Ausgabe 
18.6.1932 Frühausgabe
 
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Samstag, 18. Juni (952

(82. Zahrgang

nr.(4( Srübausgabe

Nachmittagssitzung sprachen dann (Japan). Dentin ('Belgien),

In der

u^enminifter *21 u ft r a l i e n s, der Finanzmini-

Blick auf die Reparationskonferenz in Lausanne; im Hintergrund links die deutschen Vertreter.

Wiesbaden

Wnlilerftaßr 6

noch der

in b.M

versöhnlichen Ton und die offenbaren Begebungen, ju einer vernünftigen (Einigung ju gelangen, offen­sichtlich sehr günffig beeindruckt. Man be­achtet besonders die rein sachliche Art der Verhand­lungen zwischen den Führern der deutschen und alliierten Delegationen. Man weift daraus hin, bah Hoover auf der Pressekonferenz im vergangenen November die Bedingungen barlegte, unter denen Amerika mit Europa über die Frage der Kriegsschulden verhandeln könne. Erstens individuelle Anträge der Schuldncrregie- rungen, zweitens Prüfung der Zahlungs­fähigkeit de» betreffenden Schuldnerstaates. Man gibt der optimistischen Aussasiung Ausdruck, bah sich auf diesem Dege ein gütliche» Kompromiß werde schließen lassen.

die einen auf Kosten der anderen b e - günstigen.

; Gehen LudtchsiraßeN :

Lausanne, 17. 3uni. (TU. Funkspruch.) In Konscrenzkreisen besteht übereinstimmend der Eindruck, daß die französische Regierung ihre Zustimmung zu jeder endgültigen Reparations­regelung davon abhängig macht, dah Deutschland sowohl eine Abschlagszahlung für die Reparationen als auch neue po­litische Sicherheitsgarantien leistet. Einen entsprechenden französischen Vorschlag an Deutschland erwartet man bereits in den näch­sten Tagen. Aus deutscher Seite wird nach wir vor eine eindeutige Trennung der Reparations - und Abrüstungsfrage verlangt, die nach deutscher Aussasiung in kei­nem sachlichen Zusammenhang stehen. Versuche, die deutsche Regierung für das mög­liche Scheitern der Lausanner Konferenz bei Ablehnung der politischen Sichcrheiissorderung Frankreichs verantwortlich zu machen, müssen mit aller Deutlichkeit zurückgcwiesen »er­ben. Der Ton der Rede Herriots und die ein­deutige Abiassung der französischen Wünsche wer­den als eine Erschwerung der Konferenzarbeiten ausgefaßt.

Der Sicherheitsvorschlag der eng­lischen Regierung durch den eine gleich­zeitige Lösung des Abrüstung-- und des Repa­rationsproblems ermöglicht werden sott, ist in den lebten Unterredungen zwischen den Ministern eingehend erörtert worden. Die englische Regie­rung strebt eine Art von den Hauptmächten in Lausanne abzuschliesiende feierliche Erklä- runq an nach der die Mächte Übereinkommen.

Annahme von Anzeige» für die lagcsnutnmer bi» zum Wadi mittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzemcn von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Retd)spienmg; für 'Re- klamea» eigen von 70 nun Brett« 35 Ne.chspfennig, Plotzvvrschnst 2u , mehr, ilhefrebakteur

Dr Frieär Wilh. Lange. Derantworilich für Dobtih Dr Fr IBilb. Lange; <ür Feuilleton Dr H.Tbnnot; für den übrigen Teil tarnst Vlumschein unb für >en Anzeigenteil Mar Filter, lämtlid) tn Giri,en

Lausanne, 17. Juni. (WTV. Funkspruch.) In der ixrtraulichen Sitzung der Konferenz er­griff nach dem Reichstanz.er der französische Mi­nisterpräsident Herriot das Wort. Er er­klärte. et sei mit größtem Interesse den Dar­legungen de»; Reichskanzlers gefolgt und könne feftftellen, daß d e französische Delegation, wenn sie auch die entschiedene Ausgabe Hobe, die ihr anoertrauten Interessen zu verteidigen, doch nicht gleichgültig gegenüber den Schwierigkeiten anderer Mächte sein könne Er habe dem deutschen Volk zu verstehen zu geben, daß er für das allgemeine Wohl und für den gemeinsamen Frieden arbeite.

