Ausgabe 
15.12.1932 Erstes Blatt
 
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Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Bveryeftr»,

llr. 295 Zweites Blatt

i da wird nichts draus, Gust, dafür bin ich jetzt da.

Nachdruck oerboten

6 ftortleRung

schwarzen Erdreich gebündelt hatte, das Tuch auf dein Schreibtisch aus.

staunen!" ,, , .

Langsam zog Theobald aus seiner Tasche fein Taschentuch hervor, in dem er etwas von dem - -' ihündelt hatte. Er breitete

Wir dürfen nicht zögern. Die größte Erle tut not. Roch heute müssen wir reisen."

Was bist du für ein ungestümer Mensch, Theo!

.Bist du närrisch geworden, Theo?"

(Nein, ich bin nichts weiter als glücklich, un­sinnig glücklich! Die Herren wissen schon, Gust, warum sie den Wald kaufen wollen. Aber sre werden ihre Hände davon lassen. Wir sind auch nicht von gestern. Gust, du hast keine Ahnung, wie reich du bist..."

-21a so fror schon auf mit deinen dunklen Er­güssen.' Sag schon, was los ist! Hast du einen Schatz entdeckt?" .

lind was für einen Schah, du wrrst Bauklotze

Wenn ein Volk sich erneuern soll, so muh diese Erneuerung von der Jugend kommen. Es ist des­halb von größter Wichtigkeit für jedes Volk, wie seine Jugend lebt, was sie denkt, tut und treibt. Wir sind ja heute längst darüber hinaus, daß es der Erziehung letzte Weisheit wäre, die Jugend genau dieselben Wege zu führen, die wir selbst gegangen sind. Sie will geführt, aber sie will nicht festgelegt sein, sie will gewonnen, aber sie will nicht gehabt sein; daher ihr instinktives Weh­ren gegen jede Aeutzerlichkeit, ihr Wehren gegen jede aufgezwungene Einrichtung, ihr Streben^sich selbstbestimmend und selbstverantwortlrch den Weg zur Gestaltung eigenen Lebens zu suchen.

lind dennoch obliegt uns Eltern, Führern und Erziehern die Pflicht, die Jugend zu führen, so zu führen, daß der von ihr gewählte Weg auch ein erfolgreicher Weg wird; es

obliegt dem gesamten Volke die Pflicht, die Ber- wortung für die richtige Führung seiner Jugend zu tragen.

Diese Pflicht ist nur nicht mehr so leicht, als sie zu jenen Zeiten war, da die Jugend noch gläubig

rollten. Aus allen Ecken leuchtete es ihr entgegen: fünfhunderttausend Mark auf das Los Aummer 128713.

Ein fast irrer Schrei tönte plötzlich durch den Raum, laut und schrill. Magdalene Winter hatte sich in diesem Augenblick mit aller Gewalt zurück- gebogen, ein Zeitungsblatt an ihre Brust pressend. Sie hatte das Gleichgewicht verloren und war mit lautem Gepolter in dem hinter ihr stehendem, großen Papierkorb gelandet.

Entsetzt waren alle hochgefahren, starrten auf dos wie irrsinnig lachende Mädchen.

Ein wirres Durcheinander von Fragen setzte ein.

Dos Mädchen lachte weiter, halllos, unauf- hörlich.

Zum Donnerwetter! Was ist hier eigentlich los? Haben Sie den Verstand verloren, Fräu­lein Winter?"

Hippolyt Hoffmann stand plötzlich neben Mag­dalene, sie aus bösen Augen finster anstarrend.

Oh, Kinder, helft mir nur erst mal aus der Papieickiste heraus!"

Hilfreiche Hände streckten sich Magdalene ent­gegen. Tann, als sie wieder auf festen Füßen stand, fuhr sie lachend über Hippolyt Hoffmanns Kopf.

Ter Buchhalter wollte gerade in die Höhe fahren, als Teutobert Fischer plötzlich vor ihnen

Darf ich fragen, meine Herrschaften, was das alles zu bedeuten hat? Haben wir hier ein Kabarett oder ein Büro?"

Herr Fischer, lieber Herr Fischer... Sie wer­den ja gleich alles verstehen... Ich habe das Große Los gewonnen, fünshunderttausend Mark. Da, sehen Sie, das da ist meine Rümmer..

