nr. 40 Erste; Via«
182. Jahrgang
Mittwoch, 17. Zedruar 1952
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jümtllch in Gießen
Das Kabinett Laval gestürzt.
öer Senat fordert Diskussion de» Wahlrechtsreform. - Ministerpräsident Laval stellt die Vertrauensfrage. Das Kabinett bleibt mit 23 Stimmen in der Minderheit. - Die Demission angenommen.
Paris. 16. Jebr. (1DIB.) 3m Senat legte l heute nachmittag Innenminister LaIhaIa dem Haufe den wahlgefetzenlivurf vor. den die I Kammer angenommen hat. Die Verhandlungen wurden von der Linken, namentlich den bürgerlichen Radikalen, mit ironischen Zwischenrusen begleitet. Unmittelbar darauf stellte der Senatspräsident an den lUiniftcrpräfibcnlen die Jeage, wann er die Interpellation des Senator» peyronnet übet d i e allgemeine Politik der Regierung zu beantworten gedenke.
Ministerpräsident Laval erklärte, der Senat werde zweifellos der Ansicht fein, daß die Debatte über diese Interpellation vielleicht vertagt iDerben könnte. In Genf fei eine allgemeine Diskussion über d i e Abrüstung imgange. Die Regierung müsse während dieser Verhandlungen intakt bleiben und ihre ganze Autorität behalten. Die französischen Delegierten würden gegenüber dem Standpunkt einer auswärtigen Delegation den französischen Standpunkt zu präzisieren haben. Lr schlage deshalb als Verhandlungstag Jrcitag, den 26. Jebruar, vor. — Bei der namentlichen Ab stimm ung wurde der Antrag Caoal mit 155 gegen 134 Stimmen a b - gelehnt.
Darauf erklärte Ministerpräsident Laval: Ich bin bereit, den lag der Diskussion eher anzu- sehen als vorgesehen. Ich verlange aber, daß die Diskussion der Interpellation peyronnet wegen der angeführten Gründe heute nicht ft a 11 f i n be t; beim vielleicht schon morgen wird eine auswärtige Delegation in Gens Vorschläge unterbreiten, zu denen die französische Delegation Stellung nehmen muh Ls bandelt sich hier um eine internationale Frage, während es sich bei der Interpellation nur um innenpolitische Zwischenfälle handelt. Ich appelliere an das Gewissen des Senates (starker Widerspruch bei den Radikalen und Sozialisten) und sordcre die Senatoren auf, öie politische Leidenschaft in diesem ernsten Augenblick z u r ü ck z u st e 11 e n. Um zu beweisen, mit welchem Lrnst ich diesen Appell an da» Hohe Haus richte, stelle ich die Vertrauensfrage.
Diese Erklärung Lavals rief eine ungeheuere Aufregung im Senat hervor, da es etwas ganz neues ist, nach einer Abstimmung nochmal» einen Antrag zu stellen, der bezweckt, die erste Abstimmung zu korrigieren.
Bei der namentlichen Abstimmung blieb öie Regierung mit 2 3 Stimmen in der Minderheit. Der Antrag Lavals wurde mit 157 gegen 131 Stimmen ab gelehnt. Die Regierung ist damit gestürzt.
Das Kabinett hat auf Grund feiner Niederlage im Senat feine Demission gegeben. Präsident Doumer hat die Demission angenommen und seine Beratungen zur Losung der Krise ausgenommen. d. h traditionsgemäß die Präsidenten des Senats und der Kammer empfangen
Die Niederlage.
Tcv Hinweis ans Gens verfängt nicht.
Paris. 16. Sehr. (LAD.) Die Frage der W a h I r e f o r :n sowie die innerpolitischc Einstellung des Ministeriums Laval sollte auf Interpellation Senators Peyronnet, eines gemäßigten Radikalen, erörtert werden. Es scheint, dass Ministerpräsident Laval die Gefahr einer solchen Diskussion erkannt bat und sie vertagt wissen wollte, bis die deutschen Dorschläge in der Abrüstungskonferenz von Sens eingebrachl worden waren. Hierdurch hoffte er Gelegenheit zu finden, die Diskussion zu verlagern, sie vom innen- aus das aussenpolitische Gebiet abzulenken, um jenes Lieblingsthema zu schaffen, das ja leider in dein legten Jahrzehnt bei der Mentalität, die augenblicklich in Frankreich herrscht, stets verfängt. nämlich eine Frage m den Vordergrund zu schieben, die mit Deutschland in Beziehung
Die Senatoren haben sich auf diesen Dor- schlag nicht eingelassen, da sie die Gefahren. die das antidenwkratische Wahlgesetz, das die Kammer geschaffen hat. erkannt haben und offenbar in ihrer Mehrheit auch eine Aegierung wünschten, die stärker ist als die Regierung Laval. die man in den Wandelgängen des Senats offen als ab’olutc Gefangene der Regierungsmehrheit in der Kammer bezeichnete. ,
Laval hätte, nachdem man ihm zum ersten Male die Bcrtagung verweigerte, sich für die Diskussion stellen sollen. Er hat es nicht getan. Er hat. was \n der Parlamentsgeschichte wohl einzig dastehen dürste, den gleichen Der- tagungsantrag noch einmal gestellt. Diese Methode hat sichtlich die Mehrheit der Senatoren verletzt. Da Laval seine ganze Autorität
einsetzen wollte, stellte er öie Vertrauensfrage in der Hoffnung, dass eine Anzahl anderer Radikaler sich ihm anschliehen würde. DaS musste von den radikalen Senatoren so aus-
gefasst werden, dass man annehmen könne, sie würden ohne die Vertrauensfrage nicht, wie Laval sich ausdrückte, in voller Gewissensfreiheit urteilen.
