Arbeitsbeschaf , ungsprvjekt handelt, das vielen erwerbslosen Mitbürgern auf längere Zeit Teschäftigung bringen wird, zugleich aber auch weitreichende wirtschaftliche Entfaltungsmöglich- kiten zum Vorteil unserer Stadt in sich birgt. $a es sich bei dem heutigen Beschluß nur um die Finanzierung der Materialbeschaffung handelte, teirb über das Projekt selbst erst in einiger Zeit p entscheiden und dazu näher Stellung zu neh- rten sein.
Sitzungsbericht.
Anwesend: Oberbürgermeister Dr. Keller, d-e Jürgermcister Dr. S e i b und Dr. Hamm, Bei- Kordncter Iustizrat Dr. Rosenberg sowie 35
itgiieder des Stadtrats.
Dor Eintritt in die Tagesordnung beantragt Eiadtratsmitglied Kästner (Komm.) die Beratung enes Antrags, in dem eine Winterbeihilfe von 5) Mart für jeden Erwerbslosen, Rentenempfänger Ito., 15 Mark für die Angehörigen, ferner ohne Anrechnung auf die Unterstützung Raturalienlicfe- tur.g usw. gefordert wird. Die Deckung der Kosten tU durch „sofortige Beitreibung der rückständigen Steuern der Großunternehmer und Grogbesitzer" t.ichasst werden. Der Antragsteller fordert nament» kche Abstimmung. Oberbürgermeister Dr. Keller
bemerkt, er habe diesen Antrag bis jetzt noch gar nicht zugestellt bekommen, nach den Vorschriften der Geschäftsordnung könne er aber auch gar nicht sofort beraten werden.
Die Ausschlagsähe für das Rj. 1932.
Auf Antrag des Finanzausschusses wird be- schlossen: Die Steuerausschlcmsätze werden für das Rechnungsjahr 1932 unter Berücksichtigung der in 1931 eingetretenen Senkung wie folgt festgesetzt:
1. für Gebäude und Bauplätze auf 32,9 Rpf.
2. für land» und forstwirtschaftlich
genutzten Grundbesitz auf 32,9 „
beides für je 100 RM. Steuer- wert.
3. a) für je 100 RM. des Gewerbekapitals auf 57,2 „
b) für je 100 RM. des Gewerbeertrags auf 264 „
4 für je 1 RM. des staatlichen Sondergebäudesteuersolls von den Werten:
a) bis 7000 RM. auf 54,9 „
einschließlich des Kreisanteils,
b) über 7000 RM. auf 47,93 „
einschließlich des Kreisanteils,
abzüglich 20 v. H. Sondersteuersenkung.
Die Erhebung erfolgt in sechs Zielen jeweils zum 25. der Monate Mai, Juli, September, November 1932 und Januar und März 1933. Die für das Rj. 1932 bisher geleisteten Vorauszahlungen sind aufzurechnen.
Rechnungsgenehmigungen.
Die in Einnahme mit- 1 450 371,77 Mk. und in Ausgabe mit 1 443 777,18 Mk. abschließende Rechnung des städtischen Wohlfahrtsamtes für das Rj. 1929 wird nicht beanstandet und genehm' gt.
Der g'eche Beschluß wird zu der Rechnung der städtischen Straßenbahn für das Rj. 1930, die in Einnahme und Ausgabe mit 391 742,01 Mk. abschließt, gefaßt, ferner_ zur Rechnung des städtischen Elektrizitätswerks für Rj. 1930 mit 2728578,05 Mk.
Seiner Hände Werk
Roman von Klothilde von Stegmann-Stein.
Copyright by Martin Feuchttoanger. Halle (Saale)
19 Vornetzung Nachdruck verboten
„Ach. jetzt erkenne ich Sie erst wieder, Fräu- bin — Sie sind doch die kleine Freundin von Imeinem Schwager. Nun, guten Geschmack hat der Bengel, muh man ihm lassen. Sind Sie ihm denn immer hübsch treu, wenn er solange fort iÄ, oder ist in diesem niedlichen Köpfchen auch für andere Gedanken Platz?"
. Seine Hand strich gen; leicht und wie prüfend ■ber ihr Haar — und von da über den Hals, kcr aus dem einfachen blauen Wolllleidchen weiß tnb rein ausstieg. (Sine rasende Empörung stieg ii Erika auf; der Stuhl, auf dem sie gesessen, kbarrte hart, so jäh stand sie auf. 6.je sie selbst <i wußte und überlegte, schlug sie in das glatte, luntle Männergesicht.