Der Basler Bericht, so fuhr Herriot fort, ist dir Grundlage und die Richtschnur der kon- ferenzarbeiien. Dir nehmen alfo vorbehaltlos seine ersten Schlußfolgerungen an, wonach die gegenwärtige Dirtfchastskrlse in ihrem Umfang Jene verhältnismäßig kurze Depression über- schreitet, mit der der Poungplan gerechnet hat. wir nehmen auch die Feststellung an, daß b i e finanziellen Schwierigkeiten Deutschland» in erheblichem Maße ber Grund ber Krediterschlafsung sinb, bie In ber Dell herrscht, unb baß fie eine ge­meinsame Aktion nölig macht, bie nur bie Regierungen unternehmen können.

Wir freuen uns. daß die Lausanner Konferenz schon den unbestreitbaren Grundsatz anerkannt hat wonach eine europäische Regelung nur im RahmeneinerWeltregelung durch« geführt werden kann.

Herriot meinte aber, daß nach den Gesetzen per Geschichte jede Depresfionvperiode von einer Blüte- poriode abgeloft werde. Man könne also nicht einer Dcucrrcgdung eine Periode ausnahmsweifer Blüte oder ausnahmsweiser Depression zugrunde legen.

Die Anwendung de» Hoover-Moratorium» für ein einziges Jahr habe dem französischen Budget ein Defizit von ungefähr 1 800 Millionen Frank» gebracht, das mit fcharsen Maßnahmen ausgeglichen werden müsse. Die Belastung ber deutschen Eisenbahnen sei mit 660 Millionen Mark nicht übertrieben, wenn bie Reparations- laftcn in Zukunft wegfielen, so würde bie Kapltalschuib der deutschen Eisenbahnen auf etwa 10 Milliarden Franks zurückgehen, wäh- renb die französischen 65 unb bie englischen 100 Milliarden Franks betragen. Line solche Begünstigung würde den deutschen Eisenbahnen wesentliche Tariserrnäßigungen gestatten, die den Be t la u s v p r ei» für gewisse Schwergüter um 15 bi» 25 v. H. uer- billigen würden. Line Annulierung würde Frankreich ungerechte Opfer auferlegen

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Generaldebatte in Lausanne.

Herriot will nicht verzichten. Die Angst vor dem deutschen Wettbewerb . nach einer Streichung der Tribute.

D a f h i n g t o n , 17. 3uni. (111.) Präsident Hoover hat auf die Nachricht über da» Fünf- mächteabkommen in Lausanne hin, das eine vor­läufige Einstellung ber Zahlungen aus ben politischen Schulbenabkornmen unb den Reparationsabmachvngen Vorsicht, ben Führern der europäischen Mächte bie Mitteilung zukommen lassen, bafj bie R c g i e r u n g b e r B e r e i n i g t e n Staaten gewillt sei, auch ihrerseits mit ben europäischen Schulbnermächten verhanbiungen über Zahiungserleich- lerungen aufzunehmen, falls bie euro­päischen Cänber untereinander eine annehmbare Reparationsregelung erzielen sollten.

Da» Staatöbepartement verfolgt bie Berichte aus Lausanne mit großem Interesse unb ist burch ben

ul brauch' stuch, teils MS.....

Auch Amerika stellt Zahlungserleichterungen in Aussicht Günstiges Echo der Verhandlungen von Lausanne.

Frankreich fordert Abschlagszahlung und neue politische Garantien.

Starke Belastum der Konferenz. - Sin englischer Friedenspaktvorschlag.

istuch.

sss

......

Das Problem der Reparationen sei nicht nur ein deutsch französisches, sondern würde für Zahlreiche Lander Konsequenzen nach sich ziehen. Das Repara- tionsproblem rolle also das gesamte europäische Wirtschaflsproblem auf, auch Deutschland könne nach den Worten der Baseler Experten einer Krise rund um sein Gebiet nicht widerstehen. Es bedürfe also der Wiederherstellung von ganz Europa. Es et em Irrtum anzunehmen, daß eine noch so radikale Be­festigung der Reparationen die Wiederherstellung des Gleichgewichts zur Folge hätte._ Dazu bedürfe es einer Verbesserung ber 6 t ch e r h e 11 ein Grundsatz, den er besonders Hervorhede.Es gibt, so legte Herriot weiter dar.keinen politischen Rie­ben ohne einen wirtschaftlichen, ober auch keinen wirtschaftlichen ohne einen politischen. Das mutz der Leitstern unserer Arbeit sein." Aus diesen Gründen müsse das Stiftern der abgeschlossenen Wirtschafts- gebiete geändert werden: denn eine Abschwächung der Beschränkungen erreiche dos viel sicherer als Gewaltmaßnahmen

Schluß der Aussprach«.

Chamberlain unterstreicht den deutschen Siandvni kt.

