Ausgabe 
16.12.1932 Frühausgabe
 
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dl-n Unlerstüßungsberechtlglen, zu denen auch bic Kleinrentner gehören, auvdehncn. Ob « möglich ist. die Hilfsmaßnahmen noch über diesen Nah­men hinaus zu erweitern, vor allen Dingen in der Verbilligung von Milch und vrol, hängt von dem Ergebnis der Verhandlungen ab, die in

diesen Tagen gepflogen werden.

In diesem Zusammenhang muß ich aber ein Wort ernster Mahnung an die Reichs- tagsausschiisse richte». Ich verstehe durchaus, das, die Volksvertretung sich mit allen Kräften um die Besserung der uKrlschaftlichen Lage ihrer Wäh­ler bemüht. Ich kann es aber nicht mehr als verankwortunasbewlifzt bezeichnen, wenn man Entschlüsse saht, die dem Reich viele Hunderte von Millionen kosten wür­den, ooii denen man also genau weisz, das; sie bei der ernsten Lage der Reichssinanzen niemals d u r ch g e s ü h r t werden können. Durch derartige p a p i e r n e Beschlüsse werden in der Bevöl­kerung Hoffnungen erweckt, auf deren Nichterfül­lung eine umso größere Enttäuschung folgen muh-

Aufhebung der Ausnahmebestimmungen. Aber schärfster fl ampf den gewerbsmässigen

Heyern.

Die zur wirtschaftlichen Beruhigung notwendige Ausschaltung al>er absichtlichen Störungen hat In der Vergangenheit leider eine graste Zahl von A u s n a h m e b e st i m m u n g e n nötig gemacht. Ich habe den Herrn Reichspräsidenten gebeten, die zweifellos eingetretene Beruhigung zum Anlast zu nehmen, um derartige Ausnahmebestimmungen aufzuheben, um endlich einmal wieder zu normalen Rechtsverhältnisse» zurückzukehren. Der Herr Reichspräsident will diesem Vorschlag im Ver­trauen auf den gesunden Sinn der Ordnungslieben- den Bevölkerung entsprechen, hat aber zum Ausdruck gebracht, dost er nicht zögern würde, eine scharfe Verordn u n g zum S ch u st e des deutschen Volkes zu erlasfen, falls er sich in feinen Erwartungen getäuscht sieht.

Den gewerbsmähigen Unruhestiftern ebenso wie einer gewissen aufreizenden, die Atmosphäre vergiftenden presse darf ich in diesem Zusam­menhang warnend zur Kenntnis bringen, dost eine solche Verordnung fertig im Schub- k a st e n liegt und in der Tal in ihrer Lücken­losigkeit eine ausgezeichnete Arbeit darstellt. Ich hoffe, dah Ihre Anwendung ebenfo wenig not­wendig werden wird wie der Einsatz der Wehr­macht. Ich möchte aber auch die staatsfeindliche kommuni st ische Bewegung nicht im Zweifel darüber lassen, dah die Reichsregierung auch vor drakonischen Auvnahme- b e st i m m u n g e n gegen die Kommunistische Partei nicht zurückschrecken wird, falls sie die Lockerung der Zügel zur vermehrten Ver­

hetzung der Bevölkerung mihbrauchen sollte.

Gorqe für die Lugend.

Eine Frage, die dem Wehrminister besonders am Herze» liegen must ist die körperliche und geistige Ertüchtigung der Jugend. Ich gehöre allerdings nicht zu den Leute», die der I»ae»d jede» Tag einmal erzählen, dost sie das Salz der Erde und die Blüte der Ration sei. Das führt nur zu einer Ueberheblichkeit und zu einer äußerlichen und innerlichen Diszivi in l o s i g k e i t, die uns in den vergangenen Jahre» die Jugend manchmal ungenießbar machte. Wieviel Väter, Mütter und Erzieher haben in diesen Zei­ten sorgenvolle Briefe an den Wehrminister gerich­tet, mit der dringenden Bitte, die allgemeine Wehrpflicht wieder einzuführen Und in der Tat gibt es keine bessere Schule für die Jugend, um Selbstdisziplin, äußere und innere Bescheiden­heit und Kameradsc1;aft zu lernen. Solange das Diktat von Versailles uns diese wirkliche Lösung unmöglich machte, muhten andere Mittel gesunden werde». Das Kuratorium für Jugendertuchligung

Reichskanzler von Schleicher vor dem Mikrophon. (Frühere Aufnahme.)

