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Vereinigte Staaten von Mttelamerika?

Oie miiielamerikanischen Indianer-Republiken unter der Kaust der USA.

Don unserem U.-Derichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Havanna, Feor. 1932.

Eine weit über das nördliche Mittelamerika ver­breitete Sage erzählt von einem Dämon, der Sisemit heißt. Er ist einäugig, seine Füße sind verkehrt mit nach vorn gerichteten Fersen. Seine Haut ist rot. Mit einem Knüppel im Arm durch­streift er die Wälder und sucht die Menfchen ein­zufangen, um sie Hu fressen. 2m Penon de Siqui- nala wohnt er in einem goldstrohenden Palast, der unsichtbar ist. Don da aus begibt er sich auf die Plantagen und verschleppt die hübschen Indiane­rinnen. Auch in Westguatemala, bei der FincaEl Porvenir", besitzt der Sisemit in einem hohlen Felsen eine Wohnung, aus der in der Nacht Glockenläuten und Hundegebell ertönen, dann lau­schen die Zauberer der Indianer den seltsamen Klängen und wissen, daß ihnen Unheil droht.

Mittelamerita ist ein I n d i a n e r st a a t und die vielen Grenzen, die die Länder untereinander trennen, sind nichts als künstliche Schöpfun­gen der weihen Eroberer und der Ladinos, die Präsidenten, Minister und Abgeordnete werden wollten, die alle die Indianer zur Fronarbeit zwangen und die sogar, um ihrem Ehrgeiz zu ge­nügen, Krieg miteinander führten, wie den 2>?neg Guatemalas gegen El Salvador am Anfang des 20. Jahrhunderts. Aber trotz der indianischen Grundbevölkerung ganz Mittelamerikas sind d i e Indianer keineswegs Herren über ihr S ch i ck s a l. Wenn der Fremde nach Guate­mala oder in einen der anderen Kleinstaaten Zen­tralamerikas kommt, dann erscheint ihm das in­dianische Volk in seiner Gesamtheit als ein tief­stehender, allseitig von den übrigen Devölkerungs- schichten verachteter Menschenschlag, der angeblich ein Hemmnis für die Entwicklung des Landes dar­stellt. Man kann dementsprechende Aeuherungen von der führenden Oberschicht und von allen in Mittelamerika ansässigen Ausländern hören. Hier wirkt noch immer, wie auch in anderen ibero-ame- rikanischen Ländern, öie (SinTeilung der früheren Konquistadores nach, die die Eingeborenen alsGente sin Razon, d. h. als Wesen ohne Dernunft, betrachteten. Der Neuan­kömmling begegnet den Indianern als Arbeits­sklaven auf den Plantagen, sie erscheinen geistig trüge und sind in der Nähe der sogenannten Kul­turzentren dem Alkohol verfallen. In den Gebir­gen sind die Indianer anders dort haben sie nochl manche der noblen ilebeclieferungen bewahrt, aber auf diese Stämme stößt der Besucher des Landes nicht. Der letzte große I n d i a n e r a u f st a n d in Mittelamerika fand 1898 statt. Die Chuj- Indianer ermordeten, Nachdem sie furchtbare Mar­tern auszustehen hatten, Hunderte von Weihen und Mischlingen. Furchtbar war das Strafgericht der Weihen, so grausam, dah die Stämme seitdem nie eine Erhebung gegen das Fronjoch der Wei­hen und Mischlinge gewagt haben.

Aber auch die schönen, sorglosen Zeiten für die kreolische Oberschicht, die durch Jahrzehnte und Jahrhunderte in Mittelamerika herrscht, sind vor­über! Schwere Krisen politischer und wirt­schaftlicher Natur, und ein vielleicht noch schwe­rerer Druck der (Bereinigten Staaten von Nordamerika lasten auf den von der Natur reich beschenkten Kleinstaaten Zentralame­rikas. Wenn unsere grobe Zucker- und Tabak­insel Kuba als eine Dependance Nordamerikas gedacht werden kann, wenn in Havanna nichts ge­gen die Interessen Wallstreets und Washingtons geschehen darf und uns durch den VertragPratt" die Hände gebunden sind, so sind die mittelameri­kanischen Staaten nicht viel besser daran. Man trägt zwar in Washington der Liebhaberei der Kreolen, Verschwörungen anzuzetteln und ge­waltsame Präsidentenwechsel vorzunehmen, Rech­nung, jedoch nur solange die Interessen Nordame­

rikas nicht darunter zu leiden haben. Dann wird rücksichtslos durch Landung von Marinetruppen und durch andere Gewaltmittel Ordnung geschaffen. Nikaragua und Panama bieten dafür ein beredtes Beispiel. In Nikaragua unterstützten die Vereinigten Staaten in der jüngsten Vergangen­heit General Chamorro mit bedeutenden Geld­mitteln und ermöglichten es ihm, den gewählten Präsidenten Solorzano gefangenzunehmen.

