würde sich eine freiwillige Zusammenarbeit mit dem Reichskanzler bzw. mit dem Reichskommissar in dem erstrebten engeren Sinne sehr leicht ergeben. An der Personenfrage würde dieses Zusammenarbeiten auf preußischer Seite nicht schei- kern. Lassen Sie uns das vergangene schnell vergessen und mit vereinten Kräften an dieser großen Aufgabe arbe'ten. Sie darf für niemanden eine parteifrage sein. Möchte unser verehrter Reichspräsident, der als junger Leut- nant 1866 noch den Daffenkrieg zwischen deutschen Ländern mitgekämpfl hat. als Krönung seines Lebenswerkes noch die Lösung der deutschen J r a g e erleben. Möge er als gemeinsames Staatsoberhaupt für das Reich und Preußen feine große
Lebensaufgabe beenden.
Ministerialdirektor Dr. G o t t h e i n e r. der für dos Reich das Wort ergriff, erklärte u. a.: Reichskanzler und Reichsregierung haben diejenigen Maßnahmen getroffen, die nach ihrem pflichtbewußten Ermessen geboten waren, um gesicherte Zustände in Preußen und Deutschland zu gewährleisten. Ich muh erneut betonen, daß die Maßnahmen der Reichsregierung vom 20. Iuli sich zunächst nur gegen den für die allgemeinen Richtlinien der Politik in Preußen maßgebenden preußischen Ministerpräsidenten und den für die Staatssicherheit im besonderen Maße verantwortlichen preußischen I n n e n m i n i st e r gewandt haben. Der zum Reichskommissar für Preußen bestellte Reichskanzler war grundsätzlich bereit, mit den anderen preußischen Staatsministern zusammenzuarbeiten. Das ist ihm von den sechs anderen Herren Ministern unmöglich gemacht worden. Wenn jetzt nachträglich be- -auptet wird, diese sechs Minister feien zu einer Zusammenarbeit mit dem Reichskommissar bereit gewesen, dann ist die Vermutung nicht von der tzond zu weisen — ich muß das aussprechen —, daß diese Behauptungen aus prozehtaktischen Gründen hier aufgestellt wurden. (Unruhe bei der preußischen Vertretung.) Die Reichsregie- rung steht auf dem Standpunkt, dah die Maß- lahmen, die sie getroffen hat. als vorläufige inzusehen sind, dah sie sich bei ihrem Vorgehen" illerdings sowohl auf Artikel 48 Absatz 1, wie ruf Absatz 2 stützen kann.
Der Vorsitzende warf die Frage auf, weshalb die Fraktionen die Klagebefugnis gegen das Reich in Anspruch nehmen. Professor Heller für die sozialdemokratische Fraktion sagte, daß die Fraktionen sich deshalb als aktiv legitimiert zur Klage gegen das Reich betrachteten, weil sie Bestandteile des Landesparlamentes seien. Professor Peters für die Zentrumsfraktion schloß sich diesen Ausführungen an. Prgfessdr Iacobi kommt zu dem Schluß, es sei nicht zu viel behauptet, wenn man sage, daß es sich in Wahrheit hier gar nicht um eine Klage des Landes Preußen gegen das Reich, sondern um eine Klage der früheren geschäftsführenden Landesregierung gegen die jetzige ge» schäftsführende kommissarische Regierung, also u m rinen Derfassungsstreit innerhalb Preußens handele. Das Reich bitte den Staatsgerichtshof, unter diesem Gesichtspunkt die gesetzliche Dertretungsberechtigung der preußischen Minister nochmals zu prüfen. Für die Landtagsfraktionen des Zentrums und der Sozialdemokraten sei in diesem Verfahren zwischen Preußen und dem Reich schlechterdings kein Raum.
Nachdem die Vertreter des Reiches und der Länder nochmals kurz ihren Standpunkt dargelegt -alten, erklärte der Präsident die Derhandlun- ien für beendet. Eine feste Prognose für den Termin der Verkündung der Entscheidung könne er jetzt nicht geben. Er halte es nicht für verspätet, wenn man vielleicht am nächsten Dienstag die Entscheidung verkünden würde. Sollte sich die Notwendigkeit einer Wiedereröffnung der Verhandlungen ergeben, dann würde er das den beteiligten Parteien mitteilen.
Die sieben Mützen.
Aufregendes Erlebnis eines Reporters.
