Ausgabe 
15.12.1932 Frühausgabe
 
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MM

Der

Blick auf eine Tunnel-Einfahrt der St. Gotthard-Strecke.

Die

Situationsskizze mit der Unglücksstelle (Pfeil).

Die Untersuchung der Schuldfrage.

Aus aller Welt.

Direktor Brolat abberufen.

Lieber die eisenbahntechnischen Ver­hältnisse im Gütschtunnel wird amtlch milgeteilt: 3m Gütschtunnel müssen "beide Sch.e- nenstränge als E i n s p u r nach beiden Richtun­gen hm benutzt werden, und zwar dienen der östliche Strang für die Züge ZürichLuzern und LuzernGotthard, der westliche für die Züge LuzernDa,el und BernLuzern, so daß also bei zeitlichem Zusammentreffen zweier Züge immer der eine vor dem Tunnel onhalten muh. Bisher hat sich dieses System in den etwa

zwei Mann im Führerstand sein sollten. Es ,ei bemerkt, das) an der gleichen Stelle im Jahre 1911 elf Bahnarbeiter von einem daherrajenden Zug überfahret worden seien.

25 Jahren seit der Eröffnung des Tunnels ohne jegl.chen Unfall durchführen lassen, aber es be­stand doch schon seit Jahren der Plan, die ganze Anlage auszubauen. Die Ver­wirklichung des Projektes scheiterte aber an den großen Kosten.

DieVene Züricher Zeitung" wirft in einer Betrachtung der Katastrophe die Frage auf, ob die,es Unglück geschehen wäre, wenn der Stand der Eiszugslokomotive mit zwei Mann be­seh! gewesen^e. Beide Züge seien nämlich in dem in der Schweiz vielfach gebräuchlichen E i n- manns y st e m betrieben worden. Die Meinung weiter Kreise gehe dahin, daß bei Fahrtgeschwin- digleiten von 70 Kilometer und mehr unbedingt

richte und der Milderung der Terror, und Presseoerordnung hat sich das Kabinett dem pro gramm entsprechend heute noch nicht besaht. Sie bleiben einer Kabinettssihung vorbehalten, die für Samstag in Aussicht genommen ist und diese fra­gen bereits so stark fördern soll, dah die Ver­kündung im Laufe der nächsten Woche erfolgen kann.

Oer persisch-britische Oel-Konfliki kommt vor den Völkerbundsrat.

Aufhebung der Tariflockerungsverordnung. Berlin, 14. Dez. (WTB.) Die Reichs- regierung hat heute die Aufhebung der Verordnung zur Vermehrung und Erhaltung der Arbeitsgelegenheit vom 5. September 1 932 beschlossen. Als

Das Eisenbahnunglück bei Luzern

Insgesamt sechs Tote und dreizehn Schwerverletzte.

London, 14. Dez. (XU.) Die persische R e - g i e r u ir g übergab am Dienstagabend dem eng» lischen Gesandten in Teheran die Antwort auf die letzte englische Note in der Frage der Anglo-Per- sian Oilkonzession. Die persische 'Jtegierung g-.bt für die ft'ünbigung der Konzession neun oelschiedene Gründe an. Vor allem weist sie darauf hin, daß die Konzessionunter Druck" erteilt wor­den sei. Sie beklagt ferner sich über die u n ge rechte Verteilung d e r Gewinne und Re» galienzahlungen, über nicht genügenden Einfluß auf die Buchführung, die Steuerfreiheit der Gesellschaft, den zu'hohen Oelpreis in Per­sien und die Benachteiligung der persischen Oelfelder gegenüber den ausländischen. Die peisische Regie- rung erkennt nicht an, daß sie verpflichtet sei, sich einem Spruch des Haager Schieds­gerichtshofes zu unterwerfen, da dieser für einen Streitfall zwischen der Regierung und einer privaten Gesellschaft nicht zuständig sei. Sie weigert sich ferner, irgendwelche Verpflichtungen für etwa entstehende Schaden der Ang o-Peisian Dil Ge­sellschaft zu übernehmen, da sie niemals in die An- gelcgenheiten der Gesellschaft eingegriffen habe und erklärt, daß die Aufnahme von Verhandlungen mit der Gesellschaft unmöglich sei, solange England eine drohende Haltung ein nehme. Die persische Regie­rung bedauert, daß die englische Regierung den Widerstand der Gesellschaft duich Ausübung eines Druckes auf die persische Regierung fördere. Sie hält die englische Stellungnahme mit dem Geiste der Versöhn lich.e<ck und des Friedens nicht für vereinbar und fühlt sich daher berechtigt, im Völker- bundsrat von den Drohungen und dem Druck Kenntnis zu geben, den die englische Regie- rung auf Persien ausübe.

