gegen ein solches Vorgehen der Polen a u f D a n - ziger Gebiet bei der diplomatischen Vertretung der Pepublik Polen in Danzig schärfst en P ro te st eingelegt und die Ditte wiederholt, endlich dafür zu sorgen, daß derartige Zwischenfälle unterblieben. Der Danziger Dölkerbunds- k o m m i s s a r ist von diesem Schritt der Danziger Regierung unterrichtet worden".
Hoesch bei Herriot.
Paris, 15. Juli. (WTB. Funkspr.) Der deutsche Botschafter v. Hoesch ist heute vormittag in ein» stündiger Audienz vom Ministerpräsidenten H e r - r i o t empfangen worden.
Gin bedeutsamer Vries Hoovers.
Washington, 14.3u(i. (TU.) Präsident Hoover richtete an Senator B o r a h folgenden Brief: Lieber Senator Dorah! Ihr Schreiben über die Auswirkung der jüngsten Entwicklung in Europa auf die Regierung der Bereinigten Staaten habe ich durch Staatssekretär S t i m s o n erhalten. Das amerikanische Volk ist natürlich erfreut, wenn eine Regelung der rein europäischen Reparationsfrage oder irgendwelcher
anderer politischer und Wirtschastsfragen erfolgt ist, die bisher eine Gesundung Europas verzögerten. Ein solcher Vorgang zusammen mit einem wirklichen Fortschritt in der Abrüstungsfrage wird erheblich zur Beruhigung der Welt beitragen.
Ich wünsche aber vollkommen klarzustellen, dah die Regierung der vereinigten Staaten gegen keine der Abkommen, die nach Pressemeldungen in Lausanne abgeschlossen wurden, gefragt worden ist, und deshalb selbstverständlich durch keines der Abkommen in irgendeiner Weise gebunden ist.
Subern ich nicht annehme, daß es die Absicht irgendeines dieser Abkommen ist, ein gemeinsames Vorgehen unserer Schuldner zu erzielen, wünsche ich auszusprechen, daß, falls irgend ein Abkommen so ausgelegt werden sollte, es ablehne, daß dem amerikanischen Volke irgendeine Haltung aufgezwungen wird, oder daß es in irgendeiner Weise durch eine solche Kombination entweder offen oder versteckt beeinflußt wird.
Beitritt Belgiens.
Brüssel, 14.Juli. (WTB.) Die belgische Regierung hat beschlossen, dem französisch-eng» lischen „Vertrauens"-Abkommen beizutreten.
pariser Allerlei.
Don unserem ^-Berichterstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verbotenl
Paris, Juli 1932.
Die Konferenz in Lausanne begegnete einer Gleichgültigkeit bei dem Durchschnittsfranzosen, die bei der Wichtigkeit des dort Beschlossenen kaum zu erklären ist. Es ift fast unmöglich, ein Gespräch über Lausanne zu führen, alles wird mit einem skeptischen Achselzucken abgetan. Man überläßt alles den Politikern, man erwartete nichts, vor allem nicht, daß der schwerlastenüe Druck der Wirtschaftskrise bald nachlassen wird. Selbst die kleinen pittoresken Details über die Konferenz fanden nicht ihre gewohnte Amateure und wenn Herr Herriot von den französischen Journalisten eine Pfeife zum Geschenk bekam, so war das Jnteresie dafür weit geringer als noch vor kurzem für die Zigarettenspitze Tard'eus. Frivolität der Massen den großen Ereignissen gegenüber?
Was echte Volkstümlichkeit ist, das sah man bei der Ueberfübrung der Leiche Briands nach Cocherel. Man sah in der Menge Gesichter, die man nicht gewohnt ist, bei großen Anlässen sonst zu sehen und durch einen Tag beherrschte wieder die Erinnerung an Briand die Pariser. „Wenn Briand leben würde..." hörte man oft. übe?'Lau- sänne sagen, wenn man mit aller Gewalt das Gespräch darauf lenkte, doch sagte man nicht, was Briand bann tun würde ...
