Aus 6er Proviuzialhaupifiabi.
«Sieben, den 17. Mai 1932.
(Sinfr Augensperationen gefährlich?
Don Dl Werner Bab.
Es gibt Patienten, die das Sprechzimmer des Augenarztes mit den Worten betreten .operieren lasse ich mich nicht", noch ehe sie guten Tag gewünscht haben DaS sind Leute, die nicht etwa besonders ängstlich sind und durchaus nicht etwa eine beliebige Operation scheuen. Aber mit den Augen, da ist daS etwa- anderes. Man hat doch nur zwei Augen, so heiht eS, und da kann keine Dorsicht grob genug sein.
Die steht eS mit der «Sesährlichkeit der Augen- operatton? Zunächst ist tröstend festzustellen, dah bei den wenigsten Augenkrankheiten eine Operation zur Heilung erforderlich ist- Augentropsen und -salben, elektrische Behandlungen und Be- strahlungen werden diel häufiger angewandt, und manchmal tut schon die Verordnung einer Drille Wunder. Qlur in wenigen, verhältnismäßig seltenen Fällen muh der Augenarzt eine Operation Vorschlägen, die dann aber meistens unumgänglich und dringend erforderlich ist, oft sogar, um Schlimmeres zu verhüten. Wenn a. B, wie dieS beim grauen Star oftmals der Fall ist, ein Auge bereits erblindet ist, und daS andere anfängt, schlecht zu sehen, so würde eS zweifellos eine Verschlechterung bedeuten, wenn man abwartete, bis der arme Patient auch auf dem zweiten Auge nichts mehr sieht: operiert man daher das schlechte Auge, so macht man den Menschen wieder leistungsfähig und lebensfroh. Sin großer Vorteil der Augenoperationen gegenüber vielen anderen operativen Eingriffen ist eS. dah man bei ihnen fast niemals den Patienten zu narkotisieren braucht. Wenige Tropfen Kokain, die man in daS Auge träufelt, genügen schon, um eine Lin- empfindlich keit deS Auges herbeizuführen, die für die wenigen Minuten vollkommen ausreicht, die zu einem operativen Eingriff an den Augen erforderlich sind.
Sieht man von den Operationen deS gra,uen und grünen StarS ab, so gibt es eine ganze Reihe von Augenoperationen. bei denen im Auge überhaupt nicht operiert wird: das heiht, eS kommt keine Eröffnung des Augapfels in Frage, sondern es wird an der Vindehaut, oder an den Augenmuskeln, wie bei Schielopcrationen, oder an den Augenlidern irgendein Eingriff vorgenommen. Bei diesen Prozeduren besteht eine Gefahr für daS Auge so gut wie gar nicht. Anders bei den eigentlichen Augenoperationen. Dei ihnen ist größte Sorgfalt erforderlich, die ihr Ziel vor allem darin sieht, daS Eindringen von 'Batterien in das Innere des AugeS zu verhüten. Dah ein Auge „ausläuft", wie man sich daS oft denkt, kommt so gut wie gar nicht vor. Lind auch die Angst, dah der Operateur mit der Hand zittern könne, oder mit dem Messer ausrutschen, ist überflüssig. Wenn trotz aller Sorgfalt und bei den ungeheuren Fortschritten, die auch die Ope- rationstechnik in der neueren Zeit gemacht hat, gleichwohl gelegentlich eine Operation nicht wunschgemäh gelingt, so ist daS meist ein Zufall, der eben niemals auSzuschliehen ist: aber ein Zufall, der praktisch meist nicht so bedeutsam ist, denn ohne die Operation wäre eben das Auge sowieso unbrauchbar oder verloren gewesen.
