kleinen Gemeinde des Kreises Gießen, die noch nicht 3C0 Einwohner zählt, der Bürgermeister von dem ihm nach den ministeriellen Richtlinien zustehenden Höchstgehalt von 550 Mark pro Jahr nach Abzug aller unausweichlichen Ausgaben nur noch eine Rettovergütung von 2 3 0 bis 250 Mark jährlich übrig behält. Eine Aufbesserung der Bürgermeister durch Beschluß des Gemeinderats ist nicht möglich, da die De- soldungssätze nach den ministeriellen Richtlinien Höchstsätze sind und der Gemeinderat dem Bürgermeister auch keinerlei Sondervergütung bewilligen darf. Aehnlich wie die VerMt- nisse in den kleinen Orten, ist die Sachlage auch in den Gemeinden mit höherer Einwohnerzahl, in denen zwar meist ein Bürgermeistereigebäude vorhanden ist, dafür aber dem Bürgermeister andere unumgängliche Ausgaben erwachsen, für die er keinen Ersatz bekommen kann, sondern seinen eigenen Geldbeutel zum Opfer bereithalten muh. Wenn man sich weiter vergegenwärtigt, dah die ordnungsmäßige Erledigung der Bürgermeistereigeschäfte mit ihrem stark angewachsenen Umfang der Schreibarbeiten und mit der sehr mühevollen Betreuung der Erwerbslosen die Arbeitskraft des Bürgermeisters täglich viele S t u n d en in Anspruch nimmt, dazu noch mancherlei Konferenzen und Besorgungen bei der vorgesetzten Behörde notwendig werden, so wird man zugeben müssen, dah auch ein ehrenamtlicher Bürgermeister häufig, in vielen Fällen sogar regelmäßig als täglicher Bollarbeiter anzusehen ist, dem eine entsprechende Gegenleistung nach den neuen ministeriellen Richtlinien nicht mehr im entferntesten geboten wird. Wie stark dieses Mißverhältnis jetzt in Erscheinung tritt, geht daraus hervor, dah D. der Bürgermeister in jenem kleinen Orte vm Kreise Gießen mit seiner Rettovergütung von 230 bis 250 Mark pro Jahr ganz erheblich weniger erhält, als einem Erwerbslosen an Unterstützung gewährt wird. Es ist daher nicht verwunderlich, dah man bereits hören kann, der Bürgermeister eines kleinen Ortes täte besser daran, sein A m t niederzulegen und sich indieErwerbs- losenfürsorge zu begeben, da er hierbei für sich und seine Familie mehr erhalte, als das Bürgermeisteramt ihm einbringe, und er obendrein nicht noch mit der großen Derant- wortung des Amtes belastet sei.
Der durch die Richtlinien des Ministers des Innern geschaffene Stand. der Bürgermeisterbesoldung hat aber auch noch den großen Rachteil, dah künftig sachlich geeigneten und geistig befähigten Personen, die nicht in der Lage sind, aus eigenem Besitz Opfer an Geld und Zeit für die Ausübung des Amtes zu bringen, die älebernahme einerBürgermeister- stelle unmöglich gemacht wird. Man wird dann in kurzer Zeit dahin kommen, dah nur noch vermögende Leute ein Bürgermeisteramt führen können, und ob diese Personen die Reigung haben werden, die schwere Bürde eines solchen Amtes zu tragen, darf in vielen Fällen doch bezweifelt werden.
Das Ministerium des Innern wird nicht umhin können, die jetzigen Richtlinien über die Bürgermeistergehälter noch einmal gründlich zu prüfen und sie einer Abänderung nach der Richtung hin zu unterziehen, daß die offen zutage tretenden Mißstände beseitigt werden. Diese Reform einer in der praktischen Auswirkung wenig glücklichen Rotverordnungsmahnahme ist nicht nur im Interesse der betroffenen Bürgermeister dringend geboten, sondern auch im wohlverstandenen Interesse der Verwaltung der Landgemeinden zu fordern. Den Gemeinden wird ein schlechter Dienst erwiesen, wenn man durch die Aufrechterhaltung dieser Richtlinien ein so krasses Mihverhältnis zwischen Arbeitsleistung und Vergütung bestehen läßt, wie es jetzt bei der Dürgermeister- befoldung geschaffen wurde. Eine A m t s f l u ch t
Zch hab dir verzieh«!
