Ausgabe 
18.11.1932 Erstes Blatt
 
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fuhr Simon fort, dah Deutschland daran teilnimmt.

Abrüstung in Etappen.

Sir John Simon erklärte sodann, die englische Regierung lege den Rachdruck auf zwei Punkte:

1. sei es die Aufgabe der Abrüstungskonferenz, ein Maximum positiver Abrüstung unter i l gemeiner Zu't mmung zu erreiche, nicht unter Berufung auf die Gleichheit die Lü­ftungen zu erhöhen.

2. köime die praktische Verwirklichung des Prin­zips der Gleichberechtigung nicht auf einmal erreicht werden. Das Vertrauen in die weitere Anwendung des Prinzips werde zunehmen, wenn sich ergebe, dah der Frieden der Welt durch einen er st en Schritt stärker gesichert worden sei, den man unternommen habe. Die englische Regierung halte ein etappenweises Pro­gramm praktischer Maßnahmen für notwendig. Zum Schluß legte der Minister dem Büro Vor­schläge der englischen Regierung vor. Sie sollen nach der Ansicht der englischen Regierung i n der er st en Etappe verwirklicht werden. Sie seien unter dem Gesichtspunkt der Berücksich­tigung der deutschen Gleichberechtigung aufgestellt.

Zur See.

Die englische Regierung sei augenblicklich im Begriff, zu einem älebereinkommen mit den Hauptseemächten über eine wesentliche Herab­setzung der Gröhe der Linienschiffe zu gelangen. Das Deutschland zu gewahrende Prinzip der Gleichberechtigung verlange, dah Deutschland die Erlaubnis erhalte, Schiffe von dem gleichen Typ zu bauen, auf den sich die großen Flottenmächte einigen werden. Es habe sich bereits gezeigt, dah eine Herabsetzung der Schiffsgröhe auf 10 000 Tonnen nicht allgemein angenommen werde. Jeder Schiffbau, den Deutschland unternehme, dürfe aber nicht die Gesamttonnage in irgendeiner der ihm zugestandenen Kategorien erhöhen. Eng­land sei bereit, seine Kreuzer auf die Grenze herabzusetzen, die Deutschland er­laubt sei. England sei ferner zu einer voll­ständigen Abschaffung der Llntersee- boote bereit, d e Deutschland ja auch verboten seien. Dies sei der beste Weg, um in diesen Waffenkategor.en den Anspruch Deutschlands auf Gleichberechtigung zu e."füllen.

Die Landrüstung.

Auf dem Gebiete der Landrüstungen schlage England die Abschaffung der schweren Tanks über eine bestimmte Grenze vor. Die Zu­lassung des Grundsatzes gleicher Behandlung mache es unmöglich, im Prinzip Deutschland das Recht zum Besitze einer beschränkten Anzahl solcher Tanks abzu sprech en, die allgemein zuge­lassen werden sollen. Aber die Frage der p r a k - tischen Verwirklichung dieses Grund­satzes. insbesondere der Zahl, hänge davon ab. zu welchem Zweck die Tanks in den einzel­nen Armeen gebaut werden sollen. Um auf dem Gebiete der schweren Artillerie der deut­schen Gleichberechtigungs,orderung entgegenzu­kommen, sei es am besten, die Herabsetzung derKaliber auf das Deutsch land ge­währte Maß zu erstreben.

Die Luftflotte.

Auf dem Gebiete der Lustrüstung wäre England zu einer Abschaffung der Militär-. See- und Bombenflugzeuge und gleich­zeitig zu einer internationalen Kon­trolle der Zivilluftfahrt bereit. Aus­geschlossen von den Verbot der Bomben lugzeuge sollen lediglich solche Maschinen fein, die für Po­lizeizwecke in entfernteren Gegenden gebraucht werden. England schlage vorläufig vor:

1. die sofortige Herabsetzung der Luftstreitkräste der Hauptmächte auf das Riveau der englischen Luftmacht,

2. nachdem dies geschehen ist, eine Herabsetzung des Riveaus um ein Drittel mit Einschluß Eng­lands,

3. Begrenzung des Leergewichts der Militärslug- zeuge auf eine möglichst niedrige Grenze. Die eng-

Schuller im Glück.

