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Samstag, 14- Mai 1952

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)

Itt.112 Drittes Blatt

Sehörden und Arbeitsbeschaffung für Handwerk und Gewerbe.

Die (teigenbc WirtschaftSnot hat baju geführt, ich schon seit Monaten ber Umfang her Aus- tr ige an bad Handwerk unb Gewerbe immer mehr usammenschmilzt. Don privater Leite ist an Ar- fitdbe(d)affung für bie Handwerksmeister unb Froerbetrcibenbcn leiber nicht viel zu erwarten. >ic öffentliche Hand aber ift schon feit langer jst so gut wie vollständig ald Auftraggeber aud- l schieden. Daß unter biefen Umftänben bie Zahl > t arbeitdlofen selbständigen Handwerksmeister, i dellen unb Lehrlinge immer mehr anschwillt, f nicht verwunderlich, jedoch in höchstem Maste u bedauern. 3c mehr ber lelbflänbige Handwerk -

t. nb gewerbliche Mittelstanb in ben Lumps vT Wirtschaftskrise versinkt, um Io schlimmer cerben bie Folgen für unsere Volkswirtschaft sein inb um so schwieriger wirb ber Wieberaufbau ;erben. Diesem Hiebergang einer für bad Wohl vt Dolkdganzen sehr wichtigen Bürgerfchicht ilt allen Äräften entgegenzuwirken, must bie mrnebmfte Pflicht aller maßgebenden Personen nib Körperschaften in ben Gemeinden, in ben sinbem unb im Reiche fein. Dazu haben auch < l wirtschaftlich noch leistungsfähigen Bürger ni) besten Kräften mitzuhelfen, benn nur burch >-c Erhaltung eines starken bbbenftänbigen Mit- iltandeS kann der Gesamtheit des Volkes auf

u

Nachdruck verboten!

15. Fortsetzung.

'.dien zu. non denen ihr einige sehr gefielen. Sie

icblte fünf teure Kleiber unb einen wundervollen Hantel für sich

.Ich hatte Lie liebgewonnen. Das soll sich n ot ändern Also kommen Lie heute abend gegen acht 11 ßr zu mir!"

. Vielen Dank, Mistrest Harrison."

Die Dame wandte sich interessiert den Toi-

- e Dauer wirksam geholfen werden.

I Wir sind uns klar darüber, dah cd unter ben j(flcntoärtigcn Verhältnissen für bie Behörden - cht leicht ist. als Auftraggeber für Handwerk nib Gewerbe aufzutreten. Die Steuereingänge :rfen überall rückgängige Tendenz auf. die Er- tage der Werke sinken, dagegen sind die sozialen Saften im Verlaufe der letzten Monate immer gröber geworden unb stehen auch heute noch in : irfem Mistverhältnis zu ben Einnahmen ber fcntlichcn Hand. Dennoch wäre cd falsch, wenn e Verwaltungen sich nur auf bie Bestreitung laufenben Ausgaben für bad Personal, für Sic unabweisbaren sachlichen Anschasfungen unb r bie Betreuung ber Hilfsbedürftigen cinftcllcn rürben. Darüber hinaus muh bad Ziel ber offen!» ten Hand sein, burch wirtschaftliche Maßnahmen bclcbcnber Andern Ar- eitdmarft Auftrieb zu geben, damit ben Mitteln ber Allgemeinheit ein gewisser 2nsgleich gegenüber ben Auftragdausfällen von .civater Leite geschaffen wirb. Dieser Gcsichts- ,'iati must insbefonbere bei ber Gestaltung ber -)oushaltspläne für das 3ahr 1932 vorherrschend ein. Aus diese Weise können aus benr zu ©teuer- Lüftungen heute vielfach unfähigen Mittelstands- -iflcbörigcn wieder steuerlich Iciftungdfräftigc Bürger werden, die aber nicht nur selbst wieder |u wirtschaftlicher Kraft kommen, sondern auch iberen »Arbeitskräften Beschäftigung bieten ; Irnnen.