Die Lage ist nur dann voll verständlich, wenn man die zunehmende Miss st im mung des Senats gegen die Kammer in Rechnung stellt, und das W a h l r ech t s r ef v r m g e s c y in den Mittelpunkt der Betrachtung rückt. Die in der Kammer geschlagene Opposition unter der Führung Herriots und Leon Blums war sich dessen bewusst, dass dieses Wahlreformgesetz für die Opposition entscheidend war. Die volitische Erfahrung hat in Frankreich gelehrt, dass immer die jeweils am Ruder Befindlichen bei den Reu- wahlen im Vorteil waren, und dass die Wahlbezirke ihren bisherigen Abgeordneten im ersten Wahlgang stets eine relative Mehrheit zu sichern pflegten. Erst die Stichwahl gab bann der Opposition die Möglichkeit, sich auf einen gemeinsamen Kandidaten zu einigen und das Stimmverhältnis dadurch grundlegend zu verändern. In der Kammer geschlagen und in höchste Gefahr gebracht. zog die Linke die Kabinettskrise z u r 3 e r - f d) l a g u n g der Wahlreformvorlage als das kleinere Hebel vor.
Jetzt fragt sich, wie sich das neue Kabinett zusammensehen soll Eine Regierung H e r r i o t scheint vollkommen ausgeschlossen, da die Kammer kein radikalsvzialistisches Regiment dulden würde. Cs bleibt die Möglichkeit eines Geschäftskabinett aus Senatoren. Etwa unter der Führung des früheren Ministerpräsidenten Bart Hou ober ein Kabinett XarDteu. Seine Rückkehr wird bereits für Mittwochsrüh kicher angekündigt
Der Weg aus der Krisis.
pariser preffeftimmen zum Sturz Lavals.
Pari», 17. Febr. (WL2. «Funkspruch.) „211 a - t i n“ betont, man würde gern die Rückkehr z u einer weitgehenoen nationalen Einigung sehen, an der sich auch die R a - d i k a l e P a r t e i zu beteiligen hätte. Wenn aber die Verwirklichung eines derartigen Planes nicht möglich sein sollte, träten gewisse Kreise f ü r ein Ministerium des Zentrums ein, also eine Art Minderheitskabinett, das aut die beiden Flügel verzichtet und sich damit begnügt, eine wohlwollende Neutralität zu verlangen, im Austausch gegen unbedingte Unparteilichkeit während der Wahlperiode. Falls keine dieser beiden Kombinationen durchgeht, aber auch nur in diesem Falle, würde man ein Kabinett ins Auge fassen, dessen Aufgabe darin bestehen würde, die Kammer aufzulösen und möglichst rasch Reuwahlen vor- zunehmen. In den Wandelgängen des Senats habe man gestern vor allem Senator Bartbou als geeigneten Mann zur Bildung eines Ministeriums der Einigung und Konzentration genannt. In der Kammer scheine P a u l - B o n- cour zahlreiche Anhänger zu haben
Im ..Populairc erklärt der sozialistische Abgeordnete Leon Blum, der Abgeordnete Wan - del habe dem Kabinett Laval den Todesstoss verseht, und er werde auch der Mehrheit des nationalen Blockes den Todesstoss versehen. — „Petit Journal" tritt f ü r Die Beibehaltung Tardieus ein, die im Interesse der Kontinuität der in Genf eingeleiteten Politik ntwendig sei. — .,Ere Rou- belle“ polemisiert gegen das Schlagwort von der „nationalen Einigkeit" und bezeichnet als den eigentlichen Zweck des Wahlgesetzes: die Spaltung in zwei feindliche Lager. — „ Figaro" betont, dass der Senat den Genfer Vertretern Frankreichs das Wort abge- schnitten habe. Dieses Blatt sowohl wie ..l'Ordre". der eine Betrachtung Louis Marins bringt, glauben in dem Sturze Lavals das Walten geheimer internationaler Mächte sehen zu können, die schon stets Br i - andzu ihrem Werkzeug gemacht hätten. Begreift der Senat nicht, fragt Marin, dass er „Pour I c r o i de Pruss? gearbeitet hat?