Die bevorstehenden Sparmaßnahmen oder Steuererhöhungen interessieren viel mehr als die große Politik. Man verübelte sogar Herriot seine fortwährenden Reisen nach Lausanne. Gespart muß werden, aus der Herabsetzung der Beamten» gehälter ist aber wieder nichts geworden. Richt einmal die Deputiertengehälter werden um fünf vom Hundert herabgesetzt, die Kammer hatte den Mut, diese fast symbolische Geste abzulehnen. Die Kriegsteilnehmer drohen mit einer Massendemonstration, wenn man die Pensionen antastet, obwohl die Maßnahmen, die der Finanzminister plante, sehr vorsichtig waren. Man denkt darum wieder an Steuererhöhungen und zwar soll die Börse herhalten. Die Börse wehrt sich nicht, sie ist viel zu schwach dazu. Ihr ist schon längst alles gleichgültig, aucy dieser „humoristische Einfall" des Budgetministers, wie man in der Kammer sagt. Denn wo nichts ist, dort hat auch der Fiskus sein Recht verloren. Irgendwo muh aber doch noch Geld vorhanden sein, sonst hätte man in Reims bei den Autorennen nicht dreißigtausend Flaschen Champagner aus- getrunken. Man mußte sich ober irgendwie über den sensationellen Sieg der Italiener trösten.
Für etwas Heiterkeit in Paris sorgte nur öie Akademie mit ihrer „Grammaire". Seit dem Jahre des Heils 1634, also zweihundertachtundneun
zig Jahre, haben die Unsterblichen an diesem Buche gearbeitet. Sie hätten aber daran noch ruhig ein paar Jahrhunderte arbeiten müssen, sagen die Pariser. Um die Bedeutung, die man dieser Grammatik beimaß, zu verstehen, muß man wissen, daß eine wirkliche Grammatik der französischen Sprache nicht vorhanden ist. Es gibt eine ganze Reihe von Streitfragen, über die man leidenschaftlich debattiert; davon abgesehen gibt es aber nur sehr wenige, die grammatikalisch richtig sprechen oder schreiben können. Die meisttzelesenen Schriftsteller und die Tageszeitungen scheinen sich nicht um die Gesetze der Sprache $u kümmern, und böswillige Kritiker ma- chen bei jedem neuen Buch Jagd auf die gröberen Verstöße gegen die Sprache. Als die Akademie ganz überraschenderweise das Erscheinen der „Grammaire de 1'Academie Fran^aise'1 ankündigte, war jeder gespannt und viele atmeten auf, daß man nun endlich wissen wird, wie man richtig schreiben soll. Das Damoklesschwert der Lächerlichkeit über jedem, der schreibt, sollte endlich verschwinden. Kurz: die Grammatik war dergrößteBücher- er folg der Saison. Hundertundfünfzigtausend Exemplare wurden in einer Woche verkauft soviele gab es, die den übermäßigen Preis von fünfzehn Franken für das schmale Büchlein opferten.
Da wandelte sich der Erfolg in einen Heiterkeitserfolg und in einen Skandal um. Man las und staunte. In dreihundert Jahren schufen die Unsterblichen — sie können eben mit der Zeit großzügig umgehen — ein „Werk", wie es jeder Sprachlehrer in vier Wochen besser zusammengeschlagen hätte. Besser, denn die Grammatik wimmelt von den skandalösesten Sprachfehlern, für die jede höhere Tochter erröten würde. Die größte Autorität in Sprachfragen in Frankreich, Professor Brunot, zählte in einem zweimal so umfang- reichen Buch wie die Grammaire die Fehler auf. Vom Auslande kamen dutzendweise Exemplare, in denen öie Fehler rot unter st richen waren, an die französischen Redaktionen und ein findiger Feuilletonist verklagte die Akademie um fünfzehn Franken Schadenersatz...
Auch eine andere ehrwürdige Körperschaft litt unter den Pfeilen des Spottes um diese Zeit, der Senat — und zwar wegen der militärischen Schutzmaßnahmen gegen die drohenden Suffragetten. Es sollte wieder einmal über das Frauenwahlrecht entschieden oder richtiger das Frauen- wahlrecht wieder einmal abgelehnt werden. Frankreich ist nämlich in dieser Beziehung das rückständigste Land. Reger, auch wenn sie Analphabeten Sib, haben Wahlrecht, Frauen aber, selbst eine adame Curie, sind nicht reif genug für die Politik. Jetzt wird ein Gesetzentwurf der Kammer unter»
Ländliches Gommerfest.