Vielfach halten die Gemeinden schon im vorigen fOabrc in ihren Haushaltsplänen nur geringe Nittel für handwerkliche und gewerbliche Ar- Kitdaufträge aufzuweisen. In ben neuen Haus- hl Itsplänen. die aus noch geringeren ©teuer- .nb Werkerträgen als im Vorjahre aufgebaut hib, ift vielfach an ben Titeln gestrichen worben, cii* denen für bas Hanbwcrk unb das Gewerbe , Arbeit unb Lieferungen hervorgehen können 'JScnn biete Linie beibehalten wirb, kann bie jSifjc für den größten Teil bed selbstänbigen L^kittelstanbes nur noch schlimmer als bisher, ja s radezu katastrophal werben, aber nicht nur zum Schaden der unmittelbar betroffenen Personen, rnbern auch zum großen Nachteil der öffent- iidben Finanzwirtschaft Die Verwaltungen mögen 1 aut Abwendung dieses Hebels vorübergehend qetroft einmal an sämtlichen anderen Positionen

Vornan von Gert Höchberg.

Copyright by Martin Fruchtwanger, Hall«.

Madame Endiee kam wieder, um noch einmal rstzustellcn, daß die vornehme Kundin wirklich bedient wurde. Sic wurde rot vor Freude, i i sic sah. wie gut Aenne Ohlen ihre ©ache lieber einmal gemacht hatte.

.Für biefc Kraft würde man in Amerika ein rorchenhaftes Gehalt zahlen, Madame Endiee". egte Mistrest Harrison liebenswürdig.

Madame Endiee zuckte zusammen. Wie unüber- rgt von ber Kunbin! Nun mußte sie. Madame inbice, natürlich in den sauren Abfei beißen unb Henne eine hübsche Erhöhung des Gehalts zu- ) lligcn Dabei war bas junge Mädchen immer r bescheiden gewesen Sic hatte nie daran gc- mit Erhöhung ihrer Gehaltsansprüche lästig zu. fallen. Nun aber ging es nicht anders. Diese Hncrifanerm hatte bestimmt nun in Fräulein Ollen das Bewußtsein ihres Wertes erweckt Also lieber gleich freiwillig etwas wiegen! Da fun sie unter Umständen immer noch billiger weg

Madame Endiee lächelte sehr liebenswürdig. .Gewiß, Miß Harrison! 3d) weiß schon, baß xf) an Fräulein üblen die beste Stütze habe, und q hatte sowieso vor. ihr Gehalt vom nächsten trften an wesentlich zu erhöhen."

Miß Harrison nickte energisch, lächelte aber )abci etwas hinterhältig, als sic fagte:

.Das ist sehr recht, liebe Madame Endiee. Nun, lh bin auch mit allem sehr zufrieden. Bitte, zräulein ühlen, suchen Sie sich jetzt in meinem Beisein noch einen hübschen Pelzmantel aus. Ober besitzen Sie schon einen?

Aenne dachte an ihren dünnen Mantel und Iußtc nicht, was sic lagen sollte.

Bei ber Mabame Endiee aber überwog der edankc an ein weiteres Geschäft noch die gren- icnlofc Verwunderung über diesen Großmut ber bomeßmen Kunbin.

Sie winkte Aenne heimlich.

Die aber stand noch immer da unb blickte in Nist Harrisons Gesicht.