Von Stephan Gast.
Babs nahm einen neuen Bleistift in den Mund and sah zum Fenster hinaus. Es wur 12.30 Uhr. Bis 18 Uhr eine Reportage über internationale Laschendiebe! Als ob internationale Taschendiebe »arteten, für die Abendausgabe der „Pickwick News“ interviewt zu werden.
Er stand auf und nahm seinen 5)ut vom Haken. Mm besten ging er zu Kriminalkommissar Jay Grey- wood...
Auf der Straße stauten sich die Menschen. Er nahm den Hut ab. Es war für März angenehm warm. Vor dem Hutgeschäft von W. Hutchkins blieb Babs stehen.
„Mit diesem alten Sveckfilz kann ich mich bei Greywood nicht mehr sehen lassen."
Er entschloß sich, jn den Laden einzutreten.
Das Lager bestand aus etwa 2000 Hüten, aber Babs konnte sich für keinen entscheiden. Nach einer halben Stunde raffte sich Mr. Hutchkins zu einem letzten Versuch auf.
„Vielleicht wollen Sie gar keinen Hut, Sir, Dieb leicht wünschen Sie eine Mütze?"
Babs überlegte. Der Verkäufer fuhr fort:
„Ich habe hier von einem Restposten eine auffallend schöne Mütze zu dem besonders niedrigen Preis von 2,6 Schilling. Sie werden darin aussehen wie der Prince of Wales."
Dabei hielt er ihm eine weiß und mahagonibraun karierte Mütze unter die Augen. Es war ein flauschiges, sehr behagliches und wirklich verführerisches Stück.
Die neue Mütze auf dem Kopfe, wanderte Babs die Orford-Street weiter in der Richtung nach dem Hyde-Park, nicht ohne an Schaufensterscheiben und anderen spiegelnden Flächen wohlgefällig stehenzubleiben. Als er zufällig in die Tasche griff, stieß er mit der Hand gegen einen harten Gegenstand, von dem er genau wußte, daß er vorher noch nicht da- gewesen war. Er zog ihn heraus.
Es war eine massiv goldene Herrenuhr mit Sprungdeckel.
Babs versenkte sie kopfschüttelnd wieder in die Manteltasche. Dabei fand er diesmal einen goldenen Bleistift.
Babs begann nachzudenken. Versuchsweise faßte er auch in die andere Manteltasche. Und siehe da! Er fischte ein silbernes Damenhandtäschchen, ein schmales Zigar^tten-Etui und eine Brieftasche aus Eidechsenleder.
Schweres Eisenbahnunglück in Rumänien.
18 Tote, zahlreiche Verletzte.
Budapest, 17. Ott. ($11.) Wie die „Donau- post" aus Temesvar (Rumänien) meldet, hat sich in der Umgebung der Stadt ein schweres Eisenbahnunglück ereignet, das 18$ote und viele Verwundete forderte.
Der Zug hatte um 17.40 Uhr Temesvar verlassen. Er war in der Hauptsache mit Arbeitern besetzt, die sich auf dem Heimwege von ihren Arbeitsstätten befanden. Etwa 1,5 Kilometer hinter dem Bahnhof sprangen plötzlich die beiden letzten Wagen des Zuges beim Passieren einer Weiche aus den Schienen und stürzten um. Die beiden Wagen, ein Personenwagen und der Postwagen, wurden noch etwa 50 Meter weit mitgeschleift. Von den 35 Insassen wurden 17 auf der Stelle getötet, die übrigen zum größten Teil schwer verletzt. Die Leichen von drei Männern und vier Frauen sind so zugerichtet, daß ihre Erkennung bisher nicht möglich war. Von 18 Schwerverletzten starb einer bereits auf dem Transport zum Krankenhaus. Man befürchtet, dah zwölf Verletzte nicht mit dem Leben davonkommen werden. Der Weichensteller wurde festgenvmmen, es steht jedoch bisher nicht fest.
ob ihn wirklich eine Schuld trifft, da es sich um eine automatische Weiche handelt.
Zugentgleisung in Innsbruck.