Lon Hans Fallada

(Alle Rechte im Rowohlt-Berlag, Berlin.)

Es ist ein flaches Land, Bäume, kein Haus weit und breit und durch diese reine Natur, so ländlich wie nur möglich, wandert verdrossen ein städtisch gekleideter junger Mann. Dieser junge Mann ist ein Schneidergesell aus der alten Stadt Halle an der Saale. Aber nicht rechtliche Wanderschaft hat ihn in diese sch inen pommerischen Wälder geführt, sondern cs ist schon lange, daß Willi Schuller sich auf die liederliche Seite gelegt hat. Und nun sind die Greifer hinter ihm her und abseits jeder Eisen­bahn, jedes manierlichen Menschen, jeder gsiick- bringenden Aussicht wandert er ziellos dahin, ohne Geld, mit Kohldampf. Der Wald will nicht enden und der Magen nicht schweigen, immer dunkler wird das Gesicht des Willi Schuller nun stolpert er auch noch über eine Wurzel und mit einem Fluch setzt er sich in das Waldmoos. Aber es ist, als hätte dieser Fluch eine Antwort gefunden, ein melancho­lisches Muh ertönt, nun knackt es in den Zweigen, der Wanderer springt auf, durch das Haselgebüsch schiebt sich ein weißstirniger Kopf, und Kuh und Wandersmann sehen einander an.Muhtsche", bricht zuerst der Schuller das Schweigen.Komm, meine gute Muhtsche! Komm, meine liebe Muhtsche!" Muh" sagt die Kuh und kommt. Warum dieses Rindvieh hier allein wie er im großen Wald spa­tzieren geht, sieht der Schuller nun auch, sic ist irgendwo durchgebrannt, der Strick hängt zerrissen. Doch er sieht noch etwas anderes: dah das Euter prall voll ist, und wenn er auch der neuen Freun­din noch nicht so weit traut, dah er sich direkt unter sie legt, auch in einen Filzhut kann man melken. Und so strippt und strullt er sich denn nach bestem Kannen eine kräftige Mahlzeit in den Hut. Die Kuh steht ftiU, der Magen sagt ja zu der Mahlzeit und cka capo. Das läßt sich machen, auch die zweite Mahlzeit wird verdrückt und plötzlich sieht die Welt ganz anders aus: der Wald ist nett, und die Bogel sind nett, und der stille Weg ist eigentlich auch nett. Besser jedenfalls, als gingen Gendarmen darauf.

Willi Schuller sieht die Kuh etwas zweifelhaft an. Bann schwenkt er den Hut, dah die letzten Milch- tropfen spritzen, sagt lustig-verlegen:Guten Tag und Danke schön, Muhtsche^ und nimmt feinen Weg nneber unter die Fähe. Die Kuh antwortetMuh? uud hat denselben Weg. Schuller bleibt stehen: Gehst du weg, Muhtsche!" Die Kuh sieht ihn an. 2119 er weitergeht, streckt sie ihm gleich den Kopf

lifche Regierung sei der Meinung, daß Deutsch­land während der Verhandlungen hierüber keine Forderung nach Militär- und Seeflugzeugen erheben solle.

Rach der Red« Simons nahmen mehrere Red­ner das Wort. Llebereinstimmend wurde von ihnen der Hoffnung und dem Wunsche nach Rückkehr Deutschlands zur Abrü- stungskonferenz Ausdruck gegeben. Hen­derson erklärt«, daß es unmöglich fei, ohne Deutschland zu Ergebnissen zu gelangen. Seine baldmöglichste Teilnahme werde die Verhandlun­gen sehr erleichtern. Der italienische Vertreter Rosso wies darauf hin, daß Mussolini stets auf der Anerkennung der Gleichberechtigung Deutschlands bestanden habe. Die englischen Vor­schläge seien ein praktischer Weg zur Verwirk­lichung dieses Anspruches. Der französische Ver­treter Massigst schloß sich den von Hender­son ausgesprochenen Hoffnungen an. Der Ver­treter der Vereinigten (S aaten, Rorman Davis, gab der Hoffnung auf Rückkehr Deutschlands in warmen Worten Ausdruck.