Roman von Clotilde von Stegmann »Stein.
Copyright by Martin Feuchtwange r, Halle.
16 Sortierung. Nachdruck verboten.
Der alte Sanitätsrat hatte bei seiner letzten Visite auf Schloß Tannenaue festgestellt, daß Birgit einer Luftveränderung bedürfe. Ihr Herz litt unter der Hitze, die in biefem Jahre besonders srüh und heftig einsetzte. Der alte Herr hielt einen längeren Aufenthalt in einem Badeort für die beste Vorbereitung auf die schwere Stunde, die der werdenden Mutter im August bevorstand.
Hans Egon zögerte, seine Einwilligung zu geben. Er selbst konnte um diese Zeit aus dem landwirtschaftlichen Betrieb nicht heraus. Rahm er es jetzt doch immer ernster mit seinen Pflichten. ä2nd eine Trennung erschien sowohl ihm wie auch Birgit unmöglich bei dem innigen Verhältnis, das sich zwischen ihnen entwickelt, seitdem der Rame Dolores in Hans Egons Leben ausgelöscht schien.
Rur die Rücksicht auf die nahe Zukunft bestimmte Hans Egon endlich, Birgits Widerstand gegen eine Reise durch sanfte Äeberredung zu brechen. So entschloß man sich, Birgit unter Obhut der erprobten Schwester Helene aus dem Io- hannisstift in einen Luftkurort zu schicken, der inmitten eines deutschen Gebirges in grüner Einsamkeit lag, ebenso bekannt durch seine heilkräftigen Quellen wie durch seine würzige Luft.
Der Konsul lieh es sich nicht nehmen, seine Tochter im eigenen Wagen, unter allen Vorsichtsmaßregeln, persönlich an ihr Reiseziel zu geleiten, das natürlich Birgits wegen nur in Etappen erreicht werden konnte. So rastete man in schönen, alten Städten. Birgit, die noch nicht viel in die Welt hinausgekommen war, fühlte den Abschiedsschmerz von ihrem Gatten ein wenig gelinder durch die Bilder, die sich ihr neu und überreich boten.
Entzückte Briefe, Karten mit Ansichten von malerischen Städten flatterten in das einsame Haus Hans Egons wie Tauben, die ihre Heimat suchten. And diese Grüße der Liebe trösteten den einsamen Mann, der allein zurückgeblieben war in dem Schloß und in der üppigen Reife des schwüler werdenden Sommers.
Auch Gras Friedrich benutzte die kurze Spanne vor der neuen Ernte, um neue Geschäftsverbindungen mit ostpreußischen Großgrundbesitzern an- zuknüpfen. Er war aus diesem Grunde mehrere Wochen abwesend von Schloß Tannenaue.
Die ungewohnte Stille und Einsamkeit legte sich beklemmend auf Hans Egons Seele. Sein leb-
der Bürgermeister durch Niederlegung ihrer Aemter liegt dann nicht außerhalb der Möglichkeiten, während anderseits wohl jedermann vor der Aebernahme eines solchen Amtes zurückschrecken wird. D n Schaden haben die Gemeinden, für die dann in jedem Einzelfalle eine kommissarische Verwaltung der Bürgerm eisterämter mit höheren Kosten eingerichtet werden muh, während die Bodenständigkeit der Verwaltung und die Wahrung der lokalen Eigenarten notleidet.
