Schilf der Gießener Kaufmannschaft
Llmorgamsationen in der ASSAP.
Keine parlamentarischen Anträge ohne Nachprüfung im Braunen Haus.
München. 14. Ium. (TL1.) In der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei sind wichtige organisatorische Veränderungen getroffen worden. Der Leiter der Organisationsabteilung II, Oberst a. D. Hierel. hat um Enthebung von diesem Posten gebeten, da er seine ganze Arbeitskraft der Arbeitsdienst- pflicht und ihrem Aufbau widmen will. Die Organisationsabteilung II wird mit der Ov- ganisationsabteilung I unter dem Namen Neichsorganisationsleitung der NSDAP, vereinigt und die Leitung der vereinigten Abteilungen Gregor Strasser übertragen mit der Maßgabe, daß auf seinen Antrag hin alle Abteilungen, die sich mit wirtschaftlichen Fragen befassen, als Referat ,.W i r t s ch a f t" zusammengefaßt werden, mit dessen Leitung Walter Funk beauftragt wird. Zugleich hat Adolf Hitler zum Reichsinspekteur der Reichsinspektion I den Oberleutnant a. D. Schulz ernannt. Die Reichsinspektion II übernimmt der bisherige Reichsinspekteur Dr .Robert Leh.
Alle Anträge in parlamentarischen Körperschaften von Gemeinden bis zum Reichstag, die sich mit g r u n d s ä h l i ch e n F r a- gen auch wirtschaftlichen Charakters befassen, oder nach der Art ihres Inhalts eine wichtige Stellungnahme der Partei bedeuten oder in der Oeffentlichkeit besondere Beachtung finden werden, sind vor der Einreichung dem Reichsorganisationsleiter zuzuleiten, der seinerseits eventuell eine Nachprüfung bei den zuständigen Sachbearbeitern der Reichsleitung oder einen Entscheid des Führers herbeiführt.
Zu den Llmorganisationen hat der Reichsorganisationsleiter Gregor Strasser folgende Ausführungsbestimmungen erlassen: Die bisherigen Organisationsleitungen I und II werden zu einer Reichsorganisationsleitung zu- sammengefaßt. Damit wird eine Llrn-- und
Oie Liste Or. Leuchtgens.
Bon der Pressestelle der „Liste Dr. Leuchtgens" werden wir um Aufnahme folgender Ausführun- gen über Sinn und Bedeutung der Liste Dr. Leuchtgens bei der Hessischen Landtagswahl gebeten: In der Zeit der sozialistischen und kollektivistischen Hochflut, in der wir in Deutschland leben, glauben viele Deutsche, nur bei der „Masse" und bei dem „großen Haufen" auch politisch das Heil zu finden. Eine Liste wird in dieser Zeit veraltet anmuten, die w i e d e r auf 5er „P e r- sönlichkeit" und nichtaufParteimän- nern und dem sachlich unbekannten Apparat einer „Partei" fußt. Was tun wir aber mit Landtagsabgeordneten, wenn sie nicht die Gewähr bieten, daß sie auch in der Lage sind, unser Staatsleben mit eigenen Ideen und mit eigener Arbeit zu befruchten und zu gestalten? Die Liste Dr. Leuchtgens ist in ihrer Art ein P r o t e st
teilweise Neuorganisation verbunden. An der Spitze der Reichsorganisation steht der Reichsorganisationsleiter. Ihm unterstehen 5 Hauptabteilungen: Reichsinspektion I, Leiter Oberleutnant a. D. Paul Schulz M.d. L., Reichsinspektion II, Leiter Dr. Robert Ley M.d.R., Hauptabteilung III, Leiter vorerst Gregor Straf- s e r M.d.L., Hauptabteilung IV für Wirtschaft, Leiter Dr. h. c. Otto Wagener, Hauptabteilung V für Landwirtschaft, Leiter Walther .Darre.
