nete seien mit gekreuzten Hänben verhaftet aus dem Saal geführt worden. Mit Entrüstung protestiert die Fraktion insbesondere dagegen, daß der Erste Vizepräsident des bayerischen Landtages, der nationalsozialistische Ab- geordnete Schwede mit besonders roher Gewalt unter Stößen und Püffen zu dem Ausgang befördert worden sei. DieVational- sozialisten hätten in keiner Weise die Absicht gehabt, die Ruhe und Ordnung des Hauses zu stören. Sie wollten lediglich von dem durch die Aufhebung des Aniformverbotes für das ganze Reichsgebiet ihnen zustehenden Recht, das Braunhemd zu trägen, Gebrauch machen. Tie Fraktion habe wegen der Ausschließung Berufung an den Landtag und gleichzeitig Klage zum bayerischen Staatsgerichtshof wegen Verfassungsbruches erhoben.
Oie RGOAp. protestiert beim Reichspräsidenten.
München, 17. Juni. (ERB.) Die RSDAP. hat an den Reichspräsidenten und an den Reichsinnenminister folgende Telegramme gesandt: Die Reichsleitung der RSDAP. erhebt schärfsten Protest gegen die Versuche der bayerischen und badischen Staatsregierung, i m Verordnungswege die in der politischen Rotverocdnung des Herrn Reichspräsidenten vom 14. Juni 1932 erfolgte Aufhebung d e s 11 n i- formverbotes zu sabotieren. Die Partei erblicke, so wird weiter gesagt, in diesen Maßnahmen eine Fortsetzung jener Verfolgungskampagne, die verfassungswidrig sei und durch den Reichspräsidenten durch den Erlaß der letzten Rotverordnung im Interesse des deutschen Volkes habe beendet werden sollen. Die Reichsleitung der RSDAP. fordert die sofortige reichsaufsichtliche Aufhebung dieser neuerlichen durch Bayern und Baden erlassenen Uniforrnverbote.
Stabschef Röhm erklärte, es könne kein Zweifel darüber bestehen, daß mit der Aufhebung des SA.-Derbots auch das bayerische -Uniform- und Aufmarschverbot aufgehoben worden sei. Die Reichsverordnung stellt grundsätzlich die Demonstrationsfreiheit, damit also auch Auszüge und Propagandafahrten in vollem Umfange wieder her. Infolgedessen steht die amtliche bayerische Auffassung, als bleibe das Totalaufmarschverbot der bayerischen Regierung davon unberührt, inkrassemWiderspruch zum Willen der Reichsregierung. Cs wird nun Sache der Reichsregierung sein, ihren Standpunkt gegenüber derartigen Durchkreuzungsversuchen bayerischer oder anderer Regierungsbehörden zur Geltung zu bringen. lieber die Reuorganisatkon der SA. und SS. äußerte sich Röhm dahin, daß der bisherige Organisationsaufbau in den Grundzügen übernorn- men werde. Die oberste SA.-Führung werde ausgebaut. Da damit zu rechnen sei, daß in der nächsten Zeit die Stärke der SA. durch Reuzugänge k? bedeutend zu nehmen werde, sei auch eine entsprechende Vermehrung der Formatio- nen vorgesehen. Die Dienstvorschriften werden k- demnächst in neuer Form erscheinen.
■ Das Reichsbanner
f stellt die Schufo erneut auf.
Berlin, 17.Juni. (CNB.) Die Bundesleitung «es Reichsbanners hat die N e u a u f ft e l l u n g de S ch u tz f o r m a t i o n e n angcordnet. Bis zum 25. Juni müsse überall im Reich der Stand l>om -I3. März 1932 wiederhergestellt und jede For- n.gation zur Uebernahme neuer Aufgaben bereit sein. 5)Be crm 8. Mai angeordnete Mitgliedersperre wurde mA-stU>oben. In einem Aufruf des Reichsbanners cs u. a.: „Wir sind und bleiben Gegner jeder Art von Privatarmeen. Unser Ziel war und bleibt: Die Autorität der deutschen Republik nach außen und iinnen zu stärken und zu festigen. Wir nehmen alle Mochte in Anspruch, die irgendeiner anderen politischen Gruppe gegeben werden." Der Aufruf schiebt der Reichsregierung die Verantwortung für alle Gefahren zu, die die Aufhebung des SA.-Ver- . botes mit sich bringen könnte.
