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Sturmszenen im Hessischen Landtag

Der Lleberfatl auf den Abg. Buttler. Die Täter nod) nicht festgcstcllt.

Darmstadt, 16. Febr. (WSR.) Heute nach­mittag ist der Abg. Buttler operiert wor­den. Es wurden ihm verschiedene Knochensplitter

Gegen Dr. O t t 0 Strasser, den Heraus­geber der zur Zeit verbotenenSchwarzen Front" und Führer der Kampfgemein­schaft revolutionärer National so- zialisten, ist ein Hochverratsverfah­ren eingeleitet worden. Es stützt sich auf eine Beihe von Artikeln in derSchwarzen Front"

Kleine politische Nachrichten.

Der Ehrenvorsitzende der Liga für Menschen­rechte, Ferdinand D u i s s 0 n, der vor einigen Jahren zusammen mit Professor Quidde den Friedens-Aobel-Preis erhielt, ist im Alter von 90 Jahren gestorben.

für ihre eigene Erzeugung zu liefern. Die Folge davon sei weitere Arbeitslosigkeit. Heute stehen wir am Beginn eines Kampfes, der ge­führt wird um Deutschland, um den Weg, den cs gehen soll in der Zukunft. Wenn unsere Geg­ner sagen, unser Kandidat ist-die Gewähr dafür, daß es bleibt, wie es war. Wohlan: Wir wol­len, daß es anders wird. Ihnen schwebt vor Augen das Deutschland, das im Aovember 1918 begründet wurde, uns schwebt vor Augen ein Deutschland, das sich als e i n w i r k l i ch e r Hort der Freiheit und des Lebens erweisen soll. Sie sehen vor sich, das Deutsch­land der Rot und des Elends, das Deutschland der Unterdrückung, und wir sehen am 13. März vor uns ein Deutschland der Größe, der Macht, der Herrlichkeit und der Frei- h e i t".

herausgenommen, doch konnte die Kugel noch nicht entfernt werden. Der Zustand des Verletzten ist ernst, aber nicht schlechter als gestern. In Verbindung mit dem Lieberfall auf Buttler sind verschiedene Mitglieder des Reichsbanners in Eberstadt wegen des Verdachts der Llrheberschaft gestern abend noch von der Landjägerei f e st g e n 0 m - men worden. Die sofort aufgenommene Ver­nehmung der Sistierten hat aber einwandfrei ergeben, daß sie als Täter nicht in Frage kommen, worauf sie wieder freigelassen wurden. Inzwischen hat die Polizei zwei Mitglieder der kommunistischen Partei f c ft ge­nommen, deren Alibi zur Zeit der Tat gegen­wärtig einer Nachprüfung unterzogen wird. Die Llntersuchung des Verletzten hat ergeben, daß der Schuß nicht von gerade rückwärts, sondern waagrecht im rechten Winkel in die Gegend des Rückgrates eindrang. Der Täter muß sich also unmittelbar auf der rechten Seite Buttlers, und zwar in dessen nächster Rahe, befunden haben, denn das Einschuhloch im Rock des Verletzten weist eine etwa dreimark- stückgrohe Brandstelle auf. Es ist daher kaum verständlich, daß der Lieberfallene, wie er bei seiner ersten Vernehmung angab, von dem Täter überhaupt nichts gesehen haben soll.

Wirtschaftskrise (nationalsozialistische Zwi­schenrufe: Eine Folge der Erfüllungspolitik!) keine spezifisch deutsche Krise ist. Die Etats von Eng­land, Amerika, Italien schließen mit hohen Fehl­beträgen ob. Die hessische Wirtschaft hat durch die Besatzung wesentlich gelitten. Aber seit der Aufstellung des Budgets hat sich die schwebende Schuld nicht erhöht. In der schwebenden Schuld sind doch auch die Gegen­posten für erhebliches Staatseigentum enthalten, für Bauten, Gelände usw. Solange ich das Schicksal habe, noch Finanzminister in Hessen bleiben zu müssen, werde ich mich bemühen, daß in Hessen Gerechtigkeit herrscht, und nicht etwa zu tun, wie es Herr Dr. Müller gesagt hat, als ob Gerechtigkeit herrsche. Auf den Kopf der Bevölkerung entfallen in Bayern 61 Mk., in Sachsen 59,50 Mk., in Thüringen 80 Mk. (Hort! Hört!) und in Hessen nur 53 Mk. Staatsschulden.

