Ausgabe 
18.8.1932 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptfiadt.

Giehen, den 18. August 1932.

* Oie Brandstiftung im Getreidefeld aufgeklärt.

Wie wir gestern bereits berichteten, wurde in der Nacht zum Mittwoch in der Gemarkung Ober-Ofleiden ein A ck e r, der mit Hafer bestanden war, angezündet. Noch qm gestri­gen Tage wurden die polizeilichen Ermittlungen in Anwesenheit des Oberstaatsanwalts Dr. Drill- Giehen durch die Landeskriminalpolizei­stelle Sieben und die zuständige Ortspolizeibe­hörde borgenommen. Die Ermittlungen brachten einen vollen Erfolg. Es wurden b t e i'QRä n n e r fe st genommen, die der Tat dringend ver­dächtig waren. Es handelt sich um Steinbruch­arbeiter aus Nieder-Ofleiden, die nach einem scharfen Verhör zum Teil Geständ­nisse ablegten. Zwei von ihnen beschuldigten den Arbeiter Karl Z i n n k a n n , der selbst zwar kein Geständnis ablegte, jedoch dürfte zweifellos feslstchen, das; er der Täter ist. Zinnkann wurde in Haft behalten, während die bei­den anderen auf freien Fuß gesetzt wurden. Zur Aufklärung des Sachverhaltes wurde eine An­zahl Zeugen vernommen. ES ergab sich, dah die Drei Arbeiter am Abend in Homberg waren, dort Einkäufe besorgten, wohl auch etwas ge­trunken hatten und in angeheitertem Zustande sich mit ihren Fahrrädern auf den Heimweg machten. Nachdem sie anscheinend schon vorher verschiedenen Unfug verübten, gelangten sie ge­gen 23 Uhr an das Getreidefeld, dessen auf- rechtstehende Garbenhaufen von Zinn­kann angezündet wurden.

3n der Umgebung von Ober-Ofleiden hat der Vorfall unter den Landwirten begreiflicherweise lebhafte Unruhe ausgelöst. Gs ist deshalb erfreulich, dah es in so kurzer Zeit gelungen ist, die Täter zu ermitteln. Hoffentlich wird eine exemplarische Destrasung erfolgen.

Totengedenkfeier der ehem. 116er.

Wie in jedem Jahre, so begeht auch diesmal die Offiziersoereinigung des Inf.-Rgls. Kaiser-Wilhelm Nr. 116, vereint mit den Offiziersvereinen der Toch­ter-Regimenter (Res.-Inf.-Rgt. 116, Landwehr-Inf.- Rgt. 116, Ref.-Inf.-Rgt. 222, Ref.-Inf.-Rgt 254, Inf.- Rgt. 186 und 418) die Totengedenkfeier am Denkmal des Rcgimentsverbands vor der Zeughauskaferne an dem tyr Schlacht bei Anloy zunächst liegenden Samstag, 20. Au­gust, 19.30 Uhr. An der Feier beteiligen sich außer den Offiziersvereinigungen das Offizierkorps des hiesigen Bataillons, die 2. (Traditions-) Kompanie und die Bataillonsmusik. Es findet eine Kranz­niederlegung am Denkmal im treuen Gedenken an alle Gefallenen der auf diesem verzeichneten Regi­menter statt. Redner ist Leutnant d. R. a. D. Stu­dienrat Holzel (Gießen), der als Kriegssreiwil- liger bei der Mobilmachung im Inf.-Rgt. 116 ein­getreten war, den ganzen Krieg im vorderster Front unverwundet mitgcmacht hat und als Kompanie- sührer heimgekehrt ist.