’ Aus meinem fröhlichen Rucksack.
Von Peter Purzelbaum.
Line Regenpartie und die vier Temperamente.
Der Melancholiker: „Aller Jammer und nichts V wie Unheil sind mir schon in die Wiege gelegt wor- den. Selbstverständlich gießt es, wenn ich etwas oorhabe."
Der Sanguiniker: „Quatsch! Du hast ja gar keine Ahnung, wie schön so ein Regen ift: Jeber Tropfen ein Diamant — und dann das viele Geld, das man spart, weil man nun nicht mehr zu baden braucht."
Der Choleriker: „So eine Gemeinheit! Ich möchte Euch allen eine 'runter hauen, weil Ihr, als die Sonne schien, so lange getrödelt habt, bis dieser Regenguß gekommen ist!"
Der Phlegmatiker: „Laß man, Wilhelm — einmal wird ja das Gepladder aufhören."
Zweifel.
Das dreijährige Mariechen fährt mit ihren Eltern zum ersten Male im Schlafwagen. Da ihr die Umstände ungewohnt, will fie trotz allen Versicherungen und Versprechungen nicht einschlafen. „Papa, bist du da? Mama, bist du da?" fragt sie andauernd, und mit rührender Engelgeduld antworten die Eltern dann jedesmal:
„Ja, mein Liebling, wir sind da — schlaf' recht schön, der liebe Gott wacht und behütet dich."
Als Mariechen nun zum hundertsten Male quakt: „Papa, bist du da? Mama, bist du da?" ertönt plötzlich eine sonore Stimme im Nachbarabteil:
„Zum Donnerwetter noch mal! Papa ist da, Mama ist da, Onkel und Tante sind auch da ... und jetzt halt endlich die Klappe!"
Einen Augenblick tiefes Schweigen. Dann Ma- riechens Stimme:
„Mama — war das der liebe Gott?"
Wenn die Bremsen versagen.
Im Aussichtswagen der Bergbahn saß eine Dame. Anscheinend war sie etwas ängstlich, denn immer wieder fragte sie den Begleitschaffner:
„Ist das hier auch wirklich sicher?"
„Seien Sie ganz unbesorgt, liebe Frau, der Zug hat eine starke Luftdruckbremse."
„Aber wenn die mal versagt? Was dann?
„Dann sind in allen Wagen Handbremsen vorhanden."
Gegenrevolution in Chile.
Oie sozialistische Regierung von Bürgerlichen gestürzt. — Kommunistische Unruhen befürchtet.
R e u h o r k, 17. Juni. (211.) Rach amerikanischen Dlätterrneldungen aus Santiago de Chile ist dort am Donnerstagabend eine Gegenrevolution ausgebrochen. Der Aufstand begann, als eine Offiziersabordnung den Regierungspalast betrat, um den Regierungschef Grove zu sprechen. Grove hatte das Regierungsgebäude bereits vorher mit Maschinenge- wchrabteilungen, Kavallerie und Infanterie besetzen lassen. Als Infanterie arcs San Bernardo in Santiago eintraf, kam es zu den ersten blutigen Zusammenstößen. Gegen Mitternacht machte die Stadt den Eindruck eines Kampffeldes. Maschinengewehrgeknatter versetzte die Bevölkerung in große Aufregung. Zahlreiche Leuchtkugeln wurden abgeschossen. Durch die Straßen zogen große Kommuni st entrupps, ohne daß sich feststellen ließ, ob sie für oder gegen die Regierung eintreten. Truppen aus Rord- und Südchile sind im Anmarsch. Der Hauptangriff auf die Stadt wird aus Süden erwartet. Es heißt, daß Teile der Garnison vonSan- tiago zu den Aufständischen übergegangen seien. Die direkte Rachrichtenmitteilung ist unterbrochen. Weitere Meldungen kommen nur noch telephonisch über Buenos Aires. Rach einer dieser Meldungen soll die Junta mit Grove an der Spitze bereits zurückgetreten fein.
