denen nie eine Tat folgte. Andererseits gab es in .Frankreich und außerhalb Fvankreichs eine grohe Menge, die in Briand den (Baler eines neuen Europa und den Propheten des Friedens begrüßte.
Ich glaube, die Zeit ist reif, alle Verleumdungen und alle Legenden zu zerstören und Briand als den Mann zu zeigen, wie er wirklich war, mit allen seinen Schwächen und mit allen seinen Vorzügen. Gr war nicht ein Vetrü- g e r, wie es ihm seine Feinde unterfterstellen, nicht ein Idealist, wie es eine naive Legende wahrhaben wollte. Er war, mit seinem ungepflegten Aeuheren, eine Art Grand-Seigneur und Nonchalant, der mit allen Ideen spielte und von denen er einige sehr liebte. Er war faul, er war zerstreut, er lieh seine Mitarbeiter für sich viele geographische, geschichtliche und politische Probleme studieren, die er selbst nicht verstand. Aber plötzlich, blitzartig und intuitiv meisterte er mit seiner bewundernswerten Intelligenz alles das. und mit seiner Rednergabe, die beinahe mit seiner Intelligenz übereinstimmte, zwang er das Parlament oder die Masse zu gewagten Schlüssen durch den Schmelz seiner Worte, die Zauberkraft seiner Formulierungen. Er hatte viel vonTalley- rand' aber was seine politische Schwäche und seine menschliche Gröhe angeht, so war er, im Gegensatz seinem groben Vorgänger, nicht eindeutig geschlossen, weder im Guten, noch im Dösen. Jener grobe Minister, der die Revolution zu meistern verstand, der seinen Willen Napoleon, Ludwig XVIII. und Louis Philippe aufdrängte, verachtete die Menschheit und war ohne alle Skrupeln. Er glaubte im Grunde seiner glänzenden, aber innerlich morschen Seele allein an die diplomatische Kunst. 2m Gegensatz dazu ist Vriand wohl zuweilen skeptisch und sogar zynisch, aber er hat einen echten Glauben an gewisse Dinge, vor allem an bte Freundschaft und an den Frieden. Er hat dem Frieden Zugeständnisse gemacht und Opfer dargebracht, die nicht immer klug waren, aber ehrlich und bedeutsam. Er liebte seine Freunde, er war ihnen treu, und seine Freunde verehrten ihn.
Aber bei allen seinen biegsamen und schätzenswerten Eigenschaften, bei seiner Nonchalance, wurde er durch etwas besiegt, das stärker war als er: durch d i e Diplomatie. Die Diplomatie, die in fast ganz Europa genau dässe lb e g e bl i e b e n ist, was sie vor dem Kriege war, ist eine Welt für sich, mit ^ihrer eigenen Kunst, ihrer eigenen Wissenschaft, ihren eigenen Sitten und Gesetzen. Von der Menschlichkeit abgeschnitten, verachtet sie alles, was nicht sie selbst ist: die Völker, den Völkerbund und selbst die Regierungen. Sie ist ein Labyrinth und ein Serail. Aus diesem Labyrinth und aus diesem Serail hat Vriand sich niemals herausgefunden. Zwar hatte er unmittelbare Mitarbeiter von grober Kultur und bemerkenswerten Fähigkeiten. Aber der Gei st des Hauses war stärker als er und seine Mitarbeiter. Dieser Geist, in dem sich Unju- sammenhängendes und Frivoles mischt, der immerzu die Eifersüchteleien unter den Mitarbeitern unterstützt, untergrub die besten, aber schwankenden Willenskräfte des Ministers.
