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Original«Vornan von Anny von panhuys.
Copyright by Verlag A. Bechthold, Braunschweig.
8 Forts c' j. Nachdruck verboten I
Die Baronin sah, wie eS um Lils Mund zuckte und der schmale, zierliche Körper bebte.
Eie erwiderte kühl: „Wir wollen das unangenehme Gespräch abbrechen, Lil. Ich hoffe, du lernst in meinem Hause, was dir noch fehlt, um Dame zu sein. Vor allem das Zufammennehmen. Du bist zwar bald einundzwanzig Jahre und wirst wahrscheinlich schon in wenigen Tagen dein Mündigkeibspapier erhalten, das Justizrat Stoll besorgen will, aber dein Benehmen ist noch sehr unreif."
Lils Nerven gehorchten nicht mehr.
„Ich wünschte, ich hätte das Papier schon, damit ich mich, bis mich Werner heiratet, in irgendeine Stellung verkriechen kann und dir nicht zur Last zu fallen brauche zur Erziehung."
Sie hatte einfach nicht anders gekonnt, sie hatte das sagen müssen.
Die Baronin wich unwillkürlich einen Schritt zurück und sah sie entgeistert an.
„Dein Betragen ist einfach empörend, Lil. Wenn ich an Werners Stelle wäre, steckte ich dich erst ein Weilchen in ein Crziehungsinstitut, wo du lernst, was sich gehört. Werner ist ein gesuchter Arzt, er kommt mit vielen Menschen zusammen und seine Frau mühte in der Gesellschaft eine angenehme beliebte Dame sein. Dein ewiges Llebelnehmen und Dor-den°Kopf°Stohen ist nicht jedermanns Geschmack. Dadurch könnte er seine Potenten verlieren."
Lil stiegen die Tranen in die Augen.
„Vielleicht bin ich überhaupt nicht gut genug für Werner, sage das doch ganz frei heraus, Tante Adele. Dast du mich nicht besvnders magst, wuhte ich schon, ehe Vati starb, aber so deutlich wie letzthin und besonders heute, hast du es noch nie merken lassen. Ich werde Werner fragen, ob ich ihm so recht bin, wie ich bin. Wenn nicht, dann —" Die Baronin hob die Schultern.
„Wir wollen nicht zu weit gehen, Lil, es könnte dich reuen, denn augenscheinlich legst du es darauf an, mich zu reizen."
Lil schwieg. Es hatte keinen -Zweck, mit der Tante weiterzureden. Man drehte sich mit ihr im Kreise. Sie beleidigte, sie griff an und stempelte doch den anderen zum Schuldigen. O, muhte es unangenehm und schwer sein, mit ihr zus mmnenzuleben.
Die Baronin erklärte: „Ich gehe jetzt nach Hause, komme nach, sobald du alles gepackt hast." Sie schritt mit leicht zurückgeworfenem Kopf zur
Tür, sagte von dort her: „Ich erwarte von dir, dah du, bis du zu uns kommst, dein auffälliges Wesen gegen mich bereust und mich um Verzeihung bittest."
Schon fiel die Tür zu.
Lil blickte nach der geschlossenen Tür. Weih und ksthl und gleichgültig war die Tür, und Lil war es doch, als müsse sie jetzt darauf allerlei buntbewegte Bilder sehen, als müsse die Tür lärmen und tonen. 3n ihr war Heller Aufruhr. Wie ein kleines Kind, das genascht hat, sollte sie um Verzeihung bitten und hatte doch nichts Unrechtes getan.
Bitter dachte Lil, als ihr Vater noch lebte, hatte sich Tante Adele niemals so empfindlich gezeigt. Alles, was ihr jetzt Grund zum Tadel gab, schien chr damals zu gefallen und sie hätte über dieselben Worte von heute nur gelächelt, vielleicht, wenn es hoch kam, sie ihre kleine temperamentvolle Lil genannt. Doch als Vater noch lebte, war Neichtum um mich herum, sann Lil, jetzt aber komme ich als ganz armes Luder in ihr Haus. Die -Zofe hatte ihr heute den ersten Beweis dafür gegeben, wie so ganz anders man angesehen wird, wenn man vom Glorienschein des Reichtums umstrahlt wird und Werners Mutter hatte ihr nun den zweiten Beweis geliefert. Ihr war es, als nähme ihr eine rücksichtslose Hand eine Drille fort mit rosigen Gläsern, durch die sie bisher geschaut und durch die ihr die Welt auch rosig erschienen.