Abg. Keil (K.), bei dessen Rede die Rational­sozialisten den Saal verlassen, polemisiert gegen den nationalsozialistischen Redner. Der Rational- soziolismus ist das Lieberfallkommando des Kapi­talismus gegen die Arbeiterklasse. Der national­sozialistische Minister in Thüringen hat als erster die Regersteuer eingeführt und beigetrieben. Wenn die nationalsozialistischen Anträge im Landtag vor seiner Auflösung alle behandelt werden sollen, da ist der Landtag in 25 Jahren noch nicht aufgelöst und Leuschner noch immer am Ruder.

Abg. Lutz (S.) erklärt: Es genüge, den Ratio- nolsozialisten Braunschweig und Thüringen vor Augen zu halten. In Thüringen haben sie die Schulden von 7 auf 120 Millionen gesteigert und in Braunschweig fehle heute noch das versprochene Arbeitsbeschaffungsprogramm. Wo die Rational­sozialisten bisher in die Regierung kamen, haben sie genau so gehandelt, wie sie es bei anderen kritisieren.

Abg. Dr. Riepoth lDVP.) erklärt, was wir seit dem 15. Rovember hier im Landtag erlebt haben, wird niemals zu einer Gesundung der Fi­nanzen führen. Das hessische Volk hat am 15. Ro­vember mit Mehrheit beschlossen, daß die Finanz­politik der Weimarer Koalition aufhören solle. Das Volk fordert, daß die größte Partei des Lan­des verantwortungsbewußt handelt. Ich werde daher für eine der nächsten Sitzungen beantragen, die Wahl eines neuen Staatspräsi­denten vorzunehmen. (Hört, hört.)

Abg. Böhm (Dnt.) griff den Finanzminister besonders wegen seiner Anleihepolitik an. Hessen habe für seine beiden letzten Anleihen 530 000 Mk. Provision bezahlen müssen. Was will der Herr Finanzminister tun, damit die hessischen Staats­anleihe-Besitzer durch die Kursgestaltung nicht ihr Vermögen verlieren?

Abg. H e i n st a d t (Z.) erklärt, wie im Reich die Parteien, die sich besonders national nennen, dann versagen, wenn das Volk ihren Dienst erwartet, so geht es heute hier. Die Debatte schädigt den Kredit Hessens ganz un­geheuer. «Widerspruch der Rationalsozialisten.) Mit Lärm und Riederschreien wird an den Din­gen nichts geändert. Wer solche Anträge stellt wie die Rationolsozialisten, hat kein Recht, den Fi­nanzminister onzugreifen. Sie haben ja selbst tzugestehen müssen, daß sie Anträge stellen, ohne daß die Mittel dafür vorhanden sind. Wer solche Anträge stellt, begeht ein Verbrechen am hessischen Volke.

Abg. Schreiber (Staatspartei) erklärt, die Klagen der Rationalsozialisten über den Fall Buttler stünden in einem merkwürdigen Gegen­satz zu ihrem Amnestie-Antrag, allen po­litischen Verbrechern Straffreiheit zu gewähren, denn das würde ja zur Ausbreitung des Mor­des führen. Die Durchführung des deutschen Ein­heitsstaates kann die Finanzlage des Landes erleichtern.

Abg. Fenchel (Landvolk) stellt fest, daß der Finanzminister heute zugebe, in den vergangenen Jahren Aufgaben finanziert zu haben, die der Staat nicht habe übernehmen dürfen. Draußen haben die Rationalsozialisten gegen uns wegen unserer Beamtenfeindlichkeit agitiert, und jetzt sind sie nochbeamtenfeindlicher" als wir. Die Lage der Landwirtschaft ist katastrophal, und dieschwarze Fahne" ist auch in Oberhessen auf­getauchtHelfen Sie zu verstärktem Verbrauch der deutschen Erzeugnisse!" (Beifall.)

Es folgen zahlreiche kommunistische Anfragen und Antworten der Regierungsvertreter. Das Haus leert sich schnell. Die Sitzung wird aus Mittwoch vertagt.

Oer Kall Buttler.