Der Tag von Anloy 22.8.1914 brachte den hessischen Regimentern die Feuertaufe im Welt­krieg. Die Regimcntsgeschichte des Inf.-Rgts. Kaiser- Wilhelm Nr. 116 sagt hierüber:Die erste Schlacht war geschlagen. Der blutigste Tag des ganzen Krie­ges lag hinter dem Regiment. Der Sieg hatte sich an seine Fahnen geheftet. Ein starker und tapferer Gegner war aus Stellungen gejagt worden, die er sich 3 Tage lang mit Sorgfalt ausgesucht und aus­gebaut hatte. Rühmliche. Taten, die alle der Erwäh­nung wert wären, waren allerorten vollbracht wor­den. Aber groß, sehr groß waren auch die Ver­luste. Kein Tag des Krieges hat vom Regiment so viele Opfer gefordert, wie dieser Tag von Anloy. Innerhalb weniger Stunden hat es über 1000 Mann, mehr als ein Drittel feines Bestandes, verloren. 13 Offiziere waren auf dem Schlachtfelde geblie­ben. 340 brave Unteroffiziere und Mannschaften waren mit ihnen in den Tod gegangen. Fast doppelt so viel war die Zahl der Verwundeten. Unter ihnen waren 20 Offiziere. An Unteroffizieren und Mann­

schaften waren 599 verwundet. 72 wurden vermißt. Der Name Anloy sollte einen schrecklichen Klang in der hessischen Heimat erhalten. Da war kein Städtchen und Dörfchen, in das nicht die Nachricht gedrungen wäre:Bei Anloy gefallen".

Aber darum ist der Name auch zum Ehren­namen der Kämpfer des 22. August geworden. Von allen Kränzen, die sich das Regiment in dem gro­ßen Krieg errungen, ist der Kranz von Anloy der schönste. Er wird nie welken.

Schützt die Tiere vor Dürft und Hitze.

Der Gießener Tierschuh-Verein schreibt uns:

Kettenhunde, Ziegen, Kaninchen und Hühner haben oft schrecklich unter der sommerlichen Hitze au leiden, wenn ihre Stallungen den ganzen Tag den Sonnenstrahlen ausgesetzt sind. Jeder Tier- besiher sei bemüht, seinen Tieren die Hundstage nach Möglichkeit zu erleichtern, indem er sie möglichst vor der Sonne schützt. Hunde­hütten gehören an heißen Tagen in den Echat - t e n und die Ställe sind sorgsam zu lüften. Alle genannten Tiere brauchen in der Zeit Ge­legenheit, den Durst mit frischem Wasser zu löschen und sich wenigstens eine Zeit des Tages frei zu bewegen. Das Leben an der Kette, oder im dumpfen Stall ist während des Hochsommers eine Qual.

Die Pferde müssen nicht nur im Stall, sondern auch unterwegs getränkt werden. Sie sind dann doppelt leistungsfähig. Wenn der Körper nicht genug Flüssigkeit erhält, tritt Ver­dickung des Dlutes ein. Schlappheit, unter Um­ständen sogar Hihschlag können daraus folgen.

Daten für Donnerstag, 18. August.

1830: Kaiser Franz Josef I. von Oesterreich in Wien geboren; 1850: der Schriftsteller Honors de Balzac in Paris gestorben; 1866: Gründung des Norddeutschen Bundes; 1870: Sieg der Deut­schen bei Gravclotte-St. Privat; Schlacht bei Metz; 1881: der Komponist Hermann Zilcher in Frank­furt a. M. geboren.

* Dilder von der Felddienstübung unseres Vataillons, die am Dienstag in der Nähe von Elimbach stattfand, sind von heute ab im Schaukasten desGießener An­zeigers" zu sehen. Die Dilder bringen verschie­dene Ausschnitte aus der großangelegten Hebung und vermitteln einen anschaulichen Eindruck von der Durchführung der militärischen Aktion.

* Sterbefälle in Gießen. 3n der Zeit vom 1. bis 15. August verstorben in unserer Stadt: 3. Marie Wallbott, geb. Zeh. 45 Jahre, Grün­berger Straße 75. 4. Otto Schmidt, Hhrmacher- meister, 70 Jahre, Marktstraße 1. 6. Eleonore Wesp, ohne Beruf, 71 Jahre, Wakltorstraße 38. 7. Ludwig Dauer, Schlosser, 50 Jahre. Am Win­gert 4. 9. Wilhelm Hennemann, Elektromonteur, 48 Jahre, Ebelstraße 9. 10. Anna Sturm, geb. Keller, Witwe. 57 Jahre. Mühlstraße 6; Elisabeth Appel, geb. Reichler, 58 Jahre, Seltersweg 77. 13. Katharine Hartmann, geb. Kratz, Witwe, 70 Jahre, Neustadt 51. 14. Katharina Schwidt, geb. Dönsel, Witwe, 67 Jahre, Karl-Vogt-Str. 14.

