Ausgabe 
18.6.1932 Erstes Blatt
 
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Pn>d vn- verlos: vrüßl'fche Untver^iair-Vuch. und Steinöruderei R. Lange in Kietzen. Schriftieitung und Seschäflritelle: ZchuFttaße 7.

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Erscheint täqltd), außer Sonntags und Jeurtags. Beilagen: Die DDuftrttrle ®i<t)tnrr ^amilienblatttr Heimat im Bild Di« Scholle

lonol» Bejugsprels:

Mit 4 Beilagen RM 1.S5

Oer ^eichsinnenminifter beruft eine Lanberkonfercn; ein.

Berlin, 18. Juni. (IDIB. Junffprud?.) Der Rcichsminister de» Jnnern hat heule die Innen­minister der Länder 3 u einer Besprechung über d i e innerpalilische Lage und die Handhabung der Verordnung gegen politische Aus- schrcitungen vom 14. 3uni 1932 auf Mittwoch, den 22. Juni 1932 eingeladen.

von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt, zernsvrechanschlüsse

Anter Sammelnummer 2251. Anschrift für Drahtnach. richtens Anzeiger Giehea.

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Annahme von Anzeige« für die Tageenummer bl« zum Nachmittag vorher.

Preis für ( mm höhe für Anzeigen von 27 nini Breite örtlich 8. auswärts 10 Neichspfennig; für lJio» klameanteigen von 70mm Breite 55 Neichspfennig, Platzoorfchritt 20* , mehr.

Chefredakteur Dr. Fnedr. Ivilh. Lange. Verantwortlich für Dolititz Dr Fr Wilh Lange; für Feuilleton Dr H Tknriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich in Gießen.

Lausanne. 17. 3uni. (XM.) Am Samstag und Sonntag werden nach einer Vereinbarung keine Sitzungen der Reparation«» fonferen " .....

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Das Wochenende in Lausanne.

Zn Zukunft wenig Vollsitzungen aber vertrauliche Einzelbesprechungen der Oelegationsführer.

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von Neurath einen Besuch abstatten. Min'- sterpräsident Macdonald begibt sich zum Wochenende nach Dens. Grandi beabsichtigt am Sonntag einen AuSflug zu unternehmen. Die deutschen Kabinettsmitglieder blei­ben jedoch in Lausanne, um die am Mon­tag im vollen Umfang beginnenden sachlichen Einzelbesprechungen vorzubereiten. Ministerpräsi­dent Herriot ist am Freitag um 23 Uhr nach Paris abgereist und beabsichtigt, am Mon­tag zurückzukehren, um an der auf zehn Uhr test- gesetzten vertraulichenSihungdersechs einladendenMächte teilzunehmen. Für das Programm der nächsten Woche ist bisher lediglich eine Vollsitzung der Konferenz auf Dicns - t a g festgesetzt, jedoch besteht die Absicht, in der nächsten Woche hauptsächlich aus dem Wege privater Besprechungen vorzugehen und möglichst wenig Vollsitzungen abzuhalten, da man nach langjähriger Konferenzerfahrung eine För­derung der Beratungen aus dem Wege privater Besprechungen für geeigneter hält.

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Die erste Landung des Graf Zeppelin in Holland.

Enschede (Ostholland). 18. 3uni. iWTB. Funkspruch. > DaS deutsche Luftschiff Graf Zeppe­lin hat heute morgen feine erste Landung auf holländischem Boden aus dem uqtocit der deut­schen Grenze liegenden neuen Flughafen Twente vorgenommen. Trotz der frühen Stunde hatten sich Zehntausende von Zuschauern eingefunden. Hun­derte von Menschen waren schon am Vorabend an- gekommen, und brachten die Vacht in Zelten auf dem Flughafengelände zu. Ungefähr um 7.30 Uhr erschien der Gras Zeppelin au« südöstlicher Rich­tung und ungefähr um 8 Llbr erfolgte die Lan­dung. die einen sehr glatten Verlauf nahm. Die Landung-mannschast bestand aus zahlreichen Mit­gliedern von Sportvereinen, die schon mehrere Tage vorher eingeübt worden waren. Der An­kunft deS Luftschiffes wohnte u. a. auch der deut­sche Gesandte im Haag. Graf Zech bei. der im Flugzeug eintraf. Dem Führer deS Luftschilles, Kapitän Lehmann, wurden vom Bürgermeister von Enschede Geschenke überreicht, die von den Textilindustrien in Enschede eistenS zu diesem Zweck berge ft eilt worden waren. Hm 8.15 Uhr begaben sich die ungefähr 25 Teilnehmer an der Rundfahrt Twente Rord- d e u l s ch I a n d Z u i d e r f e e .i 0 l t : r dam an Bord. Unter ihnen befanden sich auch Prinzgemahl Heinrich, der Minister für die Landesverteidigung Deckers und der Minister für öffentliche Arbeiten Rehmer. Ungefähr um V.-9 Ahr verließ das Luftschiff unter begeisterten Zurufen der Menge den Flughafen und nahm nordöstlichen Äur« in Richtung auf Deutschland. Heute nachmittag gegen,-6 Llhr wird da« Luft­schiff auf dem Rotterdamer Flughafen erwartet.