Aus Magdalenes hysterischem Lachen war plötz­lich lautes Schluchzen geworden.

Wieder starrten sie alle Augenpaare entsetzt an. Rur Teutobert Fischer blieb ruhig, sagte zu Magdalene, ihr die Hand entgegenstreckend:

Fräulein Winter, meine herzlichsten Glück­wünsche."

Magdalene jauchzte auf, machte einen Sprung.

Run bin ich reich! Run habe ich soviel Geld, wie ich nur haben will. O Gott! Ich muß sofort gehen, mir mein Geld holen. Ditte, Herr Fischer, geben Sie mir einige Zeit frei, Hnd vielleicht erlauben Sie, daß ich von heute an gar nicht mehr ins Büro zu kommen brauche, daß ich nicht erst kündigen muß."

Verlieren Sie nur nicht gleich den Kopf. Mädell Warten Sie erst einmal, bis Sie das Geld wirklich in der Hand haben. Man kann nie wissen es kann noch irgendeine Heberraschung kommen ein Druckfehler!"

Hm Gottes willen, Herr Fischer! Rein, da« wäre zu entsetzlich! Ich muß sofort zu meinem Lotterie-Einnehmer!"

(Fortsetzung folgt)

Tiefe Stille folgte. ~ . r. .

August prüfte die Erde, nut Zeigefinger und Daumen, dann mit beiden Händen. Staunend sah er das Wunder: seine Hände hatten sich schwarz gefärbt

Als er jetzt seinen Freund ansah, glomm ein freudiger Glanz in seinen traurigen Augen auf.

Theo... wenn es wahr wäre...'

Es ist wahr, Gust! Ich hab' Braunkohle ge­funden, in deinem Wälde..."

WaS machen wir nun, Theo?"

Wir müssen sofort nach Berlin, Gust und unseren Fund anmelden und uns die zum Abbau notweiidige amlliche Genehmigung holen."

Wobei du ganz vergißt, Theo, daß ich ein armer Schlucker bin. Zu solchen Hnternehmungen braucht man Geld, Geld und nochmals Geld."

Hnd du, Gust, vergißt, daß du ja einen reichen Freund hast. Ich sage gut für alles. Hnd wenn alle Stränge reihen, kehre ich zu meinem Vater zurück und bitte ihn um (Verzeihung. Sollst mal sehen, wie mein Alter lacht wenn ich ihm sage, daß ich vernünfttg geworden bin. Also laß mich nur alles machen.

Herrgott, Gust! Ich bin ja so froh. Jetzt wird dir bald geholfen sein, da bin ich ganz sicher."

Ich glaub vorläufig noch nicht an das Glück, Theo! Ich bin sehr skeptisch geworden in dieser letzten Zeit Das Leben hat mich zu hart ange- packt Hnd vor allem muß ich jetzt selbst mal hinaus, mir das Wunder anzusehen. Das Weitere wird sich dann finden."

Ra ja, Gust warte du nur, bis deine Gläu­biger erst hinter den Schatz gekommen sind. Dann wird nicht mehr viel für dich übrigbleiben. Aber

Bedenke doch nur..."

Es ist keine Zeit für Bedenken, Gust! Stelle dich dem Glück nicht in den Weg, sonst geht es über dich hinweg. Diesmal lasse ich dich nicht aus der Hand. Du mußt f chon mir die Führung über­lassen ..."

Magdalene Winter ging ins Geschäft wie alle anderen Tage des Jahres. Aber seit vierzehn Tagen etwa war das muntere Mädchen völlig verändert Sie war nicht mehr schlagfertig und nicht mehr gesprächig; in den Pausen sah sie starr vor sich hin, als ob sie schwere Gedanken in ihrem hübschen Kopfe wälzte.

Ihre Kollegen und Kolleginnen sahen sie immer wieder von der Seite an. Aber niemand wagte es, sie zu stören. Rur untereinander tauschten sie Vermutungen aus, weshalb Magdalene so bleich und so verstört aussah, und weshalb sie zusam­menzuckte, wenn man sie ansprechen mußte.