Die Neichsinspektion umfaßt folgende Landesinspektionen, nämlich Landesinspektion Ost, Berlin, Mitteldeutschland, Brandenburg, Nord, Niedersachsen.
Die Reichsinspektion II umfaßt vier Landesinspektionen und eine Landesleitung, nämlich Landesleitung Oesterreich, Landesinspektion Bayern, Südwest, Sachsen-Thüringen, West.
Die Hauptabteilung III umfaßt: 1. innerpolitische Abteilung, 2. rechtspolitische Abteilung, 3. ingenieurtechnische Abteilung, 4. Abteilung für Volksgesundheit, 5. Abteilung für Volksbildung, 6. Abteilung für Kommunalpolitik, 7. Abteilung fürKriegs- opferoerforgung, 8. Beamtenabteilung, 9. Abteilung für Frauenarbeit, 10. Reichsbetriebszellenabteilung, 11. Ausländsabteilung, 12. Presseabteilung. Der Hauptabteilung III unterstehen ferner: Nationalsoz. Juristenbund, Nationalsoz. Lehrerbund, Nationalsoz. Aerztebund. 0
Die Hauptabteilung IV (Wirtschaft) umfaßt: als Unterabteilungen 1. Währungs-, Finanz- und Produktionsgebiet, 2. Sozialpolitik, 3. Arbeitsbeschaffung, 4. Presse und Propaganda, 5. Zwischenstaatliche Wirtschaftsbeziehungen, 6. Wirtschaftswissenschaft. Die Hauptabteilung 5 enthält auch die Abteilung Forstwirtschaft und wieder entsprechende Unterabteilungen.
gegen den Unsinn der Listenwahlen. Sie ist eine Fanfare fürdie zukünftige „Personen wähl". Sie stellt ein Bekenntnis bar zu einem „politischen Charakter" zu einem „Mann des Wissens und der Tat". Sie steht unter dem Wahrspruch: „men, not messures".
I)r. Leuchtgens hat sich in jahrzehntelanger politischer Arbeit theoretisch und praktisch eine Fülle von Kenntnissen und Erfahrungen in Staats-, Gemeinde-, Finanz- und Wirtschaftspolitik erworben. Er darf als einer der besten Kenner dieser Gebiete in Hessen angesprochen werden. Er hat seit Jahren in Wort und Schrift, in der Presse, in Volksversammlungen, in Gemeinde- und Volksvertretung gegen die unzulängliche Nachkriegspoli- tU angetampft und die verkehrten Maßnahmen gegeißelt, die neben dem verlorenen Krieg unser Elend verschuldet haben. Man hat ihn nicht gehört. Nun hat die Entwicklung der letzten Jahre seine Politik nach jeder Richtung hin' gerechtfer
tigt. Neben der Landwirtschaft und dem Gewerbe sehen auch heute weite Kreise der Beamtenschaft ein, daß Hessen lediglich auf dem Wege saniert werden kann, den Dr. Leuchtgens seit Jahren verfolgt und in seinem klaren Programm nidergelegt hat. Es gilt die Statsaufgaben und die Staatsausgaben den verarmten Verhältnissen der Nachkriegszeit anzupassen. Es gilt, die aufaebläh- te Staatsverwaltung in Hessen auf ein verständiges und sachlich erforderliches Maß zurückzuführen. Es gilt, wieder zur Einfachheit im öffentlichen und privaten Leben zurückzukehren. Steuern, Abgaben und öffentliche Lasten müssen auf allen Gebieten gesenkt werden. Es gilt vor allem, alle sozia- l i st i s ch e n Einrichtungen und Auffassungen, ob sie nun von einem Rechts- oder einem Linkssozialismus ausgehen, zu bekämpfen und zu überwinden. Es gilt wieder pri- o a t w i r t f ch a f t l i ch e s Denken und Han-
Genf, 14. Juni. (WTB.) Das Büro der Abrüstungskonferenz trat heute nachmittag zu einer Sitzung zusammen. An der Sitzung nahmen u. a. teil: Gibson, Herriot, Sir John Simon, Nadolny, Grandi, Zaleski, Hymans, lieber die Sitzung wurde folgende Mitteilung ausgegeben: Das Büro der Konferenz für die Herabsetzung und Beschränkung der Rüstungen hat beschlossen, die Delegationen aufzufordern, ihre privaten Besprechungen wieder aufzunehmen. Zweck dieser Besprechungen ist, gewisse grundsätzliche politische Fragen, die in den Berichten der Land-, Flotten- und Luftkommissionen sowie der Kommission für den chemischen und bakteriologischen Krieg aufgeworfen sind, zu klären, um die Behandlung dieser Berichte durch den Hauptausschuß der Konferenz zu erleichtern.