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und die Organisation des Freiwilligen Arbeits­dienstes sind neben den staatlich unterstützten Sportvereinen aller Art die Früchte dieser Be­mühungen. Das Erfreuliche an diesen Einrichtungen Ist die U e b c r io i n b u n g des Parteigei st es In eine Maste, daß Parteihäupter und Verbands- grösten schon anfangen unruhig zu werden und um die Seelen ihrer Schäfchen zu fürchten.

Die Reichsregierung wird allen geeigneten Ein­richtungen, Insbesondere auch freiw'.lUge Käme- radfchaften jugendlicher Erwerbsloser öffentliche Rüttel zur Verfügung stellen, wenn sie gewillt sind, den Teilnehmer» gemeinsame V'rvslegung, körperliche Hebung und geistige Fortbildung zu verschaffen. Zwei weitere Dinge gedenkt biie Reichsregierung im kommenden Frühjahr in An­griff zu nehmen: das freiwillige Werk­halbjahr der Abiturienten und die freiwillige Dauernhilfe.

Das freiwillige Werkhalbsahr der Abiturienten soll dem Nachwuchs aller überfüllten Hoch­schulen Gelegenheit geben, im Zusammenhang mit dem Freiwilligen Arbeitsdienst, der Lrnte- hilse, dcm Geländcsport und dem Notwerk der deutschen Iugend gemeinsam mit Altersgenossen aller Volkskreise in praktischer Tätigkeit einen beispielhaften Volkvdienst abzuleisten Vie frei- willige vauernhllfe soll jugendlichen städtischen Erwerbslosen auf dem Lande in solchen Bauern­wirtschaften, die sich bezahlte Arbeitskräfte n cht halten können, als mitarbeitende Haus- und Familiengenosfen unterbringen.

Der Plan der Rei )sregierung zur Heranführung der Fugend an der Staat wird durch die ge­schilderten Maßnahme» um so sicherer gelingen, wenn die Jugend auf der Schule in dieser Richtung eingekeilt und vorgebildet wird. Auch aus diesem Gebiete gibt es eine Menge bringen- der Fragen, z. V. drohende Heberalterung und Vergreisung unseres Lehrerstandes, die lln- Übersichtlichkeit der Organisation des mittleren und höheren Schulw srns, der Un­fug des überspitzte» und daher wertlosen Ve- r e ch t i g u n g S w e s e n s. Die geistige und ma- teiüelle Rot des akademis hen Rachwuchses haben das Reich schon zu Hilfsmaßnahmen veranlaßt.

Daneben bleibt die Ausgabe der Hoch­schule außer der Frage der Wissenschaft, die Erziehung ihrer Jugend zum Staat. Aber so wichtig Bildung und Lehre für den Geist unseres Volkes sind, so warne ich doch vor der Heberschähung des Gntellektuellen. Die geistige Erneuerung der Ration, die das Ergebnis der Krisenzeit sein muß, in der wir stehen, wird mehr von unten als von oben erreicht werden müssen. Ich glaube, daß die neuen Formen, in denen heute die Volksgemeinschaften neu erlebt werden, der Arbeitsdienst, die Jugendertüchti­gung, die berufskändis :cn Genosse schäften und ähnliches zu einer Gemeinschaft d ä igen. Ich sehe die besondere 2lufgibe des Reiches darin, diese Ansätze zu fördern und hier den Rahmen zu schaffen, in dem die Kräfte der Ration von selbst heranwachsen können.

Deutschlands Forderung an das Ausland.

Ich habe eben von der allgemeinen Wehrpflicht gesprochen. Das führt mich zu unserer Stel­lung in der Abrüstungsfrage.

Ich habe immer wieder betont und tue das auch heute, dah wir bereit sind, unsere Wehr­macht nur noch mH Messer und pap­pe n f d) i I b auszurüsten, wenn unsere Nachbarn desgleichen täten. Das stehl nicht gerade nach Aufrüstung aus. Id; habe allerdings auch, und zwar mit aller Deutlichkeit, ausgesprochen, dah die deutsche Negierung nicht gewillt sei, sich wehrlos den Hals abfchneiden zu lasten, dah feine Wehrmacht ihm also dieselbe Sicherheit garan­tieren müifc, wie jedem anderen.

