Mm Alei Mm meiden
Roman von 3- Schneider-Foerstl.
Urheber-Rechtsschutz: Verlag O. Meister, Werdau.
2. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Eine Helle Stimme schrie etwas aus dem Nebenraum. „Margret! Am Gottes willen! So komm doch, Qltargret!“
„Wie hast du mich erschreckt, Mama", tadelte das dunkle Organ der Schwester. „Das macht die schwüle Luft. Es gibt sicher noch ein Gewitter- Heute."
Suse fühlte, wie von einem feuchten Tuch Wasser auf ihre Wangen herabrann. Dazwischen brannten die Küsse, welche die verängstigte Mutter auf ihre Lippen preßte.
„Das ist doch noch nie gewesen, Margret", stammelte diese fassungslos und zwang ein Lächeln um ihren verblaßten Mund, als ihre Jüngste den hämmernden Kopf vom Kissen hob. „Ist es nun besser, mein Kind?"
Suse richtete sich, von Mutter und Schwester zugleich gestützt, taumelnd auf. „Mir ist so erbärmlich", klagte sie. „Gib mir doch irgendein Pulver, Margret."
Frau von Nccklinhausen war schon aus dem Zimmer und kani mit Baldriantropfen und einer Essenz zum Einreiben zurück. Nach zehn Minuten war Suse bereits wieder so weit, daß sie mit den anderen nach dem Eßzimmer hinabgehen und sich an den Abendtisch setzen konnte.
Sie sah nach Lenore hinüber, deren Mick besorgt auf ihren farblosen Wangen lag. Ob fte Malnow lieb gewinnen würde? — And er? — — Er hatte ja gewußt, daß auf Recklinhausen ^Dci Töchter zu freien sind. Eine bessere Gelegenheit, zu Besitz und Ansehen zu gelangen, konnte cs für ihn gar nicht geben. 3ft es die eine nicht, wird cs wohl die andere sein.
„Ich--“ Suses Hände schlugen schwer auf
die Kante des Tisches.
„Was ist denn nun wieder?" erregte sich Margret.
„Du mußt dich legen, Kindl"
„Ich gehe mit dir auf dein Zimmer."
Alle drei Frauen zugleich sprachen auf sie ein, als sie plötzlich aufschluchzend die Finger über das Gesicht preßte.
And Suse weinte! Weinte aus Schmerz und Zorn und zum ersten Male aus Ekel und Abscheu vor dem Leben, das ihr bisher so einzig schon und begehrenswert erschienen war.
Ich werde nie heiraten! Nie! Nie! Nie! schwor sie sich, immer noch mit den Tränen kämpfend. Eine halbe Stunde später schlief sie, die Hände • in denen Lenores geborgen, wie ein übermüdetes Kind auf ihrem Giebelzimmer ein.
Berehrteste Freundin!
Meine über alles geliebte Elisabeth!
Erlaube, daß ich diese Anrede gebrauche. Ich habe mir das durch geduldiges Warten in fünf langen, überlangen Jahren redlich verdient Alle Bedingungen, die Du mir damals gestellt hast, sind jetzt.erfüllt: Ich ließ Dich in ungestörtem Frieden um Deinen Toten trauern, weil er der Bater Deiner Kinder war. Von Deinen Töchtern ist nun jede in einem Alter, daß sie über sich selbst zu bestimmen vermag. Mein Sohn hat sich vor vierzehn Tagen mit Doris Gibson verlobt und wird mit ihr über den Ozcan reifen, da sie ihr Heim in Neuhork aufzuschlagen gedenken. — Meine Liebe hat — wie Du damals befürchtetest — in diesen fünf Jahren um nichts ab-, aber um so mehr zugenommen. Ich habe alles so gehalten, wie Du es gewünscht hast. Ich habe Dich nicht mit Bitten gequält, nie die Ruhe Deiner Tage gestört, und was in den Nächten an Sehnen und Wünschen von meinem zu Deinem Herzen ging, das habe nur ich allein zu erfragen gehabt. Dich hat es nicht berührt.
Darf ich nun hoffen, Elisabeth, daß Du jetzt ein Ohr für mich hast? Sprichst Du jetzt das „Ja", das Du damals nicht zu sprechen gewagt hast, aus all den Gründen, die nun wegge- sallen sind?
Muh ich noch einmal fünf Jahre an verschlossenen Türen warten? Ich lege Dir mein Bild bei. Heute, das erstemal, bitte ich, mir einen Platz in Deiner Nähe zu gönnen. Ich bin, der ich immer war. Nur meine Haare sind etwas früh ergraut, aber daran trägst Du Schuld, Geliebte.
