SieDerwendung der hessischenMrgelder.
HandwerkSkammer-LlntersuchungSausschuß des Hessischen Landtags.
Aus der pwvinziashauvtüadt.
Oer Verkehr mit Zeuerwerkskörpern.
3m neuesten Amtsverkündigungsblatt gibt das ÄreiSamt Giehen di« wichtigsten gesetzlichen Bestimmungen über den Verkehr mit Feuerwerkskörpern bekannt. Danach ist folgendes zu beachten:
1. Wer Feuerwerkskörper — Kanonenschläge, Frösche. Schwärmer und dergleichen — f e i l h a l t e n will, hat dies der Bürgermeisterei, in der Stadt Giehen dem Polizeiamt a n z u z e t - gen. 2m Kaufladen dürfen nicht mehr als 2,5 Kclcgr., im Hau,e außerdem nicht mehr als 10 Kilogramm vorrätig gehalten werden. Aus Aa«ch- weis eines besonderen Bedürfnisses kann au»- ausnahmsweise im Hause zeitweilig eine Lagerung bis zu 15 Kilogramm gestattet werden. Die Au f - bewahrung muh in einem auf dem Dachboden (Speicher) belesenen, mit keinem Schornstcinrohr in Verbindung stehenden abgesonderten Raume erfolgen welcher beständig unter Verschluß gehalten werden muh und m i t L i ch t n i ch t be » treten werden dars. Die Behälter müssen mit besonderen Bbfchuhvorr'.chtungen abgefeuert sein. Größere als die vorsteheno angegetenen Mengen sind außerhalb der bewohnten Orte in besonderen Magazinen auszubewahren, die unserer (Kreisamt) bzw. der Genehmigung des Polizei- amts Giehen bedürfen. Feuerwerkslorper dürfen in Kaufläden nur in verschlossenen Kisten aufbewahrt, oder nur unter Glas ausgelegt werden. Kanonenschläge und M:f)e Feuerwerls.örper, die mit besonderen 2lbsc u, or.ichtungen abgefeuert werden müssen, dürfe.c ..n Laden nicht ausbewahrt werden. Aufbrwahrungsräume in <inges: :os i e r Lagerschuppen u. dgl. sind den Aui^.--ahrungs- räumen „auf dem Dachboden" gleich zu achten.
2. Die Abgabe von Spreng st offen an Personen, von denen ein Mißbrauch zu befürchten ist, insbeiondere an Personen unter 162ahren. ist verboten. Dies gilt nament- lich auch von solchen Feue^werks.örpern, mit deren Verwendung eine erhebliche Gefahr für Personen oder Eigentum verbunden ist (Ka- Anonenschlägen, Fröschen u. dgl.). Diese Vorschrift findet keine Anwendung auf Sprel- w a ren, die ganz geringe Mengen von Sprengstoffen enthalten. Zündplättchen (Amorces), die mehr als 7,5 Gramm Sprengmischung (Knall- sa-lz) auf 1000 Piättchen enthalten, dürfen als Epiclwaren nicht in den Ver.ehr gebracht werden. D.s Feiilhcl.cn von p Hosp hoch alt ig en Spreng st offen (Radaukörnern, Krawal.ster- nen, Krachern u,w.) ist verboten. Zuwrderhand- lungen gegen die vorgenannten Bestimmungen werden mit Geldstrafe bis zu 150 Mk. oder*mrt Haft bestraft, soweit nicht höhere Strafen — Gefängnis von 3 Monaten bis zu 2 Zähren — verwirkt sind. Gewerbetreibende, di« gegen diese Vorschriften verstoßen, haben neben gerichtlicher Bestrafung zu gewärtigen, daß ihnen gemäß der Gewerbeordnung der fernere Handel nut Fcuerweris.örpern untersagt wird.
3. An bewohnten oder von Menschen besuchten Orten ist das Abbrennen von Feuerwerks,orpern verboten. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 150 Mk. oder mit Haft bestraft. Wenn Eltern, Vormünder oder andere Personen, denen Obhut Kinder unter 12 Jahren oder sonstige unzurechnungsfähige Personen anvertraut sind, es an der erforderlichen Aufsicht haben schien lassen und diese Personen während der Zeit, wo sie ohne solche Aufsicht waren, eine derartige Meb.r- tretung begangen haben, so werden die zur Beaus lichtigung verpflichteten Personen beim ersten Fal.e polizeilich ve.warnt, im W ederhclungsfalle mit der im Gesetz vorgesehenen Strafe belegt.