. Diese sagte gütig

ber Haushalte stärkere Abstriche als bisher machen unb bie baburch freigewordenen Mittel zu Ar- beitsaufträgen verwenden. Es wird ernstlich wohl auch nichts dagegen einzuwenden sein, wenn im Hinblick auf dieses Ziel bie Vermögens­werte unb bi c sonstigen Rücklagen in gewissem Ausmaß für die Finanzie­rung von Aufträgen durch ben o r - bentlichen Haushalt in Anspruch ge­nommen werben Dann werben sich z. B manche Erncuerungsarbeiten an ftäbtischem Besitztum er­möglichen lassen, bie bisher unterblieben sind unb vielleicht auch in diesem Jahre nach dem jetzigen Stand der Dinge noch keine Aussicht auf Ver­wirklichung ßabai Don einer derartigen Arbeits- marktbelebung wirb zweifellos ein nicht zu unter- schätzender Anstoß für die llcbcrtoinbung der Wirtschaftskrise ausgehen Ein weiterer Weg zur wirtschaftlichen S^ilfclciftung für ben schwer ringenden gewerblichen Mittelstand besteht in dem Verzicht der öffentlichen Hand auf bie eigene Herstellung von Bc - darf für bie Derw.altungsarbeit. Es sind uns -- wir betonen, daß wir hier nur unter dem Gesichtswinkel des Gemeinwohls sprechen - Fälle bekannt geworben, in benen öfsentliche Verwaltungen z. B nicht nur Formularien, fon- bern auch Haushaltspläne unb Derwaltungs- berichte burch Schreibmafchincn-Dervielfältigung in ben eigenen Bureaus herstellen. Diese Ver­waltungen begründen ihr Vorgehen mit dem un­erbittlichen Zwang zur Sparsamkeit aus Mangel an Mitteln Auf den ersten Blick kann diese Argumentation vielleicht bei manchem Bürger Eindruck machen, wenn man aber bei näherem Betrachten. der Dinge fcftftcllcn muß. daß diese Verwaltungen immer noch über ansehnliche Re­serven aus früheren Jahren verfügen, fo muß man sagen, daß hier aus Kosten des ge­werblichen Mittelstandes Derwal- tungsersparnis geübt wird Durch diese Praris wird nicht nur dem steuerzahlcnden Ge­werbetreibenden eine in der jetzigen wirtschaft­lichen Notzeit besonders erwünschte Einnahme­quelle verschlossen, sondern man hat auch manchem Schriftsetzer und Buchdrucker bie Arbeit«- unb Verbienstmoglichkeit genommen unb ihn burch Arbeitslosigkeit ber öffentlichen Hanb zur Last gelegt. Richtiger wäre es gewesen, evtl, burch einen gewissen Rückgriff auf bie Reserven bie Ar­beiten im gewerblichen Betrieb herstellen zu lassen unb baburch volkswirtschaftlich probuktiv zu wirken. Zum Lobe ber Provinzialbirektion Obcrhcssen unb ber Gießener Stabtverwaltung muß in biefem Zusammenhänge betont werben, daß beide trotz alles Zwanges zur äußersten Sparsamkeit doch an dem Grundsatz sestgehalten haben, ihren Bedarf an Druckerzeugnissen nach wie vor in den gewerblichen Betrieben anfertigen zu lassen unb baburch zur Belebung ber Wirt­schaft unb zur Hintanhaltung einer weiteren Steigerung ber Arbeitslosigkeit beizutragen In bas Kapitel ber Wirtschaftsbelebung burch, rich­tige bchörbliche Betätigung gehört auch bie An- schaff ungvvnMatcrialicn b u r ch S) c r- anziehung der heimischen Geschäfts­welt. selbst auf bie Gefahr hin, baß dadurch gelegentlich ein geringer Mehrpreis gegenüber dem Engros-Dezug vom auswärtigen Hersteller bezahlt werben muß. Die Unterstützung Der orts­ansässigen Geschäfte ist immer toicbcr für bie Verwaltung lohnend, weil auf diese Weise ber heimische Steuerzahler gestärkt wirb. Richtig ver- ftanbene kommunale Wirtschaftspolitik muß sich eben stets vor Augen halten, baß sie nicht nur nehmen, fonbern in weitestem Umfange auch geben soll, bamit bas Ganze geheißen kann

Die öffentliche Hanb wirb unter den jetzigen Verhältnissen von weiten Kreisen des Handwerks und Gewerbes geradezu als her letzte RettungS-

..Wollen ©ic mir nicht die Freude machen? Ich habe keine Tochter, und ich würde einem hübschen jungen Mädelchen gern einmal eine Freude machen."

Aenne wußte, baß bie Amerikanerin wohl in erster Linie baran dachte, baß ihr junger Gast am Abcnb anftänbtg im Esplanabe-Hotel er­schien. Vielleicht war cd aber auch wirklich nur Herzendgüte, bie ihr eine Frcube machen wollte.

Aenne beugte sich über bie Hände her Dame unb küßte sie. Die spürte eine tiefe Rührung in sich, sagte aber

»Bitte, also bie Pelzmäntel!"

