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könne zur Zeit mit ihren Beiträgen auskommen; die Hauptschwierigkeit liege bei der Finan­zierung der kommunalen Erwerbs- losenfürsorge. 3m Kabinett werde ohne Rücksicht daraus, auf welche Körperschaft im einzelnen die Ausgaben der Arbeitslosenfürsorge entfallen, über die Deckung des Gesamt­betrages von 3 Milliarden Mark verhandelt. Bis vor einigen Tagen lagen von verschiedenen Ministerien etwa ein Dutzend verschie­dener Vorschläge für die Lösung dieses Problems vor. Man habe sich für ein bestimmtes Projekt noch nicht entscheiden können. Es sei da­mit zu rechnen, dah die Verhandlungen noch mehrere Tage andauern.

Den Kabinettsberatungen waren Unterre­dungen des Reichskanzlers mit Ge­neral Schleicher und Dr. Goerdeler vorausgegangen. 3n unterrichteten Kreisen wird erklärt, daß die P e r s o n a l f r a g e hinter den dringenden sachlichen Problemen, die das Reichs­kabinett zu behandeln habe, vorerst zurück- stehen mühte. Die Unterredung des Reichskanz­lers mit General von Schleicher wird damit be­gründet. dah sich der Reichskanzler über die Stim­mung im Reichswehrministerium durch den verant­wortlichen Chef des Ministeramtes habe unter­richten wollen. Man hört im übrigen, dah General von Schleicher von vornherein n i ch t g e ° neigt gewesen sei, das durch das Ausscheiden Groeners sreigewordene Reichswehrministerium im Augenblick zu übernehmen.

Der Kurs der Deutschnationalen.

Eine Verlautbarung Hugenbergs.

Berlin, 13. Mai. (TU.) Dr. Hugenberg hat an die Gliederungen der Partei ein Schreiben gerichtet, in dem es u. a. heißt: Wir sind heute alles weniger als reaktionär, sondern Wegweiser in eine wirkliche Zukunst. Wir sind die einzige wirklich konservative, national-aufbaucnde staats­bürgerliche Partei oder richtiger Bewegung unse­res armen Vaterlandes. Wir sind der einzige wirklich feste Gegenpol der Zersetzung der kost­barsten und einfachsten Volksgüter, wie Mutter­boden, Heimat, Familie, Eigentum. Erziehung. Kaisertum, Glaube. Wir sind die einzige Partei oder Bewegung, die über Westlertum. Sowjet­fieber und Faschismus hinweg auf den Urquell ewig junger deutscher Wesenskraft zurückgreifen. Was wir zur Zeit mit Schrecken erleben, sind einzelne Bilder einer Entwicklung, die unseren eigenen Besorgnissen und Voraussagen entspricht beeinflußt durch ungeheure Fehler anderer und durch die ungeheure deutsche Rot. Wir kämpfen in alter Gemeinschaft, aber auf verjüngter organi­satorischer Grundlage weiter über verwirrende Tagesmeinungen, unklare Gefühlswallungen und Massenpsychose hinweg.

Erbitterte Religionskampfe in Bombay und Kalkutta.

Blutige Ltratzcnkämpfe fordern viele Todesopfer.

Bombay, 17.Mai. (TU.) Die Kämpfe zwischen den Mohammedanern und Hindus wurden am Dienstag, dem mohammedanischen Neu­jahr s f e ft, trotz Erklärung des Standrechts noch e r b i t t c r t e r f o r t g e s e tz t. Bis zum Nachmittag wurden acht weitere Tote und 150 Verwundete ge­zahlt. Die Gesamtzahl der Todesopfer beläuft sich nun bereits auf 72. Manche Stadtteile bieten einen ro ü ft e n Anblick d e r Zerstörung. Drei Hindutempel wurden vollkommen e i n ge­äschert. Am Dienstagnachmittag dehnten sich die Unruhen auf das Gebiet der B a u m w o l l s p in­ne r e i e n aus, von denen 30 geschlossen wer­den muhten. 40 000 Arbeiter muhten daher vorläufig die Arbeit niederlegen.

