Ausgabe 
16.12.1932 Frühausgabe
 
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Aus der Provinzialhauptstadt.

Hamstergeld und Zluchtkapiialien kehren zurück.

Seit mehr als Jahresfrist muhte in Deutschland der Kamps gegen das Geldhamstern ge.ührt wer­den. Diesem Kampf war ein erfreulicher Er,olg beschieden, denn in den letzten Wochen und Mo­naten sind, wie eine Reihe von Anzeichen er­kennen lassen, die gehorteten Geldoeträae zu einem erheblichen Teil wieder in den Verkehr ge­flossen. Darauf läßt die günstige Entwicklung der Spareinlagen bei den Sparkassen, aoer auch die Bewegung am Rentenmarkt schließen. Auch das in das Ausland geflüchtete inländische Kapital hat Heimweh bekommen. Die Betroffenen haben ge­merkt, daß Kapitalflucht nicht nur ein schlechtes Geschäft ist, sondern daß die Vorstellungen von der Sicherheit des Geldes im Ausland sehr über­trieben und kmrchaus nicht immer zutreffend waren.

Der Rückfluß von Hamstergeld und die Rück­kehr ier Fluchtkapitalien ist eine wichtige Voraus­setzung für die pleoerwindung der Krise. Die Wi^i^aftsbelebung kann nur langsam einsetzen, und das ist gut so: denn jede zu stark und künst­lich geförderte Belebung würde leicht die Gefahr einer Uebertreibung und Niederspannung und da­mit die Keime einer neuen krisenhaften Entwick­lung in sich bergen. Die Bereitstellung bereits vorhandenen, aber bisher in Strümpfen und Kisten zurückgehaltener Kapitalien für die Kreditgewäh­rung an die Wirtschaft ermöglicht die Finanzie­rung einer gesunden Arbeitsbeschaffung. Gegen alle Projekte, die auf eine künstliche Kreditschöp­fung hinauslaufen, werden mit Recht schwerwie- geirde Bedenken erhoben. Der normale und auch ergiebige Weg geht über die Sparinstitute. Einen Beweis dafür, wie stark jetzt die früher häufig ver­kannte Bedeutung des Sparens und der Sparer für die Wirtschaft in der Oessentlichleit gewürdigt wird, liefert die vor kurzem erfolgte Gründung LesDolksbundes zum Schutz ersparten Vermö­gens". Diese Front der Sparer hat alsbald ein starkes und gutes Echo gefunden. Reichsbankprä- sident Dr. Luther hat die Arbeit des Volks- bundcs als eine große soziale unb. wirtschaft­liche Aufgabe bezeichnet, die sowohl im Interesse der vielen Millionen Sparer, als auch zum Schuh des wirtschaftlich und sittlich wichtigen Sparsinns und zur Förderung der unentbehrlichen nationa­len Kapitalbildung gepflegt werden muh. Durch diesen Zusammenschluß, den die berufenen Spar­institute nach Kräften fördern, wird die Macht der Sparer gestärkt und damit ein weiterer wichtiger Faktor für die Gesundung der wirtschaftlichen Ver­hältnisse geschaffen.

Spenden für die Winiernoihilfe.

Don der Geschäftsstelle der Gießener W-internot- hilfe werden uns die nachstehenden weiteren Spen­den miig: teilt:

Frau Jenny Wohlmuth, Selterswe-g 59, 10 M.irt: 'Hausfrauenberatung: 2. Samm­ln r.<p Kaufhaus B. Elsoffer, Marktstraße: zwei Sch'..chccken, 6 Handtücher, 2 Rchte Stoff, 3 Mäd- ch.nkleider, 6 Kinder-Pullover, 12 wollene Mühen, 4 Hauskleider, 20 Taschentücher, 5 Herrenchem cn, 6 Paar Hand schulde, 6 Paar Kinder stürmpse, 3 Paar Herren Unterhosen.