Der Irrtum Briands war der: Auf der einen Seite tat er zu viel, aber der anderen zu wenig. Er zwang den Frieden in Verträge, er versprach Europa, er wechselte mit einem Minister, der ihm durch seine Geschlossenheit und seine seelische Kraft unendlich überlegen war, Stresemann, den historischen Friedenskub- Aber er unterzeichnete gar z u viel Verträge, die nicht notig waren, er versprach gar zu viel, um was er nicht gebeten worden war (bic Vereinigten Staaten von Europa zu einer Zeit, in der er sie brüsk in die Wirklichkeit umzusehen versuchte, waren ein Unfinn!). Auf der anderen Seite wieder verstand er nicht, sich von gewissen Bindungen frei»
Aber je länger man verweilt und je mehr man hört, desto gründlicher schwindet die Verwunderung über diesen Kreis von Naturwissenschaftlern und Politikern, Dolkswirtschaftlern. Geistlichen, Militärs, unabhängigen Persönlichkeiten von Rang und Namen und Vertretern mächtiger Organisationen. Dieser Kreis, der nicht etloa in Gruppen und Grüppchen zerfällt, sondern sich einem einheitlichen Gesprächsthema widmet, gehört nach der Bestimmung des Harnackhauses für diesen Abend zusammen. Es ist eine Gemeinschaft geistiger Menschen: oft geht man von gegensätzlichen Gesichtspunkten aus. meist kreist die Unterhaltung um ein brennendes Problem des deutschen Schicksals, stets will man zu einer Einigung kommen. Da spricht der Sozialdemokrat Hilf er- ding, der frühem Finanzminister, erregt, temperamentvoll: er hat den österreichischen Akzent in den vielen Jahren, die er in Deutschland lebt, nicht abgelegt. Ihm gegenüber gewahrt man das nachdenkliche Gesicht des Reichswirtschaftsministers Professor W a r m b o l d, der halb Industrieller, halb Gelehrter ist. Zwischen den beiden Vertretern verschiedener Weltanschauungen und entgegengesetzter Wirtschaftssysteme sucht die gütige, kristallklare Stimme des greifen Geheimrat Planck, des Vorsitzenden der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, zu vermitteln. Der Kreis hört aufmerksam zu. Jetzt nimmt auch eine Frau das Wort, die Forscherin Fräulein Dr. Hertz, die Tochter von Heinrich Hertz. Dann spricht Professor Eugen Fischer, der Nobelpreisträger, und nun ergreift der Industrieführer B o r f i g das Wort, von dem in letzter Zeit soviel gesprochen worden ist. Ichm entgegnet ein Führer der Freien Gewerk- fcha t:n. Alle io n n h er sp echen, offen und klar, denn hier herrscht keine Partei, hier äubert man sich nicht für die Öffentlichkeit, hier gelten nur die Persönlichkeiten.
Tanz zufällig hat sich an diesem Abend der Kreis zusammengefunden. Am nächsten Tag werden es andere Menschen sein. Jeder kommt und geht, wie er Zeit hat. jede Persönlichkeit, die etwas zu sagen hat, ist willkommen, und tatsächlich treffen sich im Harnackhaus wohl mehr Menschen von Bedeutung, mehr wahre Geistesarbeiter als irgendwo anders.
Wenn Geheimrat Duisberg aus dem Rheinland kommt, wenn Thomas Mann aus Süddeutschland zu einem Besuch nach Berlin fährt, oder Geheimrat Cuno, der Generaldirektor der Hapag und frühere Reichskanzler, aus Hamburg die Reichshauptstadt aufsucht, so führt sie alle ifjr Weg nach dem stillen Harnackhaus- Dort sitzen sie zusammen mit den Gelehrten, in einem Kreis, der sich jeden Tag neu bildet und doch einen
xumachen, die seine europäische Politik abschwächten und chr direkt widersprachen Er tat alles auf einmal, er hielt alles auf einmal aufrecht: er merkte nicht, dab er mit der einen Hand zerstörte, was er mit der anderen aufbaute. Er verstand es nicht, zwischen zwei Arten von Politik zu wählen, die jede für sich logisch gewesen wäre, von denen aber die eine der anderen ins Gesicht schlug: Zwischen der Locarno- Politik und der Politik der osteuropäischen Bündnisse.