Die englische Regierung hat in einem Tele­gramm den Generalsekretär des Völ­kerbundes darauf aufmer.sam gemacht, daß der Konflikt mit Persien die Gefahr eines Abbruches der Beziehungen zwischen

Aufsichtsrat der Berliner Verkehrs- gesellschast beschloß, Direktor Brolat als Vor­

standsmitglied der BVG. abzuberufen und mit sofortiger Wirkung auf seine weitere Dien st lei st ung zu verzichten. Eine Reubesetzung des Postens ist nichtvorge- sehen. Brolat erhält also weiter sein Gehalt bis zum Ablauf seines Vertrags, also bis zum 31. Dezember 1933, und wird dann pensio­niert, vorausgesetzt, daß nicht inzwischen der Ausgang des gegen ihn schwebenden Straf­verfahrens wegen Meineids eine anderwei­tige Regelung, gegebenenfalls eine fristlose Entlassung ohne Pensionsansprüche rechtfertigen würde

Rundfunkbotschafl des englischen Königs zu Weihnachten.

König Georg wird zu Weihnachten für das ganze Britische Reich eine Rundfunkan- jj>rad)e halten. Die technischen Vorder, itun,en für die Verbreitung sind abge,chlossen. Die R»e wird auf allen heimischen Sendern sowie auf dem indischen De am verbreitet­werden. Für diejenigen Teile des Britischen Rei­ches, die nicht im Bereich der indischen Richtan­tenne liegen, wird die Rede durch die gewöhnlichen Großsender verbreitet.

Handwerk will verstanden fein.

Don Peter Peppermint.

Wenn man in Genua auf dem Hauptbahnhof ankommt, darm sollte man, wenn man das Ge­fühl hat, recht unrasiert zu sein, die Via Balbi hinaufgehen und in die dritte oder vierte Quer­straße hineinschwenken, um sich beim Signore Vit- torio Boccini zu einem noblen Mann machen zu lassen. Richt, als ob er besser rasiere oder vorneh­mere Essenzen zu seinem Handwerk gebrauche, als seine Kollegen, o nein, aber der kleine Herr, der einen so wohlsituierten Eindruck macht, weiß eine Geschichte aus seinem Leben zu erzählen, die nicht nur seine Wohlhabenheit begründet, sondern auch beweist, daß Dittorio Boccini nicht ohne Geistes­gegenwart und angebome Schläue ist. Er hat die Geschichte vielleicht tausendmal erzählt, aber sie ist im Gegensatz zu vielem, was die Menschen zu erzählen wissen, stets die gleiche geblieben.

Er wird Sie liebenswürdig begrüßen und Ihnen einen der sechs Stühle anbieten, die ganz modern sind mit auswechselbaren Sihflächen und derglei- chen neuzeitlichem Raffinement. Aber indem Sie Platz nehmen, erzählt er Ihnen gleich, daß fein Laden nicht immer so komfortabel eingerichtet ge­wesen wäre. Früher habe er nur ein ganz kleines Geschäft mit einem einzigen Stuhl besessen habe auch keine Gehilfen beichäftigen können, und sei überhaupt ganz allein gewesen. Aber das Schick­sal habe ihm einmal vor einigen Jahren eine Be­lohnung in Höhe von 23 000 Lire in die Hand gespielt. Lind das ist eben die bewußte Ge­schichte.

Während fein geschäftiger Pinsel die Seife über der Llnterpartie Ihres Gesichts gewaltig schäumen läßt, erzählt er Ihnen, daß eines Tages in jenem kleinen Lädchen - den Romen der Gasse habe ich vergessen - ein großer, starker Mann erschienen sei.

»Ein Mann, sag ich? Ein Herr schon! Ein vor- nehmer Herr. Ein Cavaliere. Ich darf sagen, ein Cavaliere von fünfzig Jahren. Er wollte per baccol - sich den schönen Dollbart abnehmen und die Haare färben lassen, Signore! Ein Mann donfunfzig Jahren, sonderbar."

Der kleine freundliche Herr Boccini wird jetzt SlLx®9»"^ Schwung den Seifenschaum an der ^anö ins Decken schleudern, sich die Hände trock.

^afiemeffer in südländischem Tempo uvex den Streichriemen gleiten lassen.

