Hr.139 Erstes Blatt
Donnerstag, 16. Juni (932
(82. Jahrgang
Macdonaid eröffnet die Konferenz von Lausanne
Hitler spricht in Darmstadt
grüßungsworten bcntm wies
schastskonseren; geeinigt hallen. Ls wurde sich also nicht mehr lediglich um eine Hilfsaktion sür die Donau- und Dalkanstaaten handeln. kNacdonald halle r» sür unerläßlich, sehr rasch Vorzüge h e n und möglichst bald zu praktischen Schluh- solgerungen zu gelangen. Vie Konserenz von Lausanne, die durch diese neuen Maßregeln eine erhöhte Bedeutung annähme, würde sich unter diesen Umständen über den 1. Juli hinaus hinziehen.
Macdonaid
die Konferenz im Schatten der
Annahme von Snzetae» sür die lagesnummer ote zum Nachmittag vorher.
Preis für ( mm höhe sür Anzeigen von 27 mm Brette örtlich 8, auswärt, 10 Neichopsennig: für R*- klameanzeigen von 70 mm Brette 35 Neichspsennig, Platzvorschritt 20*. mehr.
Chefredakteur
Dr. Friedr. Wilh. Lang«. Verantwortlich für Vohtifc Dr. Fr Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H Ikyriot; sür den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen.
renz zu
europäischen Wirt-
Oie innerpoliiische Notverordnung.
Umfassendes Kontrollrecht des Reichsinnenministers gegenüber den Verbänden
Oie erste Sitzung.
Lausanne, 16. Juni. <WTB. Funkspruch.) Die feierliche Eröffnungssitzung der Lausanner Konferenz begann heute vormittag 10 Uhr in dem Re- naissancesaal des Hotels „Beourivagc". 21 n einem hufeisenförmigen Tisch hatten zur Linken des Präsidenten Mardon ald die Mitglieder der englischen Delegation, die Minister Chamberlain, Samuel, Simons u. Runciman, an- schließend die deutschen Delegierten Reichs- kanzler von Papen, Reichsauhenminister Frei- herrvon Neurath, Finanzminister Gras von Schwerin-Krosigk und Wirtschastsminister W a r m b o l d , zur Rechten die französischen Delegierten Ministerpräsident H e r r i o t. Fi- nanzminister Germain -Martin, Handelsmini- ster Julien Durand, ferner die italienische Delegation mit Grandi an der Spitze, Platz genommen. An den beiden Längsseiten schlossen sich zur Linken die Abordnungen Japans, Australiens, Kanadas, Griechenlands, Portugals und Iugo-
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3,057 1JO,»8 76,« 84,22 78.« 15,4 0,343
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'-AS, Dagdc- richt der Mrbach- ging der Kvnzern- lill. dz zurück. Dai Dar, abgesehen von ibfahsteigcrung auf- Zn Etcinlai, betrug Proz, in Mlestch Proz, in Shloma- Brom sogar 45 Pror en niedriger als im (e waren die Prei'r iebe Haden jufric« n des Absahrück- eingelegt und ein- tote Mgelegt wer- S waren 394 Ange- chästigi. Die Odlor- ZroduktionSjahre aus i Proz. der deutsch«
und die einzelnen Stände seien voneinander isoNert worden.
Die neue nationalsozialistische Bewegung habe aus der Erkenntnis der Wurzel des Niederganges eine neue Sammlung des deutschen Menschen versucht. Sie wolle ihn heraussühren aus öi-in alles zerstörenden Zwiespalt zwischen internationalem Sozialismus und bürgerlichem Nationalismus. Der Nationalsozialismus appelliere an die Seele des Deutschen, nicht an den Bürger und seine Instinkte, nicht an den Proletarier und seine Vorurteile, nicht an den Angestellten oder den Bauern, er fordere die Verbindung von Hand und Kops, wirtschaftlich die Beseitigung des reinen Export- und Importgedankens.