Hoffentlich verschließt sich das Ministerium des Innern den berechtigten Wünschen und Forderungen der Landbürgermeister nach einer umfassenden Reform dieser Richtlinien nicht, und hoffentlich handelt es so schnell und entschlossen, wie die gespannte Sachlage eS erfordert.
Auslösung der Hekoga beantragt.
WSR. Worms, 13. Ian. Die Stadtrats- fraktion der Deutschen Dolkspartei hat beantragt, daß die Stadt Worms sich sofort mit den übrigen Aktionären der Hekoga in Verbindung seht, um gemäß § 26 der Satzungen eine vorzeitige Liquidation dieser Aktiengesellschaft in die Wege zu leiten. Sollten die Verhandlungen ergeben, dah eine vorzeitige Liquidation nicht möglich ist. so wird weiterhin beantragt: „Die Stadt Worms wolle mit den übrigen Aktionären Verhandlungen einleiten mit dem Ziel, ein Auss cheiden a-u8 der Hekoga gemäß § 25 der Satzungen zu ermöglichen."
Zur Begründung wird angeführt: Die Hekoga hat nunmehr vierIahreversucht.sichdurch- zu s e tz e n. Ein Erfolg war ihr nicht beschieden. Die Mehrheit der Aktionäre konnte sich zu einem ausreichenden Ferngasbezug nicht entschließen. Die in der Zwischenzeit eingetretene Entwicklung wird für die kommenden Jahre einen derartigen Fdrn- gasbezug nicht möglich werden lassen. Bei einem Weiterbestehen der Hekoga werden unnütz recht erhebliche Ko st en für Aufrechterhaltung deS Verwaltungsapparates. Herausgabe von Zeitungen und Broschüren erwachsen. Keine der beteiligten Städte oder Provinzen wird es verantworten können, an einer Gesellschaft beteiligt zu sein, die lediglich Ausgaben verursacht, und der heute und in der nächsten Zukunft praktische Bedeutung nicht zukommt. Der Eventualantrag zielt auf ein Ausscheiden der Stadt Worms aus der Hekoga ab. Für die Stadt Worms selbst komme ein Bezug von Ferngas infolge der modernen Ausgestaltung des Gaswerks nicht in Frage, so daß ein Interesse an der Zugehörigkeit zur Hekoga nicht bestehen könne.
(Den Standpunkt der volksparteilichen Stadtratsfraktion von Worms sollte der Gießener Stadtrat ebenfalls einnehmen, da die Hekoga bisher auch für Gießen keine praktische Förderung des Gasversorgungsproblems gebracht hat, dagegen nur Ko st en verursachte. Im Hinblick auf den unabweis- lichen starken Sparzwang sollte gerade jetzt, wo man mit der Aufstellung des neuen und erheblich gekürzten Voranschlags beschäftigt ist, die Li q ui- dation der Hekoga-Verpf lich tung unsererDtadt durchgeführt werden. D.Red.)
(Steinberg) fg.; Langshcm, schwarz: W. Gommerlab (Großen-Linden) fg.; Hamburger Zwerge, silberlack: O. Lippert (Klein-Linden) fg.; Sebright Bantam, gold: W. Frey (Lang-Göns) fg.; Bantam, schwarz: Hrch. Arnold (Lützellinden) fg.; Antw. Bartzwerge, schwarz: L. Weigand IV. (Großen-Linden) 4 fg., I. Dietz (Großen-Linden) 5 fg.; Antw. Bartzwerge, weiß: S). George (Großen-Linden) E., 2 fg.; gescheckt: I. Dietz (Großen-Linden) fg.; Neuenglische Zwergkämpfer, birfenfarb.: K. Philipp IV. (Steinberg) E., 4 fg.; rotgescheckt: H. Pfeiffer (Steinberg) E., 2 fg., W. Sommerlad (Großen-Linden) fg.