Auch ihre Arbeit taugte nicht mehr viel. Sie, die sonst so gewissenhaft war, daß selbst Hippolyt Hoffmann nicht viel an ihr aussetzen konnte, tippte oft das ungeheuerlichste Zeug zusammen.

Was war nur mit Magdalene Winter?

Vierzehn Tage schon ging die Ziehung der Lotterie, mit jedem Tag schwand ein Stück von Magdalenes Zuversicht, mit jedem Tage sank ihre Hoffnung weiter zusannnen.

TaS Bewußtsein chres Leichtsinns wuchs ins Riesengroße. Mit Entsetzen dachte sie an die Zeit, die jetzt kommen würde.

Sie würde sich nicht satt essen können; und an die Miete durfte sie gar nicht denken. Seit einigen Tagen schon sie nur noch trockenes Brot hier und da einen Apfel.

Frau Hahn hatte schon einige Male gefragt; Magdalene hatte sie inständig gebeten, noch nicht zu fragen später, später würde sie alles er­zählen. Die gute Mutter Hahn setzte ihr doch jeden Abend irgend etwas Gutes vor, und das war das einzige, was ihr einigermaßen Kraft gab.

Es war ein Glück, daß sie diese Wirtin ge­funden hatte, sonst hätte sie jetzt verhungern können, wo sie ganz ohne Geld dastand.

Magdalene schämte sich, Frau Hahn ihren Streich einzugestehen.

H:u.e hatte sie ihre letzten ? fenn g ausgegeom, für ein paar Bröcchen. Run yatte sie nur noch den Zeitungsgroschen. Der Lehrling würde ihr die Zeitung mit der Gewinnliste nachher besorgen; das ewige Rachsehen bei dem Kollekteur hatte sie satt Dort verulkte man sie schon, ihrer eifrigen Rachforschungen wegen.

Ach Gott, sie war so unglücklich. Dabei mußte

Nllm Dom W

Roman von Margarete Antelmann.

Copyright by Markin Feuchtwanger, Halle (Saale)

sie ihre Gedanken zusammennehmen, daß ihre Arbeit etwas taugte.

Teutobert Fischer war ohnehin schlecht genug gelaunt in den letzten Tagen. Deshalb, well er sich mit seinem Sohne gezankt hatte. Seit vor­gestern war der junge Herr verschwun^i^ die Laune des Alten war seitdem unter den Gefrier­punkt gefallen.

Was war dieser Theobald Fischer aber auch für ein dummer Kerl! Setzte sich da Flausen in den Kopf von wegen Sport und Doxchampwn. Hnd hätte hier den herrlichsten Dettieb, könnte leben wie der liebe Gott in Frankreich. Wo in aller Welt mochte er jetzt herumvagabundieren?

Las ganze Büro wußte, daß Teutobert Fischer jede Post fieberhaft auf eine (Nachricht von Theo­bald durchsuchte. Hnd daß seine Laune immer schlechter wurde, je länger diese Rachricht aus­blieb. Der Junge hatte einen fürchterlichen Dick­kopf; Teutobert Fischer würde lange warten müssen, ehe der zu Kreuze kroch.

Aber sie alle mußten dafür die Launen Teuto- berts mit in Kauf nehmen. Man durfte nicht wagen, sich zu widersetzen; auch dann nicht, wenn der Ehes ungerecht tadelte.

Hippolyt Hoffmann schritt ganz in den Fuß- stapfen seines Herrn. Er war mürrisch wie nie, fast noch schlimmer als der Chef selbst

Auch jetzt schielte er wieder zu Magdalene herüber. Mochte er! Das konnte sie nicht hindern, die Zeitung zu studieren, die der Lehrling gerade vor Magdalene hingelegt hatte.

Da war die Gewinnliste. Fieberhaft irrten Magdalenes Augen über die Zahlenreihen.

Da was war das? Magdalenes Atem stockte.

Fünfhundert tausend Mark auf das Los Rüm­mer 128 713. A .

Sie blinzelte mit den Augen, las noch einmal und immer wieder. Fünfhunderttausend Mark auf das Los Rümmer 128 713."