Der Klepper-Llntersuchungs- ausschuß aufgeflogen.

Der Zeuge Klepper erscheint auf der Ministerbank.

Berlin, 17. Rov. (Täl.) Der Klepper-Tlnter- suchungsausschuh des Preußischen Landtages nahm am Donnerstag feine Verhandlungen zur Fortsetzung der Zeugenvernehmung zur Frage des Ankaufs von Aktien der Kölner Görreshpus AG. (?Kölnische Volks­zeitung") durch die Preußenkasse wieder auf. Ta Finanzminister Klepper, der als Zeuge geladen war, am Tisch des Regierungs­vertreters Platz genommen hatte, forderten die Rationalsozialisten, daß Klepper den Saal verlasse, da er doch eigentlich der Ange­klagte in diesem Ausschuß fei und die anderen Zeugenaussagen nicht mitanhören dürfe. Zur Be­handlung dieser Frage wurde sofort eine nicht­öffentliche Sitzung angesetzt. die die Vertreter der Rationalsvzialistischen Fraktion gleich nach Be­ginn geschlossen verließen. Rach einiger Zeit verließ auch der Abgeordnete Steuer (Dn.) die nichtöffentliche Sitzung. Da zwei Kommunisten fehlten, waren jetzt nur noch 15 Ausschuhmit­glieder im Saal, so daß der Ausschuß gerade noch beschlußfähig war. Als dann eine Einigung darüber, ob Minister Klepper als Ver­treter der Regierung an den weiteren Verhand­lungen des Ausschusses teilnehmen könne, nicht zustande kam, beschloß der Ausschuß ange­sichts des Auszuges der Rationalsozialisten und des deulschnationalen Abgeordneten Steuer die Verhandlungen auf Antrag des Abgeordneten Hamburger (Soz ) vorläufig abzubrechen. Die nächste Sitzung des Aulshusses soll erst am 25. Januar 1933 stattfinden.

Für die Sitzung war die A u s s a ge g en e h- migung des Staalsministeriums lediglich zu einer formulierten Erklärung ge­geben worden. Eine darüber hinau2gehrnde Es) nehmigung wurde aus staatspolitischen Gründen weder für die Minister, noch für die übrigen in Frage kommenden Beamten und Angeställwn er­teilt. In der Erklärung, di« Minister Klepper ab­geben svlble, hieh es u. a., es seien auf dem W:ge über das Konto A Aufwendungen gemacht worden, die zur Verteidigung der agrar - und kredil politischen Grund­haltung der Preußenkasse gegenüber bestimmten Angriffen notwendig gewesen seien. Insbesondere seien der deutschen Rachrichten- und Korrespondenz-G. m. b. H. in Zusammenhang mit der HerauttgabL der agrarpolitischen Korre- spondenzGrüne Blätter" Beihilfen ge­währt worden. Das g'efdje sei gegenüber der L a n dw i r ts ch a s t shi l f e" geschehen. Auf dem Konto A seien ferner Mittel zmn Zwecke der Bekämpfung von solchen gesetzwidrigen Vorgängen und Bestrebungen gewäh.t worden, die geeignet gewesen seien, d i e öffent­liche Ruhe, Sicherheit und Ordnung

über die Schulter, daß sie auch in Kontakt bleiben. Und weil das lästig ist, faßt er sie beim Strick und denkt bei sich:Vielleicht verdiene ich mir als Finderlohn Mittagessen und ein Nachtquartier."

