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arbeiten wollen. Wir reichen ihnen die Hand zu gemeinfemem Aufbau, lassen aber auch dar­über keine Unklarheit, daß ein völlig neuer Kurs Platzgreifen muß. Wer unter diesen Umständen bereit ist, mit uns zusammenzuarbeiten, den wer- den wir nicht zuruckstoßen." Das bedeutet also doch wohl Verzicht auf die Alleinherrschaft und nach der völligen D'ezimierung aller übrigen bürgerlichen Parteien gejnäfoigter Richtung ein offenes Angebot an das Zentrum zur Zusammen­arbeit. Das ist jedenfalls trotz aller Vorbehalte ein Plus dieser sonst wenig erfreulichen Rcichs- tagstagung, das festgehalten zu werden verdient.

Ein anderes Plus ist die große Rede des Reichskanzlers Dr. V r ü n i n g . besser gesagt des Außenministers Vrüning, denn auf dec Außenpolitik lag der Hauptakzent bei allen Ausführungen, die der Kanzler machte, auch wenn sie innerpolitische Dinge berührte. Bemer­kenswert auch hier die starke Betonung des Gemeinsamen unter Zurückstellung des Trennen­den, der Wunsch, alle innerpolitischen Schärfen zu vermeiden und von seiner Seite alles zu tun, um für die bevorstehenden Verhandlungen in Genf und Lausanne die starke Einheits­front aller Deutschen aufzubauen, die er als Wortführer des deutschen Volkes braucht, um in Genf die Forderung auf Gleichberechtigung in der Düstungsfrage, in Lausanne das absolute Rein gegenüber allen Wünschen nach Wieder­aufnahme der Tributzahlungen wiederholen zu können. Wir haben diesen Willen zum Z u s a in - men f üh re n, 'der wie ein roter Faden Brü­nings Ausführungen durchzog, schon bei der ein­gehenden Besprechung der Kanzlerrede am Don­nerstag an dieser Stelle gebührend unterstrichen. Wir hätten indessen gewünscht, daß die unge­wöhnlich starken Impulse dieses Mannes sich die innerpolitische Plattform schaffen würden, die der Kanzler für seine Außenpolitik braucht. Doch Brüning setzt alles aus die Re­parationskarte, hinter der alle innerpolitischen Rotwendigkeiten wohl mehr gefühlsmäßig als bewußt zurückgestellt werden. Grade wieder diese Reichstagstagung hat die erschütternde Llnzu- länglichkeit seines Kabinetts zur Evidenz be­wiesen. Die Rede des Reichsfinanzministers Dietrich zur Begründung des Schuldentil- gungsgesehes und der sehr umstrittenen und in ihrem Erfolg immerhin fragwürdigen Prämien­anleihe zur Beschaffung von Mitteln für Zwecke der Siedelung und der Arbeitsdienstpflicht für Jugendliche war an Dürftigkeit kaum noch zu überbieten, zumal was die Angaben über den Ausgleich des Haushaltsdefizits und den dro­henden Zusammenbruch der Gemeindefinanzen an- langte.

