langen. Er konnte auf diese Weise bis in Vorhalle des Schlosses vordringen, wurde er jedoch angehalten. Ec erklärte auf, öafj er den ehemaligen deutschen Kaiser
d i e Dort dar- spre-
würdigen Vorfall in Zusammenhang gebracht, der sich bereits am Sonntag ereignete. Als am Sonntag ein Kraftwagen durch das Außentor der Besitzung, an dem sich stets zwei holländische Landjäger aufzuhalten pflegen, hindurchfuhr, gelang es einem fremden Wann, hinter dem Automobil unbemerkt durch das Tor zu jchlüp- f e n und fo in den dahinter liegenden Park zu ge
troffen. Der deutsche und der französische Botschafter hatten sich zu seiner Begrüßung auf dem Bahnsteig eingefunden. Macdonald ist in ausgezeichneter Stimmung zurückgekehrt. Auf die vielen Glückwünsche, die ihm wegen des Ergebnisses der Fünfmächtekonferenz ausgesprochen wurden, erklärte er: „Es ist zwar ein tüchtiges Stück Arbeit gewesen, aber wir haben es Gott fei Dank geschafft. Das ist nun der zweite Schritt!".
Reurach wieder in Berlin.
Berlin, 12.Dez. (TU.) Reichsauhenminister Freiherr von Reurath ist Montag um 15.51 Uhr mit dem fahrplanmäßigen Zuge von Genf kommend in Berlin eingetrossen.
A m st e r d a m , 12. De;. (TU.) Am Montag ereignete sich im Haufe Doorn ein Aufsehen erregender Zwischenfall. Ein Unbekannter war über die Gartenmauer geklettert und hatte sich Eingang in das Schloß verfchafft. Als er von einem Diener in einem neben dem Arbeitszimmer des Kaisers liegenden Turmzimmer entdeckt wurde, versuchte er zu flüchten, wurde aber überwältigt und der im Schloß befindlichen Polizeiwache übergeben. Bei einer Durchsuchung des Mannes fand man ein langes Dolchrneffer fowie eine Pistole. Offenbar hatte der Mann, bei dem es sich um einen deutschen S t a a t s a u g e h ö r i g e n handeln soll, die Absicht, einen Anschlag auf den Kaiser zu verüben. Die Dienerschaft des Schlaffes will den Unbekannten schon seit einigen Tagen in der Umgebung des Schlosses beobachtet haben. Er scheint eine günstige Gelegenheit abgepaßt zu haben, um seinen Plan auszuführen.
Es ist noch nicht aufgeklärt, ob es sich um ein planmäßig vorbereitetes Attentat, oder um die Tat eines Unzurechnungsfähigen handelt, oder ob man es mit einem bloßen Einbruchsverfuch zu tun hat. bei dem sich der Täler bewaffnete, um einer Festnahme gewaltsamen widerstand entgegensetzen zu können. Allerdings spricht der Umstand, daß der unbekannte Eindringling sich schon vor mehreren Tagen in Doorn aufgehalten Hal, in der offenbaren Absicht, die örtlichen Verhältnisse genau kennenzulernen, und eine günstige Gelegenheit zur Durchführung feines Vorhabens auszukundschaslen, mehr für eine planmäßige Vorbereitung. Bedenklich mutet an, daß der Eindringling bis in ein Turmzimmer gelangte, das sich ganz in der Nähe des Arbeitszimmers des Kaisers befindet, ehe er entdeckt und überwältigt werden konnte.
Der Zwischenfall wird mit einem anderen merk-
Mordanschlag auf das Leben Kaiser Wilhelms geplant? Eine seltsame Derhastung im Haus Doorn. - Geisteskranker oder Verbrecher?
chen müsse. Als man ihn aber für einen Gei- ffesfranfen anfafj, wurde er der Polizei übergeben. Als diese jedoch den häfiling, der deutsch sprach und augenscheinlich ein deutscher Staatsangehöriger war, nach einiger Zeit wieder auf freien Fuß fetzte, erklärte er, daß er bald wieder ; u - rückkehren werde. Diese Ankündigung, die man anfangs nicht allzu ernst nahm, ist wahrscheinlich von dem Manne jetzt verwirklicht worden.