Abteilung Tauben:
Kröpfer, altdeutsche, weiß: E. Geißler (Großen- Linden) fgj Kröpfer, altdeutsche, blau mit Binde: K. Weiß (Watzenborn) E., 2 fg.; Kröpfer, Elster, rot: W. Sprankel (Bersrod) fg.; Kröpfer, Hess., schwarz: Hrch. Harth (Nidda) 2 E., 6 fg., Hrch. Wagner (Großen-Linden) fg.; blau: A. Schmidt (Lang-Göns) 2 fg.; fahl: Hrch. Wagner (Großen-Linden) E., 7 fg., Wilhelm Klaum (Großen-Linden) E., 3 fg.; Tiger: K. Hinterlang (Klein-Linden) E., 2 fg., Hrch. Wagner (Großen-Linden) fg.; Kröpfer, Steiger, schwarz: K. Scheid (Fronhausen) fg.; Brünner Kröpfer, schwarz: H. George (Großen-Linden) 2 E., 7 fg.; Florentiner, blau mit schwarzer Pinde: Fr. Wolf (Laubach) E., 2 fg.; Thüringer Schildtaube, silber- fahl: K. Kniß (Nidda) 2 fg.; Thüringer Flügeltaube, gelb m. Schnippe: K. Kniß (Nidda) fg.; Malteseß, blau mit schwarzer Binde: Fr. Wolf (Laubach) E., 2 fg.; Malteseß, dunkel gehämmert: Fr. Wolf (Laubach) fg.; Gimpel, tupf, schwfl.: W. Walther (Großen-Linden) fg.; Reisebrieftauben, gehämmert: K. Buse (Leihgestern) fg.; blau mit Binde: R. Duten- ^tschl '^dd^ sE'' fo-» Pfautauben, weiß: Ad.
Abteilung Kaninchen:
Weiße Riesen: Hch. Weber (Dutenhofen) E.; Blaue Wiener: W. Wenzel (Griedel) E., 2 1. Pr.; Weiße Wiener: W. Größer (Großen-Linden) 1. Pr.; Rhei- nische Schecken: W. Ullrich (Gießen) E.; Silber, braun: PH. Zimmermann (Großen-Linden) E., 1. Pr.; Silber, grau: H. Würz (Gr.-Linden) E., 1. Pr.; Silber, gelb: A. Rinker (Großen-Linden) E.; Russen: A. Rinker (Großen-Linden) 1. Pr.; Marb. Feeh: PH. Naumann (Gr.-Linden) 1. Pr.; Schwarz-Loh: W. Ludwig (Lützellinden) E.; Hrch. Wahl (Laubach) 1. Pr.; Hermelin: Ph. Zimmermann (Großen-Lin- den) E.; Engi. Angora: Luise Volk (Hörnsheim) E.
Abteilung Iungtiere, Kaninchen:
Weiße Riesen: Gg. Schellhaas (Gießen) 1. Pr.f Silber, braun: PH. Zimmermann (Großen-Linden) E.; Schwarz-Loh: W. Sommerlad (Großen-Linden) 1. Pr.
Den Leistungspreis für Kaninchen erhielt PH. Zimmermann (Großen-Linden).
Schöffengericht Gießen.
* Gießen, 13. Ian. In Pohl-Göns erschien im Oktober des vergangenen Jahres ein Mann, der an gab, von dem Heberlandwerk be-. auftragt zu sein, Zähler und Schalter der Lichtleitung u. dgl. nachzusehen. Für seine Mühewaltung verlangte er eine Mark, die er in einigen Fällen auch erhielt. Wie sich später her- auSftellte, handelte es sich um einen groben B e trug. Als Täter wurde ein Arbeiter aus Rieder-Florstadt ermittelt, der sich heute vor dem Gericht zu verantworten hatte. Der geständige Angeklagte wurde unter Zubilligung mildernder Hmstände wegen Betrugs im Rückfalle zu einer Gefängnisstrafevonsechs Monaten verurteilt.
