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kung weiterer Po st gebühren, namentlich der Telephon- und Rundfunkgebühren, eine Rolle. Der Postminister gab die strikte Erklä­rung ab, daß angesichts der Finanzlage der Reichs­post weitere Gebühre nsenkungen un­tragbar seien. Diese Auffassung wurde von der Mehrheit des Berwaltungsrats anerkannt. Mit weiteren Gebührcnsenkungen ist also bis auf weite­res nicht zu rechnen.

Unterbrechung der Abrüstungskonferenz. Henderson stellt keinerlei Fortschritt der Arbeit fest.

Gens. 16. März. (WTB.) Dem Hauptausschuh der .Abrüstungskonferenz legte Henderson den heute vom Bureau gefaßten Beschluß vor. die Konferenz bis zum 11. April zu un­terbrechen. Henderson begründete diesen Be­schluß damit, daß durch die Tagung der außer­ordentlichen Bölkerbundsversammlung tnc Ar­beiten der Abrüstungskonferenz eine beträchtliche Störung erfahren hätten, und daß es insbesondere dem Hauptausschuh nicht möglich gewesen sei, durch Klärung grundsätzlicher Fragen die tech­nischen Ausschüsse mit genügend Arbeitsstoff zu versehen. An die Erklärungen Hendersons,, die nur mühsam die Tatsache verdeckten, daß in den Arbeiten der Abrüstungskonferenz ein völli- gerStillstand eingetreten ist, schloß sich eine Aussprache an.

T a r d i e u stimmte dem Borschlage zu, lehnte aber die Derantwortlichkeit Frankreichs für den jetzt cingetretenen Stillstand ab und sprach den Wunsch aus, dah der politische Ausschuh sich alsbald nach Wiederzusammentritt der Konferenz mit dem französischcnPlan befassen möge.

Der amerikanische Botschafter G i b s o n legte einen formulierten Antrag vor, wonach vom 11. April an zunächst lediglich der Hauptausschuh, bzw. der politische Ausschuß Sitzungen abhalten sollen, bis die Prinzipien soweit geklärt sind, dah die technischen Ausschüsse in ersprießlicher Weise ihre Arbeiten aufnehmen können. Der englische De­legierte schloß sich den Ausführungen Gibsons vollkommen an.

Botschafter A a d o l n y betonte, daß der Ar­beitsplan auch hinsichtlich der großen grund­sätzlichen Fragen bereits durch die von dem Be­richterstatter des Hauptausschusses aufgestellte älebersicht über die einzelnen Vorschläge vorge- z e i ch n e t sei, und dah man zweckmäßig a n d i e - fern Plan fe st halte.

Die Vorschläge des Präsidiums und der ameri­kanischen Delegation wurden von der Versamm­lung einstimmig angenommen. 3n seinem sehr kritisch gehaltenen Schlußwort dankte Hen­derson den Delegationen für ihre bisher geleistete Arbeit, wobei er allerdings feststellen muhte, dah die Konferenz leider noch nicht an btc gro­ßen ihr gestellten Aufgaben hcran- gegangen sei.

Anordnung des Verteidigungs- Wesens in Dänemark.

Kopenhagen, 16. März. IWTB.) ImLanD - st i n g wurde durch die gemäßigte Linke eine Vor­lage auf Neuordnung des Verteidigungswesens ein­gebracht, die auf Grund van Verhandlungen aus­gearbeitet worden ist, die seit längerer Zeit zwischen der gemäßigten Linken und den Regierungsparteien (Sozialdemokraten und Radikale Linke) geführt wurden. Die Vorlage basiert auf dem Normal- budget von 24 Millionen Kronen. Hierin sind die Ausgaben für Anschaffung und Erneuerung von Kriegsmaterial einbegriffen. Der Generalstab wird dem Generalkommando unterstellt. Die Truppen­abteilungen werden i n zw ei Divisionen z u- s a m m e n g e f a ß t. Der L a n d st u r m wird a b ° geschafft. Es sollen alljährlich 8000 Mann ein­berufen werden. Außerdem sollen 2000 Mann so­genannter Garnisontruppen einberufen wer­den. Diese Garnisontruppen, die auf Grund freiwilligen Eintritts aufgebracht werden sollen, sind Dazu bestimmt, den größten Teil des Wacht- und Arbeitsdienstes zu überneh­men. Die Ausbildungszeit beträgt fünf Monate. Die Zahl der aktiven und Reserveoffiziere wird stark eingeschränkt. Die Bestimmungen über die Seewehr besagen u. a., daß die drei jetzt vorhandenen Pan­zerschiffe in kampffähigem Zustande gehalten, aber nicht erneuert werden sollen. Außer diesen drei Schiffen und anderem älteren Schiffs­material wird die Flotte 16 Torpedo- und U-Boote, ein Minenschiff und ein Hilfsfahrzeug umfassen, Die Marinemannschaften sollen hauptsächlich aus Freiwilligen rekrutiert werden. Die Aus­bildung dauert 4 bis 10 Monate.