Oer Eindringling ein Geisteskranker?
Doorn, 13. Dez. (ERB. Funkspruch.) Der in Haus Doorn festgenommene Eindringling hat der Polizei mitgeteilt, daß er Feder heiße und aus Dormagen (Rheinprovinz) stamme; sein Alter hat er mit 33 Jahren angegeben. Der Mann war gut gekleidet und macht äußerlich keinen ungünstigen Eindruck. Er wurde nicht im Hause selbst, sondern am Hellen Nachmittag im Park von einem Bediensteten festgenommen und auf die Wache gebracht, wo er erklärte, daß er sich mit dem Revolver durch Luftschüsse habe bemerkbar machen wollen, falls er den Kaiser im Park getroffen hätte. Den Dolch habe er bei sich geführt, um gegebenenfalls einen Wachhund unichädlich machen zu können. Der Mann machte einen geistig nicht normalen Eindruck.
schen Gleichberechtigung vollzogen werden müssen. Dieser Grundsatz ist jetzt ausgestellt. Pertina? erweist uns im »Echo de Paris" die Gefälligkeit, jeden Zweifel an dieser Tatsache auszuräumen: „Die Anerkennung der Gleichberechtigung ist nicht mehr eines der Ziele der Konferenz, wie Herriot noch am 6. Dezember verkünden ließ, sondern sie ist jetzt eine der Grundlagen der Konferenz geworden. Sie ist also n i ch t m e h r d e r E n d p u n k t s o n d e r n der Ausgangspunkt." Man sollte sich nut diesem Zeugnis begnügen und nicht durch allzu enge Auslegung einen Fortschritt verkleinern und dadurch in der Tat gefährden.
Macdonald wieder in London.
London, 12. Dez. (WTB.) Ministerpräsident Macdonald ist um 16 Uhr in London einge°
Aufrüstung auf den Stand der anderen Stau- ten ausdrücklich nicht anerkannt wird, folge die Frage, wie die deutsche Gleichberechtigung praktisch erreicht werden solle. Das Abkommen ergebe auf der einen Seite die Tatsache, daß Deutschland wieder bereit sei, an der Abrüstungskonserenz teilzunehmen, und auf der anderen Seite keinerlei Tatsache, aus der die Hoffnung zu entnehmen wäre, daß Deutschlands Schutzlosigkeit in absehbarer Zeit ein Ende nehmen wird.
Oer „Völkische Beobachter" zum Genfer Ergebnis.
München, 12. Dez. (TU.) Zu der Genfer Einigung schreibt der „Völkische Beobachter" unter der Ueberschrist „Jetzt beginnt e r st der Stampf um b i e wirkliche Gleichde > r e d) t i g u n g" u. a.: Bei einer flüchtigen Kritik müsse sestgestellt werden, daß Freih. v. Neurath die unzweideutige Anerkennung der Gleichberechtigung nicht erreicht habe. Die verklausulierte Erklärung, die zwar die theoretische Anerkennung unserer Forderung enthalte, die aber noch non den übrigen Konferenzstaaten anerkannt werden müsse, sen nicht das, was man erwartet habe. Schon die nächsten Beratungen auf der Abrüstungskonferenz; würden nun zeigen müssen, ob es Neurath gelinge, diese Aner- tennung in den tatsächlichen Beratungsergebnissen durchzusetzen und die zu er- wartenden französischen Ablenkungsmanöver zu durchkreuzen., Der zweideutige Wortlaut der Entschließung gebe jedenfalls den französischen Aus- lcgungskünsten volle Auswirkungsmöglichkeit und verpflichte den deutschen Vertreter zu h ö ch st e r Bereitschaft. Nur in einem wird dem Verhalten Neuraths zugestimmt, daß er auch für das entwaffnete Oesterreich, Ungarn und Bulgarien ge handelt habe.
