»MM,AMs
Roman von Gert Rothöerg.
Copyright by Martin Aeuchtwanger, Hall«.
17. Fortsetzung. 'Rachdruck verboten!
Der alte Karl dachte an ein junges, schlankes Mädel, das für einen einzigen Abend hier die Herrin gewesen war, und meinte ernste
„Jawohl, Herr Doktor, man muh abwarten."
Ansbrück setzte sich.
Verlockend duftete es zu ihm empor. Viel Hunger verspürte er nichts aber er durfte auch seine Köchin nicht kränken. Die gab sich gar so große Mühe.
Also ah er von dem Huhn, leerte auch eine kleine Flasche Wein dazu und nahm dann noch von der Käseplatte.
Das Telephon schrillte in seine Gedanken, als er nach dem Essen am Flügel stand.
Er ging hinüber.
„Hier Doktor Ansbrück!" __
„Guten Abend. Herr Doktor! Hier ist Mistreh Harrison. Mein Mann ist unten im Lesezimmer mit zwei amerikanischen Geschäftsfreunden. Es wird ein paar Stündchen dauern. Wie wäre es, wenn Sie mir ein bißchen Gesellschaft leisteten, Herr Doktor? Ich bin ja eine alte Frau, Sie laufen also nicht Gefahr — doch Scherz beiseite! Ich mochte Sie unbedingt einmal ohne meinen Herrn sehen und sprechen. Ich machte vor einigen Tagen Einkäufe im Atelier der bekannten Französin Madame Endiee!"
„Gnädige Frau!"
„Ja! Ich denke, daß Sie kommen werden. Ich will Ihre alte Freundin sein, Herr Doktor. Also, bitte kommen Sie, wenn es Ihnen möglich ist. Es paßt heute so vorzüglich." _ .
„Ich komme selbstverständlich, gnädige Frau, unb ich danke Ihnen für die freundliche Einladung, die ich doch eigentlich nun nicht mehr verdiene!"
„Hm: Run darüber wollen wir uns eben ein wenig unterhalten. Ich erwarte Sie in einer Stunde! Mit Ihrem Auto können Sie eventuell schon eher zur Stelle sein. Mir desto lieber."
„Ich komme sofort!"
„Schön — dann auf Wiedersehen!"
„Gnädige Frau — Verzeihung, dah ich noch nicht fragte, wie Ihnen der „Weihe Hirsch" bekommen ist?"
„Vorzüglich — ganz vorzüglich."
„Das freut mich sehr. Dann also auf Wiedersehen!"
Ansbrück legte den Hörer auf die Gabel.
Mistreh Harrison hatte Aenne im Geschäft der Madame Endiee gesehen! Sie wuhte jetzt, dah lie
nicht ferne Frau war. dah er und die kleine schöne Aenne sich erlaubt hatten, sie zu täuschen, llnb er hatte nicht einen Augenblick lang daran gedacht, dah Mistreh Harrison gerade dort, in jenem Modesalon, kaufte. Er hatte überhaupt an nichts weiter gedacht in diesen letzten Wochen, als daran, dah er sich krank sehnte nach der blonden Aenne! Und doch machte er nicht den geringsten Versuch, sich ihr zu nähern — nicht den geringsten!
Er wollte frei fein, und würde es eines Tages! Dann ging er zu dem sühen, blonden Geschöpf, holte sie zu sich, wie er versprochen hatte.
Doktor Ansbrück dehnte seine große elegante Figur.
Wie er sich rettungslos in diese Liebe verrannt hatte!
Und er war gebunden.
Gebunden an eine Frau, die er weder lieben noch achten konnte. In aller Ewigkeit nicht mehr. Lisa hätte sich das ja doch sagen müssen, dah es ein Spiel um alles war. das sie eben verloren hatte. Daran lieh sich nun nichts mehr ändern. Er fließ seine einmal gefaßten Entschlüsse nicht mehr um.
Ernst von Polzenhagen hatte auch noch ein paarmal versucht, ihn anderen Sinnes zu machen. Ratürlich, dem alten, anständigen Kerl war es um den Skandal! Aber hierin konnte man schließlich keine Rücksicht mehr nehmen, wenn es sich um einen derartigen Fall handelte. Lisa war schuld. Sie allein! Run mußte sie die Folgen tragen und mit ihr ihre Angehörigen, so leid ihm gerade letzteres auch tat.
