Vereinigte Staaten von Mttelamerika?
Oie miiielamerikanischen Indianer-Republiken unter der Kaust der USA.
Don unserem U.-Derichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Havanna, Feor. 1932.
Eine weit über das nördliche Mittelamerika verbreitete Sage erzählt von einem Dämon, der Sisemit heißt. Er ist einäugig, seine Füße sind verkehrt mit nach vorn gerichteten Fersen. Seine Haut ist rot. Mit einem Knüppel im Arm durchstreift er die Wälder und sucht die Menfchen einzufangen, um sie Hu fressen. 2m Penon de Siqui- nala wohnt er in einem goldstrohenden Palast, der unsichtbar ist. Don da aus begibt er sich auf die Plantagen und verschleppt die hübschen Indianerinnen. Auch in Westguatemala, bei der Finca „El Porvenir", besitzt der Sisemit in einem hohlen Felsen eine Wohnung, aus der in der Nacht Glockenläuten und Hundegebell ertönen, dann lauschen die Zauberer der Indianer den seltsamen Klängen und wissen, daß ihnen Unheil droht.
Mittelamerita ist ein I n d i a n e r st a a t und die vielen Grenzen, die die Länder untereinander trennen, sind nichts als künstliche Schöpfungen der weihen Eroberer und der Ladinos, die Präsidenten, Minister und Abgeordnete werden wollten, die alle die Indianer zur Fronarbeit zwangen und die sogar, um ihrem Ehrgeiz zu genügen, Krieg miteinander führten, wie den 2>?neg Guatemalas gegen El Salvador am Anfang des 20. Jahrhunderts. Aber trotz der indianischen Grundbevölkerung ganz Mittelamerikas sind d i e Indianer keineswegs Herren über ihr S ch i ck s a l. Wenn der Fremde nach Guatemala oder in einen der anderen Kleinstaaten Zentralamerikas kommt, dann erscheint ihm das indianische Volk in seiner Gesamtheit als ein tiefstehender, allseitig von den übrigen Devölkerungs- schichten verachteter Menschenschlag, der angeblich ein Hemmnis für die Entwicklung des Landes darstellt. Man kann dementsprechende Aeuherungen von der führenden Oberschicht und von allen in Mittelamerika ansässigen Ausländern hören. Hier wirkt noch immer, wie auch in anderen ibero-ame- rikanischen Ländern, öie (SinTeilung der früheren Konquistadores nach, die die Eingeborenen als „Gente sin Razon“, d. h. als Wesen ohne Dernunft, betrachteten. Der Neuankömmling begegnet den Indianern als Arbeitssklaven auf den Plantagen, sie erscheinen geistig trüge und sind in der Nähe der sogenannten Kulturzentren dem Alkohol verfallen. In den Gebirgen sind die Indianer anders dort haben sie nochl manche der noblen ilebeclieferungen bewahrt, aber auf diese Stämme stößt der Besucher des Landes nicht. Der letzte große I n d i a n e r a u f st a n d in Mittelamerika fand 1898 statt. Die Chuj- Indianer ermordeten, Nachdem sie furchtbare Martern auszustehen hatten, Hunderte von Weihen und Mischlingen. Furchtbar war das Strafgericht der Weihen, so grausam, dah die Stämme seitdem nie eine Erhebung gegen das Fronjoch der Weihen und Mischlinge gewagt haben.
Aber auch die schönen, sorglosen Zeiten für die kreolische Oberschicht, die durch Jahrzehnte und Jahrhunderte in Mittelamerika herrscht, sind vorüber! Schwere Krisen politischer und wirtschaftlicher Natur, und ein vielleicht noch schwererer Druck der (Bereinigten Staaten von Nordamerika lasten auf den von der Natur reich beschenkten Kleinstaaten Zentralamerikas. Wenn unsere grobe Zucker- und Tabakinsel Kuba als eine Dependance Nordamerikas gedacht werden kann, wenn in Havanna nichts gegen die Interessen Wallstreets und Washingtons geschehen darf und uns durch den Vertrag „Pratt" die Hände gebunden sind, so sind die mittelamerikanischen Staaten nicht viel besser daran. Man trägt zwar in Washington der Liebhaberei der Kreolen, Verschwörungen anzuzetteln und gewaltsame Präsidentenwechsel vorzunehmen, Rechnung, jedoch nur solange die Interessen Nordame
rikas nicht darunter zu leiden haben. Dann wird rücksichtslos durch Landung von Marinetruppen und durch andere Gewaltmittel Ordnung geschaffen. Nikaragua und Panama bieten dafür ein beredtes Beispiel. In Nikaragua unterstützten die Vereinigten Staaten in der jüngsten Vergangenheit General Chamorro mit bedeutenden Geldmitteln und ermöglichten es ihm, den gewählten Präsidenten Solorzano gefangenzunehmen.