bürgerlichen Parteien der gemäßigten Rechten eine entsprechende Aufforderung, die indessen abgelehnt wurde. Damit ist jedoch der Aufmarsch noch keineswegs beendet. Auf der Linken haben die Demokraten, die einstigen Radikaldemo, traten, die den Weg zur Ltaatspartei und natürlich erst recht nicht den zur .Rationalen Einheitsliste" mitgemacht haben, eine eigene Liste aufgestellt, die mit der sozialdemokratischen Lifte verbunden ist. Schließlich erscheinen am äußersten linken Flügel die mit der Sozialistischen Arbeiterpartei zusammengeschlossene kommunistische Opposition und die Kommunisten reinster Observanz.

Also trotz aller Sammlungsbeftrebungen rechts wie links noch immer eine reiche Auswahl: neun Listen suchen das Interesse des Wählers. Aber trotz vieler Reichhaltigkeit wird diesmal die Ent- scheidung den meisten leichtfallen, wenn sie sich klar vor Augen halten, daß es darum geht, einen arbeitswilligen und auch arbeitsfähigen Landtag zu schassen, alsy em Parlament, das auf Grund klarer Mehrhe.tsverhältniffe imstande ist. eine Regierung auf die Deine zu stellen und damit dem jetzigen, längst unerträglich gewor­denen Provisorium ein Ende zu machen. Die das Volk zur Verantwortung beruft, müssen auch in die Lage verletzt werden, die Verantwortung voll und ganz zu übernehmen. Klare Ver­antwortlichkeiten setzen klare Mehr- heitsverhältnisfe voraus, die nur dann geschaffen werden, wenn die Rationalsozialisten und die zur Mitarbeit mit ihnen grundsätzlich be­reiten bürgerlichen Gruppen zusammen im neuen Landtage die Mehrheit erhalten. Roch immer ein weiter Spielraum für persönliches Tempera­ment und weltanschauliche Lieberzeugung. Aber besonnen und seiner Verantwortung bewußt sollte noch einmal jeder Wähler im stillen Kämmerlein mit seinem Gewissen zu Rate gehen, ehe er mor­gen an die Wahlurne tritt und mit feiner Stimm­abgabe mitentfcheidet über Wohl und Wehe unseres über alles geliebten Hessenlandes.

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Die Nominierung Hoovers.

Prohibition und Schuldenproblem im republikanischen Parteiprogramm.

pariser Echo.

Paris, 18.Juni. (WTB Funkspruch.) Die fron- Mischen Tlorgenblättcr beschäftigen sich eingehend mit der Erklärung der Mächte in Lausanne. Das Journal" schreibt, die Reparationskonsercnz sei zu Ende, die Konferenz der wirtschaftlichen Wiederher st ellungdcr Welt beginne. Auch müsse man freimütig zugeben, daß der 'floungplan wirklich tot sei.Volonte" hebt den sympathischen Eindruck hervor, den Reichskanzler von Papcn durch seine Rede und seine privaten Unterhaltungen ge­macht hat, und erklärt, in diesen ersten Verstand- lungstagen in Lausanne zeichne sich ein Wille zur Tat und ein guter Wille der Verständigung ab. Der radikaleQuotidien" schreibt, wird man eines Tages erleben, daß tröst der formalen Vorbehälte Frankreich gezwungen fein werde, feinen Gläubigern Zahlungen zu leisten, ohne von seinem Schuldner Geld bekommen zu haben? Ein Hinweis auf diese nur allzuwahrscheinliche Hypothese genüge, um die ernsten Schwierigkeiten hervorzuheben, mit denen Herriot gegenwärtig zu kämpfen habe.Figaro- erklärt, er befürchte sehr, daß diesmal die Regelung der Reparationen eine vollständige und endgültige sei und daß Frankreich von Deutschland keinen Pfennig mehr erhalten werde.