Meter die Sitzung der Industrie- und Handelskammer Gießen für die Kreise Gicßen, Alsfeld und Lauterbach vom 12. Dezember wird uns berichtet:
Aus den Kreisen der Kaufmannschaft ist der Kammer die Anregung gegeben worden, von dem Artikel 4 des HandelLkammergesetzes Gebrauch zu machen und durch Satzung zu bestimmen, daß
die Wahlen für den ganzen kammerbezirk
oder für einzelne Wahlbezirke in Gruppen der Wahlberechtigten vorzunehmen sind. Der Gedanke löst eine sehr lebhafte und eingehende Aussprach« aus: die Beschlußfassung wird bis zur nächsten S-tzung zurückgestellt. — Eine Rotwendigkeit für die Aufteilung des Wahl- bezirls Lich-Hungen in zwei getrennte Wahlbezirke (Lich und Hungen) kann nicht anerkannt werden.
Die Dedürsnisfrag« für die Herausgabe einer eigenen Monatsschrift wird verneint.
Der bisher mit Leidenschaft geführte Kampf der Meinungen über
die Kontingentierungsfrage
hat inzwischen einer ruhigen und sachlichen Betrachtung und Beurteilung der Dinge Platz gemacht. Dcr lebhafte Meinungsaustausch in der Versammlung über diese so bedeutungsvolle Frage läßt die Meterzeugung erkennen, daß der Landwirtschaft als einem der wichtigsten Glieter der Rationalwirtschaft in ihrer schweren Rot mit allen zu Gebote stehenden Mitteln geholfen werden müsse, wozu auch die Kontingentierung gehöre. Rur müsse diese sich in maßvollen Grenzen halten und dürfe nicht zu einer Mnterbindung der ebenfalls wichtigen Exportindustrie führen.
Die Kammer bringt erneut ihre Sympathie für das W i r t s ch af ts p r og r a mm der Papen-Regierung zum Ausdruck, das der Wirtschaft neues Selbstvertrauen gegeben und damit die leichte Besserung im Wirtschaftsleben erst hervorgeru'en und dann gefördert hate.
Die Versammlung erwartet mit Bestimmtheit von dcr neuen Regierung, daß sie an den im Papenschen Programm verankerten Grund- gedonken festhält und nicht durch unzweckmäßige und unnötige Maßnahmen diese langsam sich bemerkbar machende Besserung wieder vernichtet.
Einem Antrag auf völlige Beseitigung der Der- gleichsordnung kann di« Kammer nicht zustimmen: sie erkennt jedoch di« Reformbedürstigkeit der Der- gleichsordnung an und wird ihrerseits darauf dringen, daß die vom Deutschen Industrie- und Handelstag in dem Entwurf einer Eingabe an das Reichsjustizministerium niedergelegten De» besserungsvorschläge, die geeignet sind, wenigstens
Spenden für die Winieknothi^e.
Von der Geschäftsstelle der Gießener Winternothilfe werden uns folgende neue Spenden mitgeteilt :
Modehaus Salomon, Schusttraße, für Dezember: 2 Herren-Hemden, 3 Paar Unterhosen, 1 warmer Unterrock mit Schlüpfer, 2 Pelze;
A. I o e r g e s & C o., Gießen: 100 Pfund weiße Bohnen, 50 Pfund Tafel-Reis. *
Bornotizen.