Und dann raffte sie in besinnungsloser Eile ßre Sachen zusammen und war im nächsten -ioment aus Dem 3immer entflohen. Der Ror- "deger sah ihr mit einem wütenden und boshaften ^Uck nach.
Fünfzehntes Kapitel.
Dor dem Essen ließ sich Axel Ivarsen bei fciner Schwiegermutter melden.
»Liebe Mama", sagte er, sich über ihre Hand Tugend, „ed ist mir lieb, daß ich dich ohne Hil- Wb sprechen kann. Es ist da eine halb geschäft- sche. halb private Sache." Er nahm auf die ein» ödende Bewegung der Frau Kommerzienrat hin auf dem tiefen Sessel des Wohnzimmers Platz.
^Das ist, Axel?" fragte die Schwiegermutter.
• 5ür Privates stehe ich dir gern zur Verfügung, mit Geschäftlichem laß mich, bitte, in Ruhe. Ich verstehe davon gar nichts und bin überzeugt, daß du es mit deinen eingearbeiteten Kräften zusammen aufs beste leitest."
n®ein Vertrauen ist mir sehr wertvoll, liebe ®ama", versetzte er respektvoll, „ich hoffe, daß (ch alles in deinem und Hiltruds Sinne über» lvach«. Aber da wir gerade von den Angestellten
reden — was hältst du denn von dem Materialverwalter Schmitt?"
Frau Melanie lachte. „Da fragst du mich wirklich zuviel, lieber Sohn. Ich kenne gerade die höheren Angestellten so zur Rot. Mein verstorbener Mann hielt ja unbegrei,licherweise darauf, daß man diese Leute ab» und zu ,ins Haus zog', wie er es nannte, obwohl ich überzeugt bin, sie hatten ebensowenig Vergnügen davon wie wir auch. Mer diese kleinen Leute, die kenne ich kaum dem Namen nach. Bei dem Materialverwalter ist es insofern anders, als ich mich über seine Tochter immer geärgert habe. Dies dumme Gör zieht doch immer mit meinem Stiefsohn herum; alle Einwendungen, die ich gemacht habe, sind an dem Widerstand meines Mannes gescheitert Er behauptete, das wäre nichts als eine harmlcse Iug endfreundschaft, die man den Kindern nicht nehmen dürfe."
Ivarsen lachte^, häßlich auf. ^Von der harmlosen Iugendfreundschaft bin ijf nicht so überzeugt, liebste Mama. Ich frage nämlich aus einem ganz bestimmten Grunde: die kleine Schmitt hat sich für den Herbst um eine Anstellung hier im Werke beworben..."
„Su wirst doch nicht, Axel..warf Frau Kommerzienrat entsetzt ein. .Das fehlte noch, daß dieses Mädchen sich hier im Werke feft- setzte. Du hast sie doch hoffentlich abgewiesen?"
.Liebe Mama, man muß immer diplomatisch sein. Wenn ich ohne Grund das Stellungsgesuch eines Mädchens ablehne, dessen Vater hier im Werk seit Iahrzehnten unter deinem Gatten an- geftellt war, so macht das böses Blut. Ich habe zum mindesten die P sticht, zu prüfen, wes Geistes diese kleine Person ist und waS sie leist "
.Und das hast du getan?"
.3a.“
.älnd mit welchem Resultat?'
„Mit dem Ergebnis, daß ich festgestellt habe: Diese kleine, unschuldige Schmitt ist in Wirklichkeit ein ganz raffiniertes, berechnendes Frauenzimmer. Sie hat nicht mehr und nicht weniger versucht, als sehr deutlich mit mir zu kokettieren."
„Um Gottes willen! stlnd dabei zieht sie, wenn Kurt da ist, Abend für Abend mit dem Iungen herum."
in Einnahme und mit 2 728 164,27 Mk. in Ausgabe.
Die Rechnung des städtischen DolkS- b a d e s für 1930 mit 81 632,61 Mk. in Einnahme und Ausgabe wird ebenfalls glatt genehmigt, gleicherweise die Rechnung des städtischen Wasserwerks für 1930 mit 751 352,53 Mk. in Einnahme und 748 399,44 Mk. in Ausgabe, sowie die Rechnung des städtischen Gaswerks für 1930 mit 1 266 233,21 Mk. in Ein» nähme und mit 1 258 624,85 Mk. in Ausgabe.
Schon kkonzefsiansgesuche.
Defürwortet werden die Gesuche von Heinrich Altensen und Frau, Druchstraße 12; Hermann Christ mann, Steinstrahe 23; Leopold Herr, Kaiserallee 27; Karl Heyne, West- anlage 35; Anni Pfitzner, Viehmarktplatz am Güterbahnhof; Marie Strittmatter, Bahnhofstraße 56.