Verstärkter Flurschuh während der Erntezeit. Seit einiger Zeit mehren sich die Klagen über vorkommende Flurdiebstähle. Der Minister des Innern hat deshalb die Kreis­ämter angewiesen, während der Erntezeit dem Flurschuh ihr besonderes Augenmerk zuzuwen­den. Die Ortspolizeibchörden seien entsprechend angewiesen und nötigenfalls sollen auch Gen­darmerie- und staatliche Polizeibeamte zum Flur- fchuh herangezogen werden.

Sonntagskarten zur Wieder­sehensfeier der 118er in Worms. Wie die Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. mitteilt, werden zu der am 20. und 21. August in Worms stattfindenden Wiedersehensfeier der ehemaligen 118er von allen Bahnhöfen im Umkreise von 200 Kilometer um Worms Sonntagsrückfahrkarten nach Worms ausgegeben. Die Karten haben Gültigkeit von Freitag, 19. August, 12 Ahr bis Montag, 22. August, 9 Hhr,d. h spätestens bis um 9 älhr muh die Rückfahrt angetreten werden.

Vom Badestrand der Lahn.

Dav war nicht immer so ...

daß in den Badeanstalten in der Lahn ein solcher Hochbetrieb herrschte, wie in diesen Tagen. Es gab manchen trüben Tag in diesem Sommer, an denen sich die Bademeister vor den Sabinen langweilten. Nur wenige Schwimmer beunruhigten das Wasser. Und diese'bedurften des Bademeisters kaum, denn sie konnten schwimmen. Aber jetzt sind die Bade­anstalten voll vom frühen Morgen bis zum späten Abend. In Müllers Badeanstalt ist man darüber nicht ärgerlid)...

15 Stunden Babebdrieb.

Frühmorgens um 6 Uhr kommen die Ersten. Meist Stammgäste! Jene, die denEisernen Bestand" auch an kühleren Tagen bilden. Meist suchen sie die Bade­anstalt auf, bevor sie an die Arbeit gehen. Sie ver­krümeln sich naturgemäß gegen 7 Uhr wieder. Die letzten gehen so gegen 21 Uhr. Das sind meist die Schwimmer, die Turner, die am Abend spät aus den Geschäften kamen und nun trainierten. Sie können sich so schnell nicht vom Wasser trennen. Es wird immer ziemlich spät, bis die letzten abtrudeln.

Kinder beherrschen das Feld.

Noch sind Ferien! Die Badeanstalten scheinen des­halb am späten Vormittag und am Nachmittag nur den Kindern zu gehören. Sie nützen den Tag und ihren Groschen Eintritt weidlich aus. Uebrigens sind viele darunter, die ausgezeichnet schwimmen können. Das ist an sich kein Wunder, denn Schwim- men ist seit einiger Zeit Schulfach. Der Sprungturm hat es vielen angetan. Das 5-Meter-Brell ist noch lange nicht zu hoch.. Vom 1-Meter-Brett zu Sprin­gen, bedeutet gar nichts mehr. Es gibt natürlich auch Aengstliche, die sich nichts getrauen. Sie be­krönten sich auf das Zusehen. Aber einer ist bar­unter, ein etwa 8jähriger Bub, in grünem Trikot und grüner Mütze, der schon alle möglichen Finessen macht, Schraube, Hechtsprung, Hocksprung, Salto usw. Vorläufig nimmt er den Sport noch nichi sehr ernst...

Das Renommierbraun

spielt eine nicht unbedeutende Rolle. Es gibt aber auf diesem Gebiete große Unterschiede. Man kann es auf verschiedene Weise bekommen. Die Sport­ler haben es in Erbpacht, die Badegäste aber nur auf der Epidermis. Jene behalten es auch im Winter, die anderen steUen bald enttäuscht fest, daß die braune Pracht bleicht, wenn sie die Sonne nicht immer wieder aufarbeitet. Beim

Sportler sitzt es tief in der Haut, der Badegast muß sich mit der vergänglicheren Form begnügen.

