Ausgabe 
16.6.1932 Erstes Blatt
 
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Erläuterungen zur Notverordnung.

Berlin, 15. 3uni. (CND.) Amtlich, lieber die gestern veröffentlichte Notverordnung sind in der Öffentlichkeit verschiedentlich Unklarheiten entstanden. Amtlich wird betont, daß für die Durchführung der Bedürftigkeits- Prüfung, die jetzt auch auf die Krisenempfän­ger ausgedehnt worden ist, keinerlei neue Behörden geschaffen werden sollen. Dies er­übrigt sich schon deshalb, weil die Krisenfürsorge nur dann eintreten darf, wenn in den einzelnen Fällen die betreffende Gemeinde die Hilfsbedürf­tigkeit des Unterstützungsempfängers bestätigt hat.

Unrichtig sind weiter Meldungen über die Rentenkürzungen in der Reichsver­sorgung durch die neue Notverordnung. Un­richtig ist insbesondere, daß die bisherigen Ren­ten aller Leichtbeschädigten neu um 20 v.H. gekürzt werden, daß alle Kinderzulagen und Waisenrenten mit dem 15. Lebensjahr Wegfällen. Die neue Kürzung um 20 v. H. trifft nur d i e kinderlosen Leichtbeschädigten: diese erleiden damit lediglich die gleiche Kürzung, die bisher schon die Leichtbeschädig­ten mit Kindern betroffen hatte. Die Kin­derzulagen und Waisenrenten können künftig b e i Berufsausbildung auch über das 15. Lebensjahr hinaus, bei Waisen und Kin­dern Schwerbeschädigter bis zum 21. Lebensjahr gezahlt werden. Bei Kindern Leichtbeschädigter soll die Weiterzahlung unter gewissen Voraussetzungen b i s z u m 18. Lebensjahr ermöglicht werden. Mit dieser Aenderung ist der Zustand beseitigt, dah die Kinder selbst dann bis zum 18. Lebensjahr berücksichtigt werden, wenn sie schon in Ar­beit und Verdienst stehen, und eine ge­wisse Angleichung an die Sozialversicherung er­reicht, in der diese Angleichungen ausnahmslos mit dem 15. Lebensjahr enden.

In der neuen Notverordnung ist in dem Abschnitt über die Wohlfahrtshilfe die Rede davon, daß 20 Millionen für den freiwilligen Arbeitsdienst cmfge- wandt werden sollen. Vom Reichsarbeitsministerium wird dazu mitgeteilt, daß diese 20 Millionen nicht etwa zur allgemeinen Finanzierung des freiwilligen Arbeitsdienstes die­nen, sondern an die Gemeinden zum Aus­gleich der Ko st en überwiesen werden sollen, die diesen für die Durchführung des freiwilligen Ar­beitsdienstes bei Wohlfahrtsunterstüt­zungsempfängern entstehen.

Für das Arbeitsbeschaffungspro- g r a m in find 60 Millionen für Durchführung von Straßenbauarbeiten, 50 Millionen für I Wasser ft raßenbau und 25 Millionen für | landwirtschaftliche Meliorationen zu verausgaben. Dieser Betrag von istsgesamt 135 Mil­lionen soll dadurch aufgebracht werden, daß die Reichsunternehmen durch AusgabevonHan. d e l s w e ch f e l n, die sie aufeinander ziehen, und die dann bei der Reichsbank diskontiert werden sollen, die notwendigen Beträge flüssig machen.

Oie Städte fordern Verlänge­rung der Bürgersieuer.

