Ausgabe 
13.12.1932 Erstes Blatt
 
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Polen über das Genfer Ergebnis peinlich überrascht.

Warschau, 12. Dez. (TU.) Die Überschriften der Blätter über den Meldungen aus Gens zuin Ergebnis der Fünfmächtekonferenz lassen erkennen, wie sehr die seit langem befürchtete Gleichberechti» gung für Deutschland in Polen überrascht hat. Schon jetzt wird darauf hingewiesen, daß diese Gleichberechtigungohne Sicherhettsbürg- schäft" gegeben worden sei, was eine n t s ch i e - denes Nachgeben zu Gunsten Deutsch­lands" bedeute. Das, was eines der Endziele hätte sein sollen, so sagt der nationaldemokratische Kurier Warszawski", sei nun gleich zum füh­renden Grundsatz geworden so wie es eben Deutschland gewünscht habe. Die Gleichberechtigung Deutschlands sei in einer vollkommen konkreten und desinttiven Form zugesprochcn worden, weil die Sicherheitssrage erst in einem gemeinsamen System berücksichtigt werden solle, das in der kommenden Llbrüstungskonvention Ausdruck finden werde. Darin liege ein entschiedenes Zugeständnis zugunsten der deutschen These. Herr v Neurath habe in Genf einen vollen Erfo.g gehabt.

Wiederaufnahme der diplomatischen deztehungen zwischen China und Rußland. Genf, 12. Dez. (TU.) Die divlomatischen und konsularischen Beziehungen zwischen China und Sowjetrußland sind nach jahrelanger Un­terbrechung am Montag wieder in nor­maler Weise ausgenommen worden. Zwt- Id)en Litwinow und dem chinesischen Gesandten Jen fand ein schriftlicher Notenaustausch tatt, in dem die beiden Regierungen erklären, daß ie im Interesse der friedlichen Beziehungen zwischen >en beiden Völkern beschlichen, die vor einigen Jahren unterbrochenen normalen diplomatischen und konsularischen Beziehungen wieder in ool- lem Umfange oufzunehmen.

Volkskommissar Litwinow übergab der Presse eine Erklärung, in der gesagt n>irt>, daß die Politik der Sowjetunion die Aufrechterhaltung normaler Beziehungen mit allen Staaten gebiete und den Abbruch von Beziehungen nicht als ein angemesse­nes Mittel zur Regelung internationaler Fingen betrachte. Rach einem Hinweis auf die große Sylw vathie, die die Sowjetunion für China und seine Gleichberecktiyungsbestrebun- gen hege, wird in der Erklärung zum Schluß be­tont. das; die Sowjetunion durch keinerlei geheime politische Kombinationen und Abmachungen gebunden sei und daß infolgedessen die Verbesserung ihrer Beziehungen mir einem Lande nicht die Verschlechterung ihrer Beziehungen zu einem anderen bedeute.

Führertagung desSiahlhelms

Ltralfund, 11. Dez. (XU.) Auf einer von über 250 Führern besuchten Tagung deS Stahlhelm in Stralsund erklärte der Bundeskanzler deS Stahl­helm, Major a. D. Wagner, durch den Rück­tritt der Regierung Brüning sei di« Bahn für eine echte nationale Revolution staatsmännischer Art im Sinne des Stahlhelm frei geworden, bringend warnte Major Wagner davor, der gegen den Adel betriebenen Hetze zu unterliegen. Der preu- hische Landadel stelle die geborene Fuhrerschicht dar. Zu raten bleibe, den f re iwt l i g e n Är- beitesdienst in soldatische Hand zu geben, ihn vom Arbeitsmirristeriuin zu lösen, dem Reichskanzler zu unterstellen Schlei, cher verstehe es in seiner gewandten Art, eine Menge von Schwierigkeiten und auch viel Kritik beiseite zu räumen. Seine augenblicklichen Maß- nahmen stimmten aber, wenn sie echt seien, be­denklich Seien sie dagegen, was bei Schleicher nicht unmöglich erscheine, nur Tarnung, dann stehe ihm die Krast des Stahlhelm zur Verfügung. An­zustreben bleibe stets eine nationale öppofition. Zum Schluß wies der Redner noch aus die Agitation der Polen in Schweden

Die feierliche üeberreichung der Aobelpreise in Stockholm.

