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der Redaktion.

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ßr.U5 Erstes Blatt

182. Jahrgang

Dienstag, 17. Mai 1952

Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Gießener FamilienitzäNer Heimat im Dill» Di« Scholl« Monat» Bezugspreis:

Mit 4 Beilagen RM.l 95 Ohne Illustrierte , 1 80 Zustellgebühr.. , -.25 Luch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolgt höherer Gewalt.

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Dnid vnb Verlag: vrühl'sche Unlverfttü1r-Vuch> unö Stetnörnderti H. Lange in Liehen. Schristlettung und Leschäftzstelle: Zchulftrahe 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für l mm hohe für Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig, für Re- Klameaiijeigen von 70mm Breite 35 Reichspsennig, Playvorschrift 20 , mehr.

Lhesredattteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.Tbyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gieszen.

Oer BOA. in der deutschen Ostmark.

Oie diesjährige pfingstiagnng des Vereins für das Deutschtum im Ausland in Eibing war . ein starkes Bekenntnis zum deutschen Osten.

Oie Hauptversammlung.

Elbing, 16. Mai. (Xil.) Am Samstag wurde die Hauptversammlung des DDA. nut Degrü- ftungsworten des Vorsitzenden. Minister a. D. Dr. Geftl« r , eröffnet. Er erklärte u. a.:Die Beteiligung an dirier Psingsttagung zeigt unS:

war richtig, daft wir nach dein Osten gekom­men sind, um zum Ausdruck zu bringen, das) deutsche- Land und deutsches Volk keine Handelsware sind. Wir werden a u s nicht- verzichten, was zu diesem Land und Dolk gehört" Ministerialdirektor Dr. LoehrS überbrachte die Grüfte dcS preufti» fchen Innenministers und betonte, daft dur h die Abhaltung der Tagung in Elbing dem deutschen Osten vor Augen geführt werde, daft einer der hervorragendsten Vertreter des stolzen Kulturgedankens sein Verständnis für die schwere Lage des deutschen Vordostcnv bekunde. Wim- sterialrat Tiedje übermittelte die Wünsche und Srüfze der Reichsregierung Er führte aus. daft auch die Regierung es auf das wärmste begrüfte, daft der VDA. feine Tagung in die innerhalb des Ostens am meisten an kultureller und wirtschaftlicher Hol leidenden Städte Elbing und Marienburg verlegt habe. Als Vertreter des preuftischcn Kultusministers betonte Mini­sterialdirektor Trendelenburg, daft Hei­matpflege und Heimatschuß im Mittelpunkt des erzieherischen Aufbaues stünde Die Grüfte der evangelischen Kirche in Ostpreuftcn überbrachte Oberdomprediger Burghardt, die Grüfte El­bing- und deS Landesverbandes Westprcuften Oberbürgermeister Dr. Merten.

Natt) Dankesworten des Vorsitzenden Dr. Geftler gab die Vorsitzende des OS23., des neuen Landes- oerbandes des VDA, Frau Dr Eutin (jtöiigs- berg), ihrer Freude darüber Ausdruck, daft der Zusammenschluß des ostpreuhischen «chulvereins mit dem VDA. stattgcsundcn haste. Der Vertreter für das Deutschtum in Estland, Rechtsanwalt Hasse 1 b 1 att (Reval), gab dann einen Gesamtüberblick über die Lage der deutschen Volksgruppen in Europa. Er beschäftigte sich sehr eingehend mit der wirtschaftlichen Lage der Aus­ländsdeutschen und zeigte, wie sehr der Kampf sich zuungunsten der Ausländsdeutschen in der Nach­kriegszeit verschlechtert habe. Regierungsrat Dr. 3 vedecke (Marienwerder) sprach über den Weichselkorridor als europäisches Problem. Er erklärte dabei, daft Polen für seine Ansprüche auf das Korridorgebiet keine sachliche Begründung geben könne.

Oer Festakt.