Sei mir an meinem Lebensabend die Sonne, auf die ich immer hoffe. Ich habe so schwer zu tragen gehabt. Du weißt es, Elisabeth.
Schreibe nur ein einziges Wort, ob ich zu Dir kommen darf. Dein treuergebenster
Hans Jürgen Gradnih.
Frau von Recklinhausen saß mit verblaßten Wangen und horchte auf die Stimmen ihrer Töchter, welche die Treppe herabkamen, faltete den Dogen rasch ineinander und schob ihn unter den Stapel Zeitungen, die auf ihrem Schreibtisch lagen. Als Schritte sich ihrer Türe näherten, rieb sie sich mit den Knöcheln der Finger Farbe auf ihre schneeigen Wangen. Ihre Züge trugen den Ausdruck ängstlicher Spannung, der sich erst wieder verlor, als die Tritte sich den Korridor hinunter nach dem Garten vernehmen ließen.
Ihre Hände tasteten wieder nach dem Dogen und glätteten ihn behutsam.
„Meine über alles geliebte Elisabeth!"
Flammen schlugen ihr wie Fackeln in das eben noch kalkige Gesicht. Sie verspürte das Mut vom
Herzen nach dem Halse jagen, und wie es von dort nach den Schläfen schoß. Sie sprach seinen Namen vor sich hin. Dann noch einmal. Ihre Stimme schmeichelte, fang, liebkoste, war ganz andachttrunken. Kann ich denn noch lieben? dachte sie und horchte in sich hinein. Jetzt nach all den langen, langen Jahren? So ließen, wie ich einmal den Toten geliebt?
„Ich kann es noch! Alles, alles kann ich noch!" jubelte es in ihr.
Sie fühlte die Hitze ihres Mutes, das ihr wie Feuer in die Wangen brannte. Ihre Hände glühten. Sie mußte sie auf die polierte Platte des Schreibtisches legen, um ihnen Kühlung geben zu können.
Alle Dedingungen sind erfüllt, schrieb Grad- nitz, und sie mußte ihm recht geben. Was hinderte sie noch, die Frau des Mannes zu werden, dessen Liebe ihr schon als Mädchen gegolten hatte? Margret würde irgendwo eine Praxis ausüben. Lenore war zweiundzwanzig und sehr gereift. Nur Suse — —
„Ach was, laßt mich in Ruhe!" kam soeben deren junge Stimme durch das offene Fenster vom Garten herauf. „Nur keinen Mann! Ich halte es mit dir, Margret! Ich heirate nie! And du, Lenore — du kannst ja — —“ den Malnow nehmen, hatte Suse sagen wollen, in das stille schmale Gesicht der Schwester geblickt und dann beschämt den Kopf an deren Schulter verborgen.
„Was kann ich denn?" hörte Frau von Recklinhausen ihre Zweitälteste fragen. Wie dieseStimme ihr immer ins Herz schnitt! Als ob sie durch alle Täler des Leides gegangen wäre.
„Du bleibst auf Recklinhausen", nahm Suse das Wort wieder auf. „Wir beide, Margret und ich aber, raufen uns draußen durch hie Welt. And wenn wir dann müde und verekelt sind, kommen wir wieder nach Hause und verstecken uns bei dir!"
Frau von Recklinhausen fühlte eine kalte Welle durch den Körper gehen. Das Mausen ihres Mutes verebbte. Sie erhob sich und schritt nach dem Fenster. Von den Töchtern ungesehen, hing ihr Dlick an deren Gesichtern. Wie ähnlich Margret dem Toten sah. Sie hatte genau dieselben scharf geschnittenen Züge, welchen das kurze Haar eine männliche Note gab. Lenores einstmals sanft gerundete Wangen waren schmal, beinahe eckig geworden. All ihre Mutterliebe hatte die Tochter nicht vor der furchtbaren Enttäuschung zu bewahren vermocht, die sie hatte erfahren müssen. And Suse? Sie glaubte einen ihr unbekannten Zug um deren Mund wahrzunehmen. Was war mit dem Kinde?
Frau von Recklinhausen vernahm ein leises Klopfen und ging nach der Türe, um nachzusehen. „Kommen Sie nur herein, Herr Malnow", ermunterte sie diesen, als er zwischen Türe und
Angel sprechen wollte. „Nein, Sie stören ganfc gewiß nicht! Ich bin ganz allein!"
