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Das Zentrum rüst für Hindenburg auf.

Berlin, 17. Febr. (WTB.) Die Deutsche Zentrumspartei hat einen Aufruf erlassen, in dem es u. a. heißt:

Das deutsche Volk steht vor der Wahl des­jenigen, der ihm Hüter der Verfassung, Garant der Ordnung, Symbol seines Einheitswil lens sein soll. Diese hehre und schwere Aufgabe ist heute nur gewährleistet in den Händen einer Persönlichkeit, die über dem trennenden und verhetzenden Kampf parteiischen Geistes steht, der nicht Ge­folgsmann und Diener einzelner politischer Grup­pen ist, sondetn Führer und Repräsen­tant der D o l k s g e s a m t h e i t. Mehr als irgendein anderer verkörpert diese Eigenschaften der bisherige Reichspräsident Generalfeldmar­schall von Hindenburg.

Was an Gegenkandidaten genannt wird und genannt werden kann, ist angesichts der Ge­samtlage nicht die Bejahung, sondern die Ver­neinung deutschen Einheitswillens im besten Falle unverantwortbare Schwäche. Gegenüber der schon heute der Geschichte angehörenden, i m I n - und Auslande in einzigartiger Ach­tung stehenden, im Krieg und Frieden be­währten, in glorreichen und dunklen Stunden erprobten Heldengestalt Hindenburgs sinken seine parteipolitisch gekürten und parteipolitisch be­lasteten Gegenspieler zur Bedeutungslosigkeit her­ab. Verhetzung und Demagogie ist ihr Weg zur Macht, Unfähigkeit und Gewalttätigkeit wäre ihre Betätigung im 'Besitze der Macht.

Der Versuch, dem deutschen Volke di e s e n Wahlkampf zu ersparen, ist gescheitert. Eine einzigartige Gelegenheit der Sammlung im

Innern, friedlicher Kraftbekundung nach außen, ist versäumt worden. Im Vertrauen auf die Zu- stimmung und Unterstützung ungezählter Volks­genossen außerhalb unserer Reihen bekennen wir Mitglieder der Deutschen Zentrumspartei uns über alle politischen und konfessionellen Schran­ken hinweg in staatspolitischem und volklichem Gemeinschaftsgei st zu Hindenburg und proklamieren ihn freudig und entschlossen auch als den Kandidaten unserer Wahl. In gewollter Verneinung alles Trennenden wollen wir den 13. März zu einem B e k e n n t n i s t a g v o l k s b e jahende n Einheitswillens, sammelnden Gemein­schaftsgeistes machen.

An unsere Freunde in Stadt und Land ergeht darum der Ruf, sich der Bedeutung dieser Wahl und der Größe ihrer Verantwortung bewußt zu sein. Aufstieg oder Riedergang, Friede oder Kampf. Ausbau oder Zerstörung hängt ab von der Führerweisheit und Charakterstärke, der gei­stigen und sittlichen Reife, der Ausgeglichenheit und Unparteilichkeit des Mannes, in dessen Hand in dieser beklemmend ernsten Stunde die Wah­rung der deutschen Geschicke gelegt wird.

Unsere Wahl ist getroffen. Sie ist auf den Würdigsten gefallen, den eine deutsche Mutter für diese Rotzeit geboren hat. Deutsch­lands Wiederaufstieg ist mit dem Ramen Hin­denburg verknüpft. Sein Sieg wird Deutsch­lands Sieg sein!

Berlin, den 16. Februar 1932.

(gez.) Kaas,

Vorsitzender der Deutschen Zentrumspartei.

Oer Michslandbund lehnt eine Wiederwahl Hindenburgs ab.

Berlin, 17. Febr. (TU.) Vom Reichs- landbund wird mitgeteilt:Es ist der Oeffent- lichkeit bereits bekannt, daß der Geschäftsführende Präsident des Reichslandbundes, Graf von K a l ck r e u t h , sowohl für seine Person wie auch für den Reichslandbund es abgelehnt hatte, dem sogenannten Sahm-Ausschuh beizutre­ten. Hieraus wurde schon mit Recht geschlossen, daß der Reichslandbund einer Wahl Hin­denburgs, die von der Linken und der Mitte propagiert und gestützt würde, ablehnend ge­genüber st eh t. Die Stellungnahme des Land­bundpräsidiums zur Kandidatur Hindenburgs, die auch der des Bundesvorstandes des Reichsland­bundes entsprach, hatte Graf Kalckreuth in einem bisher unveröffentlichten Schreiben an die Füh­rer der Rationalen Opposition wie folgt zum Aus­druck gebracht:

Den Gedanken, bei einer Volkswahl die Wie­derwahl Hindenburgs durch die Rationale Oppo­sition zu unterstützen, halte ich nur dann für möglich, wenn Hindenburg durch entschei­dende Schritte eine Trennung vonderLin- ken und ein Bekenntnis zur.nationa­le n Seite vollzogen hat.