Das Schwurgericht der Provinz Oberhessen hatte im April 1930 einen Landwirt aus Schwarz der versuchten Brandstiftung an seinem eigenen Hause schuldig befunden und zu einer Zuchthausstrafe verurteilt. Seine Revision wurde vom Reichsgericht verworfen, und das gleiche Schicksal hatten zwei Anträge auf Wiederaufnahme des Verfahrens, die vom Landgericht und
zerin preisgab? Er fürchtete diese Frau, aber er fürchtete in Wahrheit seine eigene Schwäche, die in diesen Wochen der Einsamkeit nicht von Birgits Liebe bewacht wurde.
Er schritt durch das Dunkel der Rächt seinem einsamen Heim zu, wie betäubt. Finsternis war in seiner Seele. Auch die zauberhafte Schönheit, der Frieden der beruhigten Ratur konnte weder Trost noch Licht in sein verdüstertes Gesicht bringen...
Vergeblich versuchte er, sich Birgits reines Bild in die Seele zurückzurufen. Vergeblich versuchte er, in einem langen Brief an sie Trost und Erneuerung zu finden. Die ungesagten Worte, die Lüge, die aus seinen Liebesbeteuerungen sprach, führten ihn tiefer und tiefer ins Chaos hinein.
Wenn er an Dolores dachte, an ihre Glut, ihre bald schmeichelnde, bald herrisch peitschende Stimme, an ihre leidenschaftlichen Liebkosungen, so war es ihm plötzlich, als sei dies das einzige wirkliche Leben, das zu leben wert sei. Das fülle, arbeitsame Dasein an der Seite Birgits, so friedlich und schön es auch sein mochte, es war gemacht für Menschen, die nichts von der wahren, dunkel flammenden, beseligend zerstörenden Glut des wirklichen Lebens kannten. Selbsttäuschung war es gewesen, zu glauben, daß er nach seiner ganzen Veranlagung auf die Dauer hier jemals Ruhe und Befriedigung finden könnte. Mochte er sich selbst belügen, so sehr er wollte — Dolores war die einzige Ergänzung zu seinem wahren Ich. Diese eine Stunde in der Jagdhütte hatte es von neuem bewiesen.
Dirgit war der kühle Mond am Himmel seines Lebens, Dolores aber war die versengende und doch immer wieder neuspendende, lebenschaffende Sonne.
Mehrere Tage versuchte er, der Versuchung, Dolores del Fonza wiederzusehen, Widerstand zu leisten. Aber dann hielt es ihn nicht länger. Rach einer qualvollen Rächt, in der die Sehnsucht nach Dolores ihn angefallen wie ein wildes Tier, war es mit feiner Fassung vorbei. Mochte kom- men, was da wollte, er mußte die Geliebte Wiedersehen.
Hastig und übernächtig kam er zum Frühstück, das Mamsell Stülpnagel ihm servieren ließ. 'Birgits Briefe schob er ungeöffnet, mit einem Gefühl des Trotzes und der Scham, aber auch des Lleberdrusses, beiseite. Was sollte sie in diesen langen Briefen auch noch schreiben? Richts als die sanften üblichen Liebesworte, das Ausmalen ihres behaglichen Lebens, die ganze langweilige Zukunft, in der es nichts von Heberraschungen, von leidenschaftlichen Sensationen geben konnte. An diesem Abend noch, in der schützenden Dunkelheit, würde er zu Dolores eilen; er muhte sie wieder in seinen Armen halten.
(Fortsetzung folgt.)
ÄbiläMS-GeflÄclscha« in Großen-Linden.