Oie Mandschurei bittet um Anerkennung.

Amerika lehnt ab.

London, 16. März. Die Regierung der Mandschurei hat an siebzehn Mächte, die Konsularvertretungen in der Mandschurei haben, eine Erklärung über die Politik des neuen Staa­tes gesandt. Darin wird um Anerkennung des Staates gebeten. Die mandschurische Re­gierung beabsichtige, alle internationalen Ver­träge und sonstigen Bindungen, wie beispiels­weise Schuldenverpslichtungen, anzuerken­nen und den ausländischen Handel zu fördern. Alle fremdenfeindlichen Elemente würden ausgerottet werden. Die Inter­essen der Mandschurei seien auf das eng st e mit denjenigen Japans verbunden. Die Japaner würden jedoch die Unabhän- g i g k e i t des Staates in keiner Weise beein­trächtigen.

Im amerikanischen Staatsdepartement wurde erklärt, dah weder Amerika die man­dschurische Regierung anerkennen werde, noch daß es angesichts des Artikels 2 des Reunmächtepaktes für irgendeine Si­gnaturmacht zulässig erscheine, diese Re­gierung als legitime Vertretung der mandschuri­schen Provinzen Chinas anzuerkennen.

Zieht Rußland Truppen zusammen?

Tokio, 16. März. (TU.) Die japanische Presse bringt in großer Aufmachung weitere Meldungen über die Zusammenziehung russischer Truppen an der russisch-mandschurischen Grenze. Die Truppen sollen in der Rechtung Olow- jannajaMundschuria, ferner bei Grodekowo NikolskUssurisk in der Richtung Pogranitsch- naja und in der Gegend der Olgabucht bei Posjed

im Küstengebiet zusammengezogen werden. Ins­gesamt sollen dort über200000Mannmrt zahlreichen Flugzeugen und Artil­lerie stehen. Ferner sollen schwere Batte­rien bei Wladiwostok aufgestellt wor­den sein.

Die russischen amtlichenStellen erklären, daß alle Rachrichten über angebliche Zusammen­ziehung russischer Truppen an der russisch-man­dschurischen Grenze nicht den Tatsachen entsprechen.

Meine politische Nachrichten.

Der Herr Reichspräsident empfing den Ar­beitsausschuß der Vereinigten 5)i n D e n = bürg-Ausschüsse Landrat a. D. Gerecke, Graf Westarp, Generalmajor von Winter- f e l d t sowie Staatssekretär z. D. Dr. K e m p ne r, und sprach ihnen und allen in den Hindenburg-Aus­

schüssen tätigen Damen und Herren seinen herzlichen Dank für die so aufopfernd geleistete Arbeit aus.

*

Das Plenum des Bayerischen L a n d t a g s stimmte in namentlicher Abstimmung einstimmig den Beschlüssen des Verfassungsausschusses zu, wonach Die Landtagsauflösung am 24. A p^' l erfolgt und die Neuwahlen auf den gleichen Tag festgesetzt werden.

Die Verwaltungen der H a m b u r g - A m e r i k a- ßjnie und des Norddeutschen Lloyds teilen mit: Die verschiedenen, durch die Presse ver- breiteten, sich zum Lil miberf nen über Die Lage der deutschen Rc e o e r e i e n und die schwebenden V e r h a n d l u n gen mit Reichsstelllen und B a n k e n beruhen auf Kombinationen, denen zur Zeit noch l e d e wirkliche Grundlage fehlt und die daher geeignet sind, die Öffentlichkeit irre zu fuhren

Jni- auf Die

Berlin, 16. ---------- .