Der britische Schatzkanzler Reville Ehamber- Iain erklärte, es sei klar, daß Berhaltnisie ent­standen seien, die e s D e u t { ch U n d unmöglich machten, im nächsten Monat die dann fällig wer­denden Zahlungen wieder aufzunehmen Die; Er­fahrung habe gezeigt, daß Zahlungen aus solchen großen zwischenstaatlichen Bcrpflidjtungen ohne öic entsprechenden Gegenleistungen in Waren oder D i e n st l e ist un gen nicht ohne verhängnisvolle Folgerungen für das ganze wirtschaftliche Leden und die Zimlifa. tion möglich seien. Es sei kein Lichtes »n erfangen, den Anspruch für die großen cummen^jugeben. die England zustehen, aber es et so überzeugt da von, daß n u r d u r ch ra d . k a l e Matz na hm en da s 23 ert rauen wiederhergestellt werden könne, daß es bereit fei, keinen Anteil an emer all- gemeinen Auslöschung ber schulden zu tragen vorausgesetzt, daß alle anderen Regierungen das ^Är italienische Finanzminister M o ^ c o n i gab ein Bild der Entwicklung der Krise, die sonders seit Sommer 1931 plötzlich akut geworden fa. Man

fter Portugals, Marinko witsch (Jugo­slawien), der Finanzminister Rumäniens und Michalakopulos (Griechenland).

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folgt.)

müsse sich fragen, ob die bisher befolgten Methoden

genügen, um aus dem Engpaß herauszukommen. Bos hi da (Japan», in den die Welt geraten sei Er glaube das nicht. Außenminister A u st Eine Lösung muß allen Völkern nutzen und nicht

Erneuter Zwischenfall im Bayrischen Landtag.

3ivanfl0ivci r Au-westung der natwnlUiozialist'fchen -ibsicardnctcn. München, 17. Juni. (WTB Funtspr ) Rach ein. tündiger Unterbrechung wurde die Sitzung Irn La nd­tag um 10.15 Uhr wieder aufgenommen Präsident Stang erklärte, daß nach den Brst nimungeii d> r Geschäftsordnung die sämtlichen nationalsozialifti- scheu Abgeordneten aus die Dauer i> o n a ch t lagen automatisch ausgeschlossen seien. Die Erklärung verursachte st ii r m i s ch e I a r- mende Unterbrechungen Der national­sozialistische Fraktionsführer Ada. Dr. Butt- mann verlangte das Wort zur Geschäftsordnung. Der Präsident erklärte aber, er habe kein Recht, zur Geschäftsordnung zu sprechen, weil er aus ber Sitzung ausgewiesen sei und forderte die Nationalsozialisten nochmals auf, den Saal zu er­lassen, wobei erneuter Lärm und stürmische Zu­rufe der Nationalsozialisten einsetzten. Da sich her Präsident bei dem Lärm nicht mehr verständlich machen konnte, erklärte er die Sitzung neuer- dings für unterbrochen Die Rational- sozialisten blieben wiederum im Saal. Die meisten von ihnen hatten inzwischen die bürgerliche Klei- düng angelegt. Kurze Zeit daraus erschienen P o - l i 3 e i b c a m t e im Sitzungssaal Sie forderten die nationalsozialistischen Abgeordneten auf den Saal zu verlassen. Dr. Suttmann erklärte, daß die Nationalsozialisten nur bei G e w a 11 w e i- d) e n würden, sie riefen:Deutschland erwache", brachten Heilrufe auf Hitler aus und stimmten We­ber an. Hierauf würbe jeber einzelne der national­sozialistischen Abgeorbneten burch K r.i m i n al­be a m t c aus dem Saal geleitet. Der na­tionalsozialistische Vizepräsident, der urger Bür­germeister Schwede, ber nicht sofort ber Aus- forberung, mitzukommen, Folge leistete, würbe mit Gewalt aus bem Saale entfernt.

Der Lanbtag trat nach Veenbigung ber Tuii'uli- szenen um 11.30 Uhr wieder in die Tag> eordn ing ein. Zunächst entschied das Haus mit allen (Stim­men. dem Verlangen der natimuilL zialistilchen Fraktion, anstelle ber Bayerischen Volkspars äußerste Rechte bes Sitzungssaales eingcräui erhalten, nicht taitzu Hon. in der die Regierut . u1.*

sie feit Monaten bie der 5 l a b t p e r pffW t u n g Coburg znstehenbe Ausü l'^^M der Polizeigewalt selber vorne bemerkte 3mw nminiftc r nähme erst nach gründlicher Prüfung b-er hältniffe unb nachdem keine andere Vrögl mehr bestand, den Anforderungen ber offen! Sicherheit in Coburg Rechmtng zu tragen, g __

fen wurde.