Während er in feinen Reden und Kundgebungen die Locarno-Politik bis zur vorzeitigen Reife eines Paneuropa hinauftrieb, muhte er sich vorwerfen lassen, und dies nicht ohne Grund, dast er Chimären liebe und aus den Wolken herumreite. Indem er aber wieder die sehr engen militärischen und finanziellen Abmachungen mit Polen, der Tschechoslowakei, mit Süd- slawien und Rumänien hütete, brachte er Frankreich in den sehr ungerechten Verdacht des Militarismus und Imperialismus. Er sah nicht mit klarem Blick und Wirklichkeitssinn, dab von diesen vier Verbündeten drei in mehrerer Hinsicht gefährlich waren: Wegen der Abenteuerlichkeit ihrer improvisierten Diktaturregierungen, wegen der Hitzköpfigkeit ihrer Bevölkerung, der keine politische Erfahrung zur Seite stand, endlich wegen der schlechten- Grenzziehungen, derentwegen die beunruhigten und verärgerten Nachbarn unentwegt schrien und — in gewissen Fällen mit Recht — eine Revision verlangten. Er sah nicht, er, der Mann der Demokratie und des Friedens, dab er Demokratie und Frieden durch die ungeheure Finanzhilfe und durch die theoretische militärische Unterstützung. die er den verschiedensten Ländern zukommen lieb, kompromit - । 11 e r t e. Ländern voller Möglichkeiten für die Zukunft, die aber gegenwärtig schlecht regiert sind, schlecht geeinigt, und die ehrgeizigen Plänen I
und Impulsen folgen könnten, die zu Katastrophen führen müßten.
Man darf sich deshalb nicht wundem, wenn der ganze fragliche und widerspruchsvolle Aufbau in dem Augenblick auseinanderzubrechen droht, in dem Briand. vorzeitig verbraucht und müde, der Krankheit erliegt Das Glück, das ihm 25 Jahre hindurch zur Seite gestanden bat, hat ihm in seinen letzten Stunden nicht gelächelt. Er ist bei der Präsidentschaftswahl u.n Erlegen, die ihn auf eine olympische Höhe hätte führen und chn in einer Apotheose hätte enden lassen können. Er ist schwach genug gewesen. gleich nach seiner Niederlage in ein Kabinett einzutreten, daS für ihn nicht geschaffen war und ausgesprochen feiner Politik widersprach Damit hat er selbst fein Ende verdunkelt So ist denn Briand herabgemindert. schmerzlich, beinahe tot Die Saat, die er säte, wird, so hoffen wir. dennoch einmal aufgehen, wenn sie auch zunächst vergessen werden wird.
Um aber diesem Manne gerecht zu werden, sei an einen Charakterzug erinnert, der seine ganze Vornehmheit der Gesinnung zeigt und seine Persönlichkeit vor der Geschichte in einem reinen Lichte erscheinen lassen wird. Als er kürzlich nach Berlin kam, um einen wenigsten- für die Lebenden recht belanglosen Besuch zu machen, fand er inmitten aller Konferenzen. Bankette und ermüdenden Zusammenkünfte eine Stunde Zeit, um einem Toten seinen Besuch zu machen. Am Grabe Stresemann s, deS Mannes, der stärker war als er in der friedlichen Verteidigung feines Vaterlandes und in der klugen Organisation des Friedens, legte er Blumen nieder, die im gewissen Sinne eine Rechtfertigung für diesen waren: aber auch Zeugnis ablegten von guten Erinnerungen und von einem vornehmen Herzen.
Oie Bürgermeistergehalier in den Landgemeinden.
Aus Grund einer Unterredung mit der mab- gebenben Stelle des Kreisamtes Gießen haben wir am Dienstag in objektiver Schilderung des Sachverhalts über oie starke Kürzung der Dienstbezüge der Bürgermeister in den Landgemeinden berichtet. Diese Neuregelung durch Oie Richtlinien deS hessischen Ministers des Innern, die rückwirkend vom 1. De- Sber 1931 ab gelten, bringt den beteiligten ögemeinben im Kreise Gießen eine jährliche Ersparnis von runb 50 000 Mk., hat aber auf ber anderen Seite starke Nachteile zur Folge, die von den Bürgermeistern mit Bitterkeit empfun- ben werben unb wohl auch für bic Gemeindeverwaltungen noch wenig erfreuliche Rückwirkungen auslösen dürften. Die Richtlinien find denn auch gegenwärtig noch umstritten. Die Bürgermeister der Landgemeinden find nicht gewillt, die starken Kürzungen ihrer Gehälter nach diesen Richtlinien widerspruchslos hinzunehmen, da sie der Meinung sind, daß ihnen hierdurch im Vergleich zu anderen Beamten- und Derufsgruppen allzu große Opfer aufgebürbet werden.