Solche Schritte könnten in der Berufung eines nationalen Reichskabinetts oder in der A u f l ö s u n g des j e tz i g e n R e i ch s- tages liegen. Ohne daß Hindenburg für seine Person eine f(are politische Entscheidung zur natio- nalen Seite zum Ausdruck gebracht hot, kann ich mir ein Eintreten für die Persönlichkeit Hinden­burgs bei der Reichspräsidentenwahl nicht vorstel- len. Rücksichten auf Hindenburg etwa aus seiner Ehrenmitgliedschaft im Reichslandbunde oder seinen früheren historischen Leistungen als Führer im

Eine erregte Sitzung

Darmstadt, 17. Febr. (WHP.) Präsident Dr. Werner eröffnet die Sitzung zur Weiterberatung der Großen Anfragen um 10.30 Uhr. Beim Herein- kommen liegt ein P l a k a t2 Jahre Nazi-Mord" auf dem Tisch des Hauses, das der Abgeordnete Lenz (Rats.) holt und zerreißt. Abg. Widmann (S.) wird wegen der Flugblattoerteilung zur Ordnung gerufen. Der Präsident teilt mit, daß der Lleltestenrat eine Beschränkung der Redezeit beschlossen hat. Die Kommunisten pro­testieren gegen diese Einengung ihrer parlamenta­rischen Tätigkeit.

Der Vorfall in Vrehenheim.

Lei; fordert Eingreifen der Rcichsaufsicht.

Abg. Lenz (Rats.) verliest eine scharfe Erklärung wegen der gestrigen Vorgänge in Bretzenheim. Dort wurden 40" Nationalsozialisten beim Zettelver­teilen von z a h l r e i che n Kommuni st en überfallen und mißhandelt. Nach natio­nalsozialistischer Darstellung wurden auch Schüsse abgegeben. Als der Redner von einem v o l l - ständigen Versagen des hessische n Staates zum Schutze des Lebens und der Sicherheit spricht, erhebt sich ein lebhafter Tumult. Der Redner fordert schleuniges Eingreifen der Reichsaufsicht und richtet an seine An­hänger die Aufforderung, auch gegen die Verord­nungen zum Schutze des Lebens und Eigentums des Staatsbürgers von allen Notwehrmitteln Gebrauch zu machen. (Hört! Hört! links; Bei­fall bei den Natf.)

Abg. Galm (Komm.) erklärt, als er von den Rationalsozialisten alsStaatenloser" empfangen wird:Ich bin Deutscher (Pfui-Rufe der Rat.- Soz.), und ich habe mich dessen nie geschämt, ich bin Sozialist und Kommunist, und ich habe mich dessen nie geschämt, aber es ist bald scham­voll, hessischer Abgeordneter zu sein (der Präsi­dent ruft den Redner zur Ordnung), wenn man mit den Rationalsozialisten in dieser Weise Zu­sammenarbeiten soll. (Zuruf bei den Rat.-Soz.) Wir haben gestern die Androhungen der Ratio­nalsozialisten gehört. Wir haben nur dagegen Verwahrung eingelegt, aber was sich heute hier abgespielt hat, das ist die offene Aufforde­rung zum Bürgerkrieg.

Crneuter Tumult.

Polizei erscheint im Hause. Die Sitzung wird unterbrochen.

