einer einfachen Zahlungsverweigerung nicht einverstanden erklären, da eine solche Geste im ungeeignetsten Augenblick käme. Man mü'fe bedenken, welche Rückwirkungen die Zahlungsverweigerung auf die Vereinigten Staaten haben würde, wo jetzt schon die Haltung Frankreichs in gefährlichster Weise nicht verstanden werde.
Außerdem^ feien die Schuldenregelungsabkommen dann hinfällig. Herriot warnte bann auch vor Iber Gefahr, einen Keil zwischen England und Frankreich zu treiben, während doch Frankreichs gesamte Politik auf dem französisch - englischen Der trauensabkommen aufgc* baut sei. (Lebhafter Beifall.) 'Besonders maßgebend für seine Entscheidung sei jedoch gewesen, daß Frankreich die Respektierung der Verträge zum Grundsatz seiner Politik erhoben habe. Wie könnte Frankreich bei den internationalen Konferenzen diese Politik verteidigen, wenn es den Begriff „Respektierung der Verträge" zunichte werden lasse? Auf einen Einwurf'von rechts „Unb Deutschland" bemerkte Herriot, gerade Deutschland gegenüber haben wir uns stets auf den Standpunkt gestellt, daß die Verträge respektiert werden müßten, und ich darf es mir zur Genugtuung anrechnen, einen deutschen Reichskanzler in Lausanne zu derselben Auffassung gebracht zu haben. Bei der Ruhrbesehung hat Frankreich sich auf die Verfehlungen Deutschlands gegen die Verträge berufen. Frankreichs Ehrenpflicht ist es, die ewigen Gesetze der politischen Moral zu verteidigen.
herriot betonte darauf, daß er nur mit Vorbehalt zahlen wolle, wenn er auch noch nicht wisse, mit welchem, da er gemeinsam mit England oorgehen wolle.
Er hoffe, noch heute abend einen entsprechenden Text einbringen zu können, und werde deswegen vor den zuständigen Ausschüssen erscheinen.
Als Herriot die Rednertribüne verlieh, wurde ihm einmütiger Beifall gespendet. Rach den Ausführungen Herriots und einer kurzen Replik Marins beschloß die Kammer, sich auf morgen zu vertagen.
Gegen die Zahlung.
Paris, 12. Dez. (WTD.) Die sozialistische Kammerfraktion nahm auf Grund der ablehnenden Haltung Amerikas in der Frage der Dezemöerrate einstimmig eine Entschließung an, in der die Regierung aufgefordert wird, im Einvernehmen mit England eine allgemeine Konferenz einzuberufen, die alle internationalen Verpflichtungen zu b e r i ch t i g e n und internationale Transferierungen ohne Gegenlei- stung zu beseitigen hätte. Inzwischen,heißt es in der CnSchließung, möge die Regierung die Zahlung am 15. Dezember aufschieben.
D.e linksrepublikanische Kammerfraktion hat nahezu einstimmig den Beschluß gefaßt, gegen jede Zahlung zu stimmen.
Auch Englands neue Rote abgelebt, t.
Washington, 12. Dez. (WTB ) Im St a ats- departement neigt man der Auffasi'ung zu, daß die gestern überreichte, hier innerhalb von sechs Stunden mit glatter Ablehnung beantwortete britische Note nur dadurch zu ev.lären sei, daß die britische Regierung Rück.ichten aus die innenpolitische Lage in England habe nehmen müssen, sonst wäre es nämlich, so meint man hier, unverständlich, daß England in einer formellen Note noch einmal Bedingungen an seine Zahlungen geknüpft habe, die anzunehmen nur der Kongreß in der Lage sei. Offenbar habe Macdonald noch einmal die Situation ganz kiarstellen lassen wollen. Denn andernfalls hätte eine mündliche Anfrage des britischen Botschafters bei Stimson genügt, um die britische Regierung endgültig davon zu überzeugen, daß die am 15. Dezember fälligen Raten gezahlt werden müßten, und zwar als Zinse n- raten und nicht, wie die englische Note vorgeschla- gen habe, als Abschlagszahlung auf das Kapital, falls Europa nicht die Möglichkeit irgendeiner späteren Revision des gesamten Schuldenkomplexes empfindlich stören wolle.