U Großen-Linden, 11. San. Der G e - flügel - u. Kaninchenzuchtverein „Volkswohl" Großen-Linden hielt vom Freitag bis Sonntag aus Anlaß seines 25jährigen Bestehens eine (Beflügel- und Kaninchenschau im Saalbau Faber ab. Die Ausstellung war ein großer Erfolg. 500 Nummern waren vertreten, hiervon waren vier Fünftel Hühner und ein Fünftel Kaninchen, eine ganze Anzahl Bewerber mußte zurückgewiesen werden. Die »Züchter von Großen-Linden, die eine stattliche Anzahl Nummern belegt hatten, schnitten sehr gut ab. Als Preisrichter wirkten für Geflügel die Herren W. Seipp (Rüsselsheim), I. Dörr (Neuenheim^ F. Braun (Frankfurt a.TI.), für Kaninchen Rößler (Kassel). Es waren zahlreiche Ehrenpreise gestiftet. Der Besuch der Schau war sehr gut, besonders auch aus den Nachbarorten. Das Ergebnis der Prämiierung kann nur auszugsweise wiedergegeben werden. E. = Ehrenpreis, fg. = sehr gut, 1. - 1. Preis.
Abteilung Stamme:
Perlhühner, blau: R. Beppler (Lang-Göns) fg.; Italiener, schwarz: Gg. Steul (Bettenhausen) fg.; Zwerg-Wnandottes, schwarz: Gg. Lutz (Klein-Linden) E., fg.
Abteilung Wassergeflügel:
©erjuger Enten, schwarz: O. Heß (Lang-Göns) E., 3 fg.; Khaki Campbell: W. Martin (Hochelheim) 2 fg.; Orpington-Enten: Fr. Wolf (Laubach) 2 fg.; Laufenten, forellenfarbig: R. Schmidt (Kolbenmühle) E., 2 fg.; Indische Laufenten: R. Schmidt (Kolbenmühle) fg.
Abteilung Grohgeflügel:
Bronze Puten: Frau Spruck (Großen-Linden) fg.
Abteilung Geflügel:
Brahma, hell: Fr. Becker (Nieder-Weisel) fg.; Orpington, gelb: Frau Spruck (Großen-Linden) E., 7 fg.; Orpington, schwarz: Fr. Wolf (Laubach) E., 3 fg.; Wyandottes, weiß: Hrch. Weber (Hochelheim) E-. 3 fg.; Italiener, rebhuhnfarbig: R. Schmidt (Kolbenmühle) E., fg., W. Hof (Watzenborn) fg., W.
Schneider (Dorlar) fg.; Italiener, schwarz: W. Ludwig (Hörnsheim) Bundesehrenpreis, E., 2 fg., R. Radetzki (Lich) E., fg., H. Wagner (Großen-Linden) E., 4 fg. W. Walther (Großen-Linden) 2 fg., R. Wagner (Griedel) fg., W. Altenheimer (Lützellinden) fg.; Italiener, silberh.: Hrch. Pausch (Griedel) fg.; gestreift: E. Diedrich (Hartenrod) fg.; gelb: A. Lenz SKlein-Linden) E., 2 fg.; Minorka, schwarz: O. May Lang-Göns) 3 E., 5 fg., Frau Spruck (Großen- !inden) fg.; Sachsenhühner, schwarz: R. Beppler (Lang-Göns) fg.; Rhodeländer, rot: K. Stoll (Lang- Göns) 2 E., 3 fg., 21. Engel jr. (Hörnsheim) E., fg., W. Hofmann (Lollar) E., 2 fg., Fr. Mandler (Wißmar) E., fg., Hrch. Sommer (Watzenborn) fg., A. Engel (Hörnsheim) fg.; Plymöuth-Rocks, geftr.: Gg. Luh II. (Leihgestern) fg.; Welsumer, rebhuhnf.: Hrch. Schaum (Hochelheim) E., fg., Fr. Schmitt (Hochelheim) fg.; Barnefelder: O. Müller (Bettenhausen) ffl., Th. Philipp (Steinberg) fg., Joh. A. Weber (Hochelheim) fg.; RussischeOrloff, rotbunt: Fr. Becker (Nieder-Weisel) fg.; Sussex, hell: K. Weber (Krof- bprf) E., 2 fg.; Süsser, bunt: L>. May (Lang-Göns) sg., B. Schmidt (Kolbenmühle) fg., W. Beppler (Hörnsheim) sg.; Reichshühner, weiß: K. Wagner (Muschenheim) 