Wasserball am Abend.

An einigen Abenden der Woche wird Wasser­ball gespielt. Meistens spielen die Mannschaften von Schwimmverein und vom Turnverein gegen­einander. 3m Nu sind die Laufstege um das Wasserballspielfeld dicht beseht. Diele Deine bau­meln über dem Wasser. Die Zuschauer teilen sich brüderlich tn die Sympathien für Schwimmverein und Turnverein. 3m Wasser geht es sehr lebhaft zu. Die Spieler verständigen sich untereinander mit großem Stimmauswand. Die Pfeife des Schiedsrichters schrillt. Wenn ein Tor fällt, dann füllt für einige Sekunden ein vielstimmiges Ge­schrei die Luft.

Dann aber gibt es wieder Stunden, in denen von den Schwimmern eifrig trainiert wird. Da sieht man dann vorzüglichen Crawlstil, ausgefeil­tes Drustschwirnmen, zügiges Langstreckenschwim­men, kurze Spurts. Auf den Laufplanken folgt der Trainer ganz Aufmerksamkeit den Schwimmern. Schwimmer sind eine sympathische Gilde...

Jn Müllers Badeanstalt

herrscht den ganzen Tag über regstes Leben, viel Ilnruhe. Für denjenigen aber, der von des Tages Arbeit kommt, bedeutet sie doch Entspannung, Ablenkung vom Kreis der Pflichten, Anregung und in Verbindung mit der eigenen sportlichen Dewcgung im Wasser eine Erholung, die man nicht missen möchte. Fast ist die Dadeanstalt in diesen Tagen für die vielen Besucher zu klein.

Beim Männerbadeverein

geht es etwas beschaulicher zu. Auch ist dort für die Badenden mehr Raum gegeben. Zahlreich fin­den sich die Vereinsmitglieder mit Frau und Kin- dem ein. Oft genug suchen im Laufe eines Tages bis zu 600 Gäste das Bad auf.

Das Strandfest des Männerbadevereins fällt m diesem Jahre aus. In vier Jahren will man das 100jährige Bestehen des Vereins, der De- Deutung des Jubiläums entsprechend, feiern.

Das städtische Jreibab

ist zur Heimstatt für viele geworden, die nicht mit Glücksgütern materieller Art gesegnet sind. Viele Erwerbslose verbringen hier ihre leeren Stunden. Naturgemäß hat hier der Bademeister viel Verantwortung, beim es ist mancher Gast

Das Museum des Ruhms.

Oer Spezialift für Orden aller Länder.Hausse in Parteiabzeichen.

(Sine Reportage von Heinrich ZRacf.

Dreht da die FilmfirmaPallas" einen neuen historischen MroßfilmEineNachtin Peters- b u r g". Dar Manuskript spielt im Zarenhof, es kom­men Hunderte von Uniformen in ihm vor, Groß fürsten und ganze Regimenter, und alles muß ganz stilecht sein. Woher aber soviel Stilechtheit nehmen? Natürlich hat die Filmfirma irgend einen früheren russischen Fürsten als Sachverständigen engagiert, und der muß nun dafür sorgen, daß alles bis zum letzten Uniformknopf stimmt.

Ein ganz besonderes Kapite' sind die Orden. Wehe, ^venn sie falsch ausgewählt sind, wenn sie falsch sitzen! Aber wo nimmt man sie her? Und wie sehen sie aus?

Wenn eine Filmfirma solche Sorgen hat, bann roenbet sie sich an ein kleines halbdunkles Geschäft­chen in ber Berliner Fricbrichstraße, dessen Besitzer, em alter Herr, seit mehreren Jahrzehnten Spezia- list für Orden und Ehrenzeichen aller Art ist.

1883 hat er fein Geschäft gegründet, später wurde er Hoflieferant mehrerer Fürstlichkeiten, unter an­derem auch des ehemaligen deutschen Kaisers, und 1m Laufe seines langen Lebens ist er nicht weniger als sechsmal prämiiert worden.