Großer Gott, das war doch ihre (Hummer! Sie schloß die Augen, las noch einmal. Die (Kummer veränderte sich nicht

Scheu sah Magdalene sich um. Ihre Augen gingen über den Raum. Dort saß Inge Heinzius und kokettterte nut ihren schön polierten Finger­nägeln; drüben stand Franz Müller, beschäftigte sich im Archiv; Arnold Decker schrieb wie besessen, Zahlen über Zahlen... , . ..

Hnd sie hielt die Zeitung m der Hand, Die bas Glück brachte. Da war nicht mehr dran zu rütteln alles stimmte.

Das Los (Kummer 128 713 hatte den Haupt­gewinn gezogen.

Magdalene fuhr sich über die Augen, die 6hm, bas Haar, holte ein paarmal tief Luft Es war, als ob ein riesiger Felsblock sich verteilte, der auf ihrer Drust gelegen hatte.

Dis dann plötzlich der ganze Raum sich zu drehen ansing, vor ihren Augen Feuerräder

Herr Mahraun wird es nicht übel nehmen, wenn mir auch seinen Plan kritisch untersuchen. Daß er aus einem starken Idealismus geboren ist und aus dem beißen Willen, eine bessere Ordnung für Deutsch» land zu finden, wollen mir gern zugeben, und es märe falsch, solchen ehrlichen Versuchen, an die viele Menschen glauben, mit glatter Ablehnung zu be­gegnen.

Mahraun mill den Großgrundbesitz, d. h. allen Besitz über 100 Hektar, in Siedlungsland verwarn dein Er geht mithin bei dem Begriff Großgrund, besitz schon sehr weit und beseitigt auch Betriebe, die mir namentlich im Osten als großbau er» l i ch bezeichnen. Er ist der Auffassung, daß die Zeit des Großgrundbesitzes vorbei ist. Man merde nur einige Versuchsgüter behosten. Der Bauer erzeuge mehr Edelprodukte, der Großgrundbesitz mefrr Acker- Produkte, insbesondere Korn. Wertmäßig gesehen, schaffe der Bauer mehr. Wenn das deutsche Voll Edelprodutte, also Eier, Butter, Käse, Fleisch, aus fremden Ländern einführen müsse, dann sei das wertmäßig gesehen oder in Devisen ausgedrückt, ein bedeutend höherer Aufwand, als wenn es eine feh­lende Menge an Korn einführe. Die deutsche «wolle ei also vom Standpunkt der Rentabilität unserer gesamten Volkswirtschaft aus ergiebiger in der Hand des Bauern, als in der Hand des Großgrundbesitzers. Damit sei die bäuerliche Wirtschaft vom Standpunkt der gesamten Volkswittschaft aus die bessere Form der Bewirtschaftung des deutschen Bodens.

Die Unterscheidung: Großbetrieb gleich Körner­bau, Bauernwirtschaft gleich VereDelungswirtschaft ist indessen in dieser allgemeinen Form nicht richtig. Denn auch im bäuerlichen Betrieb werden in erheblichem Umfang Weizen und Roggen gebaut 34 v. H. der deutschen Roggenproduktion stammen aus Kleinbetrieben, im Großbetrieb Veredelungs­produkte hergeftellt. Aber es ist unmöglich, unsere Agrarwirtschaft lediglich unter dem Gesichtswinkel zu orientieren, welche Produkte wertvoller sind. In der F l e i s ch P r o d u k t i o n sind wir heute bereits an der Grenze angelangt. Es zeigt sich das Darin, daß die Einfuhr an Fleisch etwa noch - v.H. des Konsums ausmacht. Die stark gedrückten Preise, insbesondere für Schweinefleisch, führen nicht von der Einfuhr her, sondern von einem schon bestehen­den Ueberangebot an Schweinefleisch aus der inländischen Produktion. Gewiß kann die G e m ü s e-, O b st- u nd E i e r p r o d u k- t i o n, in der noch eine größere Einfuhr vom Aus- land stattfindet, gesteigert werden. Aber hier sind selbstverständlich Grenzen gesetzt, so daß der Ge­danke, den Körnerbau des Großgrundbesitzes durch die VereDelungswirtschaft der Bauernwirtschaft zu ersetzen, schon marktmäßig undurchführbar erscheint, abgesehen davon, daß auchdie Böden sich nicht einfach nach dem Großen Plan richten, sondern es kein Zufall ist, daß im Osten der Körner- und Kar­toffelbau überwiegt, im Westen die Veredelungs­wirtschaft und daneben sich der Rübenbau im Groß­betrieb als besonders rationell entwickelt hat.

