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nr. 114 Erstes Matt

182. Jahrgang

Mittwoch, 18. Mai (952

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnttk und Verlag: vrühl'fche Universttätr-Vuch. und Stcinöruderei R. Lange in Stehen. 5chriftleitung und Seschäftrftelle: Schusfttahe 7.

Die Aussichten für Lausanne

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Der neue Gouverneur des Memellandes

n a I c Reg Q3 o 11 m a d)

Händen gelungen beschloß die Kundgebung. Anlchlie- ßend fand eine Kranzniederlegung am Abstim mungsdenkmal statt.

6 o ro n o , 17. Mai. (TU. Funkspruch.) Die die Telegraphen-Union" erfährt, ist die Ernennung des bisherigen titauifchen Generalkonsuls in London. Gylys, zum neuen Gouverneur des Me­melgebiete» erfolgt. Gylys ist heute in fiorono eingetroffen und dürfte schon in den nächsten Tagen sein Amt übernehmen.

Gylys ist in der Konsularkarriere tätig gewesen. 3n den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit des litauischen Staates war er Kanzleiches imMi- nisterkabinetl. dann litauischer Vertreter für Finnland und Estland in helsingsor», später Konsul in Königsberg und Kopenhagen. Vach längerer Tätigkeit im Außenministerium wurde er 1936 zum Generalkonsul In Lon­don ernannt. Er stehl im 46. Lebensjahr.

Herr Gylys ist noch ein unbeschriebenes Blatt. Die Annahme scheint jedoch berechtigt zu sein, daß er mit dem Kurs seines Vorgängers bre­chen und eine Verständigung anzubahnen suchen wird. Auch in Äorono hat man nach dem Ausgang der Memeler Wahlen kalte Füße bekommen. Die Wirtschaftskrise hat sich in den letzten Monaten wei-

ierung mit diktatorischen t e n tritt.

der Mißerfolg der Lausanner Änn- serenz si ch zu einer Weltkatastrophe au-wirken wurde. Deutschland würde in seinen Zusammenbruch die meisten Völker mit hinein ziehen. .Keine Großmacht, nicht einmal Frankreich, würde dem Wirbel­sturm widerstehen können. Gläubiger und Schuld­ner würden insgesamt ruiniert, zwangs­läufig sich gleichgestellt sehen.

liche Ilnterhändlertätigkeit frei erfunden ist John Curtis gab zu, daß alle«, waS er über seine Verhandlungen erzählte, lediglich Pro­dukt seiner Einbildungskrast gewesen sei und nur dazu bestimmt war. hohe Hono­rare sür Zeitungsartikel über den Fall und seine Rolle dabei herauszuschlagen CurllS spielt seit vielen Jahren in der Ror'olker Gesell­schaft eine prominente Rolle. Das Schisssbau- unternehmen von Curtis hatte vor ungefähr einem Jahre bankrott gemacht Das Ver­trauen zu CurtiS und seinen Mitteilungen war so groß, daß alle verfügbaren Küstenwach'chiffe zwi­schen Gloucester (Massachusetts) und Rorsolk (Virginia) mobil gemacht worden sind, um nach dem Voot zu suchen, aus dem sich angeblich die Verbrecher befänden. Oberst Lindbergh selbst halbe zahlreiche Flüge unternommen, um nach dem Fahrzeug Ausschau zu halten, aus dem er lein Kind vermutete, und die Polizei ist bei ihren Rachforlchungen aus eine falsche Fährte ge I o d t worden.

Eine Ostpreußenkundgebung des VOA. in Marienburg.

Abschluß der Elbingcr Tagung.

Marienburg, 17. Mai. (HL) Tausende von Teilnehmern der (Eibinger VDA. Tagung fanden sich am Dienstag zu einer eindrucksvollen Festkund gebung in der Marienburg 3m gro­ßen Remter der Burg fand ein Festakt jtait Regie­

Annahme von Anzeigen für die lagesnummer vis zum Nachmittag vorher.

Preis lur \ mm Hobe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- blameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrill 20*. mehr.

