Nr. 12 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsenf
Zreitag. 15. Januar 1932
9.JL-$pont
Buntes Allerlei
17. Fortsetzung
Nachdruck verboten.
den in am
Taten für Freitag, 15. Januar.
Sonnenaufgang 8.26 Uhr, Sonnenuntergang 16.43 Uhr. Mondaufgang 11.15 Ubr.
1622: der französische Lustspieldichter Moliöre in Paris geboren. 1791: der österreichische Dichter Franz Grillparzer in Wien geboren.
Taten für Samstag, 16. Januar.
„ Sonnenaufgang 8.25 Uhr; Sonnenuntergang 16.45 Mr. — Mondaufgang 11.27 Ufjr; Monduntergang 1.14 Uhr.
1838: der Philosoph Franz Brentano in Marienberg bei Boppard geboren: — 1901: der Maler Arnold Döcklin in Fiesole gestorben: — 1906: Ma- rokko-Konferenz in Algeciras.
anlagen und die dunklen Wälder hineinströmten machte Birgit an dem Arm des Konsuls ihre kleinen, behaglichen Spaziergänge.
Aach dem Spaziergang gab es eine Stunde der Auhe auf dem Balkon oder im Schatten der hohen Tannenbäume, die auf dem Grundstück der Wirte groß und weitgebreitet standen. Lange konnte Birgit so liegen, hingeschmiegt in den bequemen Liegestuhl, den Schwester Helene ihr so recht behaglich mit Kissen und Decken zurechtgemacht. Konnte hinaufblicken in die leise rauschenden Gipfel der riesigen Tannen, in deren Zweigen kleine Eichhörnchen mit zierlichen Sprüngen rannten, auf denen Vögel sich wiegten, die aus den fernen, dunklen Wäldern herüberkamen. Lange konnte ihr Blick verweilen auf den reinen, schönen Linien der hohen Berge, die sich gegenüber dem Hause jenseits des Hanges ansteigend in herber Klarheit ausbreitetcn.
Die Lektüre, die sie sich mitgenommen hatte und die sonst ihre liebste Beschäftigung war, blieb meist unbeachtet. Sie fühlte sich glücklich und wunschlos in der ruhigen Betrachtung der schönen Gotteswelt. Der Welt, die ihr noch viel schöner erschien in dem Gedanken, daß im kommenden Uafcre ein süßes, zart atmendes Wesen neben ihr in den glühenden Sommer hineinträumen, hinein- wachsen würde.
Aur ein leiser Kummer wollte sie bedrücken — das war die Trennung von Hans Egon. Aber sie fühlte, daß sie sich und ihrem Kinde diese Zeit der Erholung schuldig war. Erst jetzt, losgelöst von der leidenschaftlichen Zärtlichkeit, die Hans ^9ons Anblick stets in ihr erregte, fand sie wirklich inneren Frieden, wirkliche Verzeihung für lenen Treubruch des geliebten Mannes.
Erft jetzt schloß sich die Wunde völlig: erst jetzt gewann Birgit ihre innere Ruhe und Sicherheit zuruck.
Der alle Arzt war mit den Fortschritten in Birgits Erholung sehr zufrieden.
,So ist es recht, Frau Gräfin", ermunterte er sie, wenn er allwöchentlich in das kleine Lehrerhaus kam, um nach Birgit zu sehen. „Aur immer Kräfte sammeln, fröhlich sein und unsere herrliche Luft genießen, dann ist mir um unsere und des Stammhalters Zukunft nicht bange."