2 fg.; Leghorn, weiß: Ed. Weber (Krofdorf) E., sg.; Rheinländer, schwarz: K. HeßIV. (Großen-Linden) 2 E., 6 sg., L. Weigand IV. (Großen-Linden) Bundesehrenpreis, E., 6 sg„ L. Hankel (Großen-Linden) 3 sg., Frau Spruck (Großen-Linden) 2 fg. W. Peußer (Watzenborn) sg., A. Engel jr. (Hörnsheim) sg., Fr. Stroh (Großen-Linden) sg., R. Andermann (Watzenborn) sg., H. Schaum (Hochelheim) sg., H. George (Großen-Linden) sg.; Ham- burger Schwarzlack: A. Bernhardt (Griedel) sg., W. Sommerlad (Großen-Linden) sg.; Goldsprenkel: K. Häuser (Steinberg) sg., Fr. Mandler (Wißmar) sg.; Ostfriesische Silbermöven: E. Schwarz (Lollar) E., 3 sg-
Abteilung Zwerge:
Orpington, schwarz: Fr. Wolf (Laubach) E., 2 sg.; Wyandottes, schwarz: L. Kreiling (Gießen) E., 3 sg., R. Andermann (Watzenborn) 2 sg Gg. Lutz (Klein- Linden) sg.; gestreift: L. Kreiling (Gießen) sg.; weiß: O. Heß (Lang-Göns) E., 3 sg.; gold: O. Häuser
Haftes Gemüt war zwar tagsüber vollauf beansprucht durch die beginnenden Erntearbeiten.
Aber wenn die Abende herankamen, die Abende mit ihrer verführerischen Stille, die nur unterbrochen wurde durch das Zirpen der Grillen, die zärtlich leidenschaftlichen Rufe der Rachtvögel, glaubte er es kaum in den einsamen Räumen aushalten zu können.
Vergeblich versuchte er, in der Bibliothek Ablenkung und Beruhigung zu finden. Aber er war es ja nicht gewöhnt, in Büchern zu lesen. Von jeher hatte ihn das wirkliche Leben gelockt, und dies Leben war für ihn versunken. Er hatte allem abgeschworen, seine früheren Freunde von sich gewiesen, um dem Ehrenwort, das er Birgit und auch dem Konsul gegeben, nicht untreu zu werden.
Doch die einsamen Abende wurden ihm allmählich zur Qual.
An einem Abend war es besonders schlimm. Am Rachmittag schon hatte sich der Himmel mit Gewitterwolken bezogen, die Weitz und fahlgelb drohend am Horizont hoch und immer höher stiegen. Ein schwefelgelber Dunst war über die Felder gezogen. Eine unerträgliche Schwüle lag in der Luft.
Der Donner grollte leise von fernher, aber das Gewitter wollte und wollte sich nicht entladen.
Die Elektrizitätsatmosphäre zitterte in Hans Egons Rerven und versetzte seinen ganzen Körper in eine unerträgliche Spannung. Er war durch die Ställe gewandert, in denen das Vieh in seinen Ständen unruhig an den Ketten rasselte und zerrte. Er war durch den Park gegangen, unter dessen dichten Laubmassen sich dunstige Schwüle ballte. Er hatte auf der Drücke an der Mühle gestanden und dem Rauschen des Wehres gc- lauscht, aber von dorther wollte ihm keine Ruhe und Kühlung kommen. Alles war zu eng, zu schwül, zu nahe.
Er stieß Me hintere Gartenpforte auf und wanderte ziellos dem Walde entgegen, am Flusse entlang, der drohend aufrauschte. Das Grollen des Donners wurde lauter, die ersten Regentropfen fielen in den Staub. Plötzlich brauste ein Wolkenbruch hernieder. Kaum hatte Hans Egon Zeit, die kleine, halbverfallene Jagdhütte zu erreichen, die hier versteckt in einem Winkel des Waldes lag.