Nach einer Weile Wanderschaft lichtet sich der Wald, Schuller nebst Kuh sehen Felder vor sich, Wiesen, ein Flüßchen zwischen Weiden und Pap­peln und rechter Hand einen Bauernhof. Auf einer Wiese am Weg steht der Bauer und mäht. Schuller ist es nicht ganz gemütlich, mit der Kuh am Strick beim Bauern vorbeizugehen, er läßt den Strick so lang, wie es geht, als hätte er nichts mit dem Rindvieh zu tun, murmelt hastigGuten Tag" und will weiter.He", ruft der Bauer. Schuller mar­schiert eilig weiter.Holla", ruft der Bauer.Sie Da!, das ist doch die schwarze Bläß vom Müller?" Ja?" sagt Schuller dämlich und muß stehenbleiben, denn die Kuh ist stehengeblieben.Will er sie nun doch verkaufen?" fragt der Bauer.Bringst du sie auf den Markt nach Pyritz?"Ja" sagt Schuller. Du bist wohl der neue Müllerbursche, was will er denn dafür haben?"Dreihundert" sagt Schuller und schwitzt.Der Esel! Der Dickkopf!" sch mpft der Bauer.Und mir hat er sie dafür nicht lassen wol­len!"Guten Tag", sagt Schuller und zieht an dem Strick.He!", ruft der Bauer wieder.Holla! Für dreihundert nehme ich die schwarze Bläß auch, und du sparst den Weg auf Pyritz. Und ein Schwanz­geld kriegst du obendrein."Wieviel?" fragt Schul­ler.Zehn", sagt der Bauer.Fünfzehn", verlangt Schuller.Ist gemacht", sagt der Bauer, und sie geben sich die Hand.

Nachher, in der Bauernstube, nachdem der Schul­ler die Dreihundertfünfzehn in Empfang genommen hat, steht der Bauer nachdenklich und dreht. ein Fünfmarkstück in der Hand.Du", sagt er zögernd. Der Schuller schweigt.Du sparst doch den Weg auf Pyritz, ja?" fragt der Bauer.Ja", sagt der Schnei­der.Du könntest mir einen Gefallen tun, und ich geb dir fünf Mark. Ich hab' meinen Braunen an den Bauern Scheel in Puttgarten verkauft möch­test du ihm den nicht hinbringen?"Ja...", meint Schuller zögernd.Es ist knapp eine Stunde Weg. Du mußt nur aufpassen, daß der Müller dich nicht sieht. Weil er doch denkt, du bist auf dem Markt..." Meinetwegen", läßt sich Schuller erweichen.Ja und pah auf, daß der Müller dich nicht sieht. Der wollte auch gerne den Braunen kaufen, aber der Scheel zahlt dreihundertfünfzig."3d) laß mich nicht sehen", sagt Schuller und reitet ab. Wie er in den Wald reitet, fängt er an zu pfeifen, dreihundert- zwanzig Eier in der Tasche und von Schusters Rappen auf den Braunen gekommen. Der Magen falt, der Beutel satt es ist eine vergnügliche

und di« Aufrechterhaltung einer ordnungsmäßigen Kredi-twirtschaft zu gefährden. Für parteipolitische Zwecke oder zur Bereicherung irgendwelcher Per­sonen seien Zuwendungen nicht erfolgt.

Oer Zwang zur Verwaliungsreform.

Freiherr v. Gayl fordert A f abenbepren» zung von Reich, Lände.n und Gemeind:».

Berlin, 17. Rov. (ERB.) Der Vierte Zei­tungsfachliche Fortbildungskursus wurde im Deut­schen Institut für Zeitungskunde durch den Reichs­minister des Innern Freiherrn v. Gayl mit Darlegungen über die beabsichtigte Reform der Reichsverwaltung eröffnet. Der Mi­nister wies auf die Rotwendigkeit einer Reichs­reform hin und fuhr dann fort: Daß die Ver­waltungaufgebläht" ist, bedarf keines Beweises. Man muß die Zuständigkeit zwischen Reich, Ländern und Ge­meinden regeln und die Erzbergersche Reichsfinanzreform ändern. Ich bin der Lieberzeugung, daß z. D. das Reichsministerium des Innern mit zwei Dritteln feines Apparats auskommen könnte, wenn das Hineinarbeiten in die Angelegenheiten der Länder aufhören würde. Die Folge dieser ungeheueren Aufblähung des Derwaltungsapparats ist natur­