Aus den bisherigen Dersolgungen und Blutopfern sei bereits ein n e u e’r Kern zusammen- geschmolzen, um den sich das Volk schare in dem Ringen um das ganze Deutschland. Die Hessenwahl sei nur ein Abschnitt aus dem großen Kamps des Nationalsozialismus um den deutschen Menschen. Was das Glück Deutschland nicht beschert habe, das scheine jetzt die Zeit der Not zu erzwingen, nämlich die Erkenntnis, daß ein Volk nur dann verloren sei, wenn es sich selbst aufgebe. Der Nationalsozialismus ringe um ein Deutschland der Einheit, der Größe, der Sittlichkeit, und des sozialen Glückes des einzelnen Menschen.
^tanlhi^L
Darmstadt, 15. Juni. lWSN.) Die National- sozialisten veranstalteten heute abend in der alten Radrennbahn in der Heidelberger Straße eine große Wahlkundgebung, zu der sich etwa 3 5 0 0 0 Personen eingesunken hatten. Adolf Hitler erklärte, oft von Beifall unterbro- chen, es sei ein wunderbares Bild, das Deutschland heute biete, denn ein Volk, von dem seine Gegner bisher angenommen hätten, daß es versunken sei in Verzweiflung, Verzagtheit und Hoffnungslosia- keit, besinne sich wieder auf sich selb st. Der Nationalsozialismus sei keine parteipolitische Bewegung, keine parlamentarische Erscheinung, wie es von den Gegnern oft dargestellt werde, die Bewegung hebe sich ab von allen anderen durch ihre fanatische innere Begeisterung, durch ein neues Vertrauen zum deutschen Volk und seine Zukunft.
Die letzten 14 Jahre hätten bewiesen, daß die bisherigen Machchaber nicht in der Lage waren, ihre Versprechungen, die sie jedem einzelnen Stand gemacht hätten, einzulösen. Das Versagen der Regieren- den sei nicht Schicksalsfügung, sondern schuld seien ihre menschlichen Schwächen und politischen Fehler gewesen. Die Opferung der Ehre, der Kraft und der politischen Gröhe Deutschlands habe auch zur Opferung seiner wirtschaftlichen Existenz geführt. E i n Trümmerhaufen sei allein übrig geblieben
reich behaupten konnte. Aber je mehr dieser Wettbewerb anderer amerikanischer Massenproduktionen im Verein mit der Verschlechterung der Wirtschaftslage den ganz breiten Markt, den Ford unbedingt braucht, in wachsendem Maße verengte, desto stärker ging die Erzeugung seiner Fabriken zurück, desto schwieriger wurde es für ihn, ausreichende Gewinne herauszuwirlichaften. Zur Zeit bauen feine 'Werke kaum mehr 1OOO Kraftwagen täglich. Das ist nur noch der achte Teil ihrer früheren Höchsterzeu- Sung! Man sagt, daß sie bei den gegenwärtigen bsagmengen ihre Unkosten nicht mehr erarbeiten können, die durch die abermalige Umstellung auf den neusten Fordwagen, wie es heißt, um 50 Millionen Dollar erhöht worden sind. Wenn sich Henry Ford jetzt gezwungen sieht, gegen seine bisherigen Grundsätze Bankkredit in Anspruch zu nehmen, so ist das ein Zeichen dafür, wie schwer er heute zu kämpfen hat, um sein Lebenswerk auf der Höhe zu erhalten.