Nie drei Codonas.
Oie „Könige -er Lust' bei der Arbeit.
Nach dem Tode R a st e l l i s sind die „Drei C o - b o n a s" vielleicht die einz gen Artisten von Weltruf, und ihr „Flieger" A.freoo Codona wirllich der einzige, der den dreifachen Salto dreht, jenes artistische Ideal, das alle Lustgymnastiker erstreben und noch nie erreicht haben. Wir hatten Gelegenheit zum Vergleich; im letzten Monat arbeiteten die Drei Concellos in der Berliner „Scala"; sie waren gewiß dadurch gehandikapt,- daß Frau Concello bei der ersten Ber.iner Probe stürzte und die Truppe einer begreiflichen Nervosität unterlag — trotzdem aber sah man den himmelweiten Unterschied zwischen einem anständigen Luftakt und der E.nrnalig- teit und Einz gartigkeit der Codonas. Die Camel- los zeigten an jenem Abend, was auch andere Artisten können: den Absprung mit Salto vom Trapez in die Hände des Fängers. Wenn man bedenkt, daß dies die eigentliche und wirtliche Kunst des „Fl>e- gens" ist, daß Fängep und Flieger an verschieden langen Trapezen hängen, daß die Abschwingzeiten bis auf den Bruchteil einer Sekunde abgestimmt werden müssen, daß der F.ieger mit einer Stundengeschwindigkeit von hundert Kilometern durch die Luft gewirbelt wird, daß fein menschliches Hirn dann noch fähia ist, etwas zu sehen, daß er dann ganz auf die Hände des Greifers angewiesen ist, die mit Blitzesschnelle zupacken müssen — dann kann man sich ungefähr eine Dorstellung davon machen, welche jahrelange, unermüdliche Ausdauer und Geduld, welcher Mut und welche Zähigkeit dazu gehört haben, bis dieses einzigartige Kunststück gelang.
Die Codonas arbeiten nur etwa zehn Minuten, aber diese sind bis zum Aeußersten mit Spannung erfüllt, denn da ist jeder Tr.ck höchstes artistisches Können, da wendet sich kein Auge von der sternenbesäten Kuppel des „Wintergartens" — sie wird durch zahllose Scheinwerfer taghell ausgeleuchtet — denn da oben schwingen und fliegen die weißen geschmeidigen Körper, es ist totenstill, man hört die Trapeze knarren und die Lust unter ihren Flügen wehen. Wie man die Einzelheiten des Dogelfiugs nicht beobachten kann, so wenig das Schwirren dieses artistischen Schauspiels (darum ist es mit der Zeitlupe ausgenommen worden in einem Film, der den Werdegang der Truppe darstellt), man nimmt im Theater die einzelnen Phasen des Dreifachen so wenig wahr wie damals, als die Doubles in Mur- naus Jannings-Film „Variete" sie machten — man
Lteberraschung in London.
London, 12. Dez. (TU.) Die neue amerikanische Rote, in ber bie englische Auffassung über ben Charakter der Schulbenzahlungen abgelehnt wirb, hat in London große Ueberraschung ausgelöst. Ter .,DailyCx - preß" schreibt, es sei eine Krise entstanden, die Macdonald dazu veranlassen dürfte, sofort eine Kabinettssitzung einzuberufen. Englands Wunsch, die Zahlung als Kapitalamvrtisation anjufeljcn, sei dadurch bestimmt worden, daß bei Vornahme gewisser Transaktionen mit dem im Staatshaushaltsplan vorgesehenen Amortisa
tionsfonds für innere Schulden die Einbringung eines besonderen Rachtragshaushalts hätte vermieden werden können. Der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Telegraph" erklärt, es entstehe jetzt bie Frage, ob Cnglanb ben Dominions unb ben Mächten, bie nicht in das Lausanner Abkommen einbezoaen seien, wie z. B. Estland, bie Schulbenzahlungen stunden solle. Man wolle in London darüber Klarheit haben, ob die Amerikaner sich mit einer Bereitstellung des Goldes in der Dank von England zufrieden geben, oder ob sie seine Verschiffung nach Amerika verlangen.