Widerspruch des Ncichsfinanzministcriums

Berlin, 16. Juni. (TU.) Der Deutsche Städte- tag weist darauf Hin, daß der Fehlbetrag der deut­schen städtischen Haushalte für das 3ahr 1933 die Summe von 750 Millionen Mark erreichen würde. Die Erhöhung der Reichshilfe von 230 auf 680 Millionen, also um 450 Millionen, bringe zwar eine fühlbare Erleichterung, jedoch verblieben immer noch 3 0 0 Millionen Mark, die durch Einsparungen an den Ausga­bennichtaufgebracht werden könnten. Auch die Erhöhung der Einnahmen sei durch die Real­steuersperre nur in beschränktem Maße möglich, so daß aus die Bürger st euer wohl nicht vernichtet werden könne. Die Auffassung, daß die Erhebung der Bürgersteuer durch die neue Notverordnung nicht mehr möglich sei, sei nach Ansicht des Städtetages irrig, da die Entscheidung über die Weitererhebung dieser Steuer bei den Länderregie ru ngen liege. Auf die Dür- gersteuer könnten gerade die kleineren Städte nur schwer verzichten, da diese Steuer der einzige bewegliche Faktor ihrer Ein­nahmen sei. Dagegen wird vom Reichsfinanzmini­sterium erneut festgestellt, daß die Bürgersteuer sich auf reichsrechtliche Grundsätze stütze und aus diesem Grunde von der Ländern nicht ohne besondere Reichsermäch­tigung erhoben werden darf.

Die hessischen höheren Beamten zur Verufsnot des akademischen

Nachwuchses.

Der Landesverband Hessen des Reichsbundes der höheren Beamten beschäftigte sich, wie man uns schreibt, auf feiner letzten Bertreterversammlung auf Grund eines Referates des Anwärteroertreters ein­gehend mit der Frage, was zur Linderung der Not desJungakgdemikertums zu tun sei. Die Erörterung führte zu der grundsätzlichen Fest­stellung, daß die Not des akademischen Nachwuchses fein Bildungsproblem, sondern ein wirtschaft­liches Problem ist, dessen Lösung dem Staate obliegt. Den Berufsorganisationen kommt dabei nur eine beratende Aufgabe zu. Der Staat hat die Pflicht, für den berufsbereiten Nachwuchs, den er in be­amteter Eigenschaft beschäftigt und ausdrücklich als geeignet anerkannt hat, dadurch Unterbringungsmög- lichkeiten zu schaffen, daß er d i e Ueberlaftung der Beamten durch die Schaffung ge­sunder Arbeit sbedingungen beseitigt, alle Funktionen, die akademische Ausbildung voraus- fetzen, auch Akademikern überträgt und Kriegsteil­nehmer sowie verheiratete Anwärter vor den weib­lichen berücksichtigt. Vor dem verzweifelten und egoistischen Mittel einer Abriegelung der Laufbahnen durch eine völlige Sperre muß ernstlich gewarnt werden: jedoch sind einschränkende Maßnahmen wie schärf st e Auslese auf den Hochschulen und in der Berufsausbildung, Beschrän­kung der Zahl der in die Berufsausbildung aufzu­nehmenden Bewerber und Uebernahme in das An­wärterverhältnis nur nach dem Bedarf zu fordern. Für die diesen Ausleseprozeß nicht bestehenden Be­werber und für den Ueberschuß an studierender Fu­gend ist ein neuer Arbeitsraum bereitzu­stellen, der innerhalb des für die gesamte deutsche Fugend zu schaffenden neuen Lebensraumes liegt (Vermehrung des Heeres, Arbeitsjahr, Siedlung). Fn der ernsten und von tiefer Anteilnahme an der Not der Fugend getragenen Erörterung wurde immer

Sozialversicherung und Arbeitslosen- fürsorge in der neuen Notverordnung.

Erläuterungen des Neichsarbeiisministeret Schaeffer.

Berlin, 15. Juni. (WTD.) 3m Rahmen der der Reichsregierung vorbehaltenen Rund­funkstunde sprach nach einem kurzen einleitenden Vortrag des Reichsinnenministers Freiherrn v. G a y l Reichsarbeitsminister Schaeffer über den sozialen 3nhalt der Notverordnung. Der Minister wandte sich dann den Gefahren in der Sozialversicherung zu, die zunächst von den wach­senden Deitragsverlusten kommen. Es wäre un­gerecht, für diese Deitragsverluste die Versiche­rungsträger verantwortlich zu machen. Die Ver­luste stammten aus dem allgemeinen Niedergang der Wirtschaft. Die Sozialversicherung dürfte aber ihre schicksalsmähige Verbindung mit der Wirtschaft nicht vergessen. Bei Wiederaufbau der Sozialversicherung nach der 3nflation haben die Dersicherungsbenuher nicht immer das rechte Augenmaß für die wirklichen Größen- verhältnisse gehabt.