Die Mißtrauensanträge gegen die Vertrauens­leute der Landwirtschaft im Kabinett, die Minister Schiele und Schlange » Schöningen, die aus den Reihen der Regierungsparteien kamen, und nach unkontrollierbaren Gerüchten von ihrem Kollegen und Gegenpol im Kabinett, dem Finanz­minister Dietrich, wenn nicht lanciert, so doch nicht ungern gesehen wurden, werfen auf den in­neren Halt dieses Kabinetts ein seltsames Licht. Der trotz seiner sozialdemokratischen Parteizuge­hörigkeit auch von Kreisen der Wirtschast als fähiger Kopf geschätzte Staatssekretär Schäffer verläßt das Reichsfinanzministerium, weil er mit Dietrich nicht zusammenkommen kann. Der Reichs­wirtschaftsminister Professor Warmbold, ein wirtschaftlicher Sachverständiger von Rang, ist zurückgetreten, weil er seine gesunden wirtschafts­politischen Grundsätze nicht zur Anerkennung zu bringen vermochte. Die Llmsatzsteuererhöhung, ohne Befragung des Wirtschaftsministers von Dietrich den Ländern versprochen, nun der nach Warm- bolds Auffassung falsch aufgestellte Etat und die Prämienanleihe, dazu noch Stegerwalds auf schematische Arbeitszeitverkürzung hinauslau­fende Pläne und das ohne seine Mitwirkung vor­bereitete Arbeitsbeschaffungsprogramm treiben auch diesen einsichtigen Mann der Wirtschaft, auf dessen Mitarbeit man vor einem halben Jahr so große Hoffnungen gesetzt hatte, aus dem Kabinett. An seine Stelle soll Dr. Goerdeler treten, der ehemalige Preiskommissar, als Leipziger Ober­bürgermeister ein Mann der hohen Bürokratie, der auf dem Posten des Reichswirtschaftsministers in einem ohnehin stark zu sozialistischer Planwirt­schaft neigenden Kabinett kaum ein vollwertiger Ersatz für den scheidenden Warmbold sein kann.

ilnö zu all diesem Dilemma kommt nun noch Gr oener s Verzieh t auf das Reichs­wehrmini st eri um. Mag man diesen Schritt auch mit der Rotwendigkeit einer betont scharfen Trennung von Reichswehr und Politik begründen, ' so kann man den Zusammenhang mit dem um­strittenen und als einseitige Maßnahme anfecht­baren SA. - Verbots kaum leugnen. Gcoeners unglückliche, auch durch starke körperliche Indis­position des Ministers nur schlecht begreifliche Verteidigungsrede im Reichstag, hat seine Stel­lung im Innenministerium, das er auf Wunsch des Reichskanzlers beibehalten wird, nicht gestärkt. Er ist dort politisch wie fachlich fehl am Ort. Der General selber wollte ursprünglich sich wieder auf das Reichswehrministerium zurückziehen, das er als Rachfolger Gehlers seit dem Januar 1928 als Vertrauensmann des Reichspräsidenten zum Wohl unseres Heeres verwaltet hat. Aber der Reichs­kanzler wollte offenbar durch sein Festhalten an Groener als Innenminister dartun, daß ihm an der Fortführung der inneren Politik auf der bis­lang verfolgten Linie gelegen sei. Für eine Po­litik, die Brücken nach rechts zu schlagen sucht, ist dieser Entschluß naturgemäß kein günstiger Auf­takt. Tlnd doch ist die Zeit seit langem reif für eine gründliche Lieberholung des Kabinetts. Der Kanzler möchte jeden innerpolitischen Kurswechsel, ja anscheinend am liebsten auch jede sachlich not­wendige Entscheidung auf sinanz- und wirtschafts­politischem Gebiet bis nach der Lausanner Konfe­renz hinausgeschoben wissen. Aber wenn er nun in Lausanne nicht zum Zug kommen wird? Die internationale Lage-sieht wenig verheißungs­voll aus. Frankreich steht vor einem Regierungs­wechsel, Amerika vor der Präsidentenwahl, Eng­land vor der Reichskonferenz von Ottawa. Rir- gends große Reigung zu klaren Entschlüssen, die freie Bahn schaffen. Können wir noch warten, bis es den andern gefällt, den ernsten Warnungen des Reichskanzlers Gehör zu schenken? Wir wol­len so wenig wie Dr. Brüning während der letzten hundert Meter vor dem Ziel die Ruhe verlieren, aber wir meinen, daß wir unabhängig von dem, was wir von Lausanne erwarten, ohne Zögern mit aller Energie und unter Zusammenfassung aller zur Mitarbeit willigen Kräfte an den na­tionalen Aufbau Herangehen müssen. Die Zeit ist da, wo man mit Halbheiten und provisori­schem Flickwerk nicht mehr weiterkommt, wo viel­mehr nur die unverzügliche Bildung einer deut­schen Rationalregierung nach dem Bei­spiel Macdonalds in England auch innerpolitisch

die große Einheitsfront herstellt, die notwendig ist zur Bewältigung der ungeheuer schwierigen Aufgaben, deren Lösung uns auch nicht durch eine befriedigende Regelung des Tributproblems, das ja praktisch für uns kein Problem mehr sein kann, erspart bleibt. Hoffen wir, daß die politische