Der dritte Tag der VDA.-Tagung wurde mit Gottesdiensten cingelcitct Vach b?r Stu - dcntentagung, bei ddr Regieru <gs ät a. D. Maftmann und Studienreserendar Dr. Schacht sprachen, begann in der Aula der Pädagogischen Akademie der große Festakt, bei dem nach ein­leitendem Orgelvorspic! zunächst Oberpräsident Dr. h. c. Siehr (Königsberg) daraus hinwies, daft Ostpreuftcn durch den Machtfpruch der En­tente vom Mutterlande losgelöst und deutsche Ge­biete rings um Ostpreuften herum der Staatshoheit fremder Staaten unterworfen worden seien Ge­rade diese Schicksalsschläge hätten jedoch die besten Gigenschasten ber ostpreuhischen Bevölke­rung klar in Erscheinung treten lassen, die zu der Hoffnung berechtigten, dah der Kampf bis zum Siege durchgefochten werde. Die Ostpreuhen feiert tief durchdrungen von der Be­deutung ber Erhaltung des Deutschtums jenseits der Grenzpfähle. Die Ereignisse der Kriegsjahre unb der Nachkriegszeit hätten vielen Deutschen au- der Mitte oder dem Westen des Reiches Augen unb Ohren geöffnet, unb vielen erst die Bedeutung Ostpreuhens für das Deutschtum im Osten und damit für ganz Deutschlandbewuht gemacht. So wertvoll die Hilfsmahnahmen der Reichs- und Staatsregierung seien und so dankbar sie in allen Kreisen der Bevölkerung anerkannt würben, sie mühten doch Stückwerk bleiben, wenn es nicht ge­linge. bei ber gesamten beutfchen Bevölkerung Verständnis sür dieSonderlageOst- preuhens. für seine Bedeutung für das Deutschtum im Osten zu wecken. Die Tagung möge dazu beitragen, ein neues festes Band zu knüpfen zwischen allen Deutschen diesseits und jenseits des Korridors, diesseits unb jenseits ber Grenzen un­seres deutschen Vaterlanbes.

Bannerweihe am Pfingstsonntag.

Starkes Bekenntnis zur Ostmark von Lftpreußcn vis Lcstcrrcich.

Hm 17 Hhr fanb eine grobe Qlbcnbf cier unb Bannerweihe im Vogelsang statt, bei ber Generalsuperintendent D. Gennrich. Kö­nigsberg. unb Domprobst Prälat öanber, Fraucnburg. Ansprachen hielten. D. Gcnnrich wies auf den Gegensatz zwilchen dem Schicksal des Deutschtums unter fremder Herrschaft und in anderssprachiger Umgebung unb den vom deut­schen Volk mit vollen Händen über die ganze Erde ausgestreuten Gaben hoher geistiger Kultur

hin Prälat Sander sprach von den Wechsel­beziehungen des katholischen religiösen Lebens zum deutschen Volkstum und gab der Heberzeu­gung Ausdruck, daft eS keine fremde Hand wagen werde, sich auf die deutsche Ostmark zu legen, denn alle wüftten_ für Ostpreuften stehe ganz Deutsch- land- Die Festrede hielt Hniverfitatsprosessor Dr Hugelmann. Sie wurde zu einem ge­waltigen Bekenntnis der Schicksalsverbundenheit des gesamten Deutschtums und insbesondere der engen Verbindung zwischen der süddeutschen Grenzmark zu Oesterreich und der nordost- deutschen Grenzmark in Ostpreuften Hnter starkem Beifall der vielen Tausende, die das weite Rund des Stadions füllten, legte Hugel­mann das Gelöbnis ab. daft das österreichische Volk unter keinen Hmständcn einen Vertrag oder ein Zugeständnis an­erkennen würde, das sich eine werdende Re­gierung von fremden Mächten zur Lösung der engen Verbundenheit mit dem Vcjch abringen liehe Tausende von Schwur­händen erhoben sich, als er den Bannerspruch gab: ..Wir wollen das Wort nicht brechen, nicht Buben werden gleich, wollen predigen und sprechen vom heiligen Deutschen Reich."

Ausklang.

Vaucrntagunq und großer -estzug.

Den Höhepunkt und Abschluß der VDA -Tagung brachte der Pfingstmontag, an dem zunächst eine kaufmännische Tagung, eine Arbeitertagung und eine Bauerntagung abgehalten wurden' Auf der aufterordentlich stark besuchten Baucrntagung sprach Regierungspräsident a D. v. Baudissin von der

Bedeutung der Zusammenarbeit der volksdeutschen Politik und der Agrarpolitik. Es gelte, neue Kräfte einzusetzen und insbesondere den Selbslbehauptungs- willen und die Selbsthilfe des deutschen Landvolkes weiterhin durch sinnvolle Forde­rung zu stärken. Der VDA. werde dem gesamten Deutschtum dienen, wenn er ein fruchtbares Zu­sammenwirken zwilchen der Volkstumarbeit und der Arbeit am Aufbau der gesamtdeutschen Landwirt Ichaft fordere. Rittergutsbesitzer Struvy ging auf die Osthilfemaftnahmen ein, die neuerdings stets im Zusammenhang mit bei Siedlung genannt wurden, co aber, wie die Dinge bisher im Sicdlungswesen lägen, wurde ohne völlige Aenderung der wirt­schaftspolitischen Grundlage zwangsläufig eine Proletarisierung der Landbevölke- r u n g gefördert, tue der Deutscherhaltung des Jahr­hunderte alten Siedlungsbodens aus aller Koloni­sation nicht forderlich sei. Ein Siedlungswerk, wel­ches an bie lebenbige alte Irabition anknüpfe, werde auf die Dauer auch trotz der gegenwärtigen Un­rentabilität sich durchsetzen und die Menschen in die Front des bodenständigen Berufsstandes einglie­dern.