Da sich Chamorro aus eigener Kraft nicht halten konnte, so wurden unter dem Vorwande, Leben und Eigentum von Nordamerikanern zu schützen, Marinetruppen gelandet, und auf Befehl des Admirals Latimer wurde eine Polizeiaktion, für die völkerrechtlich nicht die geringste Rechtfertigung vorlag, ins Innere des Landes ausgerüstet. Puerto Cabezas wurde zu einer neutralen Zone erklärt, in der sich die Nordamerikaner zu bleibendem Aufenthalt ein- richteten, und schließlich wurde General D i a z an Stelle von Chamorro zum Präsidenten „ernannt“. Aus Dankbarkeit für seine Gönner schloß Diaz mit Washington einen Vertrag ab, der Nordamerika das ausschliehliche Recht gewährt, parallel mit dem Panamakanal mit dem Graben eines Kanals quer durch Nikaragua zu beginnen. Man spottet in Lateinamerika über diesen Vertrag und meint, dah ihn die Vereinigten Staaten mit sich selbst abgeschlossen hätten, denn Präsident Diaz sei ja nur eine vorgeschobene Strohpuppe. Völkerrechtliche Bedenken haben in der Politik der Vereinigten Staaten in Zentralamerika niemals ein Hindernis gebildet. Wenn nicht anders, muh die Monroe-Doktrin, so wie sie ' in Washington ausgelegt wird, als Rechtfertigung dienen. — Es bleibt das weltpolitische Ziel Nordamerikas, die Herrschaft über den Panamakanal und über den zukünftigen Nikaraguakanal zu besitzen, und weder Revolutionen in Mittelamerika, noch völkerrechtliche Proteste werden Washington von dieser Politik ablenken.
Die Tatsache, dah sowohl das politische wie auch dos handelspolitische Expansionsbedürfnis der Vereinigten Staaten so häufig mit Unterstützung der Kriegsschiffe und mit Gewaltanwendung erfolgt, hat selbstverständlich Wider- spruch bei den Lateinamerikanern hervorgerufen, die auf dem panamerikanischen Kongresse in Havanna, der von Hoover persönlich eröffnet wurde, beinahe zu ernsten Differenzen geführt hätten. Die Dankeefeindlichkeit macht sich jetzt besonders bei der lateinamerikanischen Jugend bemerkbar und findet einen deutlichen Ausdruck bei der über ganz Lateinamerika verbreiteten „APRA". Es ist das eine nationale Bewegung mit sozialistischem Einschlag, entfernt dem deutschen Nationalsozialismus vergleichbar. Der Führer der „Apristas“ ist Haya de la Torre, der besonders den spanischindianischen Rassegedanken in_ den Vordergrund stellt. Der Professor für Völkerrecht an der Universität von Lima, Dr. Ulloa, protestiert in einem Aufruf, der in allen lateinamerikanischen Staaten ein lebhaftes Echo gefunden hat, gegen d i e Vergewaltigung Zentralamerikas durch die Vereinigten Staaten, gegen die man sich auflehnen müsse. Auch die vielen panamerikanischen Kongresse seien nur ein Ausfluß des nordamerikanischen Imperialismus und seien als solche zu bewerten.
Teilweise unter dem Druck der politischen Verhältnisse, hauptsächlich aber bedingt durch die schwere wirtschaftliche Kcye haben die kleinen mcktelamerikanischen Staaten den Plan gefaht, sich in einer überstaatlichen mittel- amerikanischen Union zu vereinen, die nach außen mehr Widerstandskraft gegen fremdes imperialistisches Vordringen besitzen und die durch Verwischen unnatürlicher Grenzen dem wirtschaft
Die kalten Wintertage dieses Februars Haden auch vor Venedig, dem Inbegriff des sonnigen Südens, nicht halt gemacht. In der vereisten Lagune liegen die schneebedeckten Gondeln und warten danms, oatz die Sonne wieder über den blauen Wassern glänzt.