Könnte man den Menschen die Angst vor der Augenoperation nehmen, lo wäre damit viel ge- toonncjfr Denn dieses seelische Moment ist meist das einzig Llnangenehme überhaupt dabei. Wie wenig eingreifend operative Mahnahmen des Augenarztes vielfach sind, geht schon daraus hervor, dah eine beträchtliche Anzahl solcher kleinerer Operationen in der Sprechstunde vorgenommen werden können, die nicht einmal eine Llnterbrechung der Berufsarbeit notwendig machen: schwierigere, d. h. solche, bei denen der Augapfel eröffnet wird, bedürfen allerdings eines Aufenthaltes in der Klinik. Aber auch hier gibt eS keine Schrecken mehr wie früher, denn die gefürchtete Dunkelbehandlung durch Wochen und Monate ist längst zum alten Eisen geworfen. Allenfalls werden nach einer Operation des grauen Stars beide Augen für 24 Stunden verbunden. also für eine Zeit, in der schon an sich ein natürliche- AuhebedürfniS besteht. Sonst fetzt man stets nur e i n Auge unter Lichtabschluh und läßt soviel Luft und Licht und Sonne in das Krankenzimmer herein, wie der Patient nur immer haben will. Dies «chon bürgt dafür, dah kein unangenehmes Gefühl aufkommen kann.
Abschied von Polizeidirektor Wolf.
Am Samstagoormittafl versammelten sich im Sitzungssaal« des Kreisamtsgebäudes die Beamten des Polizeiamts Kietzen, um sich gemeinsam von ihrem Chef, Polizeibirektor Wolf, der bekanntlich ,}um Kreisdirektor non Alzey ernannt wurde und fein neues Amt bereits heute antritt, zu verabschieden
Polizeimajor Hofmann sprach im Namen der Beamten des Außendienstes dem scheidenden Chef herzliche Glückwünsche zu seiner Beförderung zum Kreisdirektor aus, gab aber auch dem Bedauern über das Scheiden des als Vorgesetzten und als Menschen in gleicher Weise ausgezeichneten Führers Ausdruck. Er versicherte dem Scheidenden, daß die Beamten des Außendienstes ihn stets in dank barer Erinnerung behalten würden.
Pol'zeiverwaltungs Oberinspektor Beate schloß sich im Namen der Verwaltungspolizei in vollem Umfange den Glückwunsch- und Bedauernsworten des Vorredners an und versicherte dem scheidenden Polizeidirektor, daß er sich während seiner fünfjährigen Tätigkeit an der Spitze des Polizeiamts infolge feines reichen Wissens, feines absoluten Gerechtigkeitssinnes und feines nie versiegenden Wohlwollens die oerehrungsvolle Zuneigung der Bc- amtcnfdyift erworben Hobe.
Kriminal-Oberinspektor Schönefeld sprach im Namen der Kriminalpolizei dem scheidenden Leiter des Polizeiamts ebenfalls herzliche Glückwünsche aus, bedauerte aber zugleich auch die Trennung von dem hochverehrten Chef, dem die Belange der Kriminalabteilung stets besonders am Herzen lagen,
und der immer bemüht war, die Hilfsmittel der Kriminalpolizei weiter auszubauen und stets auf dem höchsten Stande der Leistungsfähigkeit zu erhalten. Sämtliche Redner dankten dem I^chewenden ferner für dar reiche Wohlwollen und die warme Fürsorge, die er stets den Beamten feines Amte, bekundete, und sie wünschten ihm für fein weitere» Leben und Wirken alles Gute
Polizeidirektor Wolf dankte in bewegten Sorten den Rednern und der Beamtenfdxilt für die herzliche Abschiedskundgebung und die aufrichtigen Worte der Anerkennung und des Dankes, die ihm bei dieser Gelegenheit ausgesvrochen wurden. Er betonte weiter, daß ihm der Abschied von dem lieb- gewordenen Amt und den treuen Mitarbeitern bei dem anstrengenden Dienst« des Polizeiamts schwer falle, daß er aber die Ueberjeugung mit sich nehme, dem Polizeiamt Gießen eine allezeit zuverlässig« und schlagfertige Polizei zu hinterlassen, von der er wisie, daß sie stets in Treue und Gewissenhaftigkeit dem Staate dienen und der alten schonen Stadt Gießen ein richtiger aufopfernder Schutz sein werde.