Wien, 17. Oft. (WTB) Im Innsbrucker Westbohnhof e n t g l e i st e aus bisher unauf- geklärter Ursache der letzte Wagen eines Personenzuges. Zwei Personen kamen ums Leben. Bei den Toten handelt es sich um die 50jährige Lokomotivführersgattin Sophie Rotter aus Breslau und eine Frau Spreitzhofer aus Scharnih Insgesamt neun Schwerverletzte wurden ins Innsbrucker Krankenhaus eingeliefert. Darunter befand sich der Ehemann der Frau Rotter, der Verletzungen am Arm erlitten hat, ferner ein zweites Lokomotivführersehepaar aus Breslau namens Fuchs. Der Ehemann Fuchs hat Verletzungen am Bein und an einer Hand davongetragen. Seine Frau, namens Maria, erlitt einen Oberarmbruch. Die lebensgefährlich verletzte Frau ist Frau Maria R o f n e r au» Innsbruck. Die übrigen Schwerverletzten sind sämtlich Oesterreicher.
Die Erhebungen über das Unglück haben noch nicht zu einer endgültigen Klärung des Unglücks geführt
Der Kall Klepper.
Steuer nimmt zur Verteidigung Kleppers Stellung.
Berlin, 17. Okt. (TU.) Der Berichterstatter des Klepper - Untersuchungsausschusses des Preußischen Landtages, der deutfchnationale Abg. Steuer, äußerte sich vor Vertretern der Presse über die gegen die Geschäftsgebarung des ehemaligen preußischen Finanzministers Dr. Klepper als Leiter der Preußenkasse erhobenen Vorwürfe. Er erklärte u. a., die bisher herausgegriffenen Fälle seien für die Kleppersche Finanzgebarung typisch, bei der stets das Bestreben zu beobachten fei, einen formellen Tatbestand zu schaffen, der sich vom Strafgesetz etwas di st anziere. Soweit Klepper strafrechtliche Vorwürfe träfen, so sei in erster Linie nach Steuers Ansicht der Vorwurf der Untreue gegenüber dem ihm unterstellten Institut, also der Preußenkasse, begründet, lieber diese strafrechtliche Seite hinaus liege zweifellos auch eine zivilrechtliche Verantwortlichkeit, zumindesten für den Teil der der Preußenkasse entstandenen Verluste vor. Bezeichnenderweise habe sich Klepper bei feinen Erwiderungen nicht über bie Entstehungsgeschichte des Sonderkontos geäußert, die Steuer ein mit juristischer Raffinesse durchgeführtes Betrugsmanö- ver nannte.
Bei dem Kredit für den früheren Staatssekretär im Innenministerium, Ab egg, seien das Wesentliche die merkwürdigen Begleitumstände. Diese Sanierung eines verschuldeten Staatssekretärs sei zweifellos ein Geschäft illegaler Natur. Wenn Klepper gesagt habe, die Preußenkasse habe der Stadt Köln überhaupt keinen Kredit gegeben, so sei das formell richtig. Tatsächlich lägen die Dinge aber so, daß die De-Di-Bank der Stadt Köln d a - mals keinen Pfennig gegeben hätte, wenn nicht die Preußen fasse die Voraussetzung für den Kredit durch Her gäbe von Genossenschaftswechseln in Höhe von 12 Millionen Reichsmark geschaffen hätte.
Was den Fall der „Kölnischen Volkszeitung" angehe, so habe Klepper erklärt, daß hier nach staatlichen Maximen verfahren worden fei. Abgesehen davon, so sagte Steuer, daß diese „staatlichen Maximen" mit Rücksicht auf die Zusammensetzung der früheren preußischen Regierung natürlich parteipolitische Maximen gewesen seien, hätte es Klepper selbstverständlich ablehnen können, derartige Aufträge auszuführen. Immerhin liege die moralische Verantwortung für dieses Ge
schäft tatsächlich weniger bei Dr. Klepper als bei der damaligen preußischen Regierung.
Avenol Generalsekretär des Völkerbundes.
Genf, 17. Oft. (WTB.) Der Völkerbunds- r a t hat heute in einer geheimen Sitzung den stellvertretenden Generalsekretär Avenol zum Generalsekretär des Völkerbundes als Nachfolger Sir Eric Drummonds einstimmig gewählt.