Henderson teilte mit, daß die deutsche Delegation einen Vorschlag eingereicht habe. Botschafter Nadolny erläuterte kurz diesen Vorschlag, der von der Grundlage ausgehe, die die Friedensverträge bezüglich der qualitativen Abrüstung geschaffen hätten. Man habe in den letzten Wochen gesehen, wie schwierig es für die militärischen Sachverständigen sei, Regeln für die Abrüstung ihres eigenen Landes aufzustellen. Man müsse sich infolgedessen a n das Beispiel halten, das in den Friedensverträgen bezüglich der qualitativen Abrüstung gegeben worden fei. Diese Abrüstung sollte ausdrücklich den ersten Schritt zu einer allgemeinen Abrüstung bilden Insbesondere hätten die deutschen Vertreter im Hauptausschuß und den technischen Kommissionen konsequenterweise gefordert, daß die qualitative Abrüstung allgemein auf dasselbe Niveau festge- s e tz t werde Aus diesen Gründen und angesichts der Ergebnisse der technischen Kommissionen habe er sich erlaubt, diese Forderung in Form eines besonderen Vorschlages dem Hauptausschuß zu unterbreiten.
Die deutsche Delegation schlägt vor, daß man bei der Bezeichnung derjenigen Waffen, die der qualitativen Abrüstung unterworfen werden sollen, von folgender Fragestellung ausgehen soll: Angenommen, daß ein Staat eine Pol itik des bewaffneten Angriffs
dein zur Richtschnur unserer Politik in Reich-. Ländern und Gemeinden zu machen. Der „t ü ch - tige strebsame Mensch" muß wieder dem Massentrieb und ihren Jüngern entgegengesetzt werden. „A r b ei t und L e i st u n g" sollen die Maßstabe für die Beurteilung der Menschen, ihre Bewertung in Staat und Gesellschaft, aber auch für den ideellen und materiellen Erfolg ihrer Tätigkeit abgeben. Die Selbstverantwortlichkeit der Person muß an die Stelle der Staatshilfe und der Sozialpolitik treten. Wenn diese Grundsätze für der Wiederaufstieg des Staates und des Volkes Geltung gewinnen sollen, brauchen wir Männer, die Wissen und Einsicht mit Umsicht und Mut vereinigen, und die die Gabe besitzen, ihre Forderungen in Tat und Wirklichkeit umzusetzen. Ein solcher Mann ist Dr Leuchtgens, und barum gibt es eine Liste, die er führt, und für die feine {jfeunbe eintreten und kämpfen.
annimmt oder Angriffshandlungen gegen einen anderen Staat unternimmt, welches sind dann die A b w e h r m i t t e l, die mit Rücksicht auf ihren spezifischen Charakter, und, ohne ihre Verwendung zu Verteidigungszwecken zu präjudizieren, am meisten geeignet find, die Handlungen zum Erfolg zu führen? Der deutsche Vorschlag zählt sodann im einzelnen die Waffen aus allen Rüstungskategorien auf, die diesem G e- sichtspunkt der qualitativen Abrü- stung unterworfen werden sollen. Dabei sind namentlich diejenigen Waffen angeführt, die Deutschland durch den Versailler Vertrag verboten worden sind.