Abgelehnt werden die Gesuche von Kaufhaus B. Elsoffer für die Firma G. G. P. um Erlaubnis zum Kasfeewirtfchastsbetrieb und Verkauf von Spirituosen in verschlossenen Flaschen im Haufe Lchulstraße 6, ebenso die Gesuche der Firma .6 r toe gc", Einheitspreis - G. m. b. H zu Gießen um Erlaubnis zum Handel mit Spirituosen in verschlossenen Flaschen und zum Kaffeewirtschaftsbetrieb mit Ausschank alkoholfreier Getränke, insbesondere Flaschenmilch im Hause Schulstrahe 11.
Die Stadtratsmitglieder Horn (Arbeitsgem. d. Mitte), Schw i e der (Arbeitsgem. d. Mitte), Schmidt (Wlrtsch. Vgg.), und Lotz (NSDAP.) verneinen in der Aussprache die Bedürfnisfrage für diese Gesuche im Hinblick auf vollständig ausreichende Kaufgelegenheiten in den Geschäften und Gaststätten, sie weisen ferner auf die bisherige schwere Schädigung zahlreicher Geschäftsleute durch diese Geschäste hin und betonen, daß weitere Schädigungen von den selbständigen Geschäftsleuten durch die Warenhausbetriebe unter allen Umständen ferngehalten werden müßten. Herr Schmidt bedauert noch, daß die Gewerbeordnung nicht schon längst in Berlin durch die reichsrechtliche Gesetzgebung im Sinne eines verstärkten Schutzes des selbständigen Mittelstandes geändert worden sei. Stadtratsmitgl. K ä st n e r (Komm.) tritt für die Genehmigung der Gesuche ein, allerdings vergeblich.
Stadtratsmitglied Loeder (Arbeitsgem. der Mitte) appelliert an die Bürgerschaft, fit möge doch einsehen, wie schwer die wirtschaftliche Not des Einzelhandels sei, und sie möge ihre Einkäufe in den Einzelhandelsgeschästen vornehmeTu Als Vertreter des Handwerks richte er aber auch die Ditte gn alle Mitbürger, das Handwerk wieder mehr mit Arbeitsaufträgen zu unterstützen, damit die große Not in vielen Handwerkerfamilien gemindert werden könne. Diele Handwerker könnten sich nicht zum Empfang von Almosen entschließen, sondern sie warteten auf Arbeitsaufträge. Möchte dieser Appell überall Gehör finden!
Laugesuche.
Antragsgemäß befürwortet werden die Dau- gcsuche des Eisenbahner-Heimstättenoereins G. m. b. H. zur Errichtung von zwei Baugruppen m’.t 10 Wohnungen am Wartweg; des Sanitätsrats Dr. Fritz aus Srünberg zu einem Wohnhausbau an der Licher Straße; des Hoteliers Ludwig Klingler, Hotel Schütz, zu einer DerbindungL-tür durch eine Brandmauer; des Gießener EiSvereins zur Errichtung einer Unterkunftshalle auf der Eisbahn; der Daugenofsenschaft 189 4 zum Dau eines Ginsamilienhaufes auf dem Grundstück an der projektierten Straße zwischen Licher Straße und Alten Steinbacher Weg; des Dr. med. D auer nheim am Aulweg zur Zurückstellung seines Wohnhauses hinter die Baufluchtlinie; des Willy Peeh in Klein-Linden zur Errichtung einer Autogarage Gründe vger Straße 70; deS Heinrich Walther ans ‘Beuern zur Errichtung eines Einfamilienhauses in Flur XVI; des Wilhelm Büttner zur Errichtung eine# Wohnhauses am Nahrungsberg; des Heinrich Wagener zur Errichtung eines Ladenanbaurs an das Haus Frankfurter Straße 45.
Neuer Bebauungsplan.