Berlin. 16. Juni. (211.) Im Reichsinnenministerium fand am Mittwochnachmittag eine Konferenz statt, in der den Vertretern der Länder die innerpotitische Rotverordnung mitgetcilt wurde. Die Rotverordnung umfaßt sowohl die Aufhebung des SA.» und des Llniformver- b o t s wie die Reuregelung der Pressevorschriften, des Versammlungs-und Demonstrationsrechts usw. Die Vertreter der Länder haben sich, wie die .Vossische Zeitung" erfährt, in der Besprechung die Stellungnahme ihrer Regierungen Vorbehalten. Der Reichsinnenminister habe die Bedenken der süddeutschen Regierungen abzuschwächen versucht, indem er ausdrücklich versicherte, daß alle Reichsinstanzen zu sofortigem Eingreifen entschlossen seien, wenn in irgendeinem Teil des Reichsgebiets durch die neue Regelung Schwierigkeiten entstehen sollten und daß diese Entschlossenheit vor allem auch fürdie W i e d c r z u l a s s u n g der Uniformen gelte. Die neue Verordnung spreche nicht von militärischen Verbänden, sondern von »Verbänden, die in geschlossener Ordnung a u f t r e t e n" und verpflichte solche Verbände, ihre Satzungen auf Verlangen dem Innenminister mitzuteilen und sich Anordnungen des Innenmini sters zu fügen. Der Reichs- innenminister erhalte auch die Ermächtigung, ein- zugrcifen, sobald sich Unzuträglichkeiten Herausstellen. Don besonderer Bedeutung sei es, daß der
slawiens, zur Rechten die Belgiens, der Tschechoslowakei, Neuseelands, Polens und Südafrikas an. Eine große Zahl von Journalisten aller Länder und eine Anzahl Zuhörer aus dem Publikum vervollständigten die umfangreiche Versammlung. Nach Bebes fchweizerischen Bundespräsi-
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darauf hin, daß
bedenklichsten Wirtschaftskrise jufammentriffe, die
Innenminister auf Beschwerden hin in einzelnen Teilen des Reiches eingreifen und Sonderregelungen treffen könne Darin liege indirekt die Bestimmung, daß nicht die Landesregierungen direkt bei dem Auftreten von Schwierigkeiten eingreifen, sondern daß sie sich beschwerdeführend an den Reichs- Ihncnminiftcr w en den müßten, der dann entscheide und Anordnungen treffe. Don besonderer politischer Bedeutung sei es weiterhin, daß von der für die Verbände aller Parteien geltenden Regelung die Kommunisten ausdrücklich ausgeschlossen würden.
Die H a u p t ft r o f c bei Verstößen gegen die Verordnung bleibe d i e Auflösung von Verbänden. Bei den Bestimmungen über Versammlungen und Demonstrationen erhalte der Reichsinnenminister das Recht, eine Pflicht zur polizeilichen Anmeldung von Verfamm- jungen für einzelne Reichsteile anzuordnen. Er könne bestimmen, daß in einzelnen Reichsgebieten Versammlungen verboten oder von bestimmten Bedingungen abhängig gemacht werden. Bei Roheitsdelikten und bei Waffenmißbrauch würden neue,besonders schwere StrafVorschriften eingeführt.
Zeitungen und Zeitschriften könnten künftig nicht nur bei Gefährdung der Ruhe und Ordnung, fonbern auch bei Gefährdung „lebenswichtiger Stoatsintereffen^ verboten werden.
Zahlungen um sechs Monate zu oerlän- g e r n. — „pellt parisien" berichtet, daß der sronzösische Ministerpräsident h e r r i o t und der englische Premierminister Macdonaid sich nicht nur über den Vorschlag eines sechsmonatigen Ma- ratoriume, sondern auch über öle sofortige Ausgestaltung der Lausanner Konse-
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Handnoten.
Die Genfer Abrüstungskonferenz hat sich zunächst nun auch aus Eis gelegt. Ihre Delegierten, soweit sie irgendwie politisch orientiert sind, haben ihre Stqfler gepackt, um nach Lausanne auszuwandern. Denn die Entscheidung über das weitere Schicksal der ganzen Abrüstung ist zunächst in die Hände der Politiker ficlegt. Ein etwas beschämender AuSgang. Tat- ächlich ist die Arbeit der letzten beiden Konlercnz- nwnatc im luftleeren Raum erfolgt. Die verschiedenen Ausschüsse haben sich mit Ausnahme des „chemischen Ausschusses" nicht einigen können. Die Gefahr, daß die Konferenz also aufflog, war greifbar nahe, zumal nachdem die deutsche Delegation nun zu ihrem Gegenstoß ausgeholt und ihren Antrag über d i e qualitative Abrüstung eingebracht hatte. Sin sehr kluger Schachzug.