Durch Dermittlun-g der Winternothilfe d e s K r e i s e s Gießen unter Leitung von Herrn Pfarrer Draut (Lich) sind in folgenden Orten .Kartoffeln, Gemüse , Hülsenfrüchte, K leider und Wäsche gesammelt und der Gie- ße: er Winlernothi.se überwiesen worden: Dillina>en, Nonnenroth, Langsdorf, Eberstadt, Steiinhoim, Ra­bertshausen, Reich.m bei Hungen, Allendorf a. d. Lumda, Doubi. gen, Ruttershausen, Mainzlar, W.itershain,.'.ör.gshausen, Geilshausen, Oden- hausen, Beue-rn, Großen-Luseck, Oppenrod, Reis­kirchen, Burthandsf.'lden, Bersrod. In neun von diesen Orten ist die Sammlung noch abzuholen.

Ungenannt hat durch die Stadt lasse 10 Mark überwiesen.

ßvne Warn nq an die Käufer.

Vom Landesverband des Hessischen Einzelhandels, Sitz Darmstadt, wird uns goschvieben:

Es durchziehen augenblicklich Hausierer die hiesige Gegend, um uns mit ihren Artikeln oft handelt es sich um ausländische Fabrikate zu beglücken. Die ortsansässigen Geschäfte leiden schwer darunter. Aber sie haben nicht allein den Schaden, sondern der Käufer ebenfalls; denn man bezahll erfahrungsgemäß diese du ch den Hausierhandel ge­kauften Gegenstände und Masch ncn oft viel teurer, als wenn man sie bei den ortsansässigen Gefchäften bestellt. Die Hausierer machen ihre Geschäfte jo viel­fach nur aus Grund ihrer oft fabelhaften Ueber- redungskunst, und wenn jemand nicht ganz fest ist. wird er von den redegewandten Hausierern fast regelmäßig umgeworfen. Man sollte nie einen Gegenstand durch den Hausierhandel kaufen, ehe man sich nicht vorher beim ortsansässigen Handel darüber unterrichtet hat, ob man in be­zug auf den Preis nicht überfordert wird und ob die Oual'tät auch dem Preise entspricht. tD:e von den Hausierern gebotenen Zahlungserleichterungen sind vielfach wesentbch ungünstiger, als sie vom ein­heimischen Handel gewährt werden können, und müssen zudem durch den viel höheren Preis zu teuer bezahlt werden. Das beste Mittel, sich gegen die Aufdringlichkeit der Hausierer zu schützen, ist, sich überhaupt nicht in Unterhandlungen m't ihnen ein­zulassen, sondern ihnen zu erklären, daß man nicht vom Hausierer, sondern beim Fachaeschäft am Platze kauft. Hat man sich nämlich mit solch einem redegewandten Herrn einmal eingelassen, dann wird man ihn nicht mehr los; und hat man ihm den kleinen Finger gereicht, dann hat er bald die ganze Hand. Es g'bt heute fast keinen Ver- kanfsartikel, der nicht auch von Hausierern ange- boten wird. Besonders schlimm ist es bei Näh­maschinen, Radioapparaten, Fahrrädern, Wasch- ma'ch'nen, Staubsaugern, Bildern, Teppichen, Wäsche usw. Mit Rücksicht auf die schwierige deutsche Wirtschaftslage sollte jeder heute darauf achten, daß in er st er Linie deutsche Er­zeugnisse gekauft werden. Es ist letzten Endes ein Akt vaterländischer Klugheit, die deutschen Pro­dukte zu bevorzugen, besonders auch dann, wenn sie dem ausländischen Erzeugnisse nicht nur eben­bürtig, sondern sogar überlegen und zudem preis­werter sind.