Darmstadt, 16. Febr. (WTB.) Im Hessi­schen Landtag verliest nach den Eröffnungsfor­malitäten Abg. Lenz (Ratsoz.) die von uns gestern veröffentlichte Erklärung zu dem Lieber­fall auf den Abg. Buttler. Sofort entsteht e i n wüster Lärm, in dem jedes Wort untergeht. (Zurufe:Sie haben Schäfer vergessen!" Zuruf von nationalsozialistischer Seite:Der hat sich selbst verwundet." Der Redner wird wegen be­leidigender Aeuherungen gegen den Innenminister zur Ordnung gerufen.

Staatspräsident Or. Adelung:

Zu der Erklärung des Abgeordneten Lenz, de­ren unerhörte und unparlamentarische Form von dem Herrn Präsidenten bereits durch einen Ord­nungsruf gerügt wurde, habe ich zu bemerken, daß die Regierung nichtunrecht­mäßig" im Amt ist, sondern hier auf Grund zwingender Bestimmungen der Verfassung steht. Ich bitte, sich doch endlich einmal die hessische Verfassung genau anzusehen. An den überaus traurigen und bedauernswerten Vorfall mit demAbgeordnetenButtler hat der Ab­geordnete Lenz eine Warnung an d ie Re­gierung geknüpft, die ich als unange­bracht und ungehörig scharf ^urüd- weise. Die Regierung und ihre Organe haben hier und in allen Fallen ihre Pflicht getan ohne Ansehen der Partei und Person. Sie lassen sich darin durch nichts und durch niemanden beirren. (Hier sehen wieder dauernd Zwischen­rufe ein. Der Redner wird niedergefchrien.) Zur Zeit herrscht eine Verrohung und Ver­wilderung der politischenSitten, wie sie nicht mehr überboten werden kann. Revolver und Dolch sind keine politischen Lieberzeugungs­mittel. Von solchen Methoden muß sich jeder Den­kende mit Abscheu abwenden. Zwei Abgeordnete dieses Hauses (Rufe der Rationalsozialisten:Es ist nur einer!" Ruf des Abgeordneten Galm: Der andere wurde von euch Äebermenschen er» schlagen!" Reuer Tumult.) liegen mit Schuhver- lehungen in Krankenhäusern. Die letzte Llrsache all dieser Roheiten liegt in der hemmungs­losen und bedenkenlosen Hetze in Rede und Schrift gegen politisch An­dersdenkende. (Großer Lärm bei den Ra­tionalsozialisten.) Die Regierung ist gewillt und auch imstande, für Ruhe und Ordnung zu sor­gen. Sie appelliert an das Verständnis und das Anstandsgefühl der Bevölkerung, sie in ihrem Bestreben zu unterstützen.

Abg. P 0 st (Komm.) bezeichnet den Anschlag auf den Abg. Buttler als einen Akt der natio­nalsozialistischen Feme. (Sehr richtig links. Schlußrufe bei den Rationalsozialisten.) Die Ra­tionalsozialisten haben überhaupt fein Recht, hier die Linschuldigen zu spielen, denn sie rufen selbst zum planmäßigen Mord auf. (Tumult.) Der na­tionalsozialistische Fraktionsführer hat draußen auf dem Flur zu seinen Abgeordneten gesagt: Jungens nun macht mal einen anständigen Krach!

Abg. Zinnkann (Soz.) weist die nationalso­zialistische Erklärung zurück. Die Sozialdemokra­tie habe stets erklärt, daß sie Gewaltmaßnahmen im politischen Kampf verabscheut. Aber ausge­rechnet die Rationalsozialiften wollen sich be­schweren, deren Führer bis an die Knöchel im Blut waten wollen und öffentlich zu Gewalttaten auffordern. Wir warten die Aufklärung des Fal­les Buttler ab und werden dann weiter darüber sprechen.

Kritik an Hessens Finanzlage.

Der Staatsvorschub für den Detr'eb des Krüppelheims der Orthopädischen Llniversitäts- Klinik in Gießen, für den sich die Abgeordneten Frau Pringshaim (S.), Frau Schmidt (K.) und Winkler (Z.) aussprachen, wird einstimmig genehmigt.