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Freitag, 16. Dezember 11. Vorstellung im Freitagabonnement. Zur Aufführung kommt Grillparzers Lustspiel: „Weh dem, der lügt", Sp.ebeitung Karl Heyfer. Gewöhnliche Preise. 20 bis 22.15 Uhr. — Sonntag, 18. Dezember: 15 Uhr, in neuer Jnszen.erung und Ausstattung unter der Spielleitung von Karl V o l ck Erstaufführung des diesjährigen Weihnachtsmärchens: „Aschenbrödel oder der g.äferne Pantoffel", 6 Bi-der mit Gesang und Tanz von Görner. Tänze: Anny und Ewald Bäulke mit den Kindern des Balletts. Für die Märchenvorstellung gelten besondere, kleine Preise. — Von 19 Uhr als Fremdenvorstellung zu ermäßigten Preisen eine Wiederholung des Front- stückes „Die endlose Straße" von Graff und Hintze. De Spielleitung hat Intendant Dr. P rasch. Dor allem die auswärtigen Besucher werden auf diese Vorstellung aufmerksam gemacht, da sie gegen 22 Uhr endet und infolgedessen die Zuganschlüsse nach Schluß der Vorstellung sicher und bequem zu erreichen sind.
LU. Don der Landesuniversi tät. Von der Pressestelle dcr Muiversität Giehen wird mitgeteilt: Die Medizinische Fakultät unserer Mnivcrsität hat dem Geheimen Medizinalrat Dr. Michael Reisinger in Mainz aus Anlaß des 50Mrigcn Doktor uhiläums das Diplom erneuert.
* Zur Bekämpfung der Schnakenplage hat nach den gesetzlichen Vorschriften jeder Grundstückseigentümer die Keller und andere Räume, in denen erfahrungsgemäß Schnaken zu überwintern pflegen, in den Monaten Dezember bis Februar mindestens einmal gründlich auszubrennen oder auszuräuchern.
Großer Theaierbrand in Worms
Worms, 14. Dez. (7VTB. Drahlmeldung.) von einem schweren Brandunglück wurde hcule a.end das Wormser Städtische Spiel- unb Festhaus hcimgesuchl. Gegen 21.30 Uhr ertönte Grohfeueralarm, und noch ehe die Feuerwehr zur Stelle war. stand das- Bühnenhaus in Flammen. Der Brand war im Re- qu.sitcnraum ausgcbrochen und bis zum Dachstuhl vorgedrungen, der bald darauf einstürzte. Die Feuerwehr bekämpfte das Feuer von allen vier Seilen und auch vom Zuschauerraum aus, der durch das Vaster stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Gegen 23.30 Lhr konnte die Gefahr als endgültig beseitigt betrachtet werden, während das Bühnenhaus vollständig ausgebrannt ist, blieb der große Thcat rraum vom eigentlichen Feuer verschont. Ls wird Brand st iftung vermutet. Ls wurde fcstgestellt, daß in den Abendstunden ein Einbruch verübt worden war. Die Diebe hatten es auf die Gelder a'.gef hcn, die tagsüber eingegangen waren. Sie fanden aber n'.chts vor, und allem Anschein nach haben sie entweder aus Zorn darüber absichtlich den Brand gelegt, oder aber er ist durch eine weggeworfene Zigarette entstanden.
die schlimmsten Auswirkungen der verglelchs- ordnung zu beseitigen,
im Wege einer Rotvcrorbmmg zum Gesetz erhoben werden. Dor allem wird von der Versammlung die Forderung begrüßt, daß der Vergleich mindestens 50 Prozent der Verpflichtungen gewähren muß und daß mit der Durchführung eine zuverlässige, geschäftskundige und von beiden Parteien unabhängige Persönlichkeit zu betrauen sei. Den Amtsgerichten Les B.zirks soll von diesen Reformvor- schlägen Kenntnis gegeben werden.
Es sind Bestrebungen im Gange, die auf eine Reglementierung des Anbaus von Getreide abzielen; man geht dabei von dem Gedanken aus, daß die deutsche Landwirtschaft heute in der Lage sei, den ganzen Bedarf an Brotgetreide zu decken. Dieser Plan, dcr notwendigerweise auch zu einer Kartellierung der Der- edelungswirtschaft (Viehhaltung, Gemüse) führen mühte, bedeutet schwerste Gefahr für den gesamten Getreidehandel. Die Kammer erklärt ihre Bereitwilligkeit,
den Großhandel in feinem Abwehrkampf gegen den Kartellierungsplan nach Kräften zu unterstützen.