Gerade wer nicht nur in der Erhaltung, sondern auch der Weiterentwicklung eines aesunden deutschen Bauernstandes eine der großen Aufgaben der deut­schen Politik erblickt, wird sich vor Uebertreibungen hüten müssen, die faliche Vorstellungen erwecken und in der Endwirkung mehr schaden, als nutzen. Des­halb kann von einer Siedlung in dem Umfang, wie ihn Herr Mahraun sich denkt, schon aus allgemeinen Grundsätzen Der Agrarpolitik heraus keine Rede sein. Man hat sich in den vergangenen Jahren viel­fach über die Möglichkeit der Siedlung unterhalten. Die Meinungen sind sehr auseinandergegangen. Aber selbst die größten Optimisten sind in ihren Schätzungen weit hinter dem zurückgeblieben, was der Große Plan als möglich voraussetzt.

Man wird weiter Die Frage aufwerfen, woher diese eine Million Menschen kommen soll. In einem Aufsatz imJungDeutschen" wird al-

Mahrauns Großer plan

Don Professor Or. Moldenhauer, et) em. Reichsfinanzmimster

Nachdem Der Präsident Des Statistischen Reichs­amts, Professor Wagemann, seinen Plan vor- gelegt hat, Der von Der monetären ©eite aus d-ie Krise überroinöen will, nachDcm Gregor Straßer seinen Plan veräffenüicht hat, Der in Planwirtschaft, Verstaatlichung Des Bank- und Kreditwesens und einem großen Arbeitsbe- schaffungsprogramm Die Lösung aus Den «chwie- rigieiten sieht, hat Der Großmeister Des Iungdeut- schen OrDens, Artur Mahraun, auch seinerseits einen Plan ausgearbeitet, für Den er in Der breiten Oeffentlichkeit wirbt und den er Den Großen Plan nennt. Die Grundzüge seines Planes sind in Dem AbschnittDie Notzange" nieDergelegt. Diese Not­zange soll mst vier scharfen Zähnen zubeißen: es sollen nämlich durchNeuorDnungdes Deut, schen Raumes eine Million neuer Deutscher Bauernhöfe geschaffen werden, auf denen vier Millionen Menschen Befchäftihung finden. Da eine Million von Diesen bereits beschäftigt war, würben Der Arbeitslosigkeit Drei Millionen Menschen ent­rissen werDen. Die neu geschaffenen Dörfer roüröen rund einer halben Million Menschen in Handwerk, Gewerbe, Verwaltung und Verkehr neue Arbeits­plätze geben. Die Einführung Der allgemeinen VolksDien st pflicht nehme 800000 Jugend­liche vom Arbettsmartt weg. Damit feien 4,3 Mil­lionen Menschen Der Arbeitslosigkeit entrissen. Schließlich führe Die hiermit verbundene Sen­kung Der Saften der Wirtschaft Das nötige Kapital zu. Die Durchführung Des riesenhaften Ko­lonisationswerkes kuroele Die gesamte Wirtschaft von unten her an, während es Der Fehler Des Reichskanzlers v. Papen geroefen fei. Die Wirtschaft von oben anzukurbeln. Dies sei Die Losung Der Wirtschaftsnot Durch Die richtige Organisation un­seres Raumes und unserer Menschen.