»Die Haare färben? Maledizione! Ich stutzte begann aber mein Handwerk. Wollen Sie bitte

den Kopf etwas mehr nach links neigen, Signore! Grazie tante! Der Mann nahm eine Zeitung aus irgendeiner Tasche und las. Lind ich rasierte ihm den schönen Dollbart Stück um Stück ab. Ist das Messer auch nicht zu schürf? Lind wie der Mann los ~, ba, Signore, da fällt mein Blick auf ein Bild in seinem Journal, eine Photographie, barf ich bitten, jetzt nach rechts! Grazie tante! Signore dieses Bild. - zeigte die Physiognomie meines Kunden! Ja, er war es! Mir zitterte das Messer in der Hand - denn da war ja ein Steck­brief abgedruckt und 23 000 Lire waren auf diesen Kops gesetzt, der unter meinem Messer war. Ich war ein armer Bursch und 2)000 Lire verspra­chen em Märchenland. Ich darf nachrasieren?"

Wieder wird Dittorio Boccini zum Decken huschen und wieder einseifen und wieder er­zählen.

Signore, der Mann war ein gesuchter Mörder. Ich war ein armer Friseur und, per bacco, kein Held! Ich starre auf das Bild und will ver­gleichen Ich schaue in den Spiegel, da sieht w'ch dieses Gesicht an, diese Disage, da starrt dieser porcaccione, dieser Schweinehund auf mich, unheimlich, fest - ich wollte fliehen, ich wollte Hilfe holenSie färben mir jetzt die Haare! Tiln sie das nicht, ist ihr Leben zu Ende! Allez! ün& unter der weißen Serviette lugte ein schwar-

*^ng hervor, das mich schaudern machte. Boccini schabt dann aufs neue.

Eine verdächtige Bewegung durste ich nicht machen, Signore! Er verlangte, daß ich die Türe verschloß, damit uns keiner störe! Darf ich mit Essigwasser nachwaschen, Signore? B.tte. Wir wußten beide, wie es um uns stand. Ich habe gezittert und ich bin ja Dittorio Boccini habe überlegt. Etwas Puder angenehm? Richt? Gut. Ich habe seinen Wunsch erfüllt und ihm die Haare gefärbt. Si, Signore! Warum lernen wir Haare zu färben? Der Mann stand dann auf er hat bezahlt, Signore! er ging zur Türe, schloß von außen zu, maledetto, und bestieg ein Auto!"

Boccini wird vor Ihnen daraufhin einige Der- neigungen machen und fragen, welche Wünsche sie noch haben. Dann wird er sogleich in der Er­zählung fortfahren. Er habe laut gerufen und fei wenige Minuten nach feiner Befreiung auf dem Polizeibüro erschienen.

Dars ich Ihnen den Scheitel nachziehen? Mit ein wenig Oel oder Pomade? Ich habe der Po­lizei eine Mitteilung gemacht, die einen neuen Steckbrief auf den Mann zur Folge hatte! Sitzt der Scheitel so richtig? Ich denke doch!"

Großbritannien und Persien in sich trage. Die englische Regierung erblicke in der Aushebung der Konzession der Anglo Persischen Oelgesellschaft einen Konflikt, der die sofortige Anrufung des Dölkerbundsrates auf Grund des Artikels 15 des Dölkerbundspaltes notwendig ge­macht habe. Die englische Regierung kündigt in ihrem Telegramm an, daß eine eingehende Dar­legung des gesamten Konfli t3 unverzüg ich dem Dölkerbunde übermittelt werden würde und ver­langt den Zusammentritt des Döl­kerbundsrates am Montag oder Dienstagnächster Woche zur Behandlung ber Angelegenheit. In englischen Kreis.n wird dresem Konflikt eine große Bedeutung beigemef- fen, da die Anglo Persische Oelgesellschaft der Hauptollie^erant der englischen Ad­miralität fei und diese unter keinen LI m ständen eine Aufhebung der noch jahr- .zchntelang laufenden Konzession zulassen werde. Alan hofft in englischen Kre.sen, dah d.e persische Regierung sich unter dem Druck des Dölkerbunds- ra^ einem Rachgeben bereitfinden werde, or ^twstand, dah die englische Regierung den -Artikel 1 5 der Dölkerbundssatzung zur Ein­leitung des Vers ährens vor dem Rat herange- zogen hat, heiht, dah England diesen Fall als r ~ c n V Trage ansieht, die für die von allergrößter Bedeutung

s ' « . der Dölkerbundssatzung seht näm­lich erne Streitfrage voraus, die, wie es im Pakt vr V JJ.® m r u d> führen könnte".