Wenn man die Richtlinien des Ministers, die in unserem Bericht in den entscheidenden Teilen toicbergegcben würben, näher prüft unb sich dabei auch die verantwortungs olle Tätigkeit ber Bürgermeister vor Augen hält, wirb man zugeben müssen, baß deren Beschwerde b e * grünbet ist. Daß in allen Verwaltungen, also auch bei ben Landgemeinden, in weitgehender Weise gespart werden muß, wirb von ben Bürgermeistern ebensowenig verkannt unb bestritten, toie von jebem einsichtigen Kommunalpolitiker überhaupt. Aber die Sparsamkeit darf nicht so weit gehen, wie sie durch die Richtlinien des
Ministers über die Landbürgermeister-Gehälter gefordert wird, weil hierbei der Bürgermeister in seiner Desoldungso stark gedrückt wird, daß sie in krassem Mißverhältnis zu seiner Arbeitsleistung, seiner Verantwortlichkeit und zu der von ihm verlangten Dienstfreudigkeit steht.
In zahlreichen kleineren Ortschaften, die kein Bürgermeistereigebäude haben, muß der Bürgermeister in seiner Wohnung nicht nur das Amtszimmer zur Verfügung stellen, sondern er muß auch aus seinem Eigentum die Möbel für diesen Raum geben, Heizung und Beleuchtung übernehmen, in vielen Fällen die Reinigungskosten aus seiner Tasche bezahlen, oder die Reinigung durch seine Angehörigen besorgen lassen, weil ihm für derartige Erfordernisse oft Geldmittel im Etat nicht zur Verfügung gestellt worden sind. In seinem Amtszimmer wickelt sich nicht nur der ganze Geschäftsverkehr ab, sondern es finden dort auch Kommissionsfitzungen und die Beratungen der Gemeinderäte statt. Weiterhin erwachsen dem Bürgermeister bei der Erfüllung feiner Amtspflichten innerhalb und außerhalb seines Wohnortes mancherlei Geldausgaben, für die im Gemeindehaushalt ebenfalls keine Beträge vorgesehen sind und die ihm auch von anderer Seile nicht erseht werden, die aber unumgänglich geleistet werden müssen, wenn er seinen Obliegenheiten in ber ersorberlichen Weise Nachkommen will. Dazu kommen auch noch Kosten, bie selbst in kleinen Orten bei mancherlei Veranstaltungen dem Bürgermeister in Verbindung mit seinem Amt als Repräsentation ohne weiteres zugemutet werden und denen er sich nicht entziehen kann. Angesichts dieser Verhältnisse ist es kein Wunder, wenn beispielsweise in einer
gemeinsamen Ton hat, unb sprechen sich bei einem (Slafc Bier aus. „Die Gedanken, bie biefe Männer babei entwickeln, müssen sehr anregenb fein, benn d e He.rm s hen öfter bis zum Morgengrauen zusammen", sagt lachend bie liebens- toürbige Hausmutter, Frau Carrier e.
Das Haus der Welt.