Kommuniftentumulte in Ludwigshafen.

Ludwigshafen, 25. Juni. (WTB. Funkfpr.) Zu starken Zusammenrottungen von Kom- muniften kam es gestern in der Bismarckstraße und in der Friesenheimer Straße vor dem Lolal der Nationalsozialisten. Auch sonst kam es wiederholt zu Tumulten. Die Ruhe konnte erst nach Mitternacht wiederhergestellt werden. Die Polizei mußte fort­gesetzt tätig sein, um die Ansammlungen zu zer­streuen und entstehende Schlägereien zu schlichten, wobei des öfteren auch vom Gummiknüppel Ge­brauch gemocht werden mußte. Im nördlichen Stadt- teil wurde die Polizei von der erregten Menge mit Psui-Rufen und Beleidigungen, wieBluthunde" ufw., empfangen. Aus einzelnen Fenstern wurde» die Beamten mit Blumentöpfen und Fla- fchen beworfen, wobei drei Beamte leicht ver­legt wurden. Insgesamt wurden 25 Personen fest- genommen.

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Mittelparteien und DTkvp.

Berlin, 17. Juni. (ERB.) Geheimrat Wild­hagen (Leipzig) hatte in einem Telegramm an Dr. Hugenberg die Frage der Zusammenfassung der Mittelparteien und einer Beteiligung der DRVP. an dieser Aktion angeschnitten Aus daS Q(nt- Worttelegramm bat heute Dr. S 0 lf mit folgendem Telegramm ertoiberi .Auf daS Telegramm deS Herrn Geheimrat Wildhagen vom 15. Juni na­mens unseres Arbeitsausschusses antwortete Herr Schmidt (Hannover) unter Wiederholung deS Vorschlages vom 30. März anläßlich der Land­tagswahlen, wonach alle bürgerlichen Re st st im men auf die deutschnatio- naleListevereini gt werden möchten. Liniere Frage ging aber nicht dahin, ob die DAlDP. .eine Verstärkung ihrer Arbeit" begrüßen würde, wie Sie telegraphieren, sondern obdieDAVP. uno ihr Führer bereit wären, anderen bürger­lichen nationalen Gruppen zur gemein­schaftlichen Arbeit die, Hand zu reichen. Muß ich somit aus dem Telegramm des Herrn Schmidt entnehmen, daß die DRVP. und ihr Füh- ter allen Kräften des nationalen Bürgertums, die nicht unter, sondern mit der DRVP. arbeiten möchten, die Hand zur Zusammen­arbeit verweigern?"

Stahlhelm gegen das Llniformverbot der süddeutschen Regierungen.

Berlin, 18. Juni. (ERB. Eigene Meldung.) Die Bundespressestelle des Stahlhelm teilt mit: Der Lan- desverband Baden-Württemberg des Stahl- heims hat gegen das von der badischen Regierung erlassene Uniformverbot schärf st en Protest eingelegt. Er wird mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln gegen das Verbot vorgehen. Wei­ter hat der Landesverband Bayern des Stahl- heims wegen des neuen bayrischen Uniformoerbots ein Telegramm an den Herrn Reichs- Präsidenten und an den Reichsinnenminister gerichtet, in dem er ein Borgehen gegen die Maß- nahmen der bayrischen Staatsregierung wünscht.

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z ftattfinben, jedoch sind zahlreiche i nz e l b e sp rech u n g e n zwischen den leiten­den Ministern vorgesehen Der italienische Außen­minister Grandi wird dem Rcichsaußeckminister

Washington. 17. 3uni. (WTB.) 3m Wei­ßen Hause herrscht unverhohlene Befrie­digung über das gestern nacht angenommene republikanische Parteiprogramm, dessen 3nhalt man als hundertprozentigen Sieg für Hoovers Ansichten bezeichnet. Präsident Hoover selbst hat sich seit Beginn der Chicagoer Verhandlungen von der Außenwelt fast gänzlich abgeschlossen, um nicht in den Partei­kampf hineingezogen zu werden, jedoch verfolgt er mit Spannung den Gang der Ereignisse. Die gestrige sehr bewegte Aussprache über d i e Prohibiti.on hörte er sich im Radio an. Hoover steht aus dem Standpunkt, daß die For­derung auf Aufhebung des Alkoholverbots schwere moralische Schädigungen gehabt haben würde, denn günstigenfalls hätte diese Aus­hebung erst in zwei 3ahren in Kraft gesetzt werden können, inzwischen aber würde das Bewußtsein der bevorstehenden Annullie­rung zu «chaotischen Zuständen geführt haben. Die jetzt beschlossene Fassung, nach der der Bundes­kongreß die Verfassungsänderung gutheißen soll, in der den Einzel st aaten dasRecht zur Regelung des Alkoholvertriebes zu­rückgegeben wird, aber die trocken bleibenden Staaten mit DundeSgewalt schützt, und die W i e- dereinführung der .Flüster"-Knei­pen verhindert, entspricht dem Vorschlag Hoovers und bedeutet weder inhaltlich noch zeit­