Der Bebauungsplan über das Gebiet zwischen Gaffkhstraße, Freiligrathstraße, Aulweg, Schu- bertstraße und Wartweg, Bergwerk, Hreiligrath- straße, Aulweg nebst Ortsbausatzung für dasselbe Gebiet, die in der Zeit vom 25. März bis 10. April 1931 offen gelegen haben, wird zunäck-
,Diese Wandlung ist doch sehr einfach zu erklären, liebe Mama. Die schlaue f le ine Krabbe weih, daß vorläufig keine Aussichten bestehen, durch Kurt irgendwie weiterzukommen. Solange er noch nicht volljährig ist, hegt die Macht bei dir, beziehungsweise bei mir. Und so versucht sie es bei mir, wohl in dem Gedanken: zwei Eisen im Feuer sind besser als eins. Sie verläßt sich darauf, daß sie wirklich hübsch ist, und denkt, ein Mann ist wie der andere. Nun, bei mir ist sie ja an den Falschen gekommen. Abgesehen davon, daß mir Hiltrud viel zu teuer ist, als daß ich ein anderes Mädchen überhaupt nur anschauen würde, ist solcher Flirt zwischen Vorgesetzten und Angestellten höchst verwerflich. Ich glaube, dir den Betrieb so zu führen, daß er tadellos und anständig für deine Familie erhalten bleibt. Mer es ist zu erwägen, ob man nicht vorbeugen muß, ehe Kurt hier die Zügel in die Hand bekommt. Wenn diese schlaue Perfon ihn weiter beherrscht, hast du sie vielleicht einmal als Schwiegertochter hier in Dremerschloh sitzen."
.Nur das nicht!" rief Frau Melanie entsetzt aus. „Ich habe mich schon bei Lebzeiten meines Mannes genügend über diese nicht standesgemäßen Neigungen gekränkt. Nun ist aber ein für allemal Schluß. Man muß dieses Mädchen von hier entfernen, und zwar baldigst."
Der Schwiegersohn machte ein Gesicht, als wäre dieser Vorschlag sehr schwierig auszuführen.
»Wie denkst du dir denn das, verehrte Mama, dies Mädel von hier zu entfernen? Sie ist doch da, wo der Vater ist, das ist doch selbstverständlich." Lauernd sah er die Frau Kommerzienrat an.
»Nun, bann entlasse doch den Vater", erwiderte sie nachlässig, „bann bist du doch die ganze Affäre los!"
Ein unwillkürliches Lächeln des Triumphes ging über das Gesicht des Mannes. Nun hatte er die Schwiegermutter da, wo er wollte. Sie sollte es aussprechen, sie sollte bie Entlassung wie alle anderen gegen das Personal gerichteten Dinge auf sich nehmen; es war besser so und paßte in seine Pläne. .
Er wollte immer als der Gentleman da stehen, der für die rigorosen Maßnahmen der neuen Herrin nicht verantwortlich zu machen war.
gezogen. Derselbe, aber erweiterte Bebauungsplan für obiges Gebiet wird genehmigt, der ergänzten Ottsbausatzung wird Auaeftimmt
Vergebung von Kcbcilen und Lieferungen.
Zur Durchführung von Reparaturarbeiten im Gaswerk werden 13 500 Mk. bewilligt. Es handelt sich um Schweibarbeiten an den Gasbehältern. die von einer Frankfurter Spezialfirma ausgeführt werden, und um einige Dach- repcrraturen.
Zum Neubau der Rinderkuttelei im S ch l a ch t h o f wird an Stelle der ursprünglich vorgesehenen Dünger-Förderanlage der Einbau einer Düngerpresse bewilligt, weil diese Anlage wirtschaftlicher ist. Kosten 4300 Mk., Lieferant Firma Deck & Henkel in Kassel.
Für die Erneuerung des äußeren Anstrichs der Häuser in der Gnauthstraßc werden 6236,55 Mk. bewilligt. Die Arbeiten, in die sich sieben hiesige Firmen teilen, sollen sofort ausgeführt werden.
Die Schreinerarbeiten in den Kleinwohnungen an der Krofdorfer Straße werden zu zwei Drittel der Firma W. Dender und zu einem Drittel der Firma Rühl & Hof zu den Angebotspreisen übertragen.
Kreditbewilligungen.
Für die Erweiterung der Straßenbeleuchtung werden 1450 Mk. bewilligt Ietzt sind die Schottstraße, Buchnerstraße und An der Margarethen-Hütte vorgesehen. Einige weitere Straßen werden demnächst folgen. Mehrere Redner bringen der Verwaltung Beleuchtungswünsche zur Kenntnis.
Zur Anichcfsung von Apparaten für das städtische Volksbad werden 1150 Mk. zur Verfügung gestellt. Es handelt sich um den Einbau e’.ncr Enlleimungsanlage. die Einrichtung einer Druckluftspülung und die Beschaffung eines Reinigungsapparates.
Zu Pflasterungen im Pumpwerk Queck- b o r n und zur Reparatur der beiden Schutz- Häuschen in der Stollenanlage in Grohen-Duseck werden 1200 Mk. genehmigt
Für die Durchführung des e r st e n Bauabschnitts des Lahndurchstiches werden zur Delchasfung von Geräten. Gerüsten und Werkzeugen, sow e für das Leihen von Feldbahnmaterial und Dereitstellen von Baubuden. Knüppeldamm usw., insgesamt 4000 Mk- bewilligt. Es handelt sich hierbei um die Ingangsetzung eines größeren Unternehmens im Rahmen des Arbeitsbeschaffungsprogramms der Reichsregierung.