gemäß die K o st e n st e i g e r u n g. die weil über die Kräfte der deutschen Wirt­schaft hinausgeht. Heute stehen wir vor einer Entwicklung, in der sich nur mühsam der Haushalt für Reich, Länder und Gemeinden auf­rechter halten läßt. Tlm einen Ausweg zu finden, halte ich die Verwaltungsreform jedoch ohne Aenderung der Verfassungfür dringend not­wendig. Es kommt darauf an, daß von Grund auf Ordnung geschaffen und das Steuer herumgelegt wird. Damit eine doppelte Bearbei­tung vieler Dinge vermieden wird, haben diese Aufgaben wieder di« Länder und Ge­meinden zu übernehmen. Dazu gehören die Arbeitslvsenversorgung und ein Teil der Finanzverwaltung. Ein ge­sunder Finanzausgleich muß wieder Platz greifen. Dringend notwendig find auch der Abbau der R e i ch s ze n t r a l b e h ö r d en sowie eine Durchprüfung der Reichsverwaltung nach Verbilligung und Vereinfachung. Entschei­dung und Verantwortung müssen wieder dort lie­gen, wo die Kenntnis der Menschen und Qkr- hältnisse vorhanden ist. Sehr wichtig ist, daß dasReichundPreutzenwiederineine organische Verbindung kommen. Alle Vorschläge, die verfassungsändernd wirken, müs- sen zunächst zurückgestellt werden. Richt theoreti­sieren, sondern handeln mutz die zukünftige Parole sein.

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Aus aller Welt.

Gronau und feine Mitflieger als Ehrengäste im Reichsverkehrsministerium.

Der Reichsverkehrsminister gab zu Ehren des Weltfliegers d. Gronau und feiner Flugkame­raden v. Roth, Albrecht und Hack ein Frühstück. In einem Trinkspruch begrüßte der Reichsverkehrsminister Gronau als den ersten Deutschen, der den gesamten Erdball umflogen hat. Der Minister schloß mit dem Wunsch, dah i/ie Besatzung erfolgreich ihres Amtes als Lehrer des deutschen Fliegernachwuchses walten möge. Gronau dankte herzlich für die Begrüßung und gedachte der Tlnterstützung, die sein Plan int Reichsverkch:sministerium gesunden habe. Dieser Plan sei gewesen, unabhängig von allen finan­ziellen Fragen, die Flagge des deutschen Flug­wesens auf dem ganzen Erdenrund zu zeigen. Der Erfolg war größer, als man erwarten konnte. Gronau fil/oß mit der Feststellung, daß im Aus­land das Vertrauen zur deutschen Tüchtigkeit un­vermindert bestehe.

Am Rönlgcnapparat tödlich verunglückt.

Der frühere Oberer,,t am Offenbacher Kranken­haus, Dr. Eberle, ist bei einer Röntgenaufnahme im Kantonalen Krankenhaus in Münsterlingen am Bodensee tödlich verunglückt. Dr. Eberle, der im 52. Lebensjahre stand, war über zehn Jahre Oberarzt am Offenbacher Stadtkrankenhaus und genoß als Chirurg einen über die Grenzen Offen­bachs weit hinausgehenden Ruf.

Drei Räuber in Polen Hingerichtei.

Drei polnische Räuber, die in Wolkowysk auf frischer Tat beim Plündern und Totschlag ertappt wurden, sind im summarischen Gerich.soer- fahren zum Tode verurteilt und nach Ablehnung ihres Gnadengesuchs h i n g e r i ch t e t worden.

Orkan über Nord-Rorwegen.

Nord-Nordwegen ist von einem furchtbaren Orkan heimgesucht worden,' der große Ver­heerungen angerichtet hat. In Helnäs auf der Magerö sind alle Gebäude durch den Sturm zer­stört worden. 15 Fischerboote find abgetrieben wor­den und zerschellt. Von den großen Gebäuden des Ortes steht nur noch das Wohnhaus des Kauf­mannes und die Telephonstation. Auch das Postamt ist umgeweht. Noch schlimmer ist es in dem Hasen Okseoaag ergangen. Die gesamte Fischereiflotte die­ses Oertchens, die vor Anker lag, ist zerschellt. Die meisten Flscherfamilien haben alles, was sie be­saßen, dadurch verloren. Auch an den Gebäuden ist großer Schaden angerichtet worden. Die norwegische

Regierung wird wahrscheinlich eine Hilfsaktion für die notleidende Bevölkerung in die Wege leiten müssen.

40 japanische Fischerboote vermißt. 250 Maou ertrunken.