Auch der Konsul sah mit glücklichen Augen die heitere und zuversichtliche Stimmung der jungen £rau. Er machte alles, was er für sie tun konnte, täglich, nachdem Birgit zu Mittag gegessen und geruht, hielt ein bequemer Landauer vor dem Hause, um Birgit und den Vater hinauszuführen in die weiten Wälder, hinaus in die schöne Berg- einfamkeit, in der die Sommersonne aus Bäumen und Gras und Kräutern süßen "Duft lockte, in der die purpurnen Himbeeren und die kleinen Walderdbeeren glühten, in der Häher schrien, die Finken flöteten und die Spechte mit den Hol»
Gleichgültig überflog er die Morgenzeitung. Da blieb sein Auge auf einer kurzen Aotiz haften. Diese Aotiz lautete:
Wie wir erfahren, wird die Tänzerin Dolores del Fonza in diesen Tagen unsere Stadt verlassen, um sich zunächst nach Stockholm und dann auf ihre Südamerikatournee zu begeben. Das Gesicht Hans Egons wurde fahl. Die Zeitung in seiner Hand zitterte. Wie ein plötzlich vom Wahnsinn Befallener stand er so heftig auf. daß der Stuhl zu Boden krachte. Er ließ das Frühstück stehen.
„Den Iagdwagen sofort!" rief er durch das Hprachrohr in das Dienerzimmer hinunter. .Ich kutschiere allein!"
Wenige Minuten darauf rollte der leichte Wagen vor das Schloß. Hans Egon schwang sich auf den Sitz und peitschte auf die Pferde ein. daß 'ie, hoch aufbäumend, durch das Tor hinaus- Der Chaussee zu und der Stadt entgegen.
Durch das Küchenfenster sah Mamsell Stülp- nagel dem Davonjagenden erschreckt nach.
„Allmächtiger Gott!" murmelte sie. „Was soll oas bedeuten? So ist er nur in seinen schlimmsten Zeiten mit den Pferden umgegangen. Wäre nur ".st die gnädige Frau und der Graf Friedrich weder da! Ohne die beiden ist es mit dem Grafen Hans Egon nicht auszuhalten."
Als Hans Egon mit den dampfenden Pferden nn die Straße einbog, in der die Tänzerin wohnte, »ilte sein Blick schon voraus, um das Haus zu «rspähen.
Ein tiefer Schreck überfiel ihn. Dor der Billa hielt ein geräumiges Gepäckauto, und Paolo der Diener, überwachte das Einladen der großen ^chrankkoffer. die Stück für Stück aus dem Vestibül des Hauses geschleppt wurden. Hans Egon mang vom Wagen, rief Paolo herbei und fragte mit herrischer Stimme:
„Wo ist Madame?"
Paolo zuckte mit den Achseln.
„Madame? — Heute früh abgereist."
Hans Egon taumelte zurück, als habe ihn eine Faust ins Gesicht geschlagen. Einen Augenblick versagte ihm die Stimme, dann fragte er weiter:
„$jat Madame etwas für mich hinterlassen?" Paolo sah ihn aus kalten Augen an.
-Mir ist nichts bekannt. Herr Graf."
„Mit welchem Zuge ist Madame gefahren?" Wieder traf ihn der kalte Blick aus Paolos Augen.
Allendorf I. in Lollar gegenüber. Allendorf konnte am vergangenen Sonntag auf eigenem Platze verdient den Sieger stellen. Ob eS gelingt, auch auf dem ungewohnten Platz in Lollar Sieger zu werden, ist noch nicht sicher.
Handball.
Da nach Abschluß der Serie Gießen I. und Krofdorf I. punktgleich an der Spitze der Tabelle stehen, muß em Entscheidungsspiel um die Dezirksmeisterschast stattfinden. Dieses Spiel findet nun am kommenden Sonntag in Heuchelheim statt. Zwei gleichstarke Mannschaften ringen um den Sieg. Die Krvfdorser haben auf Grund ihres raumgreifenben Spieles ein Plus
Mit Rücksicht auf die schweren Unfälle bei B-erer. Bobmcisterschaftsläufen am Dienstag Schrciberhau sollten zu den Entscheidungsläufen Donnerstag keine Zuschauern zugelassen werden, ^otzdem hatte sich aber eine recht ansehnliche Zu- fchauermenge eingefunden. Die Rennen verliefen diesmal ohne Unfall, was wohl zum Teil auch darauf zurückzuführen ist, daß die Rennleitung durch Streuen von Sägemehl an einigen Stellen die (Be- jchwindigkeit verminderte. Sieger und Meister dieses Jahres wurde der Berliner Bob „Eva" mit Düse- bau als Führer und Heimann als Bremser mit der Gesamtsahrzeit von 2:44,57. Das weitere Ergebnis: 2. Bob 13 (d. Rewlinski-Mog) Berlin 2:48,58 Min. 3. Bob Jngeborg-Wien (®ebr. Kaltenberger) 2:48,8 Minuten.