Die in den ^Interausschüssen niedergestimmten Anträge sind wieder ausgenommen und zu sammengesaßt, mit dem Grundsatz, daß ja an dem Berinller Vertrag die ersten militärischen Sachverständigen der Siegerstaaten mitgearbeitet haben, daß dort also der Extrakt dessen, was man als An- jriffs- und Verteidigungswaffe anfehen müße, zu- ammengefaßt fei und daß deshalb nur diese Betimmungen als Grundlage benutzt zu werden brauchen, um einen wesentlichen Fortschritt durch die qualitative Abrüstung zu erreichen. Herr Hqrriot ist darüber so nervös geworden, daß er schmucklos erklärte, Frankreich konnte keiner Maßnahme für die qualitative Abrüstung zustimmen, die von dem Versailler Vertrag als Grundlage ausgehe: ein indirektes Eingeständnis, dpß also alles, was bisher von den Siegerstaaten über die Bedeutung der deutschen Abrüstung gesagt worden ist, mit den Tatsachen nicht überein- ft i m m t
Der Konflikt schien also eigentlich unvermeidlich, als Ausweg wurde dann wieder die übliche Geheimsitzung des Konferenzbüros angesetzt, in der nun in irgendeiner Form die Bilanz gezogen werden muhte. Sie ist dahin gezogen, daß die Sachverständigen der Abrüstung ausgeschaltet werden und der Versuch gemacht werden soll, durch unmittelbare private Verhandlungen der Politiker die Grundlage für eine Verständigung zu finden. An Widerspruch gegen dieses Verfahren hat es nicht gefehlt. Die Spanier haben auf die Gefahr hingewiesen, daß dadurch ein allgemeiner Zusammenbruch der gesamten Abrüstungspolitik ei »geleitet werden könnte. Der Vertreter Portugals schloß sich diesen Bedenken an. Aber die Verlegenheit war so gioß, daß schließlich doch beschlossen wurde, den allgemeinen Ausschuß erst wieder einzuberufen, wenn aus den politischen Verhandlungen sich eine Grundlage der sachlichen Uebercinftimmung ergeben hat. Die Parallelschaltung der Abrüstung und der Reparationen ist damit vollzogen, die Voraussetzungen f ü reinen großen Kuhhandel sind also gegeben. Aber die Franzosen werden sich doch irren, wenn sie glauben, daß sie Deutschland damit mürbe machen können. Sie werden sich auch auf diesem Umwege nicht um die klare Entscheidung herumdrücken können, ob sie ernsthaft gewillt find, die Abrüstungskonferenz zu sabotieren oder an dem Versuch einer wirklichen Abrüstung ehrlich mitzu- arbeiten.
Man darf freilich die Beweglichkeit und Anpassungsfähigkeit dieses Mannes nicht unterschätzen. Er wird sicherlich Banken finden, die ihm genügend Geld zur Verfügung stellen, ohne ihm zunächst allzu schwere Sebingunyn aufzuerlegen. Gelingt es ihm bann, mit Hilfe dieser Bankkredite über die gegen- roärtige Depression hinwegzukommen, so wird er später die Bankgelder wieder abstoßen können. Das amerikanische Automobil ist kurzlebig und bedarf sehr bald der Erneuerung. Für den Fordwagen gift das ganz besonders. In ein oder zwei Jahren wird, wenn die Wirtschaftslage sich inzwischen bessert, wieder eine Riesennachfrage nach Automobilen in Amerika vorhanden fein. Wenn Ford bis dahin mit an der Spitze der Automobilprobuzenten burchhält, so wird er sich leicht aufs neue einen Mastenabsatz erobern können. In Krisenzeiten ist bie Hauptaufgabe, am Leben und wettbewerbsfähig zu bleiben« Qui vivra, verra.
Wenn Henry Forb jetzt gezwungen wirb, Bankkredit in Anspruch zu nehmen, um seine Fabriken in der Depression über Wasser zu halten, so gibt er damit ein Prinzip auf, dem er zweifellos in nicht viel geringerem Grade feinen Aufstieg verdankt als der billigen Massenerzeugung von Automobilen.