Seit dorn Wirbelsturm, der die Pazifische Küste Japans heimsuchte, werden 40 Fischer­boote vermißt, die zu einer auf der Höhe von Taira arbeitenden Fischerflytte gehören. Man befürchtet,' daß alle 40 Schiffe, von denen kein« Spur zu sehen ist, in dem Sturm gesunken und die Besatzungen, insgesamt 250 Scann, ums Leben gekommen sind. Ferner sind 36 Ma­trosen des DampfersGentschu Maru", der auf der Höhe der Halbinsel Jzu in den Sturm geriet, e r - trunken. Auch von allen Punkten der Dfttüfte gehen Nachrichten ein, wonach viele Fischerboote ober Fischdampfer im Sturm gekentert sind. Nach den letzten tmitlichen Mitteilungen beläuft sich die Zahl der Toten auf 59, die der Vermißten auf 62.

Kunst und Wiffenschast.

Adelungs Glückwunsch an Gerhart Hauptmann.

Staatspräsident Dr. h- c. Adelung hat an Gerhart Hauptmann zu dessen 70. (Geburtstag ein hcrzl.ches Glückwunschschreiben ge­richtet, in dem es u. a. hecht:In feierlicher Er­innerung an eine in biblische Ferne gerückte Stunde, die dem deutschen Volke den Dichter Gerhart Hauptmann schenkte, gedenke ich Ihrer, de? Dichters und des Menschen, mit den besten Wünschen und in aufrichtige. Verbundenheit. Sie werden in diesen festlichen Tagen eine Fülle von Beweisen der Verehrung erfahren. Eine große Welle des Dankes, privaten und offiziellen Dan­kes wird das Bekenntnis eines ganzen Dolles zu Ihrem Schaffen zu Ihnen tragen. Einer der größten Gedanken, de den modernen Llaat ge­formt haben, der Gedanke der Humanität, ist einem wesentlichen Teil durch Ihr Schaffen in dem öffentl chen Bewußtsein so stark geworden, daß er sich in dem Aufbau und in der Ordnung des deutschen Gemeinwesens durchsetzen konnte. Das Gefühl der Verantwortung für d e Schwa­chen und Leidenden unter den Volksgenossen, das Erwachen des sozialen Gewissens, ist sehr viel mehr das Ergebnis dichterisch geformten Und in Erschütterung erlebten Mitgefühls, als das polit'schen Kämpfens. Ihnen hierfür den Dank e nes deutschen Landes zum Ausdruck zu bringen, ist mir ein besonderes Bedürfnis "

Welt. Aber dann hört Schuller wieder mit Pfeifen auf, der Braune macht behutsam Bein für Bein Trapp-Trapp, und Schuller denkt nach. Eine Weile später kommt der Kreuzweg, wo es zur Wasser­mühle links und nach Puttgarten zum Scheel rechts geht. Schuller reitet links ab. Es kommt ein Wiesen- tälchcn im Wald, wieder sieht der Schneider das Flüßchen mit seinen Weiden und Pappeln, und da ist auch schon das rote Dach der Mühle. Schuller steigt ab, klopft gegen ein Fenster und ruft:Hallo!" Die Tür tut sich auf, und der Müller kommt heraus. Na?" fragt er und betrachtet sich Roß und Reiters­mann.Guten Tag" sagt Schuller und läßt dem Müller alle Zeit, sich den Gaul gründlich anzusehen. Wie kommt denn Vossens Brauner zu dem Rei­ter?" fragt der Müller.Ich bin Schneider", sagt Schuller und lügt einmal nicht.

So", sagt der Müller.Ich bin aus der Ver- wandtsch..ft von Voß", sagt Schuller und gerät da­bei wieder in sein richtiges Lügen-Fahrwasser.So", sagt der Müller wieder.Und was hat der Braune damit zu tun?"Mein Onkel muß eilig was haben", erzählt Schuller.Und da läßt er fragen, ob Sie den Braunen jetzt für Dreihundert wollen?" Naja", sagt der Müller und denkt nach. Er denkt lange nach, bann sagt er:Zweihundertfünfzig". Schuller sagt nurNein" und macht Anstalten, wieder auf den Gaul zu kraxeln. ,3)alt!" ruft der Müller.Wo willst bu denn nun hin?"Zum Scheel nach Puttgarten", sagt der Schuller bloß. So, also zum Scheel. Na also, dreihundert, meinet- halben, aber ein Schwanzacld kriegst du nicht." Aber..." sagt Schuller.Kriegst du nicht", sagt der Müller.Bind den Gaul an und komm rein, daß ich dir das Geld gebe."