Der echte Wert der Rentenversicherung be­mißt sich nicht nach der Höhe der Renten. Er liegt vielmehr in der dauernden Lei­stungsfähigkeit der Versicherungs­träger. Die notwendige Voraussetzung dafür ist, daß die Leistungen auf das rechte Maß zurückkehren. Die Notverordnung kürzt die Renten um der Sozialversicherung wil­

len. Für den Spargedanken wird die Rückbildung bei den Leistungen sämtlicher heilsamer sein, als die Fortdauer des Mißverhältnisses zwischen Bei­trägen und Leistungen. Die Sozialversicherung muß nicht bloß sozial, sie muß auch wirt­schaftlich denken.

Nicht weniger dringlich ist die Anpassung der Vorschriften über die Arbeitslosenhilfe an die Lage des Arbeitsmarktes. Die Regierung hat eine Durchschnittszahl von sechs Millionen Arbeitslosen ihren Berechnungen zugrundegelegt. Die Reichsregierung ist bei aller grundsätzlicher Anerkennung des Versicherungsgedan­kens der Heberzeugung, daß schon aus zwingen­den finanziellen Gründen das fürsorge­mäßige Element der Arbeitslosenhilfe heute stärker betont werden muß als bisher. Demgemäß hat sich die Regierung entschlossen, die Prüfung der Bedürftigkeit, die bisher schon in der Krisen­fürsorge vorgeschrieben war, den Grundsätzen an­zupassen, die hierfür in der öffentlichen Kirsorge gelten. Organisatorisch bringe die Neuregelung zwar nicht die Beseitigung der Dreiteilung, wohl aber würden die Reformen der Arbeitslosenhilfe in ihren Voraussetzungen und Leistungen weit­gehend einander angeglichen.

wieder betont, daß die geistige und wirtschaftliche Eingliederung der berufsbereiten Fugend in die Volksgemeinschaft eine der dringlich st en Auf­gaben der heutigen Staatspolitik darstellt.

Oer neue Kurs in Oldenburg

Der (Sauleiter der NSDAP, zum Minister­präsidenten vorgesehen.

Hannover, 15. Juni. (WTB.) Der Olden- burgische Landtag tritt am Freitag zu seiner Er- ösfnungssikung zusammen. Die n a t i o n a l so­zialistische Fraktion, die mit 24 von 46 Mandaten d i e absolute Mehrheit besitzt, hatte eine Fraktionssitzung, nach der bekanntgegeben wurde, daß die Nationalsozialisten als M i n i st e r- präsidenten für Oldenburg den Gauleiter Karl Roever Vorschlägen werden. Als Land­tagspräsident wird vorgeschlagen der Ab­geordnete Joel. Weiter werden die Nationalsozia­listen den Antrag stellen, die Zahl der Mi­ni st e r, die neben dem Ministerpräsidenten der Regierung angehören, von zwei aus einen herabzusetzen, so daß das künftige Ministe­rium nur den Ministerpräsidenten und einen Mi­nister umfassen wird. Weiter sollen die Mini­stergehälter auf 12000 Mark im Jahr ermäßigt werden. Da die Verringerung der Zahl der Minister von zwei auf einen oerfos- sungsändernd ist, wird die Wahl des Mini­sterpräsidenten er st nächste Woche stattfinden können, lieber die Person des zweiten Ministers ist vorläufig noch nichts bekannt. Es verlautet aber, daß die Nationalsozialisten unter Umständen den gegenwärtigen Finanzminister Miller als Fach­minister beibehalten werden.

Kleine politische Nachrichten.

3n der für die Reichsregierung vorbehaltenen Rundfunk stunde spricht am Donners­tag um 19 Uhr der Staatssekretär im Reichs­finanzministerium Dr. Z a r den überDie finan­ziellen Bestimmungen der letzten Notverordnung". Der Vortrag wird von sämtlichen deutschen Rund­funkgesellschaften übertragen.