Von Siegfried von Vegesack.
Weit über die feuchten Wiesen und Rebenhügel tönt es in das Dunkel der südlichen Sommernacht: das taktfeste Pauken eines Klaviers, das Schmach- ten einer Violine, das Geklapper und Geklimper eines Schlaginstrumentes. Und wenn für kurze Pausen die Tanzmusik aussetzt, fällt der unermüb- liche Chor der knarrenden Laubfrösche, der zirpenden Grillen in die nächtliche Stille.
Und dort, zwischen den mächtigen Stämmen der alten Kastanien, schimmert es bunt und hell: rote, blaue, gelbe und grüne Lampions, an unsichtbaren Drähten aufgereiht, leuchten unter den dunklen Baumkronen und spiegeln sich im schwarzen Wasser des Weihers.
Dies ist ein „Grotto", eine kleine Gartenwirtschaft, die ihre „Festa Campestre“, ihr ländliches Sommer» fest feiert. Der glatt gewalzte Boccia-Platz, die Kegelbahn der Tessiner, auf der sonst die hölzernen Kugeln rollen, ist mit Seilen und Girlanden umzäunt und in einen Tanzplatz verwandelt. Rundherum, an hölzernen Tischen, auf langen Bretterbänken sitzt man dicht gedrängt und trinkt den bunteiroten Rostrano. Da hockt alles durcheinanber: Bauernburschen mit aufgekrempelten Hembsärmeln, elegante Ladenjünglinge aus der Dorstadt, städtisch auf- geputzte Landmädchen, verwitterte Matronen. Ja, sogar kleine Kinder hat man mitgebracht: todmüde sitzen sie, Dornübergeneigt, die Aermchen auf dem Tisch, das Köpfchen in die Ellbogenhöhle gepreßt, und schlafen mitten im Lärm und Trubel des Festes.
Zwischen den bunten Lampion-Reihen ziehen sich grüne Laubgirlanden mit roten und weißen Papierblumen quer über den Tanzplatz. Vorn, am bewimpelten Eingang, sitzt die Kassiererin hinter einem kleinen Tisch und verkauft Tanzkarten: zehn Centime bas Stück. Die Karte gilt für einen Tanz und ein Paar. Die eifrigen Tänzer erstehen sich eine rote oder grüne Papier-Rose, die sie sich ins Knovf- loch stecken. Der Festordner am Eingang verkündet jedesmal mit lauter Stimme: „i rossi!“ „i verdiI“, — die roten und grünen Kavaliere wechseln sich ab, damit der Boccia-Platz nicht überfüllt wird. Wer aber ohne Pause tanzen will, kann sich auch beide Rosen kaufen.
An der Schmalseite des langen Tanzbodens spielen die Musikanten: der eine hämmert auf dem Klavier, der andere fiedelt mit schief geneigtem Kopf, der dritte bläst bas Saxophon, ber vierte bedient das Schlagzeug. Aber jeder Tanz dauert nur kurz: bann strömt alles zur Kasse und muß die Karten erneuern.
Und die roten und grünen Kavaliere räumen einander das Feld.
Der Herren vom Fußballklub Massagno mit dem dunkelblauen, rot gemusterten Sportdreß sind ohne Zweifel die Elite. Aber auch der Friseur Carletto von der Piazza Funicolare mit dem geölten Haarschopf, der junge Bäcker Figini, der elegante Metzgergehilfe aus Besso und der lange dürre Postbote aus Breganzona sind begehrte und unermüdliche Tänzer. Der Steinklopfer Guerino von Vezia mit der schiefen Ballonmütze und den tätowierten Armen kann sich mit ihnen nicht messen. Aber dafür tanzt er mit seinem Freunde Elvetio den wilden Tessiner Männertanz: beide drehen sich wie besessen linksherum, bleiben mit einem Ruck stehen und wirbeln dann rechtsherum. Es gibt keine besseren Tänzer, als diese Tessiner Burschen. Und nirgends kann man besser tanzen als auf dem glatt gewalzten Lehmboden eine Boccia-Bahn.