(Erldjeint täglich, aiifoei Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat an Bild Die Scholle
Monatsvezugsvreir: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. , -.25 Auch bet Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt.
.Hernfprechanschliisse unter Sammelnummer 2251. Anschrift tür Drahtnach- richten: Anzeiger Gießen.
Postscheckkonto:
Jranlftirt am Blain 11686.
Was sagt man in Deutschland zur Genfer Formel?
Berliner preffesiimmen zum Künfmächiepaki über die Gleichberechtigung.
Auch an der Voraussetzung braucht man sich nicht zu stoßen, daß die Gleichberechtigung in einem System verkörpert werden soll, das allen Nationen Sicherheit bietet. Wenn die Franzosen in der Versteifung auf ihre bekannte Sicherheitsthese Schwierigkeiten machen wollen, so könnten wir nun durchaus unsere besonderen Sicherheitsforderungen den französischen entgegenstellen, und dann hätten wir vielleicht die wirksameren Argumente: das entwaffnete und in seinen Grenzgebieten entmilitarisierte Deutschland im Herzen Europas, umgeben von waffenstarrenden Nationen.
Die Schlacht ist noch nicht geschlagen! Aber wir gehen in den Cndkampf aus einer verbesserten Position. Die Bestimmungen des Versailler Vertrags forderten zwar auch die allgemeine Abrüstung. Aber es war nicht ausgesprochen, daß sie im Rahmen der beut*
einer Schlacht, die der europäische Friede gewonnen habe.
Oie Oeutschnationalen sind skeptisch.
(Gefahren und Lücken des Genfer Pakts.
Berlin, 12. Dez. (CAB.) 3n einem Kommen- tar zu dem Genfer Fünsmächteablommen wenden sich die Mitteilungen der DAVP. dagegen, daß die Wiederbeteiligung Deutschlands an der Abrüstungskonferenz ohne den Vorbehalt einer tatsächlichenund nicht nur theoretischen Anerkennung der Gleichberechtigung zugestanden worden sei. In der Erklärung oer fünf Mächte sei, so heißt es dann weiter, ausdrücklich nur gesagt, daß „einer der Grundsätze, die die Konferenz leiten sollen", die Gleichberechtigung ist und daß „die Art und Weise der Anwendung dieser Gleichberechtigung" erst aus der Konferenz selbst erörtert werden soll. Das Versprechen Deutschlands, Streitfragen nicht mit Gewalt zu losen, könne von den Gegnern in eine Anerkennung des Status quo, ja sogar in ein Bekenntnis zu Ost-Locarno um= aefälfd>t werden. Wenn zum Schluß von den Mächten erklärt werde, man werde ein „Abkommen ausarbeiten, das eine wesentliche Herabsetzung und eine Begrenzung der Rüstungen herbeiführt, so sei dies platonische Versprechen nur von geringer Bedeutung.
Gerade hier sei der Zusatz zu vermissen, daß Deutschland abgerüstet habe und daß die Abrüstung der anderen Staaten auf einen der deutschen Rüstung entsprechenden Stand erfolgen müsse. Daraus, daß n'ch der französischen These die Abrüstung in Etappen erfolgen soll und daß das Recht Deutschlands zur
Der neue Start.
Bom Grundsatz zur Wirklichkeit.
Von unserer Berliner Redaktion.