Als äußeres Zeichen des Dankes und des Scheidegrußes wurde dem verehrten Chef von Polizeioer- waltungs-Oberinfpektor Beate im Auftrage aller Beamten des Polizeiamts ein Blumenkorb über- reicht. Die Gesangsabteilung der Polizeibeamten brachte dann zu Ehren des Scheidenden noch zwei Chöre zu Gehör.
Heue Forschungen über die (Sexualität der pflanzen.
3n einer Versammlung der Gesellschaft für Hatur- und Heilkunde am Donnerstagabend im Hörsaal des Botanischen Institut« hielt Prof. Dr. K ü st e r einen Vortrag über da« Thema .Heue Forschungen über die Sexualität der Pflanzen". Jede Zeit habe, so führte der Vortragende u. a. auS. in einem bestimmten Wissensgebiet ihren Aufgabcn- kreiS gesehen. Die Gegenwart stehe im Zeichen der Forschungen auf dem Gebiet der experimen- tellen Vererbungslehre. Dieser Wissenszweig habe eine Reihe von Hilfsdisziplinen auf den Plan gerufen, und so gehörten zur Wissenschaft der Vererbungslehre in erster Linie die Zellenlehre und die eng damit verbundenen Probleme der Sexualität. Die K>rschung über die Sexualität der Pflanzen habe einen bedeutenden Förderer in Prof. Dr. Kniep (Berlin) gehabt, einem vor kurzer Zeit verstorbenen Gelehrten. WaS die Sexualität der Pflanzen eigentlich sei. sei schwer zu sagen: man müsse eine ganze Reihe von Vorgängen darunter verstehen, die der Vortragende kurz umriß. Er schilderte die Zellwerdung. die Vereinigung der gellen, die Reduktion zweier Zellen, die weiteren Stadien ihrer Entwicklung und deren grundlegende Bedeutung. An Hand einer Anzahl von Beispielen erläuterte der Vortragende einige spezielle Fusionsvorgänge, insbesondere bei Pilzen, bei Flechten, die auf Grund ihrer merkwürdigen Sexualität das besondere Augenmerk deS Wassenschaftlers auf sich gezogen hätten. Er wieS weiter darauf hin, daß Sexualvorgänge durchaus nicht immer an die Verbindung klar bestimmter Zellformen gebunden seien. Weiter erläuterte er seinen aufmerksamen Zuhörern die Scxualvvrgänge bei verschiedenen höher entwickelten Pflanzen, bei der Brennessel, beim Mais, bei denen trotz der Trennung der Geschlechter (in den Blüten des Mais) K.B. unter der Einwirkung eine- Pilze« die Fähigkeit gegeben sei. auf einer an sich weiblichen Blute männliche Dlütenerscheinungen hervvrzurufen, eine klare und unbedingte Trennung der Geschlechter also nicht gegeben scheine. In dieser Hinsicht machte ber Redner seine Zuhörer auch mit den besonders mannigfaltigen Sexualvorgängen bei den niederen Pflanzen (z. D. an Hand einer Alge) vertraut und betonte, daß bei der zweihäufigen Alge klare männliche und weibliche Gameten erzeugt werden, die sich aber ganz verschieden, uno zwar je verschieden nach den ihnen überwiegend innewohnenden Qlnlagerr, kopulieren. Man könne hier also von einer relativen Geschlechtlichkeit sprechen, die bei niederen Pflanzen sehr häufig in Erscheinung trete. Die klare geschlechtliche Trennung trete immer nur bei höher entwickelten Organismen auf. 3m allgemeinen .sei die Beobachtung zu machen, daß die männlichen Zellen die Aktivität entfalten. Um so überraschender sei deshalb die Tatsache, daß es Pflanzen niederer Gattung gebe, bei denen die weiblichen Zellen die Aktiven seien. GS gebe Pflanzen, die, um zu ihrem Ziele zu gelangen, nicht etwa ihre Oertlichkeit verändern, dagegen aber (die Spirogyren) ihren Zielen zuwachsen. 3ntereffant sei weiter die überraschende Tatsache, daß es in der niederen Pflanzenwelt auch die Möglichkeit der Bereinigung dreier Zellen gebe und — diese triploide Form der 'Bereinigung sei gar nicht so selten. Wie überhaupt, und damit schloß der Redner seinen Vortrag, gerade die niedere Pflanzenwelt eine Fülle der verschiedensten Sexualvor- gänge aufweise, von denen im Laufe des Abend« nur ein Bruchteil behandelt werden konnte. Mit Dankesworten an den Redner schloß Prof. Dr. Henneberg die Versammlung.