Ein Volk, das in der Wehrfrage unter Aus­nahmerecht steht, ist nicht souverän, und der italienische R e g i e r u n g s ch es, ter un­teren Anspruch aus Gleichberechtigung in jeder Derhandlungsphase trä nist., s unlei stützt hat, wo­für ihm das deutsche Volk Dank weiß. ha. ganz reckt, wenn er in diesem Zusammenhang einmal äußerte, daß das Gewehr für den Deutschen ein

Svmbol bedeute, das Symbol des freien Mannes a u f freier Scholle. Ich bin überzeugt, daß wir durch die Genfer Vereinba­rung einen großen Schritt nach vorwärts gemacht haben, und daß wir dem Herrn Reichsaußen- minifter dankbar fein müssen für die zähe und er­folgreiche Verteidigung der deutschen Interessen. Ich milchte dabei aber auch der Verdienste des Reichskanzlers Dr. Brüning gebauten, der es verstanden hat, ebenso wie in der Reparations­frage in der Abrüstungsfrage das Weltverständ- nis für den deutschen Standpunkt zu wecken und ebenso auch meines Herrn Amtsvorgän- gers. der in Lausanne die Reparationsfrage zum Abschluß brachte und die G.eichberechtigungs- frage mutig uno energisch anpackte und vorwärts- trieb.

Das deutsche Volk will als freie, gleich­berechtigte und beachtete Nation im Kreise der Völker den Platz einnehmen, aus den es nach seiner Gröhe, Vergangenheit und feiner Leistungssähigkeit Anspruch Hal Um diesen ^Unfprud) zu verwirklichen, wird die Rcichsrcgie- rung in ruhiger Entschlossenheit und Stetigkeit an die großen Aufgaben Herangehen, die sich aus der augenblickl chen Lage ergeben. In nüchterner Würdigung der politischen Realitäten, zugleich aber auch im vertrauen aus die gesunde innere Krast un­seres Volkes sind wir bereit zur auf­richtigen freundschaftlichen Zu­sammenarbeit mit allen den Regierungen, die auch ihrerseits gewillt sind, eine Lösung der offenen internationalen Probleme auf dem Wege gerechter und billiger Verstän­digung zu suchen.

Zusammenschluß aller gutwilligen Kräfte.

Wenn ich an dieser Stelle dem Gefühl engster kameradschaftlicher Verbundenheit und herzlichen Dankes für die Wehrmacht Ausdruck gebe, so wird man dies dem Wehrminister nicht ver­übeln, zumal wenn er an diesen Dank die Ermah­nung knüpft, an dem überparteilichen Stand­punkt festzuhalten. Dann wird die Wehrmacht immer mehr zum Sammelbecken deut­scher Kraft und Einigkeit werden. In gleicher Linie liegen die großen Aufgaben des deutschen Beamten st andes, der feit den Tagen Friedrich Wilhelms L bis auf den heu­tigen Tag eine der Hauptstützen des Staates Ist. für feine Hingebung, aber namentlich in den letz­ten Jahren nur wenig Dank in der Öffentlichkeit gefunden hat. Ich werde nicht aushören, an dem Zusammenschluß aller gutwilligen Kräfte zu arbeiten, die gerade einem Präsi­dialkabinett den notwendigen Rückhalt im Volk geben müssen. An Verbände, Gruppen und Par­teien möchte ich aber in dieser Stunde die Olt ab- nung richten, daran zu denken, dah sie nicht Selbstzweck sind und ihre Daseinsberechti­gung verlieren, wenn sie sich der Mitarbeit am Staat entziehen. Das deutsche Volk hat ein sehr feines Gefühl für ein Versagen auf diesem Ge­biet und wird sich enttäuscht von den­jenigen abwenden, denen es in reichem Maß sein Vertrauen geschenkt hat, weil es große positive Leistungen von ihnen erwartete, und nicht Taktik und Qiegation. Denen aber, die da meinen, eine autoritäre Staatsführung könne des Rückhaltes im Volke entbehren, diq, darüber hinaus sogar jede Zu­sammenarbeit mit dem Parlament ablehnen, möchte ich entgegenhalten, daß Wille und Mut allein zum Regieren nicht genügen, daß auch Verständnis für das Empfinden des Volkes und das Erkennen des psychologischen Momentes dazu gehören. Deshalb wird die von mir geführte Reichsregierung für ihre Arbeit den besten MoltkesprnchErst wägen, dann wagen" zur Richtschnur nehmen.