Er war in Schweiß gebadet. Das kühle Dämmer des großen Raumes umschmeichelte ihn wie ein laues Dad. Mit einer raschen Bewegung tupfte er sich die Tropfen von der Stirn und setzte zum Sprechen an. „Würden Sie mir von heute sieben Ahr bis morgen früh um sechs Ahr Urlaub gewähren können, gnädige Frau?" Er sah ihren erstaunten Mick und setzte hastend bei: „Ich toerbc den Cntgang an Arbeitszeit am nächsten. Sonnabend wettzumachen versuchen und schon von zwei Ahr früh ab auf dem Felde sein!"
Die Erregung, mit der er das sagte, und die ganze Art seines Auftretens, flöhte ihr Mitleid mit ihm ein. „Selbstverständlich können Sic gehen", beschied sie freundlich. „Die Koffer meiner Tochter sind wohl noch an der Dahn?"
„Nein, gnädige Frau! Sie stehen bereits auf dem Zimmer des Fräulein Doktor!"
„Wer hat sie gebracht?"
„Ich selbst! — Während der Mittagspause!" erklärte er. „Es war sonst niemand abkömmlich. Sie später zu holen, hätte Zeitverlust bedeutet."
Da sie ihn nur ansah und ihm zunickte, hielt er dies für eine Entlassung, verneigte sich und drückte die Türe hinter sich zu. .
Sie blieb an dem Schreibtisch gelehnt stehen und blickte noch immer nach der Richtung, in welcher er gestanden hatte. Komisch, daß- sie beinahe etwas wie Liebe für diesen Mann empfand. Nicht Weibes-, aber Mutterliebe, so daß sich ihre Gedanken immer wieder daran verloren, wie glücklich sie wäre, wenn sein und Lenores Herz sich finden würde. Er war, wie er ihr selbst gesagt hatte, zwar völlig mittellos, aber hatte zwei nimmermüde Hände, die den Mangel an Geld reichlich wettzumachen vermochten.
„Ich stehe vollkommen allein und besitze keinerlei Verwandte mehr", hatte er ihr auf eine diesbezügliche Frage geantwortet, ihr Erstaunen bemerkt und ein feines Rot auf die Wangen bekommen. Dann hatte er ihr, wenn auch zögernd. Einblick in seine Verhältnisse gegeben. Sein Vatev war Prokurist eines kleinen Handelshauses in Hamburg gewesen und in dem Jahre gestorben, in welchem er seine Matura am Gymnasium abgelegt hatte. Er hatte dann vier Semester Medizin studiert und war, um der Mutter picht länger zur Last zu fallen, an eine.landwirtschaftliche Hochschule gegangen. Seither hatte er immer mit kurzen Anterbrechungen auf verschiedenen Gütern Stellungen inne gehabt.
Frau von Recklinhausen kam es erst in diesem Moment zum Bewußtsein, daß sie ihn gar nicht gefragt hatte, ob auch feine Mutter gestorben war. Jedenfalls, sonst wurde er doch nicht gesagt haben, er stehe vollkommen allein.
(Fortsetzung folgt.)
Jn jede MiMs gehören:
MAGGI5 Erzeugnisse (SU sie helfen sparsam wirtschaften b Sammeln Sie MAG GP Gutscheine, es lohnt sich!
Herren-Anzüge......von 28-^ an Burschen-Anzüge. von 18.- an Knaben- Anzüge 950«« Herren-Hosen ... von 2 an
Gummi-Mäntel Loden-Mäntel Gab ardin e-M äntel
Sport-Kleidung und Berufs-Kleidung
CARL HORN
008 A
Vogtsche
Privat-Handelsschulen
Gießen und Herborn
Beginn des neuen Schuljahres: 7. April
1. Höhere Handelsschule für Schüler mit Obersekunda reife. Dauer: 2 Semester.
2. Handelsoberklasse für Schüler mit höherer Schulbildung. Dauer: 1 oder 2 Semester.
3. Zweijährige Handelsschule für Schüler mit achtjährigem Schulbesuch.
4. Einjährige Handelsfachschule.
5. Einhalbjährige Handelsfachschule.
6. Einzelfächer.
Durchgreifende theoretische und praktische Ausbildung für die kaufm. Praxis und die Beamtenlaufbahn — 70 Unterrichtsmaschinen — Übungskontor.
Anmeldungen mündl. oder schriftlich erbeten in
Gießen, Goethestraße 32
Herborn (Ehern. Präparandenanstalt). Auskunft und Prosp. kostenlos d. die Direktion.
2012 A
Schiilenniita in prima Ausführung jede Größe und Klasse vorrätig Schfliermfltzenlairik Jul. Lehrmund
Bahnhofstraße 69 01578
Reichsverband
führend mit ca. 100 Geschäftsstellen im Reiche sucht für einen größeren Bezirk möglichst mit Sitz in
Gieben
zur Errichtung einer weiteren Geschäftsstelle durchaus zuverlässige und gewissenhafte Persönlichkeit zur selbständigen Leitung.
