Havasbüros und eine Denkschrift der französischen Abrüstungsabordnung hätten nur die Bedeutung eines taktischen Schachzuges. Wenn behauptet werde, daß in der Genfer Formel die deutsche Gleichberechtigungsfrage in unlösbaren Zusammenhang mit der Regelung der Sicherheitsfrage gebracht worden sei, so solle man doch in Frankreich nicht vergessen, daß die Sicherheit keineswegs eine französische Vokabel sei, sondern daß auch Deutschland vollen und gleichberechtigten Anspruch auf Sicherheit besitze. Frankreich wird mit der beliebten Herriotschen Formel: »Der Pakt, nur der Pakt, nichts als der Pakt" künftig in der Wehrfrage einen sehr schweren Stand haben, denn die Welt glaubt feit dem 14. Dezember nicht mehr an die absolute Heilighaltung der Verträge durch Frankreich selbst, und sie gesteht ihm daher auch nicht mehr den moralischen Anspruch darauf zu, Gralshüter eines geschriebenen Rechts zu sein, als den es sich seit zwölf Jahren aufspielt. Die französische Kammer habe durch ihr Votum gegen den Schuldenvertrag unfreiwillig Deutschlands zwölfjährigen Kampf gegen die ungleichen Verträge als berechtigt und notwendig anerkannt, und dadurch der im Gang befindlichen Entwicklung einen entscheidenden Anstoß gegeben.
Die pariser Regierungskrisis.
Lhautemps verzichtet. — Paul-Boncour berufen.
Paris, 16. Dez. (TU.) Innenminister C h a u - temps hat am Freitagabend dem Staatspräsidenten einen Besuch abgestattet und es endgültig abgelehnt, seine Bemühungen zur Neubildung des Kabinetts fortzusetzen Staatspräsident Lebrun hat darauf den bisherigen Kriegsminister Paul-Boncour zu sich gebeten, den er voraussichtlich mit der Neubildung des Kabinetts beauftragen wird.
Beim Berlaffen des Elysöes erklärte Chautemps: Bei seinen Verhandlungen, die besonders unter dem Gesichtspunkt der Schuldenfrage statt- gefunden hatten, weil deren Lösung Borbedingung für die Annahme der Regierungsbildung sei, habe er einen Ausgleich zwischen der Haltung der Regierung H e r r i o t und dem Wunsch der Kam- m e r erstrebt, um es dem bisherigen Ministerpräsidenten zu ermöglichen, in das neue Kabinett einzutreten. Er habe aus seinen Besprechungen die Ueberzeuguna gewonnen, daß es im Interesse des Landes wünschenswert fei, die internationalen Schwierigkeiten bald zu beheben, die aus den Meinungsverschiedenheiten zwischen Frankreich und Amerika geboren seien. Trotz seiner Bemühungen habe sich aber eine Verständigung als unmöglich erwiesen. Unter diesen Umständen habe er sich entschlossen, der Solidarität mit Herriot treu zu bleiben und es vorgezogen, auf die Bildung des neuen Kabinetts zu verzichten.
P a u l - B o n c o u r, der sich um eine Regierungsbildung bemüht, ist bei keiner Partei mehr eingeschrieben, also nicht an die Haltung einer Fraktion gebunden. Nach einer Aeußerung des „Petit Journals" könnte man annehmen, daß Paul-Boncour die Absicht hat, die Sozialisten auszufordern, in das Kabinett einzutreten. Das offizielle Organ der sozialistischen Partei, der „Po- pulaire", nimmt jedoch zu einer Regierungsbildung durch Paul-Boncour in keiner Weise Stellung. Paul-Boncour erklärte nach einer Unterredung mit dem Präsidenten der Republik, er müsse, bevor er sich damit befasse, mit Herriot Fühlung nehmen. Die Aussprache zwischen Paul-Boncour und Herriot fand noch im Laufe des Abends statt. Im Anschluß daran begaben sich beide gemein- sam um 22.35 Uhr ins Elysse, wo Herriot dem Präsidenten der Republik eine Mitteilung über die Verhandlungen mit den Vereinigten Staa - t e n wegen des Fälligkeitstermins der Schuldenzahlung zu machen hatte. Paul-Boncour, der bis kurz vor Mitternacht mit dem Präsidenten der Republik konferierte, erklärte, ihm sei offiziell die Kabinettsbildung angeboten worden. Er werde morgen mittag dem Präsidenten mitteilen, ob er das Angebot annehme oder nicht.