Ungeheuerer Tumult entsteht. Der national­sozialistische Abgeordnete Hauer drängt gegen den Redner vor. andere Rationalsozialisten schließen sich an. Auf der anderen Seite stürzen Sozialdemokraten und Kommunisten zum Schutze

Weltkriege können mich nicht von der Feststellung entbinden, daß die Wahl Hindenburgs im Jahre 1925 nicht d i e von seinen damali­gen Wählern erstrebte Wendung in der Führung des deutschen Staates gebracht hat, son­dern im Gegenteil sich als Stütze des von uns als schädlich festzustellenden gesamtstaatlichen und gesamtwirtschaftlichen Zustandes in Deutsch­land ausgewirkt hat. Die Beflissenheit, mit der jetzt Mitte und Linke für die Kandidatur Hindenburgs eintreten, erweist die Richtigkeit meiner Auffassung." In der Tat enchüllt das Echo der Linkspresse nach der Annahme der Kandidatur durch Hinden- bürg bereits jetzt eindeutig den Zweck, den die Linksparteien bei dieser Kandidatur verfolgen, Zwiespalt und Unsicherheit in die Reihen der Nationalen Opposition zu tragen, wenn versucht wird, diesen Zweck dadurch zu verhüllen, daß man durch Hinweis auf die hohen menschlichen Qualitäten Hindenburgs und seine Lei­stungen im Weltkrieg an eine Gefühlswelt appel­liert, die bei jedem Nationalgesinnten lebendig ist und ihn den Schritt Hindenburgs aufs Tiefste be­dauern läßt.

Der Reichslandbund muh daher in­folge der durch den Entschluß des Feldmarschalls geschaffenen Lage seine Wiederwahl ad- lehnen, unabhängig von der noch zu erwartenden Lösung der Kandida'tenfrage durch die Nationale Opposition. Der Reichslandbund kämpft für die Be­setzung des Reichspräsidentenpostens durch eine Persönlichkeit, die Deutschland von der Be­herrschung durch die verhängnisvol­len Kräfte befreit, die für die Irrwege un­serer bisherigen nationalen und Wirtschaftspolitik verantwortlich sind."

m He fischen Landtag.

vor. Fäuste erheben sich, der Präsident verläßtseinenStuhlundunterbricht die Sitzung. Mitten im tollen Wirbel er­scheinen zwei uniformierte Polizisten im Türrahmen hinter dem Präsidium. Wilde Pfui-Rufe der Rationalsozialisten erschallen: Wer hat die Polizisten gerufen?" Darauf ver­schwinden die Uniformierten wieder. Roch mehre­ren Minuten gelingt es einigen Besonnenen, die Streitenden auseinanderzubringen. Der Präsi­dent unterbricht die Sitzung auf eine Stunde. Er beruft den Aeltestenrat. Dieser beschließt, daß in Zukunft solche Erklärungen nicht mehr abgegeben werden dürfen. Rach der Wieder­eröffnung der Sitzung sind die Rational- sozialisten draußen geblieben.

Abg. Galm (Komm.) fordert von der Re­gierung eine klare und bündige Entscheidung zum Schuhe der arbeitenden Bevölkerung.

Abg. R o st (Komm.) bezeichnet die Rational­sozialisten als die Angreifer von Bretzenheim. Die bisherigen Ermittelungen machten es wahr­scheinlich, daß der Abgeordnete Buttler von der nationalsozialistischen Feme überfallen wurde oder daß er sich selbst verletzt hat.

Abg. Zinnkann (S.) erklärt, die sozialdemo­kratische Fraktion weise die Lenzsche Erklärung nach Form und Inhalt zurück. Die Regierung arbeite verfassungsmäßig. Die Erklärung des Abgeordneten Lenz fordert seine Anhänger auf, den Weg der Illegalität zu beschreiten. Wir ersuchen die zuständigen Ministerien mit aller Entschiedenheit dafür zu sorgen, daß jedem Ra- tionalsozialist gegenüber, der nach den Anweisun­gen seines Gauführers handelt, die Gesetze mit aller Schärfe zur Anwendung gebracht werden, und jedem Staatsbürger die Ausübung seiner staatsbürgerlichen Rechte gewährleistet ist. Wir wünschen, daß der Landtogspräsident die Ge­schäftsordnung rücksichtslos und unpar­teiisch zur Anwendung bringt.

Die Darstellung der Regierung.

