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16. Fortsetzung.

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Dienstag, den 24. Mai 1932, vormittags 11 Uhr,

kleine Täuschung entstanden. Sie dachte jetzt schon mit gutem Humor an die Angelegenheit.

5>od> ihr Mann?

Er war in verschiedenen Dingen sonderbar, vielleicht sogar etwas kleinlich. Und hier würde er sich bestimmt in einen unangebrachten Zorn verbohren also durfte er nichts erfahren. Es genügte vollständig, wenn sie die ganze Wahrheit wußte. Aber sie wollte mit Doktor Ansbrück eine kleine Rücksprache über diesen Punkt herbeiführen. Wollte vor allen Dingen einmal wissen, ob auch Ansbrück das kleine schöne Mädel liebte.

Wenn ja, nun. dann war ihr Glück ja gesichert. Wenn nicht, dann wollte sie Aenne als ihr eigenes Kind annehmen. John würde bis dahin die Wahrheit erfahren müssen. Das würde alles so werden, wie sie es haben wollte. Doch Aenne Ohlen durfte vorerst nichts wissen.

Mistreß Harrison betrachtete mit Rührung Aennes schönes, reines Profil.

Für dich muß die Sonne sein! Du muht einen Platz an der Sonne haben, dachte sie.

Gegen elf Uhr begleitete Mistreh Harrison ihren Gast in die Halle hinunter. Dort sahen mehrere Gäste in den bequemen Sesseln und räkel­ten sich behaglich. Aber es ging wie ein Rauschen durch die vornehme Halle. Aller Blicke richteten sich auf das schöne, blonde Mädchen,-das in Be­gleitung Mistreß Harrisons die Treppe herabkam.

Aenne blickte nicht nach rechts und nicht nach links, und die alte Amerikanerin lächelte!

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an den Evangelischen Gesornfkirchenvor- stand, Liebigstraße 56, einzureichen.

Die Eröffnung der Angebote findet im Beisein erschienener Bewerber an dem angegebenen Termine im Saal der Lu- kasgemeinde statt. Dem Gesamtkirchenvor­stand bleibt es vorbehalten, unter den drei Mindestfordernden die Auswahl zu treffen.

Gießen, den 17. Mai 1932.

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wieder behutsam über das seidenweiche Fell. Und dabei dachte sie:

Wenn Aenne doch nur immer ebene Wege ginge! Wenn ich ihr doch immer vertrauen

Jetzt tat sie es noch! Frau Ohlen war davon ^^Aenne^ah eine Kleinigkeit und trank. Ein Blick auf ihre kleine Armbanduhr:

Jetzt muß ich aber gehen, Mütterchen.'

Aenne schlüpfte in den kostbaren Mantel. Ein kleines Hütchen, das sie sich vor kurzem selbst angefertigt, drückte sie auf die blonden Locken.

Wie gut es zu dem Mantel paßte!

Der Mutter Blick umfaßte die junge Gestalt.

Dann sagte sie:

Du hast mir die Wahrheit gesagt, Aenne. Ich glaube dir. Wenn es anders wäre, und ich müßte eines Tages erfahren"

Mütterchen!"

-Aenne hätte sich am liebsten wieder ausge- kleidet, wäre hiergeblieben. Doch das ging nicht. Dann hätte sie wenigstens zeitig genug absagen müssen. Sie konpte ja auch ganz beruhigt gehen, da sie ja wußte, wer Miß Harrison war. Im anderen Falle hätten der seltsame Mantelkauf und die nachfolgende Einladung zu denken geben müssen. So aber? Rein, Miß Harrison meinte es ehrlich mit ihr, darüber war kein Zweifel.

Lebe wohl. Mütterchen! Es wird heute nicht spät. Vielleicht bin ich schon recht bald wieder zurück."

Viel Vergnügen, Aenne!"

Aenne lief leichtfüßig die kleine schmale Treppe hinab. Im ersten Stock war die Treppe breiter und mit einem dunkelroten Läufer belegt.

Die wuchtige Haustür war noch offen, was Aenne.wunderte. Dann lief sie schnell den Garten­weg entlang.

Wie warm der Pelzmantel war!