Bescheiben wollte Aenne einen ber billigsten Mäntel anprobieren. Doch Miß Harrison winkte ab.

»Nein wir nehmen ben echten Di bereite dort! Der bürste auch passen."

Aenne zog ben Mantel an. Sie sah ent­zückend aus.

Miß Harrison lächelte.

»Ich habe cs ja gleich gesagt, daß er paßt."

Aenne erschrak

Der Mantel war sehr teuer. Das ging doch unmöglich.

Aber da sagte Miß Harrison schon freundlich

So, nun haben Sic wohl die Güte unb machen mir bie Rechnung fertig! Ich werde gleich zahlen."

Madame Endiee schrieb die einzelnen Posten auf. Sonst tat sie so etwas nie. Aber in dem heutigen Falle war ja sowieso schon alles auf den Kopf gestellt Es kam auf etwas mehr ober weniger nicht mehr an

Aenne stand da. ben Mantel über bem Arm.

Wiß Harrison verabschiedete sich freunblich von ihr. Dann ging sie, begleitet von ber Inhaberin des Ateliers, zur Kasse. Dort zahlte sic. ohne mit einer Wimper zu zucken, ben hohen Betrag.

Der HauSbicncr ftanb dann mit den Kartons bereit. Draußen wartete ber Mietwagen. Der Ehausfeur verstaute bic Einkäufe neben sich, unb ber Wagen fuhr davon

Mabame Endiee verneigte sich noch in der offenen breiten Glastür, als schon längst nichts mehr von her reichen Frau zu sehen war. Dann aber ging sie rasch hinein unb zu Aenne ühlen

.Kinb. das war einmal ein ganz besonderer Glücksfatt für Sie. Und ich erhöhe Ihnen außer­dem Ihr Gehalt um fünfzig Mark monatlich

Ich danke Ihnen sehr. Madame Endiee. Da kann ich Mutter etwas mehr abgeben."

3a! Und nun werden Sie mein Geschäft doch nicht etwa veMallen?"

Nein. Bestimmt nicht. 3ch muß doch G?ld verdienen, und außerdem ist mir meine Beschäf­tigung hier sehr lieb geworden."

Schabe!, bachtc Mabame Endiee Schließlich wäre es gar nicht nötig gewesen, ihr zuzulegen Na. jetzt ist die Sache einmal geschehen, unb nun läßt sich nichts mehr rückgängig machen. Wollen

anker für bic Erhaltung bet persönlichen Eristenz unb ber Betriebe angesehen Die Hoffnungen bieser wertvollen Mittclstanbsschicht dürfen von den Verwaltungen nicht enttäuscht werden, so­lange noch irgendeine Möglichkeit zur Hilfe­leistung durch Arbeitsaufträge vorhanden ist An solchen Möglichkeiten wirb es wohl bei ben meisten Verwaltungen auch heute noch nicht feh­len, wenn auch bas Audinaß ber Arbeitsbeschaf­fung jetzt nicht an bem Maßstab gemessen werben

kann, ben man noch vor einigen Jahren atuu- legen gewohnt war Aber viele Wenig geben immerhin ein Diel, mit dem man bem Mittelstand wertvolle Dienste leisten kann Möchten alle öffentlichen Verwaltungen auf diesem Wege bi# zur äußersten Anspannung ihrer Kräfte dem Handwerk unb Gewerbe zu Hilfe kommen unb dadurch auch ben öffentlichen Finanzen selbst in gebeihlicher Weise nützen.

Geschichten aus aller Welt.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Unverhoffte Grvfo»afl.

(g) Conbon

Nach einer Cambridger Meldung desManchester Guardian" ist dort auf die eigentümlichste Weise ein Testament entdeckt worden. Eine an der dortigen Universität studierende Dame, deren Hauptinteresse der Botanik gewidmet ist, lieh sich kürzlich in der Universitätsbibliothek einen dickleibigen botanischen Walzer und entdeckte bei (einem Studium, daß zwei Seiten des Buches sorgfältig aneinandergeklebt waren. Ebenso sorgfältig machte sie sich daran, die beiden Seiten voneinander ,zu losen und fand zwi­schen ihnen versteckt ein handschriftliches, mit dem Stempel eines amerikanischen Notars versehenes Schreiben, in dem sie zu ihrer Verblüffung das Testament des Herrn Beverletz, des Verfassers dieses botanischen Werkes, erkannte.