Chefredakteur

Dr. Friede. Dill). Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Will). Lange: für Feuilleton Dr H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

Eine sensationelle Verhaftung. OaS Kind bei der Entführung versehentlich fallen gelassen. - Oer Mittelsmann Curtis als Schwindler entlarvt.

ter zugespitzt. Litauen ist auf bc/r deutschen Absatz markt angewiesen. Es hat also guten Grund, durch eine Aenderung seiner Haltung den Memellandern gegenüber neue Brücken nach Deutschland zu schlagen. Dann sind die Machthaber in Storono eben erst an einem Putsch des Gouverneurs M e r k y s haarscharf vorbeigegangen. Merkys wollte einen Senfationsprozeß, in dem er eine recht un erfreuliche Rolle spielt, benutzen, um vom Memel gebiet aus die litauische Regierung zu stürzen. Das ist ihm mißglückt, weil die Kownuer Regierung im letzten Augenblick Kenntnis von seinen Plänen er hielt und entsprechende Sicherheitsmaßnahmen er greifen konnte. Faßt man das alles zusammen, so laßt es sich schon verstehen, wenn die Kownoer Rc gierung jetzt mildere Saiten aufziehen möchte. Wir werden natürlich eine Umkehr begrü­ßen, werden aber nicht vergessen, daß im M e - melgebiet vorläufig noch rechtlose Zu stände herrschen. Erst wenn Litauen die inter­nationalen Verträge wieder achtet, und dos an den Memelländern begangene Unrecht gutgemacht, also auch dafür gesorgt hat, daß das Memelland sich eine Regierung nach seinen Wünschen bilden darf, werden wir ebenfalls bereit fein, un­tere Einstellung einer Revision zu unterziehen.

London. 18. Mai. <WTB. Funkspruch.) Ein gewisser Frank Par^ych, der gestern abend wegen böswilligen Verlassens seiner Frau verhastet wurde, soll das Geständnis abgelegt haben, daß er einer von sieben Männern gewesen sei, die das Lindbergh-Kind c ntführt hätten. Heber den Tod des Kindes hat der Ver­haftete erflärt: Als das Kind von dem Fenster des Schlafzimmers die Leiter heruntergetragen wurde, wurde es versehentlich fallen­gelassen. Sein Tod wurde erst entdeckt, als man schon im Auto mehrereKilometer von dem Hause entfernt war. Die Polizei unterzieht den Verhafteten gegenwärtig einem scharfen Verhör, um fest zu st eilen, ob seine Mit­teilung auf Wahrheit beruht.

Die Staatspolizei von Rew Jersey gab heute bekannt, daß derVertrauensmann Lind- derghs, John Curtis aus Rorfolk, der mit den auf See befindlichen Räubern des Lind- bergh-Kindes eine Verbindung berge- stellt zu haben behauptete, nunmehr nach län­gerem Verhör gestanden hat, daß seine angeb-

Oie Arbeit desReichskabinetts

Wie wird die Arbeitslofcnfürsorge finanziert?

Berlin, 17. Mai. (211.) Das Reichskabinett letzte am Dienstagnachmittag seine Beratungen fort, um sich, wie es heißt, mit aller Energie den sachlichen Fragen zu widmen, also insbesondere der Kardinalfrage, der Finanzierung der Arbeitslosenkürlorge. im einzelnen der Krisen- und der Wohlfahrtsfürlorge. die im Zu­sammenhang mit dem Reichshaushalt dringend der Lösung harren. An den Kabinettsberatungen nahm auch der Leipziger Oberbürgermeister Dr. Doerdeler teil und zwar in keiner Eigentcha't als trüberer Preiskommi'sar und Sachverständiger für Kommunalfragen. Einstweilen scheint das Ka­binett nach einer Meldung Berliner Blätter entschlossen zu lein, das Problem der Arbeits- Icfenlürforge als em Gefamtproblem unab­hängig von der Dreigliederung der vermiedenen Unterstützungsarten anzusehen. Insgesamt seien für die Arbeitslosenversicherung, für die Krifenfürsorge für tue Wohlfahrtserwerbsloken rund 3 Milliarden Mark im kommenden Jahr auszubringen. Davon wolle das Reich in feinem Haushaltsplan 1 Milliarde Mark ein- fteäen. Die Arbeitslosenversicherung

genS verantwortlich gemacht werden. Deshalb würde Frankreich früher oder später sich gezwungen sehen, von dem Buchstaben der Verträge abzusehen, und Deutsch­lands entschlossener Wille, für immer d i e Tributzahlungen abzulehnen, würde eine internationale Genugtuung finden.