Belgiens neue Ironien.
Von unserem Dr. ^.-Berichterstatter.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!
Brüssel, Dezember 1932.
Die belgischen Wahlen sind vorüber, und man tut gut, sich ein Bild von den Möglichkeiten der Brüsseler Innenpolitik zu zeichnen. Es wäre ein verhängnisvoller Irrtum zu g.auben, Helgens innere Entwicklung sei für das übrige Europa ohne Belang. Zu allen Zeiten fand jede gewaltsame Aen- derung im Bestände innerstaatlicher Einrichtungen in Belgien einen lebhaften Widerhall. Und man sollte sich nicht der Möglichkeit entziehen, daß eines Tages von hier aus in die erstarrten Fronten der europäischen Politik ein neuer Anstoß ausgchen könnte.
Wenn Belgien im Augenblick durch eine innere Krise erschüttert wird, so sind ihre Ursachen doppelter Natur. Es geht den verschiedenen Parteien darum, die Verantwortlichkeit für die verheerende Finanzlage dem „Nachbar" aufzubürden. Gleichzeitig beruhen alle Störungen im gerege.ten Ablauf der belgischen Demokratie auf einer Krise des Regimes. Es bleibt sich immer gleich. Solange Parlamente berufen sind, einer wirtichaft- lichen Konjunktur zu folgen und bie Staats ausgaben heraufzusetzen, geht alles reibungslos. Sobald aber die Volksvertretung vor die Aufgabe gestellt wird, an eingreifenden Sparmaßnahmen mitzuwirken, zieht sie es häufig vor, von sich aus abzutreten.
Das Verhalten der belgischen Parteien während ber letzten Monate, in denen sich das Kabinett Renkin bemühte, emen Ausweg aus dem finanziellen und wirtschaftlichen Wirrwarr zu finden, entspricht genau dem der deutschen. Der Versuch, taktische Parteierwägungen in den Vordergrund der Entschließungen zu r.cken, ist hier genau so gescheitert wie bei uns. Praktisch läuft die Mitarbeit der Parteien auf ein Stillegen der Staats» Maschinerie hinaus. Renlin, dessen Kabinctt auf einer katholisch-liberalen Koalition beruhte, also eine marxiftenfreie Regierung barfteüte, wurde ausber eigenen Mitte heraus erdolcht. Die Liberalen verspürten plötzlich im Anschluß an die Gemeinde-Wahlen des Oktober die Neigung, sich jeder weiteren Verantwortung zu entziehen. Sie glaubten in der bama.igen Niederlage der Katholiken einen Anlaß sehen zu müssen, sich selbst vor weiterer Mißgunst der Wähler zu bewahren. Also stieß man im Kabinett vor und betonte, die Finanzgesetze seien schwerwiegender Natur. Die Zusammensetzung des Parlaments entspreche nicht mehr ber Volksme i nung, und die Schutzzollpolitik sei dem Lande verhängnisvoll. Unter solchen Parolen glaubten die Liberalen ihres Erfolges sicher zu sein.
Es kam darüber tatsächlich zur Auflösung, aber zuvor zu einer Kabinettsumbildung. Renkin trat ab, u.n dem Grafen D e Broqueville Platz zu machen. Broqueville ist ein gewandter Unterhändler, der seinem Vaterlande in mancher schwierigen Lage einen Ausweg wußte. Er übernahm die Re- gierungsbilduna für em Kabinett der „40 Tage", um die Wahlen durchzuf hren. Aber zuvor entschied er sich dahin, seine Mitarbeiter nach ihren bisherigen Leistungen zusammenzubringen als ein ausgesprochenes Kabinett der Persönlichkeiten. Nicht weniger als vier seiner Mitarbeiter haben schon vorher ein Erstes Ministeramt bekleidet. Und von den übrigen ist keiner ein unbeschriebenes
Blatt. Broqueville wußte, was er tat bei der Regierungsbildung. Er rechnete nicht mit einem raschen Abtreten, sondern m.t einer Fortführung der Geschäfte. Der Ausgang ber Wahlen vom 27. November gab ihm Recht.