Will Frankreich doch noch zahlen?
Washington wartet ab.
W a s h i n g t o n, 16 . Dez. (WTB.) Zu Beginn der heutigen Senatssitzung erklärte Senator Harrison, der eine Rede über die französische Zahlungsverweigerung geplant hatte, daß er vom Staatsdepartement eine Mitteilung erhalten habe, die es ihm angezeigt erscheinen lasse, d i e R e d e nicht zu halten. Auch Senator Dorah , der heute ebenfalls über die Schuldenfrage sprechen wollte, nahm von seiner Rede Abstand. Wie verlautet, hofft das Staatsdepartement auf Grund einer Unterredung zwischen dem französischen Botschafter C l a u d e l undStimson, die gestern stattgefunden hat, daß Frankreich dochnoch zahlen werde. Aus diesem Grunde will man gegenwärtig scharfe Aeuherungen im Kongreß möglichst vermeiden.
Nach einem Haoasbericht aus Washington soll das Staatsdepartement in der Frage der Zahlung der französischen Schulden ein Kompromiß suchen, um der französischen öffentlichen Meinung Genugtuung zu geben. Man denke an eine Lösung, daß Frankreich mit dem Vorbehalte zahle, daß dies die letzte Zahlung vor der all- Seme in en Revision der Schulden sei.
eber die Absichten des Präsidenten wisse man nur, daß et die Nationen, die ihre Schulden bezahlt haben anders behandeln werde, als die, die nicht gezahlt haben. Hoover habe seine Botschaft an den Kongreß deshalb verzögert, um Frankreich Zeit zu geben, doch noch zu zahle n Die Forderung der französischen Kammer, die eine allgemeine Schuldenkonferenz wünsche, finde im Kongreß keinen Widerhall. Der Neuyorker Korre- spondeni des „Petit Parisien" berichtet ebenfalls, daß die amerikanische Regierung bereit sein soll, alle chr zu Gebote stehenden Mittel anzuwenden, um einem neuen französischen Kabinett die Wie
deraufnahme von Verhandlungen zu erleichtern. Staatssekretär Stimson habe dem französischen Botschafter Claudel gestern diese Versicherung gegeben.
General Litzmann zur Rundfunkrede Schleichers.
Berlin, 12. Dez. (VDZ.) Der nationalsozialistische Alterspräsident des Reichstages, General Litzmann, verbreitet eine Erwiderung auf die Rundfunkrede Schleichers, soweit sie sich mit seiner Person beschäftigt. Litzmann sagt darin, Generalfeldmarschall von Hindenburg sei ihm in der langen Zeit einer sechzigjährigen Bekanntschaft niemals mit Kameradschaft entgegen» getreten. Daher sei es abwegig, wenn General von Schleicher es „tief bedauerlich" finde, daß General Litzmann jetzt „gegen den alten Kameraden" Stellung genommen habe. Trotzdem sei er, Litzmann, für Hindenburgs erste Wahl zum Reichspräsidenten eingetreten. Hindenbura sei aber für ihn eine Enttäuschung gewesen. Treue und Kameradschaft dem einzelnen Menschen gegenüber könnten, falsch angewandt, zum schweren Fehler werden. Diese Tugenden seien nur zweien gegenüber am Platz: unserem Gott und dem Vaterlande.
Eine Erklärung der Reichsleiiung der NSDAP.
München, 17. Dez. (CNB. Funkspruch.) Die Reichsleitung der NSDAP, erklärt in einer Bekanntmachung, daß die Meldung eines Berliner Abendblattes, das von einem starken Mitglieder- rückgang berichtet, reine Erfindung sei. Die NSDAP, freue sich, so heißt es weiter, demgegenüber fcststcllen zu können, daß ihre Mitgliederzahl nach wie vor ansteige. Weiter wird erklärt, daß die Reichsleitung der NSDAP, eine einst- wellige Verfügung gegen die Verbreitung der obigen Meldung veranlaßt habe.