Er kann viel erzählen. Bei ihm bestellten vor dem Kriege die Herrscher ber meisten europäischen Län- ber ihre Orben, oft drei, vier Waggonla- düngen auf einmal; die Ehrenzeichen, die bi' Brust ber englischen, dänischen, indischen und schwe­dischen Männer zierten, stammten zumeist aus seinen Werkstätten.

Viele ber Orben, die er einstmals in alle Teile der Welt verschickte, sind inzwischen, oft auf dunklen Wegen, wieder zu ihm zurückgekehrt. In den hohen Vitrinen, die die Wände des kleinen Ladens schmücken, kann man die Dekorationen der meisten russischen Fürsten sehen, findet man überhaupt so manchen historischen Orden aus letzter und aus ver- gangener Zeit. Da ist sogar der erste Orden, den Napoleon verliehen hat; da war bis vor kur­zem noch ber Orben, den ber Mönch unb Zaren- günftling Rasputin besaß, unb gerade dieser Orden ist in letzter Zeit auf mysteriöse Weise g e» ft oljl en worben.

Manchmal kommt es vor, baß ber alte Herr, der Besitzer dieses interessanten Geschäftes, um eine vertrauliche Unterredung gebeten wird. Und daß irgend eine alte Exzellenz ihn bann aufsucht und ihm ihre Orden zum Kauf anbietet ... aus Not. Um leben zu können. Natürlich kauft er sie, obwohl er sie in den seltensten Fällen wieder verwerten kann. Aber ...man tut so etwas doch aus Pietät".

Ausverkauf der Ehren. Aber ist das denn nicht ein Geschäft ber Vergangenheit? Wie kann der Be­sitzer heute noch existieren?

Gegen früher", so erzählt er,ist es natürlich

kein Vergleich. Aber trotzdem haben wir Spezialisten für Orden noch ganz gut zu tun. Denn in letzter Zeit kommt man ja wieder mehr dazu, bei öffent­lichen Gelegenheiten seine Ehrenzeichen anzulegen, besonders in Süddeutschland. Und viele Inhaber solcher Dekorationen lassen sie bei mir kopieren. Nach dem Krieg hatten wir besonders viel dadurch zu tun, daß sich die Frauen und Bräute im Kriege Gefallener die Ehrenzeichen zur E r i n n c r u n g noch einmal anfertigen ließen. Unb bis zum heutigen Tage laufen solche Bestellungen bei uns ein

Außerbem ist mir ein Teil meiner ausländischen Kundschaft treu geblieben. Vor nicht allzu langer Zeit erst habe ich vom Schah von Persien ein paar Tausend Orden bestellt bekommen, unb auch König Carol von Rumänien hat mich mit Lieferungen beauftragt.

Das Tagesgefchäst aber sind heutzutage die Ab Zeichen. Sehen Sic, ich führe sämtliche Abzeichen politischer und unpolitischer Art, aller Parteien und aller Klubs, die es in Deutschland gibt. Für manche habe ich sogar bas Monopol, |o zum Beispiel für die Abzeichen der neugcgrünbclen So zial-Monarchistischen Partei. Natürlich dürfen wir manche dieser Abzeichen nicht an jeden verkaufen. Gewisse Parteiabzeichen dürfen nur gegen Vorle gung des Parteibuches abgegeben werben, anberc roicber finb für jedermann zu haben.

So wertvoll unb infolgedessen jo teuer wie Orben. sind Abzeichen natürlich nicht. Ihr Preis schwankt zwischen zehn und sechzig Pfennigen, während manche Orden früher bis zu taufend Mark gekostet haben, besonders die hohen, die aus edel­stem Material bestanden.

Mer hier muß es eben die Menge bringen ... und wir verkaufen ja auch ganz gut, besonders vor ben Wahlen war das Geschäft unge- heuer rege.

Wenn man einen Blick in die Schubladen und Kästen voller Abzeichen tut, dann kann einem ganz schwindlig werden. Wieviel Vereine und Klubs, wie­viel Parteien unb Bünde gibt es doch in Deutsch­land!