Wegen der in letzter Zeit sich häufenden Meberfäll« auf Geldbriefträger wird gegenwärtig von der Reichspvstverwaltung die Frage der Aufhebung der Geldzustellung zum Gegenstand eingehender Mntersuchungen gcmacht. Die Kammer kann diesem Vorschlag schon aus dem Grunde nicht zustimmen, weil die Tätigkeit der Geldbriefträger nicht nur auf die Zustellung von Geldsendungen beschränkt ist, sondern sich auch auf andere Dinge, wie Einziehung von Nachnahmen und Postaufträgen, Ausführung von Postprotesten usw. erstreckt, worauf die Geschäftswelt unter keinen Mmständen verzichten kann. Auch ist die Kammer der Meinung, dah der von der Postverwaltung angestrebte Zweck besser dadurch erreicht wird, dah
dem Geldbrleslräger zu seinem Schuh ein Begleiter beigegeben wird, und dah solche Raubüberfälle weil schärfer bestraft werden, als es
jetzt der Fall ist.
Einer Anregung des Deutschen Industrie- und Handelstags folgend, wird die Kammer an ihrem Teil in gemeinsamer Arbeit mit den dazu berufenen Stellen mithelfen, die Ostern 1933 zur Entlassung kommenden AbiturientennachMög- lichkeit in der Wirtschaft unterzubringen. Die früher in Gemeinschaft mit der Giehener Hochschulgesellschaft eingerichteten und nur wegen der wirtschaftlichen Rot unterbrochenen akademischen Kurs« für Kaufleute und Gewerbetreibende sollen nach Möglichkeit im Herbst des kommenden Iahres ihre Fortsetzung finden.
D a r m st a d t, 14. Dez. (WSN.) Der Hand- werkskammer-Untersuchungsausschuß des Landtags vernahm heute zunächst den Sch-osserme.fter Schul- meyer V. (Morfeloen), der über die Darlehenshingabe nach Mörfelden berichtet. Auf Fragen benennt der Zeuge di« Darlehensnehmer aus dem Jahre 1932, die während der kommun-istischeu Aktion in Mörfelden kleine Darlehen erhielten. Als der Zeuge auf die Aussagen des Dolksbankdirek- tors Reiß (Groß-Gerau) eingehen will, wird ihm vom Vorsitzenden das Wort entzogen.
Dorsitzenoer Dr. Müller ist der Meinung, daß mit dieser Sonderaktion für Mörfelden die Handwerkskammer und die HZG. dem Zweck des Rhein- Ruhr-Fonds zuwitevgehantelt hätten und der Regierung im Kampf g.gen den kommunistischen Bür-germo.fter Zwilling in den Rücken gefallen seien.
Ministerialrat Hechler widerspricht dieser Auffassung, denn mit der Länge der Zeit werde der direkte Zusammenhang mit den Besatzungeschäden immer geringer.
Zeuge Staatsrat a. D. Dr. Wag ne r, der frühere Staatskommissar der HZG., erläutert den Gang der ganzen Rhein-Ruhr-Aktion. Im Sommer 1926 sei der HZG.-Direktor Paech zu ihm gekommen mit der Mitteilung von dcm Defizit. Auf Grund der Reichsrichtlinien habe er angesichts der Notlage des Hai dwerks, dcm im Falle ter Dcfizitabdeckung durch Zwangsmaßnahmen schwere Bürden hätten auferlegt werden müssen, dem Minister Raab die Abchrixbung der genannten Beträge bei der HZG. vorg.fchkaacn, der mit Freuden zugestimmt habe. Direktor Paech von der HZG. habe in ganz außerordentlich wertvoller Weise dem hessischen Handwerk gedient. Bezüglich der Rhein-Ruhr-Mittel stellt der Zeuge fest, daß di« Besatzungsgrenze n> cht int Scha- tensgrcnze war. Staatsrat a. D. Wagner weiß sich nicht zu erklären, wie so die Bilanz von 1925 ter HZG. bereits den Ausgloichsbetrag von 125 000 Mark enthalte. Die entsch.idende Sitzung bsi Minister Raab über die Ueberschreitung der 325 000 Mark habe 1927 stattgcsunten.