Im altdeutschen Stil ist das Duisberg-Zim- mer getäfelt. Dort halten sich in ben Abendstunden meist die ständigen Gäste des Hauses auf, die aus aller Welt nach Berlin kommen. Da sitzt der Amerikaner Professor Watson von ber ©olumbia-Uniberfität in Reuyork, neben ihm sieht man ben schwebischen Nobelpreisträger Professor Euler unb ben diesjährigen Träger des Nobelpreises, ben beutschen Professor Warburg. Watson unb Euler haben im Harnackhaus, das allen großen Wissenschaftlern ber Welt Aufnahme bietet, Wohnung genommen. Professor fiebere r aus Heidelberg. Baron Uexkü11 vom Hamburger Institut für Umweltforschung wohnen hier und halten sich jetzt ebenso im Duisberg-Zimmer auf wie ein Professor aus Niederländisch-Guyana und ein Neger-Gelehrter aus Südafrika. Seltsam ist bie Atmosphäre: man sieht Gesichter aller Rassen, im Ausdruck ganz verschieben, unb dazwischen bie Kopfe ber Professoren der Kaiser- Wilhelm-Gesellschaft, bie sehr oft ober sogar meist so jung aussehen. daß man sie für ihre eigenen Assistenten halten könnte. All das gibt eine Komposition, über deren Charakter man sich erst nach langen Gesprächen im Duisberg-Zimmer klar wird. An b_iefer_ Stätte ist bei ernstem und heiterem Gespräch über alle möglichen Gebiete der Wissenschaft eine Weltgemeinschaft von vierzig oder fünfzig Menschen entstanden. Nicht die Völker. sondern bie Persönlichkeiten haben sich zusammengeschlossen unb angefreunbet, aber es wirb hoffentlich auf bie Völker zurückwirken. Sprachen schwirren durcheinander, Professoren bet Naturwissenschaften werben zu Dolmetschern, Lachen unb erregte Debatten lassen keine Monotonie aufkommen. Diese Gemeinschaft ist nicht immer ernst, schürft nicht immer in der Tiefe und verzichtet darauf, ununterbrochen Problemen nachzujagen. Manchmal formen strenge Professorenhände draußen, im Garten. Schneebälle oder Schneemänner, es herrscht kein Pathos, man ist an keine Tradition gebunden und weiß nichts von einer Etikette.
»In diesem Haus hat Deutschland zum erstenmal eine Weltfreundschaft, eine wirkliche Gemeinschaft von Menschen verschiedener Völker und Rassen geschaffen", sagte ein japanischer Wissenschaftler. als er sein Glas zum Abschied erhob. Wie leben bie Menschen in dieser Gemeinschaft?
Sfrau Karriere erzählt einige kleine Episoden: ein amerikanischer Gelehrter schloß hier mit einem Wissenschaftler der drüben so verachteten Neger- rasse enge Freundschaft. Sa göre ist mit feinem 2lrzt und feinem Sekretär zweimal für längere Zeit hier gewesen, und immer hat ein Ansturm von Gästen das Freundschaftsgefühl zwischen zwei Völkern verschiedener Erdteile bewiesen. Es war so schlimm, daß Tagore für sich am Tage keine Stunde Zeit fand und deshalb jeden Morgen um vier Uhr aufstand, um zwei Stunden, wie er es braucht, in Ruhe für sich nachdenken zu können. Die hübscheste Erinnerung jedoch ist wohl die an die Ankunft Professor Fischers, ben Frau Carriere mit ber Nachricht begrüßen konnte, er habe ben Nobelpreis erhalten. Das ganze Harnackhaus, vom Präsibenten ber Kaiser-Wilhelm- Gesellschaft bis zu einem Dubbhisten, ber gerade dort wohnte, kam gratulieren.
Zeitschriften.
Die am 15. Juli 1931 dem Völkerbund überreichte französische Denkschrift über bie Canb- ruftungen enthält bie Behauptung, daß Frankreich im Laufe eines Jahrhunderts dreimal das Opfer deutscher Invasionen geworden sei. Diese ungeheuerliche Behauptung veranlaßt Graf Ma? Montgelas in einem Aufsatz „Die drei Invasionen Frankreichs", der im Januarheft des jetzt beginnenden 10. Jahrgangs der „Berliner Monatshefte" (Quaberoerlag Berlin NW6) erschienen ist, nachzuweisen, daß die Verantwortung für oie Invasionen von 1814, 1815 und 1870 allein Frankreich trifft. Im Hinblick auf die bevorstehende Abrüstungskonferenz verdient der Aufsatz allgemeine Beachtung.
Lochschulnachrichten.
Ernannt wurden: Professor Dr. Hermann Jahr- reiß von der Universität Leipzig zum ordentlichen Professor für öffentliches Nechr in Greifs- roalb als Nachfolger von G. Leibholz: Professor Dr. theol. Theodor Müncker in Passau zum ordentlichen Professor der Morastheologie in der katholisch-theologischen Fakultät der Universität B r e s- l a u als Nachfolger von Friedrich Wagner: Professor Dr. Walter Schirmer in Tübingen zum ordentlichen Professor der englischen Philologie an der Universität Berlin als Nalyfolgcr von W. Dibe- lius: ferner wurde in gleicher Eigenschaft versetzt der Ordinarius der alten Geschichte Dr. Wilhelm Weber von Halle an die Universität Berlitz als Nachfolger von Ulrich Wilcken,
Kr. U Zweiter Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Lis8VArna
Met!