Die Brüsseler Kammer zählt fast 187 Abgeordnete. Vor den Wahlen fetzte sie sich aus 76 Katholiken, 28 Liberalen, 70 Sozialisten, 11 flämischen Nationa- lifte-’, 1 Unabhängigen und 1 Kommunisten zusammen. Sie besteht jetzt aus 79 Katholiken, 24 Liberalen. 73 Sozialisten, 8 flämischen Nationalisten und 3 Kommunisten. Die Verschiebung zwischen Reg-e- rungsfoalition unb Opposition beträgt einen Sitz, der nach links abwanderte. Damit bewiesen die Parteien, daß sie über einen festen Bestand verfügen. Die Wähler aber zeigten, daß ihnen eine Neuorientierung ber Politik iucht genehm wäre. Es bleibt alles beim Alten.
Zwei besonders hervorstechende Züge der Wahl sind ber Rückgang ber Liberalen unb der Abstieg der „F r o n t p a r t e i", also ber flämischen Nationalisten. So erfreulich vom Standpunkt der deutschen Politik jeder Mißerfolg ber belgischen L.beraten ist, so bedauerlich bleibt bie Einbuße der Frontisten. Liberalismus unb Frontismus find in Belgien natürlich Gegengewicht. Während bie liberale Partei Schrittmacher des französischen Militarismus ist unb sämtliche Anweisungen — bitte wörtlich zu nehmen — aus Paris erhält, kämpfen bie flämischen Nationalisten für eine unabhängige Außenpolitik b e s Landes unter Betonung ber Anlehnung an bas verwandte Germanentum nach Norden und Osten.
Der Liberalismus wurde zurückgeworfen, weil er eine kulturkämpferische Wahlparole ausgegraben hatte. Das gab der Kirchen- bchönde Anlaß, von sich aus in zwei Hirtenbriefen unmittelbar in die politische Entwicklung einzugrei- fen. Selten kämpfte die katholische Partei in einer so geschlossenen Gefechtsordnung wie jetzt. Die Kräfte der katho.ischen Kirche sind in Belgien viel zu lebenskräftig, als daß sie im Augenblick der Gefahr nicht zu einer gewaltig gesteigerten Leistung in Abwehr und Angr.ff zusammenströmten.
Der Frontismus seinerseits fiel fast auf ben Stand von 1925 zurück, weil er in sich in seiner politischen Doktrin unb in ber Wahl ber politischen Mittel gespalten ist. Man hat feit Monaten brei verschiedene, sich gegenseitig bekämpfende Richtungen zu scheiden: die Frontpartei alter Richtung, unter Führung von Herman Vos, die Dolkspartei unter Führung von Ward Hermans.und die faschistische Gruppe Dan Severens, die zur Stimmenthaltung aufforderte. Der Erfolg solcher Zersplitterung hat schl.mme Folgen gezeit.gt. Man kann nur hoffen, daß er zur Besinnung führe.
Innenpolitisch steht Belgien vor. der Frage: Beibehaltung der katholisch-l beralen Koalition oder Dre Parteienkoalition unter Einbeziehung ber Sozialisten. Die Liberalen zeigen Neigung zur Oppo- fit.on. Für ben Fall drohen die Katholiken mit ber Weiterführung ber Geschäfte a.s Minberheitsmini- sterium und mit ber Folge der nochmaligen Kammerauflösung. — Von der Seite ber Hochfinanz, vor allem von F r a n c g u i, dem Gouverneur der So- ciete Generale, wird vorgcschlagen, ein Kabinett ber Persönlichkeiten beizubehalten, das aber Anlehnung an bie drei großen Parteien bes Parlaments findet und sich von ber Volksvertretung einErmäch -
tigungsgefeö bewilligen läßt, mit dem es die dringenden Finanzaufgaben lösen könnte. Letzten Endes hat der belgische Parlamentarismus die Staatsführung genau so in einen Engpaß ge- führt wie anderswo. Jetzt bleibt bie Frage offen, mit welchen Mitteln der Verfassung man daraus hinausgelangt. Die Zahl derer, die neue Wege mv- schlagen, ist im Wachsen.