Die 13. ordentliche Vollversammlung des Völkerbundes wurde mit einer Schlußrede des Präsidenten Politts abgeschlossen. In der Schlußsitzung nahm die Bundesversammlung den Haus
halt des Völkerbundes für 1932 mit 33,4 Millionen Goldfranken an, von denen 17 Millionen auf das Völkerbundssekretariat, 8,8 Millionen auf das internationale Arbeitsamt und 2,6 Millionen auf den Internationalen Haager Gerichtshof entfallen. Ferner genehmigte die Bundesversammlung den von dem 4. Ausschuß ausgearbeiteten großen Plan über die Neuregelung der politischen Leitung des Völkerbundssekretariats. Damit find die von Deutschland geforderten B e - dingungen für die Zustimmung der deutschen Regierung zu der Wahl des Franzosen Avenol zum Generalsekretär erfüllt. Auf maßgebender deutscher Seitz wird jetzt grundsätzlich der Stand- punkt vertreten, daß nunmehr eine planmäßige
In diesem Slugenblicf trat ein Individuum — so hätte Babs ;l)n in einem Bericht bezeichnet — auf und stieß ihn zunächst einmal mit einem Haken kräftig in den Rücken:
„Wie kommst du zu der Mütze, du Lümmel?"
Er drängte sich eng an Babs und versuchte, ihn an der Manteltasche zu fassen, wobei er zwischen den Zähnen hervorstieß:
„Her mit den Sachen!"
Babs hielt instinktiv beide Taschen zu.
„Mein Name ist Babs, und ich bin kein Lümmel ..."
In diesem Augenblick fiel der lange Schatten eines Polizisten über die Szene.
„Polente! Bring die Sore in Sicherheit!"
Damit verschwand das Individuum.
An seiner Stelle nahm sich nunmehr ein freundlicher Polizist Babsens an. Er klopfte Baos l.icht ?on außen auf die Taschen, wobei er befriedigt lächelte; dann forderte er ihn auf, mit ihm zur Wache zu gehen. Dort herrschte Hochbetrieb. Babs wurden zunächst die in seinen Manteltaschen befindlichen Gegenstände abgenommen. Seine Behauptung, Babs zu heißen uni) Reporter der „Pickwick News“ zu sein, wurde mit liebenswürdiger Zustimmung übergangen.
Babs ließ alles über sich ergehen, im Gefühl, für die Abendausgabe einen wertvollen Artikel beisteuern zu können. Als man jedoch Hand an feine Mütze legte, begehrte er auf. Er verlangte Kommissar Greywood zu sprechen. —
Greywood ließ nach Anhören des Tatbestandes den Verhafteten.vorführen.
„Babs", sagte er mit ernster Stimme, „ich hätte nie geglaubt, Ihnen so gegenüberstehen zu müssen! Erleichtern Sie Ihre Lage durch ein Geständnis. Sie ersparen uns beiden viel Arbeit damit."
Bobs war von seinem Thema nicht abzubringen.
Greywood unterbrach ihn:
„Aber man hat doch die Sachen inLhren Taschen gefunden. Wie erklären Sie das?"
„Es muß sie jemand hineingefteckt haben."
Greywood dachte lange nach.
„Und wann haben Sie die Mütze gekauft?" „Heute mittag. Hier ist der Kasienzellel." Nach einer Stunde ließ Greywood Babs wieder rufen. Im Dorraum saßen unter scharfer Bewachung sechs Herren, unter denen Babs fein Individuum erkannte. Er grüßte höflich und trat in Greywoods Büro.
Greywood holte aus einem Fache feines Schreibtisches eine weiß und mahagonibraun tarierte Mütze.
„Ist das Ihre?"
„Ja."
Greywood nahm eine zweite Mütze aus dem Fach.
„Oder diese?"
Greywood zog eine dritte Mütze hervor.
„Oder diese?"
Bei der sechsten Mütze begann Babs* etwas auf- zufallen.
Greywood sagte:
„Diese sechs Mützen saßen auf den Köpfen jener sechs Leute, die Sie eben im Vorraum gesehen haben. Verstehen Sie?"
Babs begriff nichts.
„Diese hier", fuhr Greywood fort, indem er eine siebente Mütze bedeutsam auf den Tisch legte, „ist Ihre..."
Bads wollte danach greifen.
„ .. aber" fuhr der Kommissar fort, „ich kann sie Ihnen leider nicht zurückgeben, ehe sich nicht aufgeklärt hat, wie man Ihnen eine Mütze verkaufen konnte, die einer internationalen Bande von Taschen- hieben als Erkennungszeichen dient. ., das heißt: diente", fügte er mit Nachdruck hinzu.
„Und Sie können von Glück sagen, daß Sie an mich geraten find. Sie können gehen, Babs."