leidenschaft gezogen, obwohl diese seit der Uebcr- nahrne der Parteiführung durch Hugenberg nicht mehr an der Verantwortung für die Reichsge­schäfte teilgenommen hatten. Die letzten Landtags­wahlen brachten diesen Gruppen, die vorher noch einschließlich der Staatspartei über 24 Mandate verfügt hatten, ganze 6 Abgeordnete. Wahrlich ein Menetekel, das nicht überleben werden konnte. Man suchte entschlossen die Folgerungen aus der Riederlage zu ziehen, ohne indessen jetzt schon freie Bahn für etwas ganz ReueS zu schaffen. So kam die .Rationale Einheitsliste" zustande, auf der Deutsche Volkspartei. Dolksrechtspartei, Christlichsozialer Volksdienst, Wirtschaflspartei, Staatspartei und ein Teil des Landvolks ihre Kandidaten gesammelt haben. Also vorerst nur eine Einigung bürgerlicher Parteien, aber immerhin ein Schritt zur Einigung des Bürger­tums, die vielleicht der in Aussicht stehende Reichstagswahlkampf in einer neuen Partei brin­gen wird, wenn es gelingt, für die kommende bür­gerliche Sammlung bis dahin schon die ideellen Voraussetzungen zu schaffem

Richt alle bisherigen Parteien zwischen Zen­trum und Rationalsozialiften haben sich diesem Schritt der ..Rationalen Einheitsliste" angeschlos­sen. Wie schon angedeutet, sieht das Hessische Landvolk, einst die stärkste Gruppe auf der Rechten, feine ..Prominenten' auf verschie­denen Kandidatenlisten. Einer seiner markan­testen Führer aus den ersten Zeiten schärfster Opposition gegen das Kabinett Ulrich-Henrich, der Friedberger Beigeordnete Dr. Leucht- gens. hat eine eigene ..Lifte" ausgestellt, um wieder die Bedeutung der Einzelpersönlichkeit ge­genüber den vorherrschenden politischen Mas'en- benxgungen zur Geltung zu bringen. Die Deutschnationalen haben sich an der ..Ra­tionalen Einheitsliste" nicht beteiligt. Sie laben analog der Politik Hugenbergs im preußischen Wahlkampf auch in Hessen in ihrer eigenen Partei den geeigneten Sammelplatz für das na­tionale Bürgertum und richteten an die anderen

lich eine radikale Aenderung, da diese Aenderung von Dreiviertel aller Einzelparlamente, mit je Zweidrittelmehrheit ratifiziert werden muß.Selbst der erste Schritt, die Q3illigung durch Zweidrittel­mehrheit beider Häuser des Dundeskongresses, dürfte geraume Zeit in Anspruch nehmen, da im gegenwärtigen Kongreß bisher sämtliche Anträge auf Milderung des Alkoholverbotes nicht einmal die einfache Mehrheit erhielten.

Als weiteren Erfolg bucht man im Weißen Hause die Richterwähnung der Repa- rationenundalliiertenKriegsschul- ben. Wie hier in der letzten Woche gemeldet wurde, wünscht Hoover die Lausanner Verhand­lungen möglichst nicht zu behindern. Weiter möchte er bezüglich der Verhandlungen mit den Alliier­ten auf Grund der Lausanner Ergebnisse freie Handhaben. Deswegen wurden Staatssekre­tär S t i m s 0 n und Finanzminister Mills nach Chicago entsandt mit dem Auftrag, die Ausnahme der letztjährigen Resolution des Kongresses gegen die Herabsetzung der Kriegsschulden im Partei­programm zu verhindern. 'Allerdings wurde als Gegenleistung darauf verzichtet, Hoover SM 0 - ratorium als weltrettende Tat zu preisen. Man entschloß sich, diese Frage ganz uner­wähnt zu lassen und sie dadurch von den bisherigen Fesseln zu befreien sowie aus dem Gebiet der Parteipolitik herauszunehmem

7.13"

52.« >

12.4« |

Aus zur Heffenwahl!