Pause des Pfingstfestes den zum Handeln Beru­fenen Mut und Kraft gibt, den Sprung zu wagen, der vielleicht aus Dem Gestrüpp unfruchtbaren Parteihaders zu gemeinsamer Tat aufs freie Feld zusammenführt.

Die Tragödie im Hause Lindbergh.

Präsident Hoover sagt schärfste Verfolgung der Verbrecher zu. Oie Todesstrafe für Menschenraub.

N e u y o r k, 13. Mai. (WTB.) In den letzten zehn Jahren hat kein Ereignis einen derart erschüt­ternden Eindruck auf alle Schichten der amerikani­schen Bevölkerung gemacht, wie die Auffindung von Lindberghs totem Kinde, insbesondere nachdem es sich herausgestellt hat, daß der Kleine läng st nicht mehr am Leben war, als die Eltern noch sich der Hoffnung Hingaben, durch Verhand­lungen mit den Entführern i h n zurückzuer- ballen. Man ist über den Zynismus entrüstet, mit dem die Entführer versucht haben, den Eltern einen riesigen Geldbetrag zu entlocken, indem sie in ihnen vergebliche Hoffnungen erweckten. Hinzu kommt, daß es sich nicht um einen Einzelfall handelt. In den letzten Jahren häufen sich die Entfüh­rungen, um von den Angehörigen der Opfer große Geldsummen zu erpressen.

Die Einäscherung der Leiche des kleinen Lindbergh hat heute in Anwesen­heit von Oberst Lindbergh, des Chefs der Polizei von Rew Jersey und anderer Dehördenvertreter stattgefunden. Die Urne mit der Asche soll den Eltern morgen zur Beisetzung zur Verfügung ge­stellt werden. Präsident Hoover hat der Gattin des Obersten Lindbergh seine herzlichste Anteilnahme an dem erschütternden Ende des Söhnchens Lindberghs ausgesprochen und erklärt, daß die Polizei nicht ruhen werde, bis die ver­abscheuungswürdige Tat der Mörder mit un­erbittliche Strenge ihre gerichtliche Sühne gefunden haben werde.

Auf Grund des Verhörs des früheren Lehrers und Neuyocker Mittelsmannes Lindberghs Dr. London ist die Polizei zu der Ueberzeugung ge­kommen, daß Condon einer Betrügerbande zum Opfer gefallen ist. Dr. Condon hatte vor

vier Wochen 50 000 Dollar an die angeblichen Ent­führer des Lindberghkindes gezahlt. Die Staats­anwaltschaft glaubt, daß d i e Empfänger des Geldes mit den Entführern identisch sind. Präsident Hoover stellte dem Gouverneur des Staates New Jersey den gesamten Bundespoli­zeiapparat zur Verfügung und erklärte, die Ver­brecherjagd dürfte nicht aufhören, bis die gemeinen Mörder des Lindbergh-Kindes gefaßt und bestraft seien. Im Kongreß wurde eine Gesetzesvorlage ein­gebracht, die Menschenraub mit Todes­strafe belegt. In der Öffentlichkeit wird leb­haft bemängelt, daß die Polizei sich unfähig erwiesen hat, die Leiche des Kindes, die in der Nähe des Lindberghhauses lag, früher aufzufinden.