Innenminister Leuschner gibt darauf folgende Erklärung ab:Zu dem von dem Herrn Abg. Lenz vorgetragenen Ueberfall in Bretzenheim habe ich durch die Polizei zunächst feststellen lassen, daß v e r l e tz t e P e r s o n e n bis jetzt noch nicht ermittelt werden konnten, ebenso sind alle N a ch s o r s ch u n g e n n a ch Waffen bei den de- teilioten KPD.-Mitgliedern erfolglos geblieben. Es sind in der Zwischenzeit 11 Personen in Polizei­haft genommen worden. (Zwischenruf:Wer ist das?") Die Auffassung, die aus der Erklärung des Herrn Abg. Lenz spricht, bedeutet den Bür- 9 er krieg. (Sehr richtig!) Wenn alle Gruppen und Parteien sich diese Auffassung zu eigen machen wurden, wäre es mit dem deutschen Staate zu

Ende. Ich erkläre deshalb hier ausdrücklich, daß die Ordnung und Sicherheit in Staat und Be­völkerung nur von polizeilichen Organen aufrechterhalten und durchgef ührt wird. Ich warne ausdrücklich jedermann, den Weg der sog. Selbstilfe zu beschreiten. Die staatlichen Organe werden gegen jeden derartigen Versuch rück­sichtslos und unparteiisch Vorgehen."

Die Finanzlage.

Die Beratung wird dann fortgesetzt bei der Großen Anfrage über die Ausführung des Reichstpar- gutachtens. Die Rationalsozialisten erscheinen jetzt wieder im Hause. Abg. I u n g (Rats.) greift die Finanzpolitik der Regierung an. Wenn das Zentrum wissen will, was wir unterSystem" verstehen, dann sehen Sie sich hier nur die Mi­nister Adelung, Kirnberger und Leuschner an. Die Regierungsparteien haben 1918 einen sau­beren Staat übernommen, der auch finanziell ge­sund war. (Heiterkeit.) Ieht aber hat die Re­gierung Hessen finanziell totregiert. Ieht kündigt sie rücksichtslose Sparmaßnahmen an, weil die Macht des Rationalsozialismus sie dazu zwingt. Bei der Etatsberatung werden wir Einsparungsanträge stellen, die dem Volke wirkliche Erleichterungen bringen. (Hört, hört! Abwarten!)

Staatspräsident Adelung erwidert: Wenn unser im Vorjahr vorgelegter ausbalancierter Voranschlag im Endergebnis einen Fehlbetrag aufweist, dann waren außerstaatliche Verhältnisse stärker als unser Einfluß. Cs ist eine Illusion, die ich zerstören muh, daß wir hier auf Ministersesseln kleben. Es würde mir ein Ver­gnügen sein, wenn Sie, Herr Iung, schon als Finanzminister hier sähen und dem hessischen Volke Ihre Sparmaßnahmen plausibel zu machen versuchten. Ich bin sicher, daß dann die in einem Teil des Landes bestehende Stimmung nicht mehr anhalten wird. Der Redner hätte wissen müs­sen als Wormser, daß Hessen durch die Be­satzung eine zusätzliche Rot erdulden muhte, an der ganz Deutschland mittragen muß. Wenn man uns so einfach Ziffern aus 1914 vorhält, so vev- giht man den veränderten Geldwert, vergißt den verlorenen Krieg und die sozialen Lasten. Bis­her haben wir von Rationalsozialisten nur An­träge erhalten, die enorme Mittel beanspruchen, ohne dah gesagt wird, woher die Mittel kommen sollen.

Finanzmini st er Kirnberger erklärt, daß trotz veränderter Geldverhältnisse und neuer Aufgaben für den Staat der neue Etat beinahe die Endsumme des letzten großherzoglichen Haushaltes erreichen werde. Speziell unser Justizetat ist einer der billigsten aller Länder. Alle Illusionen und Einwendungen des Vorredners werden bei der Etatberatung in nichts zusammenfallen.

Abg. Lux (Soz.) erklärt, wenn in Hessen nach der bisherigen Art der Nationalsozialisten gewirt­schaftet worden wäre, die sogar Vermögensmittel (Eisenbahnschuld) für laufende Ausgaben verpul­vern wollen, dann wäre Hessen schon längst bankrott geworden.

Abg. Dr. N i e p o t h (D. Vp.) erklärt, das Spar­gutachten habe die siebenjährige Politik der Dolks- partei völlig gerechtfertigt und die nationalsozialisti­schen Behauptungen widersprechen den Tatsachen. Wir haben, da wir die Macht nicht hatten, vielfach u m s o n st gepredigt, bis die Not die Regie- rungsparteicn zwang, langsam unseren Weg einzu­schlagen. Die Nationalsozialisten können hier eben­falls vier Jahr lang Opposition treiben und sie wird erfolglos fein, wenn sie nicht energisch i n d i e Regierung drängen und die Verantwor­tung übernehmen wollen.