Schweres Eisenbahnunglück in Güdirankreich.
Lieben Tote, 30 Verletzte.
3n den Abendstunden des Freitag hat sich bei THaurt), in der Rahe von Perpignan, ein schweres Eisenbahnunglück ereignet. Infolge von lleberschwemmungen mußte der von Paris kommende Eilzug auf ein Nebengleis umgeleitet werden, das sich als nicht haltbar genug für den Eilzug erwies. Der Zug e n t g l e i st e, wobei ein Wagen vollkommen zertrümmert wurde. Nach den bisher vorliegenden Meldungen kamen dabei sieben Personen ums Leben, darunter der Heizer, der Lokomotivführer und ein weiterer Eisenbahnbeamter, von den vier getöteten Reisenden sollen angeblich drei deutsche Staatsangehörige sein, und zwar ein Ehepaar namens Gerber und ein Fräulein Charlotte Bremer. 30 Personen erlitten, zum Teil schwere, verlehungen.
Zu dem Unglück berichtet der „Petit parisien", die Entgleisung sei dadurch hervorgernsen, daß aus dem Gleise eine zerbrochene Schranke log, die von einem Auto aus die Schienen geschleudert worden war. Der verunglückte Zug fuhr mit zwei Lokomotiven und nur der Führer der einen Lokomotive hatte das Haltesignal des Bahnwärters gesehen und gebremst, während die zweite Lokomotive, ohne abzubremsen, weilerfuhr.
Kleine politische Nachrichten.
Reichsinnenminister Dr. Bracht empfing die Vertreter des Deutschen Beamte nbun- d e s. 3n der Unterredung wurden alle in Frage kommenden aktuellen Deamtenvrobleme erörtert, wobei sich der Reichsinnenminister erneut als Anhänger des Derufsbeamtentums bekannte.
*
Der Bundesvorstand des Stahl hem, B. d. F., bat beschlossen, den nächsten Reichs-Front- soldatentag in Hannover zu veranstalten. Der Stahlhelmtag in Hannover wird am 2. und 3. September 1933 stattfinden.
f Der Parteiausfchuß b e r SPD. stimmte dem Vorschlag des Parteivorstandes zu, den Parteitag am 12. März und den folgenden Tagen in Frankfurt a. M abzuhalten. Der Parteitag wird ein Bekenntnis zu den Lehren von Karl Marx sein, dessen 50. Todestag auf den 14. März fällt. Die Verhandlungen werden mit einem Vortrage Hilfevdings Über „Marx und die Gegenwart" beginnen.
•
Die argentinische Regierung teilt mit, daß eine weitverzweigte Verschwörung entdeckt worden sei, die den Zweck verfolgte, die Mit- glieder der Regierung und hochstehende Persönlichkeiten zu ermorden. Die Verhaftung der radikalen Führer wurde angeordnet. D:e Regierung wird im Kongreß die D e r h ä n - gung des Belagerungszustandes beantragen. Unter den Verhafteten befinden sich d:e früheren Präsidenten Irigohen und de A1 v e a r . die ausgewiesen werden sollen.
*
Di« holländisch« Regierung hat beschlossen, aus Sparsamkeitsrücksichten die hollän- dischen Gesandtschaften in Wien, Warschau. Athen, Angora. Lissabon und Mexiko aufzuheben.
*
Der Haushaltsausschuß des amerikanischen Abgeordnetenhauses hat sich für ein« baldige gesetzlich« Mahnahm« ausgesprochen, die die Herstellung und den Verkauf von 3,2- prozentigem Bier gestattet. Die Wein-
frag« soll in einer späteren Sitzung besonders erörtert werden. Es ist möglich, daß sich das Abgeordnetenhaus noch vor Weihnachten mit der Biervorlage befassen wird.
Aus aller Welt
Eine Millionen jugendlicher Vagabunden in USA.