Das monaielange Ringen um den Fortgang der Abrüstungskonferenz ist mit der Geburt einer neuen Formel beendet worden, die nach dem Urteil maß. gebender deutscher Stellen ausreicht, um uns die Rückkehr an den Konferenztisch zu ermöglichen. Genau genommen ist mit dieser Feststellung schon alles Wesentliche ausgesprochen. Die Formel ist e i n e Laufplanke, die über den bestehenden Abgrund gelegt worden ist, aber der Abgrund < s e l b st hüt sich nicht geschlossen. Die Staats- ' männer sind sich aber in der Kennzeichnung der l Kluft einig geworden. Man darf sich also nicht । darüber hinwegtäuschen, daß aus dem Wege von der grundsätzlichen Anerkennung bis zur tatsächlichen Verwirklichung der deutschen Gleichberechtigung noch schwere Kämpfe geführt werden müssen. Diese Erkenntnis darf aber nicht dazu fuhren, daß aus irgendwie innenpolitisch gefärbten Gründen ein unbestreitbarer außenpolitischer Fortschritt verkleinert wird. Solche Kritik kann zu einer nationalen Gefahr werden. Wenn in der deutschen Oessentlichkeit die Bedeutung der Genfer Kontor- diensormek herabgesetzt wird, wenn wir f e 1 b ft aus ihr weniger herauslesen als wir vor der Rückkehr in die Abrüstungskonferenz erreichen mußten, fo geben wir ja in den kommenden schweren Verhandlungen der andern Seite die Argumente in die Hand. Dann kann man in Genf dcr Auslegung der deutschen Unterhändler und der deutsche" Regierung mit dem Hinweis gegenübertreten, daß sie über die Interpretation i । maßgebenden Kreisen der deutschen Oeffent- lichkeit hinausgehe m
Es muß also bis zu einem hohen Grade für das außenpolitische Zusammenwirken von Regierung und Oessentlichkeit der Grundsatz gelten, daß Vereinbarungen, die noch nichts Endgültiges dar- stellen, sondern Ausgangspunkt weiterer Verhand- [ungeii sein wollen, in ihrer materiellen Bedeutung eher aufgebauscht als verkleinert werden müssen. Nur so gibt man dem Diplomaten an der Verhandlungsfront die Möglichkeit, mit dem Hinweis auf die Stimmung in der Heimat in große Enttäuschung auszubrechen, wenn spätere Ergebnisse sich allzuweit von einer allgemeinen eigenen Auslegung entfernen.
Wir müssen uns aus diesen Gründen auf den Standpunkt stellen, daß nunmehr an der Anerkennung der deutschen Gleichberechtigung auf dem Rüstungsgcbiet kein Zweifel mehr sein kann. Die Auffassung der Regierung kann nicht stark genug unterstrichen werden, daß wir nach der Genfer Vereinbarung vom Sonntag völkerrechtlich einwandfrei die Möglichkeit gewonnen haben, den deutschen Rüstungsftand nach eigenem Er- messen zu bestimmen, wenn das Ergebnis der Abrüftungslonferenz nach unserer Auffassung die Gleichberechtigung nicht verwirklicht. Wir sind nur s o lange in unserer Bewegungsfreiheit eingeengt, wie die Verhandlungen der Abrüstungstonserenz das Zustandekommen einer allgemein gültigen und allgemein befriedigenden Abrüstungsko.rvention möglich erscheinen läßt, die an die Stelle des Teiles V des Versailler Vertrages zu treten hätte. Findet diese Hoffnung ihre Eriüllung nicht, kommt es nicht *u einer allgemeinen Abrüstungskonvention, die den anderen Wachten gleichartigen Zwang wie uns auferlegt, dann wird natürlich die Gleichberechtigung zur Rüstungsfreiheit.