Die bürgerlichen Gegenrevolutionäre standen unter der Führung von Ibanez
und Montero. Ihre Truppen hatten unter dem Befehl des Generals Saenz den Regierungspalgst umstellt und erobert. Eine Gruppe von Offizieren sei in das Innere eingedrungen und habe O b e r st Grove verhaftet. Der General Bravo habe der sozialistischen Junta ein Ultimatum gestellt, worauf diese zurücktrat. Die Truppen der sozialistischen Junta, die in Stärke von rund 1000 Mann den Palast bewachten, hätten in> Laufe der Kämpfe größtenteils ihre Posten verlassen, so daß zuletzt nur noch 80 Mann übrig waren, die auf die Nachricht von dem Rücktritt ihrer» Führer den Kampf aufgegeben hätten. Die Führer der früheren Junta wurden gefangengesetzt. Die Führer der Gegenrevolution, die übrigens trotz zahlreicher Schießereien ziemlich unblutig verlief, erklären, das Hauptziel der neuen Junta fei die schärfste B e - kämpfung des Kommunismus sowie die Entpolitisierung des Heeres .
In Buenos Aires betrachtet man die Lage in Chile als noch völlig ungeklärt. Eine weitere verstärkte Tätigkeit der Kommunisten mit dem Ziel der Errichtung eines Sowjetstaates wird vorausgesagt. Die jetzige Regierung wurde voraussichtlich unfähig sein, die wirtschaftliche Lage des Landes zu verbessern und die Kupfer- und Salpeterpreise zu erhöhen. Unter diesen Umständen dürfe die heutige Revolution als Vorgängerin unheilvoller Ereignisse anzusehen sein.
Sechs Jahre schweren Kerkers für Matuschka.
Wien, 17. Juni. (TU.) Den Höhepunkt der heutigen Aussagen bildet die Vernehmung von F r a u M a t u s ch k a, die in atemloser Stille des Publikums vorgerufen wird. Sicher und gefaßt tritt sie vor den Richtertifch. Sie erzählt, wie fia Matuschka kennengelernt hat und schildert seine Eltern. Die weitere Zeugenaussage dreht sich hauptsächlich um die angeblichen Erfindungen ihres Mannes. Sie erzählt von einem Zusammentreffen, das Matuschka als sie mit ihm am Plattensee weilte, mit einem Telepathen namens Leo gehabt hat. Er hätte auch einmal erklärt, er werde diesen Leo im Leben nie vergessen. Er besucht auch gern und oft Hypnotiseur-Vorstellungen. Matuschka, der bisher ziemlich interesselos der Vernehmung zugehört hat, springt plötzlich auf und macht seiner Frau eine Liebeserklärung: „Du warst die Erste, die mich geliebt hat", .sagt er, „nur Du allein bist auch heute noch in meinem Herzen. Das soll die ganze Welt wissen." Er ergreift ihre Rechte, die er küßt, worauf sie ihm mit der Hand weinend über das Gesicht streicht. Frauen im Zuschauerraum weinen. Der Gerichtshof hindert entgegen aller Gepflogenheit diesen Abschied nicht.
