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Nr.295 Kvühausgabe
182. Jahrgang
Donnerstag. 15. Dezember 1952
Eriche,ni tägltd), aufoet Sonntags und Feiertags. Beilagen: Die Illustrierte Dietzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle
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General-Anzeiger für Oberhessen
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Chefredakteur
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein und *ür den Anzeigenteil i.D.TH.Kümmel sämtlich in (ßieyen.
Die Lleberwindung der Deflation.
Drei Ministerreden zur Wirtschaftspolitik. — Kein Kurswechsel, sondern Ausbau des Arbeiisbefchaffungsprogramms.
Berlin, 14. Dez. (WTB.) Reichswirtschafts- minister Dr. Warmbold hielt in der Haupt- ousschußsihung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie eine Bede, in der er u. a. folgendes ausführte: Mir scheint die stimmungs- mäß ge Beurteilung der Lage vielfach ungün- st i g e r zu sein, als es die W'rtschaftsziffern zulassen. Das hat, soweit ich sehe, zwei Ersuchen: Einmal die allgemeinen politischen W v - mente. Bach der beklagenswerten Beunruhigung durch die politischen Borgänge der letzten Zeit dürfen wir hoffen, nunmehr v o r e r st eine wesentliche Beruhigung zu erleben. Die zweite Ursache liegt darin, daß die Anzeichen sür eine w.rischaf/iche Belebung in der Welt, die wir seit Mitte des Sommers zu verzeichnen haben, zu weit gehende Hoffnungen hinsichtlich des Tempos der lleberwindung der Krise ausgslöst haben. Das Wirtschafts- Programm des 4. September hat drei Hauptteile:
Erstens die Zuführung von Steuergut scheinen an die Wirtschaft zur Steuerentrichtung, zweitens die ebenfalls in Form von Sieuerguincheinen zu gewährenden Deschäf- tigungsprämien und drittens eine Arbeitsbeschaffung in Höhe von etwas mehr als dreivicriel Mi.l'arden Marl.
An diesen drei Maßnahmen wird die neue Reichsregierung fest hallen. Bei allem aber steht die Realisierung jum größten Teil noch bevor. Die Arbeitsbeschaffung bedarf naturgemäß eines gewissen Anlaufzeit- raumes. ’ (Es ist daher auch nicht verwunderlich, daß heute, drei Monate nach Der- kündung des Wirtschaftsprogramms, die Arbeits- beschaßung erst auf Teilgebieten wirksam geworden ist. Man wird daher eine pessi- mistische Beurteilung des wirtschaftspro- gramms als voreilig bezeichnen müssen. Lv erscheint mir an der Zeit, in die Erinnerung zurückzurufen, daß man das Wirtschaftsprogramm als einen Linjahresplan bezeichnet Hal. Man soll sich dessen bewußt bleiben, daß von diesem Iahr prattisch erst zweieinhalb Monate, also noch nicht einmal ein Vierteljahr, verstrichen sind.
Der Minister gab sodann ziffernmäßige Belege für die gegenwärtige wirtschaftspolitische Lage und sagte u. a: Auch die nüchterne Betrachtung dieser Ziffern kann nicht leugnen, daß hier eine Wendung eingetreten ist. Es sei an uns, diese Bewegung zu v e r st ä r k e n. Das wird — u. a. — insbesondere durch zwei llmstände geschehen: Einmal dadurch, daß sich das bisherige Arbeitsbeschaffungsprogramm erst in der Zukunft in eine Anregung der wirtschaftlichen Tätigkeit umsetzen wird, und zweitens dadurch, daß dieses Programm durch weitere zusätz-' lichcArbeitsbefchafsungergänzt werden soll. Dabei werden einige wichtige Gesichtspunkte beachtet werken müssen.
