Ausgabe 
15.12.1932 Erstes Blatt
 
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sein, die Unterkunft in den Jugendherbergen suchen.

Und nun die zweite Frage: Können diese Ju­gendherbergen mit ihrem Millionenbesuch irgend­wie erneuernd auf die Gestaltung unseres volk- llchen Lebens, tonnen sie irgendwie erneuernd auf Geist und Haltung unseres Volkes einwirken? Einmal: Die Jugendherbergen werden benutzt von den Schulen aller Gattungen, von den Volksschu­len so gut wie von den Hochschulen: sie werden noch eifriger benutzt von den Iugendgruppen und Iugendbünden aller Richtungen und Schichten, von politischen, religiös-weltanschaulichen und sportlich-turnerischen Zugendverbänden aller Art. 3n ihnen treffen sich also in Geselligkeit und Ar­beit, in Spiel und frohem Aaturgeniehen junge Menschen aus allen Lagern unseres Volkes.

Die Jugendherbergen sind somit die einzige Plattform, auf der sich in Ernst und Spiel, in gemeinsamer Arbeit und gemeinsamer Freude alle mit allen treffen.

Freiwillig und freudig ist ihre Anteilnahme an der Gemeinschaft, die in jeder Jugendherberge die Gäste untereinander bilden. 2st es nicht mehr als Zufall, ist es nicht vielleicht doch ein Be­dürfnis, das die Jugend aus allen Lagern immer wieder begeistert zu diesem Erleben in die Ju­gendherberge treibt, in einer Zeit, da das Leben der Erwachsenen fast die Meinung auskommen läßt, als gehe es nur um Zersetzung und Gegnerschaft? Bahnt sich hier durch die Äugend nicht ein Aeues an, der Wunsch nach gegenseitigem Verstehen, die Sehnsucht, hinter dem Gegner und Andersdenkenden den Menschen, den Druder des gleichen Volkes zu fin­

den? Wer, der noch Verantwortung für sein Volk in sich trägt, möchte sich dieser Sehnsucht, diesem Erleben der Jugend entgegenstellen? 3a, gibt es überhaupt noch einen unter uns, der das nicht freudig begrüßte und der nicht auch von sich aus und für seinen Teil mithelfen möchte, dieses Werk zu fördern und ihm durch seine Mithilfe die Wei­terentwicklung zu gewährleisten? Hier geht die Jugend einmal einen Weg, der Erneuerung brin­gen kann: sie leugnet nicht den Kampf, aber sie kehrt auch die Besinnung daraus, daß je­de r Gegner gleichermaßen Bruder und Mensch ist, für den so gut wie für jeden andern die Welt der Arbeit und der Freude, der freien Meinung und zugleich der mittragenden Verantwortung geschaffen ist. An dem Ausbau dieses Weges m'tzuhellen, haben wir als Volk nicht mehr die Wahl, sondern die Pflicht.

Das Leben in den Jugendherbergen bedeutet für alle, die daran leilhabcn wollen, Einfach­heit und Anspruchsiofigkeit.

Diese Millionen, die da kommen, suchen bewußt diese Einfachheit. Es braucht sie keine Vorschrift und kein Verbot dazu zu zwingen. Einfachheit und Anspruchslosigkeit sind Teile i 3 freiwillig gewählten Weges. Liegt, nicht au..) darin ein Aufbruch zu neuer Gestaltung? Wird nicht auch darin einem ganzen Volk ein aufwärts­führender Weg vorgezeichnet?

Roch aber stehen wir am Anfang, noch aber wollen große Teile der 3ugend für dieses Werk gewonnen sein, und darum brauchen wir alle Her- &und darum brauchen wir alle Kräfte eines

es, das sich für den Weg seiner Jugend ver­antwortlich fühlt.

Wirtschaft.

Oer deutsche Außenhandel im November

Berlin, 15.Dez. (WTD. Funkspruch.) 3m Aovember hat die Einfuhr (393 Millionen Reichsmark) gegenüber dem Vormonat um 5 Mil­lionen Reichsmark ab genommen. Die Roh­stoffeinfuhr ist um 8 Millionen Reichsmark gestie­gen, dagegen wird die Lebensmitteleinsuhr um 12 Millionen Reichsmark niedriger ausgewiesen.

Auch die Ausfuhr (475 Millionen Reichs­mark) verzeichnet gegenüber dem Vormonat eine leichte Abnahme, und zwar um annähernd 7 Millionen Reichsmark. An dem Ausfuhrrück» gang sind jedoch die Fertigwaren nicht beteiligt, deren Absatz sich auf Dormonatshöhe gehalten hat, vielmehr beruht die Abnahme auf der Minderaus­fuhr von Rohstoffen und halbfertigen Waren um fünf Millionen Reichsmark und von Lebensmit­teln um 1,5 Millionen Reichsmark.