Nach dem Verlassen des Gerichtssaales erlitt Frau Matuschka einen Ohnmachtsanfall. Sie wurde im Geschworenenzimmer von Aerzten mit herzstärkenden Mitteln behandelt. Bei Wiederaufnahme der Verhandlungen zeigte der Vorsitzende Bilder, die Matuschka in der Haft angefertigt hat und verlas Bruchstücke aus einem Tonfilm- manuftript des Angeklagten. Die psychiatrischen Sachverständigen erklärten, daß Matuschka ein vollkommen gesunder Simulant sei. Bei den angeblichen Geisterscheinungen handele es sich nicht um Halluzinationen. Auf die Frage der Verteidigung, ob M. bei Ansbach i n einem magischen Zustand gehandelt habe, wurde von den Sachverständigen mit voller Sicherheit verneint.
Der Staatsanwalt führte in seinem Plai- doyer aus, die Triebfeder bei den Taten Matusch- kas seien großes materielles Interesse und unleugbare Sensationsgier gewesen. Er schilderte Matuschka als Schieber der
Nachkriegszeit, der als Jnflationshyäne nach Wien kam und hier Häuser kaufte in Erwartung von Zinserhöhungen. Vielleicht wäre Matuschka kein Attentäter geworden, wenn er weiter materielle Erfolge gehabt hätte. Der Staatsanwalt ersuchte, eine entsprechende Strafe ohne Rücksicht auf diejenige zu verhängen, die Matuschka in Ungarn er- warte.
Der Verteidiger führte aus, daß man Mastcschkas Tat nur mit G e i st e s k r a n k h e i t erklären könne. In diesem Sinne schließt er mit den Worten: „An die Seite Matuschkas gehört der Arzt und nicht der Gefängniswärter." Dann trat Matuschka neuer- lief) an die Barriere und beteuerte: „Hoher Gerichts- Hof! Das ist Wahrheit, was ich gesagt habe!" — Der Gerichtshof zog sich darauf zur Ürteilsverkün- düng zurück.
Ilm 20.20 Uhr verkündete das Gericht das Urteil. Matuschka erhält sechs Jahre schweren Kerker, verschärft durch einenFast- tag undhartesLageran jedem 31. Dezem- ber und 30. Januar. Rach abgebützter Strafe wird er des Landes verwiesen. Die Prozeßkosten hat er zu ersehen, sowie einen Schadenersatz in Höhe von 4199 Schilling 72 Groschen an die österreichische Bundesbahn zu zahlen.
Zur Begründung führt der Vorsitzende u. a. aus: Matuschka habe seine Handlungen zweifellos vorsätzlich verübt. Er selbst habe zugegeben, daß es ihm auf xtoei oder drei Tote nicht angekommen sei. Das Ängeheuerliche seiner Tat verleite zur Annahme einer Unzurechnungsfähigkeit, doch widerspreche dem das klcre v'nd eindeutige Gutachten der Sachverständigen. M. sei mit großem Raffinement bei der Veruschu.ng und der Spuren- verwischung zu Werke gegangen. Das Gericht vertrete ebenso wie die Psychiater den Standpunkt, daß er simuliere. Das Motiv feiner Taten fei zweifellos ein materielles. Er habe durch feine Anschläge die Eisenbahnen veranlassen wollen, seine Erfindung zur Verhütung von Eifenbahnunfällen zu kaufen. Erschwerend für die Beurteilung sei die Wiederholung der Attentate. Das Geständnis, die Unbescholtenheit und der Umstand, daß bei den Ansbacher Attentaten, die allein zur Anklage stünden, keine Verletzten vorhanden ge-
„Aber wenn die ebenfalls versagen? Was dann?" „Ja, liebe Frau," sagte der Schaffner, „dann kommt es ganz darauf an, was für ein Leben Sie bisher geführt haben."
Die komische Kirche.
Settfeld liegt in Franken, ist ein reizender, kleiner Flecken und besitzt eine recht hübsche, allerdings nicht gerade große Kirche.
Ein durchreisendes Auto hatte in Settfeld Panne. Während der Schaden in einer Schmiede behoben wurde, besah sich — da er nichts besseres zu tun wußte — der Autobesitzer den Ort und kam dabei auch natürlich zu jener Kirche.
