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Zch hab dir verzieh»!

Roman von Slottlde von (Stegmann»Stein.

Copyright by Martin Feuchtwange r. Halle.

19 Fortletzung Nachdruck verdaten

Bald darauf sahen Dolores und die beiden Männer im eifrigen Gespräch beieinander, wäh­rend der Zigarettenrauch das Zimmer erfüllte. Alle Einzelheiten des Planes wurden erörtert, jede Möglichkeit der Entdeckung wurde in Be­tracht gezogen. Der Pariser Agent, ein mittel- groher, tief brünetter Mann mit stechenden Augen, wond'.e sich zu Dolores:

llnb wenn dennoch etwas mißlingt? Die inter­nationale Polizei ist rühriger denn je. Seitdem die beiden Griechen geklappt worden sind, ist auch die Hafenkontrolle sehr verschärft worden."

Dolores machte eine wegwerfende Bewegung.

Komisch, ihr Männer seid feiger als wir Frauen und seht überall Gespenster. Vorläufig geht ja alles gut. Die großen Posten der Ware find glücklich durch die amerikanische Hafenkon­trolle gekommen. Ich hatte gestern darüber eine Kabelnachricht aus Buenos Aires erhalten. Unb was die Dokumente anlangt, so werden sie die gleichen Häfen erreichen, auf eine Art und Weise, die keine Polizei der Welt erraten kann. Oder glaubt ihr, daß dies Versteck in?

Der dicke Bankier hob warnend die Hand und zeigte auf die Tür.

Sprich es nicht aus, wir können nicht vorsichtig genug sein, Dolores."

Die Angst macht dich fast lächerlich, Henrik. Furcht paht nicht zu dir, du weiht, ich schätze Kühnheit, Skrupellosigkeit und Draufgängertum als die einzigen Eigenschaften, die mich an einem Manne reizen. Lleberdies ist auher uns nur Paolo im Hause."

Der Pariser Agent wiegte nachdenklich den Kopf und beugte sich vor, damit seine leise Stimme auch wirklich nur innerhalb des Zimmers gehört werden konnte:

So leid es mir tut, Madame, ich muh in diesem Falle ungalant sein und Monsieur Ericsen recht geben. Auch die besten Diener find zuweilen unzuverlässig. Ich erinnere Sie nur an den Fall der Vicomtesse Brieuel."

Ja, ja, ich weih", sagte Dolores ungeduldig. Vorsicht ist die Mutter der Weisheit und die Großmutter des Mißerfolges, älebrigens, wenn es schief gehen sollte, wir haben ja die Persön­lichkeit, auf der es sitzenbleiben kann!"

Der Pariser lachte auf:Madame machen gute Witze. Sitzenbleiben!" Er lachte dürm.Wie lange kann er denn sihenbleiben?"

Das kommt darauf an", erwiderte der dicke Bankier.Drei Monate mindestens: aber es können auch drei Jahre daraus werden."

Viel Vergnügen!" meckerte der Agent.

Das Zimmertelephon läutete. Dolores griff mit lässiger Miene hinüber:

Was gibt's?" fragte sie in den Apparat hinein.

Paolos Stimme erklang, auch für die beiden Männer im Zimmer verständlich:

Der Polizeileutnant Sörengard wünscht Ma­dame zu sprechen."

Die beiden Männer fuhren aus ihren Sesseln auf.

Da haben wir die Schweinerei!" schrie Ericsen und schlug mit der festen Hand auf den Tisch, daß die Aquavitgläser klirrten.Schon sitzen sie uns auf dem Halse." Der Agent war aufgesprungen und machte Miene, durch eine Tapetentür, die in die hinteren Räume des Hauses führte, zu ver­schwinden.

Dolores, immer noch den Hörer in der Hand, hatte den Schreck der beiden Männer gesehen. Sie lachte auf und sprach gleich darauf in den Appa­rat:Ich lasse den Herrn Leutnant bitten, sich noch einen kleinen Augenblick zu gedulden ich komme sofort."