Au« aller Mell.
Silberne Slaatsmedaille für Gräfin von der Groeben.
Der kcmmiisarische preuß fche Minister des Innern hat der Vvr,'.tz?nden des Hanptvorstandes des Daterländifchen Frauenvereins Dom Roten Kreuz, Frau Dr. h. c. Agnes Gräfin von der Groeben, zu ihrem 70. Geburtstag die Silberne S t a a t s m e d a i l l e für Verdienste um die Vellsgriundhrit als sichtbares Zeichen der Anerkennung und des Dankes der Preußischen Staatsregierung überreichen lassen.
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Der Herr Reichspräsident hat der Frau Gräfin von der Groeben zur Vollendung ihres 7E Lebensjahres in einem herzlichen persönlichen Sch re. ben unier Würdigung ihrer vaterländischen Verdienste seine Glückwünsche ausgesprochen. Kultusminister a. D. Dr. Vccker leicht verunglückt.
Bei einem Zusammenstoß zwischen einem Personenkraftwagen und einem Lastauto in Berlin wurde ber frühere preußische Kultusminister Dr. Becker im Gesicht leicht verletzt. Nach An- legunq, eines Notoerbandes wurde er in seine Wohnung gebracht.
Dellslieger Bertram auf dem Heimflug.
Der deutsche Flieger Hans Bertram ist nach gutverlaufenem Fluge von Bima kommend in Soerabaja (Java) gelandet. Kurz nach dem Abflug von Bima entdeckte der Mechaniker Allen einen blinden Passagier, der sofort nach ber Ankunft in Soerabaja festgenommen wurde. Bertram erklärte auf Befragen, sein Flug sei bislang nur durch starke Gegenwinde behindert worden. Er beabsichtigt, von Soerabaja in einem Flug ohne Zwischenlandung die Stadt Medan im Nordwesten der Insel Sumatra erreichen zu können. Nach einer späteren Meldung aus Soerabaja geriet jedoch Bertrams Flugzeug bei dem Start zum Weiterfluge in einen Graben und wurde schwer beschädigt. Bertram unb sein Mechaniker blieben unverletzt.
Reue Ausschreitungen an der Breslauer Universität.
Die Pressestelle der Universität D res lau teilt mit: Am Montag, kurz nach 11 Uhr, sam- m-olle fich wieder eine Gruppe Studierender auf dem Korridor des ersten S.ockes der Universität, fing an zu singen und „Cohn, heran s!' zu schreien. Als sich dieiTlnruhestifter auf die Aufforderung des Rektors nicht entfernten, wurden ihnen die Erkennungsmarlen mit H lse der Polizei abtzcnommen. Der Tlnterricht touroe nut ln der Zeit von 11 bis 12 Tlhr gestört.
Flugzeug im Schnecsturrn brennend abgestürzt. — Zwei Tote.
Bei Bernarbsville (Neu-Jersey) stürzte im Schnee st urm ein Flugzeug brennend ab. Die beiden Insassen, zwei Offiziere der Nationalgarbe, erlitten tödliche Brandwunden.
Vier Kinder ertrunken.
Auf dem Lorsdeich in Corallischken (Kreis Memel) brachen sechs Kinder durch die dünne Eisdecke. Vier Kinder ertranken, die übrigen beiden konnten mit Mühe gerettet werden.
Schlagwetterexplosion in Belgien. — Sechs Tote.
In der Kohlengrube Samte Marguerite bei Perönnes in der Provinz Hcnncgau ei eignete sich ein schweres Unglück, verursacht durch schlagende Wetter. Sechs Bergleute wurden getötet.
Hungersnot in Chile?
Britischen Meldungen aus Santiago de Chile, zufolge herrscht in Die.en Bezirken Chiles, namentlich in den Salpeterprovinzen, große Hungersnot. 3n einzelnen Stödten sei kein Zucker erhältlich. Diele Menschen, darunter auch zahlreiche Kinder, seien vor Hunger gestorben. Zn einzelnen Städten sei es zu Ardeiterkundgebungen gegen die Regierung gekommen.
sieht nur ein verblüffendes Wirbeln bes weißen Menschen, ein breifaches Sichüberschiagen in ber Luft, zwischen zwei Trapezen, im Bruchteil einer Sekunbe, und der weltberühmte Salto ist geschehen.