Zu der Großen Anfrage über die Fi n anz- u n d Kassenlage des Landes erklärt Abg. Dr. Müller (Ratsoz.), die Antwort der Regierung geht an den uns wichtigen Fragen vorbei. Die 1,3 Millionen Hessen seufzen unter einer 80-Mil- lionenschuld, deren Tilgung und Verzinsung noch spätere Generationen zu Zinssklaven machen wird. Entgegen den Erklärungen des Finanzministers werden die Holzgelder und die Steu- ernnoch vielweiter zurückgehen. Wenn wir mit der heutigen Lage die Denkschrift zum Etat 1931 vergleichen, dann sehen wir daraus die Begabung zur Romanschriftstellerin. Die Aus­gaben für Pensionen sind ebenfalls nicht zwangsläufig und wenn wir zur Macht kommen, werden wir die Mittel dazu haben, sie zu strei­chen. Wenn wir zur Macht kommen, dann toer­ben wir das Buch von Soll und Haben, von Schuld und Sühne aufschlagen: dann wird der ungeheu­ren Schuld die entsprechende Sühne gegenüber- gestellt, und das wird der erste, moralisch ausge­glichene Etat in Hessen sein. (Heil!" und Hände­klatschen bei den Nationalsozialisten.)

Finanzmimster Kirnberger:

Auf die polemischen Ausführungen des Vor­redners, der es sich sehr leicht gemacht hat, brauche ich nicht zu antworten. Sachlich hat Herr Dr. Müller noch nicht gemerkt, daß die W e 11 -

und auf Reden, die der Führer der Revolutio­nären Rationalsozialisten in den letzten Monaten gehalten hat.

Der R e i ch s r a t hat der Vorlage des Reichs- arbeitsministers zugestimmt, wonach mit Rücksicht auf die außergewöhnliche Arbeitslosigkeit in Deutsch­land im Jahre 1932 die Beschäftigung neu einreisender a u s l ä n d i s ch e rLand- a r beiter verboten ist. Der Reichsarbeits- Minister hat eine entsprechende Anweisung an den Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsver­mittlung und Arbeitslosenversicherung gerichtet.

Das sozialdemokratische Arbeits- beschaffungsprogramm.

Berlin, 17. Febr. (VDZ.) Die sozialdemo­kratische Reichstagsfraktion hat zwei Gesetzent­würfe über Arbeitsbeschaffung und Förderung des Kleinwohnungsbaues sowie über die Lim- gestaltung der Gebäudeentschuldungssteuer (Haus­zinssteuer) im Reichstage eingebracht. Die bei­den Gesetzentwürfe gehen davon aus, daß die Lage des Baumarktes sich außer­ordentlich verschlechtert hat und in den kommenden Monaten zur völligen Katastrophe zu führen droht, weil öffentliche Mittel für den Wohnungsbau nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Llm solche öffentlichen Mittel trotz der Senkung der Hauszinssteuer um 20 Pro­zent wieder freizumachen, fordert die So­zialdemokratie, daß die Hauszins st euer in eine öffentliche Rentenschuld umge­wandelt werden soll. Die Rentenschuld soll 20 Jahre laufen, ablösbar sein und den Klein- besih von jeglicher Mehrbelastung frei lassen. Durch möglichst genaue Anpassung der Renten­schuld an den Kapitalgewinn, den die Haus­besitzer durch die Inflation gemacht haben, soll ohne allgemeine Mehrbelastung der Hausbesitzer ein höherer Ertrag als bei der Hauszinssteuer nach Durchführung der 20vrozentigen Senkung erzielt werden.

Da aber die auf oiese Weise zu beschaffenden öffentlichen Mittel für den Wohnungsbau a u f keinen Fall ausreichen werden, sehen die sozialdemokratischen Gesetzentwürfe außerdem die Auflegung einer Reichsanleihe für Arbeitsbeschaffung vor. Durch diese An­leihe soll das im großen Umfange geham­sterte Bargeld hervorgelockt und wieder derWirtschaft nutzbar gemacht werden. Zwei Drittel des Ertrages sollen für den Klein­wohnungsbau Verwendung finden.

plane des AOGB.