Zu den beiden bleich gewordenen Männern gewandt, die sie mit entsetzten Blicken anstarrten, als wäre sie eine Wahnsinnige, sagte sie höhnisch: Ihr kommt mit eurer Angst einen Post tag zu spät. Seit zwei Tagen ist dieser Leutnant Sörengard gewohnt, bei mir zu frühstücken. Ich habe gut vorgesorgt. Der schärfste Polizeispürhund der Stadt ist von mir gezähmt und unschädlich ge­macht worden. Wir werden eine reizende Früh­stücksstunde zu vieren haben, nur müßt ihr dem kleinen Leutnant die Freude machen, ihn wenig­stens das Dessert mit mir allein verzehren zu lassen."

Ohne den verdutzten Männern Zeit zu einer Antwort zu lassen, stand sie auf und alsbald hörte man hinter der schweren Portiere aus kost­barem, orientalischem Gewebe ihre fröhliche Stimme:

Mein lieber Sörengard, wie nett, daß Sie so pünktlich sind. Seien Sie mir nicht böse, wenn wir vorderhand noch nicht allein sind. Ich faß gerade mit dem Finanzmann und dem Agenten für meine südamerikanische Tournee zusammen. Wir haben ungefähr noch eine halbe Stunde zu­sammen zu konferieren: aber es paßt ganz gut, so können wir die Angelegenheit während des Frühstücks zusammen besprechen und vielleicht wird Ihre Weltkenntnis uns noch manchen Fin­gerzeig geben können. Darf ich bitten?"

Sie hob den Vorhang und ließ einen jungen, frischen, blonden Menschen mit scharfgeschnittenen Zügen und sehr hellen, offenen, blauen Augen eintreten..

Ein Teufelsweib!" raunte der Pariser dem dicken Bankier zu. Dann verbeugten sich beide vor dem jungen Schweden, der an Dolores' Seite den Raum betrat.

Hinter ihnen glitt lautlos Paolo em. Er schob einen silberglänzenden Tisch heran, auf dessen funkelnder Glasplatte erlesene Leckerbissen serviert waren. Das sanfte Rot der Hummern mischte sich mit dem Grausilber des russischen Kaviars. Austemschalen in Eisstückchen, umkränzt von Zi­tronenscheiben, boten ihren geöffneten Inhalt dar. Verschiedene Salate in allen Farben, verlockend garniert, lagen auf kristallenen Schüsseln. Gold­braun geröstete Toastscheiben waren locker ge­schichtet in kleinen sauberen Pyramiden auf weißen Papierservietten, und eine bunte Kolonne von Likören und Schnäpsen bildete sieben den delikaten Schüsseln ein gläsernes Spalier. Auf einer läng­lichen Silberplatte lagen zartrosa Scheiben von Roastbeef und Schinken. Malter Rehrücken war umkränzt von grünen Kräutern, Aspik und Jo­hannisbeergelee, gefolgt von einer Sauciere, in deren schwerem Silbergrund dicke Mayonnaise ruhte.

Dolores überflog mit einem Blick die kleine Tafel, die Paolo jetzt am Fensterplatz anrichtete.

Stellen Sie die Pasteten auf den elektrischen Wärmer, bringen Sie noch frische Toaste und schalten Sie auch die Kaffeemaschine ein, damit ich hinterher, falls es gewünscht wird, den Mokka bereiten kann. Weiter brauchen wir Sie einst­weilen nicht: gehen Sie ruhig an Ihre Arbeit."

Mit einem liebenswürdigen Lächeln wandte sich nun Dolores den Gästen zu:

Entschuldigen Sie, meine Herren, daß ich meine hausfraulichen Angelegenheiten so offen mit Ihnen bespreche: aber mein Personal hat sich heute Urlaub erbeten, um noch die letzten Ein­käufe für die Abreise zu erledigen. So hat Paolo alle Hände voll zu tun, damit mein Gepäck recht­zeitig expediert werden kann. <Äe wissen, mein lieber Sörengard, daß man hier selbst einer harm­losen Künstlerin gegenüber, die nichts als ihr bißchen Handwerkszeug in Gestalt ihrer Bühnen­garderobe mitnimmt, nicht gerade liebenswürdig bei der Hafenkontrolle ist."