lichen Leben einen neuen Anstoß geben würde. In der Hauptstadt von Guatemala haben bereits die Verhandlungen zwischen den Bevollmächtigten von Guatemala, Nikaragua, Honduras, Salvador und Costa Rica über die Gründung einer einigen mittelamerikanischen Republik auf der Grundlage der gemeinsamen Rasse, Religion und Geschichte begonnen. Mittelamercka als Ganzes genommen ist ein Gebiet mit reicher Zukunft. Guatemala z.D. liefert die besten Kaffeesorten. In etwa 2000 Plantagen werden jährlich eine runde Million. Zentner des wertvollsten Kaffees produziert. Die besten Gewächse gedeihen in den Bergprovinzen Alta- Verapaz, Coban und Costa Cuca, unter anderem der großkörnige, sehr aromatische Waragojipe. Aber nicht so sehr uer Kaffee, als vielmehr der Bananenüberfluß bildet den eigentlichen Reichtum Mittelamerikas.
Als der vor einigen Jahren verstorbene Minor Keith den Plan faßte, QTorbamenta mit Südamerika durch eine Bahnlinie zu verbinden, ließ er überall längs dcm Schienenstrang Bananenpflanzungen anlegen, u.n durch die Beförderung der Frucht die Bahn rentabel zu machen. Minor Keith wurde zum Begründer der United Fruit Co-, deren Pflanzungen heute eine ungeheure Ausdehnung besitzen. Ueberall vor Kuba und im Golf von Mexiko begegnet man der weihen Flotille der Fruit Co.» die die Bodene'rzeugnisse Mittelamerikas nach den Vereinigten Staaten befördert, und die auf dem Rückwege Industrieprodukte aus der Heimat, Textilwaren, Aluminium und allerlei Tand ins Herz Mittelamerikas einführt, Waren, die die Gier der bedürfnislosen Indios wecken und sie in Schuldabhängigkeit zur Kompanie zwingen. Auch die meisten Danken und Eisenbahnen Mittelamerikas befinden sich im Besitz der nordamerikanischen Fruit Co-, deren Direktoren mitunter eine größere Macht als die jeweiligen Präsidenten ausüben.
In Kuba, wie auch in den anderen lateinamerikanischen Staaten werden die Derhandlun- gen in Guatemala mit dem größten Interesse verfolgt, jedoch bestehen berechtigte Zweifel, ob sie von Erfolg gekrönt sein werden. Jeder der mittelamerikanischen Staaten hat seine Kirchturm s i n t e r e s s e n, die Indianer aber, die ja eigentlich die Grundbevölkerung bilden und die sicher nichts gegen eine Aufhebung der Grenzen einzuwenden Hätten, werben nicht befragt. Sie bleiben dem Dämon Sisemit aus-
geliesert und werden, ob nun eine Einigung zwischen den Staaten zustande kommt oder nicht, in den primitivsten Verhältnissen weiterleben müssen. Immerhin verdienen die Verhandlungen in Guatemala über die Bildung einer mittelamerikanischen Union Beachtung, da sie für die lateinamerikanische Welt von weittragender politischer Bedeutung sind.
Naturschutz in Oberheffen.
5 Frie dberg, 16. Sehr. In einer gut besuchten Lehrerversammlung sprach hier Lehrer O h w a l d, Bad-Nauheim, über das neue hessische Naturschutzgesetz vom 14. Oktober 1931. Der Redner gab einen Ueberblid über den Inhalt des Gesetzes, das den Schutz seltener oder schonungsbedürftiger Tier- und Pflanzenarten, den Schuh von Naturdenkmälern und deren Umgebung, den Schuh des Landschaftsbildes (Heimatschuh) und darüber hinaus die Schaffung besonderer Naturschutzgebiete anstrebt. Weiter gab er Kenntnis von einer Konstnissionssihung der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde, die kürzlich in Gießen stattgefunden und sich eingehend mit den oberhessischen Gebieten beschäftigt hat, für die seit langem vom Vogelsberger Hohenklub, von der Oberhessischen Gesellschaft und den Gießener Universitätskreisen, sowie von Privatpersonen der Naturschutz gefordert wird. Cs feien hier nur die Gießener Enzianwiesen und vier Forstbezirke Breungeshain und Rudingshain im Oberwald genannt. Eingehend behandelte der Redner bann die zum Teil schon stark gefährdeten Gebiete des Kreises Friedberg, für die im Interesse von Wissenschaft und Unterricht Schutzmaßnahmen dringend geboten erscheinen.