$}yfcr fAriikel ist in den zahlreichen Streitfällen, mit denen sich der Völkerbund in ken ve gangenen .papra1 zu beschäftigen hatte, abgesehen vo.n chine- sisch-iapanischen Konflikt, bisher nur in sehr r9 e ü Füllen angewandt worden. In Dolkerbunoskreisen nimmt man an. dah der Rat seinerseits nach einer kurzen Verhandlung die Frage dem Haager Gerichtshof über­weisen wird.

Vernehmung des Zugpersonals über den Hergang des Unglücks ist noch im Gange. Nach Auskunft der Bahndireltion soll es nicht richtig sein, daß der Lokomotivführer des Züricher Zuges das Haltesignal infolge starken Nebels überfahren habe. Am Dienstag habe über Luzern Hochnebel gelegen. Am Boden sei dagegen die Sicht gut gewesen. Der Lokomotivführer hatte bereits 41 Dienstjahre hinter sich-, er galt als äußerst zuverlässiger Mann

Perlenfischer.

Perlen haben ihren Zauber auf das Frauenherz au&aeubt, |eit ber erste Taucher mit feinen letzten straften die schlammbedeckte unjcheinbare Muschel bn Schatz barg. Perlen haben in der Weltgeschichte mitgeipielt, Dynast.en gestürzt, Tragiken geidjaffen. Aber dieTränen des Mee­res sind heute t>ie> Tränen des braunen und des «U? (£in englischer Reiseschriftsteller eFdal)lt ^e Geschichte einer Perle. ,Zch werde trau» P9k.m®xn Auslage eines Juweliers be­trachte denn ch kenne den Preis der Perlen. In der italienischen Kolonie Eryträa am Roten Meer habe ,ch zum Ersten Mal solche Perlen gesehen. Ich als Mich eines Tages ein Grieche fragte:Wollen Sie Perlen schn?" Er zog ein Bundelchen aus der Tasche und als er es auf- banö, gl-kerte eine herrliche schwarze Perle im «onnenlicht.900 Mark!"Das ist doch zu viel", entgegnete ichKem Preis ist zu hoch für diese » n i /ntgegnete er.sie hat drei Menschenleben gekostet. Auf einer benachbarten Insel mar ein Perlenfischer ein Somali, in die Tiefe getaucht nach einem Korallenriff, das mehrere Perlmuschetn barg.

"reckt er seine Hand nach einer besonders großen Muschel aus, als diese noch rascher feinen Finger packte. Im selben Augenblick stieß fein Fuß an eine Niesenmuschel, die diesen gierig ergriff Er mar gefangen in der Tiefe. Die übrigen Taucher kehrten keuchend zurück an die Lust und füllten wieder ihre Lungen, verhängnisvolle Minuten ver­strichen^ als man die Abwesenheit des Somali be­merkte. erhob sich ein Schrei des Entsetzens. Zwei

Deendigungstermin ist der 31. Dezember 1932 vor­gesehen. Lim jedoch Arbeitgeber, die von der Verordnung Gebrauch gemacht haben, und ihre Arbeitnehmerschaft vor wirtschaftlichem Schaden zu bewahren, kann der Schlichter unter gewissen Voraussetzungen die Berechtigung zurTa- riflohnunterschreitung noch bis zum 31. Januar 1 933 verlängern. Ent­sprechende Anträge müssen spätestens am 31. Dezember 1932 beim Schlichter eingegangen sein. Der zweite Teil der Verordnung, der den Schlich­ter ermächtigt, für gefährdete Betriebe auf tariflichem Gebiet Erleichterungen zu gewäh­ren, kommt mitCnde Januar 1933 zum Wegfall. Mit der Verordnung verlieren auch die zu ihr ergangenen Aussührungsbe- ftimmungen ohne weiteres ihre Wirkung.

Luzern, 14. Dez. (TU.) Die Ausräu- mungsarbeiten im Gütsch Tunnel wurden öie ganze Nacht hindurch ununterbrochen fortge­setzt. Dabei konnten auch die Leichen der beiden Lokomotivführer und des Zugführers des Luzerner Zuges endgültig freigelegt werden. Die am Diens­tagabend in Luzern und Zürich verbreiteten Mel­dungen, daß drei Schwerverletzte gestor­ben seien, treffen glücklicherwe-ise nicht zu. Wie die Kreisdirektion Luzern der Bundesbahnen ferner mitteilt, befinden sich auch keine Vermißten mehr unter den Trümmern, wie ursprünglich be­fürchtet wurde. Die Zahl der Todesopfer be­trägt unter diesen Umständen also sechs, die der Schwerverletzten 13. Außer dem getöteten Berliner Fahrgast T ü r k und der verletzten Ber­linerin Rock befinden sich keine weiteren Auslän­der unter den Opfern. Bei allen Verletzten, die im Luzerner Kantons-Krankenhaus liegen, ist eine relative Besserung des Beendens festzustellen Die Bundesbahndirektion hofft, daß der Verkehr durch den Tunnel am Donnerstag wieder ausge­nommen werden kann Die Gotthard-Züge werden über die Südbahn MuriSchwyz geleitet. Für den Lokalverkehr von Luzern aus wird der Anschluß mit Kraftwagen hergestellt.