Er gelingt, man soll es nicht verschweigen, keineswegs immer im ersten Anflug. Dann fällt Alfredo ins Netz, in das er zahllose Male gestürzt sein wird, ehe dieser Trick gelang, richtet sich etwas ver- roirt auf unb beginnt von neuem. Nicht minber erregend und schön aber sind bie Äugend.icke ber Piroutten, wenn sie sich breimal um ihre Längsachse schwingen — von einem Trapez zum anderen zurückzukehren. In solchen Momenten schreit bas Publikum auf unb klatscht bann wie besessen, unb am Enbe will ber Jubel kein Enbe nehmen. Die Leute ahnen bunkel, daß sie in diesen zehn angespannten Minuten etwas Traumhaftes in menschenmöglicher Vollenbung erlebt haben: bie Uebermin» bung bes Raums unb bas Fliegen aus eigener Kraft. nn.
Zeitgenössische Anekdote.
Twn Charlie Roellinghofs.
Zum Notar kamen die beiben Herren A und B gegangen. Also sprechen sie:
„Herr Notar. Hier sind hunbert Mark. Die sollen Sie aufdcwahren, so lange, bis wir sie zurückverlangen. Aber Sie dürfen bie hunbert Mark nur uns beiben geben, nicht etwa einem von uns allein."
Der Notar nimmt bie hundert Mark in Verwahrung. Es verstreichen ber Wochen zwei, als sich auch schon Herr A beim Notar einfinbet unb bie hundert Mark fordert.
„Ich kann sie Ihnen allein nicht geben, Herr Al Bringen Sie Herrn B wieder, und ich will gern auszahlen."
„Der B steht unten", sagt Herr A, „er hat ein lahmes Bein und kann nicht heraufkommen!"
„Nun, das ist etwas anderes", meint der Notar, „da will ich Ihnen die hundert Mark gern geben. Bitte recht sehr!"
A nimmt den Schein und verschwindet so gründlich, daß ihn kein Mensch finden kann. Wieder vergehen der Wochen zwei, und da meldet sich Herr B beim Notar:
„Ich möchte gern die hundert Mark haben, Herr Notar!"
„Was macht Ihr Bein!?" fragt der Notar.
„Was soll mein Bein machen? Lassen wir die Scherze, mein Herr, wo sind die hundert Mark!?"
„Die hundert Mark habe ich vor zwei Wochen Herrn A ausgezahlt!"
Da ging denn Herr B zum Gericht und verklagte den Notar.
Der Richter beroch den Fall und sprach zum Notar:
„Der Fall liegt ganz klar. Abgemacht war, daß Sie hundert Mark nur ben Herren A unb B zu-' sammen auszahlen bürsten. Sie gaben sie aber Herrn A allein!"
„3a", sagte ber Notar, „nur btefe hunbert Mark waren nicht die hundert Mark, die ich von den Herren bekam. Es waren andere hundert Mark — aus meinem Prioatverrn igen!"
„So, so", sprach der Richter, „bann haben Sie also bie hunbert Mark ber Herren A unb B noch?"
„Aber ganz gewiß!" versicherte ber Notar.
„Nun denn, — dann geben Sie sie doch Herrn B hier!"
„Herzlich gern", sagte der Notar, „sowie Herr A kommt!" ...
Halsbandgeschichie.
