Ausgabe 
13.10.1932 Frühausgabe
 
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Donnerstag, 15. Gttober 1952

182. Zahrgang

SietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhesfen

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Außenpolitischer Kurswechsel im Kreml?

Die Komintern wird abgehalftert. Eine Geste für Amerika.

Von unserem ^.-Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Moskau, Oktober 1932.

Unter den zahlreichen neuen Verordnungen der Sowjetmacht über Aenderungen auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet nimmt die von den ausländischen und internationalen Gesellschaften und Verbänden" in der Sowjetunion eine Bedeu­tung an, die bezeichnend ist für die außenpolitische Umorientierung des Kreml. Namentlich genannt werden in dieser Verordnung die Internatio­nale Arbciterhilfe und die Internationale Gefangenenhilfe. Nicht genannt werden die K o m - munistische Internationale (Komintern) und die G e w e r k s ch a f t s - I n t e r n a t i o n a l e. Und dennoch fallen auch sie unter diese Bestim­mungen.- Danach dürfen fortan, und zwar rück­wirkend in der Sowjetunionausländische und internationale Gesellschaften und Verbände" nicht anders bestehen, als bei Unterstellung unter die Ver- oinsgesetze der Sowjetunion. Im einzelnen: die Ar­beiter- und Gefangenenhilfe darf nur als Sektionen oder Abteilungen ihrer Kongresse bestehen, die Ko­mintern und Profintern dürfen in einer der So­wjetrepubliken (!!) nur mit Erlaubnis eben der Re­publik bestehen, die ihre Satzungen bestätigt (!!). Damit sind d i e bisherigen exterrito­rialen Vorrechte aller international-bolsche­wistischen Propagandazentralen in der Sowjetunion aufgehoben. Sie können von Staats wegen jederzeit verboten werden, was zwar prak­tisch bisher auch möglich war, aber nicht geschehen ist, künftig aber formal möglich sein und unter Umständen auch geschehen wird. Unter Umständen! Welches aber sind die? Natürlich wird der Kreml die Komintern und Profintern ebenso wenig auf­geben wie die Arbeiter- und Gefangenenhilfe. Aber da er sie auch nicht außer Landes weisen kann, weil sie nirgendwo Aufnahme fänden, und die außen­politischen Rücksichten gebieterisch ihre offi - ^zielte Loslösung vom Kreml verlangen, werden künftig diese Propagandaanstalten wahr­scheinlich aus Moskau in eine der Provinzen verlegt. Wenigstens hielt man die Entfernung der Komin­tern nach Russisch-Mittelasien schon immer für einen diplomatischen Ausweg". Wie dem aber auch sein möge, Tatsache ist, daß die Sowjetdiplomatie sich für ihre weitere Außenpolitik international von der Propaganda des reinen Bolchewismus formal losgelöst hat. .

Man spricht dabei kein Geheimnis aus, daß diese Maßnahme eineRücksicht vor allem auf Amerika ist. Es ist just schon für die Tlntcrstellung der Zentrale für den internatio­nalen Arbeiterfilm unter das neue Gesetz be­zeichnend, daß eine Aegerfilm-Aufnahme soeben für ein 3 a t) r hinausgeschoben" wor­den ist. Denn mit diesem Film wollte man zuerst den Rassenkampf zwischen Weißen Amerikanern und Regern zur Schande der Weißen propa­gandistisch ausschlachten. Da aber die Sowjet­diplomatie ernstlich mit der Anerkennung Ruß­lands durch Washington rechnet, wird dieHin­ausschiebung" des Films um ein 3ahr damit be­gründet, daß doch lieber nur der allgemeine Klassenkampf, nicht auch die Regerunterdrückung durch Amerika in das Szenarium gebracht wer­den solle. Man sieht, es geht auch so ganz gut, wenn der Kreml muß! And man weih, daß dieser . Waffenstillstand in der Propaganda gegen Ame­rika schon vor einigen Monaten zwischen Russen und Amerikanern eingeleitet worden ist, und zwar durch Herrn Karl Radek persönlich. Da­mals spielte sich Rußland auch gleich auf bie Hoover-Doktrin über die Abrüstung ein, und zwar nicht ohne Liebereinstimmungen mit grund­sätzlichen Erwägungen bezüglich der gesamten 3nnen- und Außenpolitik des Kreml.