Obenan muh der Grundsatz stehen, daß nur solche Arbeiten gefördert werden dürfen, dievolkswirtschaftlichnützlich sind und aus dem Zukunftsertrag verzinst und getilgt werden können. Ferner sollten die Arbeiten vorzugsweise und in der Regel a n Unternehmer vergeben werden. Diese Form der Arbeitsbeschaffung hat gegenüber der Form der Regiearbeiten den Vorteil, daß sie die private Initiative unmittelbar anregt und damit die allgemeine wirtschaftliche Belebung wirksam und schnell fördert, weiterhin wird man m der Regel nur futjfriftige Arbeiten übernehmen, damit sie, sobald die private Wirtschaft in das erstrebte größere Volumen hineingewachsen ist, alsbald gedrosselt und abgebrochen werden können. Denn Arbeitsbeschaffung darf nur Rotstandsmah- nähme sein und nicht zum Selbstzweck werden. Schließlich darf die Finanzierung nur in einer Form erfolgen, welche In keiner Meise die Währung gefährden darf.
Man soll sich daran erinnern, daß wir drei Jahre hindurch überall und ausschließlich Ab <- wärtsbewegungundSchrumpfung erlebt haben. Schon die Tatsache, daß diese ununterbrochene Abwärtsbewegung und Schrumpfung aufgehö'rt hat, muh uns mit Befriedigung erfüllen. Wir können unmöglich einen schlagartigen sofortigen llebergang in Ausweitung und Auswärtsbewegung erwarten. Dies ist solange keine falsche Betrachtungsweise, als wir darüber nicht die noch bevorstehenden großen Aufgaben übersehen. Diese Aufgaben sind freilich noch außerordentlich schwer. Weltwirtschaftlich muh gelöst werden das vollständige Problem der internationalen Verständigung. Weiterhin müssen die unerträglich gewordenen Handelshemmnisse gemildert werden. Schliehlich bedarf es, eins der dringendsten und schwierigsten Probleme, einer endgültigen Stabilisierung der Währungen. Bei Fortdauer des gegenwärtigen Währungschaos in der Welt besteht die ernste Gefahr, daß alle Tendenzen zur Ausweitung dös Welthandelsvolumens und Damit der
Weltproduktion durch die Auswirkungen der Währungsverschlechterungen zunichte gemacht werden.
Auch innerwirtschaftlich stehen wir vor umfassenden Aufgaben. Ich brauche nur die Probleme der Kommunalfinanzen und der Bilanzbereinigungen zu nennen, vor allem aber ist Rückkehr des vertrauens und der Ruhe erforderlich. Ls gilt, die natürlichen Erscheinungen der Erholung zu verstärken durch eine ftetige, Experimenten abholde wirtschastspoli- t i k. Aufrechterhaltung der Währung ist hierfür dringendes Erfordernis. Die Devisenzwangswirtschaft muh — immer nur als notwendiges
Hebel — so lange beibehalten werden, bis die internationalen Schuldprobleme gelöst worden find, und die Reichsbank ihren Gold- und Devisenstand erhöhen kann. Insgesamt können wir heute feftftcllen, daß die Deflation hinter uns liegt wir werden alle Maßnahmen dcfla- « tionistischen Charakters zu vermeiden haben, anderseits aber auch allzu stürmische Wertbewegungen nach oben, wenn wir mit Geduld, Zähigkeit und festen, von einem unerschütterlichen Glauben an den Wiederaufstieg getragenen willen an diese Zielsetzungen Herangehen, wird es gelingen, die lleberwindung der Wirtschaftskrise zu erreichen.
Sanierung des Etats durch Entlastung der Wirtschaft.