Der Reichskanzler, fo erklärt der Sonderbericht­erstatter deS .Matin". sei auf Grund von Rach­richten aus guter Quelle davon überzeugt, daß

lichen Heberwachungsmaßnahmen zu verdanken, die jetzt ganz offensichtlich ungenügend gewesen sind. Denn sonst wäre man auch dieser Offiziers­verschwörung rechtzeitig auf die Spur gekommen. Auffallend ist übrigens, daß sich die Attentäter auS den Reihen der jüngeren Hee - resangehörigen rekrutieren, die im vorigen Herbst in der Madschurei wiederholt Krieg auf eigene Faust geführt haben. Es handelt sich bei diesen Leuten um Vertreter der Schichten des japanischen Volkes, die von un­ten her in die Kommandostellen gekommen sind und die wieder mit den Angehörigen der Adels­kaste in ständigem Unfrieden leben. Sie stellen auch das stärkste Kontingent der Mitglieder des Schwarzen Drachen, dessen offener und versteckter Kampf wahrscheinlich doch erreicht haben dürfte, daß an die Stelle des jetzt zurückgetretenen Kabi­netts eine vom Parlament unabhängige n a t i o -

Geheimbünde hat es von jeher und zu allen Zeiten gegeben. Sie sind auch heute noch überan anzutressen Rur verlieren fie stets das Geheimnisvolle in dem Augenblick, in dem ihre Existenz bekannt wird. Richt alle haben die Polizeiorgane des Staates zu fürchten, gibt es doch viele, die soziale oder gesellschaftliche Auf­gaben zu erfüllen haben, deren Mitglieder jedoch den Flüsterton und die Zeichensprache lieben. Andere wieder verfolgen ausgesprochen politische Ziele und werden vielfach nicht nur von ihren Regierungen geduldet, sondern geradezu ge­fördert. Wir denken dabei an die Schwarze Hand aus dem Vorkriegsserbien. die ein Groß­serbien anstrebte und jeden aus dem Wege räumte, der sich ihr in den Weg stellte Be­gierig griff diese Organisation, in der wirklich geheimnisvolle Dinge zugingen, die sich ihr bietende Gelegenheit auf. das österreichische Thronfolgerpaar zu ermorden, um den Stein ins Rollen zu bringen, der dann auch Oesterreich- Ungarn niederwalzte und ein Großferbien schuf

Eine gewisse Aehnlichkeit weist die in Japan stark verwurzelte, aber auch längst ihres Geheim- ckarakters entkleidete Organisation2er schwarze Drachen" auf. Sie setzt sich aus glühenden Patrio­ten zusammen, die übrigens wie weite Kreise des japanischen Volkes die vielen außenpolitischen Rie­derlagen Japans ebensowenig wie den plötzlichen Ausmarsch aus Schanghai und die Versager im mandschurischen Feldzug begreifen können. U n - gehe urc Geldopfer und nicht uner­hebliche Dlutopfer sind gebracht worden, ohnedaß Japan Lorbeerenzu ernten vermochte. Gerade aus den Reihen des Schwarzen Drachen, aber auch aus dem Heere und dem Volke selbst heraus sind heftige An­griffe gegen d i e Regierung gerich- t c t worden, die für alle Fehler verantwortlich ge­macht wird und von der oft gefordert worden ist, in ihrer mandschurischen Politik auch vor Ruß- land nichtHalt zumachen. Schon einmal, im Rovember vorigen Iahres, war Aehnliches wie jetzt vorbereitet gewesen. Rur waren die Ziele damals weiter gesteckt worden Daß das revolu­tionäre Unternehmen mißglückte, ist den polyei-

rungsvizepräsidcnt Laue wies darauf hin, daß man in Ostpreußen erwarte, daß Deutschland diese Provinz nicht verlassen werde, die treu zum Reich halte. Erster Bürgermeister Pawelzik (Marienburg) er­klärte, es gelte, Ostpreußen deutsch zu erhallen, bis es dereinst wieder mit dem Reich vereinigt würde.