Die Konferenz beschloß, im Anschluß an das Referat, den amtlichen Stellen als besonders schutzbedürftig zu nennen: 1. Das Salzmoor bei Münzenberg: 2. die Salzstellen bei Dad-Nau- heim und Wisselsheim mit den dem Binnenlande sonst fehlenden seltenen Tier- und Pflanzenarten; 3. die Trolliuswiesen bei Ockstadt und Reichelsheim, 4. einige „pontifche" Hügel der Wetterau mit ihren letzten Zeugen einer einst weiter verbreiteten, wärmeliebenden Steppenflora: 5. eine Waldparzelle bei der Grube Johanna (Butzbacher Wald) mit seltenen Vertretern des montanen Florenelements.
Als geologische Naturdenkmäler, die dem gesetzlichen Naturschutz zu unterstellen wären, wurden von der Versammlung in Vorschlag gebracht:
Der junge und der alte Wolf.
Don JRalpt) Urban
Am 6. Februar 1924, zur Zeit des Hochsommers auf der südlichen Erdhalbkugel, erhielt der Kommandant der Militär-Fl.egerstation von Mormanton an der nordaustralischen Küste den sunktelegraphischen Befehl, nach dem vermißten Flugzeug Nr. 87 der Luftfchiffahrtsgesellschaft von Adelaide zu suchen. Die Maschine war drei Tage vorher von einem Engländer, dem Besitzer australischer Goldfelder, für den Flug nach der Nordküste gemietet worden, war zuletzt in Oda- natta (Zentralaustralien) zwischengelandet und seither mit Fahrgast und Piloten verschollen. Gleichzeitig wurde dem Kommandanten mitgeteilt, dah der Ueberland-Telegraxh zwischen Creec Station und Alice Springs unterbrochen fei, was als Notsignal gewertet werden könnte. — Bald darauf erhob fich vom Flugplatz ein mächtiger Doppeldecker, um die Suche nach den Vermißten aufzunehmen.
Um diese Zeit hatten vier Menschen alle Hoffnung hinter sich gelassen.
Wolfgang Bras, der alte Wolf, wie ihn die spärlichen Nachbarn zum Unterschied vom jungen Wolf, seinem Sohn, nannten, kam stets zum Monatsende nach seiner winzigen Schaffarm, sagte dem jungen Wolf „guten Tag", legte sich ins Bett und schlief drei Tage und drei Nächte. Das machte den Hauptteil der hundert Stunden Schlaf aus. die ihm sein Dienst im Monat erlaubte. Der alte Wolf führte die achtspännige Postkutsche von Alice Springs fünfhundert Kilometer weit ins Innere bis nach Georgina Village. Einmal im Monat hin und zurück, 12 000 Kilometer jahrein und jahraus. Die Pferde, die die Farmer beistellten, wurden bei jeder Station gewechselt, der Postmann blieb. Von weit und breit tarnen Farmer. Jäger. Fallensteller zu den Poststationen, wenn der alte Wolf fällig war, denn er kam so pünktlich, daß die Leute nach seinem Eintreffen die Uhren richteten. Kaum hielten die schäum- bedeckten Pferde, wurden frische Tiere in das Geschirr gespannt, die Post verteilt, und mit Peitschengeknall ging die wilde Jagd weiter, über die holprige Buschstrahe, über die Stepve oder durch das Sandmeer der Wüst-- Tag und Nacht Der Wastcrvorrat, der mitgef hrt werden konnte, war beschränkt, und wenn es Du., Brunnen zu Brunnen durch die Wüste ging, mußte der alte Wolf aus den Pferden alles herausholen, denn er fuhr um sein Leben. Wehe, wenn zur Zeit der Dürre einmal ein Wüstenbrunnen auÄ-
trocknen würde oder wenn die Pferde versagten. Wenn der alte Wolf den Dauerschlaf daheim beendet hatte, holte er das versäumte Essen auf einmal nach und unterhielt sich einige Stunden mit seinem Sohn. Da es keine Schulen gab. erteilte er ihm selbst ein wenig Unterricht und sprach mit seinem Jungen Deutsch, denn der alte Wolf war zwanzig Jahre vorher in Australien eingewandert. Mit der vierten Nacht ging sein Heimurlaub zu Ende, da ritt er fünf Stunden lang nach Georgina Dillage, um feinen Dienst anzutreten. Der junge Wolf sollte einmal das Amt seines Vaters übernehmen.