Was eigentlich im Gange ist, wird wahrschem- lich schon in nicht ferner Zukunft klarer zu sehen sein. Vorerst genügt die Aufzeichnung einiger be­merkenswerter Wandlungen gerade hinsichtlich der internationalen Propaganda. Zunächst ist da die Umstellung oder besser das Einspielen auf eineallgemein-sozialistische (!) Antikriegsfront" zu vermerken. Sie ist das versöhnende Antlitz des Kreml in der Richtung sowohl des nichtkorm munistischen Proletariates im Ausland als auch auf die amerikanische Friedenspolitik. Ihren Rückhalt aber hat diese Taktik in der bekannten marxistischen" Einheitsfront, wie sie vom Kreml neuerdings besonders für Deutschland angestrebt wurde, jetzt aber umgetauft wird inallgemein­sozialistische", wie gelegentlich der Antikriegs­demonstration in Amsterdam und des Kommu­nistischen Iugendtages fast überall in der Welt die Sowjetpresse umschwenkte.

Weiter muß vermerkt werden, daß Rußland auf innenpolitischem Gebiet eher eine ernste innere Wandlung zu beginnen scheint, als nur eine tak­tische Aenderung. Hand in Hand nämlich mit der Auflockerung der ' lanwirtschaftlichen Zentral- Liktatur zu Ruh unu Frommen des Privathan­dels und Gewerbes wie überhaupt der per­sönlichen und Einzelinitiative auch im Kollektiv und in der vergesellschafteten Industrie geht seit Monaten die Umgrabung des Bodens der Schule, Schriftstellerei, Dichtung, Musik und Kunst.

Alles scheint nun durch die formalrechtliche Ab- halfterung der Komintern und ihrer Schwestern- verbände, durch ihre Unterstellung unter das Landesrecht der Sowjetunion insofern anders wer­den zu sollen, als nicht mehr der Internationalis­mus Stalins führt, sondern eine Richtung, die von Rußlands Interessen her, nicht

Lias Echo oer Kanzierreve.

Der Eindruck in München.

München, 12. Okt. (CNB.) Wohl selten hat ein Reichskanzler in München eine s o außer­ordentlich starke Zustimmung bei einer Rede gefunden, wie sie Reichskanzler v. Papen bei seinen programmatischen Darlegungen vor den baye­rischen Wirtschaftsständen zu verzeichnen hatte. Be­sondere Zustimmung fanden während der Rede die Hinweise des Kanzlers auf die Verbundenheit des Reichs und seiner Länder und auf die Heiligkeit und Unantastbarkeit der deutschen Einheit. Zu minutenlangen stür­mischen Kundgebungen, in denen die Versammelten mit Händeklatschen und Zurufen ihre Zustimmung zum Ausdruck brachten, tarn es, als der Kanzler die Frage aufwarf, ob es nicht ein Verbrechen sei, dieAufbauarbeitder Reichsregierung aus armseligen Par­teirücksichten heraus zu sabotieren, ebenso bei seiner Ankündigung, daß die Reichsregie­rung entschlossen sei, mit drakonischer Schärfe gegen solche Störungsversuche einzuschreiten. Stür­misches Händeklatschen und immer wieder erneuerte Kundgebungen der Zustimmung unterstrichen dann namentlich auch die Sätze des Reichskanzlers über das Wirken des Reichspräsidenten.

Berliner Preffestimmen.

Berlin, 12. Okt. (TU., Ein Teil der Berliner Blätter nimmt bereits zur Rede des Reichskanz­lers in München Stellung, wobei die Ausfüh­rungen Papens übet die Verfassung und Reichs­reformpläne der Regierung im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen. DieDe u t s ch e Tages­zeitung" sagt, die Rede zeige die von der Blässe der Bedenklichkeiten nicht angekränkelte Frische Des Tones, die dem Kabinett das beinahe entgegengesetzte Vorzeichen wie bei der Brüning- Regierung verleihe. Die außenpolitischen Formu­lierungen seien in der Richtung des prinzipiellen Anspruches auf Gleichberechtigung und Sicherheit klar und nachdrücklich. Herr v. Papen habe mit diese, Rede seine bereits mehrfach bewährte- higkeit, den Hörer wie den Leser zu packen und zu fesseln, erneut bewiesen. Es fei möglich, daß bi e Vertrauensbereit schaft im Volke von dieser Rede her wieder neuen Antrieb erhält. Sicher sei aber auch, daß diese Dertrau- ensbereitschaft sich erst zum Vertrauen wandelt, wenn aus guten schönen Worten und aus der nun hinreichend versicherten Tatbereitschaft kurzfristig endlich die Tat werde. DerTa g" nennt die Rede des Reichskanzlers eine wirkungsvoll vorgetragene Z w i s ch e nb i l a n z der Reichsre­gierung über ihre bisherigen Leistungen und Kämpfe, verbunden mit einer Vorschau über die Pläne und Projekte der kommenden Regierungs­tätigkeit. Der neue Reichstag werde in den Re- formprojekten den Prüfstein für seine Existenzbe­rechtigung finden. DieTägliche Rund­schau" nennt den ersten Teil der Rede einen Rechtfertigungsversuch. Der zweite Teil, die Reichsreform und Derfassungspläne bdeuteteten einen Rückschritt auf der ganzen Linie. Sollte die­ser Weg doch beschritten werden, so müsse es sich zeigen, ob nicht die Einigkeit des Volkes letzten Endes doch stärker ist als die Männer, die es heute vorwärts zu führen glauben und es weit zurückführen.

Rach derGermania" hat die Reichsregie­rung mit der Münchener Rede des Reichskanz­lers jetzt denWahlkampferöffnet. Wenn der Entwurf zur Verfassungsreform dem neuen Reichstag vorgelegt werde, werde man erkennen, ob er mehr ein Mittel zur Reuauflösung des Reichstages fein wird, oder ob er im Rahmen einer verständigungswillig herbeigeführten politi­schen Bereinigung einen aussichtsreichen Arbeits­stoff für ihn darstellen soll. DerVorwärts" bezeichnet die Ausführungen des Reichskanzlers als das Programm der Gegenrevolu­tion, demgegenüber das Blatt die Republikaner zur Verteidigung der Republik aufruft. Die ver- fassungstreuen Elemente des deutschen Volkes, die Hindenburg als Hüter der Verfassung in sein Amt eingesetzt haben, forderten als Antwort auf die Drohungen des Reichskanzlers eine bestimmte E r» tlärung des Reichspräsidenten, daß er eine Verfassungsänderung auf anderem als dem

verfassungsmäßigen Wege niemals zulassen wird. Sollte eine solche Erklärung ausbleiben, so wäre mit der Münchener Rede der M a ch t k a m p f um die Republik und Demokratie eröffnet.

DasBerliner Tageblatt" nennt die Rede des Kanzlers nur ein Glied in der Kette der Versuche, um die Schwierigkeiten mit der Volksvertretung herum den Weg zu weitreichen­den Aenderungen der Machtverhältnisse in Deutschland zu finden. DerBörsen-Cou- rier" führt aus: Die Zuversicht, die Herr v. Po­pen hat oder bekundet, ermöglicht ihm, die über jedes gewohnte Maß hinaus quellende Problema­tik aller deutschen Dinge, die Antworten, die er auf Schicksalsfragen aller Gebiete bereithält, in beinahe leichtem Tone vorzutragen.

Zügen- und Staat.

Ein Appell des Reichskanzlers

München, 12. Okt. (WTB.) In dem geschlosse­nen Kreise des Akademisch-Politischen Klubs hielt Reichskanzler v. Papen am Mittwochnachmittag eine etwa dreiviertelstündige Ansprache über die ideellen Hintergründe seiner Politik. Als sein Ziel bezeichnete er die Herstellung einer neuen dauer­haften Verbindung zwischen Regierung und Voiks- willen und die Begründung einer neuen Volksgemeinschaft. Er hob besonders die Rolle der Jugend bei dieser Neugestaltung un­seres Staatslebens hervor. Die große und zukunsts­volle Arbeit, die sie bisher in ihren Bünden und Vereinen größtenteils im Gegensatz zum Staat ge­leistet hat, will die Reichsregierung jetzt in den Schutz des Staates nehmen. Ein Staat, der etwas eigenes sei und nicht nur das Experi­ment der Parteien, könne den Anspruch erheben, daß auch die Jugend ihre Zielsetzungen nach ihm einrichte, ohne daß er ihr Eigenleben vergewaltige. Bildung müsse erwachsen auf der Grundlage erfüllter Pflichten. Die gemeinsamen sach­lichen Aufgaben ergäben sich aber nur aus dem Leben des Staates, nicht einer Partei. Freiheit will verdient sein. Die Aufgabe der deut­schen Bildung sei weder in volksfremder Geistigkeit

ober anarchischem Individualismus, noch im Unter­tauchen in den kollektiven Massenbewegungen zu er­füllen. Die deutsche Kultur müsse ihre völkische und christliche Grundlage wiederfinden. Auf diesem festen Boden aber solle sie bie vollen Kräfte der schöpferischen Persönlichkeit entfalten, sie in Staat und Wirtschaft zur Geltung bringen und sich ihrer alten Pflichten zur Führung erinnern. Auch in Zukunft werde das freie Individuum seine Bedeutung erhalten. Der Kanzler schloß Mit dem Treitschkewort: Männer machen bie Geschichte. Sei­nen Darlegungen folgte lebhafte Zustimmung des großen Hörerkreises nachbem er schon beim Be­treten des Saales mit Händeklatschen begrüßt wor­den war.

Abschied von München.

München, 12. Oktober. (TU.) Den Abschluß des Münchner Aufenthalts des Reichskanzlers, der am Nachmittag noch seinem alten Oberbefehlshaber un Weltkrieg, dem Kronprinzen Rupprecht, einen Besuch abgestattet hatte, bildete ein zu Ehren des Gastes vorn Bayer. Jndustriellenverband veranstal­teter Bierabend, zg dem wieder zahlreiche Persön­lichkeiten des öffentlichen Lebens erschienen waren. Der Präsident, Geheimrat Böhringer, bezeichnete die Tagung des Verbandes, in deren Mittelpunkt die Rede des Kanzlers stand als einen Markstein in der Geschichte der deutschen Wirtschaft, die durch die Aus­führungen des Reichskanzlers neuen Mut b e - kommen habe. Die Wirtschaft wolle zu ihrem Teil im Sinne der Ausführungen des Reichskanzlers m i t h e l f e n , das Vaterland wieder zur Gesundung zu führen. Reichskanzler von Papen dankte dem Ministerpräsidenten für die Gastfreundschaft, bie ihm in München gewährt worden sei. Er scheide aus München mit der Ueberzeugung, daß die beiden Tage die Geister nähergebracht hätten. Er wisse, daß die Industrie mithelfen werde, bas Ziel zu er­reichen, das die Reichsregierung anstrebe, ein neues Deutschland zu schaffen. Auf dieses Ziel leerte der I Kanzler sein Glas. Der Kanzler fuhr um 21.20 Uhr mit dem Nachtschnellzug nach Berlin zurück.

Der Schwindler Ignaz Hummel erzählt....

Oie Rückkehr aus Italien. Ein Opfer der Sensationsgier.

So betrog Ignaz Hummel bie Eltern Daubmanns: Der Be­trüger zwischen den alten El­tern des vermißten Daub« mann, die in Hummel ihren Sohn wiederzuerkennen glaub­ten und nun auf bas bitterste enttäuscht wurden.

Freiburg, 12.Okt. (WTB.) Bei der Ermitt­lung im Fall Daubmann ergab sich weiter, daß der Schwindler Ignaz Hummel in Offenburg ver­heiratet ist und schon seit längerer Zeit von seiner Frau getrennt lebt. Er schwebte ständig in der Angst, seine Frau würde ihn unter Umständen erkennen. Er gab zu, daß er in den Jahren 1909 und 1910 in Endingen die 6. und 7. Volksschulklasse besuchte und dort mit Oskar Daubmann zusammen- kam, mit dem er befreundet war. Hummel wußte auch, daß Daubmann im Weltkriege ge­fallen ist. Er betrieb nach seinen Angaben von

1930 bis zum Mai 1932 in Offenburg ein eigenes Schneidergeschäft. Als dieses nicht mehr ging, setzte er sich auf sein Fahrrad und fuhr nach Neapel. In Neapel ging das Fahrrad in Trümmer und Hummel kam auf die Idee, jetzt die Geschichte mit Afrika zu erzählen, um durch Vermittlung des Konsulats kostenfrei in die Hei­mat zu kommen. Hummel ist nie in Afrika gewesen. Er hat beim Infanterieregiment Nr. 110 in Mannheim gebient und war im Jahre 1916 in Freiburg am Magen operiert worden.

Hummel erklärte, er hätte ursprünglich die Ab­

wehr des internationalen Proletariats, Weltpoli- tif machen will. Ob es wahr ist, daß man Stalin xum Rektor einer asiatischen Universität irgendwo im Lande machen will, um dem Kriegskommissar Woroschilow und dem Parteiführer Ka­ganow i t f ch freie Hand zu geben, ist nicht fest­zustellen. Daß aber Außen- und Innenpolitik jeg­lichen überflüssigen ideologischen Kominternbal­last abwerfen, das ist schon im Gange. Es muß also dieproletarische Einheitsfront" des Kreml nicht nur unter parteipolitischen Gesichts­punkten bewertet werden, sondern vor allem auch nach denen einer umfassenden außenpoliti­schen Reuorientierung. Diegroße Di­plomatie" ist schon geraume Zeit im Bilde.

Arbeitülosenunruhen in Belfast.

L o n d o n, U. Ott. (TU.) InBelfast (Rord- irland) hatten 10 000 Arbeitslosen für den Diens­tag eine Massenkundgebung und einen a r sch nach dem Arbeitsamt geplant, wo sie mit Gewalt die Erhöhung der Unter- ftützungssätze fordern wollten. Am Die Kundge­

bung zu verhindern, zog der Polizeichef von All­ster in der Rächt zum Dienstag 2000 Schutz­leute, mehrere Panzerwagen und mit Maschinen­gewehren ausgerüstete Kraftwagen in Belfast zu­sammen. Trotzdem tarn es zu größeren Ansamm­lungen und Zusammenstößen mit der Polizei. Als die Schutzleute von den Arbeitslosen mitStei - nenbeworsen wurden, gingen sie mit Gummi­knüppeln gegen die Menge vor. Später versuchten die Arbeitslosen, den Strahenbahnver- ke h r zu stören, indem sie große Holzbalken über die Schienen legten. Die Fensterscheiben von meh­reren Straßenbahnwagen und Omnibussen wur­den zertrümmert. Erst nach Mitternacht trat in öer Stadt Ruhe ein. Rui in einem Bezirk wurde noch auf die Polizei geschossen, sobald sie sich zeigte. In diesem Bezirk kreisen noch Panzerwagen durch die Straßen. Der Bestand der Belfaster Polizei ist durch weitere 500 Mann, die am Abend aus der Umgebung in der Stadt eintrafen, auf 2500 verstärkt worden. Im gan­zen befinden sich 31 Personen in den Belfaster Krankenhäusern.

Eine Wahlknndgebung der RSOAp.

München, 12. Okt. (ERB.) 3n einer Wahl- kundgebung der RSDAP. sprach im Bürgerbräu- saal der oldenburgische Ministerpräsident Roe - ver über nationalsozialistische Regierungsarbeit in Oldenburg. Der Redner bemerkte einleitend, es sei falsch, zu glauben, daß die Deutschnatio­nalen die Drahtzieher der heutigen Reichspolitik seien. Die Deutschnattonalen seien vielmehr rest­los von Herrn v. Papen eingesackt worden. Der 6. Rovember werde die Zeit bringen, wo Adolf Hitler von feinem Cid in Leipzig befreit werde. Der Redner ging dann auf die Frage der Arbeitsbeschaffung ein und bemerkte, daß die oldenburgische Regierung ein Ar - beitsbeschaffungsprogra mm nach Ber­lin gegeben habe, mit dem die Frage der Ar­beitsbeschaffung in Oldenburg gelöst wäre. Ob die Regierung in Berlin die Durchführung des Programms ermögliche, wisse er nicht. Selb­ständig könne Oldenburg nicht vorgehen, da es dem Lande sonst gehen würde wie Braun und Severing.

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