Er hielt einen Settfelder Bürger an.
„Sagen Sie mal, ist denn Ihre Kirche nicht viel zu klein für den Ort?"
„Na, Herr," gab der Mann zur Antwort, „zu kloa is sie net. Dös is nämlich aa komische Kerch. Schaun's: gehn's alle nei, dann gehn's net alle nei und gehn's net alle nei, dann gehn's alle nei — es gehn's aber net alle nei."
Tanke Agathe bei Tukanchamon.
Tante Agathe hatte in der Lotterie gewonnen und war mit einer Reisegesellschaft nach Aegypten gefahren. Sie wollte sich, wie sie meinte, auf ihre alten Tage noch einen Jugendwunsch erfüllen
So kam sie mit der Reiseherde auch nach Kairo und bestaunte pflichtschuldigst die im dortigen Museum bewahrten Schätze, die jüngst ausgegraben wurden.
Der Führer erklärte, daß jene Goldarbeiten und bte anderen Slücke, die in den Glaskästen lägen, über fünftausend Jahre alt wären.
„Wunderbar!" meinte Tante Agathe. „Wunderbar! Und wie sich das alles gehalten hat! Besonders der Samt!"
Die Wog.
3n der Bahnhofshalle steht eine automatische Waage. Der Vater geht mit dem kleinen Karlchen daran vorüber., Da sagt Karlchen:
„Kieck, Vater — die schöne Wog!"
„Karlchen," sagt der Vater, „das heißt nicht Wog, sondern Waage."
„Ach, Vater, roaag mich mal!"
„Das heißt nicht, roaag mich mal, sondern wiege mich mal," verbessert der Vater.
Underdessen ist Karlchen auf die Platte geklettert, der Vater hat einen Groschen in den Schlitz ge- steckt, und nun sagt der Junge:
„Ach, Vater, das war fein gewiegt."
„Das heißt nicht gewiegt, sondern gewogen — merk dir.das, Karlchen!"
„Kiek, Vater — da hinten steht schon wieder eine Wog."
Oie Krise.
Von Marie Amelie Freim von Godin.
Ich nachtmahle im Hofbräuhaus, in der Schwemme, d. h. also zu ebener Erde, in dem köstlichen Gewölbe, mit den vielen ungedeckten Holztischen und den lehnenlosen Bänken, wo die Gäste sich selber die bewappelten Bierkrügel vom Faß holen, und, wenn der Durst nach einer zweiten Maß verlangt, vor dem Neuauffüllen am Brunnen aus- schwaiben gehen, dort, wo ehedem brüderlich des Königs Oberzeremonienmeister neben dem Droschkenkutscher saß und mit ihm Lebensweisheit tauschte.
Neben mir sitzt ein Dienstmann — Packträger nennt man den hierzulande. Ich erkenne ihn an der Messingschildkappe. Nr. 17 ist's, den hab ich schon oft an der Hauptpost auf Kundschaft warten sehen.
Ich bestelle Salami.
Die Kellnerin bringt eine Riesenplatte voll der appetitlichen schwarzroten Wurstscheibchen daher.
Nein, so viel werde ich allein nicht futtern können.
Ich sehe mich nach Hilfe um.
Der Dienstmann nebenan will Leberknödel essen. Gerade bekömmt er die dampfende Schüssel mit sechs Riesenknödeln drin.
„Sie, Herr Nachbar", sage ich, „machen wir einen Handel. Sie geben mir zwei Knödel, und ich geb’ Ihnen die Hälfte von mei'm Salami?"
Der Nachbar ist höchst einverstanden, und wir kommen ins Gespräch.