Die deutsche Außenpolitik, die nach dieser Richtung im Ausland in letzter Zeit viel verdächtigt wurde, hat keinen Zweifel daran gelassen, daß ihr ein solcher Ausgang keineswegs erwünscht scheint. Sie erstrebt nicht die deutsche Ausrüstung, sondern die Nivellierung durch allgemeine Abrüstung. Nur • so ist der vierte Teil der Genfer Vereinbarung zu verstehen. Es ist ein Erfolg unserer Diplomatie, daß ! nicht nach dem englischen Vorschlag die Bestimmung in die Derständigungsformel ausgenommen ^wurde, nach der eine Aufrüstung irgend eines Staates unter keinen Umständen erfolgen dürfe. In diesem Falle hätte alle grundsätzliche Anerkennung und hatten alle schonen Versprechungen praktisch wenig Sinn gehabt. Die Franzosen hätten sich ganz nach ihrem Belieben Zeit nehmen können, in Zwischenlösungen von minimalem Ausmaß, die man zeitlich unendlich auseinander zu ziehen vermöchte, dem deutschen Ver.angen nach Schaffung eines Zustandes wirklicher Gleichberechtigung nur zum Schein nachzukommen. Wenn jetzt im vierten Teil der Genfer Formel ein Abkommen ins Auge gefaßt ist, das einer künftigen Revision unterzogen werden soll, so ist an keiner Stelle gesagt, daß Deutschland nicht auch schon für eine solche Zwischenlösu ng den Anspruch der Gleichberechtigung erheben kann. Schon ein solches erstes Abkommen muß in Ersetzung des Teiles V des Versailler Vertrags für alle otaaten gleichartige Verpflichtungen zur Einschränkung der Rüstungen enthalten. Wie weit wir dann unter Berücksichtigung unserer finanziellen Lage von den Möglichkeiten der Umrüstung Gebrauch machen wollen, das muß ganz uns überlassen bleiben. Wir würden wahrscheinlich bas Maß einer wiedergewonnenen Rüstungsfreiheit umso weniger ausfüllen, je mehr wir aus dem Verhalten der andern Mächte den Eindruck gewinnen, daß eine Zwischenlösung nur vorübergehenden technischen Schwierigkeiten des Abbaus Rechnung tragen soll, nicht aber einem unbedingten bösen Willen Tarnung zu geben versucht. Auf jeden Fall gibt uns bie Anerkennung der Gleichberechtigung ein st a r - les Druckmittel in der Richtung auf die allgemeine Abrüstung in die Hand, und das haben offenbar die englischen und amerikanischen Staatsmänner erkannt, als sie für diese Lösung arbeiteten.
Berlin, 12. Dez. (TU.) Die Berliner Blätter beschäftigen sich sehr ausführlich mit der Genfer Einigungsformel. Der „Angriff" (RSDAP.) spricht von einem faulen Korn p r omt h. Frankreich habe nach wie vor die Möglichkeit, die deutsche Gleichberechtigungsforderung durch entsprechende Gegenforderungen zu durchkreuzen. Sehr bedenklich mute auch der Teil IV der Erklärung an. Hätte Frankreich wirklich den heldischen Willen, zu einer allgemeinen und gleichen Abrüstung zu gelangen, so hätte es nicht der gegenwärtigen verklausulierten, von Unklarheit und Fußangeln durchsetzten Schlußerklärung bedurft. Man sei Deutschland äußerlich und in den juristischen Formulierungen etwas entgegengekommen, weil sich in der Tat herausgestellt habe, daß sich ohne Mitwirkung Deutschlands in der ganzen Abrüstungskonferenz praktisch überhaupt nichts erzielen lasse. Es wäre zu wünschen gewesen, daß die deutsche Vertretung sich der Stärke ihrer dadurch erzielten Position umfangreicher bewußt gewesen wäre, als dies anscheinend der Fall gewesen sei.