Die amerikanische Presse, die vor wenigen Jahren noch umfangreiche Berichte über die in Rußland Heimat- und obdachlos herumschwei- fende Jugend brachte, berichtet jetzt, daß sich mit der Weltwirtschaftskrise die gleiche Erscheinung auch in den Vereinigten Staaten bemerkbar macht. Der frühere Polizeikommissar von Washington, Drigadegeneral Glaßford, hat nun vor kurzem eine Bewegung gegründet, die die sich ziellos in Amerika he rum treiben de Jugend wieder geordneten Verhältnissen zuführen will. Der Genera! schätzt die Gesamtzahl dieser jugendlichen Vagabunden auf eine Million, also etwa den hundertzwanzigsten Teil der Bevölkerung der Vereinigten Staaten. Die Bewegung will zunächst vor allem die Bewilligung von Mitteln seitens des Kongresses durchsetzen, die, auf die einzelnen Staaten verteilt, für die Unterbringung und Verpflegung der vagabundierenden Jugend verwendet werden sollen.
Hungerstreik der städtischen Schuldner von Bukarest.
Die städtischen Schuldner von Bukarest hielten eine Versammlung ab, in der beschlossen wurde, so- fort den Hungerstreik zu erklären und den Saal nicht eher zu verlassen, bis die Regierung, die in den letzten Tagen bereits im Parlament die Sanierung der städtischen Schuldner angekündigt hatte, dieses Gesetz wirklich eingebracht habe. Der Vorschlag wurde von der Versammlung angenommen die städtischen Schuldner haben bereits eine Nacht im Versammlungslokal verbracht. Sie werden eine Abordnung zum Ministerpräsidenten entsenden, um ihm ihre Forderungen darzulegen.
Raubüberfall auf eine amerikanische Bank.
Fünf Räuber drangen in bi« Zweigstelle einer Bank in Harlem (USA.) ein, bedrohten sieben Angestellte mit Rev olvern und Ma - schinenpistolen und trieben sie in einen Rebenraum. Dann raubten sie 1 0 000 D o l- l a r in Roten und «ine Anzahl Revolver, die den Angestellten zu ihrer Verteidigung zur Verfügung standen, und entkamen in einem Auto. Eine Verfolgung machten sie durch den Abwurf von Tränengasbomben unmöglich.
Flugschülerstaffel verunglückt. — Zwei Flugzeuge zerstört.
Drei Flugzeuge der Deutschen Verkehrsfliege» schule Schleißbeim bei München, die sich auf dem Rückflug von Augsburg nach Schleißheim befanden, konnten infolge dichten Nebels in Schleißheini nicht landen und versuchten. zum Münchener Flug» Hafen zu gelangen. Beim Ueberfliegen des Stäbti» schen Gaswerks im Westen der Stadt berührte em Flugzeug eine Leitung und stürzte in die An- lagen des Gaswerks ab. Der Pilot, ein 19 Jahre alter Student, kam mit geringen Derletzun« gen davon. Ein zweites Flugzeug mußte im Südwesten der Stadt auf einer Wiese n o t l a n d e n. Dabei bohrte sich ein Laufrad in den Boden, die Maschine drehte sich um die eigene Achse, und die rechte Tragfläche brach ab. Das dritte Flugzeug ging unbeschädigt bei Walpertshofen unweit Dachau nieder.
5000 Zentner Zucker für die Winterhilfe.
2kn diesen Tagen wurde die große Zucker- spende, die der Deutschen Liga der freien Wohlfahrtspflege vom Verein der deutschen Zuckerindustrie für d i e Winterhilfe übergeben wurde, den Landes- und Provinzialarbeitsgemeinschaften der Winterhilfe zur weiteren Verteilung zugewiesen. Die Spende umfaßt nahezu 5 0 0 0 Zentner im Werte von über 150000 Mark. Der Zucker ist vornehmlich zur Verwendung in Dottsspeisungen der Winterhilfe bestimmt.
Verkehrsunglück in Tauten. — Ein Toter, ein Schwerverletzter.