König G u st a v V. von Schweden überreicht dem diesjährigen Träger des Nobelpreises für Chemie, Dr. Irving L a n g m u i r (USA.), die Verleihungsurkunde. Ganz links. Kronprinz G u st a o Adolf von Schweden, seine Gattin und (hinter dem König) seine Schwiegertochter Prinzessin Sybille

hin, der mit dem Hinweis auf die Verwandtschaft Schwedens mit Deutschland durch Germanentum und Protestantismus planmäßig zu begegnen, dringend notwendig erscheine.

Die Vereinigten Vaterländischen Verbände fordern Einstellung des

Parteikampfes.

Berlin, 12. Dez. (TU) Die Vereinigten Baker- ländischen Verbände Deutschlands geben als Ergeb­nis der Sitzung ihres Gesamtvorftandes am 10. De­zember 1932, an der auch die Vertreter anderer großer vaterländischer Verbände teilnahmen, be­kannt:

Das neue Kabinett, ob es uns gefällt oder nicht, werden wir lediglich nach seinen Taten beurteilen. Das mutige und geschickte Auftre- t e n unseres Außenministers begrüßen wir. Die außenpolitische Lage, die Not und Sorge der meisten Familien und die Erregung der um Arbeit und Lebensziel ringenden Jugend gebie­ten Einstellung des inneren Partei- kampfes. Wir drohen an der Selbstsucht der Parteien zugrundezugehen. Dies zeigt nichts deutlicher als die Entwicklung der einst von uns begrüßten nationalsozialistischen Bewegung zu einer Partei, deren Reichstags- raktion der Begnadigung von Landesverrätern zu- timmte. Neuwahlenkämpfe, Krise und Ag tation ind das letzte, was wir brauchen. Wir fordern da­gegen alle Einsichtigen auf, s i ch zusammen­zuschließen zu geistiger, sittlicher und staatlicher Erneuerung und zu einmütigem Kampf gegen die bol chewIstische und polnische Ge­fahr."

Eine Erklärung des Abg. Goebbels.

Berlin, 12. Dez. (TU.) DerAngriff" veröffentlicht folaende Erklärung Dr. Goeb- bels.3m Kommentar desAngriff" vom 9. Dezember, erst« Ausgabe, zu dem Urlaub des P.-G. Straßer waren einige taktloseBe- merkungen enthalten, die nicht m e i n e Bil­lig u n g fanden. Da ich am ganzen Tag vorn frühen Morgen an im Reichstag beschäftigt war, habe ich sie erst zu Gesicht bekommen, als sie leider schon gedruckt waren und sofort veranlaßt, daß sie in der zweiten Ausgabe wegblieben. Dem dafür verantwortlichen Schriftleiter habe ich eine scharfe Rüge erteilt.

Die in der gegnerischen Presse daran geknüpften politischen Kommentare gehen damit, vor allem soweit sie meine Person betreffen, von falschen Voraussetzungen aus und sind in jeder Beziehung irrig. Ich betone, wie so oft schon nun noch einmal zu allem Ueberfluh, daß ich in der Partei keine besondere Rich­tung vertrete. Es gibt bei uns überhaupt nur eine Richtung und das ist die, die der Führer bestimm t.

Oie Arbeitsbeschaffung.

Besprechungen beim Reichskommissar.

Berlin, 12. Dez. (WLB ) Der R e i ch s k o m- missar für Arbeitsbeschaffung emp­fing heute den Präsidenten des Reichslandbundes Gras K a l ck r e u t h, sowie mehrere Herren des Reichslandbundes und besprach mit ihnen die Frage der Arbeitsbeschaffung im Zusammenhang mit der Lage der Land­wirtschaft. Am Rachmittag waren die Ver­treter aller Richtungen der Gewerkschaften bei dem Reichskommissar zu einer Aussprache über das ArbeitsbeschajfungSprogramm und die Wünsche der Gewerkschaften. Dabei wurde von allen Vertretern der verschiedenen Organisationen d e Ro wend g e t der beschleu­nigten Durchs ührung eines öffent­lichen A r be i t s be s ch a f s un as - Pro­gramms zu normalem Lohn unterstrichen.