Da sich Chamorro aus eigener Kraft nicht hal­ten konnte, so wurden unter dem Vorwande, Le­ben und Eigentum von Nordamerikanern zu schützen, Marinetruppen gelandet, und auf Befehl des Admirals Latimer wurde eine Polizeiaktion, für die völkerrechtlich nicht die geringste Recht­fertigung vorlag, ins Innere des Landes ausge­rüstet. Puerto Cabezas wurde zu einer neutra­len Zone erklärt, in der sich die Nordameri­kaner zu bleibendem Aufenthalt ein- richteten, und schließlich wurde General D i a z an Stelle von Chamorro zum Präsidentenernannt. Aus Dankbarkeit für seine Gönner schloß Diaz mit Washington einen Vertrag ab, der Nordamerika das ausschliehliche Recht gewährt, parallel mit dem Panamakanal mit dem Graben eines Ka­nals quer durch Nikaragua zu beginnen. Man spottet in Lateinamerika über diesen Ver­trag und meint, dah ihn die Vereinigten Staa­ten mit sich selbst abgeschlossen hätten, denn Prä­sident Diaz sei ja nur eine vorgeschobene Stroh­puppe. Völkerrechtliche Bedenken haben in der Politik der Vereinigten Staaten in Zentralamerika niemals ein Hindernis gebildet. Wenn nicht an­ders, muh die Monroe-Doktrin, so wie sie ' in Washington ausgelegt wird, als Rechtfertigung dienen. Es bleibt das weltpolitische Ziel Nord­amerikas, die Herrschaft über den Panamakanal und über den zukünftigen Nikaraguakanal zu be­sitzen, und weder Revolutionen in Mittelamerika, noch völkerrechtliche Proteste werden Washington von dieser Politik ablenken.

Die Tatsache, dah sowohl das politische wie auch dos handelspolitische Expansionsbedürfnis der Vereinigten Staaten so häufig mit Unter­stützung der Kriegsschiffe und mit Gewaltanwen­dung erfolgt, hat selbstverständlich Wider- spruch bei den Lateinamerikanern hervorgerufen, die auf dem panamerikanischen Kongresse in Havanna, der von Hoover persön­lich eröffnet wurde, beinahe zu ernsten Diffe­renzen geführt hätten. Die Dankeefeindlichkeit macht sich jetzt besonders bei der lateinamerikani­schen Jugend bemerkbar und findet einen deut­lichen Ausdruck bei der über ganz Lateinamerika verbreitetenAPRA". Es ist das eine natio­nale Bewegung mit sozialistischem Einschlag, ent­fernt dem deutschen Nationalsozialismus ver­gleichbar. Der Führer derApristas ist Haya de la Torre, der besonders den spanisch­indianischen Rassegedanken in_ den Vordergrund stellt. Der Professor für Völker­recht an der Universität von Lima, Dr. Ulloa, protestiert in einem Aufruf, der in allen latein­amerikanischen Staaten ein lebhaftes Echo ge­funden hat, gegen d i e Vergewaltigung Zentralamerikas durch die Vereinigten Staaten, gegen die man sich auflehnen müsse. Auch die vielen panamerikanischen Kongresse seien nur ein Ausfluß des nordamerikanischen Im­perialismus und seien als solche zu bewerten.