Daß nur wenige Leute echte Perlen von künstlichen unterscheiden können, lehrt die Geschichte von zwei Perlenhalsbändern, die sich kürzlich in Paris zugetragen hat. Die „Heldin" ist eine amerikanische Dame, die eine Reise nach Frankreich unternahm. Eine Pariser Freundin riet ihr, das sehr wertvolle Pcr.enhalsband, das sie besitzt, nicht mitzubringen, soniern sich eine Imitation anfer- tigen zu lassen. Die Amerikanerin befolgte diesen Wink, ließ die Kopie Herstellen, und nachdem sie beide in Augenschein genommen hatte, hielt sie für den sichersten Ort, an dem der echte Schmuck während ihrer Abwesenheit untergebracht werden ßjnnte, den Safe einer Reuhorker Bank. Zn Frankreich trug sie ihr Perlenhalsband bei jeder Gelegenheit, ließ es achtlos auf ihrem Toilettentisch im Hotel Herumliegen und behandelte es so unvorsichtig, daß die Schnur riß. Der Schmuck mußte daher zu einem Pariser Juwelier gegeben werden. Kaum hatte dieser die Perlen gesehen, da ries er aus: „Aber das siick» ja echte Perlen, Madame, und zwar sehr schöne!" Die Amerika- nerin schüttelte ungläubig den Kops und wollte das nicht glauben, bis sie Rachforschungen airgestellt hatte. Schließlich mußte sie sich davon überzeugen, daß das künstliche Halsband die ganze Zeit über ruhig in ^er Stahlkammer der Reu- Yorker Bank gelegen hatte.
Zeitschriften.
— „Das I n s e l s ch i f f", Zeitschrift für bie Freunbe bes Insel-Verlags, Weihnachten 1932. — Als Einleitung lieft man — zum sechsten Todestage von Rainer Maria Rilke am 29. Dezember — bie schönen unb noch heute gültigen Worte, bie Heinrich .Ebuarb Jacob seinerzeit unm.ttelbar nach dem Hin- scheiben bes Dichters nieberschried. Ein sttlles Prosa- stück von Carossa ist bcm Versuch einer Lebensübersicht entnommen unb schilbert einen Tag im Kriege, an ber Ostfront. Timrmtmans hat zu den entzückenden Photos aus seiner Laterstabt Lier einen besinnlichen Text geschrieben. Ein sehr interessanter Aufsatz von Albington über ben englischen Dichter D. H. Lawrence. Gebichte vom Kleistpreisträger Billinger. Proben aus Neuerscheinungen bes Insel-Verlags: aus bem hier' schon früher erwähnten Spieler-Buch von (Tonte (Torti unb aus ben kaukasischen Novellen von Robakibse.
— Die „Deutsche Zeitschrift" (Callwey, München) bringt u. a. einen ausführlichen „Bücherbrief' von Paul Alverbes, ber burch einen Aufsatz über „Nvrbische Erzähler von Fritz Endres und eine Uederficht über neue gute Gcschichtsromane von Hans Böhm erweitert wird. Des 300. Geburtstages von Spinoza gedenkt Erich Brock. Von dem schmcdi- schen Dichter Jarl Hemmer wird die „Geschichte bes kleinen Johannes", von Per Hallström bie Erzählung „Ein Dichter" bargeboten, indes Hans (Tavoffa unter der Uederschrift „Ein Tag im Kriege" von einer eindrucksvollen Begegnung mit Max Mell berichtet. Zum „Freiwilligen Arbeitsdienst" nimmt H. Herrigel Stellung. Berichte über Musik, Theater, Film, neue Schallplatten; einige Bilder nach Werken von Otto Herbig sowie Abbildungen neuer Einfamilienhäuser bereichern das Heft.
_— „M utter und K i n d", Zeitschrift für Ernährung, Pflege unb Erziehung bes Kindes. Verlag Elwin Staude, Osterwieck a. H. Vierteljährlich (drei Hefte) 1,6k RM. einschließlich Porto. — Der Weihnachtszeit angepaßt, bringt das Dezemberheft eine Reihe interessanter Beiträge, die durch zahlreiche Bilder erläutert werden. Eingeleitet wird das Heft durch einen Artikel von Dr. P. Martell über „Weihnachtsbräuche". Beiträgen wie „Ich werde Mutter, ..Kurze Winke für sparsame Mütter, „Das schlaflose Kind", „Von Nürnberger Pfefferkuchen, Gesundheitsschutz und Säuglingsversicherung", „Hausmusik". „Kind und Buch", „Kleine Mißgeschicke" usw. dürste eine junge Mutter manche gute Anregung entnehmen.