Ader es wirb nicht nur getanzt auf ber Festa Campestre: es wirb auch gespielt. Ja, es gibt eine regelrechte Tombola: ein mächtiges Wagenrad mit roten Speichen ist am Stamm einer Kastanie befestigt unb wirb in kurzen Tanzpausen mit lautem Geschrei gedreht. Das Los — ein Holztäfelchen — kostet zwanzia Centime. Der Gewinn ist eine rätselhafte Kartonschachtel, die einen „Panetton“ — Rosinenkuchen — enthalten soll. Jedesmal, bevor das rote Rad gedreht wird, wandert ein Jüngling, die Schachtel hoch in der Luft schwenkend, laut rufend durch die Menge. Dann saust bas Rab klappernb in bie Runbe, unb ein neuer Karton kommt zum Vorschein. Ober ist es immer derselbe? Ich habe das Geheimnis nicht ergründet.
An einigen Tischen spielt man sogar das verbotene „Morra-Spiel": zwei Burschen sitzen sich gegenüber, strecken gleichzeitig bie Hand mit gespreizten Fingern aus unb brüllen sich an. Da es babei oft zu Messerstechereien kommt, ist bas Spiel polizeilich verboten. Aber auf ber Festa Campestre nimmt man es nicht fo genau.
Mitten im Gebränge stoßt eine feuchte Schnauze geaen meine Hanb, zwei mächtige Pfoten legen sich auf meine Brust: Aber Doro! Der schwarze Köter von Giuseppina, mehr Kalb als Hund, begrüßt mich stürmisch. Unb ba steht sie auch, bie Giuseppina, meine Aufwärterin, mit bem gewaltigen Kropf unb bem neuen blitzenben Gebiß im zerfurchten Gesicht. Damit man wenigstens bie anberen Zähne für echt hält, hat sie sich vorn extra einen Golbzahn einsetzen lassen. Unb nun lächelt sie immerfort, damit alle ihre schönen Zähne bewundern können.
Und wer lächelt hier nicht? Die Gesichter dieser Tessiner Menschen sind glücklich unb strahlend wie
breitet, ber den verheirateten Frauen, die bisher juristijch fast als minderjährig galten, die selbstverständlichsten Rechte zusichert, lieber politische Rechte will der Senat aber nichts hören. Die Suffragetten rächen sich während der Sitzungen des Senats auf jede erdenkliche Weise, indem sie sich mit Kette und Schloß an einer Säule befestigen, um nicht schnell hinausgeführt werden zu können. Während der Sitzungen verschloß sich darum der Senat jedem weiblichen Wesen, selbst der Luxemburggarten war
gesperrt. Aber alles nützte nichts, eine findige Feministin schlug allen Vorkehrungen ein Schnippchen, sie warf von einem Flugzeug während der Sitzung Tausende von Flugblättern auf den Senat; Flugzeugabwehrgeschütze haben die Landesväter doch vergessen aufzustellen. Es geht um eine ernste Sache, durch die Art und Weise der Argumentation wird sie aber ins Lächerliche gezogen. Das weiß jeder; aber Paris ist so schlecht gelaunt, daß man alles verzeiht, wenn man einmal nur lachen kann.
Aus aller Wett.
Der Berliner Theaterdireklor Zickel f.
Der bekannte Berliner Theaterleiter Dr. Martin Zickel ist an einer Blutvergiftung gestorben.
(Eröffnung der Rachtflugsirecke Frankfurt—Köln.
Der Nachtflugverkehr auf ber Strecke Frankfurt a. M. — Köln ist dieser Tage aufgenommen worden.
Die Notlandung der amerikanischen 1B eiff Heger. 3m nächsten Frühjahr neuer Flug.