Nach rund vierjähriger Dauer wurde der Pen­sionsprozeh des ehemaligen Führers der Marinebrigade Kapitän Ehrhardt gegen den Reichsfiskus endgültig zugunsten Ehr­hardts entschieden. Es handelte sich für Ehrhardt darum, dem Reich das Recht abzustrei­ten etwaige Schadensersatzansprüche aus dem Kapp-Putsch gegen ihn geltend zu machen und gegen feine Pension aufzurechnen.

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Der Reichsarbeitsmini st er legte Ver­tretern der Arbeiter- und Angestell­tengewerkschaften den Standpunkt dar, den er in der Sozialpolitik und zu den Gewerkschaften im allgemeinen einnimmt und begründete zugleich die Notwendigkeit der sozialpolitischen Maßnah­men in der neuen Notverordnung. Darauf trugen die Vertreter der Gewerkschaften ihre Auffassun­gen, Besorgnisse und Wünsche vor. 3n der Aus­sprache bestand Uebereinstimmung darin, dah für die Vorbereitung sozialpolitischer Maßnahmen die Mitwirkung der Gewerkschaften nützlich und not­wendig ist.

Mit Zustimmung des Königs von Schweden verlobte sich der älteste Sohn des Kronprinzen, Prinz Gustav Adolf, mit Prinzessin S i - öylle von Sachsen-Coburg-Gotha, der Tochter des Herzogs Karl Eduard von Sachsen-Coburg-Gotha. Die Verlobung wurde im Schloß Callenberg bei Coburg bekanntgegeben.

Aus aller Welt.

Amerikanische Stiftungen für die Universität Göttingen.

Bei der Jahresfeier der Göttinger Universität teilte Professor Dr. Riecke in dem Jahresbericht mit, daß von amerikanischer noch unge­nannter Seite der Universität ein Vermögen gestiftet wurde, dessen Zinsen jährlich 100000 RM. betragen, die für d i e Krebsforschung verwandt werden müssen. Von der gleichen Seite wurde eine Summe zum Bau eines Erholungsheimes für Pro­fessoren und Studenten zur Verfügung gestellt. Die Rockefeller-Stiftung hat weiter 300 000 NM. zum Ausbau des Instituts f ü r orga­nische Chemie zur Verfügung gestellt.

Schwere Grenzverletzung in Graubünden. Italienischer Schmuggler auf schweizerischem Boden erschossen.

In Castasegna (Graubünden) hat sich ein schwerer Grenzzwischenfall abgespielt. Ein ita­lienischer Schmuggler war nach der Schweiz geflüchtet, um der Verfolgung zu entgehen. Als er auf einem Felde im Dienste eines Bauern aus Castasegna, bei dem er in Stellung getreten war, arbeitete, wurde er durch einen

italienischen Grenzwächter erschossen. Der Grenzwächter rief herüber, man solle die Leiche über die Grenze schaffen. Man benachrichtigte die schweizerische Polizei; die Leiche wurde nach Casta- fegna geschafft. In dem italienischen Heimatort des Erschossenen herrscht infolge dieses Vorfalles außer­ordentliche Erregung, und die Polizei hat alle Mühe, die Ruhe und die Ordnung aufrechtzuerhalten.

Lin rheinischer Großindustrieller mit der Jagd­flinte verunglückt.

Der 66jährige Geheime Kommerzienrat Max von Guilleaume, Mitinhaber der Kabelwerke Felten u. Guilleaume, Carlswerk A.-G. Köln-Mül- heim, wurde auf seinem Sommerfitz Haus Calmuth bei Remagen erschossen aus gefunden. Sein Diener, der sich in den oberen Räumen des Hauses aufhielt, hörte plötzlich einen Schuß; als er nach unten eilte, fand er feinen Herrn, den Kopf zur Seite geneigt, mit einer klaffenden Wunde am Tisch sitzend. Ein Schuß aus einer Jagdbüchse war mit solcher Wucht in die Stirn gedrungen, daß ein Teil der Schädeldecke sich abgelöft und die Fen­sterscheibe zertrümmert hatte. Offenbar hatte sich Herr Guilleaume mit seiner Jagdflinte beschäftigt. Er hatte kurz vorher mit seinem Förster eine Fahrt zum Anstand verabredet.

Todesurteil im Vombenattentäter-Prozeh in Rom.