Ein neues Direktorium der faschistischen Partei

Rom, 12. Dez. (WTB.) Mussolini hat heute ein neues Direktorium der Faschistischen Partei ernannt. Die bisherigen Bizesekretäre der Partei, Professor M a r p i c a t t und Abgeord­neter Rechtsanwalt Adtnolfi, sowie der Der- waltungssekretär Abgeordneter Ma r i n e l l t wur­den in ihren Aemtern bestätigt. Neu ernannt wurden Professor Deffenu, Dr. Pavolini, Dr. P e r o t t i, Rechtsanwalt Serena, Ingenieur M a r t i g n o n I und Professor Spizzi Auffallend ist der neuerliche rasche Wechsel im Partei­direktorium, der allerdings dem von Mussolini immer energischer vertretenen Grundsatz entsvrichi, die wichtigen Posten nicht lange In Ben­fe l b e n Händen zu belassen.

Aus aller Welk.

Der erste ungarischepsennigtauschzug" in Berlin.

Auf dem Berliner Bahnhof Friedrichstraße traf dieser Tage der ersteP s e n n i g t a u f ch z u g" mit rund 4U0 Ungarn ein; darunter befanden sich meh­rere General«, hohe Staats- und Kommunatbcamte, e Polizeiofsiziere mit ihrem Kommandeur, die

Hamburger Kollegen einen Besuch abstatten werden, der Chef des Budapester Verkehrsamtes und der Chef der Feuerwehr. Die Pfennigtaujch- züge find eine Erfindung des Leiters des ungari­schen Handels- und Verkehrssenates, Dr. Basar- h e l n t. Ihn wurmte es, daß die Devisenbestimmun- gen oer beiden Länder den für die wirtschaftlichen und freundschaftlichen Beziehungen so w chugen Be­such auf Gegenseitigkeit unmöglich machten. So kam er auf den Gedanken, daß die Ungaren die Reise der Deutschen in ihrem öanbe bezahlen und umgekehrt. Aus diesemPfenn gtausch"°Wege bleibt das Geld im Lande und bringt uns überdies liebe Gäste. Die Ungarn besuchten den Weihnachtsnuirkt der Berliner Künstler; außerdem sind Besichtigun­gen und Empfänge vorgesehen.

Schrecklicher Tod eines Kindes.

In Bruchweiler bei Idar (Nahe) trank das zwei­einhalb Jahre alte Töchterchen der Familie Hart­mann in einem unbewachten Augenblick aus einer Kaffeekanne den darin befindlichen heißen Kaf­fee. Das Kind erlitt schwere innere Verletzun­gen und mußte in das Krankenhaus gebracht wer­den, pro es unter schrecklichen Qualen gestorben ist-

Geldschrankeinbruch in der Teupitzer Stadkkafse.

Mehrere Geldschrankknacker versuchten In der Nacht zum Dienstag Im Gebäude der Stadtkass« in Teupitz einen Geidfchrank aufzuknacken. Als sie von zwei Beamten der Gemeindcpolt- zei Überrafcht wurden, eröffneten sie sofort ein Schnellfeuer auf die Beamten, die das Feuer erwiderten. Einer der Beamten erhielt einen Schulterschuß. Die Einbrecher entkamen unter Zurücklassung ihres Werkzeuges In einem Auto in Richtung Berlin.

Wettervoraussage.