Leutnant Sörengard verbeugte sich mit einem entschuldigenden Lächeln:

Leider muß ich das zugeben, gnädige Frau: aber wir können wirklich gar nicht mißtrauisch und vorsichtig genug sein."

Auch mir gegenüber mißtrauisch? Fürchten Sie auch mich in dieser Beziehung?"

Der junge Offizier errötete und verbeugte sich lächelnd:

Ich fürchte mich höchstens vor Ihrem Zauber, gnädige Frau vor sonst nichts weiter!"

Aber vielleicht auch vor meinem Zorn?" meinte Dolores mit einem schelmischen Lachen.Unb ich würde sehr zornig werden können, wenn die plum­pen Hände Ihrer Zollbeamten meine empfindliche und zarte Tanzgarderobe beschädigen würden. Mir ist schon einmal bei einer Kontrolle ein Tanzkleid durch unsachgemäße Behandlung voll­

kommen verdorben worden, so daß tch bet einem Abend in Lissabon die Rümmer der römische» Tarantella nicht ausführen konnte."

Die Tarantella?" Sörengards helle Augen verdunkelten sich in der Leidenschaft der Erinne­rung.Die Tarantella ist ja der Tanz, der mich zu ihrem glühendsten Bewunderer gemacht hat. Aber ich kann Ihnen meine Ergebenheit nicht besser beweisen, als, indem ich Sorge dafür trage, daß Ihr Gepäck bevorzugt behandelt wird."

Dolores dankte ihm mit einem verführerischen Lächeln, indem sie den Kelch mit dem eiskalten Sherry gegen Sörengard erhob.

Der dicke Bankier und der Pariser Agent wech­selten einen blitzschnellen Blick.

Also auf gute Fahrt", sagte Ericsen, mit einem häßlichen Grinsen, und trank sein Glas in einem Zuge leer.

Während sich die kleine Tafelrunde an dem auserlesenen Frühstück faßte und Dolores in reizender Weise die Hausfrau spielte, arbeitete Paolo in seiner geräuschlosen Art in einem kleinen Zimmer. Sorgfältig, mit beinah weiblicher Be­hutsamkeit, legte er die duftige UnterHeiöung der Tänzerin in die herausgezogenen Fächer der Schrankkoffer und ergriff dann die an Bügeln hängenden kostbaren Toiletten, um sie gleichfalls in die Schrankkoffer zu verteilen.

Reihen von Schuhen in allen Farben und Arten wurden sorgfältig in seidene Hükkei^^geschoben. Tücher aus schwerer indischer Seide, weiche Schals aus dem Orient lagen, in allen Farben schillernd, auf den niedrigen Tischen ringsumher. Künstliche Blumen, Hüte, phantastische Dekorationsdecken, die Dolores zu ihren Tänzen brauchte, lagen auf einem einsamen Seitentischchen und wurden nach einem bestimmten System verpackt.

Immer wieder verglich Paolo die bereits ver­packten Stücke mit der Liste, die vor ihm aus­gebreitet lag. Alle diese Gegenstände kreuzte er gewissenhaft an.

Jetzt kam er zu einer flachen Holzkiste, die fest verschlossen war.

Was ist denn das?" sagte er vor sich hin.Das hatten wir doch auf unserer Herreise noch nicht!"

Er suchte auf der Liste, ob er diesen geheimnis­vollen Gegenstand, der noch nicht durch seine Hände gegangen war, irgendwo verzeichnet fand. Aber nirgends war eine Notiz, die sich auf diese Kiste beziehen konnte. Paolo wog prüfend den unbekannten Gegenstand was mochte sich unter diesem dünnen Holze verbergen?

Er schüttelte die Kiste, aber nichts rührte sich. Mißtrauisch zog er die Augenbrauen zusammen:

Ein Geheimnis, von dem ich nichts weiß? Das habe ich nicht nötig. Will mich jemand be­trügen, mich um meinen mir zugesicherten Anteil bringen? Hütet euch, ich verkaufe mein Schweigen nicht unter dem ausgemachten Preise."

lFortsetzung folgt.)

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