/
öS
Laiideslbeaters.
des
röt' am
und von dort auch über die Mauern Harnackhauses hinaus ausstrahlt.
DaS Haus Deutschlands.
für iatu Zir. Mk., bolz «110
‘Gieß
ombecher
T ' Telephon 3811
50, ne.
en bar.
imeni "inde*o*n
Am Stammtisch der Nobelpreisträger.
3m Berliner Harnackhaus.
Don Hans Vertun.
Die vornehmste Stätte geistiger Geselligkeit ist das Harnackhaus in Berlin-Dahlem geworden, dessen Ruf in den zwei Jahren feines Bestehens die ganze Welt durchdrungen hat. Unser Mitarbeiter schildert auf Grund eigener Kenntnis und nach einer Unterredung mit Frau Eva Sortiere, der „Hausmutter" des Harnackhauses, die eigenartige Gemeinschaft der Gelehrten, ihre neue Form der Geselligkeit, die sich an dieser Stätte entwickelt hat
Achtung! voran!!
i bestem Lein te^bnurnoch
•. • .Mk. 2.80 ummi) Mk.0.90
• • • -Mk.1.90 ummi)Mk.0,60
ichmulbach Friedrich», r. 5
-Verstehen wirund? $tüdi«3»te" v. Peter von P ew'
«T°n’ilni vurde
□ 15.1.,»' ,ühr:
Unttfb. 3210
en Stahl- «l.aa ital.fr.
--eis ---
ii \\ Vereine
SN
IDg. ade men
l6rWahrh6it|| iont »i’K
Stadttater Gießen, «o Freitag, 15. Jan.
20 bti 22 Uhr 14. PorsteUnng im Freitaa'Abonnem. GewöbnI-Prene!
Briands Ende.
Don AndrS Germain.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!> Der französische Schriftsteller Andre
Germain, der zur Zeit in Berlin weilt, äußert fich in bemerkenswerter Weife zu dem Ende der politischen Laufbahn Briands. ' Andre Germain steht der radikalsozialistischen Partei nahe. Bei den bevorstehenden Kammerwahlen erwartet man in Frankreich einen entscheidenden Sieg dieser Partei.
Das Schicksal, daS im allgemeinen unsere Minister schont und sogar begünstigt, indem es ihnen eine glänzende Laufbahn bis zum 70., 75.. ja 80. Lebensjahre vergönnt (man denke nur an Freycinet, Ribot, Elsmenceau, Barthou), hat zwei Minister vor der Zeit ereilt. Dieselben Telegramme. die unS den Tod Maginots mitteilten, berichteten über eine Verschlimmerung des Zustandes von Briand. Inzwischen hat Brignd feinen Rücktritt eingereicht
lieber daS Leben und den Tod Maginots läßt fich wenig sagen. Er war kein Mann erster Ordnung. Teilweise sehr tragische Umstände haben ihn vorwärts geschoben und ihn bisweilen zu sehr schwerwiegenden Maßnahmen gezwungen Trotz allem blieb er im Schatten seiner mächtigen Beschützer, zuerst Poincarss, dann Tardieus. Der Tod des nur 55jährigen berührt kein System, schließt keine Periode ab und ändert im Grunde nichts. Bieten wir ihm darum jene anonyme Achtung, die man allen Toten schuldet.