Ich hab dir verzieh»!
Vornan von Elolilde von Stegmann«Stein. Copyright by Martin Feuchtwange r. Halle.
Birgit hatte sich in dem kleinen Gebirgskurorte gut eingelcbt. Der Konsul hatte ein reizendes Häuschen ausfindig gemacht, dessen untere Etage, aus drei Zimmern und Küche bestehend, er für seine Tochter gemietet hatte. Es gehörte einem alten, freundlichen Lehrerehepaar, das alles tat. um die vornehmen Gäste zufriedenzustellen.
Schwester Helene betreute ihre geliebte Birgit wie eine Mutter ihr Kind. Der Konsul, der sich in der Aähe des Kurplatzes in dem eleganten Kurhaushotcl einlogiert hatte, war fast den ganzen Tag mit seiner Tochter zusammen. Birgit scheute den Aufenthalt unter den vielen Menschen, die diesen berühmten Kurort aufsuchten und jetzt im Juli besonders zahlreich vertreten waren. So nahm auch der Vater fast a lle MaHlzeiten auf der nelkenumftandenen kleinen Loggia ein, die sich von dem Erdgeschoß hinzog und einen wundervollen Blick auf das grüne Bergland mit seinen dahinterliegenden blauen Höhen gewährte.
Die würzige Lust hatte Birgits blasse Wangen b^ld mit einem zarten Rot gefärbt; ihre Augen leuchteten, fie suhlte sich hier in der schönen Autur, der reinen Luft, im täglichen Zusammen- fein mit dem geliebten Vater, den sie seit ihrer Verheiratung nicht mehr soviel um sich gehabt, glücklich.
Frühmorgens, ehe die Kurgäste aus den Bädern und vom Brunnen her in die gepflegten Park-
Hauern im fernen Waldschlag um die Wette hämmerten.
„Du behandelst mich wie ein rohes Ei, Däter- chen", sagte Birgit oft lachend und schmollend, wenn der Vater zu besorgt um ihre Dequemlich- ren tDar. „Machen nicht Tausende von Frauen gleiches durch, wie es mir bevorsteht? Und sie sind nicht so umsorgt, so behütet, wie ich verwöhnte Prinzessin."
„Da hast du wohl recht, mein Töchterchen", fagte ber Konsul. „Ich bin nicht sentimental und kein Mensch, ber die Wirklichkeit um jeben Preis anbers haben möchte als sie ist. Aber mir gibt es immer einen Stich ins Herz, wenn ich Frauen sehe, bie abgearbeitet, sorgenvoll, elenb ihrer heiligen Stunde entgegengehen. Habe ich nicht immer und immer wieder in unserer Stadtverwaltung versucht, Kummer und Aot gerade solcher Frauen lindern zu lassen?
Ist nicht das Mutterheim, das den (Kamen Deiner Mutter trägt, mein eigenes und mein llebstes Werk? Und da sollte ich mein einziges Ä'inö nicht so umsorgen dürfen, wie es mir Herzensbedürfnis ist? Laß dich nur ruhig verwöhnen, meine Birgit. Ich will doch deinem Hans Egon eine ganz gesunde Frau mitbringen, bie sich vor dem, was ihr bevorsteht, nicht zu fürchten braucht."
„Ich furch temich nicht", sagte Birgit, und sah mit nachdenklichen Augen in die grüne Waldeinsamkeit. „Wäre ich denn eine Sibelius, wenn ich mich furchten würde? Höchstens bange ich mich vor einem ...“
-Mas ist es. mein Kind?" fragte der Konsul und ergriff Birgits Hand.