Taten für Dienstag, 17. Mai.
Sonnenaufgang 4,32 LIhr, Sonnenuntergang 20.11 LIhr. Mondaufgang 16.51 LIhr, Mondunter- gang 2.32 LIhr.
1749: Eduard 3enncr, der Entdecker der Schuh- Pockenimpfung, in Berkeley geboren. 1821: Pir Sebastian Kneipp, der Begründer der Woris- hofener Wasserkur, in StephanSried in Bayern geboren. 1840: der Großindustrielle August Thyssen in Cschweiler geboren.
(Yictzcncr 2Sochcnrnarktprcisc.
' Gießen, 17. Mai. Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Süßrahmbutter 140 Pf Landbutter 130, Kochbutter 100, Matte 25 bis 30. Wirsing (gelb) 12 bis 15. Rotkraut 12 bis 15. Weißkraut 10 bis 12. Feldsalat 80 bis 100, gelbe Rüben 10 bis 12. rote Ruben 10 bis 12. Tomaten 50 biS 60, Meerrettich 30 bis 60, Spargel 30 bis 60, Llnterkohlrabi 5 btS 6, Zwiebeln 15 bis 18, Rhabarber 10 bis 12. Kartoffeln 4,5 (pro Zentner 3,80 bis 4 Mk). Aepfel 1t bis 15. Dörrobst 25 bi« 30. Qtüffe 35 biS 40.
Honig 40 bi« 45. Suppenhühner 70 bl« 80, junge Hähne 80 bi« 90 Pfennig pro Pfund, Tauben 50 bi« 70, Sier 6 und 7. Käse 5 bi« 10. Blumenkohl 30 bi« 70. Salat 15 bi« 20. Salatgurken 40 bi« 60. Oberkohlrabi 15 bi« 20. Lauch 5 di« 10. Rettich 15 bi« 20. Sellerie 10 bi« 30 Pfennig pro Stück. Radieschen 10 bi« 15 Pf. pro Bund.
Bornotizeu.
— Tageskalender für Dienstag. Stadl- theater: 20 bis gegen 22.31 Uhr, „Die Cnncheidung der Liffa Hart". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Es war einmal ein Walzer".
— Der Goethebund veranstaltet am Sonntag, 22. Mai, 11 LIhr, im Gießener Stadttheater eine Goethe-Morgenfeier. (RähereS siehe heutige Anzeige.)
•• Die Bfingftfeiertage haben diesmal alle Erwartungen, selbst die weitgespanntesten, erfüllt. Herrliches Frühlingswetter bei strahlendem Sonnenschein lockte an beiden Feiertagen Tausende hinaus in die in frischem Maiengrün prangende Natur Die Reichsbahn hatte Hochbetrieb, die Kraftomnibuslinien hatten rege zu tun, und auf Schusters Rappen pilgerten in Wald und Feld unermeßliche Scharen von Spaziergängern. Die Ausflugs- gastwirtfchasten hatten an beiden Feiertagen das langersehnte und ihnen ehrlich zu gönnende große Geschäft, bet dem alle Arbeitskräfte bis aufs äußerlte angespannt werden mutzten, um den Besuchern soweit wie möglich gerecht zu werden. An beiden Feiertagen waren erfreulicherweise auch die Gottesdienste wieder gut besucht. Der Rückblick auf die Bfingftfeiertage wird dadurch noch befriedigender, daß nach der bisherigen Kenntnis der Sachlage zum Glück alles ohne Unfall und sonstige Mitzhelligkeiten vorbeiging, denn Polizei und Sanitätsdienst konnten gleichfalls Feiertag begehen.