Trotz des Einsatzes von Truppen und Polizei wird die Lage immer gespannter. Es traf ein englisches Infanterie-Bataillon und eine Panzer­wägen-Abteilung ein, die nunmehr die betroffenen Stadtteile zusammen mit starken Polizeiabteilungen

kontrollieren. Die Polizei ist machtlos, da die lieber- fälle fthr rasch und unerwartet durchgeführt werden. Die Mohammedaner verstecken sich meist in Haus­eingängen, stürzen sich von dort auf vorbeigebende Hindus und e r d o l ch en sie mit fanatischer Grau­samkeit. Die Geschäfte sind fast alle geschlossen. Tau­sende von Familien ziehen aufs Land, während andere sichinihrenHäusernverschanzen und die Türen verbarrikadieren. Die Feuerwehren sind dauernd unterwegs, um eine Ausbreitung der Brände zu verhüten.

Die Feindseligkeiten zwischen Moslems und Hindus dehnten sich am Dienstag auch auf Kalkutta

aus. Dort wurde eine mohammedanische Neu- jahrsprozefsion von einigen Hindus aus einem Haufe mit Steinen beworfen. Die Mohammedaner griffen sofort in fanatischer Erbitte­rung das Haus an. Es entwickelte sich ein blutiges Handgemenge. Die Polizei eröffnete das Feuer auf die Kämpfenden und wurde selbst von ihnen ange­griffen. Insgesamt wurden 30 Personen verletzt, darunter der englische Polizeioberkommissar von Kal. kutta und mehrere höhere Polizeibeamte. Erst nach­dem sich eine starke Polizeiwache mit aufgepflanzten Seitengewehren vor dem Hause aufgestellt hatte, zogen sich die Mohammedaner zurück.

Die SchWbrandkMrophe im Gols von Aden.

Ein politischer Anschlag die Ursache der Feuersbrunst?

Der französische Ostasien-DampferGeorges Philippar".

tti

Paris, 17. Mai. (WTD.) WieHavas" aus Marseille berichtet, ist bei der Reederei des DampfersGeorges Philippar" ein Telegramm des Kapitäns eingegangen, der auf funfcntele- graphischem Wege mitteilt, dah die Mehr­zahl der Passagiere und der Besat­zung des Schisses sich an Bord der drei Dampfer befindet, die an den Rettungsarbei­ten beteiligt sind. Die Zahl der Passagiere, un­gerechnet die Kinder, soll sich auf 250 Personen belaufen haben, lieber die genaue Zahl der Passagiere und der Besatzung sowie der Ge­retteten ist noch immer keine vollkommene Klar­heit vorhanden. RachHavas" sollen von den etwa 900 Personen an Bord 650 gerettet worden sein. Rach einer Havasmeldung aus Aden brennt das Vorderschiff des Dampfers noch immer. Das Schiff liegt 15 Grad nach Backbord geneigt. Sein gegenwärtiger Standort ist 50 Seemeilen nördlich von Cap Guardasui.

Paris Midi" veröffentlicht über die Ur­sache des Brandes ein Telegramm aus Marseille, in dem es heißt: Gerüchtweise ver­lautet aus Marseille, dah es sich bei der Feuers­brunst an Bord des DampfersGeorges Phi­lippar" um einen Anschlaghandelt. Vor der Abfahrt des Dampfers aus Marseille, also Ende Februar, habe die Pariser Sicherheits­polizei der Reederei des Dampfers in Marseille mitteilen lassen, dah Kommunisten be­haupteten, das Schiff transportiere Munitionsvorräte nach 3apan. Man habe geplant, das Schiff im Suezkanal in die Luft zu sprengen, und zwar so, dah es indieKanalrinnezu liegen komme, um jeden späteren Waffentransport nach 3apan unmöglich zu machen. Diese Mitteilung der Si­cherheitspolizei fei damals nicht besonders be­achtet worden, weil der DampferGeorges Phi­lippar" keine Munition transportiert

hätte, sondern nur ein auf ein Auto montiertes Maschinengewehr. Auch die Untersuchung an Bord des Dampfers vor dem Auslaufen habe keinerlei Verdacht erweckt. Trotzdem sei eine Fahrplanänderung vorgenommen worden. So habe der Dampfer nicht, wie vorgesehen, zwölf Stunden vor Port Said gelegen, sondern nur zwei. Auf diese Weise habe das Schiff den Suezkanal einen halben Tag früher als vorgesehen passiert.