„(Dor dem Uebermaß des Glücks", erwiderte Dtrgrt leise. „Wenn ich denke, daß bald neben Hans Egon ein neues Wesen mir gehören soll, unser Kind mich anschauen soll mit unschuldigen Augem fuße, winzige Händchen nach mir langen und kleine rosige Glieder sich vertrauensvoll an mich schmiegen wollen — Väterchen, mitunter Denke ich, so viel Glück könnte ein Menschenherz nicht ertragen."
Der Vater zog Birgit liebevoll an sich:
.^0$ QKenfäenbera kann sehr viel ertragen, meine Birgit, sehr viel Glück und sehr viel Kummer. Gebe ein gütiges Geschick, daß es immer nur die Last des Glückes ist, die dir zu groß erscheint."
Wie um Birgit von diesen allzu ernsten Ge- sprachen abzulenken, fragte nun der Konsul:
„Wann schrieb eigentlich Hans Egon zuletzt, unb was teilte er dir mit?“
„(Er f$rieb ein wenig flüchtig, aber er entschul- Diflte sich mit den dringenden Erntearbeiten, die ihm keine Muße lassen. Ueberdies bin ich ja auch in kurzer Zeit wieder daheim, und wir werden im Gespräch alles nachholen, was diese Wochen und an geistigem Zusammenleben genommen haben."
(Fortsetzung folgt)
Gauvorstandssihung im Lahn-Oünsberg-Gau.
2lm Sonntagvormittag findet in Wieseck eine Sitzung des Gauvorstandes statt, in der u. a die Festlegung der Termin« für die diesjährigen Veranstaltungen oorgenommen wird.
Schmeling — Walker abgesagt.
Der nach langen Verhandlungen vor dem Abschluß stehende Kampf zwischen Weltmeister Max Schmeling und dem Amerikaner Mickey Walker in Miami am 25. Februar ist nun doch gescheitert, da sich die nötigen finanziellen Mittel nicht ausbringen ließen und da Joe Jacobs zu der Ueberzeugung gekommen ist, daß der Kampf ein zu großes Risiko mit sich bringe. Die Möglichkeit, daß der Kämpf an
„Madame hat mich nicht ermächtigt, das^zu sagen."
Hans Egon stampfte wütend mit dem Fuße auf „Ich werde selbst nachsehen", sagte er. „Halten ©ie die Pferde!" befahl er, unwillkürlich in feinen Herrenton verfallend.
ilnö ehe Paolo noch etwas zu erwidern ver- mmhte, hatte ihm Hans Egon die Zügel der un- rubigen Tiere zugeworsen, lief fast durch den blühenden Vorgarten, stieß an scheltende Träger, wich Kisten und Koffern aus unb war enblich in bem Hause verschwunben.
Eine töbliche Stille war in den Räumen, die er zuletzt im Glanze der überlauten Festesfreude gesehen: welk dufteten große Blumenspenben, die man Dolores zum Abschied gesandt haben mochte, in den hohen, durchsichtigen Kristallvasen unb in breiten, silbernen Schalen. Aber über allem schwebte ber unverkennbare Dust von weißer Iris jener unvergeßliche Dust, von bem Dolores stets umgeben war.
Der einsame Mann ging burch alle Räume, bie von Lebensfreube und überschäumendem Genuß erzählten, die ihm überall von Stunden heißer Liebe sprachen. In wilden Tränen der Sehnsucht glitt alles von ihm ab, was in ihm noch lebte, außer bem heißen, zehrenben Wunsche nach Do^ lores. Er mußte die entschwundene Geliebte Wiedersehen — und er würde fie Wiedersehen... Das schwor er sich zu in dieser einsamen Stunde.