Wie ein eisiges Tuch legte es sich um ihren Körper. Sie schauderte zusammen. Es war mit einem Male furchtbare Lebensangst in ihr. Am liebsten hatte sie die Tür hier verriegelt und verschlossen, damit niemand herein konnte und sie quälte. Aber selbst das Schlafzimmerchen gehörte ihr nicht mehr. Man hatte ihr nur erlaubt, noch bis zur älebersiedlung in das Haus ihrer Tante, darin zu wohnen. Die hübschen Möbel, die der Vater einmal der Mutter geschenkt, würden verkauft werden wie alles, was sich hier im Hause befand.
Sie begann wieder zu hacken, und als sie fertig war, atmete sie tief auf. Cs blieb ihr ja nichts anderes übrig, als zur Tante zu gehen. Wo sollte sie denn sonst hin?
Es klopfte. Franz, der im Hause bleiben sollte, um alles in Ordnung zu halten, wie man gerichtlich beschlossen hätte, kam und meldete: „Herr Baron Sturm wünscht das gnädige Fräulein zu sprechen."
Ein froher Schein flog über Lils Gesicht.
„Bitten Sie meinen Kusin hierher, Franz, ich habe leider kein anderes Zimmer mehr zur Verfügung."
Wenige Augenblicke später trat Werner Sturm ein und Franz, der ihn herbeigeführt, verschwand.
Werner breitete die Arme aus und Lil kuschelte sich hinein.
„Ich fuhr in meinem Auto hier vorbei", lächelte er, „und da wollte ich nachsehen, ob Mutter und du noch hier seid, weil ihr doch heute kommen wolltet. Ich vermisse nämlich Mutters sorgende Hand schon sehr, unsere Küchenfee hat es nicht los, es einem daheim so gemütlich zu machen wie Mutter. Unö das habe ich so gern, vielleicht doppelt gern, weil ich verhältnismästig wenig zu Hause Bin. Eine Mutter versteht eben alles am besten." Er küstte sie. „Armes Ding, hast ja nur kurze Zeit eine Mutter gehabt, aber die meine wird sie dir schon nach besten Kräften ersetzen."
Lil hatte sich bei Werner das Herz freireden wollen, hatte ihm erklären wollen, wie seine Mutter alles, was sie tat und sagte, falsch und zu schroff auffastte, aber nun wagte sie es nicht. Er sprach von der Mutter in so warmem Ton, dah es für sie unmöglich war, sich auch nur ein ganz klein wenig zu Beilagen. Sie hätte ihm damit weh getan und das brachte sie nicht über sich. Nein, das durfte sie nicht und wenn sie es auch noch so vorsichtig tat. Eine Mutter beim Sohn anklagen war überhaupt etwas Hästliches.
Er blickte voll Zärtlichkeit auf sie nieder.
„Franz berichtete mir, Mutter wäre schon nach Hause. Wie ist's, Liebling, hast du dein Krämchen beisammen? Dann könntest du doch gleich mit mir fahren. Ich fahre jetzt heim, habe wieder mal meine Nachmittagspatienten abgeklappert." Er hob ihren Kopf. „Warum hast du Tränen in den Augen, Mäuschen? Denk nicht zu viel mehr an das Traurige und Trübe, es soll nun hinter dir zurückbleiben. Wir beide sehen uns doch jetzt jeden Tag, und mit der Gewißheit muht du alle kummervollen Gedanken in die Flucht schlagen."
Lil zwang den Seufzer zurück, der sich aus ihrer Brust drängen wollte. Es war gewih schön und verlockend, mit dem geliebten Mann so nahe beisammen sein zu dürfen, aber seit heute empfand sie Furcht vor der Nähe von Werners Mutter. Sie fastte den Cntschluh, sich der Tante zu beugen, um Werners willen, den sie doch so über alles liebte.