Die amerikanischen Flieger Mattern unb © r i f f i n, bie. aus Moskau kommend, im Flughafen Berlin-Tempelhof von Vertretern der amerikanischen Botschaft unb der Deutschen Lufthansa begrüßt wurden^ waren trotz ihres Mißgeschicks guter Laune. Während Griffin nur eine leichte Hautabschürfung über dem rechten Auge davongetragen hat, erlitt Mattem einen Knoch el b r u ch an der rechten Hand. Der LInf all, von dem ihr Flugzeug, die „Century of Progreß“ betroffen wurde, ist mach dem Bericht der Flieger auf ein ungewöhnliches Mißgeschick zurückzuführen. Aach ihrer Schilderung entwickelten sie nach ihrem glatten Start von Berlin eine sehr gute Geschwindigkeit, und zwar annähernd 3 00 Kilometer in der Stunde. Kurz hinter der russisch-polnischen Grenze wurde durch den scharfen Propellerwind der Deckel des Mannlochs der Kabine abgerissen und mit großer Wucht in das Leitwerk geschleudert, das beschädigt wurde. Sie entschlossen sich zur Rotlandung, auf einem scheinbar geeigneten großen Feld, das aber zu ihrem Unglück sehr sumpfig war. Infolgedessen ging die Maschine bei b e r 2 a n * düng kopfüber und wurde so schwer beschädigt, dah an einem Weiterflug — ganz abgesehen von der Handverletzung Matterns — nicht mehr zu denken war. Mattern und Griffin wollen zunächst ein paar Tage in Berlin blet- ben und sich die Reichshauptstadt in Muhe ansehen. Rach ihrer Rückkehr nach Amerika wollen sie die Vorbereitungen für einen neuen Weltflug über dieselbe Strecke treffen, der vielleicht im nächsten Frühjahr durch- geführt werden soll. Die Amerikaner hatten S)i$» mor genug, um sich für dieses Mal mit der Tatsache zufrieden zu geben, dah sie denAtlantik in Rekordzeit überquert und als erste in direktem Flug von Amerika Berlin erreicht haben..
Wiederaufnahmeverfahren
im Mordprozeß Dr. Richter beantragt.
Gegen den im Iahre 1929 vorn Donner Schwurgericht wegen Mordes an Frau Mertens aus Bonn zum Tode verurteilten Arzt Dr. Peter Richter aus Dingen ist jetzt durch die Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Mannheimer, Mainz, und Rechtsanwalt Mayer II. das Wiederaufnahmeverfahren beantragt worden. Dr. Richter, dessen Strafe in lebenslängliches Zuchthaus umgewandelt wurde, befindet sich in der Strafanstalt Rheinbach. Die Verteidiger führen in ihrem Antrag drei medizinische Gutachten an, in denen wissenschaftlich fest gestellt wird, dah die Menge Strophantin, die Dr. Richter Frau Mertens eingeführt haben soll, bei weitem nicht ausreichte, um den Tod herbeizuführen. Selbst das Vierfache des Quantums, täglich angewandt, könne zu keinem tödlichen Ausgang führen. Weiter wird dargelegt, daß nach dem Ergebnis von Sektionen Strophantin als Todesursache überhaupt ausscheide, da es das Herz nicht zum Stillstehen bringe. Reue Beweismittel
werden auch zur Frage eines eventuellen Selbstmordes der Frau Mertens vorgebracht. Unter Beweis wird weiter gestellt, chah Frau Mertens durch die Schwester der Heil- und Pflegeanstalt eine Kardialolsprihe erhalten habe. Kardiazol fei ein Herz gift und ein seit 1925 angewandtes medizinisches Mittel. Die Verteidigung verlangt eingehende Vernehmung der Schwester unb Klarstellung über den Ort der Aufbewahrung usw. Schließlich wird von den Rechtsanwälten die Frage gestellt, ob in der vorgerückten Racht- stunde nicht eine Verwechslung möglich war, und was die Schwester bewogen habe, die Verabreichung der Kardiazolspritze zu verschweigen«
Wolkenbruch am Kaiserstuhl.
lieber dem nördlichen Kaiserstuhl unb dem unteren Breisgau entlud sich ein schweres Gewitter, begleitet von wolkenbruchartigem Regen unb H a • gelschlag. Besonders heimgesucht wurden die Kaiserstuhl-Orte Riegel, Amoltern unb vor allem das Städtchen Endingen, wo die Wassermassen in die Keller strömten und in einigen Häusern sogar in bie Wohnräume des ersten Stockwerkes einbran« gen. Das Wasser stand stellenweise bis 1,20 M e t e r h o ch in den tiefer gelegenen Straßenzügen. Der starke Sturm deckte verschiedene Däcker ab. Die Feuerwehr arbeitete zusammen mit der Einwohnerschaft fieberhaft, um das Wasser aus den Kellern zu pumpen. Auch in dem Städtchen Kenzingen unb besten Umgebung wurde großer Schaden durch das Unwetter angerichtet. Sturm und Hagelschlag richteten auf den Feldern schwere Verwüstungen an.