In der Aussprache erklärten der italienische Delegierte Grandi, der russische Delegierte Lunatscharski und der österreichische Delegierte Pflügt, daß sie mit dem deutschen Vorschlag vorbehaltlos einverstanden seien. Der französische Ministerpräsident Herriot erklärte, daß die französische Delegation den deutschen Vorschlag aufmerksam prüfen werde, unter Berücksichtigung des g^r u n d s ä tz l i ch e n Standpunktes, den Frankreich zu den hier aufgeworfenen Fragen einnehme.
Wettervoraussage.
Die Einwirkung einer im Osten lagernden Störung ist auch bei uns zur Geltung gekommen, so daß sich der Wolkenschirm bis in unser Gebiet ausgedehnt hat. Bereits in Norddeutschland kommt jedoch absinkende Luft des skandinavischen Hochs zur Wetter- Wirksamkeit, was sich dort heute morgen bereits in wolkenlosem Himmel kennzeichnete. Wenn auch Bewölkungsreste vorerst noch in unserem Gebiet zum Auftreten kommen, so wird der Einfluß des Hochs sich wieder durchsetzen und zu erneuter Herstellung der sommerlichen Wetterlage führen.
Aussichten für Donnerstag: Nach anfänglicher Bewölkung mehr und mehr aufheiternd, warm und trocken.
Lufttemperaturen am 14. Juni: mittags 24,7 Grad Celsius, abends 17,8 Grad: am 15. Juni: morgens 17,3 Grad. Maximum 27,6 Grad, Minimum 14 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14. Juni: abends 27,6 Grad; am 15. Juni: morgens 19,8 Grad. — Sonnenscheindauer 15 Stunden.
Der Landtagswahlkampf in Hessen
Wie-erausnahme-erArbeitinGenf
Neue deutsche Initiative auf der Abrüstungskonferenz.
Hab Gönne im Rücken!
Von Hans Natonek.
Der erste Grund- und Lehrsatz, der dem Anfänger beim Kauf einer Kamera eingeschärft wird, ist bekanntlich: Bei der Aufnahme immer die Sonne im Rücken . . .
Alle Rechte im Rowohlt Verlag.
.. dann nehmen Sie einfach 1/60 Sekunde, das genügt vollkommen bei diesem Anastigmat. Blende Sechs Komma zwo in der Mittagsstunde, Die Hauptsache ist, daß man die Sonne im Rücken hat.
Ein Satz Gelbscheiben ist sehr zu empfehlen, Don wegen des ultravioletten Lichts, Und wenn Sie diesen Selbstauslöser wählen. Brauchen Die bloß bis zwanzig zu zählen, Weiter nichts.
Das kann jedes Kind, und Sie sind schon im
Bilde."
„Was meinst Du, Hilde?
Gut, packen Sie ein, u. nun wollen wir traben." „Aber beachten Sie, meine Dame,
Daß Sie die Sonne stets, stets die Sonne im Rücken haben.
Wenn Sie der gnädigen Frau ganz etwas Rei- zendes schenken wollen,
Nehmen Sie diese herzige Kamera in Notizbuchformat,
Echt Krokodilleder, selbstverständlich mit Filmrollen,
Und dazu einen Vergröberungsapparat,
Weil die Bilderchen ein wenig klein ausfallen. Dafür aber doppelt so scharf.
Sicherlich haben Sie auch Bedarf
Für einen Belichtungsmesser. Aber vergessen Sie nicht,
Sonne im Rücken, im Rücken das Sonnenlicht.