Hindenburg seht seinen Namen aus den Wahlvorschlag.
Empfang der Hindenburg-AuSschüffe beim Reichspräsidenten.
Berlin, 16. Jebt. (OB.) Um 1130 Uhr wurde eine Abordnung des Hlndenburg- Ausschuffes vom Herrn Reichspräsidenten empfangen, die aus den Herren Oberbürgermeister Dr. S a h m , Reichsgerichtspräfidenk a D. Dr Simons, für den bayerischen Landesausschuh Exzellenz o. Dinterslein und Oberst o. Seisser, für den württembergischcn Landes- ausschuh Dr. Robert Bosch und General v Maur, für den sächsischen Lande sausschuss Reichsminister a. D. Dr. Külz bestand Oberbürgermeister Dr. S a h m bat den Herr Reichspräsidenten in einer Ansprache, seine Unterschrift unter den Dahloorschlag Hindenburgs zu setzen. Aus die Ansprache erwiderte
der Herr ^eichSpräsibeni:
„Zunächst danke ich Ihnen, Herr Oberbürgermeister, herzlichst für die an mich gerichteten freundlichen Worte, wie ich in meiner gestern abgegebenen öffentlichen Erklärung bekundet habe, bin ich bereit. eine etwaige Wiederwahl anzu- nehmen. Ich handele hierbei nicht aus persönlichem Ehrgeiz, sondern im Bewußt- sein meiner Verantwortung für Deutschland und im Gefühl meiner Pflicht. Sic, meine Herren, stehen hier vor mir nicht als die Vertreter einer Partei, sondern a 1» Angehörige der verschieden st en Berus» st ände und politischen Richtungen au» allen Teilen Deutschlands. Dah Ihr Ruf an mich nicht ausgeht von einer bestimmten Partei oder Interessentengruppe, sondern von zu- sammensasienden Ausschüssen au» den verschiedensten Gebieten des Reiches, hat mir meine Entscheidung
wesentlich erleichtert. Ich erkläre Ihnen daher mein Linner st ändnis dazu, dah mein Jlame auf den von Ihnen vorbereiteten Wahlvorschlag für die Reichspräsidentenwahl gesetzt wird, und ich hasse, so mit meiner letzten Krasl dem dienen zu können, was mir in meinem langen Leben stels hoch und heilig war: dem Vaterlandef" Lieber 3 Millionen Llnterschrtsten.
Tic Tätigkeit Dee Latzm-Aueschusice
Oberbürgermeister Dr. Sahm empfing Dann Die Preise, um ihr einen Ucberblid über Die Arbeit Des HlnDenburg-Ausschusses zu geben. Lr erinnerte Daran, Dass er bei Der Gründung Des Ausschusses am 1. Februar als fein Ziel angegeben habe. Den Weg zu Der Vvlkswahl Hindenburgs zu bahnen. Dieses Ziel ist jetzt erreicht, und zwar ohne feDe Parteiorganisation unD ohne jegliche amtliche Ein- zeichnungs st eilen. Dr. Sahm stellte gegenüber Missdeutungen fest, dass Der Ausschuss nur aut überparteilichem Wege auf Die Wiederwahl Hindenburgs hingestrebt, aber nicht beabsichtigt habe, in Die politischen Tagesfragen einzugreifen oder etwa eine Probeabstimmung für die kommende Präfidentenwahl zu machen, was technisch unmöglich und unangebracht gewesen wäre. Von vornherein sei es klar gewesen, dass man auf bietem Wege nureinenBrud)- t c 11 Der für HinDenburg zu wertenDen Stimmen aufbringen könne. Immerhin konnte Dr. Sahm mitteilen, dass bisher schon über drei Millionen Eintragungen feftgeftellt sind. DaS sei ein mehr als befriedigendes Ergebnis. Die Zuftirnmungser- llärung des Reichspräsidenten zu feiner Kan- didatur hat folgenden Wortlaut: Ich erkläre hier
mit, dass ich der Ausnahme meine» Qlamcne in den „Wahlvorschlag Hindenburg" für die Reichs- Präsidentenwahl 1932 zustimme Dr. Sahm fügte seinen Mitteilungen abschliessend noch den Wunsch hinzu, das; das deutsche Volk für seinen grossen Heros einig und treu zusammenstehen möge.
Der Keldmarschall und die Offiziersverbände. DcrTLN. überläßt feinen Mitgliedern
Die freie vntschltcßung.