Schuller hat sein Geld eingestrichen und trinkt mit dem Müller einen Schnaps, da hörte er draußen vor dem Haus Weibergeschrei und Ge­kreisch, und eine dicke rote Frau kommt in die Stube gestürzt und weint:Oh, Badding, Vadding! Use Kauh is weg! Use Bläß is weg!" Dem Schnei­der wird es heiß und kalt.O verdammt!" schreit der Müller.Hast du doch keinen neuen Tüderstrick genommen?! Da soll doch der Henker! Unsere beste Kuh!" Die Frau meint, der Müller flucht, da sagt Schuller:Ihre Kuh ist weg? Ich weiß, wo die ist."Was...?" sagen die beiden und sper­ren Nase und Mund auf.In Onkel Doßens Klee hat sie gestanden", berichtet Schuller.Da hat sie der Onkel gepfändet wegen dem Feldschaden." Meine Bläß gepfändet!" schreit der Müller.Der olle düsige Boß und meine Bläh pfänden! Da soll doch das Wetter...!"

Stürzt aus dem Haus, springt auf den Braunen, klappert die Straße runter, schreit zum Schuller: Du kommst gleich nach, bu! Du bist Zeuge.. 2)#r Schuller ist lieber nicht npchgekommen. In einer Walbecke yat er dieMarie" gezählt, und vor Lachen hat er sich immer wieder verzählt, wenn er sich ausgemalt hat, wie Müller und Bauer sich wegen Kuh und Pferd auseinandergesetzt hoben... Muller mit Voßens Braunem, Bauer mit Müllers Bläß, und so rechtlich beide bezahlt... Schuller lachte noch lange.

Später aber, vorm Richter, der auch hat lachen müssen, hat der Schuller wieder gesagt:Es ist alles von selbst gekommen, Herr Richter, ich hab' nichts dazu getan. Man muß nur das Genie haben, dann hat man auch einen glücklichen Tag. Getan hab' ich nichts dazu..." Der Richter ist leider anderer Meinung gewesen.

Linkshänder.

Daß tr.e Linkshändigkeit nicht etwa auf- einen Erziehungsfehler beruht undabgewöhnt" wer­den kann, sondern daß sie auf eine innere Ver­anlagung zurückzuführen ist. steht heute fest. In­teressant sind die Unter'uchungen der Stuttgarter Aerztin M. Schüler, über die in der Leipziger ,2llustrirten Zeitung' berietet wird. Sie fand, daß von 7651 Kindern, die sie eingehend beob­achtete, 7,8 Prozent Linkshänder waren. Bei den Knaben ist dieser Prozentsatz mit 10 bedeu­tend höher als bei den Mädchen, bei denen Linkshändigkeit nur in 6,6 Prozent auftrat. Es «fanden sich cauchLinksfüher" und zwar in einer 3cf>[ von 1 Prozent. Das sind Kinder, die beim Ballspielen, Springen usw. den linken Fuß bevorzugen. Auch Frau Dr. Schiller er­kannte deutlich den Zusammenhang zwischen Links­händigkeit und Sprachstörungen. Die Hälfte aller Kinder, die stotterten oder sonst nicht gut spre­chen konnten, erwiesen sich als linkshändig, wäh­rend umgekehrt von stotternden Kindern 36.6 Pro­zent ganz oder teilweise linkshändig waren. Es scheint also, daß irgend welche älngewöhnlichkeiten des Sprachzentrums zu der Bevorzugung der linken Hand in Bezick^ng stehen. Des weiteren zeigte sich, daß die Linkshändigkeit überwiegend erblich bedingt ist. Die Stuttgarter Aerztin warnt vor allen Versuchen, die linkshändigen Kinder durch Zwang beeinflussen zu woUen. Auch di« Erziehung zur Deidhändigkeit. d. h. zum gleich- mcchigen Gebrauch beider Hände, hält sie für unzweckmäßig.

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