Rom, 16. Juni. (TU.) Im Prozeß gegen die Bombenattentäter und ihre Helfershelfer, die einen Anschlag auf Mussolini geplant hatten, wurde vom Sondergericht zum Schutze des Staates am Mittwoch gegen 23.30 Uhr das Urteil gefällt. Der Hauptattentäter, der 29jährige Kaufmann B o - w o n e, wurde gemäß dem Antrag des Staats­anwalts zum Tode verurteilt. Sechs An­geklagte, darunter die österreichische Tänzerin Mar- aarete Blaha, wurden zu je 3 0 Iahren und zwei Angeklagte zu je zehn Jahren Gefängnis verurteilt.

Ein Schuß in der Belgischen Sammer.

Als die Belgische Kammer am Mittwochnachmit- tag gerade ihre Sitzung begonnen hatte, gab ein Tribünenbesucher von der zweiten Galerie herab einen Schuß ab. Das Geschoß streifte den unteren Westenknopf des sozialdemokratischen Ab­geordneten ilytfoever. Der Täter, der sofort von der Hauswache gestellt wurde, ist ein früherer städtischer Arbeiter, der nach dem Kriege entlassen wurde. Man hält ihn für g e i st e s g e st ö r k. Der Täter wollte sich an dem Äbgeordneten Uhtfoever rächen weil er glaubte, dieser habe sich in seiner Eigenschaft als Sekretär des betreffenden Arbeiter- shndikats seiner Interessen bei der Entlassung nicht genügend angenommen.

10 Wohnhäuser niedergebrannt.

3n Rappelsdorf (Schleusingenland) brach ein Schadenfeuer aus bisher noch unbekannter Ur­sache in der Scheune des Besitzers Karl Zentgraf aus. Der Brand griff bei dem herrschenden Winde schnell um sich. Bald standen 10 Wohnhäuser, mehrere Stallungen und 9 Scheunen in Hellen Flammen. Sämtliche Gebäude wurden trotz schnellem Eintreffen der Feuerwehren aus der ganzen Umgebung inSchuttund Aschege­legt. 7 Spritzen waren an der Bekämpfung des Feuers beteiligt; lebendes und totes Inventar ist in den Flammen umgekommen. 14 Familien sind obdachlos geworden.

Drei Schüler beim Baden ertrunken.

Drei Schüler im Alter von 1113 3ahren hat­ten trotz ausdrücklichen Verbots in der Nähe von Lille in der Lhs gebadet, als sie plötz­lich von der Strömung fortgerissen wurden. Trotz sofortiger Hilfe gelang es nicht die Knaben zu retten, da die Strömung zu stark war. 3n den Abendstunden gelang es, die Leichen der Knaben zu bergen.

21. Deutscher Feuerwehrtag irt Karlsruhe.

Als äußere Dokumentierung der Idee der Hilfs­bereitschaft in den deutschen Feuerwehren findet im Rahmen des 21. Deutschen Feuerwehrtages in Karls- ruhe am Sonntag, 7. August, ein großer Fe st z u g der deutschen Feuerwehren durch die Hauptstraßen der badischen Landeshauptstadt statt; er wird durch die Beteiligung mehrerer Kompanien der rühm- reichen Bürgerwehren, die als Vorgängerinnen der freiwilligen Feuerwehren im badischen Lande zu betrachten sind, in ihren schmucken Uniformen sowie durch die Mitwirkung der Reitervereine der Hardt ein besonderes Gepräge erhalten. Namentlich aus den. Schwarzwald und dem Kraichgau werden sich Bürgerwehren am Zuge beteiligen. Den Zug wird eine Abteilung berittener Polizei eröffnen. Ihr folgen drei Kompanien Bürgermilizen, dann Reitervereine, die zum Teil auf die übrigen Zugabschnitte verteilt werden. Den Hauptteil bilden die Massen der nach Verbänden gruppierten deutschen Feuerwehren zwi­schen denen die zahlreichen Feuerwehrkapellen in be­stimmten Abständen eingestreut sind. Der sehr statt­liche Festzug wird in der Kaiserallee am Mühlburger Tor und in den dortigen Seitenstraßen aufgestellt. Der etwa fünf Kilometer lange Zugsweg führt durch die Kaiserstraße bis zum Durlacher Tor, sodann zurück über den Marktplatz durch die Karl-Friedrich-, Ettlinger-, Baumeister-, Wilhelm- und Schützenstraße

