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Zum letzten Male: Spielabsage 1900Friedberg.

Nachspiel und Friedenskundgebung.

3n der Angelegenheit der Spiclabsage 1900 gegen Friedberg fällte der Bezirksvorstand eine Entscheidung, die wir im Wortlaut der amt­lichen Mitteilungen des WSD. am Donnerstag, 24. März, in unseren Spalten Wiedergaben. Aach dieser Entscheidung wurde die Spielvcreinigung mit einer ernsthaften Verwarnung und wegen eines Verstoßes gegen die Satzungen mit einer Geldstrafe von 20 Mark bestraft. Dagegen erhob die Spielvereinigung bei der Spruchkammer des WSD. Einspruch, der Erfolg hatte. Sn den amtlichen Mitteilungen vom 10. Mai ver­öffentlicht die Verbands-Spruchkammer folgende Entscheidung, die wir hiermit (ebenfalls im Wort­laut) wiedergeben:

Die Berufung der Spiclvereinigung 1900 gegen die Entscheidung des Bezirksvorstandes von Hessen-Hannover in den Amtlichen Mitteilungen vom 22. März 1932 wird anerkannt, und die ver­hängte Strafe mit 2O Mork wegenAbschluss eines Gesellschaftsspieles" sowie die Bestrafung mit einem Verweis wegenAnhängigmachung eines Falles vor dem ordentlichen Gericht vor Ertei­lung der Genehmigung" aufgehoben. Die Fest­stellungen haben ergeben, dah die Spielvereini­gung 1900 an dem fraglichen Tage ein Gesell­schaftsspiel in Friedberg austragen wollte und demgemäß bereits Abmachungen getroffen hatte. Da aber in ganz Süddeutschland Rotopferspiele stattfanden und daneben Gesellschaftsspiele ver­boten waren, wurde das vereinbarte Spiel nach Gießen verlegt. Das Spiel in Gießen ist zunächst von unbekannten Leuten unter Vorspiegelung fal­scher Tatsachen abgesagt worden, so daß der Spiel- vercinigung ein beachtlicher Schaden entstand. Letz­tere hat unverzüglich in Wahrung berechtigter In­steressen Ermittlungen durch die Polizei veranlaßt, die dann auch zur Ermittlung der Täter führ­ten. Eine solche Anzeige, die sich zunächst gegen Unbekannt richtete, kann nicht als Verstoß gegen die Verbandssatzungen angesprochen werden. Die Derufungsgebühr ist zurückzuzahlen."

Zum ergänzenden Abschluß ging uns von den Vorsitzenden der beiden hiesigen Sportvereine fol­gendes Schreiben zu:Am 16. April ist durch Vermittlung des WSV. in Anwesenheit des Der- bandsdirektors v. Mcngden zwischen den Dorsitzen­den der beiden Gießener Sportvereine eine Eini­gung dahin zustande gekommen, in Zukunft durch verträgliche Aebeneinander-Arbeit die gemein­samen Interessen des Sportes zu fördern und alle Gegensätze zu vermeiden. Die laufenden Strafan­träge wurden zurückgezogen, Anzeigen bei den Sportbehörden bedürfen in Zukunft der Geneh­migung des betreffenden Dereinsvorstandes. Es sollte für die Mitglieder beider Vereine eine Selbstverständlichkeit bedeuten, diese Vereinba­rung im Interesse der Sportsache zu respektieren."

Sportabteilung des Tv. Wieseck.

Wieseckl 1900 Gießen ll 6:0 (2:0).

Wieseck 1. Schüler 1900 1. Schüler 3:3.

Wieseck 2. Schüler DsB. Gießen 2. Schüler 3:2.

Wieseckl und 1900 Gießen ll lieferten sich am ersten Feiertage ein Spiel. Beide Mannschaften waren nicht vollzählig. Der Sturm der Wiesecker klappte teilweise, und der Erfolg blieb nicht aus. In kurzen Abständen sandte Wieseck zweimal bis Halbzeit ein. Aach der Halbzeit drängte 1900 kurze Zeit, gelangte aber zu keinem Erfolg. Wieseck kam wieder auf und konnte in kurzen Abständen noch vier Tore erzielen. Bei Wieseck zeigte der Mittelläufer großes Können. Bei 1900 konnte der sonst so gute Aechtsaußen nicht recht zur Entfaltung kommen, seinen Aeben- leuten fehlte das richtige Verständnis, auf seine Spielweise einzugehen.

FB.Teutonia" Laubach.

Teutonia I Rot-weiß Frankfurt 6:7 (3:2).