Als Babs, berstend vor Mitteilungsdrang, seinem Chef Mr. Gußling gegenübersaß, reichte ihm dieser die vierte Ausgabe der „Pickwick News“, auf deren erster Seite in großen Lettern die Ueberschrift prangte: Reporter fällt sparsamem Mützenmacher zum Opfer.
Babs las:
„ ..., dem die Mac-Gormick-Bande ein Stück Stoff zur Anfertigung von sechs Mützen gegeben hatte, an denen sie einander im Straßengewühl erkennen könnten. Hutchkins, der von der Natur seiner Auftraggeber keine Mjnung hatte, behielt dank seiner geschickten Ausnutzung des Stoffes genug für eine siebente Mütze übrig. Diese siebente Mütze gelangte ..."
„Was haben Sie dazu zu sagen?" fragte Mr. Gußling ernst und trommelte auf der Tischplatte.
„Ich habe Spesen in Höhe von 2,6 Schilling gehabt", sagte Babs.
Qochschulnachnchien.
Prof. Dr. Fritz Rörig in Kiel ha^einen Ruf aus den Lehrstuhl für mittlere und neuere Geschichte an der Universität T ü b i n g e n als Nachfolger von Iohannes Haller erhalten.
Prof. Dr. Karl I ö t t e n, Direktor des Hygienischen Instituts der Universität Münster hat den Rus an die Universität Würzburg als Nach, folger des Geheimen Rates K. L. Lehmann ab- gelehnt.
Neubesetzung in den leitenden Direk- torenpoften eintreten müsse, über die die Entscheidung bei dem Dölkerbundsrat liegt. Heber die Ernennung des neuen deutschen Untergenerah sekretärs liegt noch keine Entscheidung vor^ jedoch werden der frühere Staatssekretär Trendelen- b u r g und der deutsche Gesandte in Athen, Eifenlohr, für diesen Posten genannt.
Ein Schlaganfall Gandhis?
London. 18. Okt. (2BIB. Funkspruch.) Rach einer Meldung des ..Daily herald" hat Gandhi im Gefängnis einen Schlaganfall erlitten. Persönliche Freunde Gandhis in London hätten diese Nachricht durch einen geheimen Nachrichtendienst erhalten. Die Erkrankung Gandhis fei kurze Zeit nach Beendigung seines J a ff e n s im Gefängnis erfolgt. Aus diesem Grunde habe die indische Regierung plötzlich seinen Verkehr mit den auswärtigen Besuchern untersagt. 3m Unterhaus wird heute eine Anfrage an den Staatssekretär für 3ndien gerichtet werden.
Rücktritt des rumänischen Kabinetts.
Sinaja, 17. Oft. (WTD.) Ministerpräsident Vaj da hat heute nachmittag dem König dieGe- samtdemission des Kabinetts, die vom König angenommen wurde, überreicht. Damit hat der seit fünf Tagen mit Erbitterung zwischen T i t u I e s c u und Vajda in Sinaja geführte Kamps zunächst mit einem SiegeTitulescus über Dajda geendet. Die Entscheidung ist insofern besonders bedeutsam, als H e r r i o t noch in letzter Minute telephonisch versucht hatte, Dajda den Rücken zu stärken. Dajda erklärte dem König, daß ein Eintritt Titulescus in die gegenwärtige Regierung nicht möglich sei. Er konnte jedoch den König von seinem Standpunkt nicht überzeugen, worauf er zurücktrat.
Aus aller Welt.
Der Schriftsteller Richard Skowronnek f.
Der bekannte Schriftsteller Richard Skv- w r o n n e k ist auf Gut Höckenberg. Kreis Rügenwalde in Hinterpommern, wo er seit etwa einem Iahrzehnt wohnte, an einem Herzschlag plötzlich verschieden. Im Mäkz d. I. hatte er seinen 70. Geburtstag gefeiert. — Skowronnek war als Sohn eines Försters in Schuiken bei Goldap (Ostpreußen) geboren, war anfangs Iournalist in Frankfurt und Berlin, später freier Schriftsteller. Seine Bühnenstücke sind seinerzeit viel gespielt worden. Am bekanntesten wurden seine gut und spannend geschriebenen Romane aus dem deutschen Osten („Sturmzeichen". „Das große Feuer", „Die schwere Not", „Morgenrot" usw.), die in Millionen von Exemplaren verbreitet toaren. Zuletzt waren die Beziehungen von Stadt und Land im deutschen Norden der Nachkriegszeit das Thema, das er mit seiner nie versagenden Gestaltungskraft behandelte.