Beverletz starb im ersten Jahrzehnt dieses Jahr hunderts in Amerika, wo er sich, gebürtiger Eng­länder, mit eingehenden botanischen Studien beschäf­tigt hatte. In den letzten Jahren seines Lebens wid­mete sich Beverletz der Anlage einer riesigen Psion- Aenfammlung, die Früchte (einer Studien legte er in (einem Werke, einem Privatdruck, nieder In der Gewißheit, daß sich doch nur wenige Menschen für den trockenen Stoff seines Werkes interessieren wur­den, verbarg er in einem Exemplar (ein Testament, das denjenigen Studierenden der Botanik, der es entdecken würde, zum Erben feiner wertvollen Pslanzenlamnilung und seines Vermögens macht, das immerhin die anständige cummc von 20 000 englischen Pfunden (etwa 400 000 Mark) ausmacht Beides, Pslanzensammlung und Geld, find bei einem amerikanischen Notar deponiert. Von dem Rechts beistand der glücklichen Studentin sind nunmehr selbstverständlich alle Schritte in die Weoe geleitet worden, um seine Mandantin in den Genuß dieser ihr so unverhofft in den Schoß gefallenen Erbschaft Zu setzen.

Vubikopf und Acikclchcn.

dl. u. Kopenhagen.

In einem Damensrisiersalon des nordschleswig- schon Grenzstädtchens Pattburg erschien kürzlich eine dralle Dorffchönc, die in der Nahe von Pattburg auf einem Bauernhof dient. Sie halte einen recht umfangreichen Korb mitgebracht, aus dessen Innern sich ein leises, weinerliches Getön erhob.Ich möchte bloß meinen Bubikopf ein bißchen gestutzt kriegen", sagte sie,aber ..." Und dann brach sie ab, öffnete resolut ihren Korb, aus dessen Innern etwas heiser grunzend vier winzig kleine, blitzsau­bere, kaum einen Monat alte Ferkclchen neugierig hervoraugtenDas ist nämlich mein Monatslvhn Bargeld hat der Bauer nid) mehr. Und so wollte ich bloß fragen, was denn das Haarschnciden kostet?"

T|a", überlegte der Damenfrisiersalonbesitzer, betrachtete die Schweinchen der Reihe nach,sagen wir mal für Haarschneiden ein halbes Ferkclchen." Nee", Hub do die blonde Dirn an,ich kann doch roarraftigengott nicht hat Tier durchschneiden ..." Nachdenklich hielt sie inne, streichelte mütterlich die vier Ferkclchen der Reihe nach, bis sie eine Er­

leuchtung bekam.Und was kann ich für die andere Halste kriegen?"

Dafür werden Sie onduliert werden, Frollcin", erklärte der Meister.

Großartig", stimmte bie blonde Dirn ganz er leichtert zu,dann lassen Sie das Lütte wohl auch noch was leben?"

Versteht sich", versicherte erfreut der früchge- barfene Schweinezüchter und begann sein Verschone- rungswerk.

Und als er damit fertig war und bic dralle, jetzt wunderhübsche blonde Pirn das eine von den vier winzig kleinen Schweinchen als Zahlung dem Mei (ter auslicfcrn wollte, rannen ihr bic blanken Tranen über die Backen.Och", brachte sie traurig hervor,es ist hoch zu schrecklich, eins von den Vieren herzugeben, wo sie doch so aneinander ge wohnt sind ..." Und bann brach sie wieder ab, strei d)ellc wieder mütterlich bic vier Ferkclchen der Reihe nach, bis sie aufs neue eine Erleuchtung bc kam.Unb wenn ich Ihnen nun alle Vier gebe, was kann id) dafür noch kriegenDauerwellen, mein Frollein, wunderschöne, haltbare, prachtvolle Dauerwellen, garantiert erstklassige Ausführung'." schlug eifrig der Meister vor

Topp", sagte erfreut aufatmenb bic Dirn,benn man los, und was die vier Lütten angcht, |o will ich auch jede Woche nach ihnen gucken unb sehen, wie sie wachsen. Nich?"