*' Maienblasen. Bei dem am morgigen Mittwoch, 19 Uhr, vom Turm der Iohanneskirche aus stattfindenden Maienblasen werden folgende Stücke zu Gehör gebracht: 1. D Gott, du frommer Gott, 2. Das ist der Tag des Herrn (Schäfers Sonntagslietz) von fiteußer; 3. Das Waldhorn.
' Dienstjubiläum bei derDolizei. Heute kann Polizeiverwaltungsoberasdstent Alfred Thormann auf eine 25jährige Tätigkeit im Polizei dienst zurückblicken. Der Jubilar trat am 17. Mai 1907 bei der hiesigen Schutzrnannschatt ein, wurde am 1. Juli 1907 oesinitiv al« Schutzmann angestellt und am 1 Oktober 1923 zum Po- lizeioberassistentcn ernannt. Gr hat sich in seiner langen Polizeidienstzeit durch seine Gewissenhaftigkeit, feine Pflichttreue und sein entgegenkom- niendes Wesen das Vertrauen seiner Vorgesetzten, seiner Kollegen und des Publikum« erworben.
"ErnennungbeimPolizeiamtGie- ß e n. Der Polizeihauptwachtmeister a. Pr. Wilhelm Lauder zu Gießen wurde unter Berufung in daS DeamlenverhältniS mit Wirkung vom 1. Mai ab zum PolizeihaupWachtmeister ernannt.
— Unterstützung der GießenerWin- ternothilfe. Vom städtischen Wohlfahrtsamt wird uns geschrieben: Dem Bericht über die Durchführung der Gießener Winternothilse 1931/32 ist noch nachzutragen, daß daS hiesige Metzgereigewerbe einen Preisnachlaß von 6 Pf. pro Pfund Frischfleisch (Rind- und Schweinefleisch) seit Dezember 1931 eingeräumt hat für diejenigen Mengen, die auf Grund des Reich«- bezugsschein« für Frischfleisch bezogen werden konnten. Es sei weiter bemerkt, daß auch der Gießener Kohlenhandel für die Unterstützungsempfänger de« Wohlfahrtsamtes einen beachtlichen Preisnachlaß gewährt hat. Dem Metzgergewerbe in der Stadt Gießen und dem hiesigen Kohlenhandel muß die Oeffentlichleit ebenfalls für diese anerkennenswerte Hilfe Dank wissen.
•• Aus der Lahn aeländet wurde am ersten Psinastfeiertag in der Gemarkung Ahbach daS junge Liebespaar, das seit Anfang Mai hier vermißt wurde. Die jungen Leute, ein Jüngling von Gießen und ein Mädchen von Heuchelheim, hatten vor ihrer Tat Papiere und ein Bild auf die Lahnbrücke gelegt und dabei bemerkt, daß sie gemeinsam in der Lahn den Tod suchen würden.
•* Wem gehört das Auto? An der Bro- vinzialftraße Gießen—Wetzlar, bei einem Steinbruck) in der Nahe von Dutenhofen, wurde am vorigen Freitag ein herrenloses Personenauto im ■Straßengraben aufgesunden. Es handelt sich um einen Opel-Zweisitzer blauer Farbe mit dem Kennzeichen IT 39015. Der Wagen hat einen Bruch der linken Vorderachse und einige weitere Beschädigungen baDongetragen, ber Motor ist noch in Ordnung. Ein fremder Handwerksbursche will beobachtet haben, baß das Auto in rafenbem Tempo aus ber Richtung Gießen gekommen und in den Übauffeeflraben gefahren sei. Personen sind, soweit feftgefteUt mrrben konnte, nicky zu Schaden gekommen. Die polizeilichen Ermittlungen über die Herkunft des Wagens find eingeleitet.