Abq. Hainstadt (Z.) erklärt: Bisher habe die hessische Regierung beim Reich erfolgreich mit der These gekämpft, daß Hessen durch die Be­setzung überaus schwer geschädigt wer­den ist. Jetzt sind die Nationalsozialisten dem Staat und dem Volk in den Rücken gefallen und haben dadurch eine schwere Schuld und Verantwortung auf sich geladen. Wer könne behaupten, daß in Hessen nichts gespart worden sei angesichts der Tatsache, daß seit 1924 2712 Menschen aus dem Staats- dienst entlassen wurden.

Wettete Anfragen der ASDAP.

Es folgt die Große Anfrage der Rationalsozia­listen über Beamtenernennungen.

Abg. Klaas (Ratsoz.) kündigt an, wenn die Rationalsozialisten zur Macht kämen, würden die beförderten Parteigünstlinge revidiert und die Verantwortlichen vor den neuen Staats- g e r i ch t s h o f gestellt.

Abg. Widmann (Soz.) polemisiert gegen den Vorredner. Abg. Ritzel habe für den Odenwald außerordentlich Wertvolles geschaffen. Die RSDAP. habe durch F r i ck in Cchüringen ja selbst erstaunliche Leistungen in der Anstellung von Par­teigünstlingen und Parteibevorziehung gezeigt.

Ministerial-Direktor Schäfer betont, daß die Maßnahmen der Regierung völlig korrekt seien. Beförderungen seien nicht verboten, daher auch bei Polizei und im übrigen Dienst überall erfolgt.

Es folgt die nationalsozialistische Große An­frage über das Ruhegehalt des Mini- sters Korell. Abg. Klo st ermann erklärt, im kommenden nationalsozialistischen Staat gebe es feine Pensionen mehr.

Staatspräsident Adelung erwidert, dah Herr Frick ebenfalls für die Liebergangszeit eine Pension bezogen habe.

Abg. Jung (Nats.) betont, daß die Regierunas- antwort zu der nationalsozialistischen Großen An­frage über die Verwendung der Mittel aus der Rhein- und Ruhrhilfe, Westhilfe usw. völlig um den Kern der Dinge herumgehe. Die nationalsozialistische Fraktion verlange eingehende Aufklärung über die Verwendung der Mittel und deren Kontrolle.

Min.-Rat Hechler gibt dann Aufklärung über die Verteilung und Verwendung der Mittel. Die Regierung hat keine Veranlassung, wegen der Ver­wendung des Rhein-Ruhr-Fonds durch die Hand­werkskammer und Handwerker-Zentralgenossenschaft etwas zu beanstanden. Auch ein Verlust aus dem Westhilfesonds bei der Handwerkskammer ist nicht zu befürchten.

Fürstenabfindung und Notverordnung.

Beschlüsse des Rechisausschnssetz.

Berlin, 17. Febr. (VDZ.) Der Rechtsausschuß des Reichstages nahm die Abstimmungen über die I Neuregeluna der Auseinandersetzung mit den Fürstenhäusern vor. Nach Ableh- nung weitergehender sozialdemokratischer und kom­munistischer Anträge wurde gegen die 6 Stimmen

der Deutschnationalen, der Deutschen Dolkspartel und der Landvolkpartei mit 15 Stimmen der So­zialdemokraten, des Zentrums, der Bayerischen Volkspartei und der Christlich Sozialen sowie der Kommunisten ein sozialdemokratischer Antrag angenommen. Dieser besagt, daß die an ein vormals regierendes Fürstenhaus zu ent­richtenden wiederkehrenden Leistungen, wenn sich die wirtschaftlichen Voraussetzungen für diese zu ungunften des Landes wesentlich verändert haben, in Anwendung der Grund­sätze der Notverordnung vom 24. August 1931, also wie b i e Beamten gehälter, heradge - setzt werden können, lieber das Maß der Herab­setzung entscheidet auf Antrag der Landesregierung eineR e i ch s s ch i e d s st e l l e", die beim Rcichs- innenminifterium zu bilden ist, und von diesem, dem Reichsjustiz- und dem Reichsfinanzministerium durch je ein Mitglied besetzt wird. Wenn die Lei­stungen herabgesetzt werden, die unmittelbar der Erfüllung privatrechtlicher Verpflichtungen des Be­rechtigten zu dienen bestimmt sind, sollen sich diese in demselben Verhältnis ermäßigen, in dem die entsprechenden Leistungen des Landes herabgesetzt sind.