Berlin. 16. Febr. (241. Funkipruch) Zu Der bevorstehenden Reichspräsidentenwahl erklärt Der Deutsche O f f i z i e r s d u n D folgende»
„Der Deutsche OssizierSbund blickt mit hoher Verehrung auf Den Generalfeldmarschall v. H i n- Dcnburg als den ruhmreichen, ä 11 c ft c n Offizier der alten Wehrmacht auf. In der Frage der kommenden ReichSpräsiden- tenwahl, bei der parteitaktische Ur- Wägungen und Gegensätze in Den Vordergrund getreten sind, muss der Deutsche Offiziersbund seinen Mitgliedern die freie Entschliessung überlassen '
Der Rationalverband Deutscher Offiziere.
veDinqungslose CinglicDentng in Die Harzburger Front
Berlin, 16. Febr. (211.) Zur Kandidatur Hindenburgs veröffentlicht der Rationalverband Deutscher Offiziere eine Erklärung, in Der es heisst' „Wir zweifeln nicht Daran, Dass fich der Herr Generalseldmartchatt zur Annahme einer Wiederwahl in dem Glauben enlfchlosfcn hat, dass feine Pflicht gegen Volk und Vaterland diesen Schritt von ihm fordert. Ob er bei Der Fassung dieses Beschlusses richtig beraten worden ist, ist eine andere Frage. Wir sind aber aufrichtig gewillt, zu bekennen, dass wir nicht glauben, dass die Wiederwahl deS derzeitigen Herrn Reichspräsidenten einen klarenKurs- wechsel herbeiführen wird. Der RD0. al» Teil der gemeinsamen Harzburger Front erwartet von seinen Mitgliedern, dass sie sich bei der kommenden Reichspräsidentenwahl bedingungslos in diese Front ein- gliedern. Sobald Die ÄanDiDatenfrage geregelt ist, wird Der RDO. erneut hierzu Stellung nehmen."
Eine Kundgebung Hitlers.
München, 16. Febr. (TU.) An Der Spitze des „Völkischen Beobachter" wirb am Dienstag fol- genDe KunDgebung A D o l s H i 11 e r s an die Mitglieder der nationalsozialistischen Partei veröffentlichte
„Als letzter Versuch, das unheilvolle Weimarer System zu retten, haben sich d i e in hoff- nungsloser Minderzahlbefindliche,i Parteien der schwarz-roten Koalition entschlossen, den Generalfeldmarschall von Hindenburg zur Reuwahl des Reichspräsidenten vorzuschlagen. Damit soll Die Politik des Zusammenbruchs, Die ihre Begrün- Dung im Voungplan und in den Rotverordnungen gefunden hatte, weiter fortgeführt werden. Das neue Deutschland wird daraus die einzig mögliche Antwort erteilen: Die nationalsozialistische Bewegung muss getreu Dem Kampfe ?cgen das System diese Kandidatur ab*
ebnen. Die Stunde der Auseinandersetzung mit den Rovember-Männern ist Damit gekommen. Wir bedauern, dass der Gene- ralfeldmarlchall von Hindenburg sich bewegen liess, feinen Barnen in diesem Kampfe verbrauchen zu laffen.“
Eine Hitterrede in Düsseldorf.
Düsseldorf, 17. Febr. (XU.) Am Dienstagabend sprach Adolf Hitler in der Grossen Messehalle vor mehr als 10 000 Personen über die Entwicklung der nationalsozialistischen Bewegung uuD über die Ursachen der Rot des deutschen Volkes. Seine Ausführungen, die durch Lautsprecheranlagen gleichzeitig nach drei weiteren Versamm- lungssälen in Der Tonhalle übertragen wurden, beschäftigten sich zunächst mit den politischen und wirtschaftlichen Vorgängen in Deutschland, die durch die Spaltung des deutschen Volkes in zwei Lager bestimmt worden seien. Die Hauptursache der Rot sei das Missverhältnis vonVe- völkerungszahl und Leben »raum, der für das deullche Volk in unerträglicher Weise beengt fei. Die Phraseologie von Weltbegriffen und Weltwirtschaft habe die Massen verwirrt. Man habe vergessen, dass es einen Markt gebe, der wertvoller sei als Der Der Welt Das sei Der eigene Absatzmarkt. Es sei ein Trugschluss, zu glauben, dass es eine wirtschaftsfriedtiche Eroberung der Böelt gebe. Genau wie Deutschland brauchten auch die anderen Rationen Den Weltmarkt Um wettbewerbsfähig zu bleiben, werde eine weitere Senkung der Lebenshaltung verlangt werden müssen, bis wir am Ende froh fein würden, fremden Volkern die Maschinen