Und wie köstlich er sich anschmiegte! Weich und seidig!

Aenne freute sich nun doch.

Sie wartete an der Haltestelle einige Minuten, und endlich saß sie in dem gelben, sauberen Wagen.

Als sie «or dem großen, hellerleuchtcten Hotel ausstieg, sah sie nicht die kleine vermummte Ge­stalt. die sich ganz in die Ziersträucher der An­lagen drückte.

Aenne Ohlen stieg die breite Treppe empor. Der Portier hatte ihr einen Boy mitgegeben, der sie führte.

Und dann stand sie kurz darauf vor Mistreß Harrison, die in einem schwarzen Spitzenkleid sehr vornehm und hübsch aussah.

Die Dame streckte ihr beide Hände entgegen, war noch bedeutend herzlicher als an jenem Abend in Doktor Ansbrücks Haus

Aenne sah dann in ihrem einfachen Seidenkleid

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Dann sagte sie:

Marga ist so seltsam geworden. Die wacht über dich, als müsse sie das und als seiest du in schwerer Gefahr."

Es ist gewih lieb von ihr. Mütterchen, daß sie um mich besorgt ist. aber es darf doch schließlich nicht in Freiheitsberaubung ausarten", sagte Aenne und entledigte sich ihres Mantels.

Gewiß nicht, Aenne", sagte die Mutter zu­stimmend.Und du bist doch immer mein liebes und vernünftiges Mädelchen gewesen?"

Aenne fiel ihr um den Hals, schmiegte ihr weiches Gesicht an das ihre und flüsterte:

Mütterchen, ach, Mütterchen, wenn es doch wahr sein könnte! Wenn ich ihn doch vor aller Welt liebhaben dürfte!"

Kind, etwas Verbotenes?" fragte die Mutter entsetzt. . .

Aenne richtete sich auf, strich die Locken zurück.

Wie töricht ich bin. Mütterchen! Aber letzt werde ich immer nur ganz vernünftig sein. Ganz vernünftig. Und nun möchte ich gern eine Kleinig­keit essen. Würdest du so lieb sein und es mir zurechtmachen? Unterdessen mache ich mich frisch. Und dann öffnest du auch das Paket?"

Ja. geh nur! Wenn du wiederkommst. ist alles ^Aenne huschte ins Schlafzimmer. Sie machte Licht. Marga war nicht' hier. Das war gut so. Wahrscheinlich saß sie drüben in der Küche, ging ihr aus dem Wege.

Margas Benehmen tat Aenne weit mehr weh. als sie der Mutter zeigen mochte. Aber jetzt hatte sie keine Zeit, über Marga nachzudenken. Wenn sie zur rechten Zeit im Esplanade-Hotel fein wollte, dann mußte sie sich sowieso schon beeilen.

Rach einer halben Stunde kam fte in einem einfachen schwarzen Seidenkleidchen, das ihr aber mit dem breiten, weit in den Rücken hinunter­hängenden Spachtelkragen und den hohen Aermel- manschetten ganz entzückend stand, wieder in das Wohnzimmer, wo die Mutter indessen einen Im­biß auf dem sauber gedeckten Tisch für sie zurecht­gemacht hatte. Eine Tasse Kakao hatte sie auch nicht vergessen, denn Aenne sollte ihn trinken, mit viel Milch, weil sie ein bißchen bleichsüchtig war. hatte der alte Doktor Beirich gemeint.

Die Mutter aber stand neben dem hohen, alt­modischen Sessel, auf den sie den kostbaren Mantel ausgebreitet hatte, und ihre Hand strich immer

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in dem tiefen weichen Sessel, in dem ihr graziöses Figürchen fast verschwand. Mistreß Harrison hatte in der Ecke des runden Sofas Platz genonunen. Duftender Tee in breiten, hauchdünnen, chine­sischen Tassen, dazu köstliches kleines Gebäck und eine Platte mit Brötchen, die mit den feinsten Delikatessen belegt waren.

Freundlich nötigte Mistreß Harrison lhren jungen Gast zum Zulangen. Einmal wurde sie fast ein bißchen böse.