Ein paar besonders blitzende und strahlende Sterne fallen zwischen ben Orben auf. Welches Lanb verleiht benn diese prächtigen Stückes

Ein sehr friedliches Land. Es find nämlich Keg­le r o r b e n.

Krieg und Frieden, Vergangenheit und Gegen- wart, alter unb neuer Glanz liegen hier beieinander. Wenn biefe blanken Sterne unb Kreuze reben tonn­ten, bann würden manche von ihnen sicher erstaun- liche Geschichten erzählen unb viel unter ihnen blu tige unb schreckliche Erlebnisse. Aber sie hängen stumm in ihren Glaskästen, in diesem dunklen, Mei­nen Laden, der ein recht merkwürdiges Museum ist.

Buntes Allerlei.

Wann kommt ein gutes Herings-Jahr?

3n unserer Dolksernöhrung ist der Hering seit langem der wichtigste Fisch, hinter dem erst in großem Abstand Kabeljau, Dorsch u. a. folgen. Aber während man früher diesesBrot des Mee­res" nur im gesalzenen Zustande verzehrte, hat bei uns in der Nachkriegszeit der Frischhering immer mehr an Bedeutung gewonnen. Früher wurden frische Heringe, die nicht der Konservie­rung durch Einsalzen unterworfen waren, nur in ganz geringen Mengen auf den Markt gebracht. Doch mit dem Echleppnetz-Fang, der sich in neuester Zeit auf den deutschen Fischdampfern ein­gebürgert hat, ist die Verwertung des Frisch- Herings in großen Mengen als gesundes und bil­liges Nahrungsmittel ermöglicht worden. Der Schleppnehfang, der vor dem Kriege nur aus­nahmsweise angewendet wurde, hat in den letzten Jahren durchschnittlich etwa 1,5 Millionen Zent­ner Heringe geliefert, die mit den in schneller Fahrt geschleppten sackartigen Netzen im Herbst in gewissen Teilen der Nordsee erbeutet wurden. Da Deutschland jetzt etwa ebensoviel frische Heringe wie früher Salzheringe und außerdem noch die gleiche Menge Salzheringe verbraucht, so hat sich der gesamte Heringsverbrauch in Deutschland fast verdoppelt. Der Hering ist also für unsere Ernährung von immer größerem Wert geworden, und um so mehr interessiert uns die Frage, wann man mit einem guten Herings­jahr rechnen darf. Obwohl dieser Fisch seit ur­alten Zeiten eins der wichtigsten Nahrungsmit­tel Europas ist und sich die Volksphantasie mit ihm in unzähligen Sagen unb Bräuchen beschäf­tigt hat, so wußte man doch bis vor kurzem nur sehr wenig über die Lebensweise des Fisches, über die Entstehung und die Wanderung der großen Herings-Schwärme. Durch die Arbeiten der Meeresforschung und besonders durch die Unter­suchungen der englischen Biologischen Marine- Station zu Plhmouth hat man aber jetzt in die Lebensgeheimmsse des Herings scharf hineinge­leuchtet, und es ist gelungen, ziemlich sichere Grundlagen für eine Vorhersage der Heringsernte zu gewinnen. Wenn z. D. eine große Zahl von zwei Jahre alten Fischen in ir­gendeinem Jahr auftritt, so kann man mit Sicher­heit annchmen, daß für die nächsten 5 Jahre gute Heringsfänge bevorstehen, wenn nicht ungewöhn­liche Umstände dazwischen kommen. Eine große Ausbeute an sieben Jahre alten Heringen in einem Jahr weist darauf hin, dah ähnliche Er­gebnisse in den nächsten Jahren nicht zu erwarten sind. Die Grundursache für gute und schlechte Heringsjahre sind natürlich in der Nahrung der Fische zu suchen, die wieder in hohem Maße von den wechselnden Meeresströmungen abhängt. Heringe verspeisen zwar vielerlei, aver die Grund­lage ihrer Ernährung besteht wie die vieler an­derer Meerestiere in den riesigen Mengen von