Mecfter des Eisenbaus.

3u Alexander Gustav (ListelS 100. Gebultülage

Don Dr. Hranz Stiftler.

In den Elfenbahnzüge», die fid) Paris nähern, kann man stets das gleiche Sdjaufpiel erleben. Alles drängt sid) an die Fenster und fucki den Eiffelturm zu erspähen. Er ist das Wahr­zeichen dieser Stadt. Weithin sichtbar hebe» sich seine seine» Linien von, Horizont ab. Wie ein zar­tes Gespinst nehmen sie sid) von der Ferne gesehen aus. .yoch überragt seine blitzende Spitze das Häusermeer.

Wenn man näher kommt, wird der Eindruck ein Immer gewaltigerer (Ei wird am stärkste», wenn ma» unten zwischen den vier weit ausladenden Füßen steht und erkennt, wie sid) das Gitterwerk des Eisens aneinandersügt, wie es gelungen ist, durch eine einzigartige Bauweise zu einer Höhe zu ko »men, die lange Zeit hindurd), mehr als vier jrji'hnte, die höchste war, die jemals auf Erden erreicht wurde. Dreihundert Meter über dem Boden liegt die Spitze des Turms.

Dieser Bau bat den Namen seines Schöpfers in der ganzen Welt bekannt gemacht. Aber auch ohne ihn müßte man diesen Ingenieur zu den her­vorragendsten Techniker» aller Zeile» rechnen. Dao, was er vor der Erbauung des.Eisfellurms ausge- führt hatte, begründete das Vertrauen das man dem von ihm für den Turin ausgearbeiteten Plan entgegenbrachte Durch dieses Vertrauen gelang es ihm. sich gegen viele Widerstände durchzufetzen. Viele Techniker glaubten nicht an die Ausführ­barkeit. Ihre Einwände gründeten sid) auf Erwä­gungen. an denen man nicht ohne weiteres vor- iibergehen konnte. Hauptsächlid) wurden Zweifel darüber geäußert, ob ein Eisenwerk von dieser Mächtigkeit, ob diese Unmenge von eisernen Trä» grrn und Stäben nicht bald durch Rost zugrunde gehen würde. Einzelne beredeten sogar die vor­aussichtliche Lebensdauer und kamen zu dem Er­gebnis, daß sie im höchsten Fall zehn Jahre be­tragen würde. Für ein derartiges kurzes Dasein aber wäre die Bausumme die sich säst aus sie­ben Millionen Franken belief, zu hoch.

Eissel batte alles bedacht, auch wie man den Turm vor den Einslüssen der Witterung und damit vor dem Verrosten schützen könne. In seiner 'Her gange »he II hatte er Erfahrungen genug gesammelt Er war kein iunger Man» mehr und wußte genau, was er wollte. In diesen Tagen sind hundert Jahre Ukrgangen, seitdem er zu Dijon geboren wurde, i hatte er seine technischen Studien vollendet. |

Das war gerade um die Zeit, wo man das Eisen auf neue» Gebieten als Baustoff zu behandeln begann. U überall wurden Eisenbayncn gebaut. Dabei tauchte immer wieder die Frage aus, ob man die Brücken aus Stein oder aus Eisen Herstellen solle. Den Stein war man ge­wohnt, dem Eisen traute man »och nicht so recht, mußte es dod) der schweren Last der Züge und den von ihnen ausgehenden Erschütterungen standhal- len. Eissel setzte sich von Anfang an für Metall ein. Unter seiner Leitung entstand eine große Eisenbahnbrücke von 5 0 0 Meter Länge bei Bordeaux. Diese Brücke zeichnete sid) nicht nur burd) ihre 'Ausdehnung aus, sondern and) durch die Art und Weise ihrer Ausführung. Eissel hatte ganz neue Verfahren, insbesondere für die Herstellung ber Pfeiler erbadjt. In ber Folgezeit führte er noch zahlreiche Brückenbauten stets in Eisen aus.