Und eine Stunde später, denn ber Meister lieferte gründliche Arbeit, verließ die blonde Pirn mit leid) lern Korb und leichtem Herzen den Frisiersalon, unb der frischgebackene Schweinezüchter bat sic, ja nicht zu vergessen, am nächsten Samstag wiederzu- kommen.

Der listige Schneider.

(gss) Madrid

Don Francisco halte-seinen Anzug nicht bezahlt und anscheinend den Entschluß gefaßt, das auch mag lichst lange nicht zu tun. Jedenfalls bekam der Schneider seine wohl dreißigmal dem Kunden zugc stellten Rechnungen immer wieder mit der trösten den Bemerkung zurück, er möge nur nicht die Ge­duld verlieren. Der brave Schneidermeister verlor sie aber doch unb geriet in begreifliche Aufregung, als er vor wenigen Tagen den Don Francisco auf der Buminelstraße Barcelonas lustwandeln sah, in bleu dendster Jrühlingslaune und geschmückt mit dem unbezahlten Anzug. Schleunigst begrüßte bas Schneidcrlcin seinen Schuldner, um ihm auscin- anderzusetzen, daß es ohne Zweifel sehr unrecht wäre, einen braven Handwerker nicht zu bezahlen, viel scheußlicher aber sei cs, außerdem biefeu An­zug auch noch ungebugelt zu tragen. Em derartig rücksichtsloses Benehmen seinen Meisterwerken gegenüber könne er nicht dulden, da dadurd) sein Ansehen geschädigt würde. Kurz und gut, der Schneider überredete den Don Francisco, doch schnell mit in (ein Atelier zu kommen, wo er ihm ben Anzug aufbugcln wolle. Ahnungslos ging der Frühlingsbegeistcrte in diese Falle und erst als er in Unterhosen beim Schneider sitzend, einen Poll zisten kommen sah, schwante ihm Unheil. Poch da war's bereits zu spät. Des Schneiders Anzeige hatte

wir cs also ruhig bei her noblen ©eite belassen. Schließlich weiß ich ja am besten, was für gute Geschäfte ich ber Kleinen ha schon seit langem verdanke.

Aenne durchzuckte ein Gedanke.

Gnädige Frau, dürfte ich heute eine Stunde eher nach Hause gehen? 3ch hole bie versäumte Zeit natürlich morgen nach."

Ein Lächeln im Gesicht ber alten Französin.

Aha, also bic Kleine war hoch auch eitel! Sic wollte sich heute gleich in bem neuen kostbaren Mantel irgenbtoo zeigen. Nun, bagegen ließ sich nichts sagen, unb es war ihr ja auch nicht zu Derbenfen. Das, Mäbclchen war jung unb hatte ein Recht auf frohe ©tunben. Sie jebenfalls hatte volles Verständnis bafür.

Aber gewiß, Fräulein Aenne, gehen Sie nur! Ich weiß ja, baß ich mich trotzbem auf Sic ver­lassen kann, wenn Sic vielleicht auch ein bißchen spät ins Bett kommen. Viel Vergnügen!"

Danke vielmals, gnähige Frau!"

Aenne nahm ben Mantel mit hinüber. Mit neugierigen Fragen fielen sic über sic her, benn cs war schon «ns Atelier gebrungen, baß Aenne Ohlcn von einer sehr zusricbenen Kundin einen echten Pelzmantel geschenkt erhalten hatte

Man erging sich in Vermutungen Seltsamer­weise mißgönnte man Aenne dieses kostbare Ge­schenk nicht.

Kläre Hochaus meinte:

Vielleicht ist ihr mal eine Tochter gestorben, bic Aehnlichkeit mit Aenne hatte Nun hat sie vor Rührung bas Geschenk gemacht. Aenne kann lachen An mir finbet bestimmt nicmanb Gefallen, liniereAlte" steckt mich ja auch vorsichtshalber nicht in ben Anprobiersalon. Der Pelzmantel würbe mich auch nicht schöner machen, also trage ich meinen alten Tuchmantel weiter. Ich möchte bich bloß mal in bem Pelz sehen, Aenne. Zieh mal an!