Von zuständiger Stelle in Frankfurt wird fol­gende Warnung vor Betrügern verbreitet: 3n letzter Zeit Haven wiederholt Personen in ver­schiedenen Orten sich als angeblich Beauftragte der ft-irma Josef Witt, Bersandgeschaft, Weiden, aus­gegeben und Bestellungen auf Textil- und Leinen­

waren entgegengenommen, oder minderwertige Waren im Umherziehen abgesetzt. In mehreren Fällen haben sie auch Anzahlungen herausge­schwinde. t. Es handelt sich durchweg um Betrüger, da die F:rma Witt keine Reisenden oder Vertreter angestellt hat. Das Publikum sei daher vor an­geblichen Vertretern obengenannter Firma gewarnt.

Zuchlviehversteigerung m (Siegen.

Bei der am Mittwoch vom Landwirtschafts- kammer-Ausschuß für Oberhessen durchgeführlen Bullen- und Eberversteigerung in Gießen kamen 22 Bullen und 13 Eber zum Verlauf. Vor der Versteigerung wurden die Bul­len g.rich.. Die Prami erungs.ommiisi.on bestand aus den Herren Oberveterinärrat Dr. Mon - n a r d - Gießen, Heinrich G ö r l a ch - Ober-Hör- gern und Ludwig D a m e r - Röthges. Die Prä­miierung hatte folgendes Ergebnis:

1. Preise: Freiheml'ch RiedeselscheGuts- verwaltung - Sick ndorf und Ldw. H a u b II.- Rieder-Weisel.

2. Preise: Otto Weih- Heuchelheim (Wet- terau), Eberhard R u m p f Ill.-Eberstadt und Karl Lindemeier - Trais-Münzenberg.

3. Preise: Willy Hanack-Zell, Arbeiter- k o l o n ie - Reu-äll.ichstein, Karl Schaaf- Winihauien, Heinrich G ü n ther IV.-Maar, Otto Wahl- Strebendors und I.Bern Hardt U.- Angenrod.

Die Eber fanden bei annehmbaren Prellen flotten Absatz. Die Preise bewegten sich zwischen 95 und 133 Mark.

Die zur Versteigerung gebrachten Bullen konn­ten nahezu alle abgeseht werden. Trotz recht guter Qualität der Bullen waren die Preise gedrückt; sie bewegten sich zwischen 330 und 460 Mark je Tier.

Vorläufig keine Ausgleichs­abgabe zur he, fischen Schlacht ft euer. Vom hessischen Finanzministerium wird mit­geteilt, daß von der Anmeldung der Einfuhr von Schmalz in das Gebiet des Volksstaates Hessen und von der Festsetzung und Erhebung der Ausgleichsabgabe bis auf weiteres abgesehen wird. Diese Maßnahme bedeute zunächst keine Abänderung der gesetzlichen Vorschriften und Ausführungsbestimmungen, sondern sei nur ge­troffen, um besondere Härten zu vermeiden. Sie stelle eine vorläufige Regelung dar. Die end­gültige Entschließung soll nach Abschluß der Ver­handlungen mit den übrigen Ländern wegen gleichmäßiger Regelung der Ausgleichsabgabe erfolgen.

Der Versand von Weihnachts­paketen. Die Post hat umfassende Vorkehrun­gen für die schnelle und pünktliche Zuführung der Weihnachtssendungen an die Empfänger ge­troffen. Rach Mögl ch eit werden die Pakete auch außerhalb der Schalterstunden ohne Einliefe­rungsgebühr angenommen: unter Vermehrung der Betriebsmittel und Zustellungskrä'te werden sie mit gewohnter Pünktlichkeit zugestellt. Bei rechtzeitiger Auflieferung werden die Pakete stets zur gewünschten Zeit den Empfänger erreichen. Wenn man verhindert ist, die Pa'ete selbst beim Postamt einzuliefern, gebe man sie dem Paket- zusteller mit, und zwar kann das überall da geschehen, wo d'e Paketzustellung mit Fahrzeugen ausgeführt wird, die Schilder mit der Aufschrift Annahme von Paketen" tragen. Die Abholung der Pakete, für die eine Gebühr von 23 Pf. zu entrichten ist, kann auch durch Fernsprecher oder schriftlich beim Postamt bestellt werden. Post­karten oder einfache Zettel genügen hierfür: sie können unfrankiert in die Briefkasten gelegt, oder den Zustellern mitgegeben werden.