Rasch ging Ansbrück in sein Schlafzimmer hin- über, um sich für den Besuch fertigzumachen.
Sein Auto trug ihn in kurzer Zeit zum Espla- Nade-Hotel. Er schritt durch die Halle. Sv ohne weiteres ging das aber nicht. Er hatte Aufent- halt, wurde einige Male erfreut begrüßt und konnte sich nicht gleich losreißen, durfte es nicht.
Dilma Vandorff faß mit ihrem Vater in der Ecke unter den Lorbeerbüschen. Ihre dunklen Augen hatten ihn bereits erspäht, als der Diener vor ihm die Flügeltür aufriß. ‘
Sie liebte ihn! Sie liebte ihn feit langem!
Sie hatte bisher wenig Gelegenheit gefunden, bei einer Gesellschaft mit ihm zusammenzutreffen. Und dann war er immer in Begleitung feiner Frau gewesen, der sie diesen Mann neidete. Weil sie das Glück hatte, ihn zu besitzen. Ausschließlich und allein zu besitzen, wie allgemein bekannt war.
Vilma atmete tief auf.
Und nun munkelte man plötzlich, daß diese Ehe getrübt fei!
Eine Hoffnung!
Eine winzige Hoffnung!
Vilma sagte ihrem Vater leise, daß Dollor Ansbrück käme. Er möge ihn doch begrüßen und
ihn aus einige Minuten mit an ihren Tisch bringen.
Friedrich August Bandorif legte erstaunt seine gute Zigarre beiseite und sah genau in das Gesicht feiner Tochter.
Er meinte dann nur .
„Aha!" und ging. Das heißt, vorläufig kam er noch nicht an Doktor Ansbrück heran. Vorläufig schüttelte man ihm erst hier und dort die Hand. Herr Dandorff wußte, was die Glocke bei seiner Einzigen geschlagen hatte. Das wurmte ihn! Das hätte sie nötig, ihr Herz an einen verheirateten Mann zu hängen!
Selbstverständlich war der Klatsch über die Ehetrübung Ansbrücks auch bis zu ihm gedrungen. Aber er gab auf solches Getuschel nichts Rein gar nichts. Ra, heranholen mußte er ihn. Vilma wünschte es nun einmal. Und was Vilma wünschte —!
Freilich, er, Friedrich August Dandorff, hätte sich den Ansbrück als Schwiegersohn mit größter Freude gefallen lassen. Aber der Mann war doch nun mal verheiratet, und da blieb bei der ganzen Sache doch ein ekliger Geschmack zurück. Man konnte doch unmöglich noch dazu tun, daß die Scheidung zustande kam. Was wäre denn das schon gewesen?! Eine feige, hinterlistige Tat! Lisa Ansbrück hatte niemandem etwas getan. Trotzdem gönnten es ihr jetzt alle, und alle wünschten, daß das Gerücht recht haben möge.
Herr Bandorff konnte seinen unerfreulichen Gedanken nicht mehr nachhängen. Doktor Ansbrück schritt auf ihn zu, begrüßte ihn. mit der ihm eigenen Herzlichkeit.
Die Herren schüttelten sich die Hände. Ein schneller Orientierungsblick Ansbrücks, und er sah Vilma Bandorff. Da er sie vom letzten Ball bei der Gräfin Hechenberg her kannte, mußte er auch sie begrüßen und tat es jetzt mit tiefer Verbeugung und einem Handkuß. Erstaunt stellte er bei sich fest, daß die verwohnte junge Dame zu- sammenzuckte.
Ein paar freundliche Worte. Aber was Vilma gehofft, traf nicht ein. Doktor Ansbrück setzte sich nicht er ft, sondern unterhielt sich im Stehen. Genau damit kennzeichnend, daß er keine Zeit für Vilma Bandorff habe.
Dilmas Augen strahlten ihn an.
„Herr Doktor, wir geben nächstens draußen in Bandorff eine größere Gesellschaft. Dürfen wir Sie auch bei uns begrüßen? Die offiziellen Einladungen sind noch nicht versandt' aber es wäre sehr schon, wenn ich Mama schon heute melden dürfte, daß Sie auch kommen."