Di? Handelsbilanz schließt im Rovember mit einem Ausfuhrüberschuß von 82 (Okto­ber 84) Millionen Reichsmark ab. Für die elf rückliegeirden Monate dieses 3ahres er­gibt sich ein Ausfuhrüberschuß t> o n 1 01 2 Millionen Reichsmark, gegenüber 2624 Millionen Reichsmark im Vorjahr.

% *

Gelsenkirchener Bergwerks AG. Essen. Die Generalversammlung der Gelsen­

kirchener Bergwerks-AG., Esten, genehmigte ein­stimmig den 2Dschluß für 1931/32 (6,29 Mill. Mark Gewinnvortrag). Der Aufsichtsratsvorsihende, Generaldirektor Dr. D o e g l e r, erklärte, die Gesellschaft beabsichtige im Augenblick nicht, Phoe­nix- oder Stahlvereinsaktien aus ihrem Besitz von 90,62 Mill. Mk. bzw. 255,9 Millionen Mark zu veräußern oder irgendwelche Transaktionen da­mit vorzunehmen. Bei der Dividerrdenlosigkeit der Gelsenkirchener Bergwerks AG. sei der Rückgang der deutschen Stahlproduktion um etwa 70 Pro­zent und der Kohlenerzeugung um etwa 50 Pro­zent zu berücksichtigen.

* Schultheis-PatzenhoferBrauerei A G., Berlin. Der Aussichtsrat der Gesell­schaft schlägt der auf den 19. 3anuar einzuberusen- den Generalversammlung für das Geschäftsjahr 1931/32 die Verteilung einer Dividende von 6 Prozent auf die Vorzugsaktien und von 4 Prozent auf die Stammaktien vor.

Berlin befestigt und freundlich.

Berlin 15. Dez. (WTB. Funkspruch.) Der wirtschaftliche Optimismus, der in den gestrigen Reden Prof. Warmbolds und des Herrn von Krupp zum Ausdruck kam, hatte schon im heutigen Vorrnittagsoerkehr, unterstützt durch den festen Verlauf der gestrigen Neuyorker Börse und verschiedene andere günstige Wirtschafts-

nachrkchten (Schultheis-Dividende, Gelsenkirchen- Generalversammlung, gebesserte Rohstahlerzeugung usw.) eine freundliche Stimm ung hervor- gerufen. Diese war zwar auch noch zu Beginn bes offiziellen Börsenverkehrs vorhanden, kam aber kursmäßig nicht so stark, wie man erwartet hatte, zum Ausdruck. , . ....,

Die Kursgestaltung war ziemlich uneinheitlich, und es verstimmte in einigen Spezialwerten Herr auskommendes Material. So lagen Farben und AEG. unter Druck, Aku büßten auf den schlechten Abschlußbericht 1,38 v.H. ein, und Stöhr auf die Mitteilung in der Presse, daß auch für 1932 trotz gebesserter Ergebnisse keine Dividende zu erwarten sei, 1,25 v.H. Sonst eröffneten noch Deutsche At­lanten, Süddeutscher Zucker, Leonhard Tietz, Bu­derus, Harburger Gummi usw. bis zu 1,50 v. H. niedriger. Chadeaktien verloren 2,25 Mark. Ander­seits lag der Montanmarkt weiter ziemlich be­amtet. Rheinische Braunkohlen zogen erneut um 1,75 v.H. an. Bei Deutsche Wast-en, Schlesische Gas, Dortmunder Union, Schultheis und Hotel­betrieb gingen die Gewinne bis zu 3,50 v. H. Maximillanshütte hielten mit einer Steigerung um 4 v.H. den Rekord. Nach den ersten Kursen setzten sich ziemlich allgemein Kursbesse­rungen durch, da die Spekulation unter dem Eindruck guter Außenhandelsziffern für November verschiedentlich Käufe vornahm. Die Führung hatten neben dem Montanmarkt auch heute wie­der Elektrowerte. Auch aus dem Reiche sollen im Börsenverlauf in Erwartung günstiger Auslassun­gen bei der heutigen Schleicher-Rede größere Kauf­aufträge eingetroffen sein. Die Engelhardt-Braue­rei wurde im Zusammenhang mit dem Rücktritt Bodenheimers im Verlaufe 3,50 niedriger zur No­tiz gebracht.

Am Rentenmarkt blieb der Grundton freundlich. Im allgemeinen waren die Ver­änderungen gegen gestern nicht sehr groß. Indu- ftrieobligationen konnten aber im Verlaufe doch bis zu 1 v. H. anziehen, auch ReichLbahnoovzugs- aktien und Reichsschuldbuchforderungen waren eher gebessert. Von Auslandsreisen waren Bosnier nicht ganz preisha.tend.