Aenne aber quoll der Dissen im Munde.

Wenn sie alles wüßte, dachte sie traurig, dann wäre sie gewiß nicht so gütig und lieb zu mir.

Mein Mann hat eine geschäftliche Verab­redung und stört uns nicht. Plaudern wir also ganz ungestört", sagte Mistreß Harrison und lenkte geschickt das Thema auf den Modesalon der Madame Cndiee. Eine Menge Stofs ergab sich da. Und bann kam man eben auch auf das andere.

Mistreß Harrison wußte ja nun schon, auf welche Weise das junge Mädchen in Doktor Ans­brücks Haus gekommen war.'

Aenne blieb jedoch in diesem Punkte scheu und zurückhaltend. Sie hatte ja auch nur am Rachmit­tag gesprochen, weil sie nicht wollte, daß der geliebte Monn in Unannehmlichkeiten kam.

Mistreh Harrison sagte lächelnd:

Das Leben spielt oft seltsam, kleine Aenne. Eigentlich mühte ich Ihnen sehr böse sein wegen des kleinen Betrugs. Aber ich habe Sie trotzdem lieb, weil ich mich, ehe Sie kamen, einmal ganz ruhig und logisch denkend in die ganze Affäre hineinvcrseht habe. Und nun wollen wir auch nicht mehr davon sprechen. Sie machen mir doch die Freude und spielen? Der Flügel hier ist wundervoll. Leider bin ich mit meinen Musik­studien nicht allzuweit gekommen. Vielleicht langte auch das Talent nicht ganz. Run, so ein bißchen für den Hausgebrauch langt es schon, und meinem guten Manne gefällt es sehr. Aber hier, die Weintraube! Die ist für Sie."

Aenne wußte nicht, welch ein Behagen es für die verwöhnte Frau war, ihr zuzusehen. Und dann spielte sie zwei auserwählte Stücke!

Die Amerikanerin lehnte sich zurück und schloß die Augen. Der Plan in ihr reifte. Sie schüttelte den letzten Zweifel von sich ab unter dem seelen­vollen Spiel des Mädchens. Sie hatte Aenne heute auch nur hierher bestellt, um sie noch näher und besser kennenzulernen.

Dennoch sah sie nicht klar.

Das Innere des jungen Mädchens glaubte sie zu kennen. Aber sie kannte nicht das Herz des stolzen, ernsten Mannes, den dieses junge Mäd­chen liebte. Sie sah das ganze Geschehen jenes Abends vor sich. Die Frau war nach einem Streit vielleicht davongegangen. Ansbrück erwartete ihren Mann und sie! Run kam ihm zufällig das Mädel in den Weg. das da noch ein Kleid für feine Frau abliefern wollte. Und so war eben die

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Lisa war also in Polzenhagen! Run, es mochte für sie selbst gewiß sehr gut sein, daß sie bor­läufig dort sein durste. Ihn selbst berührte das aber gar nicht nicht im geringsten!

Doktor Ansbrück brannte sich eine Zigarre an, rauchte in tiefen Zügen, während Karl leise hin und her ging und den Tisch deckte. Dabei ging immer wieder ein mitleidiger Blick zu seinem Herrn hinüber.

Immer einsam!

Ob das nun vielleicht immer so bleiben wurde? Ob denn die junge Gnädige nicht wieder zurück- kam?

Karl ersehnte ihre Gegenwart gewiß nicht, denn sie hatte ihre hochmütigen Launen ja auch an ihm genügend ausgelassen. Aber um des Doktors willen wäre es doch wirklich gut, wenn sie wiederkäme, denn er konnte doch nicht immer Abend für Abend allein hier sitzen?

Mit verdoppelter Sorgfalt deckte der alte Die­ner, damit es seinem Herrn ja gefalle, damit er keinen Tadel auszusprechen,brauchte. Doktor Ans­brück drehte sich nach seinem getreuen Diener um.

3a, ja, Karl, das hätten wir uns nicht träu­men lassen nicht wahr? Aber nun muß es eben gehen. Und vielleicht scheint die Sonne auch wieder hier in meinem Heim. Man muß eben abwarten." (Fortsetzung folgt.)

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