9m Anschluß daran fand vor dem Plauen- Werl eine große öffentliche Kundgebung statt. Zu­nächst sprach der Abstimmungskommissar Frei- Herr o. Gayl über die Abslimniung und deren Bedeutung. Ostpreußen fei von jeher der Vor posten des Deutschtums gewesen. Mutig und unentwegt habe es das Deutschtum verteidigt. Ost- preußcn arbeite auch heute weiter lebendig und un­erschütterlich sür Deutschland Rektor Goey (Ma­rienwerder) dankte dem VDA. für die Durchführung der Tagung in Ostpreußen. Regierungspräsident z. D Graf v. B a u d i s s i n , der frühere Abstimmungs- kemmissar in Marienwerder, bezeichnete die Tagung als ein Erlebnis des aktiven Grenzkampfes. Das Reich habe durchaus Verständnis für Ostpreußen, und wenn es nötig sei, so würde ein neuer Kreuzzug nach dem Osten führen. Reichs^ minifter a. D. Geßler dankte der ostpreußischen Bevölkerung, die der Fugend wieder den Glauben an die Zukunft gegeben habe. Für diese Jugend seien wir verantwortlich. Es komme auf die Ge­sinnung an, und diese Gesinnung werde hier vor der Marienburg als Wehrwille bekundet. Eine der wichtigsten Aufgaben des VDA. fei, klar­zumachen, daß das deutsche Schicksal sich im Osten erfülle.Dickes Land bleibt deutsch", fo schloß Dr Geßler. Das Deutschlandlied mit erhobenen Schwur-

Auf der Jährte der Entführer des Lindbergh-Kindes?

London, 17. Mai. (IU.)Daily Telegraph" meldet, daß Washingtoner Rcgicrungs- kreise die Beteiligung Amerikas an dem dritten Abschnitt der Lausanner Konserenz, wo allgemeine Fragen, ;. B. währungspolitischer Art erörtert wer­den sollen, mit Mißtrauen betrachteten. Es sei daher möglich, daß die Amerikaner Vorschlägen wür­den, solche Fragen im Anschluß an Lausanne a u s einer besonderen w e l t k o n f e r e n ; zur Sprache zu bringen. Ein solche» versahren würde die amerikanischen B.fürchtungen über eine Ver­mischung der Reparation», und Kriegsschuldenoer­handlungen mit den Erörterungen über Währungs­fragen beseitigen. Churchills letzter Besuch sei nicht ohne Einsluß auf die Gedankenrichtung de» amtlichen Amerika» geblieben.

3c näher die (Eröffnung der Lausanner Konferenz heranrücke, um fo mehr wachse, wieFinancial Jlcro»" mitteilt, der Pessimismus der eng­lischen Bankkreise. Trotz de» sranzösischen Wahlergebnisse» seien die Hoffnungen auf eine zu­friedenstellende Regelung der Frage keineswegs sehr hoch. Man besürchle, daß die Konserenz zu keinen Entscheidungen komme und sich um 6 Monate vertagen werde. Dies fei, wie man glaube, da» Ziel Frankreichs, wobei die Verzögerung der Regierungsneubildung als Ent­schuldigung dienen solle. Vie französischen verlreler würden wahrscheinlich sehr bald die Vertagung be­antragen. Eine Vertagung der Entscheidung um sechs Monate würde den weg für eine Wie­dererholung wirksam versperren. Un­ter diesen Umständen wäre es zwecklos, von einer Stabilisierung der Währung eine Verbesserung de» handel» erwarten zu wollen. Der einzige Vorteil werde sein, daß sich die finanzielle Stel­lung Frankreich» weiter verschlech­tere. Frankreich sei jetzt keineswegs in der starken Stellung wie im Januar, als es auf einer Verschie­bung der Konferenz bestand. Innerhalb weniger Monate werde sich die Krise in Frankreich ver­schärfen und möglicherweise werde Frankreich dann eher zu einer verständigeren Auffassung der Lage bereit (ein.

Frankreichs Verantwortung.

Eine deutsche Katastrophe zieht die der anderen Völker nach sich.

Paris, 17. Mai. (WTB.) Ein nach Berlin entsandter Berichterstatter desMatin" glaubt die Gedankengänge des Reichskanzlers über die Lausanner Konferenz folgendermaßen toicber- «geben zu können: Wenn Frankreich von Rationen, die mehr denn je mit der Arbeits­losigkeit in der Wirtschasts- und Währungskrise zu kämpfen haben und sich immer mehr dafür aussprechen, daß man die Schulden und Repa­rationen streichen müsse, aufgefordert wird, zu Deutschlands Gunsten leine For­derungen aufzugeben, wird es nicht den Fehler begehen können, mit einem brutalen, endgültigen Reinzu antworten. Wenn es seine Intransigenz bis zum äußersten treiben sollte, würde es unvermeidlich (Segen- stand einer allgemeinen Feindselig­keit werden. Man würde mit Fingern auf Frankreich weilen und es beschuldigen, in Deutsch­land den Hitler-Leuten geholfen zu haben, ans Ruder zu kommen. Frankreich würde dann f ü r d i e Verschärfung des allgemeinen in der Welt herrschenden Llnbeha-

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Randnoten.