Man behauptet in Amerika schon seit einiger Zeit, daß Fords große und glückliche Zeit vorüber sei. Das ist ein Schicksal, das jeden großen Bahnbrecher neuer Ideen früher oder später zu treffen pflegt. Seine Konkurrenten haben ihm bie Geheimnisse seiner Erfolge abgesehen. Sie haben feine Leistungen so lange nachgeahmt, bis die Schüler schließlich dem Meister ebenbürtig, ja in manchen Dingen überlegen geworden sind Schon einmal hat deshalb Ford seine Werke schließen müssen, um nach eineinhawjähriger Produktionspause einen ganz neuen, vollkommeneren Wagen herauszubrfngen, mit dem er sich dann gegenüber der Konkurrenz der General Motors und Ehevrolet bisher erfolg-
ihre wirtschaftlichen Angelegenbeiten in Ordnung bringen können, ohne durch Krieg und Geschrei gestört au werden. .Mein Appell an diese Konferenz ist", so schloß Macdonaid, .aus unserem Beratungszimmer viele Vorschläge hcrvorgehen zu lassen, die durch ihren bloßen Eharakter die Unterstützung der ganzen Welt sichern."
Erweiterung
zur Wirtschafiskonferenz?
Nur fcd)enwiiatiflC6 Moratorium für Tcutschland?
pari», 16. Juni. (IDID. Funkspruch.) Die Son- derberichtcrstalter der sranzösischen Rachrichlcnpresse, die sich in Lausanne aushalten, melden heute gemeinsam, daß der Vorschlag gemacht werde, da» Deutschland gewährte Moratorium für die Reparation»-
1 ersten Dirrlchhr jeugung weiter von 'erkserzeugung ton '“)5ba(i5 gewählten Dch Zahlen schiäs. s. Allerdings habk rb eine bessere $f, auch für die nach. !ning anhallen. (h uni eine oorüber- Sin Umschwung der । ebenso in der k;- sei nicht erfolgt. Äe ufträge habe zuso^ nd dem allgemeinen sei bei den Zechen eitere» Absinlcn der Ausblick in die Zu-
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Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
Vrvlk vnd Verlag: vrühl'fche Univer^lair-Vuch- und Steinöruderel H. lange in Gieße 1. Schnflleinmg und Geschäftsstelle: SchulNraße 7.
Der große Umschwung in Amerika ist auch an dem weltbekanntesten Unternehmer der Vereinigten Staaten, an Henry Ford, nicht spurlos vor- übergegangen. Es wird sich jetzt erst zeigen müssen, ob sein in den Zeiten der „ewigen prosperity" zur ührenden Automobilfabrik der Welt gewordenes (nternehmen auch die Eigenschaft der Krisenwider- tandsfähigkeit in genügendem Maße besitzt, um i n chlechten Zeiten durchhalten zu können. Die eigenartigen Fabrikations- und Finanzierungsprinzipien, auf denen Henry Ford fein Lebenswerk aufgebaut hat, waren durchaus den Bedürfnissen und Möglichkeiten der H o ch k o n j un k t u r angemessen. Aber werden sie sich auch in der tiefen Depression bewähren, in bie Amerika nun eingetreten ist? Werden sie sich in einer Zeit geschwäch ter Kaufkraft und geschwächter Finanzkrast überhaupt aufrechterhalten lassen?
Henry Fords Grundgedanke war die Masse n s a b r i k a t i o n, die es ihm ermöglichte, feinen Kraftwagen zu einem so niedrigen Preise an den Markt zu bringen, daß ganz neue, breiteste Käufer- schichten für bell Automobilismus gewonnen werben konnten. Jedem Amerikaner fein Automobil! Das war das Schlagwort, unter dem es ihm gelang, seine Automobilerzeugung bis auf 8000 Wagen täglich zu steigern. Aber in einer Zeit, in der cs in den Vereinigten Staaten 10 Millionen Arbeitslose gibt, sind für solche Riesenmengen von Kraftwagen keine Käufer zu gewinnen. -Len gutbezahlten amerikanischen Arbeiter der Hochkon- innktur konnte Henry Ford mit Hilfe feines billigen Massenwagens zum Automobilisten machen. An dem arbeitslosen Proletarier, der auch drüben immer lauter nach staatlicher Unterstützung ruft, muß auch fein Genie scheitern.