Landtag setzte die politische Aussprache zur ersten Lesung des Haushaltsplanes für 1932 in An­wesenheit des Ministerpräsidenten Braun und der Staatsminister fort.

Abg. Szillat (Soz.)

bezeichnete als Rechtfertigung für die jetzige Preußenkoalition, daß auch in dieser Krisenzeit ein echt ausgeglichener Etat vorgelegt werden konnte. Die bedrohliche Situation der Gemeinden gebiete, daß die Regierung schleu­nigst beim Reich füreincEntlastung der Gemeinden eintritt, weil sonst die jetzt ge­ordnete Finanzwirtfchaft in Deutschland unmög­lich werde.

Abg. Dr. von Winterfeldi (Onl.) erklärt, das Recht der freien Meinungsäußerung sei weder in der Presse noch bei den Beamten mehr vorhanden. Wie verträgt es sich mttan» ander, dah Nationalsozialisten zwar in die Reichs­wehr eintreten, aber nicht preußische Beamte sein können? Gegen die gesetzliche Machtergreifung durch die jetzige Opposition werde mit dem Bürgerkrieg gedroht. Der Haushalt sei für die Deutschnationalen unannehmbar. Die Regierung habe alles in Grund und Boden gewirtschaftet. Die Preuhenwahlen würden dazu beitragen, dah es endlich anders werde.

Abg. Letterhaus (3 )

erklärt: Wenn man dem Zentrum vorwerfe, es habe mit der Sozialdemokratie gemeinsame Sache gemacht, so sei zu fragen, wo denn damals die Deutschnationalen waren. Wir haben uns damals in die Bresche gestellt und werden nie unsere Mitarbeit im neuen Staate leugnen und nie bestreiten, daß wir mit Parteien, die weltanschau­lich weit von uns entfernt sind, das Rettungs- Werk für Volk und Vaterland getan haben. (Bei­fall im Zentrum.) Sie (nach rechts) haben nichts anderes getan, als das Rettungswerk zu er­schweren. Von positiver Aufbauarbeit hat man von Ihnen noch nichts gehört. Wir wissen nur, daß sowohl Kapp nach feinem Putsch wie Hitler dem Auslande erklärt haben, dah auch sie die Versöhnung mit Frankreich wollten. Die natio­nalsozialistische Federsche Wirtschaftsauffassung bedeute die Inflation, wenn sie durchgeführt werde. Es gebe jetzt nur die Alternative: Ent­weder der harte Weg der Notverordnungen oder die Inflation. Das Zentrum verneine die Frage, ob man dem wild zusammengelaufenen Haufen der Unzufriedenen die Macht in Deutschland überlassen könne.

Abg. Dr. Neumann (OVp.)

erklärt, bis zum vorigen Jahre habe man die wirkliche Finanzlage Preußens aus Prestigegründen verschleiert.

t hauptsächlich Schulden. Die 'Reallteuerientunu tuetue nicht aufrechterhalten wer­den und eine weitere Erhöhung der Bürgersteuer drohe. Jetzt habe Preußen ein Stuck H°^itsrecht zum Handelsobjekt gemacht, ohne das ersorderllche Geschick hierfür zu haben, das Bayern unD .kleinere Staaten bewiesen hatten. Alles, was die ^9'erungs- Parteien bisher als ihren Ruhm und Stolz hingestellt hätten müsse jetzt abgebaut werden auch auf Dem Gebiete der Landwirtschaft. Notwendig sei die Her­beiführung einer organischen Vereinfachung des Verwaltungsapparate 5. Ueberfluffige Ministerien müßten verschwinden. Der Redner denkt dabei an das Wohlfahrts- und Handelsministerium, die mit anderen Verwaltungen zusammengelegt wer­den könnten. Ueber den finanzpolitischen Maßnahmen der Regierung steht das WortZu spat Die Neu­wahlen würden über diese Politik Das Urteil fallen: Gewogen und zu leicht befunden!" (Beifall rechts.)