Den Abschluß der Eibinger Veranstaltung hü­bet c ber g^r a ft e F e st z u g Schon am Vormittag waren bie Straften der Stadt von Menschenmengen umsäumt, bis am frühen Nachmittag der Festzug begann. Immer wieder bei allen Gruppen nicht nur die Schaustellung der besonderen Künste, Leistungen unb Eigenart ber Heimat, immer roicber vor allem bie Erinnerung an bie Z w angsgrenze und an das Versailler Diktat aber auch an die unzerbrechliche Widerstandskraft, zu der auch dieser Festzug aufrief, der den Abschluß ber El bingcr Tagung dübele.

LiselibahnunM vor dem Bremer HauMahnhos.

Oer Kölner v-Zug über einer Straßenüberführung entgleist. Zehn Verletzte. Eine Folge der

Bremen, 16. Mai. (WTB) Als ber von Köln fahrplanmäßig um 13 Uhr in Bremen cintreffenbe D-Zug 97 wenige Kilometer vor b e in Bremer Hauptbahnhof eine Straften- Überführung passierte, ereignete sich eine folgen- schwere Entgleisung. Der Speisewagen und der nachfolgende Personenwagen 1. und 2. Klasse sprangen aus den Schienen unb würben mit großer Wucht gegen bas Brückenge- lanbcr gefdjlcubcrt. Durch die Eisenkonstruk- Hon der Brücke wurde eine ber Seitenwänbe bes Speisewagens vollkommen a b r a f i e r t. Aufterbein burchdohrte bie losgerissene Schiene ben Wagen in seiner ganzen Länge. Der Personenwagen riß einen Teil ber Brückenmauer nicbcr unb blieb bann in halber Höhe hängen Zahlreiche Trümmer flogen mit gewaltigem Getöse auf bie Strafte. Durch Glassplitter würben mehrere Passan­ten leicht verletzt.

Aus bie gellenden Hilferufe ber Reisenben stürzten die Bewohner der umliegenden Hauser herbei, brachten die erste Hilfe und versuchten den im Speisewagen ausgebrochenen Brand durch in Eimern herbeigeschafstes Wasser zu löschen. Der im

plötzlichen Hitze.

Bremer Hauptbahnhof stationierte Hilfszeug, Feuerwehr und Sanitätswagen waren in wenigen Minuten zur Stelle und begannen sofort mit den Bergungsarbeiten. Es mangelte jedoch an Aerzten, die zwar in der Nähe zahlreich ansässig sind, aber Zum größten Teil abwesend waren. Nach den bis­herigen Feststellungen sind 10 bis 12 Schwer- und Leichtverletzte zu verzeichnen, darunter das Kuchen- und Bedienungspersonal des Speise­wagens. Das Küchenpcrsonal, und zwar der Küchen­chef Schlosser und die Küchengehilsin Ehrn, beide aus Köln, erlitten außer schweren Körperverletzungen auch erhebliche Verbrennungen. Nur dem Umstand, daß bie meisten Reisenben ben Speise­wagen bereits verlassen hatten, ist cs zu banken, daß bie Zahl ber Verunglückten nicht größer würbe. Die Verletzten wurden sofort in bas nahegelegene Krankenhaus beförbert. Als Ursache wird über­mäßige Ausdehnung ber Schienen durch bie plötzliche Hitze angenommen. Doch ist die bahnamtliche Untersuchung zur Stunbe noch nicht abgeschlossen Zur Zeit ist nicht nur bas Geleise, lonbcrn auch ber darunter befindliche Straßenver­kehr gesperrt.

JerjapanischeMnisterpräsidenteMordel.

Eine Serie von Attentaten japanischer Seeoffiziere unö Kadetten.