Teilweise unter dem Druck der politischen Ver­hältnisse, hauptsächlich aber bedingt durch die schwere wirtschaftliche Kcye haben die kleinen mcktelamerikanischen Staaten den Plan gefaht, sich in einer überstaatlichen mittel- amerikanischen Union zu vereinen, die nach außen mehr Widerstandskraft gegen fremdes imperialistisches Vordringen besitzen und die durch Verwischen unnatürlicher Grenzen dem wirtschaft­

Die kalten Wintertage dieses Februars Haden auch vor Venedig, dem Inbegriff des sonnigen Südens, nicht halt gemacht. In der vereisten Lagune liegen die schneebedeckten Gondeln und warten danms, oatz die Sonne wieder über den blauen Wassern glänzt.

lichen Leben einen neuen Anstoß geben würde. In der Hauptstadt von Guatemala haben bereits die Verhandlungen zwischen den Bevollmächtigten von Guatemala, Nikaragua, Honduras, Salvador und Costa Rica über die Gründung einer einigen mittelamerikanischen Repu­blik auf der Grundlage der gemeinsamen Rasse, Religion und Geschichte begonnen. Mittelamercka als Ganzes genommen ist ein Gebiet mit reicher Zukunft. Guatemala z.D. liefert die besten Kaffeesorten. In etwa 2000 Plantagen wer­den jährlich eine runde Million. Zentner des wertvollsten Kaffees produziert. Die besten Ge­wächse gedeihen in den Bergprovinzen Alta- Verapaz, Coban und Costa Cuca, unter anderem der großkörnige, sehr aromatische Waragojipe. Aber nicht so sehr uer Kaffee, als vielmehr der Bananenüberfluß bildet den eigentlichen Reichtum Mittelamerikas.

Als der vor einigen Jahren verstorbene Minor Keith den Plan faßte, QTorbamenta mit Südamerika durch eine Bahnlinie zu ver­binden, ließ er überall längs dcm Schienenstrang Bananenpflanzungen anlegen, u.n durch die Be­förderung der Frucht die Bahn rentabel zu machen. Minor Keith wurde zum Begründer der United Fruit Co-, deren Pflanzungen heute eine ungeheure Ausdehnung besitzen. Ueberall vor Kuba und im Golf von Mexiko begegnet man der weihen Flotille der Fruit Co.» die die Bodene'rzeugnisse Mittelamerikas nach den Vereinigten Staaten befördert, und die auf dem Rückwege Industrieprodukte aus der Heimat, Textilwaren, Aluminium und allerlei Tand ins Herz Mittelamerikas einführt, Waren, die die Gier der bedürfnislosen Indios wecken und sie in Schuldabhängigkeit zur Kompanie zwingen. Auch die meisten Danken und Eisenbahnen Mittel­amerikas befinden sich im Besitz der nordamerika­nischen Fruit Co-, deren Direktoren mitunter eine größere Macht als die jeweiligen Präsi­denten ausüben.

In Kuba, wie auch in den anderen latein­amerikanischen Staaten werden die Derhandlun- gen in Guatemala mit dem größten Interesse verfolgt, jedoch bestehen berechtigte Zweifel, ob sie von Erfolg gekrönt sein werden. Jeder der mittelamerikanischen Staaten hat seine Kirch­turm s i n t e r e s s e n, die Indianer aber, die ja eigentlich die Grundbevölkerung bilden und die sicher nichts gegen eine Aufhebung der Grenzen einzuwenden Hätten, werben nicht be­fragt. Sie bleiben dem Dämon Sisemit aus-

geliesert und werden, ob nun eine Einigung zwischen den Staaten zustande kommt oder nicht, in den primitivsten Verhältnissen weiterleben müssen. Immerhin verdienen die Verhandlungen in Guatemala über die Bildung einer mittel­amerikanischen Union Beachtung, da sie für die lateinamerikanische Welt von weittragender po­litischer Bedeutung sind.

Naturschutz in Oberheffen.

5 Frie dberg, 16. Sehr. In einer gut be­suchten Lehrerversammlung sprach hier Lehrer O h w a l d, Bad-Nauheim, über das neue hessische Naturschutzgesetz vom 14. Oktober 1931. Der Redner gab einen Ueberblid über den Inhalt des Gesetzes, das den Schutz seltener oder schonungsbedürftiger Tier- und Pflanzenarten, den Schuh von Naturdenkmälern und deren Um­gebung, den Schuh des Landschaftsbildes (Hei­matschuh) und darüber hinaus die Schaffung be­sonderer Naturschutzgebiete anstrebt. Weiter gab er Kenntnis von einer Konstnissionssihung der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heil­kunde, die kürzlich in Gießen stattgefunden und sich eingehend mit den oberhessischen Gebieten be­schäftigt hat, für die seit langem vom Vogelsber­ger Hohenklub, von der Oberhessischen Gesellschaft und den Gießener Universitätskreisen, sowie von Privatpersonen der Naturschutz gefordert wird. Cs feien hier nur die Gießener Enzianwiesen und vier Forstbezirke Breungeshain und Rudingshain im Oberwald genannt. Eingehend behandelte der Redner bann die zum Teil schon stark gefährdeten Gebiete des Kreises Friedberg, für die im Interesse von Wissenschaft und Unterricht Schutz­maßnahmen dringend geboten erscheinen.