Die Farmer schüttelten die Köpfe, als an jenem denkwürdigen Abend die Post in Georgina Village zum erstenmal nicht eintraf. In den zwölf Jahren seiner Dienstzeit war es noch nie vorgekommen, daß der alte Wolf sich verspätet hatte. Mit Besorgnis wartete man die ganze Nacht. Am Morgen galoppierte der junge Wolf los, entschlossen, auch durch die Wüste zu reiten, wenn er dem Vater nicht eher begegnen sollte. Cs wurde ein schlimmer Ritt. Am dritten Tag schritt der junge Wolf, das erschöpfte Pferd am Zügel, durch den glühenden Sand der Wüste. Immer wenn er die Höhe einer Düne erreichte sah er hoffnungsvoll in der Ferne einen grünen Fleck, den Brunnen. Er wußte, wie man Entfernungen in der Wüste unter'chäht. und daß es noch Stunden währen mochte, bis die Herrlichkeit dort zur Wirklichkeit würde Der Wasserschlauch vor dem Sattel war leer, die zwei Feldflaschen an seinem Gürtel waren nur für den Fall der ärgsten Not.
Ein Surren lenkte feine Aufmerksamkeit auf sich, und bald entdeckte er im Blau des Himmels einen großen silbernen Vogel. Es war das zweite Mal, daß er ein Flugzeug sah selten nahm eins seinen Kurs über das unbewohnte Innere des Landes Die Maschine kam rasch näher Schon konnte der Junge aus den unteren Seiten der Tragflächen je eine große „87" entziffern, als das Knattern des Motors aussetzte und wieder ansprang, um schließlich endgültig zu verstummen Dann fiel das Flugzeug unheimlich rasch, zog eine scharfe Schleife, kam auf etwa vierzig Meter Höhe herab, trudelte einen Augenblick unbeholfen und sackte schräg ab. Ein Krachen, ein Splittern, bann Ruhe Der junge Wols saß schon im Sattel unb nach wenigen Minuten besanb er sich an der Unglücksstelle unb zog zwei Männer aus ben Trümmer hervor Sie waren am Leben wenn auch arg zugerichtet. Nach besten Kräften machte der Junge ben Samariter, "reinigte bie Wunden mit dem Wasser aus der Feldflasche, benützte Streifen aus seiner Wäsche als Verbandszeug und schiente das gebrochene Bein des
Piloten mit Holzteilen der zertrümmerten Maschine.
Der junge Wols atmete auf, als die Verunglückten erklärten, bas achtspännige Fuhrwerk nicht gesehen zu haben, denn nun konnte er hoffen, daß seinem Vater in der Wüste nichts zugestoßen sei. Ohne Bedenken hinterließ er den Verletzten den Rest seines Wasservorrates, versprach, bald wie- derzukommen und ritt dem Brunnen zu. Pferd und Reiter taten ihr Bestes, um die Oase mog- lichst rasch zu erreichen. Der junge Wols hatte nicht mehr bie Kraft, barüber nachzudenken. wie bie Rettung der Verunglück en bewerkstelligt werben könnte, er hatte jetzt nur einen Gedanken unb nur eine Hoffnung^ Wasser! Als er endlich die winzige Oase erreicht hatte, sah er, daß eine Gestalt mit ausgestreckten Armen aus ihn zu- wankte. Es war der Vater, und das Wiedersehen wurde traurig. Der Brunnen war ausgetrocknet.