Reichsfinanzminister Graf Schwerin v. Krosigk rotes sodann nach, daß von 1929 bis 1932 eine Verschlechterung der Etats von Reich. Ländern und Gemeinden um etroa 10 Milliarden Mark festzustellen sei, und betonte, daß am Ende einer solchen Entwicklung das Chaos oder die Inflation gestanden hätte, wenn man nicht mit allen Mitteln versucht hätte, das Schiss der öffentlichen Finanzen zwischen Szylla und Charybdis hindurchzustouern. Dies sei durch außerordentlich drückende Erhöhungen auf der Einnahmenseite und durch schärfste Kürzungen auf der Ausgaben feite erreicht worden. Diese Maßnahmen, die man zur Behebung der 'Jlotlage der öffentlichen Finanzen durchführen mußte, hätten aber noch krisenverschörsend gewirkt. Gerade auch vom Standpunkt des Reichsfinanzministers aus habe diese Politik in dem Augenblick umge = ft eilt werden müssen, als der Boden der Krise erreicht worden fei, um die Wiederbelebung in der Privatwirtschaft zu erleichtern und zu fördern. Sanierung des Etats durch
Entlastung der Wirtschaft, das sei der Grundgedanke der Steuergutscheine oder: Wieder- anschluh aus der Krise an die Zeit des Wiederaufstiegs. Es sei dies kein genialer Einfall, sondern lediglich die logische Konsequenz aus der wirtschaftlichen und finanziellen Situation. Die Frage, ob es nicht leichtsinnig sei, durch Schaffung der Steuergutscheine künftige Jahre vorzubelasten, müsse dahin beantwortet werden, daß diese Vorbelastung gegenüber einem Rückgang in den öffentlichen Finanzen von 10 Milliarden Mark von 1929 bis 1932 300 bis 500 Millionen Mark pro Jahr ausmache. Man könne erwarten, daß eine Besserung der Konjunktur sich unbedingt in diesem nötigen geringen Umfang auswirken werde.
Unter das Kapitel Subventionen müsse ein Schlußstrich gezogen werden. Etwaige Mißbräuche, die sich bei der Durchführung des Wirtschaftsprogramms ergeben könnten, insbesondere die unrechtmäßige Inanspruchnahme von Steuerautscheinen für Mehrbeschästigun g, müsse Die Wirtschaft von s i ch aus bekämpfen, um das 3iri zu erreichen: ehrbare Wirtschaft in einem sauberen Staat, freie Wirtschaft in einem starken Staat.
Belebung der freien Wirtschaft seht politische Mhe und Stetigkeit voraus.
Berlin, 14. Dez. (TU ) Die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände hielt in Berlin ihre ordentliche Mitgliederversammlung ab, die durch den Vorsitzenden, Generaldirektor Dr. Jng. e. h. Köttgen, eröffnet wurde. Dr. Köttgen führte u. a. aus: Eine grundsätzliche Wandlung der deutschen Wirtschaftslage ist nur dann zu erwarten, wenn nicht politische Einwirkungen von außen und innen neue Hemmungen und Rückschläge herbeiführen. Die neue Reichsregierung, die von allen «seilen mit Forderungen für ihre wirtschaftliche und soziale Politik und insbesondere mit Vorschlägen für Arbeitsbeschaffung und Beseitigung der Arbeitslosigkeit überschüttet wird, muß an der wirtschaftlichen Grundidee der früheren Regierung, die eine organische Heilung unserer roirtsck-astlichen und sozialen Nöte nur von einer Belebung der privaten Wirtschaftsführung erwartete, festhalten. Die deutschen Arbeitgeber fordern hierzu H e r st e l - lung der nötigen Bewegungsfreiheit und Ausschaltung unsachlicher politischer Einflüsse auf die private Wirtschaftsführung, insbesondere in der Lohnbildung, die Wiederherstellung der eigenen Verantwortlichkeit der Parteien des Arbeitsoertrages als einzige sichere Grundlage für die Erziehung zur Zusammenarbeit. Was die Wirtschaft vor allem braucht, ist Ruhe und Stetigkeit, Vermeidung ständiger Äenderungen der gesetzlichen Grundlagen in Wirtschaft und Sozialpolitik, Sicherung der Kalkulation auf weite Sicht und damit die Wiederherstellung von Vertrauen und unternehmerischer Initiative, ohne die eine zuverlässige Beseitigung der heutigen Arbeits
losigkeit selbst bei weitgehender öffentlicher Auftragserteilung unmöglich sind.
0er Freiwillige Arbeitsdienst.