Die „D e u t s ch e Z e i t u n g" (alldeutsch) sagt, die Formel enthalte alles und nichts. Sie sei zweifelsfrei die gelungenste Mischung aller der Elemente auf dem Papier, d e sich in Genf unversöhnlich gegenüberstanden und sich auch weiterhin gegenüberstehen würden. Der Kampf müsse weiter gehen, älnsere Losung sei nicht Genf und nicht die Abrüstungskonferenz, sondern Deutschlands Recht auf den ausreichenden Schuh seiner Grenzen. — Der „Lokal - Anzeiger" (dtschnatl.) meint, tatsächlich müsse bei jedem einzelnen Punkt der Verhandlungen auf der Abrüstungskonferenz noch einmal um dieprak - tische Gleichberechtigung gekämpft wer. den. Die Genfer Vereinbarung bedeute daher nur eine theoretische Anerkennung der deutschen Gleichberechtigung. — „Der Tag" (dtschnatl.) stellt fest, daß in Genf der englische Standpunkt gesiegt habe. Die älnsicherheit der abgerüsteten Staaten solle bleiben. Die „Gleichheit der Rechts bedeute kern gleiches Schwertrccht. Wir brauchten keine Formel, sondern Sicherheit durch eigene Waffen. — Die „Kreuzzeitung" (Stahlhelm) wägt das I Plus und Minus ab und bezeichnet den Genfer Ausgang als einen deutschen Punktsieg, der aber erst noch in der Verhandlungspraxis der Abrüstungskonferenz zu festigen und auszubauen fei. Jede Beschränkung der Abrüstungs- und Sicherheitsdebatte auf das europäische Festland sei zu verhindern und der überall außerhalb Frankreichs anerkannte Grundsatz, daß die Sicherheit auch durch Abrüstung verstärkt werde, herauszuarbeiten. — Die „DAZ" (gern. Rechte) nennt das, was Reurath nach Hause bringe, einen Wechsel auf die Zukunft. Zum Freudentaumel oder gar zu der Behauptung über eine Erschütterung des Versailler Diktats liege leider kein Anlaß vor. 3m Gegenteil: Gerade Genf habe wieder bewiesen, wie fest die Klammern von Versailles um uns geschlossen seien. Deutschland habe eingelenkt, vielleicht einlenken müssen. Das sei alles. Hebet die Genfer Formel werde in acht Tagen fein Mensch mehr sprechen, wohl aber über die Rückkehr der deutschen Dertreter in die Kon- I ferenz. Von ihnen hänge nun das Weitere ab.
Die „Germania" (Zentr.) bezeichnet die Genfer Formel keineswegs als so eindeutig, daß sie jeder 3nterpretationskunst standhalten würde. Ader in den entscheidenden Punkten erlaube sie keine doppelsinnige Auslegung: Die Gleichberechtigung der zwangsweise entwaffneten Staaten wird als Grundsatz anerkannt. Führe die Konferenz zu einem positiven Ergebnis, so trete auch Deutschland in den vollen Genuß her vereinbarten Abrüstung und Angleichsmatznahmen. Scheitere sie, so gewinne auch Deutschland seine Verhandlungsfreiheit zurück, da der Abschnitt V des Versailler Vertrages zu bestehen aufgehört habe. Die historische Tragweite der Genfer Formel stehe damit unverrückbar fest.
Die „D o s s i f ch e Zeitung" (Dem.) sagt, jetzt beginne ein neuer Start der Abrüstungskonferenz. Es werde die Aufgabe des Deutschen Delegierten sein, die Regierungen immer wieder an die Einlösung des Versprechens zu erinnern, das sie den Volkern mit der Einberufung der Konferenz gegeben hätten. -- Der „Vorwärts" (Soz.) nennt das Ergebnis der Fünfmächtekonferenz eine Ve» Minderung der internationalen Spannungen insbesondere zwischen Deutschland und Frankreich. — Der „Dörsen-Courier" (Dem.) spricht von
llnnahme oon Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmitiag vorher.
preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Reklameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzvorschrift 20" , mehr.
Chefredakteur
Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für öen übrigen Teil Ernst Dlumschein undlür^enAn- zeigenteil i. D.TH.Kümmel sämtlich in (Biegen.
General-Anzeiger für Oderhessen
Cnld nnb Verlag: vrLhl'iche llnwerfilälr-vuch- und Steinöruderel H. Lange in Sieben. Schriftleitung und S-schäflsNell-: Schnütrab- 1.
nr 295 Erstes Blatt 182. Zahrgang ’ Dienstag, 15. Dezember 1952
Gießener Anzeiger