Mahraun will Das Siedlungsgebiet gewinnen, indem der gesamte Großgrundbesitz, das sind rund 20 Millionen Morgen, für S i eD - lungszwecke zur Verfügung gestellt wird. Die Besitzer erhalten eine Entschädigung in Schuldver­schreibungen Des Reiches, die mit 5 Prozent ver­zinst werden. Die Entschädigung soll für den Mor- gen 400 Mark betragen. Die Entschädigung belauft sich also auf 8 Milliarden Mark, Die Zinsenlast auf, 400 Millionen Mark jährlich. Da er rechnet, Daß durch Diese Siedlungstätigkeit Drei Millionen Arbeitslose fortfallen, ergibt sich eine Ersparnis van 2 MilliarDen Mark jährlich, von Denen Die 400 Millionen abzu­ziehen sind, so Daß Der Staat immerhin noch 1,6 MilliarDen Mark erspart. Die Umwandlung des Großgrundbesitzes in bäuerliche Siedlungen soll im wesentlichen Durch Den Volksdienst erfolgen, Der seine Kosten selbst trägt, inDem sie gleich Den ersparten Arbeitslosenunterstützungen sind. Als Material soll vorwiegenD Holz genommen wer­den, Das der Staat kostenlos aus seinen Wäldern gibt Für Die Transporte sollen neben Der Reichsbahn, von Der nicht ganz einwandfrei gesagt ist, ob sie Die Transporte kostenlos Durchführt, Die frei werdenden Pferde und Geschirre des Groß­grundbesitzes und Die Transporteinrichtungen Der Reichswehr benutzt werDen. Selbst wenn diese Ge­samtkosten 2 MilliarDen betrügen, wäre Die Er- sparnis noch außerorDentlich groß. So kommt Mah- raun zu Dem Sch, daß sein Vorschlag für beide Seiten, kapitalistifch gesprochen, ein ausgezeichnetes Geschäft sei. Der Staat spare mindestens 1,5 Mil- Norden Mark jährlich, im Laufe der Zeit erheblich mehr, der Großgrundbesitzer erhalte nun- mehr 5 Prozent des Wertes feines Grund und Bo- Dens, während er jetzt bei Der großen Schuldenlast nicht ein und aus wisse.__

Gutsgebäude und Durch Verringerung des Umfang» Der GebänDe, namentlich Der WohngebäuDe und des Scheunenraums. Es würde also Die Durchführung Des Mahraunjchen Planes allein an Bau­kosten einen Aufwand von 6 bis 7 Milliai - Den RM. crforDern. Dazu kommen Die gesamten Wegearbeiten, Bodenoerbesserunaen und dergleichen. Die ebenfalls einen sehr großen Aufwand erfordern, sowie Die Ausstattung mit Vieh ufm. Mahraun will nun beiDe Kosten senken, inDem er Die Hausey mög­lichst aus Holz Herrichten will, Das Die Staats- roalDungen umsonst hergeben, unD indem für Die Arbeit Der VolksDienst eingesetzt wird. Aus Den Waldungen zieht Der Staat heute seine Ein­nahmen. Wenn er Das Holz umsonst liefert, so fehlt ein entsprechender Betrag in Der Staatskasse, Der Durch Steuern ersetzt werDen muß. Oder soll plötzlich der Preußische Staat als Der größte Forstbefitzer DeutschlanDs Raubbau in seinen Wäldern treiben? Dazu kommen die sehr erheblichen Kosten Der Holz- fäUung und -bearbeikung. Inwieweit diese Arbeiten durch Den Dolksdienst übernommen werDen können, müßte untersucht werden. Aber auch Dieser Volks- Dienst ist sehr kostspielig. Der neue Reichsarbeits- Minister Syrup, bisher Reichskommissar für Den freiwilligen Arbeitsdienst, berechnet Die Kosten pro Mann auf mindestens 1000 RM. im Jahr, während ein Arbeitsloser durchschnittlich 500 RM. kostet. Die 800 000 im Volksdienst Beschäftigten bedeuten also einen Mehraufwand von 400 Millionen RM. Man kann im kleinen Arbeitslager, wo Menschen, von reinem Idealismus getrieben, zusammen arbeiten, Dinge verrichten, die als Masfenleistung von Per­sonen, Die mehr oDer minDer hierzu gezwungen werDen, niemals erreicht werden können.

Der Iungdeutsche Orden hat sich Durch sein Ein­treten und feine praktische Mitarbeit am freiwilligen ArbeitsDienst ein großes und unbestreitbares Ver- Dienst erworben. Wenn er gleichzeit.g Diese GeDanken für Die Siedlung dienstbar machen will und wenn er Dem deutschen Volk die Notwendigkeit der Wei- terentwicklung Der bäuerlichen Wirtschaft klar macht und Dafür kämpft, so verdient diese Tätigkeit unser aller Unterstützung. Wer Die wirtschaftlichen und finanziellen Unterlagen Des Mahraunschen Großen Plans beDürfen noch, wie hier gezeigt wurde, einer sehr sorgfältigen Nachprüfung.