Das Eisen wurde überhaupt sein Element. Sein Ruf verbreitete sich rasch. Aus allen Ländern t'nssen hm Aufträge zu. Er schuf de» Bah»hof von Pest. 1867 erbaute er die Maschinenhal e für bie Pariser Weltausstellung -und elf Jahre später für Die nächste 'Ißcltauoftellung den Pavillon der Stadt Paris. Bis nad; Asien drang sein Ruhm. Auch dort führte er Bauten aus. Zugbrücken von "och nicht dagewesener Kühnheit entstanden. In mannigfadicr Weise trug Eissels Lebensarbeit dazu bei, die Verwendung des Eisens bei Bauten der verschiedensten Art zu fördern.

Auf uer|d)icbenen Gebieten des Metallbaus wies er neue Wege Auch die große Kuppel auf der öternmarte zu Nizza ist fein Werk. Sie hat ein Gewicht von mehr als 100 000 Ki.ogramm. Um sie leicht drehbar zu mad)en, setzte sie Griffel auf einen ringförmigen Schwimmer, der in eine Flüssigkeit eintaucht, die nid-t frieren kann. Dadurch wird bewirkt, daß sie sid) ohne jede Anstrengung be­wegen läßt.

Im Jahre 188!) jollte in Paris wiederum eine Weltausstellung stattfinden. Eissel trat an die fran­zösische Regierung mit dem Plane heran, auf dem Aucstellungstzelände am Marsseld als weithin sichtbares Zeichen und zugleid) als Beweis für bie hohe Stufe, bie technisches Können erreicht hatte, einen Turm v o n n o d) nicht ba gemefe n e r H ö h e und vollständig aus Eisen z» errich­ten. Alle Eimvände die von ted)ni[d}er Seite ge­macht wurden, widerlegte er. Zwei Jahre, vier Monate und neun Tage dauerte ber Bau des Eif­felturms Die flache, die er überdeck! stellt ein Quadrat von 130 Meter Seitenlange bar Aus vier Betanklönen ruht er, hie tief in die Erde hinein versenkt sind Diese Grundpfeiler tragen das ganze ungeheure ("ewichl des Turms, das sid) aus neun Millionen Kilogramm beläuft. Rasch verjüngt sich

ber Bau nach oben zu. Die erste Plattform in 58 Meter Höhe stellt nur noch ein Quabrat von 65 Meter Seitenlange dar, 115 Meter darüber bie zweite Plattform mit 30 Meter Seitenlange. Von hier an läuft ber Turm in eine einzige Säule aus. Aufzüge führen bis hinauf in feine Spitze, von ber man einen wunderbaren Bl ck genießt, ber sich bei gutem Wetter bis zu 70 Kilometer Entfernung erstreckt.

Riffel Hal, ein Beweis für seine ungeheure Ar­beitskraft, auch während des Baus seines Turms nod) verschiedene andere Bauten aucgeführl und Entwürfe zu weiteren bearbeitet. Er ist am 28 De­zember 1923 gestorben. Mit ihm hat die Welt einen hervorragenden Techniker verloren, einen glänzenden Förderer des Eisenbaus, also einer Bauart, die heute eine Rolle spielt, von der man, als Gaffel seine Tätigkeit begann, noch nichts ahnte.

Gefährliche Wanderung auf dem Treibeis.