** Weihnachts- und Reuiahrspost- karten. Gedruckte einfache Weihnachts- und Reu'ahrspostkarten, die in Größe, Form und Padierstärke den Bestimmungen für Postkarten en'suchen und ohne 3.1m'chlag versandt werden, un erlieg n einer ermäßigten Gebühr. Auf d'esen Karten dürfen außer den Absenderangaben (Ab­sendungstag, Rame, Stand und Wohnort nebst Wohnung des Absenders! noch weitere 5 Wör­ter, die mit dem gedruckten Wortlaut im Zu­sammenhang stehen müssen, handschriftlich hinzu­gefügt werden. Als solche zulässigen Rachtragun­gen gelten z. B. die üblichen Zusätzesendet", Ihre",Dein Freund", sendet Dir", sendet mit besten Grüßen Ihre" usw. Die Gebühr beträgt sowohl im Ortsbereich des Aufgabeorts, a's auch im innerdeutschen Fernverkehr, sowie im Verkehr mit der Freien Stadt Danzig, Litauen und Me­melgebiet, Luxemburg und Oesterreich für e:n- fache Karten (ohne Umschlag versandt) 3 Pf, für Karten in offenem Umschlag bis 20 Gramm 4 Pf.

Amtsgericht Gießen.

Daß auch an sich harnlos erscheinende Unter­haltungen unter vier Augen und dabei fallende gelegentliche Aeußerungen, namentlich wenn sie irgendwie m't Politz k zusammenhängen, bei man­gelnder Vorsicht leicht gerichtliche Rachspiele zur Folge haben törnien, bewies eine der letzten Ge­richtsverhandlungen. Ein Schlosser in der Um­gegend hatte sich in einem Fabrikraum in Ab­wesenheit Dritter mit einem anderen über die Gehaltsverhältnisse der Gewerkschaftsangestellten unterhalten und dabei die Aeußerung getan, der Gießener Kreisleiter der RSD-AP. beziehe einen Monatsgehalt von 433 Mark. Dies war nicht erweislich wahr. Ein Versuch, den Wahrheitsbeweis zu erbringen, wurde auch gar nicht gemacht. Doch erschien es von vornherein ausgeschlossen, daß die Aeußerung wider besseres Wissen geschehen war. Der Kreisleiter, ein viel­beschäftigter Veterinärarzt in der Umgegend mit guten Einnahmen, auch Landtagsabgeordneter, fühlte sich durch die Aeußerung in seiner Ehre gekränkt und in der öffentlichen Meinung herab- gewürdigt. Er strengte Privatklage an, da er der Ueberzeugung war, aus der Aeußerung sei zu entnehmen, er, der Privatkläger, lasse sich seine politische Gesinnung bezahlen und nütze seine im Interesse der Partei geübte Tätigkeit ru deren finanziellen Schaden pekuniär aus; die Kränkung sei um so schwerer zu bewerten, weil er gut situiert sei und derartige Rebeneinahmen durchaus nicht bedürfe. Das Gericht hat in der Aeußerung eine Beleidigung erblickt; sie wiegt, objektiv betrachtet, auch schwer; doch handelt es sich anderseits nur um ein dem Beschuldigten zufällig zu Ohren gekommenes Gerücht, das er gelegentlich eines Zwiegesprächs ohne Absicht einer Beleidigung diese ist nicht etwa Voraus­setzung der Strafbarkeit der letzteren gutgläubig weitergegeben hat. Der Privatkläger beanspruchte

auch einen erhöhten Ehrenschuh gemäß Kapitel 3 § 1 bis 3 der Rotverordnung, Teil VIII vom 9. De­zember 1931. Das Gericht erachtete aber die Vor­aussetzung für die Anweisung dieser Gcsehesstelle nicht für vorliegend: der Privatkläger stehe zwar im öffentlichen Leben, die Beleidigung sei aber keine öffentliche gewesen. Strafe: 2 0 Mark G e l d st r a f e wegen Beleidigung im Sinne des §186 StDBs.