Abg. Schmitt, Limburg (£t>.) verlangt daß Ober- und Regierungspräsidentenposten an einem Orte in einer Person vereinigt werden. Die landwirtschaftlichen Schulen mußten nach Möglichkeit erhalten werden. Der Roggen­preis müsse erhöht, der Preis für Verede­lungserzeugnisse in ein vernünftiges Ver­hältnis zu den Gestehungskosten gebracht werden. Wenn bei einem Rückgang des Holzprei- f e 5 um 50 v. H. amtliche Stellen die Verwen­dung von Auslandshölzern empfehlen, so sei das unverantwortlich. Die Sied­lung könne man durch Einführung des Ar beitsdien st Pflichtjahres wirtschaftlich gestalten.

Abg. Auschke (Stp.)

erklärt, es sei unerhört, wenn Hakenkreuzflug­zeuge am Tage der Wahl Flugblätter mit der Lüge abwarfen, wonach Hindenburg einen Schlag­anfall bekommen und Hitler an fein Krankenlager gerufen worden sei. (Hört! Hört! links.) Auch mit falschen Versprechungen hätten die National­sozialisten die Wähler ködern wollen. So habe Goebbels vor der Wahl gesagt, daß 24 Stunden nach der Machtübernahme durch die NSDAP, alle drückenden Zwangsgesehe fallen sollten. Am Wahltag aber habe Hitler erklärt, dah er selbst­verständlich nicht alle Notverordnungen beseitigen könne und daß er auch Ersah für den Versailler Vertrag schaffen wolle. Hier zeige sich die dop­pelte Moral der Nationalsozialisten ebenso wie in den verschiedenen Versprechungen, die sie den Arbeitern oder im vertrauten Kreise in Düssel­

dorf den Schwerindustriellen machten.

Weiterberatung Donnerstag. Außerdem: tiativgesehentwurf der Wjrtschaftspartei Heraufsetzung des Wahlalters. Abstimmungen sollen am Freitag erfolgen.

Regierungswechsel in Irland.

Oe Valeras Sieg in den parlameniswahlen. Wie steht England zu einem radikalen Kurs?

Von unserem ^.-Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

London, März 1932.

Die Wahlen in Irland haben der bisheri­gen Regierungspartei und ihrem Führer Cos- grave eine Niederlage gebracht. Er hat die schwache Mehrheit, die er zusammen mit einigen anderen kleinen Parteien hatte, verloren. De Va - lera, der Hauptgegner England, der irische Na­tionalheld und Revolutionär, hat an seiner Stelle jetzt mit seinen Republikanern d i e Mehrheit im irischen Parlament und wird voraus­sichtlich zusammen mit den irischen Arbeiterpartei- lern eine neue Regierung bilden. Der Umschwung ist also keineswegs so groß. Don einem überwäl­tigenden Wahlsieg der irischen Republikaner, d. h. also der irischen Nationalisten, ist keine Rede. An die Stelle einer Regierung mit schwacher parlamen­tarischer Mehrheit ist lediglich eine andere Koalitionsregierung mit ebenso schwacher Mehrheit getreten. Es ist daher noch sehr die Frage, was für ein Schicksal Die von De Valero gemeinsam mit Der Arbeiterpartei zu bilDenDe Regierung haben wirD. Es kann sehr leicht sein, Daß sie sehr bald wieDer gestürzt wird, oder daß sie zumindest eine sehr vorsichtige Politik be­treiben muß, um sich am Ruder zu halten.

Die eigentliche Bedeutung der irischen Wahlen liegt daher auch weniger im praktischen Ergebnis, als im Grundsätzlichen, das mit diesen Wahlen zum Ausdruck gekommen ist. Denn man muh sich einmal vorstellen, welche Bedeutung Cosgrave und De Dalera für die Politik der grünen Insel hatten, die nun seit zwölf Jahren unabhängig von Groß-Britannien ihre eigene Regierung hat.