'Aber auch bas andere Geschäftsprinzip Henry Fords, dessen Befolgung ihn groß und reich gemacht hat, wirb sich in ber Krisenzeit nicht auficchterhaltcn lassen, nämlich bas ber Unabhängigkeit vom Bankkredit. Ford hat stets betont, daß er deshalb so billige Automobile bauen könne, weil er nur mit eigenem Geld arbeite und seine gesamte Produktion selbst finanziere. Bankkredit führt notwen- digerweise dazu, daß ein Teil des Ertrags in Weltall von Zinsen dem Unternehmen entzogen wirb. Außerdem droht er den Produzenten früher ober später in Abhängigkeit von den Banken zu bringen.
jemals bie Welt in Friebenszeiten betroffen habe. „Die ganze Welt ficht auf uns", so führte er aus, „unb hat niemals von einer internationalen Konferenz früher f o dringend Abmachungen erwartet, die zur Beseitigung ber bestehenben Notlage beitragen können. Lor kurzem hat bas Wirtschaftskomitee bes Lölkerbunbes uns barüber unterrichtet, baß dcrWertdesinternationalenHan- b c l s heute nur noch bie Hälfte oder vielleicht weniger als bie Hälfte besten ausmacht, was er zu Anfang 1929 betrug, daß bie Zahl ber Arbeitslosen s i ch mehrals verboppelt hat unb 20 bis 25 Millionen Menschen heute ohne Arbeit sind, und daß diese Lage täglich schiech- t e r wird. Ich lege Wert daraus, zu betonen, daß es sich um eine Weltkatastrophe handelt. Es kommt nicht auf die Richtung der Regierung an,, die an der Svitze steht. In jedem Falle verfällt ber -Staat in Armut, unb bas Einkommen der Völker ist vernichtet. Die Hilfe, bie bie Gemeinschaft dem einzelnen geben kann, muh vermindert werben, bie Lebenshaltung, bie der einzelne führt, nimmt ab, unb um feine Finanzen zu schützen, hat ein Staat nach dem anderen Einschränkungen bes Außenhanbels vornehmen müssen, bie unvermeiblich dazu beigetragen haben, bie Abbröckelung zu verschlimmern, in sich bie Völker befinden."
Man habe heute einen Teil der Urfachen dieser Notlage zu behandeln, eine bringende Frage: die finanzielle Erbschaft des Krieges. Ihre Wirkung auf die Weltwirtschaft müsse durch ein Abkommen liquidiert werden Dies könne nicht das Ende der staatsmännischen Arbeit fein aber ein wirksamer Beginn. Ein Grundsatz sei sicherlich sehr klar der Konferenz unbreitet: feierlich eingegangene Verpflichtungen könnten nicht durch einfeitige Verleugnung befcitigt werden. Aber dieses Prinzip werde, wie er überzeugt sei, von niemand angefochten. Diesem Prinzip stehe aber die Notwendigkeit gegenüber, Verpflichtungen, die sich als unerfüllbar erwiesen hätten, ju re- vidieren Wir müssen die destruktiven Einflüsse im ganzen beseitigen. Wenn wir das tun, so kann Europa nicht allein handeln Die Einheit ber Menschheit ist heute mehr als ein Schlagwort unb es hat eine außerorbentliche praktische Bebcu- tung. Dir können beshalb alle bie Zusicherung willkommen heißen, baß nach Ueberroinbung ber gegenwärtigen Phase bie Vereinigten 5 t a a- t e n uns zu bem Glauben ermutigt haben, baß sie bei ber Prüfung einiger weiter gesteckter Probleme Mitarbeiten werben unb sich mit uns Der- einen werben, um eine Politik für die Aufrechterhaltung der Zivilisation zu schaffen.
Der Erfolg in Lausanne kann nicht voll geerntet werden ohne Erfd 1 g in Genf. Wenn man die wirtschaftlichen Schwierigkeiten überwinden soll, die uns hier hauptsächlich beschäftigen, so muß eine Periode wirtschaftlicher Ruhe gewährleistet werden, in der die Völker