Der Hessische Landtag, der aus den Wahlen vom 15. November vorigen Jahre» hervorgegangen war, trug nicht die Züge großer Langlebigkeit an der Stirn. Die Mehrheit für die feit den Tagen des Umsturzes herrschende Regierung der Weimarer Koalition war zwar zerbrochen, aber auch die Opposition hatte im neuen Parlament von sich aus keine Mehrheit. Wenn auch die Nationalsozialisten damals schon mit 27 Mandaten zur weitaus stärksten Partei angewachsen waren, bot sich doch für die bis- hörige Opposition allein keine Möglichkeit, eine Re- aierung zu bilden, da die Nationalsozialisten ihren Damaligen Erfolg fast ausschließlich auf Kosten der bürgerlichen Parteien davongetragen hatten, die in den früheren Landtagen schon in heftigem Kampf gegen die Regierung gestanden hatten. Eine Regie­rung, die sich auf eine feste Mehrheit im Parlament stützte, konnte also nur zustande kommen, wenn es gelang, eine Brücke zwischen Zentrum und Nationalsozialisten zu schlagen. Der Versuch dazu ist gemacht worden. Beide Parteien haben programmatische Erklärungen ausgetauscht, die ;war nicht grade von überwältigender Zuneigung zeugten, aber immerhin sachlich genug waren, um bei ernstem Willen auf beiden Seiten Verhandlun­gen und schließlich auch eine Probeehe zu ermöglichen. Dabei spielte die Frage des Staatspräsidenten eine Rolle, die Nationalsozialisten wollten für diesen einzigen politischen Posten (die andern Minister sollten nach ihmn Vorschlag künftig fortfallen) einen der ihrigen präsentieren, während das Zentrum eine neutrale unpolitische Persönlichkeit vorgezogen hätte. Aber in der Hauptsache scheiterte Vas Zusammen- kommen doch an der verschiedenen Einstellung der beiden Parteien zur Reichspolitik. Die Na­tionalsozialisten standen zum damaligen Reichs­kabinett in schärfster Opposition und forderten auch für Hessens Vertreter im Reichsrat eine entsprechende Instruktion, während das Zentrum von der un­bedingten Unterstützung des aus ihren Reihen her- vorgegangenen Kanzlers jede Beteiligung an einer Koalitionsregierung der Rechten abhängig machte.

So blieb also die neue große Tiaffenpartei der Rechten trotz eines beispiellosen Wahlsieges und des damit ganz eindeutig zum Ausdruck gebrachten Volkswillens auch weiter von der Verantwortung ferngeholten zum schweren Schaden von Land und Volk. Denn das nun schon mehr als ein halbes Jahr dauernde Interregnum eines geschäftsführen­den Kabinetts konnte in allen Zweigen des öffent­lichen Lebens, wie alle unklaren Verhältnisse und halben Maßnahmen, nur von denkbar ungünstiger Rückwirkung sein auf Staatsautorität und Staats­moral in allen Zweigen des politischen Lebens. Das neugemahlte Parlament jedoch war, da jede Grund­lage für positive Arbeit, das Zusammenwirken von Regierung und Landtag, fehlte, dazu degradiert, die Plattform für Agitation und Propaganda abzu- !leben. Man wird angesichts der wahrhaft nieder- chmetternden Bilanz dieser Landtagsperiode doch em Zentrum die ernste Frage vorlegen müssen, ob es im Sinne einer staatserhaltenden Politik lag, diese verhäiianisvollen und noch unabsehbaren Fol­gen seiner Enthaltsamkeit mit in Kauf zu nehmen, um eine Bewegung von der verantwortlichen Mit­arbeit im Staate auszuschließen, unter deren Fahne sich damals schon mehr als ein Drittel, heute in ein­zelnen Ländern mehr als die Hälfte der Bevölkerung gesammelt hat. Daß das Zentrum auch heute, wo es keine Rücksicht mehr zu nehmen hat auf die von ihm nicht mehr beeinflußte Reichspolitik, keine Nei­gung zeigt, feine Politik gegenüber dem National­sozialismus zu ändern, sieht man in Preußen, Bayern und andern Ländern, wo ebenfalls bislang wenigstens keine Verständigung versucht, geschweige denn zustande gebracht wurde. Damit versagt sich das Zentrum einer im hohen Sinne staatserhalten- den und konservativen Aufgabe, dem Nationalsozia­lismus den Ucbergang von der radikalen Opposition zur verantwortungsbewußten Mitarbeit zu erleich­tern, einer Aufgabe, die dasselbe Zentrum einst willig übernommen hat, als es galt, in den letzten Kriegsjahren die Sozialdemokratie an den Staat heranzuführen.