Bayrisches LintsormverbiM- bis 30. September.

München, 17. Juni. (WTB. Funkspruch.) Amt- I lich wird mitgetcilt:Der Herr Reichsprösi- 1 bcni ist bei der Aufhebung de 1 1 formoerbots von ber Erwartung ausgegangen, daß der politische Meinungskampf in Deutschland künstig n ruhigeren ? or 11

(c n werde unb baß Gewaltlosigkeiten unterbleiben. I Die bayrische Staat r giei

Wartung von vornherein n i d) t teilen. Die Staatsregierung loolltc aber bie Entwicklung erst abwar len unb sich nur vorbehalten, zur Vermei- bung von Ausschreitungen beschrankende Vorschriften über bas Uniformtragen für bestimmte Anlasse ins Auge zu fassen. Die heutigen empörenden V o r - W gange im Lanbtag, bie sich unmittelbar gegen ben Fortbestand der verfas­sungsmäßigen Einrichtungen unb das Derfassungsleben in Bayern richten, zwingen aber die Staatsrcgicrung, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln die A u s r e ch t e r h a l- t u n g der Sicherheit und Ordnung im Londe zu gewährleisten. Sie hat sich deshalb ent­schlossen. auf Grund des Landespolizeirechts das Tragen von Parteiunisormen bis zum 3 0. September d.F. für das ganze Land B a y e r n 3 u d e r I Bor. ber f

Bevölkerung wird erwartet, baß sie die Bemühungen der Staatsregierung um Sicherstellung des inneren Friedens mit allen Kräften unterstützt ' Bis zum Ablauf des 30. September 1932 ist ferner das Tragen einheitlicher Abzeichen ver­boten, die dazu bestimmt ober geeignet sinb, bie Zugehörigkeit zu politischen Vereinigungen äußerlich zu kennzeichnen.

Eine Erklärung Bvtimanns.

Protest gegen die gewaltsame Entfernung der NSDAP.

München, 17.3uni. (TU 1 Der Führer der nationalsozialistischen Landtag 'raktion. Adgeord- ncter Dr. Luttmann, erklärte zu dem heu­tigen Zwischenfall im bayerischen Parlament, daß der Landtagsvräsident Dr Stang nach Aul» fossung der Rational'oziaUsten nicht berech­tigt war. auf Grund c-nes früheren Land­tagsbeschlusses die Fraktion wegen des Tragens der Hirler-Unikorm aus der Sitzung auszuschlie­ßen. Die Fraktion protestiert ferner aufs ent­schiedenste dagegen, daß ber Landtagspräsident durch ein Heberfallkommando der Dcreitschaftspolizei und Kriminal­beamte die Mitglieder der nationalsozialifti- schen Fraktion zum Verlassen des Sitzun^ifaales auffordern ließ. Die nationalsozialistische Fraktion sei von den Kriminalbeamten m i t G e w a l t aus dem Saale entfernt worden. Einzelne Abgeord-

ihre bisherigen Streitigkeiten den allgemeinen Interessen unterzuordnen, sich allen Handlungen zu entyalten. die die bisherigen Streitigkeiten wieder aufleben lassen könnten oder die bestehen­den Vereinbarungen in das Gebiet unmittelbarer Meinungsverschiedenheiten bringen könnten. Fer­ner sollen die Machte sich verpflichten, aus alle Handlungen zu verzichten, die die guten Bezie­hungen zwischen den Staaten trüben könnten. Da die gegenwärtige Wirtschafts,'r se bereits zu einem fortgesetzten und freundschaftlichen Meinungsaus­tausch zwischen den Mächten geführt habe, sollen die Mächte, um -diese . Verständigung" zu stärken, diesem persönlichen Meinungsaus­tausch eine noch größere und metho­dischere Entwicklung geben. Zu diesem Zweck sollen sie vereinbaren, sich innerhalb be­stimmter wiederkehrender Zeiträume zu einem direkten Gedankenaustausch über alle bedeutungsvollen Fragen zu treffen.

Es kann angenommen werden, daß die deutsche Regierung einen derartigen Vorschlag in einigen Punkten nicht für annehmbar anfehen wird, da darin eine neue Anerkennung der be­stehenden internationalen Verträge sowie ein allgemeiner R e v i s i 0 n s v e r z i ch t liegen würde. Dagegen dürfte der Vorschlag einer regelmäßigen Zusammenkunft zwischen den Mäch­ten zur Behandlung aller bedeutungsvollen Fra­gen für Deutschland annehmbar erscheinen, weil sich damit für Deutschland eine neue Möglichkeit bietet, die dringendsten deutschen Sorgen und Fragen zur Verhandlung zu bringen.

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