** Die Durchführung ber Eier - Ver orbnung. Von der Landwirtschaftskammer wird uns geschrieben: Die Reichsregierung hat am 17. Mär; 1932 die Verordnung über Handelsklassen für Hühnereier und die Kennzeichnung von Hühnereiern befanntaegeben. Nach dieser Ber orbnung werden besondere Hanbelsklassen für Hühnereier vorgesehen, wobei es allerdings jedem Geflügelhalter freigestellt bleibt, ob er seine Eier als Handelsklasseneier verkaufen, oder wie seither verwerten will. Fedoch ist die Bezeichnung „frische Eier", „Trinkeier" uiw. in Zukunft auf Grund die- ser Verordnung untersagt. Diejenigen Geflügelhalter, die in Zukunft standardisierte (Eier verkaufen wollen, ferner Eierverwertungs Genossenschaften, Handelsfirmen und Aonsumoereine, die Eier erfassen und diese nach den Bestimmungen der Eierverordnung kennzeichnen wollen, mühen hierfür eine besondere Genehmigung einholen und einen diesbezüglichen Antrag bei dem Ueberwachungsausschutz für Han- delsklasseneier, Darmstadt, Rheinstraße 62 (Landwirt- schaftskammer), stellen. Dort sind auch die erforber ließen Antragsformulare erhältlich. Die Anträge werden von bem Uederwachungsausschuß, bem Ber treter ber Erzeuger, bes Handels und ber Ber braucher, sowie ber Lanbwirtschaftskammer ange
boren, geprüft und die Antragsteller von bem Ergebnis ber Prüfung unterrichtet.
" Volkshochschule Gießen Die dies- jährige Ttitglicberm r;ammlung des Vereins Bolte- Hochschule (fließen sand vorigen Donnerstag statt. Der Vorsitzende, Unioersitätsprosesior Dr. Messe r, begrüßte bie Erschienenen und erteilte dann bem Leiter ber Volkshochschule das Wort zum Jahres bericht. Im Geschäftsjahr 1931 32 wurden insgesamt 25 Kurse abgehalten, an benen 3s7 Hörer, darunter 83 Erwerbslose, bei einer Belegziffer von >06 teil- nahmen. Die von Bücherrevisor B a u b e I geprüfte Rechnung wurde für richtig befunden und bem Rechner Entlastung erteilt. Der seitherige Vorstand wurde roiebergemablt.
" Pensionskasse der Bankangestell- t e n. Man berichtet uns: 3n der kürzlichen Aus- sichtsratssttzung des Beamtenoersicherungsverein» des Deutschen Bank- und Bankiergewerbe» stand ber Geschäftsbericht für 1931 zur Beratung. Auch im vergangenen Jahre hat sich bie Pensionskasse der Bankangestelten günstig weiter entwickelt. Ende 1931 zählte die Pensionskasse 62 30S beitragszahlenb« Mitglieder, gegenüber einem Bestand von 66 067 ein Jahr zuvor Dieser Rückgang ist bie natürliche Folge ber weiteren Personaloerminberung im Bankgewerbe. Die Einnahmen an Beiträgen betrugen im abgelaufenen Jahre 17,9 Millionen Mark gegenüber 19,4 Millionen Mark im Jahre 1930. Ertrage aus Kapitalanlagen erbrachten runb 12,4 Millionen Mk. Die persönlichen und sachlichen Verwaltungskosten erforderten rund 500000 Mark. An Renten liefen Ende 1931 insgesamt 13 0.32 mit einer Gesamtsumme von 10,6 Millionen Mark. Von diesen Reisten entfallen 8391 mit 9,6 Millionen Mark Jahre» Iciftungen auf laufende Versicherungen, wahrend 4641 mit einer Leistung von l Million Mark aus beitragsfreien Versicherungen herrübren. Die Auv gaben für Heilverfahren belaufen sich auf 932000 Mark. Die Zahl der Anträge auf Einleitung von Heilverfahren betrug 2166. Davon wurden 17B1, also 83 Prozent, genehmigt, während nur 17 Pro zcnt zur Ablehnung gelangten. Außer den in jfyil. statten, Sanatorien oder Kurorten durchgesuhrlen größeren Heilverfahren wurden noch in 1643 Fällen gegen 1393 im Vorjahre Beihilfen zu umfangreicherem Zahnersatz, ober größeren Heilmittel» bewilligt und bezahlt. Diese Ausaaben erforbrrlen einen Gesamtbetrag non 127 000 Mark. Für Heil verfahren für tuberkulosekranke Ehefrauen von Versicherten würben 21 000 Mark und für Kinbarheil- verfahren 24 000 Mark ausgewendet. Das Vermögen konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr um 17,6 Mil- Honen Mark auf 153,9 Millionen Mark gesteigert werden, die als Rücklage für Vcrsichcrungsßeistun- gen gelten.