In der gefährlichen Kurve am Fürstenberg in Tanten (Rbeinl.) stieß ein mit zwei Personen aus Xanten besetztes Motorrad in voller ^a^rt mit einem von Cleve kommenden Kraftwagen zusammen. Der Motorradfahrer wurde auf der Stelle getötet, sein Soziusfahrer mußte mit lebensgefährlichen Verletzungen ins St.-Joseph- Hospital nach Xanten übergeführt werden. Der Kraftwagen stürzte die fünf Meter hohe Böschung hinunter. Der Fahrer blieb wie durch ein Wunder unverletzt.
Ein Toter, drei verwundete bei einer französischen Felddienstübung.
Eine Abteilung des in Desan?on liegenden 305. Artillerieregiments war mit dem Legen von De- lephonleitungen bei einer Felddienstübung beschäftigt, als plötzlich, wahrscheinlich infolge von Berührung mit einem Hochspannungskabel, eine starke Entladung erfolgte, durch die ein Wann getötet wurde, während drei weitere mit schwerenBrandwunden ins Krankenhaus eingeliefert werden mußten.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Vier Kerzen brennen am Goldenen Sonntag!
Am Goldenen Sonntag fühlt man sich auch im dichtesten Gedränge nicht so belästigt, wie sonst. Man nimmt Rücksicht auf die Mitmenschen, die alle von dem einen Wunsch beseelt sind, der, wenn er auch tausendfach verschiedenartig sein mag, ebenfalls der unsere ist. Diese Gemeinsamkeit der Empfindung und des unausgesprochenen Sichverstehens lönnte einen immerwährenden goldenen Sonntag in unsere täglichen Beziehungen bringen.
Ter goldene Sonntag ist einer der wenigen Sonntage, um den ein verklärter Schein ist, der kaum je etwas von seinem Glanz verlieren wird. Das ist heute noch genau so, tote in den Tagen der Kindheit, und es toird bis zum letzten Tage so bleiben. Wenn der toeihnachtliche Tannenduft durch die Gassen zieht, ist es, als ob vielen Singen etoige Jugend beschieden sei, alS ob es für sie keinen Zeitentoandel gäbe. Tenn: „Wenn ihr nicht werdet wie die Kleinen, werdet ihr nicht eingehen in das Reich der Freude." Aber — heute brennt die dritte Kerze int Adventskranz.
Endlich ist es so toeitl Rur noch ein kurzer Lauf, und das Ziel, das am Ende eines jeden Jahres leuchtet, ist erreicht. W'.eviele Wunschrosse aus dem Rudel, das vor Wochen vom Start gelassen wurde, sind unterwegs ausgebrochen, zu Fall gekommen, und damit aus dem Rennen ausgeschieden? Tenn mit dem Warten stellte sich ganz von selbst das richtige Kräfteverhältnis her zwischen dem, was man sich zutrauen zu können glaubte und dem tatsächlichen Könnern Wobei unter Können weniger das Sich-Derausgaben, als das Sich-Einrichten-Können zu verstehen ist. Weil das Wesentliche an dem Geschenk nicht der Marktpreis, sondern der Geist ist, der aus ihm spricht.
Der goldene Sonntag, auch wenn nicht unter jedem Schlußstrich die Garantienummer 950, das ist Dukatengold, steht, ist einer jener Höhepunkte im Kalenderablauf, die nötig und unentbehrlich sind, um stimmungsteigernd zu wirken, damit das Leben immer neue Auftriebe empfängt. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft oft besser als vergoldete Hohlbauten, hinter denen man nur das kahle Gerüst irgendwelcher Verpflichtungen fühlt. Run trennen die Kinder nur noch wenige Rächt« von dem Land, das sie in all den vorausgegangenen Wochen mit wachen und schlummernden Sinnen, mit heißem Sehnen gesucht haben. Tie Dämmerung der Heiligen Rächt fingert jetzt schon mit zagen Händen durch die Dunkelheit der Abende, und ein Glanz von Kerzen durchzittert sie. K. L.
Gießener Wochenmarktpreise.