Der im Kinderzimmer damals zurückgelassene Bries der Entführer, der bisher geheim- gehalten wurde, ist jetzt veröffentlicht worden. Der Inhalt des Briefes läßt die Vermutung wieder aufleben, daß die Verbrecher geistesgestört sind. Der Brief der Entführer hat folgenden Wortlaut:Halten Sie 50000 Dollar in kleinen Roten bereit. Packen Sie sie in zwei Pakete. Wir werden Sie innerhalb von vier Tagen benachrichtigen, wo das Geld niederzulegen ist. Veröffentlichen Sie diesen Brief nicht. Be­nachrichtigen Sie auch nicht die Polizei. Das Kind ist wohl versorgt. Zur Kenntlichmachung Ihrer Briefe gelten unsere Llnterschriften. Ant­worten Sie in dreifacher Ausfertigung." Der Brief ist mit folgenden Zeichen unterschrieben: Zwei Ringe in blauer Farbe mit einem roten Innenring: ferner eine Linie, bestehend aus blauen Kreisen, die am Anfang und Ende in roten Linien ausläuft. Die Kreislinien sind nicht geschlossen.

Auftakt zur

Die Volkspartei für bürgerliche Sammlung.

WSR. Darmstadt, 13. Mai. Im volkspar­teilichenHessischen Beobachter" heißt es: Die Folgerung, die man ziehen muß, ist die, daß durch die Zersplitterung des Bür­gertums bei der letzten Wahl dieses zerschlagen und der Radikalismus a y f beiden Seiten gestärkt worden ist, daß dabei e i n arbeitsunfähiger Landtag zustandekam, der wohl ein Gaudi für die sensationshungrigen Tribünenhyanen, aber ein Schreck en für den verantwortungsbewußten Staats­bürger war. Wenn man will, daß es wieder so wird, dann braucht man nur alles beim Alten zu lassen. Wir wissen aber, daß die Verantwor­tungsbewußten des Bürgertums sehr klar erken­nen, was nottut, und wir wissen, daß wesentliche Kreise des Bürgertums nur eines abwarten: Sammlung des Bürgertums! Samm­lung des Bürgertums heißt die Zusammenfassung aller derjenigen -Kräfte, die noch das bür- gerlicheBewußtsein haben und auf bem Boden bürgerlicher W i r t s ch a f t s a n - s ch a u u n g stehen, Sammlung der Bürgertums heißt Zusammenfassung aller derer, die in je­dem Sozialismus den Feind sehen und mit Leidenschaft und ohne Kompromiß gegen ihn kämpfen wollen, Sammlung des Bürgertums heißt kämpfen für die bürgerliche Geltung und darum, daß dem Bürgertum wieder der Einfluß werde, den es auf Grund seiner Bedeutung ver­langen kann. Das Ziel ist klar, die Rotwendigkeit erkannt, der Wege, auf denen man zusammen-

Heffenwahl.

kommen kann, gibt es mehrere. Die ersten Verhandlungen haben begonnen, Grenzen und Möglichkeiten zeichnen sich ab. Wir beginnen einen neuen Wahlkampf und hoffen, daß er zu einem Ausgang führt, der erfreulicher ist, als der des letzten Landtagswahlkampfes.

Ein deutschnationaler Ausruf

Der geschästsführende Vor st and des Lan­desverbandes Hessen-Darm st adt der Deutschnationalen Dolkspartei bittet uns um Ver­öffentlichung folgenden Aufrufes: Die Wahlen der letzten Zeit haben den klaren Willen der deutschen Wähler zum Ausdruck gebracht, über die trennenden Schranken kleinlicher Partei- und Interessengegensätze hinweg sich unter großen politischen Gesichtspunkten zur Arbeit für den Wiederaufbau eines freien, starken, geachteten Vaterlandes zusammenzußnde.n. Im Dirüste dieses Volkswillens und auf dem Boden des nationalen Widerstandes stehend, hält es die Deutschnatio­nale Volkspartei für ihre Pflicht, die wirtschafts- und staatsaufbauenden Kräfte aller Stände und Berufe in einer schlagkräftigen Kampffront zu- sammenzufassen. Die Deutschnationale Dolkspartei vereinigt in sich nüchternes, besonnenes Wirt­schaftsdenken mit leidenschaftlicher Liebe zu Volk und Vaterland. Die Deutschnationale Volkspartei ruft deshalb alle auf nichtsozialisti- schem Boden stehenden hessischen Männer und Frauen in Stadt und Land auf, sich unter den ruhmreichen Farben Schwarz- Weih-Rot zu sammeln zur tatkräftigen Abwehr aller Feinde und Gegner des deutschen Staates, der deutschen Familie, der deutschen Wirtschaft, der christlich-deutschen Kultur!