Es wollen Herren Angebote einreichen, welche über tadellosen Ruf, entsprechende Fähigkeiten und mindestens RM. 1000.— Barmittel verfügen, ferner Gewähr bieten, eine Vertragsstelle mit größerem laufenden Inkasso führen zu können.
Schriftliche Angebote unter 2019D an den Gießener Anzeiger erbeten.
| Verkäufe |
1 leichter
MM
1 komb. Hack- und Häufelpflug z.verk. Ebelstr. 28.
Kapitalanlage!
Erstklass. Etagenhaus, 4 Wohn., je 4 Zimmer und Bad, kurz vor d.Kriege erbaut, f.nur 20000 M. z.verk.Schr.Ang.u. 01605 a. d. G. Anz.
Alllv- fielegenBeilsfflüfe! Mehrere 4—8 PS- Opel- Personenwagen Limousinen u. offen, ehr billig. 21A Opel, Gießen Frankfurter Str. 52.
5u verkaufen: Gartcnnlöbcl.Aus- ziehtisch, Schrank, Sofa, Sessel. Tisch, K leid erb akcn^vi ld. undHanshaltmlgS- gegcnständc. 0161t
Neuen Bäne 25 H.
Geschäftsdrucksachen
Rechnungen Briefblätter Briefumschläge Postkarten 6eschäftskarten bei Brühl, Schulstralle f
Nassauische Landesbank Wiesbaden
Zinssdieineinlösung
Auf Grund der Vierten Notverordnung des Herrn Reichspräsidenten, vom 8. Dezember ISA. wfed mit Wirkung vom 1. Januar 1932 ab der Zinssatz
unserer 7°/0 und 8% Goldpfandbriefe und Gold-Kommunalanleibe«
auf 6°/0 herabgesetzt
und unserer 4l/3% Liquidations-Goldanleihe
auf 5l/2% erhöht.
Es ergeben sich mithin für die vorgenannten Gold-Pfandbriefe und Goid-Kommuuateuleihen folgende Zinsscheinbeträge:
Liquidations-Goldanleihe, verzinslich bis 31.12.1931 mit 4'/.. %. ab 1.1.1932 mit 5l/?%
Gold-Pf andbriefeu.Gold-Kommunalanl., verzinslich bis 31.12.1931 mit 7%. ab 1.1.1932 mit 6%
Gold-Pfandbriefeu.Go Id- Kommunalanl., verzins« lieh bis 31.12.1931 mit 8%. ab 1.1.1932 mit 6%
Für die bis 31. 12.1931 einrchl. fällig. Zinsscheine der aufgedruckte Betrag
J5’M
Für den am 31.3. 1932 fälligen Zinsschein
Ml
Für die am 30. 6, 1932 u. später fällig. Zinsscheine
ML
Für die bis 31. 12. 1931 clnschL fällig. Zinsscheine der aufgedruckte Betrag
ML
Für den am
31. 3. 1932 fälligen Zinsschcin
Ml
Für die am 30. 6. 193t u. später fällig. Zinsscheine
3LÄ
3.50
3.25
3.-
4 —
•A—
3.-
7
6.50
6.-*-
8.-
——
6.—
17.50
16.25
15.—
20-
17,50
15.-
35.-
32.50
30.-
40 —
35.-
30.—
70.-
65.—
60.-
80.—
70.-
60.—
175.-
162.50
150-
200.-
175.—
150.-
Für die bis 31. 10. 1931 elnschl. fällig. Zinsscheine der aufgedruckte Betrag
Ml
Für den am 30. 4. 1932 fälligen Zinsschein
Ml
Für die am 31. 10. 1932 u. später fällig. Zinsscheine
ML
1.12 bzw. 1,13
1.30
137 bzw. 1.38
2.25
2.59
2.75
4.50
5.18
5.50
11.25
12.95
13.75
22.50
25.90
27.50
45 —
51.80
55.-
Die Beträge der am 30. 4.1932 fälligen Zinsscheine unserer Liquidations - Geldanleihe sind in der Weise errechnet, daß der Zinsbetrag für RM. 100.— Kapital auf volle Pfennige nach oben abgerundet festgestellt und der Wert der Zinsscheine der größeren Stücke durch Multiplikation dieser Einheit gefunden wurde. Der mit RM. 1,29'/, zahlbare Zinsschein der Stücke von RM. 50.— ist ebenfalls auf volle Pfennige nach oben abgerundet. 2018 V
Wiesbaden, den 8.März 1932.
Direktion der Nassauischen Landesbank
Dr. Lammers
Hartmann