Die Konferenz beschloß, im Anschluß an das Referat, den amtlichen Stellen als besonders schutzbedürftig zu nennen: 1. Das Salzmoor bei Münzenberg: 2. die Salzstellen bei Dad-Nau- heim und Wisselsheim mit den dem Binnenlande sonst fehlenden seltenen Tier- und Pflanzenarten; 3. die Trolliuswiesen bei Ockstadt und Reichels­heim, 4. einigepontifche" Hügel der Wetterau mit ihren letzten Zeugen einer einst weiter ver­breiteten, wärmeliebenden Steppenflora: 5. eine Waldparzelle bei der Grube Johanna (Butzbacher Wald) mit seltenen Vertretern des montanen Flo­renelements.

Als geologische Naturdenkmäler, die dem gesetzlichen Naturschutz zu unterstellen wären, wur­den von der Versammlung in Vorschlag gebracht:

Der junge und der alte Wolf.

Don JRalpt) Urban

Am 6. Februar 1924, zur Zeit des Hoch­sommers auf der südlichen Erdhalbkugel, erhielt der Kommandant der Militär-Fl.egerstation von Mormanton an der nordaustralischen Küste den sunktelegraphischen Befehl, nach dem vermißten Flugzeug Nr. 87 der Luftfchiffahrtsgesellschaft von Adelaide zu suchen. Die Maschine war drei Tage vorher von einem Engländer, dem Besitzer australischer Goldfelder, für den Flug nach der Nordküste gemietet worden, war zuletzt in Oda- natta (Zentralaustralien) zwischengelandet und seither mit Fahrgast und Piloten verschollen. Gleichzeitig wurde dem Kommandanten mitgeteilt, dah der Ueberland-Telegraxh zwischen Creec Sta­tion und Alice Springs unterbrochen fei, was als Notsignal gewertet werden könnte. Bald darauf erhob fich vom Flugplatz ein mächtiger Doppel­decker, um die Suche nach den Vermißten auf­zunehmen.

Um diese Zeit hatten vier Menschen alle Hoff­nung hinter sich gelassen.

Wolfgang Bras, der alte Wolf, wie ihn die spärlichen Nachbarn zum Unterschied vom jungen Wolf, seinem Sohn, nannten, kam stets zum Mo­natsende nach seiner winzigen Schaffarm, sagte dem jungen Wolfguten Tag", legte sich ins Bett und schlief drei Tage und drei Nächte. Das machte den Hauptteil der hundert Stunden Schlaf aus. die ihm sein Dienst im Monat erlaubte. Der alte Wolf führte die achtspännige Postkutsche von Alice Springs fünfhundert Kilometer weit ins Innere bis nach Georgina Village. Einmal im Monat hin und zurück, 12 000 Kilometer jahr­ein und jahraus. Die Pferde, die die Farmer beistellten, wurden bei jeder Station gewechselt, der Postmann blieb. Von weit und breit tarnen Farmer. Jäger. Fallensteller zu den Poststationen, wenn der alte Wolf fällig war, denn er kam so pünktlich, daß die Leute nach seinem Eintreffen die Uhren richteten. Kaum hielten die schäum- bedeckten Pferde, wurden frische Tiere in das Geschirr gespannt, die Post verteilt, und mit Peitschengeknall ging die wilde Jagd weiter, über die holprige Buschstrahe, über die Stepve oder durch das Sandmeer der Wüst-- Tag und Nacht Der Wastcrvorrat, der mitgef hrt werden konnte, war beschränkt, und wenn es Du., Brunnen zu Brunnen durch die Wüste ging, mußte der alte Wolf aus den Pferden alles herausholen, denn er fuhr um sein Leben. Wehe, wenn zur Zeit der Dürre einmal ein Wüstenbrunnen auÄ-

trocknen würde oder wenn die Pferde versagten. Wenn der alte Wolf den Dauerschlaf daheim be­endet hatte, holte er das versäumte Essen auf einmal nach und unterhielt sich einige Stunden mit seinem Sohn. Da es keine Schulen gab. er­teilte er ihm selbst ein wenig Unterricht und sprach mit seinem Jungen Deutsch, denn der alte Wolf war zwanzig Jahre vorher in Australien eingewandert. Mit der vierten Nacht ging sein Heimurlaub zu Ende, da ritt er fünf Stunden lang nach Georgina Dillage, um feinen Dienst anzutreten. Der junge Wolf sollte einmal das Amt seines Vaters übernehmen.