Das klang fröhlich-harmlos: aber der Vater hörte die innere Unruhe wohl heraus und wurde mit der ganzen Sachlage immer unzufriedener.
Ein kurzes Ueberlegen, dann sagte Doktor Ansbrück höflich:
„Vielen Dank, gnädiges Fräulein! Ich werde bestimmt kommen, wenn Sie mich der Ehre einer Einladung würdigen."
In ihren dunklen Augen leuchtete es auf. ®r aber sagte jetzt hastig:
„Ich muß leider jetzt weg. Habe noch eine Besprechung. Auf Wiedersehen!"
Sie sah ihm nach, wie er sicher und elastisch die breite Treppe auf dem kostbaren Läufer hinaufschritt, und die Sehnsucht, ihn zu besitzen, wurde größer und heißer.
Ihr Vater sah verstohlen in ihr Gesicht. Endlich wagte er eine Frage. Doch Vilma antwortete ihm nicht. Vielleicht hatte sie es auch nicht einmal gehört, was er sagte. Sie blickte noch immer auf die Treppe und dachte:
Mit wem hat Doktor Ansbrück hier eine Besprechung? Und weshalb geht er zu den Zimmern hinauf? Herren machen Besprechungen doch meist an neutralem Ort ab. Besucht Doktor Ansbrück hier im Hotel eine Dame?
Ein stechender Schmerz, bohrte sich in Vilma Dandorsss Herz. Wen besuchte er?.Wen?
Sie blieb einsilbig und nippte nur ab und zu einmal an ihrem Kelch. Und ihr Vater verschanzte sich endlich ärgerlich hinter einer ~3ething.
Später kamen Graf Osten und Fritz Hildebrandt: aber auch sie verzweifelten fast, weil ihre heimliche Liebe keinerlei Beachtung fand. Heb» rigens hatten sich die beiden jungen Lebemänner geeinigt. Der, der die reiche Braut bekam, hatte, sobald Vater Dandorff die Mitgift herausgerückt hatte, an den anderen fünfundzwanzigtausend Mark als Schmerzensgeld zu zahlen. Dabei soll nicht gesagt fein, daß ihre Liebe nur dem Geld Vater Dandorffs galt — nein, sie liebten Vilma wirklich. Aber ohne Geld war eine Heirat bei ihnen beiden nicht möglich.
So standen die Sachen, und die beiden Freier legten sich gegenseitig nichts in den Weg: sie paßten nur wie Schießhunde auf, daß da nicht noch etwas unverhofft ein Dritter auftauchte und mehr Chancen hatte.
Gleichgültig hörte Vilma auf die Komplimente Sie hörte ober vielleicht auch nicht zu.
Graf Osten wurde blaß.
Das sah nach Liebeskummer auS!
Bestimmt!
Darin kannte er sich aus.
Und daß sein Freund Hildebrandt und er selbst bei dieser mutmaßlichen unglücklichen Liebe ausschieden, war ebenso klar. »
Also Gefahr!
Da hieß es aufpassen!
So leicht sollte der schöne, dabei so reiche Goldfisch nicht entweichen, denn draußen in Schloß Ost erhöhen war es höchste Zeit, daß irgend etwas geschah!
(Fortsetzung folgt.)
Denken Sie an Stoffe/ denken Sie an !♦ Bernard
Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, seine treue Dienerin Fräulein
Anna Landau
im 74. Lebensjahre nach kurzer Krankheit, versehen mit den hl. Sterbesakramenten, in die Ewigkeit abzurufen.
Die Schwestern des
St>Josephs-Krankenhauses.
Gießen, den 17. Mai 1932,
Die Beerdigung findet Freitag, den 20. Mai. nachmittags 3 Uhr. auf dem Neuen Friedhof statt. 03108
Donnerstag, den 19. Mai d. 3„ I nachm. 2 Llhr, versteigere ich im I „Löwen", Neuenweg 28 dahier, zwangsweise gegen Barzahlung
Donnerstag, 19.5.1932, abends 8.30 Uhr, i.Heirn Vortrag v. Herrn Hand- werksk.-Snndikus Rohr über: 3885 d
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