Den Blick starr geradeaus gerichtet, die verdorrten Lippen zusammengepreht, aber mit dem Willen des ©o'b-ten. der die letzte Hoffnung auf sich gerichtet weiß, schritt der junge Wolf durch die Wüste. Cs tarn chm nicht in den Sinn, wie aussichtslos und lächer.ich der Versuch eines Der- durstenden fei. die siebzig Kilometer lange Strecke bis zur Ueberlandtelegraphenlinie ohne Labung zurückzulegen, um die Drähte zu zerschneiden. (In Australien ist es Menschen in Not erlaubt, durch das Zerstören der Telegraphenleitung ein Signal zu geben, worauf von der nächsten Station eine Expedition aufbricht, die nach der Ursache der Unterbrechung zu sehen hat- Selbst wenn es dem jungen Wols gelungen wäre, die Linie zu erreichen so hätte es noch einige Tage dauern können, bis man ihn und bie anderen Verdurstenden in der Wüste gefunden hätte. Stunde um Stunde marschierte er bie ganze Nacht hinburch. Am Morgen sprang vom Osten ein leichter Winb an, ber mit jeder Minute stärker wurde, bis die Sand- wolken die glühende Sonne verdunkelten und alles Leben zur Hölle machten. Der Junge spürte nichts mehr von diesen Qualen, auch nichts mehr von den brennenden Schmerzen des Durstes, er fühlte das nahende Ende. Er fiel vornüber in bie Knie, kroch noch ein Stück im gewohnten Takt des Marschierens auf allen Vieren, bann ging es auch bamit nicht mehr. Als sich bas verdorrte Gras im Winde bog, nahm er erst wahr, daß er die Steppe erreicht hatte. Was hals es. Der Sturm würde bie Telegraphenlinie balb er. reicht haben der Sturm! Noch einmal richtete sich ber junge Wolf auf, benn ber Gebanke an ben Orkan gab ihm Kraft. Mit zitternben Händen mühte er sich, Streichhölzer zu entflammen, bann züngelten niedrige Flänunchen, die sich rasch in
das braune Gras fraßen. Mit ungelenken Zügen malte er noch einige Worte auf ein Stückchen Papier, dah er dann aus seiner Brust befestigte. Wenn ber Steppenbranb den Telegraph zerstört — war der letzte Gedanke des jungen Wolf.
Das Militärflugzeug kreuzte schon feit geraumer Zeit in der Gegend der brennenden Steppe. Der Deobachtungsoffizier sagte sich, dah das Feuer nicht von selbst ausgebrochen fein konnte, und suchte nach dem Ausgangspunkt, überzeugt, dort auch die Ursache des Brandes zu finden. Plötzlich bemerkte er unterhalb der niedrig fliegenden Maschine etwas, das einem menschlichen Körper ähnlich sah. und sofort war das Flugzeug gelandet. Man fand den jungen Wolf in tiefer Bewußtlosigkeit. Der Offizier entzifferte die Worte auf dem Zettel, aus denen zu ersehen war, wo sich der Vater und bie verunglückten Flieger befanden. Offizier und Pilot labten ben jungen Wolf vorsichtig unb brachten ihn in bas Flugzeug. Eine halbe Stunbe später hatten sie den alten Wols an Bord, unb nach einer weiteren waren auch bie beiden Verunglückten dem Wüstentod entrissen. Ohne ben rettenden Einfall des jungen Wolf, die Steppe anzuzünden, wodurch tatsächlich die Telegraphenleitung zerstört worden war, und bie Militärflieger aufmerksam gemacht würben, wären bie vier Menschen verloren gewesen...
Das wußte auch der gerettete Besitzer der Goldfelder zu würdigen. Es wirkte sich dahin aus, dah der alte Wolf heute ein sorgenfreies Leben hat und der junge Wolf die Aussicht, im Dienst der westaustralischen Gold - Company ein großer Mann zu werden.
Öochfcbulnocbricbten.
Im Alter von 57 Jahren verschied der ordentliche Professor der Baukunst und Bauwissenschaften an der Technischen Hochschule inDarm - st a d t, Stadtbaurat a. D. Dipl.-Jng. Karl Roth. Professor Roth, der 1929/30 das Rektoramt der Darmstädter Hochschule bekleidete, stammt aus Mannheim: zunächst im kommunalen Dienst in Pfo.zh.im, Dre-dcn und M. nnheim tätig, wurde er später Assistent bei Geheimrat Hofmann in Darmstadt, wirkte als Stadtbaurat in Mannheim unb folgte 1920 einem Rufe als Orbinarius an bie Technische Hochschule in Darrnstabt. Der Der» bienstvolle Architekt war Erbauer ber Rathäuser zu Kassel, Dresben unb Barmen.
P ofessor Dr Hermann Rein in Freiburg im Breisgau hat ben an ihn ergangenen Rus auf Iben Leh.stuhl ber Physiologie an ber Universität Göttingen als Nachfolger des Geheimen Medizinaüates P- Jensen angenommen.