An der Kläranlage" stand ein Rationakfozia- list, der die ständigen Belästigungen durch dortige Kommunisten müde war. im Begriff, in die Innenstadt auszuziehen.^Cr selbst war beim Um­zug nicht anwesend, hatte aber seiner Ehefrau vier Helfer geschickt. Sofort als der Umzug bekannt wurde, f ammelten sich etwa 50 Leute, meist Kom­munisten, vor dem Hause, darunter die drei An­geklagten, ein 19jähriger Arbeiter, eine vielfach, zum Teil schwer vorbestrafte Ehefrau, sowie

deren ebenfalls vorbestrafte ledige Schwester. Daß die nunmehr folgenden Verunglimpfungen einen politischen Einschlag hatten, ergab sich aus den Zurufen aus der Menge heraus, die ahe auf die RS DAP. gemünzt waren. Deshalb fand bei der Bestrafung auch § 12 der Verordnung des Reichs­präsidenten gegen politische Ausschreitungen vom 14. März 1932 Anwendung. Ramentlich die au3- ziehende Ehefrau wurde von den beiden ange- klagten Frauen auf das Gemeinste beschimpft: sie wurde wider die Wand gestoßen, ihr ins Gesicht geschlagen und dergleichen mehr. Dem einen Packer ging es nicht besser; doch setzte sich dieser zur Wehr. Als die Frau nach der Polizei gehen wollte, wurde sie mit Gewalt daran ge­hindert. Der Arbeiter und die angekiagte Ehe­frau erhielten eine Gefängnis st rafe von je zwei Monaten, derer. Schwester erhielt eine solche von sechs Wochen.

Bücher unter dem Weihnachtsbaum

Neue Kalender.

Athenaion-Kalender .^Kultur und Natur" 1 9 33. Als Abreißkalender eingerichtet, mit einem farbigen Titelbild nach einem Gemälde von Willi ter Hell und 220 Abbildungen in Doppel- tondruck. Mit einem originellen, unterha.tenden Preisausschreiben im Werte von 1000 RM. Preis 2,40 RM. Akademische Berlagsgesellschaft Athenaion m. b.H. Potsdam. (522.) Inhaltsreich und billig präsentiert sich der Kalender in geschmackvoller Ausstattung, als ein freundlicher, anregender Be­gleiter für jeden Tag des Jahres. Wissenschaftlich­keit, Schönheit und Zweckmäßigkeit sind sinnvoll in ihm vereinigt und werden in mannigfacher Ab­wandlung, lebendig und fesselnd, mit Geist und Laune in Wort und Bild dem Beschauer und Leser bargeboten. Eine Fülle interessanter Kunstdruck­bilder aus allen Gebieten des Lebens verleiht dem Kalender Reiz und Wert. Die Bildunterschriften sind zu kleinen, aber erschöpfenden Artikeln aus der Fe­der erster Sachkenner geweitet, mit Anekdoten, Sprüchen, Sprichwörtern, Reimen, Wetterregeln, mit willkommenen Gartenratschlägen bringt der Ka­lender eine Fülle der Anregung.

Köhlers Illustrierter Deutscher Kalender für 1 9 3 3 (Wilhelm Köhler Verlag, Minden i. W.) ist 224 Seiten stark, mit über 100 Abbildungen und einem farbigen Kunstblatt ge­schmückt und enthält eine Fülle interessanter Aus­sätze und Plaudereien und eine Reihe spannender, illustrierter Erzählungen. Der Landwirt findet bas vollständige Verzeichnis der Messen und Märkte, interessante Schaubilder, auch eine Wettervoraus­sage für 1933. Preis 70 Ps. (335)

Philosophie.