Es folgt die fast vierstündige Vernehmung des Direktors der HZG., Reusel. In einem Ex- poss teilt er u a. mit, daß bei einem Zesammen- brach der HZG. seinerzeit etwa 3900 Konten mit 3,8 Millionen Mark Forderungen hätten eingetrieben werden müssen. Davon wären etwa 1900 Handwerker mit rund einer Million Mark Außen-
Meine ersten Erfahrungen in der Schaffung von Bühnenbildern und in der Inszenierung von Theaterstücken sammelte ich auf dem Boden einer „Prima ff. Fisch- und Aalräucherei", die der Vater eines Schulkameraden in einem Oderdorf betrieb. Dieser Schulkamerad, der auf den schmackhaften Beinamen „Spickaal" hörte, hatte von seiner Mutter, die im Städtischen Theater abonniert war, den Sinn für die Kunst geerbt. So war es kein Wunder, daß unsere Besuchs dort draußen mit einem Theaterspielen endeten. Unser ganzer Requisitenvorrat bestand aus einer Riesenmenge von goldgelben Blechbüchsen, die oben auf dem Boden ihrer späteren Bestimmung, Fischschuppen zum Versand an Schaumperlenfabriken aufzunehmen, harrten. Wir spielten Königsdramen, denn was ließ sich leichter aus goldenen Blechbüchsen bauen, als Königsthrone und Palastwände, und außerdem besaß einer von uns eine Krone aus Pappe, die immer vorkommen mußte.
Als wir die ersten Schüleraufführungen im Stadttheater gesehen hatten, verzweifelten wir. Nie ließ sich „Wallensteins Lager" mit nichts als goldgelben Blechbüchsen inszenieren. So machten wir mit leisem Entsagungsschmerz unser Theater zu. In mir aber blieb das haften, woran unser Fisch' räuchereibodentheater zugrunde gegangen war, die Frage: „Wie wird's im Theater gemacht?" Was Wunder, daß ich mich eines Tages, nachdem ich einen kleinen Ararat von Treppen hinaufgekrochen bin, vor der dicken Eisentür wieterfinde, die ins Allerheiligste des Bühnenbildners führt.
Also hinein! Ich stehe in einem Raum, der auf ten ersten Bl ck aussieht wie das Büro eines Ingenieurs: Zeichenttsche, Lineale, Ausziehtusche, Millimeterpapier. Ich werfe Hut und Mantel über den Grundriß von Lohengrins Brautgemach, räume eine italienische Früh.ingslandschaft von einem Hocker und fange nun an, den Bühnenbildner auszupressen. Schon vor Beginn der Spielzeit ist ter voraussichtliche Spielplan festgelegt, und der Bühnenbildner hat Zeit, sich mit den Werken vertraut zu machen. Er muß verstehen, das, was er schaffen will, dem Charakter des Werkes anzupassen. Alle Versuche der Festlegung auf einen Stil sind bisher immer noch gescheitert. So muß bei Opern ober Operetten das Bild von der Musik ausgehen, und der Bühnenbildner setzt sich, wenn eine Aufführung beschlossen ist, mit dem Kapellmeister zusammen, und läßt sich die Musik am Flügel vor- spielen. Nach dem Gehörten (und nach Kenntnis vom Text des Stückes) macht er Entwürfe, Aquarellzeichnungen, die dem hohen Kollegium von Intendanten und Regisseuren vorgelegt werden.
Dem Entwurf folgt die Arbeit an der Modellbühne, die ein Abbild der großen darstellt, mit Andeutung der Versenkungen, des Rundhorizonts und der Bühnenöffnung. Alle Kulissen, Palast- wände, Torbögen, Häuserfronten und Bäum« werden im Maßstab 1:20 aus dickem Millimeterpapier geschnitten und ihr Aufbau erprobt. Der Regisseur sitzt dabei, er muß entscheiden, welchen Raum er braucht. Kein Felsblock darf da wachsen, wo der Held auf und ab gehen soll, kein Baum darf im Wege stehen, wo der Regisseur einen Engel herabschweben lassen will, und empfehlenswerterweise darf keine Kommode dazwischen sein, wenn Tra- viata in Alfreds Arme sinken will.