Der Kredit für die Unterhaltung der Uniformen der Freiwilligen Feuerwehr wird von 350 Mk. auf 420 Mk. erweitert.
Die Verlegung der Das- und Wasserleitung in dem neuen Teil desSchiffenbergerWeges mit einem Kostenbetrag von 3300 Mark für die Gasle tung und 3600 Mark für die Wasserleitung wird genehmigt.
Einer Aenderung der polizeilichen Sicher- beitsvorschrif ten im Stadttheater infolge Einrichtung eines Zimmers für Raucher hinter der Bühne wird zugestimmt, ebenso einer Aenderung der Straßenverkehrsregelung nach der Umgestaltung der Dammstraße zwecks Entlastung der Straßenenge beim Einhorn und in der Kirchstraße.
völlig unjutreffenbe Gerüchte.
Am Schlüsse der öffentliches Sitzung gibt Bürgermeister Dr. Hamm nam:n3 brr StcOtverwal- lung folgende Erk ärung ab: In der Stadt wird ein vollständig unsinniges Gerücht verbreitet. Es wird behauptet, die Stadt habe die Kleinwohnungen an der Krofdorfer Straße nur errichtet, weil sie in einen üblen Prozeß mit dem Braun st einbergwerk b zw. mit Krupp verwickelt sei, auf deren Gelände an bet Margaretenhütte e n Teil der jetzigen Kleinwohnungen errichtet wurde. Mit den Grundeigentümern sind langfristige Derttäge, auf 15 Iahre, entsprechend der Haltbarkeit jener Häuser, abgeschlossen. Bis heute ist es weder mit Krupp, noch mit sonst jemand auch nur zu den geringsten Differenzen gefommeru Es wird sogar behauptet, die Stadt hätce in diesem Prozeß 60 000 Mark verloren. Alle diese Gerüchte, die nur zu bestimmten Zwecken verbreitet wurden, sind aus den Fingern gesogen, e8 ist an den ganzen Behauptungen fein wahres Wort.
Schluß der öffentlichen Sitzung.
»Solche Entlassung muß von dir ausgesprochen und unterschrieben werden", meinte er vorsichtig.
„Nun, so schick mir doch ein dementsprechendes Schriftstück herüber: das ist doch so einfach. Ich weiß gar nicht, Axel, warum wir uns über einen solchen Fall so lange unterhalten."
„Nun, es wird einem doch nicht ganz leicht, einen alten, treuen Angestellten auf die Straße zu setzen, liebe Mama."
„Fang du mir auch noch mit dem Humanitätsgefühl an. lieber Schwiegersohn! Das habe ich bei meinem Manne genügend mit angehört, äleber- dies, unsere alten Leute verhungern ja auch nicht, wenn ihnen gekündigt wird.
Da besteht doch die Pensionskasse, von der auch der alte Schmitt eine Rente bekommen wird. Soll doch das Mädel arbeiten und zusehen, ob sie woanders was verdient; mit Herum,lanieren und Eroße-Dame-Spielen wird es freilich vorbei sein. Und nun denke ich, wir wechseln das Thema. Hiltrud wird schon auf dich warten, sie wollte mit dir auSreiten."
Erika war nach dem Zusammenstoß mit dem Schwiegersöhne der Frau Kommerzienrat ganz verstört aus dem Werke heraus und nach dem Hause gelaufen. Ein Glück, daß der Vater im Betriebe war und sie jetzt nicht sah. Sie muhte sieh erst faffen, mußte erst ihre Ruhe wiedergewinnen.
Mit leichenblassem Gesicht faß sie in ihrem kleinen Zimmer. Wenn sie an die unvermutete Berührung dieses fremden Menschen dachte, an seine zynische Miene und das beleidigende Lächeln, dann schüttelte sie der Ekel. Aber schlimmer als das war die Angst, was nun werden würde.
Dieser neue Mann würde den Schlag nicht vergessen, den. sie ihm in das freche Gesicht gegeben — der haßerfüllte Blick, mit dem er zurückgewichen war, zeigte es ihr. Und er hatte Die Macht hier, noch lange, bis Kurt volljährig war. Sie hätte sich nicht hinreißen lassen dürfen, jetzt war es ihr klar. Aber die Empörung und der Abscheu hatten jede äleberlegung ausgeschaltet.
(Fortsetzung folgt)