Trotz des Medios blieb Tagesgeld auch heute weiter leicht, nur die untere Grenze wurde nicht mehr unter 4,25 v. H. unterschritten. Auch Privat­diskonten waren weiter eher angeboten.

Sronffurf befestigt.

Frankfurt a. M., 15. Dez. (WTB. Drahtmel- bung.) Der bereits stimmungsmäßig freundliche Vormittagsverkehr, heroorgerufen durch günstige Nachrichten aus der Industrie, übertrua sich auch auf den amtlichen Beginn der Börse. Die Aus­führungen des Reichswirtschaftsministers Warm- b o l d, daß auch die neue Regierung an den Haupt­punkten des Wirtschaftsprogramms vom 4. Sep­tember festhalten werde, sowie die Befestigung Wall- ftreets regte allgemein an. Mit Interesse sieht man den programmatischen Ausführungen des Reichs­kanzlers in der für heute abend angesagten Rund­funkrede entgegen.

Die ersten Notierungen waren nicht ganz einheit­lich, doch überwogen Befestigungen von 1 v. H., die sich im Verlaufe für einige Spezialwerte bis auf 2 v. H. ausdehnten. Im Mittelpunkt des In­teresses standen am Montanmarkt Stahlverein mit plus 1,90 o. H. und Gelsenkirchen mit plus 1,5 v. H. Lebhaftere Umsatztätigkeit entwickelte sich am Elek­

tromarkt für Schuckert und Siemens, die bis zu 2 o. H. anzogen. Lahmcyer, Rheinische Elektro Mann­heim, Bekula und Gesfürel gewannen bis zu 1 v. H., während AEG. und Licht & Kraft nur knapp be­hauptet waren. IG. eröffneten mit 96,5 v. H. unver­ändert, dagegen gingen Sch:ideanstalt in weiterer Reaktion auf die Steigerung um 2 o. H. zurück. Schwächer lagen auch Kunstseideaktien, von denen Aku 1,25 v. H. und Bernberg 0,5 v. H. einbüßten. Etwas freundlicher lagen noch Schiffahrts- und Zell­stoffwerte, ferner Reichsbankanteile und die Mehr­zahl der Elektronebenwerte.

Deutsche Anleihen waren nur wenig ver­ändert, Schutzgebiete lagen etwas fester, Stahloer- einbonds gewannen etwa 0,5 v. H. Reichsschuldbuch- forberungen waren gut behauptet. Von fremben Werten zogen Zolltürken und 4-v. H.-Einheilsrumä­nen bis zu 0,25 v. H. an. Ungarische Goldrenten waren knapp gehalten. Am Pfandbriefmarkt waren Goldpfandbriefe verschiedentlich leicht angeboten, doch wurde das herauskommende Material zu un­veränderten Kursen aufgenommen. Liquidations­pfandbriefe und Kommunalobligationen blieben meist unverändert. Etwas Nachfrage bestand noch nach einigen Industrieobligationen.

Im Verlaufe hielt sich vor allem Interesse für Montanwerte, die überwiegend neue Besse­rungen von 0 25 bis 0,75 v. H. verzeichneten. Die übrigen Marktgebiete waren bei sehr kleinen Umsätzen vernachlässigt und nicht immer voll be­hauptet. Die Grunidstimmung war aber weiterhin recht fest. Tagesgeld blieb zu 4,75 v. H. unver­ändert.

KrankfurLcr Schlachtvichmarkt.

Frankfurt a. M., 15. Dez. Auftrieb: 85 Rin- der, 1407 Kälber, 372 Schafe, 1318 Schweine, dar­unter 180 Memelländer. Es wurden bezahlt: Kälber: beste Mast- und Saugkälber 33 bis 36; mittlere Mast- und Saugkälber 29 bis 32; geringe Kälber 24 bis 28. Schafe: 1. Weidemast 23 bis 25; mittlere Mastlämmer 18 bis 22; fleischiges Schaf- oieh 15 bis 18. Schweine: von zirka 240 bis 300 Pfund Lebendgewicht 37 bis 39; von zirka 200 bis 240 Pfund Lebendgewicht 36 bis 39; von zirka 160 bis 200 Pfund Lebendgewicht 35 bis 38. Markt­verkauf: Kälber schleppend, Schafe mittelmäßig, Schweine schleppend, ausverkauft.

Kirchliche Nachrichten.

Israelitische Gemeinden.

Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Südanlage). Samstag, 17. Dezember. Vorabend 4.30 Uhr; morgens 9; abends 4.35 und 5.15 Uhr.

Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 17. Dezember. Freitag abend 4 Uhr; Samstag vor­mittag 8.30; nachmittags 4.35; Sabbatausgang 5.15. Wochengottesdienst: morgens 7.10; abends 4 Uhr.

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