Ist man sich einig, so wird ein Anschlag gemacht, was alles zur Ausstattung gebraucht wird, und schließlich können die maßstäblichen Zeichnungen hinausgehen in die Werkstätten. Da ist im Erdgeschoß bi« Tischlerei, wo die Kulissen ihr Gerippe erhalten und wo alles mögliche gezimmert wird. Baumgerüste und Empirekommoden, Kirchentreppen und Schiffskommandobrücken, kurz, in dem Kopf des Theatertischlers muß es etwa aussehen, wie in einer „Geschichte der Innenarchitektur aller Völker und Zeiten". Während er unten in seiner Werkstatt sägt, hämmert und leimt, werten im
ständen im besetzten Gebiet betroffen worden. In ter Frage der Ueberschreibung der Beträge von 125 000 und 200000 Mark durch die Handwerkskammer an die HZG. belegt ter Zeuge, daß die Kreditkommisfion der Handwerkskammer am 17.8. 1926 den Betrag von 125 000 Mark zum Ausgleich des bilanzmäßigen Verlustes angewiesen habe. Die Bilanz von 1925 wurde von der Generalversammlung am 15. November 1926 genehmigt. Die Uebertragung des zweiten Postens ourch die Kre- ditkommifsion erfolgte am 18. März 1927, die Bestätigung über den Gesamtbetrag von 325 000 Mk. durch die Handwerkskammer aufgrund des bekannten ministeriellen Erlasses am 30. März 1927. Die Generalversammlung, welche die Bilanz von 1926 der HZG. genehmigte, sand am 31. Mai 1927 statt. Aus diesen Daten erklärt der Zeuge, daß die Bilanzierung vollkommen korrekt erfolgt sei.
Der Zeuge berichtigt auch verschiedene Aussagen des Zeugen Bankbirektor R e i h - Groß-Gerau. Insgesamt seien von 717 Personen 333 000 Mark Krebite heute noch ausstehenb. Nur in 154 Fällen seien Aktien ber HZG. in Höhe von runb 5880 Mk. von Darlehensnehmern übernommen worben. Die 325 000 Mark sind nach Ansicht des Zeugen ter HZG. geschenkt unb von ben 570 000 Mk. des Ruhrfonbs seinerzeit abgebucht worben. Der Re- gierung5t>ertreter, Ministerialrat Hechler, hält baran fest daß bie 325 000 Mk. ber HZG. in Außenständen überwiesen wurden. Berschictene Fragen wird ter Zeuge in einer späteren Sitzung beantworten. Der Ausschuß vertagte sich auf zunächst unbestimmte Zeit. Die nächste Sitzung dürfte voraussichtlich erst im Januar nächsten Jahres ftattfinten.
Oer Rau-mordversuch bei Biedenkopf.
HF Tlarburg, 13. Dez. Die Staatsanwalt- schäft Rlarburg hat gegen ben Schlosser Ruppert aus Biedenkopf, ber am Samstagvormittag im Walde bei Dexbach ben Arbeiter Reis zu ermorden unb berauben versuchte, Las Ermittlungsverfahren wegen Raubmordver- fuches eröffnet. Die Verletzungen bes Ruppert, ber sich in ber hiesigen Klinik befinden, sinb soweit geheilt, baß er nunmehr ins Untersuchungsgefängnis gebracht werben kann. Das Befinben bes schwerverletzten Reis ist zufriebenstellenb.
Malersaal die Kulissen gemalt. Ballen von Lein- wanb liegen da, baraus werden die Einzelstücke in ber notwendigen Größe zusammengenäht unb zunächst weih grunbiert. Inzwischen wirb in ber Farbenküche, in ber es höllisch nach Tischlerleim riecht, bie Farbe gekocht. Dann kommen die Maler. Sie haben eine Riesenpalette in Form eines kleinen Wagens, auf dem die Farbtöpfe stehen, und mit dem sie, nun auf dem Himmel ober ber Palastwand ober dem Straßenprospekt hin. unb herfahren. Mit einer Art von Besen wirb die Farbe aufgetragen und selbst bie „ganz feinen" Pinsel haben noch eine Breite, daß man einen Fensterrahmen bamit bequem mit einem einzigen Strich lackieren könnte. Die fertigen Stücke werben burch einen Schacht auf bie Bühne gelassen. Nicht alles wird auf Leinwand gemalt. Eben ist einer ber Maler dabei, auf einer Sperrholzplatte ein neues Mosaik für Lohengrins Brautgemach herzustellen. Das wird mit Kohle vorgezeichnet, mit Farben unb Gold ausgemalt und nur einige kleine Stückchen Holz werben als Mosaiksteine baraufgenagelt, damit das Ganze etwas plastischer aussieht.