Berlin, 16. Febr. (ERB.) Die BuudeSaus- fchuhfitzung des ADGD. befaßte sich mit dem Problem der Arbeitsbeschaffung. Tarnow vom Holzarbeiterverband führte über seinen Arbeits- beschaffungsplan auf dem Wege der Kre­ditausweitung u. a. aus: Die öffentlichen Körperschaften, die berufen sind, Arbeiten aus­zuführen, sollen Schuldverschreibungen ausstellen, die von der Reichsbank als Deckung für die von ihr eröffneten Kredite aufgenommen werden. Wir denken an die Be­schäftigung von einer Milli on Ar­beiter. Dies wird einen Aufwand für Löhne, Gehälter und anderes mehr von etwa 2 Milliar­den Mark erfordern. Davon werden aber rund 600 Millionen Mark von vornherein durch die frei werdenden Arbeitslosenunterstützungen ge­deckt. Es kommen noch Steuern und soziale Ab­gaben der bei den öffentlichen Arbeiten be­schäftigten Arbeiter hinzu. Cs bleibt also eine zusätzliche Leistung von höchstens 1,2 Milliarden Mark übrig. Run bestehen allerdings über den von uns aufgestellten Finan- zierungsplan durch Kreditschöpfung sehr starke Meinungsverschiedenheiten, auch in unseren eigenen Reihen. Das hindert uns daran, aus dieser bestimmten Idee eine politische Aktion zu machen. Wir -müssen uns darauf beschränken, das Prinzip der ak­tiven Konjunkturpolitik durch Ar­beitsbeschaffung herauszustellen.

In einer einstimmig angenommenen Ent­schließung heißt es: Die Reichsregierung hat erklärt, daß die letzte Rotverordnung den Schluß­strich unter die Deflationsperiode ziehe. Der offen­sichtliche Mißerfolg ihrer Wirtschaftspolitik muh sie zu der Erkenntnis zwingen, daß sie nunmehr vor der Aufgabe steht, wirksame Maßnahmen zur Belebung der Wirtschaft zu treffen. Die allge­meine Verkürzung der Arbeitszeit, die Beseitigung der Lleberarbeit und die ernsthafte Bekämpfung des Doppelverdienertums erfordern nur den ent­schlossenen Willen der Reichsregierung zur Durch­führung dieser Maßnahmen. Die Gewerkschaften erkennen nach wie vor die Rotwendigkeit air, der allgemeinen Weltwirtschaftskrise durch eine aktive Außenpolitik entgegenzuwirlen. Jnnerpolitische Maßnahmen allein können nicht dauernd Helsen. Aber möglich als ein Anfang und entscheidend in der heutigen Situation im eigenen Lande ist eine Arbeitsbeschaffung großen Aus­maßes.

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Aus aller Well.

Einbrüche bei der amerikanischen Delegation in Gens.

Am 2., 3. und 4. Februar erfolgten nachts Ein­brüche, zuerst bei dem Botschafter G i b s 0 n, bann bei Senator Swans 0 n und schließlich bei dem Presseattache. In allen Fällen wurden die Koffer offenbar nach politischen Doku­menten durchsucht. Entwendet wurde nichts. Irgendwelche wichtigen Dokumente sind den Tä­tern nicht zu Gesicht gekommen, da alles politisch Bedeutsame, auch der Telegrammschlüssel, im Safe sicher verwahrt ist.

Eine englische Verbündete Gandhis.

Fräulein S l a d e , Tochter eines englischen Ad­mirals und treue Anhängerin Gandhis, den sie bei seinen letzten europäischen Reisen begleitete, wurde durch die Polizeibehörde gebeten, Bom­bay binnen 24 Stunden zu verlassen. Fräulein Slade hat einen Werbesecdzug für die indischen Gewebe geleitet und hat mit den noch auf freiem Fuß stehenden Kongress ührern in engen Beziehungen gestanden. Wie verlautet, wird sie sich weigern, aus Bombay abzureisen.

Schießerei in einem Pariser Lase.

In einem Boulevard-Cafö hat der 32 Jahre alte Argentinier Fernandez L u i z drei Landsleute durch Revolver sch üsse tödlich verletzt. Luiz wurde verhaftet. Bei seinem Verhör gab er an, daß er seine Lands­leute nach längerem Suchen in Paris gefunden habe und mit ihnen eine Auseinander­setzung wegen einer grohenSpiel- schuld gehabt habe. Er habe in dem Augenblick geschossen, als seine Landsleute nach ihren Taschen griffen, wahrscheinlich um ihnniederzuschie» ßen. In den Taschen zweier der Argentinier wurden tatsächlich Revolver gefunden.

Hochwasserkalastrophe im Donaudelta.