Anschließend erstattete Reichsarbeitsminister Dr. S y r u p ein Referat über den Freiwilligen Arbeitsdienst. Als Grundbedingung bezeichnete er den volkswirtschaftlichen Wert der Arbeit. Tie Ausführung von mittelbar volkswirtschaftlichen Arbeiten, wie die Errichtung von Spiel- und Sportplätzen, müsse auf ein Mindestmaß Hurückgeführt werden. Heber die sinnvolle Ausgestaltung der Freizeit sagte der Minister, die jungen Menschen mühten ihr eigenes Lebensschicksal im Rahmen der Röte unserer Zeit begreifen lernen und angeleitet werden, Wege zu neuem Aufstieg zu suchen. Der Staat sei bei dieser Erziehungsarbeit auf die Mitarbeit der erprobten Jugendbünde und Verbände angewiesen. Eine Verlängerung des Dienstes über 40 Wochen hinaus komme nicht in Frage, weil dadurch die Zahl, die man erfassen könne, zu stark herabgedrückt werden würde. Eine allgemeine Bevorzugung junger Kräfte sei im Hinblick auf die vielen erwerbslosen Familienväter unmöglich. Bei den Arbeitslosen selbst wachse der Wille zur Selbsthilfe, und gerade diese Ansätze müßten beachtet und unterstützt werden. Ebenso verdiene die Steigung der Arbeitsdienstwill'gen zur Siedlung jede Förderung. Arbeitsdienst und Siedlung gehörten in der Idee zusammen. Aufgabe der Staatsführung sei es, diese beiden Ströme der Volksgesundung in ein einheitliches Bett zu leiten.
Der Kamps um die Notverordnungen.
Die 2Reid)6regierung warnt im Haushaltsausschuh vor einer Aushebung.
Berlin, 14. Dez. (VDZ.) Der Haushaltausschuß des Reichstages setzte seine Beratungen über die ihm vom Plenum überwiesenen Anträge auf Aushebung bzw. Aenderung von Rotverordnungen fort. Vorsitzender Torgler (Komm.) stellre eingangs fest, daß alle Anträge, die sich auf die Frage der Arbeitsbeschaffung beziehen, im sozialpolitischen Ausschuß zur Beratung kommen. Zunächst wurde die Gruppe von Anträgen behandelt, die sich auf die Rotverordnung vom 4. September 1932 beziehen.
Abgeordneter Ersing (Zentr.) erklärte, als er vom Vorsitzenden zur Begründung des vom Zen
trum eingebrachten Antrages aufgefordert wurde, daß eine Begründung nach dem gestrigen Abstimmungsergebnis ja doch keinen Zweck habe: man soll nun gleich zur Abstimmung schreiten. Der Zentrumsantrag wollte unter prinzipieller Aufrechterhaltung der Rotverordnung die Abschnitte gestrichen haben, die die Ausgabe von Steuergutscheinen auf Grund der Mehrbesch ä f t i g u n g vorsehen. Anstelle dieser Bestimmung sollten die Arßeitsbeschaffungs- maßnahmen verbessert werden.
Ministerialdirektor Dr. Weigert widerriet
im Auftrage des jetzigen Reichsarbeitsministers der vorzeitigen Aufhebung der" Steuergutschein« für Mehrbefchäftigung von Arbeitnehmern. Nachdem zahlreiche Unternehmer im Vertrauen darauf langfristige Aufträge angenommen und Arbeiter eingcftclH haben, würde ein vorzeitiger Abbruch zu schweren Schädigungen und zur Erschütterung des Vertrauens zu den Maßnahmm der Regierung führen müssen. Eine Wieder- entlafsung von Zehnta,cs enden von Arbeitnehmern würde in der jetzigen Zeit besonders bedauerlich sein. Die W.rlschaftsver- bände berichten über erhebliche Inanspruchnahme; namentlich in der Landwirtschaft hoffe man, mit Hilfe der Steuer- gutfcheine einen höheren Arbeiterstand den W.n°> ter über halten zu können. Bei Erhaltung der Verordnung leien weitgehende Verbesserungen der Durchführungsbestimmungen beabsichtigt.
Abg. Reinhardt (Rats.) führte aus. die Belastung des Reichshaushalts der Jahre 1934 bis 1938 durch den Ausfall der Steuereinnahmen, die durch die Steuergutscheine abgelöst werden, belaufe sich auf rund 500 Millionen Mark jährlich. Wenn die Arbeitslosigkeit, was anzunehmen sei, in den nächsten Jahren nicht soweit zurück- gehe, da ß der Ausfall an Steuereinnahmen durch den verminderten Aufwand an Arbeitslosenunterstützung wettgemacht werden könnte, würde man sich einem großen Defizit im Etat gegenüber* sehen. Der mit Sicherheit zu erwartende Ausfall an Steuereinnahmen führe aber dann zu einer Einführung neuer Steuern. Abg. Reinhardt entwickelte zur Vermeidung dieser Gefahren ein Programm, wie durch die'e S e lergutscheine, die man als „Qlrbei tswechsel" bezeichnen könne, eine wahre Belebung der Wirtschaft herbeigeführt werden könne.