Mit den Werkstätten bin ich fertig also hinunter auf bie Bühne zu Aufbauprobe! Ehe bie Probe beginnt, habe ich noch Zeit, etwas auf ter Bühne umherzustrolchen, bie etwa zweieinhalbmal so breit ist, als es ter Bühnenausschnitt ahnen läßt. Ebenso ist es mit der liefe, von ber ter Zuschauer in den seltensten Fällen etwas sieht, da sie durch den Rundhorizont abgedeckt wird. Ich Nettere vom Bühnenboden hinab in bie „Untermaschinerie", wo in drei Etagen die verschiebensten Versenkungen tebient werben, und klettere wieber hinauf in bie „Obermaschinerie", bie aus wer weiß wie vielen Arbeitsgalerien bis zum Schnürboben besteht. Erlaßt es mir, bas Gewirr von Kabeln, Drähten und Tauen zu beschreiben, bas sich hier spannt! Hier ist ein Draht, an bem bie Klappe soundso bebient wird, hier werten die und die Scheinwerfer her- untergelaffen, hier sind bie Taue mit den Drähten, an benen bie Rheintöchter schweben, hier sinb an- bere Drähte, an benen sich bie Rheintöchter festhalten, um nicht burcheinanberzupenteln. Regenmaschinen, Donnertrommeln und dergleichen füllen die Galerien aus, bis ich vom Schnürboden eine beängstigend herrliche Aussicht auf die tief unter mir liegende Bühne habe, wo eben bie Aufbauprobe beginnt.
Damit setzt sich bie gemeinsame Arbeit von Büh- nenbilbner unb Regisseur fort. Währenb in ben Werkstätten noch gehämmert unb gepinselt wirb, wirb auf ber Bühne praktisch die Ausnutzung bes Raumes erprobt. Durch alte Kulissen unb Versatzstücke wirb bie neue Dekoration angebeutet, unb bann wirb aufgebaut. Wilb genug sieht bas aus. Berge unb Höhen, die sich nachher dem Zuschauer als grüne Matten präsentieren, werben roh Ausam- mengeftellt aus sogenannten „Praktikabel , das sind Treppenstücke und Lattengerüste, auf bie dicke Platten gelegt werden, unb von benen es einen ganzen Keller voll gibt. Im Vorbeigehen sehe ich noch einmal in diesen Keller, won die Vorliebe des Theaters für Treppen Orgien feiert merfe ich noch einen Blick ins Magazin, wo die Wände des Wirtshauses „Zum weihen Rößl" an bas Felsennest ter„Carmen"-Schmuggler stoßen, und wo hun- bert laufenbe Meter Südseewogen, sauber aus Stanniol geklebt, sich an Klingsors Verließ anlehnen. Dann setze ich mich ins Parkett. Auf einem Prak- tilabelnberg baut man eine Schar von Engeln auf. Die dicke nach hinten unb bie zierlichen nach vorn. Immer wieder wird begutachtet und wieder umgebaut. Eine wahrhaft himmlische Geduld entfalten diese Ballettengel, endlich klappt's, und nun kann bie Singprobe anfangen.
Aber das zu hören, ist nicht meine Aufgabe, unb so schleiche ich von bannen, nicht ohne im Bühnenhaus über einen Engel zu stolpern, der nach seinen Gummischuhen sucht
Industrie- und Handelskammer Gießen.
Paläste aus Latten und Leinwand.
Werkstatt des Bühnenbildners im großstädtischen Opernhaus. Lon Manfred Jahnke.