Cosgrave ist der Mann, der es als erster zuwege gebracht hat, in Irland überhaupt eine geordnete Regierung zu bilden. Er hat trotz aller revolutionären Wirren, trotz der Schwierigkeiten, die auch die Engländer mach­ten, sich immer wieder am Ruder gehalten. Das war eine Leistung, die man als außerordentlich bezeichnen mutz, wenn man die Umstände be­rücksichtigt, unter denen Cosgrave die Ordnung in Irland wiederhergestellt hat. Er hat es ver­standen, einem aus allen Fugen gegangenen Land wieder eine geordnete parlamentarische Regie­

rung zu geben, eine zuverlässige Armee, ein ge­ordnetes Finanz- und ein gut funktionierendes Gerichtswesen zu schaffen, nachdem es vierzig Jahre lang an den Bürgerkrieg und die Des­organisation des gesamten Staatswesens gewöhnt worden war.

Das ist nicht ohne schwere Kämpfe gegangen. Cos­grave mußte eine Rebellion Der ursprünglich von ihm selbst mitgeschaffenen Armee nieDerschlagen, sich mit Waffengewalt gegen Den viel raDikaleren De Valero, den NationalhelDen, wenDen, unD wurDe obenDrein von Den EnglänDern gezwungen, Den Verzicht auf Ul ft er (NorDirlanD) auszusprechen, um über­haupt einen FrieDen mit Den EnglänDern zu er­reichen. Er war Durchaus nicht ein Mann Des Kom­promisses. Er roirD von einer späteren Geschichts­schreibung zweifellos zu Den beDeutenDften Staats­männern Dieses JcchrhunDerts gezählt roerDen, Da er in JrlanD erst wieDer Gesetz unD Recht eingeführt hat unD Der Welt bewies, Daß JrlanD zur Selbst­regierung fähig ist.

Die Niederlage feiner Partei in Den Kämpfen um Die Parlamentssitze erscheint Daher auf Den ersten Blick ungerecht, und man fühlt sich an Das Sprichwort erinnert. Das von Dem UnDank Des Volkes spricht. Damit würde man den Dingen, wie sie nun einmal in Irland liegen, jedoch nicht gerecht. Es war eben Cosgraves tragisches Schicksal, daß er abtreten mußte, weil er die Schwierigkeiten, unter denen das Land jetzt leidet, nicht mehr zu meistern vermochte. Die wirtschaftliche Not, der Druck der Pachtzinsen der vielen kleinen Bauern, die schlechten Preise für die landwirtschaftlichen Er­zeugnisse drückten auf die Volksstimmung und mach­ten Cosgrave unpopulär. Ein Staatsmann, der dem Volkeprosperity nicht zu sichern vermag, kann sich nicht halten, wenn er auch noch so große andere Verdienste aufzuweisen hat.

Kenner der irischen Verhältnisse haben daher seit langem erwartet, daß die Wahlen dem nationalistischen Gegner Cosgraves, De Da­lera, eine Mehrheit bringen würden, schon weil sein Programm mehr auf den Volksgeschmack zugeschnitten war. De Valera vertrat ja seit langem im Gegensatz zu Cosgrave den Stand- punkt, daß nur die völlige Llnabhängig- keit Irlands von England diesem Lande

eine bessere Zukunft sichern könne. De Baler«, der an der Spitze aller revolutionären Bewegun­gen Irlands seit nunmehr über zwanzig Jahren gestanden hat und sein Leben oft genug für fein Ideal aufs Spiel gesetzt hat, predigt ja seit fahren daß die wirtschaftliche Not des Landes aus den Bindungen herrühre, die in dem englisch-irischen Vertrage ent­halten seien. (Wie weit das zutrifft, muß durch­aus dahingestellt bleiben, weil die effektiven Lasten aus dem irisch-englischen Vertrag in Wirk­lichkeit unerheblich sind.) Und De Valera fand damit immer mehr Gehör bei seinen Landsleuten, die vor allen Dingen keine Pachtzinsen an den englischen Staat zahlen wollten

De Valera.

und auch die letzte Erinnerung an die einstige Herrschaft der Engländer in Irland, denTreu- eid für den König, beseitigt wissen woll­ten. Daß diese Forderungen bei einer starken Minderheit des irischen Volkes, insbesondere bei den Dauern, lebhaftes Verständnis fanden, ist ja schließlich auch begreiflich.