Dr. Max Ape 1: Einführung in die Philosophie, Reclams Univ. Bibliothek Nr. 718789, Leipzig 1932, geh. 105, geb. 1,45 Mk. (455) Das kleine Buch führt m.t großem pä­dagogischem Geschick und vorbildlicher Klarheit der Ausdrucksweise auf dem Wege historischer Darstel­lung in die Hauptprobleme der Philosophie ein. Mit besonderer Liebe ist die Philosophie Kants be­handelt. Aber auch über die gegenwärtige Laae der Philosophie berichtet der Verfasser. So erscheint diese Einführung wohl geeignet, jedem Leser den Zugang zu den Grundfragen der Philosophie zu öffnen und ihn auch an dem Geiste der philosophi­schen Bewegung der Gegenwart teilnehmen zu lassen.

Rudolf Kayser, S p i n o z a , B i l d n r s eines geistigen Helden. Wien-Leipzig, Phai, don-Verlag in Leipzig. (416) Zur 300. Wiederkehr von Spinozas Geburtstag Ist dieser Spinoza-Roman erschienen, der der historischen Ueberlieferung Treue bewahrt, aber mehr sein will als Biographie: Das Buch möchte in den Menschen Spinozahineinhorchen". Lebendig ersteht vor uns die Gestalt des großen und edlen Denkers, dessen Philosophie heute weniger um ihres metaphysischen als um ihres ethischen Gehaltes willenaituelll heißen darf. In einem Zeitalter tobender polit.scher Leidenschaften hat Spinoza Erhebung des Geistes über das Gewühl der Affekte gepredigt und vor- gelebt. Wer sein Leben war nicht das des abseits forschenden Gelehrten, es war erfüllt vorn Kampf um die Freiheit des Geistes gegen die Widerstände des ewig Gestrigen. Der verfemte Jude hat den Kamps mit Mut, Kraft und Würde geführt. Wir danken es Rudolf Kayser, daß er uns zur Selbst­besinnung diesen Kampf mit schriftstellerischer Be­redsamkeit und Darstellungskunst geschildert hat, mag auch die Warnung Gebhardts in seiner eben erschienenen kleinen Spinoza-Biographie,Spinozas Leben nicht zu sentimentalisieren" eine Warnung, die für Kayser zu spät kam dem Leser öfters bei der Lektüre in die Ohren klingen.

Dr. Carl Gebhardt, Spinoza, Reclams Univ.-Bibliothek Nr. 7193.94, Leipzig. Geh. 70 Pf-, geb. 1,10 Mark. (457.) Der als ver­dienstlicher Spinozaforscher feit langem bekannte Verfasser war wie kein anderer berufen, zum 300. Ge­burtstag Spinozas die Feder zu ergreifen. Er bietet uns hier in bescheidenem Gewände nicht bloß einen Auszug aus bisherigen Veröffentlichungen, sondern eine in sich abgerundete zum Teil auf allerneueste eigene Forschungsergebnisse gegründete überaus an­regende Biographie und Darstellung der Gedanken Spinozas, die jeden Verehrer des großen Philo­sophen aufs Nächste angeht.

Aus fremden Literaturen.

Selma Lagerlöf: Der verzau­berte Hof. Und andere neue Erzählungen. (Die kleine Bücherei", Bd. 5.) Albert Lan­gen erg Müller, München 1933. (401) Sei cl : leise Llnzufriedenheit einer Bäuerin mit ihrem Los, die aus seltsame Weise geheilt wird: sei es das stille, freundliche Glück eines buckligen Mädchens in seinem Umgang mit kranken Tieren: oder sei es ein Stück Leben und Schicksal voll her­bem Entsagen: za lauterem Gold wird, was die Hand dieser Dichterin berührt, denn Selma La­gerlöf umgibt es mit dem Geheimnis aller gro­ßen Dichtung, die aus dem Kleinsten und Un­scheinbarsten ein ewig Gültiges formt.