Am ersten Pfingstfeiertag weilte die Pokalmann­schaft von Rot-Weiß Frankfurt in Laubach. Bereits

in der achten Minute gingen die Teutonen in Füh­rung. Die Gäste glichen in der 15. Minute aus. Im weiteren Verlaufe der ersten Halbzeit konnten die Gastgeber noch zwei Tore erzielen, denen die Frank­furter nur einen Treffer entgegensetzen konnten. In der zweiten Halbzeit fielen abwechselnd fünf weitere Tore für Rot-Weiß und nur noch drei Treffer für die Einheimischen.

Handball im Männerturnverein (O.T).

Tv. Kirchhain I Mtv. Gießen 1 9:4 (4:3).

Das Handball-Freundschaftsspiel am Pfingstmon­tag in Kirchhain zwischen den. ersten Mannschaften des Turnvereins Kirchhain und des Männer-Turn- vereins Gießen endete erwartungsgemäß mit einer Niederlage der Gießener. Die Mlv.-Mannschaft war in allen Mannschaftsteilen stark durch Ersatz ge­schwächt. Die Hauptschuld an der hohen Niederlage hat die Hintermannschaft, die immer wieder die gegnerische Stürmerreihe in ungedeckter Stellung zum Wurf kommen ließ. Die Kirchhainer lagen von Anfang an in Führung und standen bei Halbzeit mit 4:3 gegenüber Gießen.

Das am gleichen Tage durchgeführte Uebungsspiel einer komb. Jugendmannschaft des Mtv. gegen die erste aktive Mannschaft des Turnvereins Lützel­linden endete mit 9:3 Toren für Lützellinden. In der ersten Halbzeit war das Spiel ziemlich ausgeglichen. Halbzeit 3:3.

Handball im Gau Hessen (O.T.)

Tv. Großen-Linden siegt in Frankfurt a. 211. gegen Schwanheim 8:4 (2:2).

Auch im Aückspiel gelang es den Großen-Lin- denern. den Tv. Frankfurt a. M.-Schwanheim zu besiegen. Bis zur Pause konnten beide Mann­schaften je zweimal erfolgreich sein. Die zweite Spielhälfte brachte die Gastgeber zunächst mit zwei weiteren Treffern in Führung. Die Gäste gaben sich aber noch nicht geschlagen, erzielten bald den Ausgleich und konnten in den letzten Minuten durch vier weitere Tore den Sieg sicherstellen.

Großen-Lindens zweite und Schülermannschaft hatten die gleichen Mannschaften des Tv. Münch­holzhausen zu Gast und gewannen 11:5 bzw. 10: 2.

Deutsche Ruderersiege in Belgien.

Am ersten Tage der zweitägigen internatio­nalen Ruderregatta in dem belgischen Seebad Ostende konnten die teilnehmenden westdeutschen Ruderer alle von ihnen bestrittenen Rennen an sich bringen. Im Riemen-Zweier gab es einen leichten Sieg von Happ-Stange vom RV. Bayer-Leverkusen in 10:42 vor Royal Union Aautique Brüssel in 11:03. Der Wäs­se r s p o r t v e r e i n Godesberg kam zu zwei schönen Erfolgen. Aach scharfem Kampf holten sich die Westdeutschen zunächst den Senior- Doppelzweier knapp in 7:50 vor Societe Aautique Brügge und später den Vierer ohne Steuermann, der ohne Zeit gefahren wurde. Auf den nächsten Plätzen endeten der Cercle des Regattes Brüssel und der Societe Aautique Gent.

Die deutschen Farben kamen auch am zweiten Tage zu Erfolgen. Der Kölner Ruderclub gewann den Vierer mit Steuermann in 8:25 über­legen vor SA. Brüssel (8:38) und SA. Gent. Einen weiteren schönen Sieg konnte der junge Kölner Klub auch im Achter feiern, wo seine Mannschaft in 7:10 den ersten Platz vor Union Lüttich in 7:12 und dem Universitäts-Achter von Louvain be­legte.

Leichtathletikrekorde.

Aeue Leichtathletikrekorde werden aus dem Auslande gemeldet. 2n Warschau gelang es der Polin Weiß, zweimal den von ihr erst vor einer Woche ausgestellten Welt­rekord im Diskuswerfen von 39,71 Meter zu ver­bessern; zunächst auf 40,34 und am Tage darauf nochmals auf 40,39 Meter, so daß sie also inner­halb acht Tagen dreimal Weltrekord warf.

In Buenos Aires gewann der Argen­tinier R i b a s ein Olympia-Ausscheidungslausen über 25 Kilometer in der südamerikanischen Re­kordzeit von 1:23,15.

Oberhessen.

Landkreis Gießen.