uberglitten; kalte Hände griffen im Dunkeln nach den Kühnen, die versuchten, hier die Ruhe des Schlummers zu finden, schauriges Geflüster durchdrang den Raum, und man hatte das Gefühl, daß sich der Boden bewege. Es wurde sogar behauptet, daß zwei junge Leute, die hier die Aacht verbracht hatten, den anderen Morgen vor Schrecken wahnsinnig und mit schlohweißem Haar erschienen. Seltsamerweise haben solche Gerüchte die Menschen nicht abgeschreckt, sondern nur noch den Wunsch gesteigert, etwas Aehnliches zu erleben. Daher bie 2000 Gesuche. Aber fogern man auch hören mag, baß bie Schauerromantik in den Herzen ber mobemen Menschen lebt, so muß doch zur Steuer der Wahrheit festgestellt werben, daß Niemand bisher eine Aacht in ber Schreckenskammer verbracht hat, unb baß bies nach dem festen Entschluß ber Eigentümer von Tussauds Panoptikum auch nie geschehen wirb. Ein wagemutiger Berichterstatter, ber um die Erlaubnis bat. diese Aervenprobe bestehen zu dürfen, wurde entschieden zurückgewiesen. „Wenn es bekannt würde, daß wir so etwas gestattet", erklärte ein Mitglied der Direktion, „bann würden wir mit Gesuchen bestürmt werden, denn auch ohne jede Belohnung, bie natürlich niemals ausgesetzt wurde, möchte mancher gern in der Schreckenskammer schlafen. Das würde dann zweifellos zu peinlichen Vorkommnissen führen. Wir haben nämlich gefunden, daß die Leute, bie bie stärksten Aerven AU besitzen glauben, gewöhnlich die schreckhaftesten sind. Einmal wurde ein Rattenfänger des Abends in die Schreckenskammer geschickt, um dort seinen Beruf auszuüben. Er lachte laut beidem Gedanken, daß er sich etwa fürchten könne, aber nach einer Stunde trommelte er an die Tür unb bat um Befreiung. Mit vor Furcht schlotternden Gliedern kam er heraus unb stammelte, bas „alles auf ihn gesehen habe". Er hatte damit das wirkliche Grausen dieses Ortes erkannt, denn bie Figuren finb so gezeichnet, bah ihre Augen, wo man sich auch befinden mag, direkt aus unS starren."
Oer Bär als Lebensretter.
Ein seltsames Abenteuer, bei dem ein Bär als Lebensretter auftritt, wird in einem Blatt von Toronto nach den Angaben einwandfreier Zeugen beruhtet. Der Vorfall spielte sich in dem Parry Sund-Gebiet ber kanabischen Provinz Ontario ab Dort hatte sich ein Führer I. P. Iohnston, ber feit Dielen Jahren Jäger in dieser einsamen Gegend begleitet, allein auf den Weg gemacht, um eine neue Spur aufzusuchen. Um eine bessere Aus- ncht zu haben, kletterte er auf den hohen Ast eines Baumes. Der Ast brach ab und er stürzte mit den Füßen zuerst in ben hohlen Stamm. Hier ivar er 36 Stunben lang wie in einer Falle eingeschlossen: er konnte sich in bem engen Gewahrsam kaum bewegen unb litt furchtbar. Da ließ sich plötzlich etwas auf seinen Kopf herab. Er Nam- merte sich baran an. Es war ein großer, schwarzer Jär, der nach seinem Unterschlupf zurückkehrte, ben er in bem hohlen Baumstamm aufgeschlagen hatte. Der Bär war erschrocken, als er das fremde Wesen in seiner Behausung fand, und Heiterte wieder heraus. Iohnston hielt sich an seinem Zottigen Fell fest und wurde von dem Bären aus der furchtbaren Lage befreit, in der er bereits ben sicheren Tod erwartet hatte. Ass beide glücklich aus bem Baum heraus waren, trottete ber TJar baoon, unb ber Führer schleppte sich zu seinen Gefährten zurück, bei denen er völlig erschöpft unb voll Staunen über seine Rettung ankam — ('ffiir möchten uns für bie Wahrheit ber Geschichte vicht verbürgen; sie klingt nach kanabischem Jäger- Latein unb hatte bem seligen Herrn von Münchhausen zur Ehre gereicht.)
Eine Aacht in der Schreckenskammer.