Die Farmer schüttelten die Köpfe, als an jenem denkwürdigen Abend die Post in Georgina Vil­lage zum erstenmal nicht eintraf. In den zwölf Jahren seiner Dienstzeit war es noch nie vor­gekommen, daß der alte Wolf sich verspätet hatte. Mit Besorgnis wartete man die ganze Nacht. Am Morgen galoppierte der junge Wolf los, entschlossen, auch durch die Wüste zu reiten, wenn er dem Vater nicht eher begegnen sollte. Cs wurde ein schlimmer Ritt. Am dritten Tag schritt der junge Wolf, das erschöpfte Pferd am Zügel, durch den glühenden Sand der Wüste. Immer wenn er die Höhe einer Düne erreichte sah er hoffnungsvoll in der Ferne einen grünen Fleck, den Brunnen. Er wußte, wie man Ent­fernungen in der Wüste unter'chäht. und daß es noch Stunden währen mochte, bis die Herrlich­keit dort zur Wirklichkeit würde Der Wasser­schlauch vor dem Sattel war leer, die zwei Feld­flaschen an seinem Gürtel waren nur für den Fall der ärgsten Not.

Ein Surren lenkte feine Aufmerksamkeit auf sich, und bald entdeckte er im Blau des Himmels einen großen silbernen Vogel. Es war das zweite Mal, daß er ein Flugzeug sah selten nahm eins seinen Kurs über das unbewohnte Innere des Landes Die Maschine kam rasch näher Schon konnte der Junge aus den unteren Seiten der Tragflächen je eine große87" entziffern, als das Knattern des Motors aussetzte und wieder ansprang, um schließlich endgültig zu verstummen Dann fiel das Flugzeug unheimlich rasch, zog eine scharfe Schleife, kam auf etwa vierzig Meter Höhe herab, trudelte einen Augenblick unbehol­fen und sackte schräg ab. Ein Krachen, ein Split­tern, bann Ruhe Der junge Wols saß schon im Sattel unb nach wenigen Minuten besanb er sich an der Unglücksstelle unb zog zwei Männer aus ben Trümmer hervor Sie waren am Leben wenn auch arg zugerichtet. Nach besten Kräften machte der Junge ben Samariter, "reinigte bie Wunden mit dem Wasser aus der Feldflasche, benützte Streifen aus seiner Wäsche als Ver­bandszeug und schiente das gebrochene Bein des

Piloten mit Holzteilen der zertrümmerten Ma­schine.

Der junge Wols atmete auf, als die Verun­glückten erklärten, bas achtspännige Fuhrwerk nicht gesehen zu haben, denn nun konnte er hoffen, daß seinem Vater in der Wüste nichts zugestoßen sei. Ohne Bedenken hinterließ er den Verletzten den Rest seines Wasservorrates, versprach, bald wie- derzukommen und ritt dem Brunnen zu. Pferd und Reiter taten ihr Bestes, um die Oase mog- lichst rasch zu erreichen. Der junge Wols hatte nicht mehr bie Kraft, barüber nachzudenken. wie bie Rettung der Verunglück en bewerkstelligt wer­ben könnte, er hatte jetzt nur einen Gedanken unb nur eine Hoffnung^ Wasser! Als er endlich die winzige Oase erreicht hatte, sah er, daß eine Gestalt mit ausgestreckten Armen aus ihn zu- wankte. Es war der Vater, und das Wiedersehen wurde traurig. Der Brunnen war ausgetrocknet.