Wolkenbruch über Berlin.
Berlin, 15. Iuli. (ERD. Funkspruch, eigene Meldung.) Ein überaus schweres Gewitter ging in der vergangenen Rächt über der Reichs- Hauptstadt nieder. Der wolkenbruchartige Regen war so heftig, dah die Gullys die niedergehenden Wassermassen nicht zu fassen vermochten. Viele Keller wurden unter Wasser gesetzt. Bei der Feuerwehr herrscht Ausnahmezustand. Allein in der Zeit von 1.30 bis 3.30 LIHr waren mehr als 300 Alarmierungen eingelaufen. Insgesamt wurde die Feuerwehr in der Rächt etwa fünfhundertmal alarmiert.
Die Bergungsarbeiten am „Prornelhse" eingestellt.
Nunmehr hat auch der italienische Bergungs- dumpfer „Rostro" Cherbourg verlassen unb-feine Taucherarbeiten an dem gesunkenen französischen Unterseeboot „Prom6th6e^ eingestellt. — Wie „Petit Parisi en" berichtet, hat der vom Marineminister hinzugezogene englische Ingenieur Cox, der die Hebung eines Teils der bei Scapa Flow versenkten deutschen Schiffe durchgeführt hat, erklärt, daß es überhaupt keine Möglichkeit gebe, das gesunkene französische Unterseeboot „Pro-' m6ch6e zu heben. Die Bemühungen seien aussichtslos, denn man könne täglich nur eine Stunde arbeiten, und wenn es gelänge, zwanzig Kabel an dem Rumpf des gesunkenen Bootes zu befestigen, dann würden die Bojen, an denen die Kabel an der Meeresoberfläche befestigt wären, im Augenblick des Hebeversuchs gegeneinanberppatien, unb die Kabel würden vorn Rumpf des Bootes abgleiten. Die Anbringung der Kabel würde bei täglich einer Stunde Arbeit, was auch nur bei günstigen Bedingungen und bei ruhigem Wässer möglich wäre, über ein Jahr in Anspruch nehmen und 10 0 0 0 0 Pfund Sterling kosten. Der englische Ingenieur fahre deshalb gar sticht erst nach Cherbourg, sondern habe dem französischen Marine- Minister bereits formell von jedem Hebeoersuch abgeraten.
die großer Kinder. Und sie haben auch allen Grund, glücklich zu fein: sie dürfen hier bleiben. Um dieses Glück beneide ich den ärmsten Steinklopfer ...
Die bunten Lampions tauchen im Dunkel der Ka- ftanien unter. Nur noch die Tanzmusik folgt mir klimpernd über die feuchten Wiesen und Rebenhügel. Die Laubfrösche knarren, die Grillen zirpen, Leuchtkäfer und Sterne flimmern in der blauen Sommernacht.
Heber dem Salvatore steigt der abnehmende Mond auf. Wenn er sich wieder rundet, bin ich weit fort im Norden.
Wie sieht es in der Stratosphäre aus?