Die naiionalsoziattstischen Abgeordneten vor dem SchneLlrichter.

Die Angeklagten.

Berlin, 13. Mai. (CNB.) Der Prozeß gegen die nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten Straßer, Heines, Stegmann und Weit- z e l begann heute nachmittag vor dem Schnellfchöf- fengericht unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors M a f u r. Die Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Dr. Köhler, die Angeklagten werden durch die Rechts­anwälte Frank II (MdR.), Rupp und Kar­pe n st ei n verteidigt. Zunächst wurden die Ange­klagten über ihre Personalien vernommen. Der An­geklagte H e i n e s , Leutnant a. D., 34 Jahre alt, ist in einer Femesache zu fünf Jahren Gefängnis wegen Totschlags, zu einem Jahr drei Monaten Festung wegen Beihilfe zum Hochverrat im Novem­ber 1923 verurteilt worden. Heines hat den Krieg mitgemacht und Auszeichnungen erhalten. Er ist auch im Besitz des Verwundetenabzeichens. Der An- geklagte S t e g m a n n - Schillingsfürst (Mittelfran- ken), Landwirt, 33 Jahre alt, hat ebenfalls am Weltkrieg teilgenommen und ist zweimal verwundet worden. Er ist wegen politischer Vergehen mit Geld- strafen vorbestraft. Der Angeklagte Weitzel- Düsseldorf, ein 28jähriger Schlosser, ist wegen Be- keidigung, Widerstand und verbotenen Wafsentra- gens mit Geldstrafen vorbestraft.

Bei der Vernehmung gab Abq. Heines unum­wunden zu, daß er dem Nebenkläger Klotz eine Ohrfeige gegeben habe, ob auch andere ge­schlagen hätten, sei ihm nicht bekannt. Er habe sich im Erfrischungsraum eine Zigarre holen wollen, sah Dr. Klotz, den er aus dem Jahr 1923, als Klotz noch Angehöriger der NSDAP, war, kannte und glaubte eine Bemerkung gehört zu haben, von der er nur die Worteauch Schweine" verstand. Er sei ohnehin darüber empört gewesen, daß der Neben­kläger sich erlaubte, in den Reichstag zu kommen, und habe ihm gesagt:Du bist ja der Bursche, der die Broschüre gegen Röhm geschrieben hat", und habe ihn ins Ge sicht geschlagen. Der Abgeordnete Stegmann will eine ähnliche Bemerkung gehört haben. Er sah, wie Heines dem

Nebenkläger eine Ohrfeige gab und Dr. Klotz dar- aufhin ihn mit einem Stuhl warf, worauf er, Steg­mann, dem Klotz eine Ohrfeige gab. Der Adgeord- nete Weitzel wurde im Restaurant durch den von Dr. Klotz geworfenen Stuhl am Bein verletzt. Als er nun vom Plenarsaal in den Wandelgang kam, begegnete ihm Dr. Klotz mit einigen unberen Leu­ten und er gab ihm ein paar Ohrfeigen. Der Abg. Straßer wandte sich gegen die Behauptung, wo­nach er im Aeltestenrat gesagt habe, es sei schade, daß Klotz nicht tot wäre. Dr. Klotz habe Schmäh­schriften gegen d i e N S D A P. geschrie­ben, die kostenlos verbreitet, also sicherlich von an­derer Seite bezahlt worden seien. Er, Straßer, habe gerufen:Das ist ja dieser Bursche, der die Schmäh­schriften geschrieben hat. Das ist dieser Kerl, der wegen Unterschlagung aus der Partei entfernt werden mußte und der auch ein paar­mal im Irrenhause vorübergehend eine Gastrolle gegeben hat." Berührt habe er Klotz nicht.