CO Klein . Linden, 17. Mai. An der Straßen­gabelung Frankfurter Wetzlarer Straße rannte am zweiten Pfingstfeiertagmittag ein aus der Richtung Wetzlar kommendes Motorrad mit einem aus der Richtung Gießen kommenden Viersitzer-Auto zusammen. Der Mo- torradfcuhrer und die auf dem Soziussitz mit» fahrende Same, beide aus Sachsen, kamen zu Fall, zum Glück ohne Schaden zu nehmen. Das Motorrad wurde völlig zertrümmert. Das Auto, in der Provinz Sachsen beheimatet, wurde nur leicht beschädigt und konnte nach Behebung des Schadens für seine Fahrt fortsehen. Heute mittag rannte ein von Gießen kommender Lastkraft­wagen einer Frankfurter Firma auf ein aus der Richtung Wetzlar kommendes vollbesetztes Kasseler Personenauto von vorne auf, so daß der Vorderteil des Personenautos stark be­schädigt wurde. Das Lastauto wurde nur leicht beschädigt und konnte seine Fahrt fortsetzen.

ch Lang-Göns, 17. Mai. Unser Dorf war an den Pfingstfeiertagen das Ziel der männlichen Jugend desH e s s e n b u n d e s", der Vereini­gung der evangelischen Jugend unseres Hessen- lani^s. die eine Freizeit hier beging. Das Grund­thema der Tagung, die von cand. theol. Mar Weber (Friedberg) geleitet wurde. lauteteDer Einzelne und die Gemeinschaft". In freien Be­sprechungen bei gegenseitigem Meinungsaustausch wurde das Thema gründlich erschöpft. Die Gottes­dienste. denen die Tagungsteilnehmer beiwohnten, wurden durch die Mitwirkung des hiesigen Po­saunenchores und des Gemischten Chores, beide unter der Leitung von Weißbindermeister Bol­ler, verschönert. Die Tagung fand ihren Aus­klang im gemeinsamen Abendmahlsgang der Freizeitteiknehmer mit den vor sünfzig Jahren in unserer Gemeinde konfirmierten Gemeinde­gliedern. Pfarrer Wahl hielt eine packende Predigt, ©ämtlidx Tagungsteilnehmer genossen die Gastfreundschaft der hiesigen Einwohner.

< Saasen, 17. Mai. Dieser Tage feierte der älteste Einwohner unserer Gemeinde, Herr Jo­hannes Mangel, seinen 9 O. Geburtstag. Der Greis liegt leider schon über fünf Jahre ständig zu Bett und ist schon über zwölf Jahre vollständig erblindet.

< Lich, 17. Mai. Heute gegen 14 Uhr hat sich im Betriebe der Brauerei I h r i n g - M e l ch i o r in Lich ein tragischer Unglücksfall ereig­net, dem der 31 Jahre alte Chauffeur Aug. Kraus von hier, gebürtig aus Laubach, z u m L) p f e r fiel. Der bedauernswerte Mann war mit Tankarbeiten in der Grube des Benzinbehälters beschäftigt. Hier­bei muß er durch plötzlich auftretende Bcnzin- gase die Besinnung verloren haben und zusammengebrochen sein, worauf er den Tod durch Ersticken fand. D.er Berunglückte war gegen 13.30 Uhr von seinen Arbeitskollegen noch ge­sehen worden. Als man ihn nach Verlauf von einer Stunde vermißte, wurde Nachschau gehalten und er dabei in der Grube des Tankbehälters bereits tot aufgefunden. Der auf so tragische Weise aus dem Leben abberufene junge Mann war als braver, fleißiger Arbeiter allgemein geschätzt. Der Verun­glückte hinterläßt eine junge Frau und ein kleines Kind.

Kreis Büdingen.

Aidda, 17. Mai. Zu Pfingsten konnte eine neue städtische Anlage dem Verkehr über­geben werden. Der seit 1890 geschlossene alte Friedhof in der Bahnhofstraße wurde durch Beschäftigung von Arbeitslosen geebnet, mit Treppenaufgängen, freien Plätzen und Wegen ausgestattet, die von' herrlichen alten Bäumen überschattet werden. Ruhebänke sind ausgestellt, Buschwerk umrankt die Umfassungsmauern und die Pfade. Störend wirkt nur noch die ehemalige Leichenhalle, über deren Verwendung der Ge­meinderat sich noch nicht schlüssig ist. Die neue Anlage, eine Zierde des Stadtbildes, dürfte der Bewohnerschaft bald ein gern besuchter Aufent­haltsort werden.

Kreis Schotten.