„Wie geht denn nacha 's Geschäft?" erkundige ich mich. -
„O mei!" sagt er, „schlecht halt, ganz miferabüg, was geht denn gut in dera breefaten Zeit? Dös is was, heutigentags! An ganzen Tag stehst rum, wie stch's ghört, aber fana will dir mehr an Packträger haben. Die allermehran schleppen dir ihra Sach selber ober schiabns auf am Karin baher, baß 's a Schanb is. Unb was a Liebespaar is, mit bene is a nimmer ber Reb jpert. Balls nix habn, nacha telephonierns, habn 's was, nacha wollns aufbrahn! Wenn bene nur a Markt im Sack bimmelt, is ihnen der Packträger nimmt» gut gnug!"
wesen seien, sowie seine psychopatische VAnöev» Wertigkeit und die Bereitwilligkeit zur Schadens« gutmachung wurden als strafmildernd angenommen. Die Gefährlichkeit dieses Individuums ließen einen weiteren Aufenthalt in Oesterreich nicht angebracht erscheinen.
Aufrufe an E>A.,E>G. und Hitlerjugend.
München, 17. Juni. (TU.) Der Chef des Stabes der SA., Hauptmann a. D. Röhm, erläßt einen Aufruf, in dem er u. a. mitteilt, daß er durch das Vertrauen Adolf Hitlers wieder als Chef des Stabes berufen und mit der Reu« auf stellung der SA.° und SS. - Glieder u n g e n b,e a u f t r a g t worden sei. In dem Aufruf heißt es' dann weiter: „Die Braune Front steht wieder. Voll Hoffnung und Vertrauen blicken Millionen der besten Deutschen auf Euch. Wahrt das Vermächtnis Eurer toten Kameraden. Euer Opfermut, Eure Treue zum Führer und Eure Disziplin, seit Jahren bewährt, verbürgen den Sieg und dieser Sieg wird Deutschlands Schicksal entscheiden. Die alten Stürme, Sturmbanner und Standarten, marschieren." —
Auch der ReichsführerderSS., Himmle r, gibt in einem Aufruf seine Wiederbetrau- ung bekannt und ruft den Leuten der Schutzstaffeln zu: ..SS.-Mann, deine Ehre heißt Treue." Weiter erläßt der Chef des Kraftfahr« wesens der SA. und stellvertretende Korpsführer Hühnlein einen Aufruf, worin das nationalsozialistische Kraftfahrerkorps und die Motorstürme und Staffeln der SA. und SS. zu neuem Einsatz aufgefordert werden. Endlich erläßt noch der Reichsjugendführer Baldur von S ch i r a ch einen Aufruf an die Hitlerjugend, worin es heißt: „Das Verbot der Hitlerjugend ist gefallen, weil es unmöglich war, den Geist dieser Jugend zu verbieten. Hitlerjugend marschiert! Für den deutschen Sozialismus! Für Blut und Ehre der werdenden Ration I"
Buntes Allerlei.
Oie Stadt im Bahnhof.
Der älteste Bahnhof des europäischen Kontinentes, die Gare St. Lazare in Paris, ist durchaus nicht rückständig, sondern hat sich jetzt ein eigenes Kino zugelegt, in dem Vorstellungen ununterbrochen von elf llhr vormittags bis Mitternacht stattfinden und die Reifenden, die auf ihren Zug warten müssen, sich die Langeweile vertreiben können. Dafür, daß sie ihren Zug nicht versäumen, ist gesorgt, denn mitten im Film taucht plötzlich eine leuchtende Schrift auf, die mit der höflichen Bitte um Verzeihung für die Störung ankündigt, daß der Zug 5.16 Uhr nach Dieppe in fünf Minuten abgeht oder daß der Schnellzug nach London eben eingelaufen ist. Eine Eigenart dieses Bahnhofkinos ist auch die sich selbst öffnende Tür. Sobald man an eine der Türen des Kinos auf eine Entfernung von vier Fuß herantritt, öffnet sie sich automatisch, da der Körper eine elektrische Vorrichtung ausgelöst hat. Doch nicht nur im Kino erfährt man zur rechten