Unter den Geretteten befindet sich ein hoher indochinesischer Beamter namens L. Alfred, dem es mit Aufbietung äußerster Energie und be­wunderungswürdiger Tatkraft gelungen ist, sich selbst und seine Frau aus dem Flammen­meer zu retten. Louis Alfred erzählt, dah seine Kabine rings von Flammen umschlossen war. Trotzdem fei es ihm gelungen, sich und seiner Frau einen Weg durch d i e brennenden Gänge zu bahnen. Er habe dann ein Bullauge eingeschlagen und mit Hilfe eines Mantels seine Frau vom Schiff in ein Rettungsboot herabgelassen. Auf dem Dampfer befanden sich auch feine Tochter und fein Schwiegersohn, die noch vermißt werden. Wie erst jetzt bekannt wird, hat sich an Bord desGeorges Phillipar", auch ein chinesischer Diplomat namens Sze, ein Ramensvetter des chinesischen Botschaf­ters in London, befunden. Er ist bis jetzt in Aden nicht eingetroffen.

Die an Bord des DampfersContractor" in Aden eingetroffenen Ueberlebenden des DampfersPhillipar" erklären, das Feuer sei um 2 Uhr durch Kurzschluß in einer Ka­bine entstanden uno habe sich mit ungeheurer Schnelligkeit ausgebreitet: die Passagiere seien nach vorne geflüchtet. Die Zerstörung der Funkanlage habe verhindert, den Ruf SOS auszusenden. Viele Passagiere hatten sich, da sie die Boote nicht erreichen konnten, in das

von HaisischenwimmelndeMeer ge­stürzt. Die Ueberlebenden erzählen erschütternde Szenen. Viele sind von ihren Familienangehöri­gen getrennt worden, über deren Schicksal sie nichts wissen. Ein zweieinhalbjähriges Kind und ein noch jüngeres befinden sich ohneElteman Bord des ,Contractor".

Syndikalistische Llnruhen in Spanien.

Madrid, 17. Mai. (TU.) Nach Berichten aus Malaga dauern dort die syndikalistischen Terror­maßnahmen weiter an. An verschiedenen Stellen der Stadt explodierten Bomben. Zahlreiche Ar­beitgeber wurden von Syndikalisten beschossen. Eine Anzahl Verletzte sind zu verzeichnen. Die Polizei verhaftete etwa 100 Personen. Auch aus anderen Teilen Spaniens werden Unruhen gemeldet. In Alicante versuchten die Syndikalisten, einen allgemeinen Streik durchzuführen. Zahlreiche Straßenbahnwagen wurden durch Steinwürse be­schädigt. In Valencia veranstalteten Studenten Kundgebungen gegen den Stadtrat, dem Verwahr­losung der städtischen Angelegenheiten vorgeworfen wird. In Sevilla überfielen dis-Syndikalisten einen Umzug der Katholiken und gaben zahlreiche Schüsse ab, wobei mehrere Personen verletzt wur­den. Im Hause des Präsidenten der syndikalistischen Gewerkschaft in Montellano (Provinz Sevilla) explodierte bei der Herstellung von Sprengkörpern eine Bombe. Zwei Personen wurden getötet und sechs schwer verletzt. Sämtliche Mitglieder der syn­dikalistischen Vereinigung der Ortschaft wurden ver­haftet. In einer Ortschaft bei Sevilla wurden 70 Bomben entdeckt.

Oas Attentat in Japan.

Noch Leine Umbildung des Kabinetts.

Tokio, 17. Mai. (TU. Funkspruch.) Die Mörder des japanischen Ministerpräsidenten Jnukai haben Dienstag vor der japanischen Polizei über ihre Tat ausgesagt. Der Mord auf den Ministerpräsidenten sei schon mehrere Monate vorbereitet worden. Sie bereuten ihre Tat nicht und erklärten, sie wüßten, daß sie der Tod erwartet. Sie würden ihrer Strafe in Ruhe entgegensehen. Die Verhaf.