winzigen Organismen, die wir Diatomeen nennen. Diese einzelligen Algen bilden das erste Glied in dem verwickelten System derNahrungsketten", die das Steigen und Fallen aller Lebensformen im Meer beherrschen. Die Heringe bis zur Größe von einem halben Zoll nähren sich hauptsächlich von diesen Diatomeen, während sie im nächsten Wachstums-Zustand von 0,50 bis 2 Zoll fast aus­schließlich von kleinen Krustentieren leben, und sich in ihrer weiteren Entwicklung bis zu 5 Zoll Länge mit größeren Krustentieren sättigen. Die kleinen Fische werden wieder von den größeren Fischen, von Robben, Seevögeln us.w verspeist, und nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der zweijährigen Heringsschwärme entgeht diesem Tode und ge­langt zur völligen Reise. Innerhalb dieser ver­wickelten Verhältnisse gewinnt man jetzt mehr und mehr Klarheit, und zwar ist für die Vorhersage der Heringsfänge die genaue Beobachtung der Diatomeen, die mit Hilfe von besonderen Ünter- suchungsschiffen erfolgt, von höchster Wichtigkeit. Nach der Ansicht hervorragender Meeresforscher wird man bald genügend Material besitzen, um Karten für die Fischer herauszugeben, die ihnen zeigen, wo die an Diatomeen reichsten Strömun­gen zu finden sind, und hier liegen auch die reich­stenWeideplätze" für Die Heringe.

Patentstreit

um den amerikanischen Stahlhelm.

Ein Rechtsstreit um das Urheberrecht am Stahl- heim wird gegenwärtig gegen die Regierung ber Vereinigten Staaten ausgekochten. Kläger ist ein englischer Ingenieur John Leopold Brodie, ber jetzt in Buffalo lebt. Er sorbert für jeben ber von ame­rikanischen Soldaten getragenen, nach feiner Erfin­dung hergestellten 1537 000 Helme einen Betrag von 42 Pfennig, also rund 645 000 Mark. Im Ver­lause dieses Prozesses würben von dem Vertreter ber Klage Zeitungsabschnitte aus ber Zeit varge­lesen, ba biete Helme, dieZinnhüte", wie bis Sol­daten sie nennen, zuerst nach Amerika kamen; sie bringen in erheiternder Weise die verschiedene Auf­nahme, die sie gesunden haben, zum Ausdruck. Da heißt es:Tommys Stahlkappe läßt ihn wie einen Kreuzfahrer aussehen, der Eindruck ist äußerst ko­misch", und auch vonPuddingformen" an die die Kopfbedeckung gemahnt, ist die Rede. Andere wieder rühmen bas weiche Leder, mit dem die Helme ge­füttert waren, und behaupten, daß ber Tommy van dem warmen, aber nicht schweren Kopfschutz be- geistert wäre. Unter ben 100 Entwürfen van Hel­men, die seinerzeit dem Britischen Kriegsministe­rium vargelegen hatten, war der von Brodie aus- gewählt worden. Während ber Erfinder nun für bie von britischen Soldaten getragenen Helme aus Vaterlandsliebe feine Abgabe fordert, erstreckt sich sein Anspruch auf die von England nach Amerika gelieferte Kopfbedeckung. Man sieht der Entscheidung des Gerichts mit großem Interesse entgegen.

da, der nicht recht schwimmen kann. Glücklicher» weise: passiert ist bisher noch nichts ernsthaftes. Etwa 1200 Personen besuchen im Laufe des Tages die städtische Badeanstalt.

Der UJafferffanb der Lahn

ist in diesen Tagen der Trockenheit sehr zurück- gegangen. An der Brücke ragen die Inseln weit aus dem Wasser. Der Kies an den Ufern liegt meterbreit trocken, die Ufer find steiler geworden. Die Temperatur des Wassers ist gestiegen. Stän­dig zeigte das Thermometer in den letzten Tagen üfer 20 Grad. Die Dadesaison wird aber nicht

mehr lange dauern. Es wird auch nicht mehr lange währen. Dann schwimmen gelbe Blätter auf der Lahn. . . .

Kirchliche Nachrichten.

Israelitische Gemeinden.

Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 20. August. Freitag abend 7 Uhr; Samstag vor­mittag 8: nachmittags 4; Sabbatausgang 8.25. Wochengottesdienft: morgens 6.30; abends 7 Uhr.