Gin junger Schotte, Alexander Austin, ist jetzt nach dreijährigem Jägcrlebeu im Polark.eis nach Vancouver zurückgekehrt, während sein Gefährte, ein f^anzö,.scher Kanadier namens RapoleonDer- uille, der mehrere Zehen durch Frost verloren hat, im Krankenhaus zu Gdmonteu schwer darnieder- liegt. Die beiden jungen Leute haben im Gis des hohen Rordens ein sehr gefährliches Abenteuer bestanden. Das Schiff, mit dem sie nach Rorden fuhren, der Dampfer der Hudson-Bai-Gesellschaft Baychinw", ist verloren gegangen; er geriet ins ® in der Rähe von Point Varrow in Rord- alaska und fror hier fest, so daß seine Ladung Pelze im Werte von etwa 2 Millionen Mark von Flugzeugen geborgen werden mußte. Das verlassene Schiff wird jetzt von den träge nach Osten >ch.ebenden Gismassen mit fortgefüfjrt und toirb, wenn sein kräftiger Rumpf den schweren Druck aushält, in etwa zwei Jahren durck) die Rordwest-Pafsage gebracht werden, das wäre eine Reise, die nur solch ein Geisterschiff vollenden kann. Austin und Verville waren unterdessen auf der Jagd nach den seltensten und kostbarsten Pelz­tieren der Arktis, dem Weißfuchs und dem SU- berfuchs. Alles ging gut. bis das Hnglück über sie beifiel, als sie eine zugefrorene Meerbucht von Kap Lcnnbton aus überqueren wollten. Als sie in die Rahe der gegenüberliegenden Küste kamen, war das Eis sortgetrieben, und sie waren gezwun­gen, zurückzukehren. Sie wanderten nun ans dein Treibeis sechs Tage lang von Scholle zu Scholle und wagten kaum, auf den eisigen Flößen zu schla­fen, bie nach dein Meere hintrieben. Zunächst

nährten sie sich von -dem rohen Hafermehl, das sie für die Hunde mitgenommen hatten. Dann mußte ein Hund dran glauben; er schmeckte wie Seife. Austcn erzähltemWir waren gar nicht hungrig, aber wir wußten, daß wir essen mußten oder sterben. Es blieb keine Wahl: der Hund oder wir!" Schließlich sanden sie einen Weg zur Küste und dort eine verlassene Hütte, in der ein Ofen stand. Rachdem sie sich etwas erholt hatten, ge­langten sie mühselig in furchtbarer Kälte nach der Es!':mo-S'edlung an der Storkersson-Bucht. H er mußten Vervilles Zehen mit einem Rasior- m ier alaenommen werden. Er halte die Hnvor- sick-tigkeit begangen, im Schlitten einzufchlcifen. Die Eskimos wußten Rat; sie beorderten mit der Selbstverständlichkeit eines Großstädters ein Flug­zeug aus Edmonton zum Transport des Kran­ken. und auf diese Weise wurde Verville 2030 Kilometer weit nach dem Krankenhaus gebracht. Austin ging dann, nachdem er sich erholt hatte, weiter auf Jagd, aber er wurde krank. Ein Händler, dessen Vatezr-ein Deutscher war. brachte ihn zu seiner Mutte'.. Der Deutsche war im Be­sitz eines Thermometers; er maß Austin und er­kannte seine Krankheit als Typhus. Der Patient wurde mit Rennfiermilch genährt, bis er wieder gesund war. Er hat aber seht von seinen Er­lebnissen im hohen Rorden genug und will nicht mehr ins ewige Gis zurückkehren.

£od?fdniln a cb nd) fett

In Derlin ist Professor Dr. Hans H e ß v o n Wich dorff von der Preußischen Geologischen Landesanstalt tm Alter von 56 Jahren an einem Scr|fd)Iag gestorben. Professor Heß von Wichdorfs stammte aus Gotha und hat auf dem Gebiete der Geologie. Heimatkunde und des Be.g- baues gearbeitet. Besonders b.ckannt geworden ist er durch seineGeschichte des Thüringer Berg- baus" und sein BuchMasuren. Land und Leute". Professor von Wickdorsf entdeckte 1910 die Feen- grofte bei Saalfeld i i T .ü i gen. die eirzi e bunt­farbige Höhle der Welt, und 1915 das große ost- germanische Gräberfeld bei Löhen in Masuren, bas er vollständig ausgrub.

Geh. Hofrat Professor Dr. Erwin B o i t, der bekannte Münchener Physiologe. Miig'ied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften and Rittherausgeber der Zeitschrift für Biologie, voll- enbet am 16. Dezember sein 8 0. Lebensjahr.

Professor Dr. Heinrich Spangenberg in TR und) en hat den Ruf auf den Lehrstuhl für Eckenbeton- und Massivbrückenbau an der Tech» nifchen Hochschule in Charlottenburg ab* gelehnt.