Das Arbeitsprogramm der Reichsregierung.

Der Etat. Tie Arbeitslosigkeit.

Berlin, 18. Febr. (CNB.) Nach der Rückkehr des Reichskanzlers aus Genf haben in den letzten Tagen Beratungen stattgefunden, in denen das Ar­beitsprogramm der Reichsregierung durchgesprochen worden ist, daß sich für die nächste Zeit außer auf die Regelung der Santenfrage auf die Fertigstellung des Reichshaushaltes für 1932 sowie auf die Pläne, die mit der Ar- beitslofenfrage und dem Arbeitsbe­schaffungsprogramm im Zusammenhang stehen, erstrecken wird.

Man hofft an zuständiger Stelle, daß der Reichs- Haushaltsplan in nächster Zeit bereits dem Reichsrat zugeleitet werden kann. Die Reichsregierung wird dem Reichsrat und dem Reichstag einen aus­geglichenen Etat vorlegen, in den a u ch B e - träge zur Schuldentilgung eingestellt sind. In Verbindung mit dem Etatausgleich sind eine Reihe von Plänen erörtert worden, die das Ziel verfolgen, die Ausgaben für die Ar­beitslosen zu vermindern. Die Pläne des Reichskommissars Goerdeler gehen u.a. davon aus, durch die Vereinigung der Arbeits- lofenverficherung, der Krisenfürsorge und der WohlfahrtSLrwerbslosenfür- sorge eine Vereinfachung herbeizuführen, die gleich­zeitig auch das Ziel hat, die Finanznot der Gemeinden zu vermindern. Das Reichskabinett wird sich ferner in der nächsten Zeit auch mit den Arbeitsbeschaffungsplänen beschäftigen. Hier liegen Vorarbeiten aus dem Reichswirtschafts- minifterium vor. Außerdem werden dabei die Pläne erörtert werden müssen, die von gewerkschaftlicher Seite ausgestellt worden sind. Eine einheitliche Ka­binettsvorlage ist indessen noch nicht zustandegekom- men.

Eine Zeniralgeschästsstette des Hindenburgausschuffes.

Berlin, 17. Febr. (TU.) Der zur Vorberei­tung des Wahlvorschlages Hindenburg von Ober­bürgermeister Dr. Sahm gegründete Hinden­burg-Ausschuß hat seine Tätigkeit been­det. Für die in den einzelnen Ländern und in den preußischen Provinzen schon bestehenden und noch in Bildung befindlichen Hindenburg- Wahlausschüsse ist eine Zentrale Ge­schäftsstelle in Berlin eingerichtet worden. Sie führt den RamenHauptgeschäftsstelle der Hindenburg-Ausschüsse". Für die Zentralstelle wird ein überparteiliches Kurato­rium gebildet, dessen Zusammensetzung alsbald bekannt gegeben wird.

Oie Wetterlage.

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Das Hoch dehnt jetzt seinen Kern von England quer über Deutschland bis nach Rußland hin aus. Während das deutsche Küstengebiet im Bereich ozea­nischer Lust liegt, welche die Temperaturen teilweise über Null hält, treten in Mittel- und Süddeutsch­land unvermindert Strahlungsfröste auf. Vorerst ist noch keine Aenderung des Witterungscharakters zu erkennen, so daß die nächtlichen Strahlungsfröste noch anhalten, während tagsüber durch die Sonnen­energie die Erwärmung mehr und mehr zunimmt.

Aussichten für Freitag: Vielfach dunstig ober neblig-wolkig mit Aufheiterung, trocken, Nacht­frost.

Lufttemperaturen am 17. Februar: mittags 3,9 Grad Celsius, abends3,5 Grad; am 18. Febr.: morgens 8,2 Grad. Maximum 4,5 Grad, Mini­mum 8,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 Zenti­meter Tiefe am 17. Februar: abends 0,6 Grad, am 18. Frebruar: morgens1,5 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 7 Stunden.