Volkserneuenmg undZugendherberge

Don Oberschulrat Hassinger.

alles guthieß, was ihr von den Erwachsenen vor­gelebt und vorgedacht wurde. Aber deshalb ist sie um so ehrenvoller und deshalb verlangt sie um so größere Verantwortlichbeit.

Da ist das Werk des Jugendherbergsverban- des, da sind die mehr als zweitausend Jugendherbergen, zu deren ausgieDiger Benutzung die gesamte Jugend des dei'tschen Vol­kes aufgerufen ist. Sollen wir als Volk dieses Werk sich selbst überlassen, uninteressiert daran, ob es bestehen kann, oder ob es vielleicht unter der (Kot der Zett zusammenbrechen wird? Dazu wäre zu fragen: Wie stellt sich die Jugend un­seres Volkes zu diesem Werk? Aur zwei Zahlen:

3m Jahre 1911 übernachteten in den wenigen Dürftigen Jugendherbergen (gegründet wurde der verband 1910) etwa 3000 jugendliche Gäste, im Iahre 1931 nach 20 Jahren also über vier Millionen.

Die Jugend hat also dieses Werk durchaus bejaht. Die Entwicklung geht auswärts, im kommenden Jahre werden es noch mehr Millionen

lerbings erklärt, Daß nicht auf einmal Diese eine Million anaesetzt werden soll, vielleicht im ersten Jahr nur 150 000. Einer Der besten Kenner und größten FreunDe Der SieDlung, Der Regierungsrat a. D. Maßmann , führt in einem Aufsatz im Heimatdienst" aus, daß, wer in Der praktischen Siedlungsarbeit stehe, weiß, Daß es unmöglich sei, mit einem Schlage HunDerttausenDe oDer Millionen von Menschen als Landwirte auf eigenen GrunD unD BoDen neu anzusetzen. Er weiß, Daß es ein vergeblicher Versuch, ja Daß es eine Katastrophe wäre, wenn man Den Plan Durchführte, Städter ohne Umschulung und Vorbereitung in Die Land- wirtschaft einzuführen. Der Beruf Des LanDwirts erfordere fo viel Vorbildung und so viel inneres Verwachfenfein Des einzelnen mit seiner Arbeit, wie wohl kein anDerer Beruf. (In einer Sonderdarstellung DerDeutschen Tageszei­tung" über Das Siedlungswesen roirD ausgeführt, Daß im günstigsten Falle 150 000 neue Bauernstellen errichtet werDen konnten. Sozialistische Siedlungs- politiker gelangen zu einer Ziffer von 300 000 Bauernstellen.)

Nun aber auch ein sehr ernstes Wort zu Der fi­nanziellen Frage. Man wird immer ein wenig mißtrauisch, wenn jemand erklärt, ein Mittel ge­funden zu haben, Ausgaben, Die bisher in großem Umfang bestanDen haben, vollständig verfchwinDen zu lassen. Man wirD fast immer Dahinter kommen, Daß irgendwo ein Rechenfehler steckt. Zunächst geht Mahraun davon aus, daß wir auf absehbare Zeit mit 5 bis 6 Millionen Arbeitslose r zu rechnen haben. Denn nur dann kommt Die von ihm ausgerechnete Ersparnis heraus. Nun wissen wir, Daß Die wirtschaftlichen StrukturwanDIungen sicher auf lange Zeit eine Arbeitslosenziffer bedin­gen werden, die über Der Der Vorkriegszeit liegt. Aber es ist Durch nichts bewiesen, daß mit einer Arbeitslosigkeit auf Die Dauer zu rechnen ist, wie sie im tiefsten Stand einer wirt­schaftlichen Depression vorherrscht. Der zweite Fehler Mahrauns liegt Darin, Daß er Die Kosten Der SieDlung so außerorDentlich ge­ring veranschlagt. Allein für Die Bauten hat man früher etwa 20 000 RM. pro SieDlung gerechnet. Jetzt rechnet man mit Baukostensätzen von Durch­schnittlich 6000 bis 7000 RM. Die Verbilligung roirD erzielt durch weitgehende Verwendung Der alten

Donnerstag, 15. Dezember 1952

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