Oie Zeugen.

Als Zeugen werden dann zwei Beamte des Reichstages vernommen, die Klotz durch den Wandelgang begleiteten. Sie versuchten, ihn vor "den auf ihn ^indringenden Abgeordneten zu schützen. Der dritte Zeuge, ein Redakteur des Kommunistischen Pressedienstes, bekundete, daß Abgeordnete, während Klotz den etwa 25 Meter langen Gang durchschritt, mit Fäusten auf ihn eingeschlagen und mit den WortenSchuft", Lump" beschimpft hatten. Ein Kellner dcsRcichs- tagsrestaurants sah. wie vier bis fünf Leute auf den am Tisch sitzenden Klotz einschlugen, der nach seiner, des Zeugen. Ansicht, vorher nichts gesagt hatte.

Das Urteil.

Vas Schöffengericht fällte nach fast fiebenfttin- diger Verhandlung folgendes Urteil:

Die Abg. Heines, Stegmann und weihet werden wegen gemeinschaftlicher Körper Verletzung |

in Tateinheit mit lällicher Beleidigung zu se br et Monaten Gefängnls verurteilt. Der Abg, Gregor Straßer wird freigefprochen.

In der Urteilsbegründung führt der Vor­sitzende u. a. aus: Das Gericht hat mildernde Um­stände nicht annehmen können. Ls ist zu verstehen, daß die Angeklagten durch die Angriffe von Dr. Klotz gegen hervorragende Führer ihrer Partei auf» äußer st e erbittert waren. Dabei kommt es gar nicht daraus an, ob die von Dr. Klotz erhobenen Angriffe geschmackvoll oder nicht geschmackvoll waren, wenn die Angeklagten aber ihrer Empörung darüber Ausdruck geben wollten, bann hätten sie seit März Gelegenheit da­zu gehabt. Sie konnten es aus legalem Wege tun, denn nach dem neuerdings verschärften Lhrenschuh werden harte Strafen verhängt bei der Lhrenkränkung von Personen, die im öffentlichen Leben stehen, also auch von Parteiführern, wenn die Angeklagten aber, wie sie andeuteten, noch auf dem Standpunkt stehen, daß solche Ehrenhändel nach der früheren weise ausgetragen werden müßten, dann hätten sie dazu auch an de re Plätze und Orte gefunden. Das Gericht macht den Angeklagten einen schweren Vor­wurf daraus, daß sie zur Austragung- dieser Sache den Reichstag gewählt haben, der Millionen von Deutschen als Sih der Volkssouveränität heilig ist. Bei dem Angeklagten Straßer muhte auf Freisprechung erkannt werden, da nur eine körperliche Beleidigung, nicht aber eine Formalbe- leidlgung zur Anklage stand. Die Kosten des Ver­fahrens fallen, soweit nicht Freispruch erfolgt ist, den Angeklagten zur Last. Die Angeklagten wurden aus der haft entlassen.

Offener Vries des Hess. Polizei- beamlenverbandes an Dr. Best.

Darmstadt, 13. Mai. (WSR.) Wie dev Vor st and des Hessischen (Beamten-» bundes mitteilt, hat der nachstehende Offene Brief des Landesverbandes der Po­lizeibeamten Hessens an den national­sozialistischen Landtagsabgeordneten Dr. Best nach Inhalt und Form die volle Zustirn- mung des Hessischen DeamtenbundeS gefunden. Der Bund hat mit dem ihm ange- schlossenen Polizeibeamtenverband ein Interesse daran, daß die Ehre de/ Polizeibeam- ten geschützt und gewahrt wird. Der Offene Brief lautet u. a.:

DaS offizielle Stenogramm des Landtags über Ihre am 19. April 1932 im Plenum gehaltene Rede liegt der Oeffentlichkeit noch nicht vor. Es steht aber fest, daß sich der von demDarm­städter Tagblatt" veröffentlichte Wortlaut Ihrer Rede mit dem Bericht noch zweier Tageszeitun­gen inhaltlich völlig deckt. 2m übrigen bestätigen uns auch die Polizeibeamten, die Ihre Rede mit anhörten, daß Ihre Ausführungen so unzwei­deutig waren, daß ein Mißverständnis gar nicht Aufkommen konnte. Wenn Sie also, Herr Abgeordneter, zu den von Ihnen ge­machten Aeußerungen in vollem Umfang stehen, dann würde das bedeuten, daß Sie Ihre im Landtag gemachten Aeußerungen im wesentlichen ausrechterhalten. Diese Deutung läßt auch die Stelle Ihres Briefes zu:Die Auslegung meiner Ausführungen muß ich jedem überlassen, der davon Kenntnis nimmt." Gestatten Sie, daß wir zum Ausdruck bringen, daß wir ein solches Verhalten eines Volksvertreters nicht gerade als mutig bezeichnen können. Wir erwarten vielmehr von einem Landtagsabgeordneten, daß er, gleich­viel ob es sich um eine für ihn oder seine Partei unangenehme Sache handelt oder nicht, zu dem steht, was er einmal in vollem Bewußtsein ge­sagt hat.

Mit aller Entschiedenheit müssen wir uns da­gegen verwahren, daß Sie die Behauptung auf­stellen, das-menschliche und moralische Durchfchnittsniveau in der Schutz­polizei weise einen Stand auf, der unter dem anderer Beamtenkategorien liege. Als Beweis dafür glauben Sie, die nach Ihrer Behauptung vorhandene, bei der Schutz­polizei häufige und höhere Verschuldung anführen zu können. Sie wollen aber davon ab­sehen, mit Rücksicht auf die in Frage kommenden Beamten auf diese Dinge in der Oeffentlichkeit einzugehen. Wir sind von jeher für absolute Reinlichkeit in der Polizei gewesen und fordern Sie deshalb auf ö i e Ramen von den Be­amten in aller Oeffentlichkeit z u nennen, die wegen ihrer Verschuldung nach Ihrer Auffassung als unmoralisch zu bezeichnen sind. Die hessische Polizeibeamtenschaft hat das allergrößte Inter­esse daran, daß Sauberkeit in ihren Reihen herrscht. Lassen Sie also bitte jede Schonung Einzelner beiseite und werden Sie deutlich, damit es uns, Herr Abgeordneter, möglich ist, die Ehre der Polizeibeamten, an der seit dem 19. April 1932 ein Makel haftet, zu verteidigen.

Um die Nachfolge Groeners.

Eine Erklärung des Admirals Dr. Raeder.

Kiel, 13. Mai. (ERD.) Der zur Zeit in Kiel weilende Chef der Marineleitung Dr. h. c. Rae - der hat auf Grund de- Pressemeldungen über seine angeblich geplante Ernennung zum Reichswehrmini st er der Presse eine Er­klärung übergeben, in der es heißt, daß ihm nichts davon bekannt sei, daß er als Rachfolger des Reichswehrministers Groener in Frage komme. Er halte die Rachricht für v 5 l l i g unzutreffend. Auch sei die Rachricht eines Berliner Blattes, daß er auf den Reichswehr­minister Groener einen Druck in Richtung der Riederlegung seines Amtes ausgeübt habe, völ­lig unwahr. Admiral Raeder, der ursprüng­lich geplant hatte, seinen Psingsturlaub in Kiel zu verbringen, wird heute nachmittag wieder nach Berlinzurückkehren, da er erneut einen plötzlichen Sra-verfall in seiner Familie erlitten hat.

OerVölkische Beobachter" zum Rücktritt Groeners.

München, 13. Mai. (TU.) DerVölkische Beobachter" schreibt, politisch gesehen sei der Sturz des Reichswehrministers Groener ein Ereignis von noch gar nicht abzusehender Trag­weite. Er bedeute zumindesten für die Wehrmacht die endgültige Liquidation des Novemberkurses. Groeners Sturz sei der erste entscheidende E« folg der nativnalsoziaKsttfche^ PoAik. Dieser M