Abg. Dr. Hertz (Soz.) wünscht die Anwesenheit des Reichsfinanz., des Reichswirtschaftsund des Reichsarbeitsministers. Ter sozialdemokratischen Fraktion liege nichts an Beschlüssen, öie keine Wirkung haben. Ministerialdirektor Weigert teilte mit, daß die drei Minister gern bereit seien, sich an der Aussprache zu beteiligen, daß sie aber durch unaufschiebbare Besprechungen am Erscheinen verhindert seien. Der Ausschuß beschloß, unter der Voraussetzung, daß die drei Minister am Montag erscheinen können, an diesem Tage die Anträge zur Arbeitsbeschaffung zu beraten. Jedenfalls soll aber die nächste Sitzung, wenn die Minister am Montag noch nicht bereit sind, zu dem frühest möglichen Termin einberufen werden.
Oie Arbeit desReichskabinetis
.ftein akademisches Werkjahr. —
1 ^Milliarden für Arbeitsbeschaffung.
Berlin, 14. De;. (TU.) Die mehrstündige fia- binettssihung vom Mittwoch brachte als wichtigstes Ergebnis den Beschluß der Reichsregierung, die Tarlflockexnngsverordnung vom 5. September 1932 außer Kraft ju sehen. Damit ist den wünschen des Reichstages Rechnung getragen. In der Frage der Steuergutscheine sind irgendwelche weiteren Maßnahmen der Reichsregierung nicht beabsichtigt. Die Winterhilfe wurde eingehend behandelt, aber die Beratungen noch nicht zu Ende geführt, hier werden die zuständigen Stellen für die nächste Kabinettssihnng am Samstag eine Berordnung ausarbeiten, die dann vermutlich sofort in Kraft gesetzt wird.
weiter wurde der Bericht des Reichsaußenministers über die Genfer Verhandlungen entgegengenommen und vom Kabinett gebilligt. Eingehend erörtert wurde die organisatorische Gestaltung der Arbeitsbeschaffung. Der Aufgabenkreis des Reichskommissars für Arbeitsbeschaffung wurde genau feffgelegt. Er wird durch eine Verordnung des Reichspräsidenten in den nächsten Tagen veröffentlicht werden. Für die Arbeitsbeschaffung stehen 650 Millionen aus nicht begebenen Steuergutscheinen und 350 Millionen aus dem alten Arbeitsbeschaffungsplan der Regierung zur Verfügung. Zu dieser Milliarde soll noch eine weitere halbe Milliarde beschafft werden. Innerhalb des Reichskabinetts soll ein Ausschuß f ü r Arbeitsbeschaffung gebildet werden, dem der Reichskommisfar Dr. Gereke seine Anregungen gibt. Ein weiterer Ausschuß im Kabinett wird sich im besonderen mit der Siedlung und der O st h i l f e befassen. Er soll unter Leitung des Reichsernährungsministers stehen.
Das Kabinett hat sich dann weiter mit dem Vorschlag beschäftigt, ein Werkjahr oder ein halbes Werkjahr für die Abiturieu- t e n vorzuschreiben, die z u m akademischen Studium zugelasfen werden wollen. Es wurde aber davon Ab st and genommen, diese Neuerung bereits zum 1. April einzuführen, weil die technischen und organisatorischen Vorbereitungen nicht in dieser kurzen Zeit so schnell bewältigt werden können. Dagegen soll zunächst auf einen möglichst ft arten Einsatz der akademischen Jugend für den Freiwilligen Arbeitsdienst hingewirkt werden. Der Reichsinnen- und der Reichsarbeitsminister werden zusammen mit dem Reichskommissar für den Freiwilligen Arbeitsdienst diese Materie weiter bearbeiten und dem Kabinett bann entsprechende Vorschläge unterbreiten.
Mit der Aufhebung der Sonderge-
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