Das macht dann zusammen zweihundertachtzig Mark,
Die Lichtstärke der Linsen ist aber auch extra
Nun können Sie knipsen, nun sind Sie komplett Aber die Hauptsache bleibt das Photo-ABZ: ' Ob im Gebirge, ob an der See, Ob in den Tropen ober im Schnee,
Ob Autofahrt, ob Motorjacht,
Db Wintersturm, ob Frühlingspracht, Db Kind und Kegel, Heim und Sport, Beachten Sie das goldne Wort:
Wo, wie, wann immer Sie den Kasten zücken: Hob Sonne im Rücken, immer Sonne im Rücken!
Klassisches Sanatorium.
Neue deutsche Ausgrabungen in Pergamon
$cm Leiter der deutschen Ausgrabungen in Pergamon, Geh. Rat Wiegand ist es jetzt gelungen auch die glanzvollste Stätte dieser an- tifen Stadt ans Licht zu heben, nämlich jenes berühmte Heiligtum des Heilgottes Asklepios, in dem der größte Sohn Pergamons, der bekannteste Arzt des römischen Altertums. Galen, lehrte und ein viel besuchtes Sanatorium eröffnet hatte Diese medizinische Hochschule, zu der nicht nur die Kranken, sondern auch die Aerzte der damaligen Welt strömten, befand sich außerhalb der Stadt, etwa ein Kilometer südwestlich in einer sanften Talmulde. Die Grabungen sind zwar noch nicht ganz abgeschlossen, aber es läßt sich doch schon das Ganze überblicken und auch über die Ar t desKurbetriebes manches sace.i. Darüber berichtet nun Wiegand Näheres" in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift".
Bei den Ausgrabungen wurden die Reste zweier gewaltigen Rundbauten freigelegt. Der eine stellte fiel) als das eigentliche Kult-Heiligtum heraus, als der Tempel des Asklepios, der den Mittelpunkt As Ganzen bildete. Südlich von diesem schönen Kuppelbau liegt aber ein zweiter mit noch größeren Dimensionen, 60 Meter im Durchmesser der aus zwei Stockwerken besteht. Der Oberstock'enthalt einen einzigen, von sechs halbrunden Ka- pellen umgebenen Rundsaal. Da nun keine ein- Sige Inschrift hier gefunden wurde, die auf eine religiöse Verwendung des gewaltigen Baus hätte schließen lassen, so muß man annehmen, daß es sich hier um einen Zweckbau in der Art eines „Ku r s a ales" handelt. Von dem Obergeschoß nach dem Llntergeschoh führten Treppen. Das letztere besteht aus zwei kreisrunden Parallel-Ge- wolben, die sich um einen kreisförmigen Kern legen. Laufbrunnen mit Steigerohren traten an mehreren Stellen zutage. Der nördliche Teil dieses Labyrinths war ohne Fenster und Türen, lag also
im Dämmerlicht, und hier war zweifellos der Ort, an dem sich die Kranken zu dem heiligen Tempel- schlaf niederließen, in dem ihnen der Gott Anweisungen zur Heilung ihrer Leiden gab.
Von dem Oberbau, dem Kursaal, führte ein direkter Zugang in die Wandelhalle aus weißem Marmor, die nicht nur die Südseite des vorgelagerten Festplahes begrenzte, sondern an der Südwestccke rechtwinklig umbog und dann in nördlicher Richtung weiterlief: sie bildete zusammen mit der an sie anstoßenden Nordhalle eine große, hufeisenförmige, schattige Promenade von insgesamt etwa 350 Meter Länge, die den mit weißen Marmorplatten belegten Platz vor dem Asklepios-Tempel umschloß. Der Festplah entspricht in seiner Anlage fast genau dem Pariser Platz in Berlin. Die Nordhalle geht an ihrem Ostende in einen etwa 22 Quadratmeter großen Prachtsaal über, der dem Kaiserkult diente. Hier entstieg nämlich dem Schutt eine überlebensgroße Marmorstatue des Kaisers Hadrian, die ihm wohl zum Dank für die Neuanlage der ganzen Anstalt dargebracht worden war. Daß Galen nicht nur für den Körper seiner Kranken sorgte, sondern auch auf ihre Seele wohltätig einwirkte, zeigt das marmorne Theater, das am Nordwestende der Nordhalle ausgegraben wurde und etwa 5000 bis 6000 Menschen faßte. Die einst dreistöckige Bühnenwand war in die Orchestra gestürzt und bot ein wildes Durcheinander dar, wie es durch ein furchtbares Erdbeben hervorgebracht worden war. Hier wurden die Patienten, nachdem sie vorher mit kaltem Wasser und Gymnastik behandelt worden waren, durch Musik, Aufführungen und Vorträge in eine glückliche Stimmung versetzt.