John Galsworthy: Die Ersten unddieLetzten.PH. Reclam Verlag, Leipzig. Preis geb. 0,75 Wk. (458) Ein kriminalisti­scher Stoff wird hier durch die Erzählungskunst Galsworthys, des jüngsten Nobelpreisträgers, den spannenden novellistischen Aufbau, die tiefe psy­chologische Durchdringung zum wahrhaften Kunst­werk gesteigert. Die scharfen Gegensätze, in denen Galsworthy zumeist arbeitet, geben der Handlung das Gepräge. Zwei Brüder, Keith und Lawrence Darrant, stehen sich gegenüber: Keith, der stahl­

harte, unerbittliche Rechtsanwalt, Hüter des Ge- setz'es und Lawrence, der jüngere, ein weicher, schwacher Mensch, der sich in die zwanzigjährige Wanda verliebt, die aus Rot zur Dirne wurde. Aus Rotwehr erwürgt Lawrence ihren viehischen Gatten, einen Mädchenhändler. Aus Liebe zum Bruder und aus Angst vor der Gefährdung seiner eigenen Karriere sucht Keith Lawrence zu retten. Lawrence und die mit ihm in den Tod gehende treue Geliebte lassen sich nicht retten. Keith, die Stühe des Rechtes, wird zum Rechtsbrecher, Law­rence, der Totschläger, und Wanda, die Dirne, wandeln sich in der echten, tiefen Reinheit ihrer Gefühle aus denLetzten" in dieErsten"

Io van A m m e r s - K ü l l e r. Der Apfel und Eva. Roman aus dem Hcll indischen. Deutsch von Eva Schumann. Gebd. 5,o0 Mk. Carl Schü­nemann, Verlag, Bremen. (503) Das Buch führt uns in die große Welt, unter die Passa­giere eines Luxusdampfers, in große Hotels und in das phantastische Getriebe eines Pariser Mode­hauses. Die Erzählung selbst ist elegant und gra­ziös. Aber das Eigentliche liegt tiefer. Worum es inDer Apfel und Eva" geht, sind die Leiden, die Kämpfe und das wahre Glück der modernen Frau, die ein eigenes Leben führen, selbständig als geistiges und gesellschaftliches Wesen sein will, und die doch als Frau gebunden bleibt an die Instinkte des Weibes und der Mutter. Sie zeigt die Schwierigkeiten, denen die moderne Frau in der Ehe begegnet, und läßt ihre Helden zum Schluß den Weg finden, den jede Frau zu allen Zeiten zum Glück führt.

Zugendschristen.

Im Verlag I. F. Schreibe^ Eßlingen a. R., erschien ein hübsches Bilderbuch:Leckerl i. Die Geschichte einer süßen Puppe. Verse '/on Gerdy Strieber. Bilder von Elsbeth Iähnichen. 1.90 Mk. Beachtung beanspruchen ferner Schreibers lustige Malbücher:Die Eisenbahn". Ein Malbuch von Wilh. Bertz, mit Figuren zum Aus­schneiden und Auf stellen. 0,55 OTai-f; mit Pinsel und Farben 0,90 Mk.Reues Landschaftsmal­buch". Von Karl Rohr. 0,93 Mk.Retzmalbuch". 0,90 Mk.Allerlei aus dem Tierlebär". Zwei einzeln käufliche Hefte zu je 0.63 Mk. Die vor­treffliche Sammlung Schreibers Beschäftig gungs- und Arbeitsbücher wurde um zwei weitere Hefte vermehrt:Mir bauen uns Eegelflugzeugmodelle". Praktische Winke mit Konstruktionszeichnungen für den Bau. Von Ing. Fritz Hohrn. 1,10 Mk. Rr. 90:Wir fliegen mit unserem selbstgebauten Segelflugzeug". Aach der genauen Anleitung und den Konstruktionszeich­nungen von Ing. Fritz Hohm. 1,35 Mk. Die weitverbreiteten Technischen Modellierbogen und Modelliermappen bringen: 2 Togen., BMW Mo­torrad mit Beiwagen" 50 Pf., 3 BogenPro­peller-Schwebebahn" 75 Pfg., 3 BogenDornier-- Derkehrsflugzeug Do K 75 Pf 5 BogenSin- Hel ts - Schnellzugs - Lokomotive der Deutschen Reichsbahn 1,25 Mk., 5 BogenRiesenkran" 1,25 Mark. Allen Modellierbogen ist ein 1530 Mk.- Preisausschreiben mit Preisaufgabe beigegeben. Es kommen 575 wertvolle Preise zur Verteilung. Die Aufgabe ist leicht. (490.)