Dem Rationalsozialismus bleibt allo nichts anderes übrig, als weiterzukämpsen bis er allein oder gemeinsam mit zur Zusammenarbeit mit ihm bereiten Gruppen der bürgerlichen Mitte und Rechten die absolute Mehrheit im Parlament errungen hat. das Zentrum also zur Regierungs­bildung nicht mehr braucht. Darum geht es für die nationalsozialistische Bewegung in diesem Wahlkampf, den zu erzwingen sie aber aus sich heraus ohne Hilfe anderer Parteien nicht die Möglichkeit hatte. Deshalb fiel ihr die Hngültig- keitserklärung der letzten Landtagswahl durch den Staatsgerichtshof, so überraschend sie für sie selbst wie für daS ganze Land kam, wie ein Geschenk in den Schoß. Aber auch dem Zentrum und den Sozialdemokraten, die sich offenbar auf ein mehrjähriges Interregnum des geschäftsfüh­renden Kabinetts AdelungKirnverger eingerich­tet und den Spruch des Staatsgerichlshofs sicher nicht begrüßt hatten, kam unverhofft Wahlhilfe. Der Sturz des Kabinetts Brüning entließ das Zentrum aus der Verantwortung für die in der Periode der Rotverordnungen besonders unpopu­läre Reichspolitil und die Sozialdemokraten, denen der Kanzler harte Opfer zugemutet hatte, kehrten mit einem hörbaren Aufatmen der Erleichterung in die Opposition -urück. Beide haben trotz der Kürze der Zeit, diese neue Chance nach Kräften ausgenützt.

Auch im Raum zwischen dem Zentrum und den Nationalsozialisten ist es nicht still geblieben. Die letzten Wahlkämpfe mit dem gewaltigen Anschwel- len der nationalsozialistischen Bewegung haben die bürgerlichen Parteien der gemäßigten Rechten jerrieben und auch die Deutschnationalen in Mit»

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Die Chancen btr ihr. I ) uber bin Hausen ®?[n I 1,8 "«änderte cituatio: I «einen Seite bebauen I Ä ft005 Mrai I Tut habet 1(1. meil nL I eher an einer verletzun. I WannidiQft werden bc I Einträchtig,, -ilubccdcn. 1 ?nVmmer iel>r oliv I E T°r noch ist Lip-I doch eigentlich mit t -1 rnnben js, als es 8ui-1 ^(Christ spielt erftbasl Blauweißen.)

Jen ßeilmannr, so ist bn I "ussall Seipels b | r doch noch mit an. Der I zum Borteil gereiche?, I i|t bestimm, nicht schick I Ionier Techniker, aber <i I daß er eben nicht hart I innschaftsteil ist die Ber-1 Leutheuser, während bei I >eihe des hervorragend I . Obwohl sich Knau; -1 hnct entwickelt hat, I und geschickt zu manij^J r in der Läuferreihe b.l Gegner. Die Stürme b.. I i solchen Lokaltressen irr I e Blatter und man uv! I nzahl verpaßter Telegen-1 jnöAus"schüsse verlasici 1 t es will: das Gießener I sich nrchr nehmen Imin, I Rahmen zu veifchaffcn. 1

DQtlcl man eo ipso, dch I fetzen, nicht nur, um V. I sondern auch, um d 1 j 'ein Mallfpiel ist. 1 jiel nicht bringen.

- Sp.-Äg. 1900. bereits einen Klublci-? I nun auch die Jugendlich«» auf den Plan. Der M unq hat die in 5*1 ifte geltende leichtotblenI SSO auf eigenem W JI werden sich in diesem ^ -1 -eite her zeigen m I Vlüngerl'^^I e Wettkämpfe vor. I 0 M Mer, I M lislustötffen, w ßeter, ®ciifpn'n9. W

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ttr. M Erstes Blaff 182. Jahrgang Samstag, 18. Zunt 1052

^Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhefsen