s'cht gehabt, sobald er in Deutschland war. sofort unbemerkt 511 verschwinden. Als er aber erlebte. wie feierlich er empfangen und von einem zum anderen Empfang geschleppt, wie er von Ze i t u n g s r e p 0 r t e r n überlaufen wurde, Hobe er sich eines anderen besonnen. Man sei später wiederholt an chn heran- getreten, auch 23 0 r t r ä g e zu halten, d i e man lhm aufschrieb und die er auswendig lernen muhte. Hummel erklärte dazu: „Mir war die Lache schon lange zu dumm. Ich wühle aber nicht, wie ich aus der Geschichte herauskommen sollte." Leine Kenntnis über Afrika rührte daher, doh er sich eingehend mit einschlägiger Literatur beschäftigte und auch Ansichtskarten beschaffte.
Hummel hatte es in Endingen immer zu oer» weiden gewußt, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen Seine eigenen Verwandten in Endingen haben den angeblichen Doubmann niemals zu Gesicht bekommen. Wo er sich in der Oeffent- lichkeit zeigen mußte, wie z. B. bei der Empfangsfeier auf dem Marktplatz in Endingen. markierte er den körperlich und seelisch Zusammengebrochenen. Der Fall Doubmann hätte das Ausmaß nicht annehmen können, wenn nicht bestimmte Persönlichkeiten trotz mehrmaliger eindringlicher Verwarnung amtlicher Stellen sich des angeblichen Doubmann zu sehr angenommen hätten.
Die Ehefrau des Hummel erzählte einem Berichterstatter der Telegrophen-Union, daß Hummel mit i hrem Sparkassenbuch durchge °
gangen fei, worauf sie b i e Ehescheidungsklage eingereicht habe. Ihr Mann sei ein tüchtiger Schneidermeister gewesen. Not hätten sie nicht gelitten. Hummel hätte leidenschaftlich gern Kriminalromane gelef-en und Kriminal- filme gesehen. Seine Einnahmen habe er für sich verbraucht Bor der Flucht sei er sehr nervös gewesen. Eines Morgens habe er erzählt, daß er na ch Straßburg gehe, wo ihm eine gute Stellung angeboten worden sei. Allerdings müsse er Kaution stellen. Sie habe daraufhin für ihn das nötige Geld flüssig gemacht. Durch einen Wanderburschen seien ihr Ende Juni Briefe ihres Mannes aus Italien mit der Mitteilung überbracht worden, daß er bald zurückkehren werde.
Hummel wird sich Abschluß der Untersuchung vermutlich vor dem Freiburger Schöffengericht wegen Betrugs, Betrugsoersuchs, Urkundenfälschung. falscher Namensführung gegenüber Behörden sowie wegen Führung eines falschen Passes zu verantworten haben. Der Betrug ist zunächst darin zu erblicken, daß sich Hummel vom deutschen Konsulat in Neapel unter falscher Vorgabe die Fahrt nach Deutschland bezahlen ließ. Ein Betrugsoersuch liegt darin, daß Hummel als Oskar Doubmann einen Antrag auf Kriegsrentenoersorgung gestellt hat. Dieser mit Oskar Doubmann unterschriebene Antrag sowie verschiedene mit Oskar Doubmann unterzeichnete Protokolle erfüllen den Tatbestand der Urkundenfälschung
NerVerfaffungsstreii zwischen dem Reich und Preußen vor dem Gtaaisgerichtshof.
Leipzig, 12. Ott. (WTD.) 3n dem Berfas- sungsstreitverfohren zwischen Preußen und dem Reich wendet sich die Verhandlung der Frage der Befugnisse zu, die Artikel 48 dem Reichspräsidenten gibt. Der preußische Vertreter, Ministerialdirektor Dr. Brecht, führt hierzu aus, eine Landesregierung könne nur beiseite geschoben, nicht aber entfernt werden. Rur soweit könne die Gewalt gehen, daß eine E r f a h vornah m e für die Landesregierung erfolge, aber nicht eine neue Landesregierung selbst bestimmt werde. Es seien nur Maßnahmen gestattet, welche das Land zur Pflichterfüllung onhalten. Dos gelte für den Reichspräsidenten selbst, wie auch für den mit der Durchführung der Maßnahmen Beauftragten. Insbesondere könne er unter keinen Umständen Beamtenernennungen und -entlassun- g-e n vornehmen.
Für Bayern führte sodann Staatsrat v. I a n aus, ein Reichsexekutor, der ausziehe, um die Verfassung zu sichern, müsse seinerseits auch die Verfassung beachten. Daraus folge, daß die Länder beanspruchen können, daß sie Subjekte des Staatslebens bleiben und nicht zu Objekten gemacht werden. Dor allem dürfe die Landesregierung nicht abgeseht werden. Weiter dürfe die Mitwirkung im Reichs- r 0 t nicht behindert werden. Der Artikel 48 Absatz 1 enthalte keine Ausnahme.
Präsident Dr. B u m k e meinte, man müsse auch prüfen, was denn überhaupt das Reich unternehmen dürfe, um das Land zur Erfüllung seiner Pflichten gegen dos Reich und die Reichs- gesehe zu veranlassen, besonders, wenn es mit dem Vorgehen der bewaffneten Macht nicht getan sei. Hinsichtlich der Reichsratsstimmen finde sich z. B. in der Literatur auch die Andeutung, daß für die Dauer einer Reichsexekution die Stimmen des betreffenden Landes im Reichsrat ruhten. 3n diesem Zusammenhang entstehe die Frage, wie lange denn eine solche Exekution dauern solle.
Ministerialdirektor Dr. Brecht erklärte, in dem Vorgehen mit der bewaffneten Macht liege aus jeden Fall die Möglichkeit, psychologisch zu wirken. Das Ruhen von Reichsratsstimmen wäre die unglücklichste Lösung. Wenn ein Mitglied der Landesregierung durch Vorgehen des Reiches beseitigt, sei, dann müsse der offizielle
Stellvertreter dieses Mitgliedes der Landesregierung die Funktionen des Landes ausüben.
Für die Reichsdelegation erläuterte Professor Jacobi- Leipzig den Artikel 48 Absatz 1 dahin, daß zur Erzwingung einer Dauerverpflichtung eines Landes die Einsetzung eines Kommissars diene, dem die Regierung eines Landes so übertragen werden könne, daß das Land vorübergehend wie eine Reichsprovinz verwaltet werde. Es sei aber auch ebenso möglich, einen Kommissar als Ersahorgan an Stelle der Landesregierung zu setzen, so daß der Kommissar im Ramen des Landes handele.
Eine neue Erklärung Sevenngs.
Ministerialdirektor Dr. Brecht verlas dann ein« Erklärung des Innenministers S e v e r i n g über eine Unterredung mit dem Reichsinnen- minrster F r e i h e r r n v. G a h l, die etwa Mitte Juni stattfand. „Wir besprachen", so heißt es xl a.. „die Unruhen der vorausgegangenen Tage. Auf meine Frage, ob die Reichsregierung wirklich die Einsetzung eines Reichskommissars plane, habe ich eine bestimmte Antwort nicht erhalten, doch gewann ich den Eindruck, daß Herr von Gayl di« Ausführung eines solchen Planes wenigstens im Augenblick nicht beabsichtige. Darin habe ich ihn bestärkt unter wiederholten Hinweisen auf die Organisation und Pflichttreue der Polizei, die auch noch größeren Ausschreitungen gewachsen fein wexde.
Die politische Gesamtlage beurteilte ich so, daß die Wahl des 81. Juli Jnen arbeitsfähigen Reichstag nicht ergeben werde. Wenn daraus größere Unruhen entstünden, dann könne das Reich zu ihrer wirksamen Abwehr die eigenen Machtmittel mit den Polizeikräften des größten Gliedstaates zusammenfassen. Nach meiner Meinung stelle «dann nicht die Einsetzung eines besonderen Kommissars, sondern eine Personalunionzwischcn bemRcichund Preußen die zweckmäßigste Maßnahme dar. Bei allen diesen Ausführungen habe ich selbstverständlich nur an eine Zusammenfassung von Polizeikräften unter einem Beauftragten des Reiches gedacht, nicht aber an einen Reichskommissar, der Minister absetzt, Beamte entläßt und Verwaltungsmaßnahmen trftft. die mit der Aufrechterhaltung von Sicherheit und
Lin deutsches krieaer-Ehrenmal in Dorpat.
Das Ehrenmal für die im Kampf um die Befreiung des Baltikums gefallenen deutschen Soldaten, das auf dem St.-Iohannes-Friedhof in Dorpat (Estland) unter großer Beteiligung aller deutschen Kreise feierlich enthüllt wurde.
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Ordnung nicht das mindeste zu tun haben. Niemals ist mir eingefallen, Herrn von Gayl zu Exekutionsmaßnahmen gegen das Land Preußen zu drängen und dazu, unter dem Vorwande der Pflichtverletzung preußische Minister und Beamte aus ihren Aemtern zu entfernen, die in Jahren der schwersten Bedrängnis des Volkes ihre Pflicht getan haben."
Ministerialdirektor Dr. G 0 11 h e i n e r erklärte, sich seine Stellungnahme zu dieser Erklärung für Donnerstag oorzubehalten.
Aus aller Well.
I. Internationaler evangelischer Schulkontzreh in Wuppertal.
Der 1. Internationale evangelische Schulkongreß in Wuppertal wurde eröffnet von dem Vorsitzenden des Verbandes, Universitätspro- feffor Dr. Waterink, Amsterdam. In der Be- grüßungsansprache wurde darauf hingewiesen, daß die Eröffnung des Kongresses mit internationalem Charakter ein historischer Augenblick sei.. Der Internationale Schulkongreß jedoch fei eine internationale Versammlung von tätigen Menschen, eines Herrn, eines Glaubens, einer Gemeinschaft. Der Kongreß konzentrierte sich auf die Fragen der Schule, der Familie und der Jugend. Die Losung heiße: Christliche Erzieher aller Länder vereinigt euch gegen den Ansturm der Gefahren, die die von Gott gewollte Erziehung der Jugend bedrohen. Der Wuppertaler Oberbürgermeister Friedrich dankte den Veranstaltern, daß sie Wuppertal zum Kongreß- ort gewählt haben. Für den Evangelischen Ober- kirchenrat für das Rheinische Konsistorium und für die Synode Barmen übermittelte der Konsistorialrat Schrader (Koblenz) herzliche Grüße und Segens- wünsche. Die Kirchenbehörden nehmen innerlichen Anteil an diesem bedeutsamen Kongreß der nicht gebunden sei an irgendeine Landesgrenze, sondern der die Internationale des Kreuzes Christi zur Losung ausgibt, der die Schule mit der Bibel für die Jugenderziehung will. Für die Elternschaft sprach Direktor Grünweller herzliche Grüße aus, desgleichen für die Lehrerschaft Rektor S p ä d e r. Pro- feffor Schafft von der Pädagogischen Akademie in Dortmund gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Zukunft eine enge Zusammenarbeit zwischen evangelischer Elternschaft und Akademie bringen möge. Seminardirektor Dr. B ä s ch l i n (Bern) referierte über „Autorität und Freiheit in der christlichen Erziehung". Professor Dr. W a t e r i n g sprach über „Begren- jung der Rechte und Pflichten des Staates, der Ge-
fellschaft und der Kirche hinsichtlich der Schule". Den dritten Vortrag hielt Pastor Lic. Brandt über „Eziehung vom Kinde aus im Lichte des Wortes Gottes". Eine fruchtbare Aussprache schloß fid) an die Vorträge an. In einer von vielen tausend Menschen besuchten öffentlichen Kundgebung für die Schule mit der Bibel sprach Pastor E n g e l k« über „Die wichtigsten Mittel zur christlichen Er* ziehung in der Familie".
Vücheriisch.
— Deutsche über Deutschland. Dia Stimme des unbekannten Politikers. Mit einem Rachwort: „Deutschland und di» konservative Revolution", von Edgar I. Jung. Albert Lan* gen/Georg Müller Verlag, München. (Kart. 4 Mark.) 186. — Bor 10 Monaten erschien ein Buch des Amerikaners K. Philipps Morgan unter dem Titel: „Richt warten — wirken! Amerikas Glaube an Deutschland". Es wurde allerorts gelesen und viel besprochen. Weil es sich bemühte, die deutsche Entwicklung aus dem deutschen Lebensgesetze heraus zu begreifen. Deshalb konnte es die Rolle eines Anregers zu einer allgemeinen öffentlichen Aussprache übernehmen, die ihm der Georg-Müller-Berlag zuaä)acht hatte. Runmehr liegt das Ergebnis des Preisausschreibens, das der Verlag im Anschluß an Morgans Buch veranstaltet hatte, vor. Au- allen politischen Lagern vom „Völkischen Beobachter" bis zur „Roten Fahne" hat sich der sonst nicht genannte deutsche Politiker zu Wort gemeldet, um seiner Meinung über deutsche Lebensfragen Ausdruck zu geben. Besondere Bedeutung erhält das Werk durch das Rachwort Edgar 3. Jungs. 3ung sieht in den unsere Zeit erfüllenden Gestaltungskämpsen die sich ankündigende „konservative Revolution", die die int deutschen Volke ruhenden, bisher verschütteten oder mißachteten Lebenskräfte zur Bildung einer der deutschen Art gemäßen staatlichen Fornt frei machen soll. So erhält dieses Werk dadurch seine eigene Rote, daß hier jeder sich selbst und sein Volk wiederfindet, ungeachtet des von ihm vertretenen politischen Standpunktes.
— Die Zinssenkung'nach der Verordnung des Reichspräsidenten vom 8. Dezember 1931 mit einer Einführung und kurzen Erläuterungen von Dr. Dr. Frantz Schlegelberger, Staatssekretär im Deichsiustizministerium. (Verlag von Franz Dahlen, Berlin W 9, Lirckstr. 16. Preis 1,60 Mark.) 596.
Herbst in Gchwetzingen.
Don F. JReuting
Don Heidelberg gesehen, ft es nur ein dunkler Stre'fen im einförmigen Ackerland der Ebene. Die Stille ist dort daheim. Nicht zwischen hohe Haus- giebe! ist sie gebannt, breit lagert sie sich über breite Plötze und Straßen mit niedrigen Häusern, deren Insassen niemals den weiten Raum bevölkern könnten.
Dort schläft der Geist einer vergangenen Zeit. Der Park, dieser Traum eines Fürsten, dessen (Erfüllung sich in Dingen erschöpfte, di« uns heute nur Beiwerk, säst nur «pielerei bedeuten gegenüber dem Großen, Ungewollten, das anderthalb Jahrhunderte oercift Was dort schläft, wird selbst im Frühling, betäubt durch die Fliederdüfte, nicht wach, und nicht im Sommer. Lindenduft, B'enensurnnien und das Geplätscher des Wassers lullen es ein.
Die uralten Kastanien an der Innenseite sind bedroht. Zusammengebrochen ist der jedem Flügel zunächst stehende Baum und die andern sehen aus, als ob sie das Sterben der Gefährten nicht lange überdauern sollten. Unter dem kühlen Torbogen überwältigt immer wieder die riesenhafte Perspektive der Lindenalleen, geschlossen von der blauen Linie der Kalmit hinten im Pfälzer Wald.
Riesenhaft wirkt hier alles. Kleinlich und wenig am Platze sind nur die Blumenrabatten, die sich vom (Eingang bis zum Hirschbassin hinziehen. Ihre grellbunte. Fülle reichte hin, ein paar Bauerngär- ten auszustatten. Der Park braucht keine Blumen. Die Laubengänge aus wildem Wein spannen zwei köstliche Bogen von Rot nach rechts und links — und wenn hier im Vordergründe Blüten sein sollen, dann müßten es Bogen tiefblauer und weißer Klematis jein.
Wir stehen an der großen Fontäne. Das weiß- gefaßte Becken leuchtet, ein giftgrüner Schaum über- 3ief)t zum Teil die Wasserfläche, aus der sich Arion und die Seeungeheuer des französischen Künstlers hebern Sie ift wundervoll, die Fontäne im Schwetzin- ger Park, auch für den, der viele ihrer Rivalinnen !£Pn*- Man sieht ihr zu, wie einer Tänzerin, deren Wieterfpel in ben Kulissen der Lindenalleen den selbstoerstandltchsten Hintergrund findet.
Schlank steht sie da und fast unbeweglich — nur Die weißen Perlen ihres Haarschmuckes schüttelnd. Der ferne Klang muß ihr eine Melodie eingegeben haben, deren Rhythmus im nächsten Augenblick ihre Glieder beseelt daß die Schleier fliegen und ihre *’UBC m eine Wolke weißen Staubes untertauchen.
Zu Füßen des Apollotempels liegen acht Sphinx- geftalten. Ihre regelmäßig gemeißelten Gesichter sollen die Züge gewisser schöner Hofdamen zu Carl Theodors Zeiten verewigen. Sie wundern sich längst nicht mehr. Seit man ihren steinernen Seib in jedem neuen Lenz mit weißer Delfarbe überzieht, haben sie aufgehört, für sich noch das Geringste zu erwarten
Und nun ist es Herbst, die Zeit, da der Park zu leben beginnt. (Es ist als umlohten Flammen den See, verdoppelt vom Spiegel der unbewegten Flut, als zittre das Blau der Luft von dem Glühen. Von breiten Alleen alter Kastanien eingesäumt, schleppen sich träge die Kanäle dahin. Wir gehen wie im Traum, wie ein Rausch hat uns die Un- ^sättlichkeit des Schauens, die Begier erfaßt, das Geheimnis jener Farbenglut, jener Schreie der ot'Ue 4" enträtseln Wir stürzen uns in das grüngoldene Dämmer dieser Alleen, an deren Enden es brennt wie ein lohender, goldener Schatz. Einsam ist es um uns, kein Laut, als das Knirschen des Laubes unter unseren Füßen, und wir lächeln wie die Kinder im Märchen, da wir sehen, daß auf dem ^osserftrelsen zur Seite lautlos ein Schwan uns folgt.
Es drängt uns weiter, als müßten wir ihn heben, jenen Sckxatz, bevor die Sonne sinkt. Denn Gold ist hier verschwendet. Auf goldenem Teller steht Ga- latheas schlanker marmorner Leib, so dicht bedecken die Blatter das kleine, runde Becken, aus dem die Schone emporsteigt, ihr nasses Haar in den Hän- den pressend. Mit Goldstaub hat die Sonne der letzten Tage die hohen Linden überstreut.
Okkultes Erlebnis.
Auf geheimnisvoll« Weise ist ein Zusammenhang zwischen Kunstwerk und einer historischen Mordtat hergestellt worden. Darüber berichtet der Direktor des Leipziger Kunstgewerbe-Mu- seums, Dr. Heinrich Wichmann, in ..Reclams Universum". Er erwarb im Jahre 1929 auf einer Berliner Versteigerung für sein Museum einen Riesen-Gobelin ..Die Schule von Athen", ein Meisterwerk der Pariser Manufaktur von 3ean Audran, das von Ludwig XVI. dem späteren Zaren Paul I. von Rußland 1782 geschenkt toor- ben war. Bei der Restaurierung entdeckte man nun Blutflecken und Spuren von Lanzen- und Degenstichen sowie von Kugeleinschlägen auf dem Gobelin. ‘Ser Wandteppich mußte also bei irgend emer Gewalttat eine Rolle gespielt haben. Dr. Wichmann vermutete, der Tepvich hab« vielleicht 'n dein Zimmer gehangen, in dem Paul I. 1801 ermordet wurde. Aber dazu schien nicht die hi
storische Lleberlieferung zu passen, wonach Paul I. erwürgt worden ist. Eine Aufklärung dieses Geheimnisses erfolgte nun durch den bekannten Hellseher Johann Kele, der eines Tages das Museum besuchte. „3ch führte ihn vor den Gobelin, ohne ihm das geringste über die historischen Umstände mitzuteilen", schreibt der Verfasser, „zeigte ihm auf der Rückseite den blutigen Hand- abdruck und fragte, ob er mir den Vorgang erklären könne. Rach einem kurzen erstaunten Blick brach aus ihm stoßweise folgende Schilderung hervor: „Da müssen aber noch mehr Blutspuren und Spritzer fein. Der Gobelin ist umgeschlagen und heruntergerissen worden. Dahinter war so etwas wie eine Geheimtür oder ein leerer Platz, wie ein Versteck." Einige Männer seien erst durch zwei Zimmer hindurchgegangen, fuhr der Hellseher weiter fort, im dritten Zimmer sei ein Mann von einem runden Tisch aufgesprungen, an dem er Karten gelegt hatte. Dieser Mann habe einen Gegenstand geworfen und sei niedergeschlagen worden. Er habe sich aber wieder erhoben und sei gegen eine Wand geflüchtet. Da habe er einen Stich von hinten oben an der Schulter erhalten. Das Blut sei von der Wunde bis auf die Hände gelaufen. An der Wand habe er den Gobelin umgeschlagen und im Todeskampfe sich hineingekrampft, habe dabei den Gobelin heruntergerissen und sei mit ihm zusammengebrochen." Dies« Schilderung, die von Kele ohne jedes Wissen von den historischen Vorgängen und der Herkunft des Gobelins gegeben wurde, ist von ihm in Zwischenräumen von mehreren Tagen zweimal wiederholt worden. Es ist jedenfalls merkwürdig, daß der Hellseher durch die Betrachtung des Wandteppichs di« Ermordung des Zaren Paul I. „vor sich sah".
OieTragödie eines berühmten Modells.
„Mein Leben ist so jammervoll. 3ch will nichts mehr davon." Diese Worte standen auf einem Stück Papier, das an dem Rachtgewand der Elizabeth Siddall R 0 s s e t t i mit einer Radel fest- geftedt war, als man sie tot auffand. Der Ge- richtsarzt stellte als Todesursache „eine zu große Sofid Laudanum" fest: sie hatte sich das Leben genommen. So endete die Laufbahn einer Frau, die in der Kunst fortlebt ate die „Muse der Präraffaeliten", die Modell und Gattin des großen englischen Maler-Dichters Gabriel Ros» setti toar. Reue eingehende Mitteilungen über die Tragödie dieses berühmten Modells bietet die soeben erschienene Biographie »Die Frau
Rossettis" von Violet Hunt. Die Verfasserin ist die Richte des Malers Holman Hunt, der zu der „Brüderschaft" jener Künstler gehörte, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine neue Schönheit und ein neues Lebensideal schufen. Miß Hunt ist in dem präraffaelitischen Kreise aufgewachsen und weiß aus mündlicher lieber* lieferung vieles in einem neuen Lichte darzustellen. Sie erzählt, daß es der Maler Walter Dederell war, der ein Modell suchte «und in dem Putzgeschäft der Frau Tozer ein junges Mädchen entdeckte, dessen eigenartige Schönheit ihn überwältigte. Er schickte seine Mutter zu der Mutter der jungen Putzmacherin und nach diesen Verhandlungen erklärte sich die junge Dame Elizabeth Eleanor Siddall bereit, ihm zu sitzen. Dadurch wurden auch die anderen Künstler auf sie aufmerksam, und schließlich wurde sie das treue Modell Dante Gabriel Rossettis. Besonderes Entzücken erregte ihr biegsamer Hals, ihre kupferfarbene Haarfülle und die blühende Ueppigkeit ihres Mundes. Sie zeigte zunächst noch Mängel der Aussprache und der Bildung, wurde aber bald zur „großen Dame" und offenbarte eine außerordentliche künstlerische Begabung. Ruskin hat von ihr gesagt, daß sie „sogar besser malte als Rossetti", und sie hat ein paar Gedichte von hoher Schönheit hinterlassen. Ruskin war e« auch, der Rossetti dazu drängte, sich mit ihr zu verloben: aber es dauerte noch neun Jahre bevor er sie heiratete. Die exotische Schönheit kränkelte während der ganzen Zeit, und nach der Heirat wurden die Streitereien zwischen ihr und Rossetti immer unerträglicher. So machte sie frühzeitig ihrem Leben ein Ende.
Hochschulnachnchien.
BUederbesetzung fces durch den Abgang von Professor Dr. Erich Bley nach Gießen in der «r e l fs walder Rechts- und Staatswissenschaft- llchen Fakultät erledigten Lehrstuhls für bürgerliches Becht ift ein Rus an Professor Josef Juncker in Bonn ergangen.
Der durch den Weggang von Profesior Eduard von I a n an der Universität Greifswald erledigte Lehrstuhl der romanischen Philologie ist dem ao. Professor Dr. Hellmuth Petriconi in Frankfurt am Main angeboten worden»
Professor Dr. Großmann-Doerth an der Prager deutschen Universität hat einen Ruf auf den durch den Weggang des Professors Dr. H. Hoeniger an der Universität Freiburg i. Dr. frei gewordenen Lehrstuhl für Handelsrecht, Wirtschaftsrecht, Arbeitsrecht und bürgerliches Recht erhalten.