Andie 2000 Gesuche sind im vergangenen Jahr Utz Madame Tussaud, bie Eigentümerin bes berühmten Londoner Panoptikums, gerichtet worden mit der dringlichen Ditte, die Schreiber eine Aacht in der Schreckenskammer verbringen zu lassen. Sie wollten damit nicht nur eine einzigartige Aervenprobe ablegen, sondern auch „bie Belohnung" erlangen. Dieser Glaube, bah ber- jentge, ber eine Aacht in ber Schreckenskammer öerbringt, bafür einen klingenden Lohn erhält, Lscheint im englischen Volk tief eingewurzelt zu fein obgleich baran nicht bas Geringste wahr ist. In früheren Zeiten erzählte man, baß jedem, ber es wagen würbe, an diesem Ort des Entsetzens zu schlafen, 100 Mark ausgezahlt würden, aber wie es mit solchen Gerüchten geht, die lawinenartig anwachsen, munkelt man jetzt bereits von einer Belohnung von 2000 Mark. Die fabelhaftesten Geschichten werden von denen berichtet, die sich nächtlicherweise in diesem Zimmer des Grauens aufgehalten haben. Sie sollen Geister gesehen haben, die mit drohenden Mienen und furchtbaren Gebärden unter eisigem Anhauch nor
einem späteren Termin ftattfinbet, ist jedoch durch aus noch gegeben.
Arbeiter-Turn- und E>portbund
2m zweiten Spiel um die Kreismeister- f d) a f t ist Aaunheim am Sonntag in Egelsbach bei Darmstadt zu Gast. Das vergangene Spiel am Sonntag zeigte Aaunheim von seiner besten Seite. 3m bevorstehenden Spiel wird Aaunheim einem der stärksten Vertreter der Kreisklasse ge- genüberstehen unb alle- hergeben müssen, wenn es feinen Anhängern keine Enttäuschung bereiten will.
3m Rückspiel um bie Dezirksmeister- schaf t bes 3. Bezirks stehen sich Lollar I. -
bem aum Ausbruck kam. daß der Platz in bester Verfassung ist. 3m Anschluß an bie Berichte ber euijelnen Abteilungsvorstände konnte ben Aus- Fussen Entlastung erteilt werben. Der Kassen- der.cht ergab ein erfreuliches Dilb. Der Bericht beS Rechnungsprüfers. Bürovorstehers Peter, erbrachte zwar einige Deanftanbungen. Die mehr technischer Art waren: bem Kassierer tou*De leboch einstimmig Entlastung erteilt unb ihm der Dank für seine mühevolle unb umfang- rnAe Kleinarbeit ausgesprochen. Die Vorstanbs- wahlen brachten mit einigen geringfügigen Aen- !*tU"9en D:‘c Wiederwahl des bisherigen Dor- stanbes. Auch in ben einzelnen Abteilungen ergaben sich keinerlei wesentliche Aenberungen. Als Leiter ber Handballabieilung wurde Herr Bir- ken stock bestimmt 3m weiteren Verlauf des Abends entschloß sich die Versammlung, den Vorstand zu ermächtigen, ein neues kleineres nr.£Z-e*n^aDd€i<hen nach einem Entwurf des Architekten Schmidt (Trainingsleiter) einzu- sühren. linier Punkt Verschiedenes gelangten interne Angelegenheiten zur Besprechung. Auf Grund einer Anfrage aus dem Kreis der Mitglieder erstattete der Vorsitzende Bericht über D^/torfan der zur Aichtaustraqung des Spieles 1900 (Liga) gegen Friedberg führte. 11. a. verlas der Vorsitzende einen Bries an den VfB., in dem zum Ausdruck gebracht wurde, daß bis zur endgültigen Klärung der Angelegenheit durch die Polizei jede sportliche unb jebe anbertoeitige Aeziehunq zum VfB. Gießen als abgebrochen zu betrachten sei. Eine Diskussion über ben Fall entspann sich nicht, ba vorerst bas Ergebnis ber ©rmittlungen ber Polizei abgewartet werben soll. Die Versammlung würbe mit einem brei- fachen ..Hipp-Hipp-Hurra" auf bie Spielvereinigung 1900 geschlossen.
Deutsche Bob-Meisterfchast.
Bob „Lva" (Berlin) erfolgreich.
Generalversammlung der Spielvereinigung 1900.