Noch immer hat das östliche Hochdruckgebiet kon­tinentale Luftzufuhr fortbestehen lassen und die ozeanische Störungstätiakeit von dem Festland fern- geha.ten. Da aber bei Island ein ziemlich kräftiges Tief erschienen ist, das bei seinem östlichen Weiter- zua den hohen Druck über Skandinavien weiter aboaut, so wird damit auch bei uns ein Drehen der Winde über Süden mehr nach Westen zu statt- finden. Die bereits in der Hohe über uns lagernde Warmluft wird bann durch ozeanische Lust unter­stützt und kann ihren Einfluß nach dem Boden zu geltend machen Der starke Frost nimmt also von der Höhe nach den Tallagen ab, und die Tempera­turen kommen tagsüber schon über den Gefrier­punkt zu liegen. Dabei entstehen neben Dunst- und Wolkenbildungen auch Niederschläge, die zunächst als Schnee auftreten und wahrscheinlich später in Regen übergehen werden.

Aussichten für Mittwoch: Abschwächen­der Nach.frost, zwischenzeitlich aufklarend, dann dun­stig und bewölkt, Neigung zu Niederschlägen.

Aussichten für Donnerstag: Fortschrei­tende Milderung, vielfach bewölktes Wetter, ver­einzelte Niederschläge.

Lufttemperaturen am 12. Dezember: mittags 2,6 Grad Celsius, abends 4,2 Grad; am 13 Dezember: morgens4,8 Grad. Maximum2 Grad, nächt­liches Minimum6 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 12. Dezember: abends1,8 Grad; am 13. Dezember: morgens2,5 Grad. Sonnen­scheindauer 5% Stunden.

(Schluß des redaktionellen Teils.)

Der haushalt von heute stellt an die Hausfrau besonders hohe Anforderungen, denn das Sparpro­gramm macht auch vor der Küche nicht halt, und es heißt mehr denn jeauskommen mit den vorhande­nen Mitteln" Als wahre Freunde erweisen sich auch jetzt die bewährten Maggi^Erzeugnisse. 8797A

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Bekanntmachung.

In unser Handelsregister, Abteilung B, wurde am 6. Dezember 1932 bei der Firma Dampssägewerk Lollar B. Nuhn, Aktien­gesellschaft, in Lollar folgendes einge­tragen: Die Generalversammlung vom 2. August 1932 hat die Herabsetzung des Grundkapitals um 105 000 RM. beschlos­sen; die Herabsetzung ist durchgeführt. Durch dieselbe Generalversammlung ist die Erhöhung des Grundkapitals um 50 000 Reichsmark durch Ausgabe von 50 In­haberaktien zu 1000 RM. beschlossen wor­den. Das Grundkapital beträgt jetzt 155000 Reichsmark. Balthasar Nuhn ist aus dem Vorstande ausaeschieden und Kaufmann Hermann Schelm in Lollar zum allein vertretungsberechtigten Vorstandsmitglied bestellt worden. 8799V

Gießen, den 8 Dezember 1932.

Hessisches Amtsgericht.__________

Becanftoltungen imJoDre 1933

Wir ersuchen, alle für 1933 vorgesehenen Veranstaltungen (Kongresse, Tagungen, Ausstellungen, besondere Sport- und Ber- elnvveranstaltungen) dem Städtischen Ver­kehrsamt, Stadthaus Bergstraße, fchrift- lich oder miinhlid) (Fernsprecher 2851) baldmöglichst mitzuteilen. 8800C

Gießen, den 10. Dezember 1932. Bürgermeisterei Gießen (Verkehrsamt).

I. V.; gez. Dr. Ham m.

Bekanntmachung.

Bei der am 4. Dezember finttnefun- denen Borstands- und Beiratdwaln wur­den nachstehende Herrett gewählt:

a) In den Borstand: Latin Josef;

b) In den Beirat: Kaufmann Leovold Blum, Lehrer Bernhard Klein, Kaufmann Manfred Rosenbaum.

Dao Protokoll und die Anlagen liegen drei Tage lang oüf deut Büro deS Unter­zeichneten offen.

Einwendungen gegen die Wahl und gegen die Person der Gewählten können tvährend der JDffenleguttgdfrift bei dem­selben vorgebracht tuerben. 8815D

Gießen, den 13. Dezember 1932.

Israelitische Ncligionögesellschaft Gießen.

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