Der japanische Ministerpräsident Jnukai.

teten betonten, sie hätten diesen Schritt aus va­terländischen Interessen getan.

Die Verhandlungen über die Umbildung des japanischen Kabinetts sind bis jetzt noch nicht beendet. Der vorläufige Ministerpräsident Taka hast hatte Dienstag eine längere Unter­redung mit dem Minister Suzuki, der zum Mi­nisterpräsidenten ausersehen ist. Suzuki erklärte sich unter der Bedingung bereit, das Kabinett zu bilden, daß vorher eine Verständigung mit der Militärpartei zustandekäme. Es haben zwei Zusammenkünfte zwischen Suzuki und Vertretern

Tiere machen Geräusche.

Von Hans CReimann.

So wie man rein äußerlich die Menschen ein­teilen könnte in solche, die eine Brille tragen, und in solche ohne Augenglas, so kann man rein äußerlich die Tiere einteilen in solche, die Töne von sich zu geben vermögen, und in solche, die stumm sind.

Das Schwein quiekt, die Rachtigall schlägt, die Lerche tiriliert, die Ente schnattert, das Pferd wiehert. (Braucht man Tierstimmen im Mikro­phon, so verzichtet man auf die Mitwirkung echter Tiere. 3m Tonfilm verwendet man den Tier- ftimmen-3mitator. Denn das Künstliche klingt im Mikrophon natürlich, und die Ratur klingt ge­radezu unglaubwürdig künstlich.) Aber das Un­geziefer ... Auf einer Rheinbrücke saßen drei von Rudolf Wilke gezeichnete Landstreicher und sprachen:Wie ist das weife eingerichtet! Wenn die Wanzen bellen könnten: würde keiner von uns schlafen." 3awohl, das Ungeziefer ist stumm. Es wäre auch noch schöner. Wer sticht und zwickt, der soll wenigstens den Mund halten. Das Seepferdchen, die Qualle und die Kieler Sprotte sind stumm: Bakterien husten dir allenfalls etwas in übertragender Bedeutung. Christian Morgen­stern hat ein Gedicht geschrieben: Fisches Racht-- gesang. Es besteht aus metrischen Zeichen.

Daß manche Schmetterlinge zu schreien ver­mögen, ist im allgemeinen nicht bekannt: Bei­spielsweise der Totenkopf kann laute Töne von sich geben. Dom Walfisch geht die Sage, dah er zuweilen singt. Wenn auch nicht wie eine Kolo­ratursängerin oder ein lyrischer Tenor, so doch immerhin. Kamele pfeifen mitunter oder fauchen, und der Auerhahn balzt. Dieses Balzen ist keineswegs übertrieben geräuschvoll, und eben­sowenig ist es melodisch. Der in Bayern aus alten Zeiten gebliebene Schuhplattler ist die Rach- ahmung einer Auerhahnbalz, und wenn sich die Burschen auf die Schenkel oder Schuhsohle schla­gen, so erzeugen sie dabei ein dem Balzen ähn­liches Geräusch. Ganz eigentümlich sind die Gril­len eingerichtet, die einen im Verhältnis zu ihrer Körpergröße ungeheuerlichen Radau vollführen. Sie benutzen dazu eine Art Gambe, eine Knie­geige. Man stelle sich bitte vor, die Grillen seien so groß wie ein Elefant: wir würden allesamt rasend werden infolge ihres Lärms, und ein Ba­taillon Motorradfahrer (einschließlich der mit Recht so beliebten Fehlzündungen) würde wie ein flüsterndes Mädchenpensionat wirken.

Viel zuviel Krach machen die Wellensittiche, die Papageien und die Perlhühner. Ein Bekann­

ter von mir, der Sittiche züchtete, ist davon schwerhörig geworden. Als Student wohnte ich bei einer Wirtin, deren Papagei im Rebenzimmer den geschlagenen Tag so tat, als ob er gurgele und sich die Zähne putze. Den größten Spaß machte ihm das Räuspern und Spucken. Es ge­schah zwar vollkommen trocken, aber täuschend naturgetreu. Rach 14 Tagen bin ich ausgezogen. 3n Polen (1916, während des Weltkriegs» mußte ich ein paar Rächte in einem Heuschober schlafen, der dicht neben einer Wiese Lag. wo sich Perl­hühner tummelten. Das ewige Racknacknacknack von Maschinengewehren hat mich nicht so gestört wie das Gekreische der Perlhühner. Polnische Perlhühner essen nicht, trinken nicht, rauchen nicht und spielen nicht Schach. Sie tun überhaupt nichts. Sie machen nur ununterbrochenblücköh". And nachts wechseln sie sich ab und schlafen schichtweise bloß, damit in ihremblücköh" keine Unterbrechung eintritt. Die lieben Perl­hühner, ich habe sie zum Fressen gern.