•• Zur Richtigstellung In dem Artikel ..Die GinheitSbewerlung in Heften" (Gieß. Anz. Rr. 111 vom 13. Mai) muß es.in Spalte I, Absatz 5, Zeile 10/11 richtig heißen „ihre Bewertung erfolgt nach dem Srtrag-went" (statt EinheitSwert).
Zeitschriften.
— 3ft mein Kind schulreif? Diese Frage, die sich wohl manche Mutter mit einigem Bangen stellt, wenn ihr Kind mit dem Schulbeginn den ersten Schritt in« Leben macht, wird von Pros. Dr. Erich Stern in der neuesten Hummer der „3 Hu ft ritten Zeitung" t3. I. Weber. Leipzig) eingehend erörtert. Der Pädagoge und der Arzt spricht hier von den Anforderungen, die an da« Schulkind gestellt werden, unfl) denen e« körperlich und geistig gewachsen sei» muß, soll c« sich in dieser neuen LebenSgemeiafchaft glücklich fühlen. — Einen Blick ins Kiuderland eröffnen unS ferner eine Anzahl Phockostudien. — 3m Mai feiert die Unibctfität Würzburg ihr 350jährige« Jubiläum. Ihre Entstehung und Entwicklung wird in einem illustrierten Beitrag anschaulich geschildert. Am 27. Mac gedenkt die Welt deS 150. Todestages von Groethe« Vater. 3ohann Kaspar Goethe. Ein reich bebilderter Aussatz von Dr. Dalerian Tornius umreißt das Geben und die Persönlichkeit diese« Manne«. — Don kulturgeschichtlichem Inleressk sind die Artikel: „Straßen und Schienen ün Sowjetreich" von Dr. A. Herrlich und „Auf Künstlersahrt bei den Schwaben in Südslawien".
Wettervoraussage.
Bei ber kräftigen Erwärmung haben sich bie stachen Störungen in ber von Norbwesten nach Süboften sich erftrerfenben Rinne tiefen Druckes weiter ausgebilbet unb unter Umdrehen ber Winde nach Westen zu Koltlust nach "bem Fesllanbe hin beförbert. Infolgebessen kam es durch bie schnelle Abkühlung vielerorts zu Gewitterstörungen und auch zu leichten Niederschlägen. Di« Auswirkung ber Stü rungßtätigfeit wirb aber nicht von langer Dauer fein. Zunächst bleibt bei ber nach herrschenden West luftzufuhr wechselhafte BcroölBung bestehen, womit teilweise gemitterariige Schauer verbunden sind. All- gemeiner Baromeleranftieg mirb jedoch das kontinentale Hoch kräftigen, io daß 1 pater in seinem Bereich wieder mehr aufheitecnbes Wetter unb auch Erwärmung einsetzen wird.
Aussichten für Mittwoch: Anfänglich noch wechselnd bewölkt mit einzelnen gewitterartigen Schauern, bann wieder aufßeiternb unb warmer.
Lufttemperaturen am 16 Mai: mittags 26,2 Grau Celsius, abenbs 19,2 Grab: am 17. Mai: morgens 14,4 Grab. Maximum 27 Grab, Minimum 9,2 Grab. — (Erbtemperaturee in 10 cm liefe am 16. Mai: abends 23,2 Grad: am 17 Mai: morgens 17,2 Grab Celsius. — Niederschläge 1,1 mm. — Sonnenscheinbauer 11$ Stunben.
Kirchliche Rachrichten.
Mittwoch, den 18. Mai.
Hungen. 6.15 Uhr: Messe.
Freitag, den 20 Mai.
Gießen. 20 Uhr: Maianbacht.
Bei jedem 6*TodesfaU ist die Ursache ein Herzleiden.
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