'Gießen, 17. Tez. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Süßrahmbutter 130, Landbutter 130, Kochbutter 100, Matte 25 bis 30, Wirsing, gelb 8 bis 10, grün 12, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 10, rot« Rüben 8 bis 10, Spinat 20 bis 23, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 25, Feldsalat 100, Zwiebeln 10, Meerrettich 35
bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 3, Aepfel 18 bis 35, Dirnen 20 bis 35, Dörrobst 35 bis 40, Honig 40 bis 45, junge Hähne 70 bis 90, Suppenhühner 60 bis 83, Gänse 70 bis 80, Enten 80 bis 90, Rüsse 35 bis 40; das Stück: Käse 5 bis 10, Tauben 50 bis 63, ausländische Eier 12 bis 14, inländische 14, Blumenkohl 40 bis 60, Endivien 10 bis 15, Oberkohlrabi 8 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 35 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 2,50, Weißkraut 4, Rotkraut 6, Wirsing, grün 6 Mark.
Bornotizen.
— T a g« s k a l« n d« r für Samstag: Reichskurzichriftges. E. V., Gießen: „Weihnachtsfeier „Zur Stadt L'.ch". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Eine von und“. — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Tod über Schanghai“.
— Tageskalender für Sonntag: Stadttheater, 15 bis 17.30 Uyr: „Aschenbrödel" oder „Der gläserne Pantoffel", 19 bis 22 Uhr: ..Di« «ndlose Straße". — Heimatvcrcin.gung Schiffenberg, 17 Uhr: Weihnachtsfeier auf dem Schiffende rg. — Stadtkirche, 20 Uhr: Kirchenmusikalische Feierstunde. — Oberhessischer Kunstver- cin, Turmhaus am Drandvlah: 11 bis 13 Uhr Ausstellung. — Lichtipielhaus, Bahnhofstraße: „Eine von uns". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Tod über Schanghai“. — Altersvereinigung 1881/1931, ®af£ Leib, 16 und 19.30 Uhr: Weihnachtsfeier.
— Musikalische Feierstunde in der Stadtkirche. Am Sonntag, 18. Dez., um 20 Uhr, veranstaltet die Markusgemeinkx: in der Stadtkirche eine musikalische Feierstunde, die in all ihren Darbietungen auf die weihnachtliche Zeit eingestellt ist. Für Sologesang (Sopran und Alt), Solo-Violine und -Cello, für Orchester und Orgel sind ausschließlich Werk« von I. S. Dach und seinen Zeitgenossen ausgewählt. Die Ramen der Mitwirkenden (s. Anzeige vom Donnerstag) bürgen für gute künstlerische Leistung. Der Eintritt ist frei und jedermann ist herzlich eingeladen. Programme sind am Eingang zu haben.
— Aufführung eines Weihnachts- Spieles. Man schreibt uns: Am Sonntag, 18. Dezember, 20 Uhr, führt die Marburger Spieltruppe der Christengemeinschast ein Weihnachtspiel in Gießen auf, und zwar das Christgeburtspiel aus Oberufer (bei Prehburg). Die Aufführung ist öffentlich und allgemein zugänglich; sie findet im Raum d:r Ch-istengew« nscha.t: Graben- strahe 11, Gartenhaus, statt. (Siehe heutige Anzeige.) *
** Polizeiliche Sicherungsmaßnah. men vor dem städtischen Wohlfahrts- a m t. Heute vormittag in der zehnten Stunde wurden im Straßenbild vor dem städtischen Wohlfahrtsamt umfassende polizeiliche Sicherungsmaßnahmon bemerkbar. Um das Wohlfahrtsamt herum wurde von Schupobeamten eine abgesperrte Zone gebildet, deren Betreten und Passieren nur solchen Personen gestattet war, die entweder einen Ausweis besaßen, oder ein Wegzrel angeben konnten, zu dessen Erreichung das Sperrgebiet durchschritten werden mußte. Den Grund zu den polizeilichen Sperrmaß-
Dle schönen neuen
Oberell t« liibtnl
Dosen gereut i UM 1.70
idwikwm^utMistttsdtK&ste^^ Sdirtt Hagziun Wuhtiac/ifsfate