Eine Katze, die Rächt für Rächt in unserm Garten auf die menschlichste Weise schrie, war schuld daran, daß mein porzellanenes Waschbecken in tausend Stücke flog. 3ch warf es nach der Katze. Einmal hätte ich auch beinah einen Hahn geohrfeigt. Dieser dumme Mensch bildete sich ein, es fei nun Morgen, so oft ich beim Schein einer elektrischen Taschenlampe um Mitternacht nach Hause kam. Offenbar verwechselte er mich mit der Sonne, weil ich rund bin, und krähte bis 5 Ahr früh. Dann ging er zu Bett und schlief bis Mittag. Von krähenden Hähnen und von gackernden Hühnern kann man glatterdings tobsüchtig werden. 3eder hat das schon in der Sommerfrische erlebt. Vor Fahren habe ich einem ganzen Verein, einer ganzen 3nnung organi­sierter Hühner einzeln je drei starke Schlaf­pulver ins Futter gemischt. Richts hat geholfen. 3m Gegenteil. Sie gackerten und scharrten mehr denn je und brachten mich, der ich dreimal drei starke Schlafpulver geschluckt hatte, in aller Herr­gottsfrühe an den Rand des Wahnsinns.

Auch Hundebellen ist etwas Wundervolles. Namentlich, wenn man krank liegt oder müde ist und dringend Ruhe braucht. 3m Liegen, in der Liegelage hören sich die Geräusche anders an, als wenn man herumläuft und auf den Beinen ist. 3n der Liegetage klingt alles hundertmal so laut und ekelhaft. Es müßte eine Erfindung ge­macht werden, daß man kläffenden Hunden die Belle herausschrauben kann, ich würde mir sofort eine Kollektion der von Herrschaften abgelegten BeUen zulegen und die Köter zum Schweigen bringen. Da lobe ich mir den Esel, der fein Ge­schrei nur in homöopathischen Dosen verabreicht.

Uebrigens macht der Esel nicht3ah", son­dern er zieht mit einem unartikulierten Laut die Luft ein und stößt sie alsah" von sich. Man kann von mir nicht verlangen, daß ich das Ge­räusch des Esels aufs Haar treffe. Obwohl ich schon oft im Leben ein rechtes Heupferd war. Aebrigens werden die meisten Tierlaute falsch wiedergegeben und schriftlich mangelhaft fixiert. Der Kuckuck ruft nichtkuckuck": er ruft vielmehr uckück" ohne anfangsbuchstäbliches k. Auch der Hahn schreitickerikih", und der Frosch macht nicht quak", er machtahk". Der explosive Ansatz wird, vom Original abweichend, durch Konso­nanten dargestellt. Vom Kuckuck (den der Fran­zose als einen cocu und der Engländer als einen cuckold empfindet) fallen mir zwei Kleinigkeiten ein: erstens stottert er in den Wäldern bet Bialystok, und ruft niemalskuckuck", sondern im DreischlagKuckuckuck". And zweitens wird das 3ntervall des Kuckuck-Rufes nach Rorden zu immer kleiner. Von der Quarte in die kleine Terz und von der kleinen Terz in die große. Gabe es am Aequator Kuckucke, würden sie sich dort wahrscheinlich der Oktave bedienen.