Professor Piccard rüstet sich, einen neuen Aufstieg in jene unbekannten Höhen der Luft zu unternehmen, die wir als Stratosphäre bezeichn nen. Dieses Himmelsgebiet, das in einer Höhe von etwa 10 Kilometer über dem Erdboden beginnt und von dem man noch vor wenigen Iahren nicht das Geringste wußte, hat mit den Fortschritten der Strcchlungsforschung und besonders auch durch den ersten kühnen Aufstieg Piccards, der bis in 17 Kilometer Höhe führte, schon mancherlei von seinen Geheimnissen verraten müssen. Was wir heute davon wissen, das faßt Dr. D. Thieme in der Frankfurter Wochenschrift über die Fortschritte in Wissenschaft und Technik, „Die älmschau", zusammen. Die Luftschichten, di« unserer Erde am nächsten liegen, und in denen sich die Wolkenbildungen abspielen, nennt man die Troposphäre. Diese enthält in den ersten 5 Kilometern die Schicht der tiefen Regenwolken, in den nächsten 5 Kilometern die Schicht der hohen feinen Wolken. Dann beginnt die Stratosphäre, in der die Temperatur bei 10 Kilometer bereits 50 Grad Kälte erreicht hat. Hier gibt es keine Wolken mehr; es herrscht ewig tiefblauer Himmel, denn der Gehalt an Wasser- damps, der in der Troposphäre noch sehr groß war und zu Wolkenbildungen führen konnte, wird immer geringer und hört in 50 Kilometer so gut wie ganz auf. Daher verschwindet auch das weißliche Blau des Himmels; seine Farbe wird um so dunkler, je höher wir hinaufsteigen, und wird schließlich fast schwarz. Zugleich erscheint die Sonne schärfer an ihren Rändern; ihre Strahlungskraft nimmt gewaltig zu. Die Sterne, die vorher von dem zerstreuten Himmelslicht überstrahlt wurden, treten immer deutlicher hervor und strahlen schließlich neben der Sonne am schwärzlichen TageShimmel. Da die Sonnen
strahlung den Weltraum durcheilt, ohne ihn zu erwärmen, und nur feste Körper, wie unsere Erde, erhitzt, so ist es zunächst sehr kalt. Aber merkwürdiger Weise nimmt die Wärme in den größeren Höhen der Stratosphäre wieder zu, und in 50 Kilometer Höhe hat sie bereits die beträchtliche Hitze von 37 Grad erreicht. Diese hohe Temperatur wird durch chemische Umsetzungen infolge der Sonnen-Einstrahlung hervorgerufen, die auf die in jenen Höhen vorhandenen Gase einwirkt. In der Stratosphäre gewinnt nämlich der leichtere Wasserstoff über den in unserer Luft vorwiegenden Stickstoff und Sauerstosi das älebergewicht, so daß in 50 Kilometer Höhe der Wasserstoff bereits 3 Prozent beträgt und in 100 Kilometer Höhe 96 Prozent. In den Schichten zwischen 50 und 100 Kilometer wird infolge der Energie-Llmwcmdlung der noch vorhandene Sauerstoff zu Ozon umgeformt, so daß man die Sphären über 50 Kilometer als Ozonschicht bezeichnet. In 50 Kilometer Höhe herrscht also eine fast tropisch warme und sehr ozonhaltige Atmosphäre, die ozonreichste unseres ganzen Erdballs, und unsere Kranken würde hier das gesündeste Klima finden, wenn nicht der Luftdruck immer mehr abnähme und es uns bisher unmöglich macht«, höher als rund 17 Kilometer in di« Atmosphäre einzudringen. Während auf dem Erdboden der Luftdruck noch einer Quecksilbersäule von rund 0,75 Meter entspricht, ist dieser Druck in 10 Kilometer Höhe schon auf 200 Millimeter, in 50 Kilometer auf 0,5 Millimeter und in 100 Kilometer Höhe auf wenige Tausendstel Millimeter herab- gesunken. Man hat nun festgestellt, dah in etwa 100 Kilometer Hohe eine neue Schicht beginnen muh, die nach ihrem ersten Erforscher Heavisideschicht genannt worden ist. Hier herrscht schon wieder eisige Kälte; der Wasserstoff macht bei 150 Kilometer 99,5 Prozent der Atmosphäre aus, und es erfolgt wahrscheinlich eine Anreicherung von Helium. Diese Wasserstoff-Sphäre reicht bis etwa 230 Kilometer Höhe. In den Schichten zwischen 50 und 100 Kilometer spielen sich fast ausschließlich die Nördlicht-Erscheinungen ab. Doch treten noch in 400 bis 500 Kilometer Höhe Leucht-Erscheinungen auf, und hier kommt es vermutlich nochmals zur Bildung einer elektrisch-wirksamen Schicht, d ie die Grenze des „blauen" Polar-Lichtes darstellt. Wir dürfen an- nebmen, daß die Verhältnisse in der Stratosphäre, der Ozon- und der Heaviside-Schicht unser Wetter wesentlich mitbestimmen.
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