-4- Schotten, 17. Mai. In der Aacht zum Donnerstag der vergangenen Woche wurde das Schlachthaus einer hiesigen Schlächterei erbrochen und größere Fleischmengen entwen­det. Die Diebe bogen die dicken Eisenstcrngen

vor dem Fenster auseinander und stiegen durch das Fenster ein. Der Geschäftsinhaber setzte eine hohe Belohnung auf die Ermittelung der Täter aus.

Kreis Alsfeld.

88. G r e b e n a u , 17. Mai. Am ersten Pfingst­feiertag stürzte der Landwirt Hch. Allen- d o r f aus Reimenrod auf der Straße EifaAls­feld mit seinem Motorrad so unglücklich, daß er mit sch weren inneren Verletzungen und einem Schlüsselbeinbruch darniederliegt.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

0 Wetzlar, 17. Mai. Nachdem im vergangenen Jahre die Kreisbauernschaft verschiedene Ein­gaben an den Landeshauptmann der Rhein­provinz wegen Herabsetzung des Beitrags zum Viehseuchenentschädigungsfonds richtete, hat der Provinzialausschuß jetzt beschlossen, die Pro­vinzialviehabgabe von 1,50 Mark auf 1 Mk. für Rindvieh und-von 0,75 Mk. auf 0,30 Mark für Pferde zu ermäßigen.

Wirklich 100 000 stellungslose Akademiker?

Wie von der Pressestelle des Hessischen Philo­logenvereins mitgeteilt wird, werden beunruhi­gende Aachrichten gebracht über ein dauerndes riesenhaftes Ansteigen der Zahl der stellungs­losen Akademiker, man spricht von 100200 000. Es erscheinen statistische Berechnungen, durch welche diese Behauptung bewiesen werden soll. Auf Grund dieser Zahlen werden dann Forde­rungen nach radikaler Einschränkung der höhe­ren Schulen, nach Sperre der Hochschulen, nach Arbeitsstreckung in den akademischen Berufen er­hoben. die von den einschneidendsten Folgen sein müßten.

Die Berechnungen beruhen auf Arbeiten von Dr. Achner. München, und Prof. Müller. Mann­heim. Der erstere berechnet die voraussichtlichen Schülerzahlen der höheren Schulen bis zu dem Jahre 1934. und Prof. Müller unternimmt es, auf Grund dieser Berechnungen die Zahl der Abittirienten und der berulsreifen Akademiker bis zum Jahre 1947 (!) vorauszuschätzen. Die Zahlen, zu denen er kommt, wären niederschmet­ternd. wenn es nicht eben bloßSchätzungen" wären. Der Geschäftsführer des Deutschen Philo­logenverbandes hat die Ergebnisse Achners und Müllers eingehend untersucht und betont, daß Berechnungen, die die wirtschaltliche Depression, den Geburtenrückgang, die Verschlechterung der Aussichten des akademischen Arbeitsmarktes, die schulpolitische Entwicklung, den Schrumpfungs­prozeß der höheren Schule, die Sparmaßnahmen usw. außer acht lassen, zu falschen Ergebnissen kommen müssen. Er zeigt dann an dem vorliegen­den Tatsachenmaterial für die Jahre 1930 und 1931, wie falsch die Zahlen im einzelnen sind. Für 1930 hat z. B Achner 32 000 Sextaner mehr angenommen, als es in Wirklichkeit waren, für 1931 28 000. d. h. in zwei Jahren 60 000 zuviel. Ebenso haben viel mehr Schüler die Schule verlassen, als Achner annimmt. Wenn man da- zunimmt. daß alle Zahlen über die vorhandenen Akademiker reine Schätzungen sind, so ist ohne weiteres ersichtlich, welchen Wert derartige Aus­stellungen haben.

Wettervoraussage.

Deutschland liegt im Bereich hohen Druckes, der uns zunächst noch heiteres Wetter mit erneutem Temperaturanstieg bringt. Mit dem Vorwärtsschrei­ten der neuen Atlantikstörung erfolgt wieder Zustrom warmer Luft, die in Gemeinschaft mit der zunehmen­den Erwärmung auf dem Festlande später Anlaß zu Gewitterstörungen geben wird.

Aussichten für Donnerstag: Weitere Erwärmung, meist Heitel und trocken.

Aussichten für Freitag: Anfangs noch meist heiter, schwül, aufkommende Gewitterstörung oder vereinzelte Niederschläge.

Lufttemperaturen am 17. Mai: mittags 15,6 Grad Celsius, abends 13,6 Grad; am 18. Mai: morgens 11,1 Grad. Maximum 19 Grad, Minimum 9,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 17. Mai: abends 16,6 Grad , am 18. Mai: morgens 13,8 Grad Celsius. Niederschläge 5,6 mm.

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Gießen, den 13. Mai 1932.

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