Zeit, wann man abfahren muß, sondern auch Lautsprecher verkünden mit weithin tönender Stimme die Abfahrtzeiten in französischer und englischer Sprache. Ueberhaupt ist für den Reisenden auf diesem Bahnhof, der eine kleine Stadt für sich darstellt, in jeder erdenklichen Weise gesorgt. Man kann zu jeder Tages- und Rachtzeit in dem Bankbureau einen Scheck vorlegen, man kann Besorgungen machen, da die elegantesten Pariser Geschäfte hier Auslagen haben, in denen man die neuesten Toiletten und Hüte, Pelze und Schmuckfachen, Schuhe und Schönheitsmittel bewundern darf. Wer Zahnschmerzen hat, -findet einen Zahnarzt, der ihn rasch von dem Quälgeist befreit; wer seine Augen untersuchen lassen will, kann den hier praktizierenden Augenarzt besuchen. Alle möglichen Dinge kann man hier cin- kaufen, ebensogut Kaviar wie eine Mausefalle. Damen finden die beste Bedienung in einem eleganten Frisiersalon; man kann ein Diner von zehn Gängen einnehmen und die Rächt im einem bequemen Bett verbringen. Auch für den, der sich seine Kleider reinigen lassen, seine Schuhe aus- bessern oder Besuchskarten drucken lassen will, ist gesorgt.
Er seufzt, unb bann sagt er voll Hohn: „An roten Radler schickens umananb mit ihrana Siebes« bofumenter. An roten Radler! I kann an meiner Ecken derweil die Haxen in ’n Boden wachsen lassen un berf froh sein, ball i um zwölf amal gnug beinanber hab für bie Halbe beim Franziskaner. Na, bös is nix mehr auf dera Welt!"
Oer Affenmensch von Java - eine Iran
Der sogenannte Affenmensch von Java, ber von dem niederländischen Gelehrten Dr. Dubois 1892 entdeckt wurde unb als „Pithecanthropus ereclus" in bie Wissenschaft eingeführt wurde, hat für die Erforschung der vorgeschichtlichen Menschenrassen eine große Bedeutung besessen unb spielt noch immer in ben Versuchen, den Stammbaum des Menschen in seiner vorgeschichtlichen Entwicklung feft- zustellen, eine wichtige Rolle. Soviel sich auch die Gelehrten mit dieser affenähnlichen, rundschultri« gen und langarmigen Erscheinung beschäftigt und so genau sie die Einzelheiten des Fundes nachgeprüft haben, so hatte man doch bisher diesen Ur- ahnen des Menschengeschlechtes stets für ein männliches Wesen gehalten. Nun aber tritt der bekannte Anthropologe Dr. Alexander Hrdlicka, der eine neue und sehr eingehende Untersuchung ber Ueberrefte vorgenommen hat, mit ber Behauptung hervor, daß „bie Schäbelbecke bes Affenmenschen von Java deutlich anzeigt, baß bieses Jnbivibuum weiblichen Geschlechtes war unb in mittleren Jahren gewesen sein muß." Es ist also eine Stamm-Mutter der Menschheit, bie wir hier vor uns haben, unb zwar eine recht stattliche, benn bie Körpergröße muß sich nach ben Berechnungen Hrblickas auf 165 Zentimeter belaufen haben. Der Gelehrte geht aber nicht so weit, zu behaupten, baß biefe „Affenmenschin" etwa Abams Schwiegermutter gewesen sei, benn sie lebte auf Erben etwa 500 000 Jahre ober noch mehr, bevor bas Parabies blühte unb grünte. Eine Newyorker Zeitung bemerkt dazu philosophisch: „Abam hatte gewiß feine Kümmernisse, aber biefe vorgeschichtliche alte Dame gehörte nicht zu ben Sorgen, bie ihn bebrüeften/ Hrblicka glaubt, baß biefe ferne Urahnin ber Menschenrasse von einem Krokobil getötet wurde, denn bie Spuren von ben Zähnen eines solchen Tieres lassen sich noch am Schenkel erkennen.