Tokio, 16. Mai. (2BIB.) Der japanische Mi­nisterpräsident 3 n u k a i ist am Sonntag burch zwei Beoolverschüsse schwer oerleftt worden und wenige Stunden später gestorben. Der Anschlag wurde verübt burch zehn junge Leute in O f s i z i e r s u n l f o r m , die in das Haus des Mi­nisterpräsidenten cinbrangcn und nicht nur ihn selbst, sondern auch vier Polizeibeamte. eine Hausange­stellte und einen Gast des Premierministers nieder­schossen. Außerdem wurden gleichzeitig von Leuten in Offiziersuniform Bombenanschläge gegen die Bank oo'n Japan, das Polizeipräsidium, das Bureau der oppositionellen Seyukai - Partei unb bas Haus bes Grohsiegelbewahrers Graf M a - kino verübt. Rach ben Taten sind J I u g b I ä f - t e r einerBereinigung junger Offiziere des Heeres und ber Flotte" in Tokio verbreitet worden. Im Laufe des Tages haben sich 18 junge Leute a I s Urheber des Anschlages auf den Minister­präsidenten freiwillig ber Polizei gestellt. Cs finb fünf Marineleutnants unb brei- zehn Offizierschüler.

Jnukai hat zwei Schüsse erhalten, von denen der eine in seine Stirn drang. Jnukai hatte gerade eine Unterredung mit einem Besucher, als zehn Leute mit erhobenem Revolver ins Zimmer stürmten. Auf bas Polizeipräsidium wurden auch sieben bi» acht Schüsse abgegeben, die einen Posizei- beamten trafen und verletzten. In den oben er wähnten Flugblättern werden insbesondere die japanische Diplomatie und die leitenden

Behörden de» Heeres unb ber Flotte aufs heftigste angegriffen: aber auch die Er­ziehung»- unb wirtschastsmethoben werben einem starken Tadel unterzogen.

Der politischen Polizei ist es gelungen, noch rechtzeitig einen weiteren Anschlag aus- zu decken. Unter den Transformatoren im Elektrizitätswerk wurde Dynamit ge­funden. Die Attentäter wollten allem Anschein nach da» Werk in die Lust sprengen, um die Lichtversorgung zu unterbinden. Der Kaiser hat der Familie des ermordeten Ministerpräsidenken sein Beileid ausgesprochen. Gleichzeitig übermittelte das Diplomatische Korps der japanischen Regierung Bei­leidskundgebungen. In ausländischen diplomatischen Kreisen wird daraus hingewiefen, daß Jnukai ein Anhänger de» Berständigungsgedankens gewesen sei.

Oie politischen Folgen.

London, 16. Mai. (TH. Funkspruch.) Das japanische Kabinett hat im Laufe des Mon- tags dem Kaiser sein Rücktrittsgesuch überreicht. Dieser hat sich jedoch geweigert, es an>uncf)mcn und den stellvertretenden Minister­präsidenten Takahashi beauftragt, die Ge­schälte vorläufig weiterzuführen. Dieälteren & t a a t s> l e u t e sind zu einer Sitzung zum Kai­ser einberufen worden, der auch mit dem Kriegsminister Besprechungen hat, ob es ratsam fei. das Standrecht zu verhängen. Hiervon ist vorläufig Ab st and genommen worden. Der Armeerat hat beschlossen, den Generalleut-

Oer Abg. Or. Ley vor dem Echnellrichter.

Köln. 14. Mai (WTB.) Vor dem Grosin Schöffengericht haben sich im Schnellverfahren b-r nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Dr. Ley und sein Parteigenosse, der Kraftfahrer Fuchs, tocflcn eines Zusammenstoßes mit dem sozialdemokratischen Parteiführer, Re chstagsab- geordneten WelS und dem Kölner Polizeipräsi­denten B a u k n ech t in einem Kölner Weinlokal kurz vor der Preußenwahl zu verantworten. Bel der Vernehmung erklärte Dr. Ley. daß jemand an seinem TischHeil Hitler" gerufen habe, als gegen 2 Hhr Otto Wels und die in seiner Beglei­tung befindlichen Herren aufbrechen wollten Auf diesen Zuruf habe Dr. Wels gefragt.Galt das mir?" und Polizeipräsident Bauknecht sei an den Tisch der Rationalsozialisten gekommen und habe einen von ihnen angestoßen. Was dann folgte, sei so schnell vor sich gegangen, daß er Einzelheiten nicht habe beobachten können. Auf der Polizei­wache sei er beschimpft und mißhandelt worden. Der Angeklagte Fuchs sagte aus, er fei in dem Augenblick des Zusammenstoßes nicht im Lokal gewesen. Als er den Gastraum wieder betreten hätte, habe er Leyin Gefahr" gesehen und habe Leyherausreißen" wollen. Ley aber habe sei­nen Arm zurückgestoßen und dabei Wels getroffen.