Aber dem Ausscheiden Briands kommt hervorragende geschichtliche Bedeutung zu. ES schließt eine ganze Epoche ab, es schließt ein System in sich ein. Wir wollen uns nicht im einzelnen mit seiner zweifellos glänzenden und sehr intereffanten Dorkriegslaufbahn befassen. Von beinahe niedriger Herkunft (aber sein natürlicher Vater war ein Aristokrat), hat sich Briand allmählich emporgearbeitet, ganz allein, nur durch seine Intelligenz und durch sein Können. Mit 40 Jahren trat er ganz plötzlich hervor, und seit feinem 45. Lebensjahre ist er ununterbrochen Minister gewesen. ... Aber gleiten wir über die Jahre vor dem Kriege und die KriegSjahre selbst hinweg, in denen Briand siebenmal Ministerpräsident gewesen ist. In diesen Jahren hat er oft eine hoch- bedeutsame Rolle gespielt. Obwohl er nichts Besonderes und nichts Neues tat. Sein Name hastet lediglich an dem einzigen Ereignis der Trennung von Kirche und Staat, und es war eine besondere Ironie des Schicksals, daß der Mann, der am Ende seiner Laufbahn recht enge Beziehungen zwischen der Republik und der Kirche hcrstellte, damals ohne besonderes Verständnis für Recht und Rechtmäßigkeit diese Aufgabe durchzuführen hatte.
Der Briand, der uns hervorragend interessiert und immer die Geschichte interessieren wird, ist der nach dem Jahre 1924, der Mann von Locarno und Thoiry, der Mann, von dem man glaubte, daß er eine neue Zeit heraufführen und ein System begründen würde, und der dem Geist der Verständigung und des Friedens die Pforten öffnen würde. Von diesem Briand sei hier die Rede, und zwar in einer Art, wie vielleicht nie über ihn gesprochen worden ist: ganz ohne Haß, aber auch ohne Bewunderung und ohne Vorurteile. Denn Briand hatte das Schicksal großer Gestalten, entweder leidenschaftlich geliebt oder leidenschaftlich gehaßt zu werden. In Frankreich und in Deutschland hat er aus den verschiedensten Gründen fanatische Kritiker gefunden. Die einen warfen ihm vor, er habe in feiner Deutfchfreundlichkeit Frankreich verraten: die anderen, er habe Deutschland ständig durch Versprechungen irre geführt, die nie gehalten wurden: durch honigsüße Worte,
In der hohen, lichten Bismarck-Halle heben sich alte Bilder, schone Möbel, Holzfiguren von den weihen Wänden prachtvoll ab. Dreißig oder vierzig Menschen fino hier versammelt. Man lieht den feinen weißen Kopf des großen Chemikers Geheimrat Haber. Neben ihm wird das kluge, energische Gesicht des Großindustriellen Karl Friedrich v- S i e m e n s sichtbar. Andere Kopfe schließen den Kreis, berühmte National- olonomcn. Universitätsprofessoren, Männer der Wirtschaft und der Wissenschaft- Der Staatssekretär im Reichsfinanzministerium. Dr Hans öchäffer, führt die Diskussion: das ist der Mann, dem man nachsagt, daß er auf die Gestaltung der letzten Notverordnung außerordentlich großen Einfluß gehabt hat.
Was haben diese Männer der Politik und der Wirtschaft an einem ganz gewöhnlichen, un- festlichen Wochentag in dem Haus der Gelehrten zu suchen? Das Erstaunen wächst noch, als sich das Portal zur Hatte wiederum öffnet und Mei Persönlichkeiten ein treten, die man hier gewiß nicht vermutet: Dr. Schreiber, der Bischof von Berlin, und der Chef der Heeresleitung.
on VerlobungsanzelO*n vermählungsanzelge"
jsßieße nd*Gießen ruur,«.«®""' ;ranstaltung Tierwelt
K S&Sg
Ein Abend im Harnackhaus. Das große, liche Gebäude, das durch feine Austeilung sprechend und doch so schlicht wirft, wie es unsere Zeit erfordert, liegt in einsamer Stille. Von ferne blinken die Lichter Berlins herüber. Doch kein Lärm, kein Hauch der fieberhaften Nervosität bringt bis hierher. Es herrscht ländlicher Abendfriede.
■El Rai WM AuskiinnetnAechi^ $trai-,(joniil.'2liiflc legenveuen, Gesuche, Anträge. Äeodach- Hingen. UcbcriuQdig. und Srmittlungcit pteiSro.iirenflbK'fT. u. an all. Cnen m n. erledigt Detektiv Bareai-alcikuoilei hh.I.Gtrx.Bii-lim- heii.Knri1r.il. 116
ÜST***
luter 7'S stiela^ sÄäS
339 c