zum Stresemannplatz; in der Beiertheimer Allee wird er aufgelöst werden. Sobald die Spitze des Zugs am Rathaus (Marktplatz), woselbst ihn die Ehrengäste erwarten, angelangt ist, wird er zum Ge­dächtnis der Gefallenen des Weltkrieges zwei Minu- ten stillstehen. Im Zuge wird auch eine historische Gruppe, die Dillinger Feuerwehr vor 100 Jahren, mitmarschieren.

Schweres Schadenfeuer.

3n dem in Krauchenwies (Hohenzollern) an der Bahnlinie KonstanzSigmaringen gelege­nen Dampfsägewerk der Firma Ettlinger & Weber in Mannheim entstand ein großes Schadenfeuer. Als Brandursache ist einwandfrei Brandstiftung festgestellt worden.Das Feuer brach gleichzeitig an zwei verschiede­nen Stellen des Werkes aus. Das Schnitt­holzlager von etwa 9000 Kubikmeter ist völlig eingeäschert. Ebenso sind das Maschinenhaus und der Teerraum dem Brand zum Opfer gefallen. Der Gesamtschaden beträgt mindestens eine halbe Million Mark. Die Wohn- und Verwaltungs­gebäude sowie das eigentliche Sägewerk und das Bündelholzlager konnten gerettet werden, weil es gelang, den dortigen Brandhe.rd im Keim zu ersticken. Die Löscharbeiten wurden dadurch be­hindert, daß zunächst das Wasser^a-us der etwa 500 Meter entfernten Alach herausgepumpt wer­den mußte. 3nzwischen hatte sich eine so unge­heure Hitze entwickelt, daß es nicht gelang, weit genug an den Brandherd heranzukommen. 3n- folge der Vernichtung des Maschinenhauses ist der ganze Betrieb lahmgelegt, und die 65 zum größten Teil verheirateten Arbeiter müssen feiern.

Tagung des Deutschen Müllerbundes.

Der Deutsche Müllerbund, Sitz Leipzig, hielt seinen diesjährigen Bundestag in Meißen an der Elbe ab. Die Tagung wurde eingeleitet durch eine gemeinsame Sitzung des Vorstands und Ver­waltungsrats, in der insbesondere die Feuer- und Haftpflicht-Versicherung, die Reform der Unfall- Versicherung und der Kreditschutz der Mitglieder zur Verhandlung kamen. 3n der Mitglieder-Der- fammlung trug Direktor Wohlfarth den Geschäfts­bericht und Obermeister Clauß die 3ahresrechnung vor. Die Tagung 1933 soll in Würzburg abgehal­ten werden. Auf der Hauptversammlung konnte Vorsitzender Lüttgerding eine stattliche Anzahl von Ehrengästen begrüßen, u. a. Vertreter des Sächsischen Wirtschaftsministeriums, des Deutschen Landwirtschaftsrats, der sächsischen Gewerbekam­mern, des Landbundes, des Däckerinnungsverban- des Saxonia usw. Direktor Wohlfarth sprach über Die wirtschaftliche Lage der Müllerei" und Ge­werbe-Oberstudienrat Dr.-3ng. Eckardt von der Deutschen Müllerschule in Dippoldiswalde über: Die Güte des Mehles, ihre Bewertung und Be­einflussung". Eine Entschließung über wirtschafts­politische Forderungen des Kleinmühlen-Eewerbes fand einstimmige Annahme.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 16. 3uni 1932.

Vogelschutz auch im Gommer.

Wohl mancher Leser wird die Forderung, daß der Vogelschutz auch im Sommer notwendig ist, mit Kopfschütteln abtun, zumal es ja leider noch Men­schen gibt, die von der Notwendigkeit des Vogel­schutzes im Winter nicht voll überzeugt sind und höchstens sich zu einer zeitweiligen Fütterung bet großer Kälte verstehen.