Zu seinem Erstaunen sah er in dem bämmem- oen Lichte, durch das die Blitze zuckten, einen kleinen, dunkelblauen Selbstfahrer stehen, dessen Lichter abgeblendet waren. Die Türe der Jagdhütte war nur angelehnt.
»Wer ist da?" vernahm Hans Egon jetzt eine dunkle Stimme, bei deren Klang sein Herz wie toll zu klopfen begann.
Eine Taschenlampe blitzte vor seinem Gesicht auf. Dor ihm stand, im Autodretz, von dessen glänzendem Grün das Rah tropfte, seltsam phan- tastisch anzusehen in dieser ihm unbekannten $ülle, aber schöner denn je: Dolore« bei Fonza.
Zitternd stand Hans Egon der ehemaligen Geliebten im Halbdunkel gegenüber. Draußen rauschte der Regen Hemieder, die Blitze zuckten und tauchten Dolores Gesicht in ein unwahrscheinlich geheimnisvolles Licht. Hans Egon griff sich an die Stirn, auf der die Schweißtropfen der Erregung standen. Rarrten ihn seine Sinne? War dies ein Trugbild seiner überreizten Rerven oder war es Wirllichkeit?
Ein spöttisches Lachen, ein Lachen, das er nur zu gut kannte, sagte ihm, daß es Wirklichkeit war.
„Du hältst mich wohl für meinen eigenen Geist?" hörte er Dolores wie aus weiter Ferne sagen. „Hast du kein Wort der Begrüßung für mich? Oder hat dir dein großer Bruder auch verboten, die Regeln der Höflichkeit zu wahren gegen einen Gast? Auch wenn dieser Gast ein unfreiwilliger ist? Ich bin auf einer kleinen Autofahrt hier von dem Gewitter überrascht worden. Vielleicht wollte das das Schicksal aber auch, daß wir uns noch einmal begegnen. Vielleicht solltest du mir noch einmal saAn, ob du mich wirklich vergessen hast."
Ein Laut, wie von einem verwundeten Tier, kam aus seinem Munde. Vergessen waren alle Schwüre, alle Vorsätze, vergessen sein Ehrenwort. Der Duft, der von Dolores ausging, der geliebte Duft von weißer Iris, betäubte feine Heber» legung, sein Denken, seinen Willen...
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Als Hans Egon sich von Dolores trennte, war bas Gewitter vorüber. Rein und würzig wehte Kühle um seine erhitzte Stirn. Dolores' Wagen war längst in der Feme verschwunden.
Hans Egon war allein. Allein mit seinen Ge- banfen, seiner jähen Ernüchterung. Was hatte er getan? Eine einzige Rachtstunde hatte vernichtet, was er in Monaten strengster Selbstbeherrschung mühsam aufgebaut.
®r hatte die beste, edelste aller Frauen betrogen, die jetzt ein doppeltes Anrecht hatte auf seine Treue, seine Zuverlässigkeit und seine unbedingte Liebe. Wie ein Ehrloser hatte er sein Wort gebrochen. Qliemald durste eine Menschenseele erfahren, was sich in dieser verschwiegenen Jagdhütte abgespielt. Aber — wenn auch sein eigener Mund das bittere Geheimnis seiner Schande hüten würde — würde Dolores schweigen? Würde sie nicht die Gelegenheit benutzen, ihren Sieg, ihren Triumph über den verhaßten Bruder und die Rivalin in alle Welt hinauszuschreien?
Ein Gefühl des Ekels vor sich selbst kroch in seiner Seele empor. Dunkel und verwirrt lag die Zukunft vor ihm. Alle Klarheit, von Birgits Liebe in sein Leben getragen, war getrübt.
Sollte das alte Spiel von neuem beginnen, das ihn willenlos dem dämonischen Zauber der Tän-