Vom Untergeschoß des „Kursaales" führt ein 3 Meter breiter und ebenso hoher unterirdischer Gang nach der Mitte des Festplahes. Man hört unter den Marmorplatten des Fußbodens das Wasser rauschen, das in einem breiten Kanal aus der berühmten Heilquelle von Pergamon strömte. Der dunkle Gang mag wohl auch SU den mystischen Mitteln gehört haben, mit denen man die Kranken zu dem Tempelschlaf geleitete, der bei der antiken Suggestionsbehandlung eine so große Rolle spielte. Aus der Richtung des Wasserabflusses wurde man auf die Gegend hingeleitet, in der die Quelle entspringen I mußte und Yvt das Quellbassin festgestellt. Es I
liegt etwa 10 Meter südlich von der Nordhalle, in der Gegend vor dem Theater auf dem freien Festplatz. Da es noch ganz mit schweren Dau- gliedern angefüllt ist, die von dem Erdbeben hineingeschleudert wurden, so läßt sich vorläufig nur sagen, daß der Raum etwa 4 zu 5,5 Meter groß war, daß die Wände mit starken Marmor- platten eingefaßt waren und von Osten eine Marmortreppe hinabführte.
Die nächste Aufgabe wird darin bestehen, dieses Quellbassin auszuräumen und gegen Ende des wahres dürften die Arbeiten abgeschlossen sein. Gerade in der ilmgegenö des Bassins hat man öie meisten und interessantesten Inschriften gefunden, unter denen sich aber keine einzige über Wunderheilungen befindet. Während man bei anderen Sanatorien der Antike, z. B. dem von Epidauros, das von der Wissenschaft jetzt eingehend erforscht wurde, den Eindruck eines „priesterlichen Kurschwindels" erhält, so war in Pergamon, der Bedeutung des leitenden Arztes entsprechend, die Behandlung auf vorwiegend wissenschaftlichen Grundsätzen aufgebaut, wobei allerdings die Traumdeutung als ein uraltes suggestives Hilfsmittel beibehalten wurde.
Mozari-Anekdoie.
Es war bei einer Festlichkeit am österreichischen Hofe. TNozart spielte und die Zuhörer waren bezaubert. Doch da war ein Herr, der trotz alles Beifalls ein skeptisches Gesicht aufsetzte. Als man ihn fragte, was er zu tadeln fände, da sagte er, feiner Meinung nach sei nicht jeder gute Komponist auch ein guter Klavierspieler. Ob sich der Herr Mozart wohl getraue, ein schwieriges Stück vom Blatt zu spielen. Mozart kam dazu und erbot sich, den Beweis zu erbringen. Der Fremde zog ein Blatt Papier» aus der Tasche und notierte eilig ein paar Akkorde, reichte Mozart die kleine Komposition und bat ihn, das einmal vorzuspielen. Mozart warf einen Blick auf das Papier, lächelte, ging zum Flügel und begann. Es war ein kurzes Präludium, das mit zwei Akkorden endete: die Linke griff tief unten in den Daß. die Rechte umspannte die Oktave im Diskant — da stand nun ein einfaches bescheidenes C in der Mittellage. Wie sollte man das herausholen? — Mozart beugte den Kopf tief herunter und schlug das C mit der Nasenspitze an.