Gewiß wird es keinem Vogelfreunde einfallen, etwa eine Fütterung anzuregen, der Tisch ist ja für untere lieben Sänger überreich gedeckt. Etwas anderes ist es schon, in Gegenden, wo es an flie­ßendem Gewässer mangelt, der Durstnot zu ge­denken. Die Vogelwelt hat das Bedürfnis, bei gro­ßer Hitze tagsüber mehrfach mit Waffertrunk sich zu laben und sich auch zu baden. Wer hätte sich nicht schon gefreut, wenn ein Buchfink im dünn fließenden Rinnsale sichpubbeit", babei mit ben Flügeln schlägt, unb bas zarte Feberkleib mit bem Schnabel reinigt! Es ist erfreulich, baß bie moderns Gartenarchitektur dem Wafferbedürfnis der Vögel Rechnung trägt durch Errichtung von flachen Planschbecken, Freilandaguarien und künstlichen Kleinteichen. Und wenn auch hierbei der Gedanke der Vogelpflege nicht Hauptzweck ist, so ist er doch bei der Anlage mitbestimmend. Jedermann, der über ein Gärtchen verfügt, kann sich aber auch für die gefieberten Lieblinge einen künstlichen Trink- unb Babeplatz selbst Herstellen.

Ein großer Blumentopfuntersatz, auch eine flache Schüssel mit abgerundetem, nicht scharfem Rande auf ben Boben gestellt, ober erbgieich eingegraben, unb mit Wasser gefüllt, erfüllen schon den Zweck. Sie werden auch gern aufgesucht. Damit gute Sicht gegen heranschleichende Katzen vorhanden ist, sol­len Beerensträucher und Buschwerk nicht in der Nähe sein. Gerade die Jugend wird durch eine solche einfache Anlage ^um Beobachten des geschäf­tigen Tuns und des vorsichtigen Handelns der Vögel angeregt.

Gestern noch konnte sich der Gartenliebhaber an der sorgenden Mutterliebe eines Buchfinkenpaares erfreuen, das feine fünfköpfige Kinderschar im kunst­vollen Nest auf der Verknorrung eines starken Astes des Apfelbaumes soweit groß gebracht hatte, daß in den ersten Tagen der Ausflug der Gelbschnäbel zu erwarten war. Heute schon ist das Nest leer, die Alten fliegen suchend die Nachbarschaft ab. Eine strolchende Katze hat das schöne Elternglück zerstört! Ein stachelbewehrter Baumring, ähnlich der Schutz­vorrichtung an den eisernen Masten des Ueberland- werkes, hätte das Unglück verhindert. Ja, einige Meter Stacheldraht, mehrfach sperrig um den unter­sten Astquirl gewickelt, ober auch ein Kranz aus Dornen, hätten schon genügenbe Abwehr gebilbet. Alle Katzen, auch bie beftgenäfjrtefte unb wohlge­pflegte Hausmietze, hat bissen Raubtrieb in sich, unb man muß den Nestern der Fliegenschnäpper, Buchfinken, Rotschwänzchen und Goldammern in Hausgärten besonderes Augenmerk angedeihcn lassen.

Ein noch schlimmerer Feind ist der Mensch. Zuchtlose Kinder heben oft die Gelege der Frei­brüter aus, um sich eine Eiersammlung anzulegen, oft auch aus reiner Zerstörungswut. Da selbst vor­schriftsmäßig ausgeblasene Eier bald in ihrer Farbe verblassen, leistet eine gute Abbildung weit bessere Dienste. Das Ausheben fast flügger Zun­gen (Distelfinke, Hänflinge) endet fast immer mit einem Mißerfolg. Deshalb ist auch das Auffüttern von 3ungvögeln, die aus dem Nest gefallen sind, meistens ein erfolgloses Beginnen. Versucht man die Fürwitze wieder in ihr Heim zu bringen, so wird gewöhnlich das Unheil noch vergrößert, weil noch mehrere dann in ihrer Angst über den Nestrand flattern. Ist man von vornherein au der lieber- Zeugung gelangt, daß man nicht imstande ist, ein halbflügges Vögelchen großzuziehen, so töte man es durch einen Schlag auf den Kopf.