Sie werden sich, da Sie fertig sind, erheben, aber in Erwartung stehen bleiben, weil Sie die Geschichte interessiert. Diese Minute benutzt Boc- cim, um Sie auf das Sorgfältigste abzubürsten.

.Am nächsten Morgen wurde der Mann in Bizza aus Grund des neuen Steckbriefs, an dem mitzuwirken ich die Ehre hatte, verhaftet."

.Wieso?" werden Sie fragen.

.Ich bekomme drei Lire. Signore, wird Boccini schmunzelnd antworten. .Wieso? Ich hatte mei­nen sauberen Kunden gebratidmarkt."

Sie zücken das Geld. Boccini verneigt sich.

Ich verstehe mein Handwerk. Ich kann Haare färben - und wie! Sogar so, daß sie am an. deren Morgen grün aussehen. Ein Mann mit grünen Haaren kann nicht spurlos verschwinden. Lind sehen Sie, Signore, deshalb erhielt ich die Belohnung. Grazie tante, Signore! A rivederci!

andere Somali sprangen sofort ins Wasser und fanden ihn. Mit ihren Messern öffneten sie di« Schalen der Riesenmuschel und brachen die Perl- mu^chel vom Riff los. Die beiden Taucher, mit der Leiche beladen, kämpften sich zum Licht hinauf. Da gewahrten sie einen Hai, ein aufgesperrter Schlund näherte sich ihnen und ergriff einen der Schwimmer. Der andere gelangte m t dem Toten an die Luft. Schwarze Hände streckten sich ihm entgegen und zogen ihn mit seiner Last ans Ufer. Der vom Hai ergriffene Somali aber war ohne Hoffnung ver­loren, er mußte seinem grausigen Schicksal überlassen werden. Man begrüb den Ertrunkenen, nachdem man ihm die Muschel aus der Hand hatte winden müssen. In dieser Muschel aber fand man die wunderbare schwarze Perle. Als das Weib des Be­grabenen von seinem Tod erfuhr, nahm sie sich mit einem Dolch das Leben. Dreihundert Mark für jedes bet drei Menschenleben das ist der Preis eines Perlenfischers im Roten Meer ..." Es gibt mehr chwarze Perlenfischer als schwarze Perlen, und sie sind die ärmsten und elendesten der Menschen. Es gibt unter ihnen Blinde und Taube. Das hindert ie nicht an ihrem Geschäft. Denn in den schwarzen Tiefen des Meeres tastet sich der Blinde nicht schlechter zurecht als der Sehende. Das Gehör aber wird häufig durch das Tauchen zerstört. Anfangs ist ihm noch, als höre er m der Tiefe die geheim- vollen Geräusches des Meeres, als habe er tönende Muscheln an den Ohren Eines Tages aber fchwin- den diese Tone. Er ist taub geworden. Die Lebens- dauer der Taucher ist kurz Das regelmäßige Tau- chen in unmögliche Tiefen überanstrengt das Herz und verdirbt die Lungen. Die Taucher werden alle von Herzleiden und von der Schwindsucht befallen. Nach zehn Jahren dieser Tätigkeit sind sie blind oder taub oder auch beides. Und sie werden keineswegs reich dabei Sie stecken alle hoffnungslos in Schul- . n'C,^l)alb tauchen sie ja. Ihre Väter sind in Verschuldung geraten und die Söhne versuchen, die Schuld abzutragen, indem sie Perlenfischer wer­den. Aber ohne Ausnahme hinterlaßen sie ihren »indem eine noch höhere Schuld. Sie verkaufen die Perlen um lächerlich kleine Beträge. Die Händler nutzen das aus. Zweihundert Mark scheinen dem -Taucher ein Derrn'gen: und nicht selten verkauft der Händler die Perle um das Zwanzigfache. Im Oktober 1929 brachte ein arabischer Taucher eine ^ßerle aus der Tiefe, die auf 3/< Millionen geschätzt mürbe. Der Taucher aber wurde irrsinnig, ehe das Smisfes gelandet war. Sein armes Gehirn hatte den Gedanken an das märchenhafte Glück nicht zu er­tragen vermochte.

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