Immerhin wird man berücksichtigen müssen, daß De Dalera ja keine sichere Mehrheit im Parlament erzielt hat, so daß er zur Durch­setzung seiner Forderungen auf die Unter* stützung der Arbeiterpartei ange­wiesen ist, die auch jchon bisher in der Regie­rung vertreten war. Er wird also viele von seinen radikalen Forderungen zurückschrauben müssen, und sich mit Maßnahmen begnügen, die durchführbar sind. Mit den radikalen Wahl­parolen wird er also nicht ohne weiteres Politik machen können.

In England sieht man das Ergebnis der irischen Wahlen daher auch mit einer gewissen Ruhe an, die zunächst frappierend wirkt, wenn man daran denkt, daß ja De Valera der Tod­feind der Engländer ist. Aber die Engländer wissen eben, daß Irland für den Absatz seiner landwirtschaftlichen Produkte auf den eng­lischen Markt angewiesen ist, und daß der Llebergang der Engländer zum Zollschuh gerade im rechten Moment kommt. Denn nun sind die Iren darauf an­gewiesen, eine Verständigung mit den Eng­ländern zu suchen, weil sie ja sonst in eine Wirt­schaftskrise hineingeraten würden, aus der es für das Land keine Rettung geben würde. Daß De Valera aber gerade jetzt eine Katastrophe herbeiführt, wo er endlich nach zwanzig Jahren voller Kämpfe zum erstenmal an der Spitze seines Volkes steht, das hält man eben in Eng­land für ausgeschlossen.

Ob diese Ansicht zutreffend ist oder nicht, das wird erst die Zukunft zeigen. Jedenfalls gibt es wieder eine irische Frage, die eine bedeutende Rolle in der britischen Reichspolitik spielen wird, da ja gerade wirtschaftliche Fragen jetzt stärker denn je für die künftige Gestaltung des Empire in Die Waagschale fallen. Die kommende Reichskonferenz in Ottawa gibt solchen Staaten wie Irland die Möglichkeit, politische und wirtschaftliche Forderungen in ganz anderem Umfange durchzusetzen als das bisher der Fall war. Daß ausgerechnet in einem solch schicksalsschweren, Augenblick in Irland De Dalera ans Ruder gekommen ist, zeigt, wie groß die Gefahren sind, die der Derwirklichung der Zoll- pläne der Engländer drohen. Denn gerade der Wunsch, Irland im englischen Reich zu halten, kann unter Umständen zu Konzessionen führen, die den ganzen großen Plan durchlöchern. Der Wahlsieg De Daleras kann also auf Umwegen vielleicht doch noch eine größere Bedeutung ge­winnen.

Oe Valeras nächste Pläne.

Einstellung der Jahreszahlungen an England.

Dublin, 16. März. (WTD.) Ministerpräsident de Valera erklärte einem Pressevertreter, er beabsichtige in der nächsten Sitzung des Kabi­netts ein Dekret vorzuschlagen, durch das das kürzlich erlassene Gesetz über die öffent­liche Sicherheit aufgehoben wird. Fer­ner habe er die Absicht, vor Den Verhandlungen Mischen England und Irland keine weitere Ra t e der I a hre szahlungen an Eng­land zu entrichten, da er der Auffassung sei, daß keinegesehlicheDerpflichtung für die Entrichtung solcher Jahreszahlungen bestehe. Er werde daher auch verlangen, daß die bereits entrichteten Jahreszahlungen, die sich auf 30 Mil­lionen Pfund Sterling belaufen, zurückerstat- t e t werden. De Valera gab ferner der Hoffnung Ausdruck, daß die natürlichen Grenzen zwi­schen Nord - und Südirland eines Tages beseitigt werden. Die Regierung schlage fer­ner die Entfernung des Treueides zur englischen Krone aus der irischen Verfassung vor. Dann werde kein Bürger mehr Grund haben, den Gesetzen den Gehorsam zu verweigern. Im Hinblick auf die Organisation Der Fianna Fail und deren republikanische Armee sagte de Valero, dah er sich für eine einheitliche Regie­rung und eine einheitliche Armee einsetze.

Wegen kinDesentführung zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt

3n Warren (Ohio) sind zwei Verbrecher, Da* weU und Hargraves, Die Den Sohn Des Unternehmers 3ames De Jutte auf Dem Wege zur Schule an Demselben Tage entführten, an Dem Lind bcrgDs KinD geraubt wurDe, zu lebens­länglichem Gefängnis verurteilt roorDen.

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