Otto Wels bekundete auf die Frage:Wem galt der Gruft?" habe er einen Hieb bekommen und fei von mehreren Personen umringt worden. Polizeipräsident Bauknecht sagte aus. man habe in dem Weinlokal nicht nur andauernd -Heil Hitler", sondern auchProst Proleten" ge­rufen. Rach den Zurufen der Rational'ozialisten habe er feinen Hut genommen und fei an den Tisch der Rufer gegangen. Als er sich einen er­neuten Zurus Dr. Leys mit den Worten:Bitte, lassen Sie das sein?" verbeten habe, habe er einen Schlag inS Auge bekommen. Er müfte zu- geben, in der Erregung getagt zu haben: ..Ihr seid ein feiges Gesindel".

3n der Beweisaufnahme sagte der Page der Weinstube, in der sich der Vorfall ereignete, aus. daft Fuchs den Abgeordneten WelS schlug. Er habe zufällig gehört, wie Dr. Ley a m Te le- s o n sagte . Kommen Sie unauffällig her, (harten Sie aber drauften auf der Strafte und machen Sie auch die Rümmer des Motorrads unkennt­lich!"

Das Schöffengericht erkannte gegen Dr. Ley auf drei MonateGefängnis und gegen Fuchs auf 5 Monate Gefängnis. 3n der Be­gründung sagte der Vorsitzende, das Gericht habe gemeinschaftliche Körperverlet­zung angenommen. Es sei ^inzunehmen, daß alle Beteiligten den Willen gehabt hätten, die Gegner anzugreifen. Es habe sich um einen Angriff gegen Herren gehandelt, die an der Schwelle des Grei­fenalters ständen und im öffentlichen Leben an hervorragender Stelle tätig feien. Anderseits fei die vorgerückte Stunde in der Weinstube berück sichtigt worden. Es fei auch eine Zeit politischer Hochspannung gewesen, und die Rerven feien bis zum Zerreihen gespannt gewesen. Das habe straf- mildernd angerechnet werden formen.

nent Mafaki zuin Kriegsminister au machen, gleich, ob das Kabinett dem Rücktritt des jetzigen Kriegsministers A r a k i zustimmt ober nicht. Auch auf Araki war ein Anschlag geplant. Der bewaffnete Attentäter war in feine Wohnung kurz nach Mitternacht eingedrungen. Araki war jedoch schon zur Kabinettsfihung fortgegangen.

Die Armee ist mit einem Ultimatum hervorgetreten, in dem sie die D i I d u n g e i n e r nationalen Regierung verlangt Die Hintergründe des Attentats.

Paris, 17. Mai. (WTB Funkspruch.) Eine nach Japan entsandte Berichterstattern, des ..Petit Pa rifien" erklärt, die Nachrichi von bcm Attentat auf den japanischen Ministerpräsidenten sei nicht u n erwartet gekommen. Alle Welt habe in letzter Zeit in versteckten Worten von einem militä­rischen Staat» st reich gesprochen. Aller­dings habe niemand geglaubt, dah er so nahe be vorstehe. Das Attentat habe nicht Fnukai persönlich, sondern dem Regierung stopf gegolten unb gewinne somit an Bedeutung Es handele sich um ein Glied in der Kette politischer Attentate, denen im Fanuar und Februar ein Minister unb ein Direktor der Großbank, Mitsui, Baron Dan, zum Opfer gefallen seien. Damals habe man 20 Stuben ten unb junge Intellektuelle, die zumeist einfluß reichen Familien angehören, f e ft g e n o m m c n. Sie seien Mitglieder einer Liga, man habe bei ihnen Verzeichnisse gesunben, in benen zahlreiche Politiker unb Großkapital! st en aufge führt waren, bie von ihnen um Tobe ver­urteilt worben seien, lieber bie Untersuchung bie fer Angelegenheit sei Stillschweigen bewahrt morben.

3n Wirklichkeit liege die Sache so, daß meh­rere hohe Persönlichkeiten der Ar­mee in die Angelegenheit verwickelt gewesen seien. Man habe sogar erklärt, daß die Revolver, deren sich die Attentäter bedienten, von Offizieren und namentlich von einem hohen populären Marineoffizierge­liefert wurden. Es handele sich also um eine höchst wichtige Bewegung, die dramatische Heber- raschunaen bringen könne Ein hochstehender Po­litiker habe der Korrespondentin erklärt .Wir find aus dem besten Wege zum Ertre- mismus. Hnser Heer ist ausgesprochen nationalistisch und gleichzeitig a n 11 kapi­talistisch eingestellt, so daß die soziale Hm- Wälzung von Militärpersonen auSgehen könnte."