Aenne blickte ein bißchen ängstlich zur Tür.

Frieba Lorschncr rief lachend.

Unser Drachen ist gestiegen Kaffee trinken? Drüben bei Giler. Also zeige bich ruhig mal in ber neuen Pracht!"

Aenne tat cd.

Ucbcrwältigt sagte Hilde

Donnerwetter!"

Unb ein anbered, schon etwas verlebt aud- sehenbes Mäbel fetzte em bißchen breift hinzu:

Wenn wir cs nun nicht genau wüßten, wie hu zu bem Mantel kommst, bann würben wir natürlich henken, bein reicher Schatz hat ihn dir gekauft."

Aenne würbe bunfelrot unb legte ben Pelz wieher ab.

Kläre Hochaus aber sagte verweisend:

Sei still, bu! Aenne ist nicht solch lockerer Zeisig wie bu.

Da bie Direktrice jetzt hereinkam. war bad Gespräch beendet Unb am Abcnb ging Aenne eher vom Geschäft weg. Sie fuhr auch gleich, um nicht unnütz Zeit zu versäumen.

Zu Hause fuhren sie erschrocken zusammen, als sie fo unerwartet zeitig heimkam

Wundert euch bitte nicht, Mütterchen unb Marga! Aber eine Kundin hat mich für heute abend zu sich zum Tee cingelabcn unb sie hat mir auch biefen Mantel geschenkt."

Aenne deutete auf das Paket

Die Mutter griff verwundert danach Marga aber ftanb auf, lachte höhnisch.

Nein, mein liebes Kinb, den Mantel hast bu ganz woanders her. Wenn alle dir deine Lügen glauben, ich glaube dir nicht!"

Marga!" schrie die Mutter auf.

Fast schwarz vor Erregung standen die dunkel­blauen Augen in dem weißen Gesicht Aennes

Wie kannst bu fo etwas behaupten? Wie kannst bu es wagen, mich fo nichtig zu ver- bächtigen?"

Marga lachte wieder schrill unb mißtönend.

Dann nickte sie mit bem Kopfe, als bestätige sie sich selbst eine unsagbar traurige Wahrheit.

Du wirst nicht gehen. Du bleibst hier! Mutter, siehst bu benn nicht, baß sie auf bic schiefe Ebene geraten ist? Sollen wir noch Schande an ihr er­leben?"

Die Mutter hatte das Paket sattcnlassen, als habe sie fich verbrannt. Sie sah ihre beiden Töch­ter an, unb tiefstes Weh sprach aus ihren Augen.

Da warf Aenne ben blonben Kopf zurück

Mütterchen, willst bu bas noch länger halben, baß sie mich bclcibigt? Ich habe ben Mantel von Mrs. Harrison erhalten. Sie wohnt mit ihrem Manne im Esplanade-Hotel, unb ich gehe heute S ihr. Ich will bich aber nicht im unklaren lassen, ütterchen Ich kannte Mistreß Harrison seit jener Nacht, in her ich nicht hier war. Sie ist eine hochanstänb'ge Frau, unb ihr Interesse für mich hängt mit etwas zusammen, über bas ich eben mit euch nicht sprechen kann.

Marga Ohlen ging hinaus

Die Mutter nahm den Blondkopf ihrerIüngsten in beide Hände.

Kind, bet Mann, ber an jenem Abcnb in dein Leben getreten ist hat er damit nichts zu tun?"

Nein! Bestimmt nicht. Mütterchen! »r wird nicht da sein. Und wenn er da wäre, ginge ich nicht hin. Von ihm sprechen werden wir aber wahrscheinlich. Und aus biefem Grunde bliebe ich am liebsten hier bei dir, liebes Mütterchen. Aber ich darf die Güte Mistreß Harrisons nicht damit lohnen, baß ich ihre freunbüchc Sinlabung einfach ignoriere. Meinst bu nicht auch, Mütter­chen?

Da küßte die Mutter ihre 3ünQfte.

(Fortsetzung folgt)