Den Blick starr geradeaus gerichtet, die ver­dorrten Lippen zusammengepreht, aber mit dem Willen des ©o'b-ten. der die letzte Hoffnung auf sich gerichtet weiß, schritt der junge Wolf durch die Wüste. Cs tarn chm nicht in den Sinn, wie aussichtslos und lächer.ich der Versuch eines Der- durstenden fei. die siebzig Kilometer lange Strecke bis zur Ueberlandtelegraphenlinie ohne Labung zurückzulegen, um die Drähte zu zerschneiden. (In Australien ist es Menschen in Not erlaubt, durch das Zerstören der Telegraphenleitung ein Signal zu geben, worauf von der nächsten Station eine Expedition aufbricht, die nach der Ursache der Unterbrechung zu sehen hat- Selbst wenn es dem jungen Wols gelungen wäre, die Linie zu errei­chen so hätte es noch einige Tage dauern können, bis man ihn und bie anderen Verdurstenden in der Wüste gefunden hätte. Stunde um Stunde marschierte er bie ganze Nacht hinburch. Am Morgen sprang vom Osten ein leichter Winb an, ber mit jeder Minute stärker wurde, bis die Sand- wolken die glühende Sonne verdunkelten und alles Leben zur Hölle machten. Der Junge spürte nichts mehr von diesen Qualen, auch nichts mehr von den brennenden Schmerzen des Durstes, er fühlte das nahende Ende. Er fiel vornüber in bie Knie, kroch noch ein Stück im gewohnten Takt des Marschierens auf allen Vieren, bann ging es auch bamit nicht mehr. Als sich bas ver­dorrte Gras im Winde bog, nahm er erst wahr, daß er die Steppe erreicht hatte. Was hals es. Der Sturm würde bie Telegraphenlinie balb er. reicht haben der Sturm! Noch einmal richtete sich ber junge Wolf auf, benn ber Gebanke an ben Orkan gab ihm Kraft. Mit zitternben Händen mühte er sich, Streichhölzer zu entflammen, bann züngelten niedrige Flänunchen, die sich rasch in

das braune Gras fraßen. Mit ungelenken Zügen malte er noch einige Worte auf ein Stückchen Pa­pier, dah er dann aus seiner Brust befestigte. Wenn ber Steppenbranb den Telegraph zerstört war der letzte Gedanke des jungen Wolf.

Das Militärflugzeug kreuzte schon feit geraumer Zeit in der Gegend der brennenden Steppe. Der Deobachtungsoffizier sagte sich, dah das Feuer nicht von selbst ausgebrochen fein konnte, und suchte nach dem Ausgangspunkt, überzeugt, dort auch die Ursache des Brandes zu finden. Plötz­lich bemerkte er unterhalb der niedrig fliegenden Maschine etwas, das einem menschlichen Körper ähnlich sah. und sofort war das Flugzeug gelandet. Man fand den jungen Wolf in tiefer Bewußt­losigkeit. Der Offizier entzifferte die Worte auf dem Zettel, aus denen zu ersehen war, wo sich der Vater und bie verunglückten Flieger befan­den. Offizier und Pilot labten ben jungen Wolf vorsichtig unb brachten ihn in bas Flugzeug. Eine halbe Stunbe später hatten sie den alten Wols an Bord, unb nach einer weiteren waren auch bie beiden Verunglückten dem Wüstentod ent­rissen. Ohne ben rettenden Einfall des jungen Wolf, die Steppe anzuzünden, wodurch tatsächlich die Telegraphenleitung zerstört worden war, und bie Militärflieger aufmerksam gemacht würben, wären bie vier Menschen verloren gewesen...

Das wußte auch der gerettete Besitzer der Gold­felder zu würdigen. Es wirkte sich dahin aus, dah der alte Wolf heute ein sorgenfreies Leben hat und der junge Wolf die Aussicht, im Dienst der westaustralischen Gold - Company ein großer Mann zu werden.

Öochfcbulnocbricbten.

Im Alter von 57 Jahren verschied der ordent­liche Professor der Baukunst und Bauwissen­schaften an der Technischen Hochschule inDarm - st a d t, Stadtbaurat a. D. Dipl.-Jng. Karl Roth. Professor Roth, der 1929/30 das Rektoramt der Darmstädter Hochschule bekleidete, stammt aus Mannheim: zunächst im kommunalen Dienst in Pfo.zh.im, Dre-dcn und M. nnheim tätig, wurde er später Assistent bei Geheimrat Hofmann in Darmstadt, wirkte als Stadtbaurat in Mannheim unb folgte 1920 einem Rufe als Orbinarius an bie Technische Hochschule in Darrnstabt. Der Der» bienstvolle Architekt war Erbauer ber Rathäuser zu Kassel, Dresben unb Barmen.

P ofessor Dr Hermann Rein in Freiburg im Breisgau hat ben an ihn ergangenen Rus auf Iben Leh.stuhl ber Physiologie an ber Universität Göttingen als Nachfolger des Geheimen Medizinaüates P- Jensen angenommen.