Feiern in Rotzeiten bleiben eindrucksvoller haften als ein schweres Erlebnis Die fonniaen Stunden bleiben immer lebhafter vor dem Ge­dächtnis als die Zeiten der Trauer. Es ist gut so Sonst mühten wir 3cit' unseres Lebens in Trauer gehen. So ist es voll Sinn, daß wir in der größten Rotzeit, die das mitteleuropäischeDeutsch­tum wohl seit dem Dreißigjährigen Krieg und feit den Lroberungszügen Rapolcons erlebt hat. icgcl- mäßig zu Pfingsten die großen Volksfeste des Vereins für das Deutschtum im Ausland erleben, bald im Rorden, bald im Westen, im Süden oder jetzt im Osten. 3n 6 l b i n g hat der VDA. mit seinen zehntausend Jugendlichen, die diesmal trotz aller Hindernisse gekommen waren, dem Osten das Gefühl gebracht, daß man nicht nur gelegentlich drinnen im Reich vom Osten spricht und dabei über die Osthille schimpst. sondern daß die Schicksalsfragen des OstenS al« Schicksalsfragen der deut­schen Ration in immer breitere Schichten deS Dr'ksbewußtfeins gedrungen find

Zehntausend junge Menschen haben die Be­schwerlichkeit der Reise durch den polnischen Korridor, um den polnischen Korridor oder an den polnischen Korridor erlebt. Zehntausend junge Menschen haben wenigsten« das kurze Stück der llnrechtsgrenze von Kurzebrack bis Marienburg gesehen, haben an dem polnischen Schlagbaum vor dem herausfordernden weißen Adler gestanden, der den Zugang Ostpreußens zur Weichsel verwehrt, haben die fünf Dörfer gesehen, die ohne polnische Mehrheit östlich der Weichsel zu Polen geschlagen sind, die an Polen überantwortete Rogatschleuse, von der der Hochwasserschutz der ganten Riederung bi« über Marienburg hinaus abyängt, und das West­preußenkreuz auf dem Weißen Berg, das herüber­grüßt über Weichsel und Rogat. der deutschen Bevölkerung drüben im polnischen Korridor als täglicher Trost und Schwur.

Wer auch nur diese kurze Strecke der sinn­losen Ostgrenze abgefahren ist. mit dem Wagen in einer knappen halben Stunde, der versteht, warum man nicht in Ostpreußen allein, sondern im ganzen deutschen Osten auf Kampf g e - ttimmt ist. Hier ist gut schönen Versprechungen nicht« zu wollen. Rot und Elend, verschuldet durch die Zerreißung deutschen Landes, rauben bem ganzen Osten wirtschaftlich den Atem. Hier blutet jedes Stückchen Grenze. Solange es blutet, solange der alte Bestand des Deutschen Reiches im Osten nicht vollständig und ohne jede Ein­schränkung wieder hergestellt ist, gibt es keine Lebensmöglichkeit, gibt es keine dauernde Ge­sundung: solange wird auch der Westen unmittel­bar zu leiden haben unter den Schicksalsschlägen im Osten. Das hat eine feiernde deutsche Ju­gend aus Elbing mitgenommen. Das wird weiterwirken in deutschen Landen wie jenes Paulusbekenntnis des Aachener Ober­bürgermeisters Rombach, der kürzlich' noch die Osthilse für überflüssig hielt, jetzt aber mit der feierlichen Verpflichtung den Osten verlassen hat, von nun an sich sür eine Verstärkung der Ost­hilse für ihren Ausbau zu einem vom ganzen Volk getragenen und nicht mehr nur verordneten Ostwerk einzusehen. Das Bekenntnis der Ju­gend mag im Augenblick polnisch gleichgültig sein. Gs wirkt aber f?rt als Gelöbnis und Schwur eines Volkes, das sich nicht in einer Generation aus der Geschichte streichen lassen will.

Geringe Hoffnung in England und Amerika. Frankreichs Bestreben nach erneuter Verschleppung.