Sie verliest am Arme Werners das Vaterhaus, und an seinem Arm betrat sie das kleine Haus in der Lindenstraste, ihr Heim von heute an. Als sie sich bann am späten Abend mit der Baronin allein befand, brachte sie bescheiden die gewünschte Entschuldigung vor, die auch huldvoll, allerdings mit etwas erzwungenem Lächeln entgegengenommen wurde. Aber aus dem Herzen kam die Entschuldigung nicht.
Nun Begann ein neues Leben für 211 Körner.
8. Kapitel.
Lils Verzweiflung!
Nun war es vollkommen Frühling geworden. Die letzten Maitage waren herrlich. Die Sonne
lag mit fast südlicher Glut Über der ehemaligen Krönungsstadt am Main und die Mensck^n, denen man begegnete, machten, mit wenigen Ausnahmen, Feiertagsgesichter. Lil war nun schon völlig daheim in dem kleinen Hause der Linden- straste bei ihrer Tante, und doch war es ihr oft, als müsse ein Tag kommen, an dem sie hier wieder fovtgehen dürfe.
Sie fühlte sich gar nicht wohl hier, obwohl Werner immer lieb und gut zu ihr war. Sie war daheim gewöhnt gewesen, den Tag nach chrem Belieben auszufüllen, hier schrieb ihr die Baronin ihre Beschäftigung vor. Lil half im Haushalt. Sie hätte es gern getan, weil es ihr Freude bereitete, jetzt alles zu lernen, was sie bald als Hausfrau können mustte, aber die Art und Weife, wie sie die Tante zur Arbeit heranzog, machte sie innerlich immer wieder aufsässig, wenn sie sich auch stets äusterlich zusammenrist.
Sie tat es, weil sie Werner liebte. Nach ihrer Verheiratung muhte ja doch vieles anders werden. Sie wollte Werner dann überreden, ein Stockwerk in irgendeinem netten Hause zu mieten. Dem ewigen Bevormunden und Nörgeln der Tante war sie nicht für allzulange Zeit gewachsen.
Es war am Nachmittag, die Baronin und Lil fasten im Wohnzimmer. Die Baronin las eine Zeitung und Lil besserte Kleinigkeiten an einem ihrer schwarzen Kleider aus, als die mit der Baronin sehr befteundete Frau von Welp gemeldet wurde.
Lil konnte die sehr gesprächige Dame, die immer mit Neuigkeiten geladen herumzog, nicht leiden. Sie wollte aufstehen und schnell das Zimmer verlassen, doch Frau von Welp trat schon ein. Sie begrüßte wie immer die Baronin so stürmisch, als wäre sie eine nahe Blutsverwandte von ihr, die sie jahrelang nicht gesehen hatte, obwohl sie erst vorgestern da war, dann wandte sie sich Lil zu. Oil war aufgestanden und wartete aus den Händedruck, um dann unter einem Vorwande verschwinden zu können. Doch der Händedruck blieb aus.
Frau von Welp, eine ziemlich dicke Dame, mit dreisten, vorquellenden Augen, sah sie an als toärte sie ein Ausstellungsgegenstand, meinte nach einem unangenehm hellklingenden Lachen: „Dor Ihnen fürchte ich mich jetzt, liebes Fräulein Körner, Sie sollen ja eine ganz gefährliche Junge Dame sein. Meine Nichte, Sie kennen Sie wohl nicht, die Gräfin Celia Äursmann, sie zog erst vor vierzehn Tagen aus München hierher, weil sie von einer Patin brausten in R^>elheim eine wunderschöne Villa erbte, Hat eine neue Zofe engagiert, und die erzählte meiner Nichte, in welch drastischer Art sie ihr zuleibe gingen. Die Zofe war vordem bei1 Ihnen, ehe der große Zusammenbruch rn Ihrem Vaterhause kam."
lForttetzung folgt.) l ]
Deutsche Staatspartei
Die für heute abend angesetzte
Wahlkundgebung muß wegen plötzlicher Verhinderung des Herrn Finanzministers a. D. Dr. Reinhold verschoben werden!
5267 D
Neuer Termin wird bekannt- gegeben. Der Vorstand.
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