Schließlich will ich eine wahre Geschichte von< einem Schwarzplättchen erzählen. 3n Frankfurt am Main kenne ich einen Vogelzüchter, dessen Spezialität sind Schwarzplättchen. Er hat ein un- gemein scharfes Gehör, und wenn er in München lebte, würde er einem Sperling genau anhören, ob der aus Bogenhausen stammt, aus Thalkirchen oder aus der Au. Die Dialekte innerhalb des Dialektes unterscheiden sich ja im gleichen Maße. Der Züchter nun, von dem ich spreche, mußte eines Tages nach Wien reifen zu einem Schwarzplättchenzüchter-Kongreß. Menschen, die sich mit Vogelzucht befassen, sind lieb und gut. And sie sind auch ost arm. Der Züchter aus Frankfurt hatte wochenlang für die Reise ge­spart. Dann wickelte er fein Vögelein in Silber­papier und dampfte mit dem Personenzug nach Wien, wo er abends nach 9 Ahr ankam. Das Haus des Kollegen, der ihn eingeladen hatte, war geschlossen, der Hausmeister sperrte auf, und mit seinem Schwarzplättchen im Arm ftijg der Züchter die Treppe hinauf. Als er im zweiten Stock angelangt war, ging das Licht aus, der Mann stolperte. Während er im Dunkeln nach dem Lichtschalter suchte, ertönte aus der im zweiten Stock gelegenen Wohnung klar und deut­lich der Gesang eines Wiedehopfes. 3ch weih nicht, wie der Wiedehopf singt. Sagen wir er singtmuppmuppmupp". Das Schwarzplättchen des Züchters aus Frankfurt war das einzige auf dem Erdball befindliche Schwarzplättchen, das garantiert unverfälscht, edelrassig und vollmundig

fang. Es fang nichttriHili wie die meisten Schwarzplättchen; nein, es fanglürilürilüri". And der Züchter aus Frankfurt war auf sein Schwarzplättchen schrecklich stolz, und gedachte an­läßlich des Kongresses sämtliche übrigen Schwarz­plättchen-Züchter Europas in den Schatten zu stellen und zu blamieren. Am nächsten Morgen sand der Kongreß statt. Der Züchter wickelte sein Tierchen aus und knuffte es. damit es finge. And es fangmuppmuppmupp", und immer wiedermuppmuppmupp" und nichts anderes alsmuppmuppmupp". Diese köstliche Art zu fingen hatte das Schwarzplättchen am Abend vorher von jenem Wiedehopf gehört und charakterlos wie alle Prominenten sofort über­nommen. Der Züchter aus Frankfurt liegt auf dem Zentralfriedhof in Wien begraben.

Oer Ursprung des Schachspiels.

Mit dem viel erörterten Problem der Ent­stehung des Schachspieles beschäftigt sich die fran­zösische ZeitschriftLe Nid" und vertritt die heute allgemein anerkannte Anschauung, dah die Heimat dieses so beliebten Spieles in 3ndien zu suchen ist und daß es dort zuerst im 5. christ­lichen 3ahrhundert aufkam. Bei dieser Gelegen­heit wird eine hübsche Geschichte von der Ent­stehung des Spieles nach dem Bericht des ara­bischen Schriftstellers Al Sephadi mitgeteilt: Ein Beherrscher 3ndiens regierte seine Völker so schlecht, dah sich schon nach wenigen 3ahren sein Reich in einem sehr schlechten Zustande befand, und die Untertanen unter dem Druck der Ver­hältnisse schwer seufzten. Die Brahmanen und die Rajahs, die dem Allmächtigen bescheidene Vor­haltungen zu machen wagten, fielen in Angnade und wurden verbannt. Da fand schließlich ein Angehöriger der Drahmanenkaste, Sessas.der Sohn des Daher, ein feines Mittel, durch das er dem König eine Lehre geben konnte, ohne ihn zu be­leidigen. Er lud den Herrscher zu einem neuen Spiel ein, das er erfunden hatte, dem Schach­spiel, und als der Fürst davon entzückt war, wühle er ihm im Verlaufe des Spieles beizubrin­gen, daß es ein Sinnbild des Lebens sei, denn hier wie in der Wirklichkeit könne der König, obwohl er am wichtigsten sei. doch keinen Schritt tun ohne die Hilfe und den Schuh feiner Unter­tanen, der Bauern. Das leuchtete dem Herrscher ein und er versprach, seine Regierungsform zu ändern und mehr an feine Untertanen zu denken, deren er so notwendig bedürfe ...