Gronau unterwegs.
Der deutsche Flieger Wolfgang von Gronau hat nach Ausbesserung seines Flugzeugs feinen Wettflug fortgesetzt; er ist nach einer Zwischenlandung in Alyab (Birma) nach Ehilka Lake an der oorderindischen Küste gestartet.
Ein amerikanischer „Zoll Daubmann“?
Don Paris aus wird die Nachricht verbreitet, der amerikanische Kriegsflieger Campbell sei nach löjähriger Verschollenheit wieder in Amerika aufgetaucht. Zu dieser Nachricht erklärt der m Karlsruhe ansässige Dentist R i t s ch e r l e..daß er am 1. Oktober 1917, 11.40 Uhr, als Fliegerscyütze ben amerikanischen Flieger Campbell abgeschos - sen habe. Der Flieger Andres aus Düsseldorf sei damals Ritscherles Flugzeugführer gewesen. Rit- scherle habe photographische Aufnahmen aus der Luft und an der Absturzstelle des amerikanifchen Fliegers gemacht. Am 6. Oktober 1917 habe er bas Grab Campbells photographiert. Ein deutscher Offizier habe ihm die Papiere des amerikanischen Flie- gers gezeigt und Campbell als tot gemeldet.
Oer Kokain-König von Paris.
Der Rauschgift-Handel, der in Paris trotz aller Unterdrückungen noch so reich blühte, hat jetzt einen empfindlichen Schlag durch die Entdeckung eines großen Lagers erfahren. Dor zwei Monaten gelang es eines Mannes habhaft zu werden, der sich Harter, aber auch Riton, nannte und in der Pariser Unterwelt als ..Kokain-König" bekannt war. Seine Helfershelfer ließen sich aber dadurch nicht einschüchtern und setzten ihren schwunghaften Handel fort, bis ihnen jetzt durch den Chef der „mondänen Brigade", Priolet, das Handwerk gelegt wurde. Diese „nwndäne Bri- gnöe“ ist eine besondere Polizeitruppe, deren männliche und weibliche Mitglieder in eleganter Kleidung als Lebeleute maskiert, die Vergnü- gungslokale von Paris unter strenger Bewachung halten. Heber die Derhaftung von vier Rauschgifthändlern und die Aufdeckung ihres Lagers gibt Priolet einen dramatischen Bericht: „Roch der Derhaftung Ritons, der der Großhändler war, ließen meine Detekttve die Einzelhändler zunächst unbehelligt. Zu meinem Erstaunen fand ich. daß sie ihr Hauptgebiet, den Montmartre, verließen, und sich im Viertel des Ostbahnhofs festsehten, der bisher mit dem Rauschgift-Handcl wenig zu tun hatte. Hier gelang es, nacheinander vier Händler, drei Männer unb eine Frau, abau« fassen, die im Besitz beträchtlicher Mengen von Kokain, Heroin und Opium waren. Zuletzt griffen wir einen 32jährigen Kellner Tonelli auf, aber ü&cr das Lager, aus dem sie sich versorgten, waren wir noch immer im Unklaren. Da kam uns ein glücklicher Umstand zu Hilfe. Tonelli ^luchle nach der Derhaftung, heimlich zwei Schlüssel fortzuwerfen. Eie wurden entdeckt und lieferten nun eine Spur. In dem Raum, den er bewohnte, war nichts zu finden, aber wir bekamen heraus, daß die beiden Schlüssel zu einem andern Raum paßten, einem elenden Schuppen, in der Rue de Recollets. Ich hatte mir viel von dem Erfolg dieser Verhaftungen versprochen, aber ich war doch erstaunt über das, was wir in dem Schuppen zu sehen bekamen, es war ein richtiges Lager von Rauschgiften. In zwei alten Koffern fanden wir drei Kilogramm 700 Gramm Heroin, Kokain und Morphium sowie 5 Kilogramm 200 Gramm Opium. Wagen standen bereit, und Dutzende kleiner Päckchen waren schon für den Verkauf abgewogen. Außerdem fanden wir Büchsen mit Trockenmilch, die dazu benutzt wurden, um das Kokain zu „veredeln,