Leonhard Roggeveen, Das Ge­heimnis des Bram Vingerling. Die merkwürdigen Abenteuer eines Schülers. Groß­oktav. 190 Seiten. Mit farbigem Vollbild von F. Barlog und 33 Testbildern von Willy Eoertzen. In Ganzleinen mit farbigem Schuhumschlag 4 Mk. Herold-Verlag Levy & Müller, (Stuttgart. (364.) Bram Dingerling ist wirklich ein Glücks­kind. Er. gerade er erhalt den Preis, den das Gymnasium am Schutzahrschluß dem besten Schü­ler ausseht. Aber nicht genug, durch den Kauf einer alten Taschenuhr, die Bram für seine phy­sikalischen Basteleien benötigt, kommt er einer ge­heimnisvollen Erfindung auf die Spur, die den Fünfzehnjährigen plötzlich zu einer berühmten Persönlichleit macht. Technische Wunder, eine Radio-Detektiv-Geschichte, eine rasende Autofahrt wechseln ab mit den merkwürdigsten Abenteuern und Begebenheiten.

Adele Elkan, An der schönen blauen Donau. Eine Iohann-Strauß-Er- zählung für junge Mädchen. 256 Seiten. Mit Buchschmuck von G. Abel. In Ganzbatist mit far­bigem Schuhumschlag 4 Mk. Herold-Verlag Levy & Müller, Stuttgart. (363.) Die neue Er­zählung der bekannten Schriftstellerin spielt in Wien zur Zeit von Johann Strauß. Wiener Musik, Wiener Walzer, Wiener Mädel ... Aus allen Seiten dieser heiteren und beschwingten Erzählung klingt es uns wie im Dreivierteltakt entgegen, der die Herzen schneller schlagen läßt.

Josephine Siebe, D i e kleine Mamsell Pfefferkraut. Eine Erzählung aus der Zeit der Befreiungskriege für junge Mädchen. 96 Seiten. Mit farbigem Titelbild von Erich M. Simon und 10 Textbildern von R. Werner. In Ganzleinen mit farbigem Schutz» Umschlag 2 Mk. Herold-Verlag Levy & Müller, Stuttgart. (360.) Malvine Kraut ist, was ihren äußeren Menschen anbetrifft, stiefmütter­lich bedacht worden. Ihre Häßlichkeit, verbunden mit einem schlagfertigen Mundwerk, haben ihr den SpitznamenMamsell Pfefferkraut" ein­getragen. Aber das Herz sitzt ihr auf dem rechten Fleck und ist voller Güte und Liebe. Allezeit hilfsbereit, steht sie gern jedem mit Rat und Tat zur Seite, tröstet und greift tatkräftig ein, wo es nötig ist. Llnd wo war es damals nicht nötig, schrieb man doch die für Deutschland so schweren Jahre 1812/1813. So erwirbt sie sich in der Sturm-eit allgemeine Achtung und Liebe, und fühlt sich glücklich und reich, die kleineMamsell Pfefferkraut"!