Die Spieloereinigung hielt am Donnerstagabend stzre ordentliche Generalversammlung ab. Die Versammlung war außerordentlich gut besucht und ckahm einen harmonischen Verlaus Der Vorsitzende f „ ®tu 901 gab zunächst den Jahresbericht und stellte fest, daß die Spieloereinigung 1900 im vergangenen Jahre wieder ein gut Stück vorwärts gekommen sei. In finanzieller Hinsicht sei der Stand des Vereins durchaus befriedigend, neue Verpflichtungen wurden nicht übernommen, alte Verpflichtungen wurden teilweise getilgt. Die Mitglieder- beiträge seien recht pünktlich eir.gegangen. Der Mitgliederbestand habe eine bedeutende Erweiterung erfahren. Dem Austritt von 61 Mitgliedern steht ein Zugang von 132 Mitgliedern gegenüber, so daß das Plus an Mitgliedern 71 beträgt. Daß es gelungen ist, den Verein trotz aller Schwierigkeiten der Gegenwart finanziell, sportlich und gesellschaftlich auf der Höhe zu halten, sei, so führte er aus, mit besonderer Genugtuung festzustellen. Jrn Anschluß an den beifällig aufgenommenen Bericht des Vor- standes berichteten die einzelnen Ausschüsse über die Tätigkeit im vergangenen Jahre.
Der Fußballobmann Herr Reining erstattete Bericht über die einzelnen Mannschaften, deren zur Zc^ 6 nahezu ständig auf dem Plan find. Die Mannschaften haben insgesamt (mit 2 Spielen der ^Iten ixrren) nicht weniger denn 149 Spiele aus- getragen. 72 Spiele wurden gewonnen, 14 Spiele endeten unentschieden und 63 wurden verloren. Das Torverhältnis lautet 493:367. Der Leichtathletik- obmann Herr Richtberg gab einen Rückblick auf Die Tätigkeit der Leichtathletik-Abtei- i u n g. Hier ließ sich viel erfreuliches berichten. Die Mitgliederzahl in dieser Abteilung ist gestiegen auch der Zuwachs an Jugendlichen ist beachtens- wert. Zum Teil handelt es stch bei den Neueingetre» tenen um hochqualifizierte Leichtathleten. Die vergangene Saison brachte der Abteilung eine kaum erwartete Erfolgsserie. Richt weniger als 183 Siege (69 erste, 61 zweite und 53 dritte) konnten errungen werden. Die leichtathletische Frauenabteilung hatte ebenfalls einen Bericht dop gelegt, aus dem heroorging, daß man nicht untätig war. Der Abteilung war es vergönnt, 15 erste, 26 Zweite und 16 dritte Siege an sich zu bringen. Die grauen beteiligten sich an 8 verschiedenen hiesigen und auswärtigen Veranstaltungen. Der Mitglieder- siand blieb der gleiche. Die Bilanz der Hand- ballabteilung war weniger günstig. Die erste Handballmannschaft konnte von 23 Spielen nur jrnei gewinnen, 18 Spiele wurden verloren. Die Zweite Mannschaft zeigte etwas günstigere Ergeb- nisse. Die Jugend konnte von 8 Spielen keines gewinnen. Es wurde betont, daß die Handball- abteiluna einer Reorganisation bedarf. Außer- ordentlich eindrucksvoll und ausführlich gestaltete sich der Bericht des Jugendobmannes Herrn Von- dran. Aus dem Bericht ging hervor, daß der 3ugenblciter mit vorbildlichem Eifer sich in den Dienst der Jugend stellte und die Jugendabteilung auf eine beachtenswerte Höhe führte. Die Erfolge, die die Jugendabteilung zu verzeichnen hatte, bür- fen den Verein mit Stolz erfüllen. Don insgesamt 119 ausgetragenen Spielen konnten die drei Jugend- und die zwei Sd)ülermannfd)aften 69 für sich entscheiden, unentschieden endeten 23 und 27 Spiele wurden verloren. Einen besonderen Fortschritt aus dem Gebiet der Jugendpflege innerhalb des Vereines bedeutet bie Schaffung bes 3 u - genbheimes. Schließlich gab noch Herr Schmib t ben Bericht bes Plahverwalters, in