2m Donaudelta hat sich eine gewaltige Ratur- katastrophe zugctragen. Infolge emer Wasser- st a u u n g auf dem Donauabschnitt bei Braila ist eine gewaltige Flutwelle vermischt mit Eis­schollen auf die niedriggelegene Gemeinde D a I - c 0 v niedergegangen. Das Llnglück geschah zur Rachtzeit, so daß die Bevölkerung nur not­dürftig bekleidet die Häuser verlassen konnte und auf den benachbarten An­höhen bei 30 Grad Kälte Zuflucht suchen mußte. Wehr als 400 Personen sollen mit schweren Frostschäden in die Krankenhäuser eingehefett worden sein.

Sieben Lskimodörfer durch Sturmfluten vernichtet.

Erst jetzt wird bekannt, daß kurz vorWeih- nachten sieben Eskimodörfer auf der Relson- Inselgruppe im Beringomeer durch Sturmfluten völlig vernichtet wurden. Bei dieser Katastrophe dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach keiner ihrer Einwohner mit dem Leben da­von g e k 0 m m e n sein. Walfischjäger, die die Rachricht hierherbrachten, berichten, sie hätten zahlreiche Leichen von Eis umschlos- s e n gefunden. Die Sturmfluten haben übrigens die ganze Inselwelt zwischen der Koskowin-Bucht und dem Cap Romanzof heimgesucht.

veberschwernmungen auf der Halbinsel Malakka.

Eine der größten Eisenbahnbrücken an der Ostküste der Halbinsel Malakka ist durch Wasser zerstört worden, so daß die 'Ver­bindung zwischen Pakang und Kelanten unter­brochen ist. Fünf E1 ng c b d r ene fin in den Fluten umgekommen. Der Schaden ist beträchtlich, besonders in den Bezirken Kuala und Kangsar.

Raubüberfall auf eine Sparkassensiliale.

In der Sparkasse Wandsbek bei Hamburg er- schienen zwei junge Leute und forderten den an­wesenden Sparkassenbeamten unter Bedrohung mit dem Revolver auf, das Geld her­auszugeben. Als sich der Beamte weigerte, versetzten sie ihm einen Schlag vor den Kopf und 1 entrissen ihm die Brieftasche mit etwa 500 Mark

Inhalt. Durch den Schlag erlitt der Ueberfallene eine stark blutende Kopfwunde. Hausbewohner und Straßenpassanten verfolgten die Täter, konnten sie aber nicht erreichen. Der eine Räuber lief quer­feldein und schoß auf seine Verfolger, ohne jedoch zu treffen.

Die Lungenpest auf Java.

In mehreren Orten Ost- und Mitteljavas herrscht seit mehreren Wochen eine Pestseuche. Dor etwa Monatsfrist brach sie in einer nordwestlich von Bandung liegenden Ortschaft aus, wo ihr acht­zehn Menschen zum Opfer fielen. Gegen Ende Januar wurde amtlich bekanntgegeben, daß auch in anderen Ortschaften, vor allem in der Umgebung der Stadt Surabaja, Pcst- erkrankungen aufgetreten seien. Nunmehr wird aus Samarang berichtet, daß im dichtbevölkerten mitteljavanischen Distrikt Kadu der in der Regent­schaft Temanggung liegende Ort Lemuk von der Außenwelt abgeschlossen werden mußte, da in der verflossenen Woche 14 Todesfälle durch Lungenpest zu verzeichnen waren.

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Das Hoch über den britischen Inseln dehnt seinen Einfluß östlich aus, so daß auch bei uns Saromcteranftieg erfolgte. Obwohl durch die um­fangreiche Störung im Rorden wärmere Luft bis nach Dänemark und dem deutschen Küstengebiet vorgedrungen ist, wirb unser Gebiet boch mehr von dem hohen Druck beherrscht. Infolgedessen hält das gegenwärtige Wetter mit seinen nächt­lichen Strahlungsfrösten noch an.

Aussichten für Donnerstag: Dunstig und wolkig mit Aufheiterung, nachts leichter Dtrahlungsfrost, trocken.

Lufttemperaturen am 16. Februar: mittags 5,4 Grad Celsius, abends minus 1,5 Grad: am 17. Fe­bruar: morgens minus 5,0 Grad. Maximum 5,8 Grad, Minimum minus 6,1 Grad. Erdtemperatu­ren in 10 an Tiefe am 16. Februar: abends minus 0,8 Grad: am 17. Februar: morgens minus 0,8 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 8% Stunden.

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